Archiv der Kategorie: Shui Tang

Ein Jodeln aus Alishan

Es ist rasch dunkel und jeden Tag ein bisschen schneller.

Guten Nervenmantel brauche ich um diese stressige Zeit auszuhalten. Während andere Geschenke aussuchen und einkaufen, muss ich Ruhe und Distanz pflegen. Manchmal fühlt man sich ganz tief in Alpen, wo zu bestimmten Monaten keine Sonne strahlt. Zu solchen Moment braucht man schwebende Klänge und schwebenden Tee, der einen aus den tiefen Täler in die weite Landschaft tragen!

Ein schwebender Alishan alte Machart aus meinem Keller. Zufällig gefunden. Bereits zwei Jahre gelagert und gereift!

Es gibt genügende Alishan und eine Menge von so genannten Hochlandsoolong. Was macht einem Alishan Oolong heute zu einer Rarität?

Ein rarer Oolong ist heute ein Tee, der nach einem bestimmten Vorbild gemacht, anstatt an den Mainstream-Geschmack zu orientieren. Anstatt einseitigen grasigen frischen Noten schmeckt ein Oolong von alten Machart nach reifen Früchten und geöffneten Blumen. Das bedeutet auf das reifere Pflückgut zu warten antatt die zarten jungen Blätter, die langes Welken und Fermentation nicht aushalten. Lange Fermentation verwandelt die grünen Blätter zu einem facettenreichen Tee, der zugleich elegant und tiefgründig ist.

Ich schrieb die Degustation mit diesem Alishan 2016 in meinem Notiz:

Dieser Hochland-Oolong aus Taiwan ist durchdrungen vom fast mystischen Gaoshan-Qi (Hochlandsenergie). Ein Tee, der inspiriert und beflügelt, etwas vom Begehrtesten unter Teekennern. Sein blumiger Duft ist begleitet von feinen Zitrusfrüchten. Dies verleiht ihm ein frisches, elegantes Parfüm. Im Mund fließt süßes, fruchtiges Tauwasser, nach Melone und reifer Ananas schmeckend. Die Geschmeidigkeit des Aufgusses belebt unsere Sinne, man fühlt sich auf einer Blumenwiese, getragen vom schwebenden Jodel aus den hohen Bergen in die weite Landschaft!

Hier ist ein Stück improvisierten Jodelns nach dem Mittagsessen des Volkes Zou, das bis heute in Alishan ansässig ist!

https://youtu.be/wIIFGB_bVtg

Lange Fermentation über die Nacht anstatt vor Mitternacht die Fermentation zu stoppen.

Daxueshan ruft

Ich weiss nie, was auf mich in Shui Tang wartet. Ich kann nur es annehmen, was das Universum mir beschert. Es hört sich so an, als ob es fremd bestimmt wird. Ich sehe es so, dass das Leben geführt wird. Was führt uns?

Lukas hätte ich nicht wieder erkannt. Er hat sein Bart weg rasiert. Simon kam um seinen Daxueshan Gushu zu sichern. René kam mit dem Vater, um ihm Shui Tang zu zeigen. Für diese junge Runde wählte ich den Pu Er Daxueshan Yesheng Gushu, der Evolution verpasst und wilde Gene besitzt. Über paar Hunderten Jahren wächst er im Wald über 3000 Meter über den Meeresspiegel. Harzig, frisch und floral. Ich bereite ihn gerne sanft zu, obwohl er uns auch gerne seine Ellbogen zeigen. Was für Geschmackskurven? Es gleicht eine Wanderung durch die Frühlingslandschaft, wo Krokus blühen, die Moore gemütlich verbreiten, Nadelbäume ganz gerade in die Himmel wachsen. Ja, wie Avatar! Wie der Wald bei dem Hexer Wiesner in Escholzmatt!

Der Ruf von Daxueshan Yesheng Gushu ist wie eine Faden. Er ruft einen in den Wald zu gehen, wo ein Labyrinth sich offenbart. Es ist wie Theseus, der unausweichlich seine Reise antreten musste, mit Faden von Ariadne den Weg finden und Minotauros töten konnte.

„Dieser Tee schmeckt wie ein Ruf.“ Die beiden nickten den Kopf. “ Hast Du nicht das Gefühl, dass er Dich ruft, Lukas, komme! Komme raus! Raus aus Deinem Komfortzone!“ Lukas sagte, „Doch! Aber wir blieben meistens gerne im Verzicht auf Freiheit und lieber in Sicherheit.“ „Das stimmt. Wir stehen oft kurz vor einer Mündung und haben ungeheuer Angst weiter zu gehen. Aber wenn wir nicht paar Schritte weiter gehst, woher sollen wir wissen, wohin der Fluss uns treibt und wie die Ozean aussehen kann?“ Das Problem ist, wenn wir paar Schritte gemacht haben, wissen wir plötzlich, dass wir nicht von dem Strömung getrieben sind, sondern von unserem Herzen. Lernen zu vertrauen, dass wir auch allein den Weg zu Ende gehen können, ist auf einmal das Wichtigste. „Man braucht Mut.“ sagte er.

Was ist Mut? Ist Mut Nicht- Angst? Ist Mut eine Kraft, um etwas zu verändern? Ich neige zu dem Tee. Er ruft. Ich muss mir nicht überlegen, weil mein Herz vibriert. „Mut ist vielleicht eine Haltung im Leben. Eine Haltung die sich in bestimmten Moment manifestiert, wenn etwas entschieden werden muss. Entscheide ich mich für die Vibration meines Herzens? Oder entscheide ich mich für den scheinbaren einfachen kontrollierbaren Weg?“ Eine Grundhaltung, die den Lebensfluss am Scheideweg scheidet und führt.

Lukas umarmte mich beim Abschied und bedankt sich für den Stoff zum nachdenken.

Meine Gäste sind gegangen, und ich gehe auch weiter.

Einsamkeit und Gemeinsamkeit in Moods

Ich erzähle gerne Geschichte. Weil ich glaube, dass ich ein einsamer Mensch bin. Ich bin als ein einsames Kind aufgewachsen, weil meine Mutter mir nicht erlaubte mit anderen Kinder zu spielen und mir dafür wunderbare Bücher über die Weltgeschichte und europäische Aufklärung kaufte. Die Welt der Erzählungen gab mir einen Raum, in meiner Einsamkeit mit all unbekannten Personen und nie begegneten Figuren verbunden zu sein, über die Grenze zu Raum und Zeit.

Einsamkeit wird in der chinesischen Kultur wunderbar erzählt. Der berühmte Dichter Li, Bai erzählte uns von einem vollkommenen Glück in einer Vollmondnacht:

舉杯邀明月 對影成三人

Ich lade den Mond ein, mit einem Schatten gemeinsam zu Dritt eine Schale Wein zu teilen.

Das vollkommene Glück liegt in dem vollkommenen Eins werden mit sich selbst.

Aber was machst Du, dass Du trotz Zweisamkeit und Dreisamkeit immer noch einsam fühlst? Denn die Einsamkeit nichts mit Anzahl von Menschen neben uns zu tun. Es hat mit „Verstanden werden und Verstehen wollen“ zu tun. So einsam, dass man Angst vor dem Abendessen hat. Mit wem sollte man essen gehen? Wie findet man jemanden, mit dem man ohne Worte verstehen kann? In der chinesischen Mythos wird eine Geschichte über einen König und eine Pfau erzählt:

Der König erhielt einen Pfau vor drei Jahren. Das Vogel sang und tanzte nie. Jemand riet König einen Spiegel vor dem Pfau zu stellen, damit ihm getäuscht werden konnte, dass er Seinesgleichen begegnet hätte. Tatsächlich tanzte und sang der Pfau drei Tage lang vor Aufregung und starb direkt wegen der Erschöpfung. 青鸞舞鏡 Qing Luan Wu Jing ist somit ein wichtiges Geschenk der chinesischen Kultur an uns. Es erzählt uns über unsere Einzigartigkeit und den vergeblichen Versuch, Unseresgleichen zu finden.

In unserer Individualisierungsprozess müssen wir die Einsamkeit aushalten. Das Mittel uns in diesem Zustand zu unterstützen ist die Poesie und Musik.

Lea komponiert uns schöne Stücke, die uns näher an die Einsamkeit bringen, die wir wahrscheinlich gerne nach aussen verleugnen; und zugleich uns an diese Gemeinsamkeit erinnern. Egal wer wir sind, wollen verstanden werden und den Anderen verstehen. Einsamkeit ist der beste Brücke zur tiefen Verbundenheit mit anderen Menschen. Denn sie einem Raum schenkt, der andere Möglichkeiten und die Zukunft öffnet. In dieser Gemeinsamkeit fühlen wir uns wieder miteinander verbunden. Auch wenn wir aus unterschiedlichen Richtung kommen, können wir unseren Herzen zu hören und folgen. Dort liegt die Zukunft.

https://www.moods.club/de/?d=201812

Liebe Meng-Lin, 

Vielen herzlichen Dank nochmals für den Dong Ding Qinqxin Premium 2011 Frühling – der hat mir in den letzten zwei Wochen wirklich viel Kraft und Fokus und Erdung gebracht. Er war mein ständiger Begleiter in der Vorbereitungszeit für mein Konzert am 15.12. Ich hab täglich bis 2 Uhr morgens durchkomponiert! Und um 8 Uhr morgens wieder begonnen, ohne wenn und aber. Er hat mich auf eine Art angetrieben „ Los, weitermachen“, aber auf eine sehr tröstende Weise, als ob ich nicht alleine wäre. Merci!

Zu meinem Konzert: Es findet am 15.12 im Moods in Zürich statt ( im Schiffbau ), es beginnt um 20:30 und dauert ca 75min.

Das Thema ist die Verbindung. Aus der Einsamkeit in die Gemeinsamkeit. Wir beginnen reduziert, sehr ruhig, meditativ, auch etwas dunkel- und dann kommen immer mehr Musiker auf die Bühne, bis es am Schluss ein Fest ist. Es ist auch tatsächlich mein Geburtstagsfest an dem Tag! Es würde mich sehr freuen, wenn einige meiner Teefreunde dabei wären:) Shui Tang empfinde ich auch immer als Ort der Verbindungen, der Gemeinschaft, wenn auch manchmal nur für kurze Zeit.

Ganz herzlich

Lea

Verwelkte Blumen – Pflaumenkult der chinesischen Ästhetik III

Fortsetzung zu Beiträge über Pflaumenkult in der chinesischen Ästhetik.

Ich habe nicht vergessen, den Beitrag über die Verschiebung von Pflaumenblüte in der japanischen Ästhetik zu schreiben. Die konkurierende Beziehung zwischen Pflaumenblüte und Kirschblüte widerspiegelt der Beziehung zwischen China und Japan.

Identität entsteht aus der Notwendigkeit der Unterscheidung von den Anderen. Das Ich wird durch das Anderen definiert. Das Ich mit einem Wir zu erweitern und mit einem Symbol zu von WIR zu suggerieren gehört zur bestimmen politischen Rhetorik. In Taiwan war es Pflaumenblüte, was der im Bürgerkrieg gegen Mao verlorene Republik ein wenig Selbstvertrauen suggerieren sollte. In Japan ist Kirschblüte seit dem 9. Jh. das nationale Symbol. Und China fungiert als der „wichtigste“ Andere in der japanischen Geschichte.

Fast alle so genannte japanische Kulturgüter, die wir heute so bewundern, wurzeln in China. Die chinesische Kultur war als einen nahrhaften Boden verstanden und konnte der eigenen Entwicklung Japans vorantreiben. Und in diesen Entwicklungsprozessen wird das Japanische formuliert.

Kein Wunder galt die Pflaumenblüte in alten Japan als die Blüte der Liebe, der Frühling und Treu. Und Pflaumenblüte bewundern war einer der wichtigsten Tätigkeit des Hofes im 7-8 Jahrhundert, weil genau diese Blumen-Party in Liuchao-Periode Chinas (3.Jh-6. Jh.) Manyoshu ist DAS Gedichtsammlung Japans (4.-8- Jahrhundert) umfasst 4496 Gedichte. Loblieder für Pflaumenblüte waren 118 Stücke, während nur 44 Gedichte für Kirschblüte geschrieben wurden.

Trotzdem gab es in der japanischen Gesellschaft bereits Menschen, die aus einfachen Schichten stammen und Kirschblüte lobten und dichten – während die Oberschicht noch Poesie für Pflaumenblüte schrieben. Vielleicht war es auch eine Protest-Bewegung gegenüber die Dominanz der herrschenden Kultur.

Das erste Hanami von Kirschblüte im japanischen Hof war 813. Aber der Kronprinz und seine Gefolgschaft trugen immer noch das Haarschmuck aus Pflaumenblüte in Feier. Eine sichtbare Veränderung sieht man erst durch die Popularität der eigenständigen japanischen Malerei, die sich aus dem chinesischen Vorbild emanzipiert. Gleichzeitig hörte der Entsandt von Studenten nach China im Lauf 894 auf. Kirschbäume wurden immer öfters erwähnt und angepflanzt. Im 12. Jh. wurden vier verschiedenen Bäume auf dem Fussballplatz im Hof angepflanzt: Kirsch, Weiden, Kiefer und Ahorn. Pflaumenbaum wurde nicht erwähnt.

Trotzdem war China immer noch das Vorbild. Gedichte auf Chinesisch zu schreiben (ohne chinesische Grammatik), chinesische Texte und Güter wurden immer noch weiter adaptiert. Erst in der Edo-Zeit (17. Jh) fragte ein Botaniker Kaibara Ekiken (1630-1714) fragte in Nagasaki einen Chinese, ob es in China Kirschbaum gibt. Der Chinese antwortete auf die Frage mit Nein. Somit gründete Ekiken in seiner Abhandlung die Besonderheit von Kirschpflanzen in Japan – es sei wirklich NUR japanisch. In der Tat gibt es in vielen Ländern auch in China Kirschbäumen. Die Kult Kirschblüte als das typische Japanische ist nicht mehr aufzuhalten.

In dem Prozess der Stiftung der Identität wird das Typische und Einmalige gesucht. Kirschblüte war eine Projektionsfläche für die Selbstfindung Japans. Der Charakter dieser Blüten liefern die Nahrung für das Nachdenken über die grundlegende Themen eines Individuum wie Geburt und Tod, wie Zerfall und Erneuerung. Darum finden wir so viele Attribute über Kirschblüte, zum Beispiel Blumenpracht als treue Soldaten oder verwelkte Blüten als Tod und später verherrlicht als eine Tugend, für Kaiser und für die Nation zu sterben (Emiko 2014: 213-215).

Kirschblüte verwelken, wenn der Frühling vergeht. Die Menschen werden gebogen weil wir von Ideen und Moral manipuliert werden. Wir werden wohl ein bisschen biegen müssen, um einen Raum zu schaffen, um unser wahres Selbst zu pflegen. Wir werden auch in der Lage sein, diese Kraft als Prüfstein betrachten zu können, wenn wir einen Raum gestalten haben und es als eine Chance sehen. Trotzdem möchte ich nicht diese Kraft sein, Macht auf das Kollektive auszuüben, die ANDEREN zu biegen und noch weniger die Schwerkraft dieser Biegung zu spielen. Mitläufer sind die Schwerkraft dieses Aktes.

Was warten die verwelkten Blumen im Herbst? Den Winter rieche ich bereits. Die leere Blicke der Blumen antworteten nicht. Verwelkte Blumen warten vielleicht auf das Wasser, das sie mitnimmt. Und ich warte auf den Ost Wind, der den Krumen Pflaumenbaum erweckt. Der Wind wird kommen.

Adventgespräch 2018 in Shui Tang

Am 03.12.2017 fand ein Adventgespräch mit Brigitte Egger in Shui Tang statt. Gesprochen wurde über die Symbolik des Wassers. Die Diskussion war anregend und wir waren fasziniert von der Tiefe des „Wassers“ als Symbol der Menschheit. Somit wollen wir in diesem Jahr mit dem Thema weiter fahren!

Das Gespräch über das Wasser an einem Ort des schönen Wassers! Für mich ist das Wasser die Form einer tonisierenden Energie fürs Leben – sei es geistig oder materialistisch. Jeder Mensch, der seinen inneren Brunnen gefunden hat, sprudelt von Inspiration und Kraft des Lebens! Selbstverständlich in geistiger und materieller Formen!

Ich freue mich auf zahlreiche Erscheinung und Anmeldung ist erforderlich!

Yu Yongchul aus Icheon

Yu Yongchul aus Icheon hat immer wieder für Shui Tang Keramik produziert.

Weil er kein Englisch spricht, gab es oft Missverständnis. Asiaten versenden gerne mit EMS und das Porto ist teuer als eine Schale. Einmal verstand wir nicht richtig und ich schickte zu wenig Geld. Trotzdem bekam ich eine zusätzliche Schale in der Sendung und einen Brief:

Für Sie habe ich eine Schale mitgeschickt weil es ermöglicht, meine Schale nach Zürich zu erreichen. Sie sind ein Brückenbauer – auch wenn das Porto zu wenig gerechnet war.

Ich war sehr beeindruckt. Aber wir haben immer wieder Missverständnis wegen Geld! Irgendwie geht es trotzdem!

Seine Schale brennt er hauptsächlich im Holzofen und mit sehr traditionellem Muster ausgedrückt. Die meisten Zürcher mögen sie nicht. Es sind immer die Anderen, die diese Schale kaufen. Und meistens auf einmal verschwinden sie und mehrere Schale von einer Person erworben. Seine Schale sprechen speziellen Menschen an. Ich kann es auch noch nicht ganz verstehen!

Wenn man nach Taiwan geht, sollte man das Palast Museum in Jiayi besuchen. Dort findet vielleicht noch eine Ausstellung über koreanische Celadon und japanisch Imari Porzellan statt. Wenn nicht, dann muss man nach Osaka fliegen und das Museum in Osaka besuchen. Als ich vor paar Jahren dort war, war ich wie geheilt nach der Betrachtung von koreanischen Celadon – zufrieden und ruhig. Als ich dann bei dem Imari war, bekam ich Schwindel und Kopfschmerzen.

Koreanische Keramik ist wunderschön- man kann in Rietberg Meiyitang Ausstellung ein bisschen schnuppern. Dort gibt es etwa Ähnliches aus Nordchina von Dynastie Liao oder Yuan.

Meister Yu ist heute in Paris mit Brigitte von Macron.

Wir bekommen demnächst wieder schöne Werke von Meister Yu Yonchul!