Archiv der Kategorie: Shui Tang

Stein-Trommel 石鼓,Zisha Yixing Kanne

Von Künstlerin Xu, Meng

Zini Kanne innen, Zhuni als Glasur.

„Stein- Trommel“ heißt diese Yixing Kanne voller Modernität und Subjektivität!

Warum Stein- Trommel? Das erzähle ich in nächsten Tagen!

Ein Teekonzert am 16.09.2018

Eine Schale Tee erheitert und gilt als gesund. In der Tat ist der Tee ein Ergebnis der alten chinesischen Alchemie, die stets versucht, die Grenze zwischen Zeit und Raum aufzulösen.

Die Teehaus-Kultur der Tang-Dynastie nimmt ihren Anfang zwischen 713 – 741. Das öffentliche Teehaus war ein Ort der Ereignisse, ein Ort, wo die Aristokratie sich zur Erheiterung traf, wo das gemeine Volk Unterhaltung suchte, wo Menschen sich begegneten. Dort wurden Geschichten durch Gesang und Gesten erzählt und der Tee kulinarisch begleitet. Diese Tradition wird uns heute nicht nur durch den chinesischen Lebensstil vermittelt, sondern auch durch die alten Künste. Das Publikum am Teetisch ist ein Teil des Geschehens und wird selbst wieder zum Botschafter.

Am 16. September begeben wir uns in einen musikalischen Zeittunnel des Schweizer Komponisten und Musikers Fabian Müller. Er ist bekannt durch einen intuitiven Zugang zu modernen wie auch traditionellen Lebensphänomenen, im Westen wie im Osten. Diesmal lässt er sich von der Stimme des Tees inspirieren. Aufgeführt wird die Musik von der preisgekrönten Cellistin Pi-Chin Chien, die durch ihre farbenreiche Tongebung bekannt ist.

Die Gäste sitzen am Teetisch, wo ein Gastgeber die musikalisch farbenreich begleiteten Teesorten zubereitet. Insgesamt werden die Gäste von sieben Gastgebern empfangen, die fünf Teesorten im traditionellen Gong Fu Cha-Stil ausschenken werden. In dieser Symbiose von mit Düften, Aromen, Stimme und Musik begleiteten Teezusammenkunft geniessen wir das Gefühl des Innehaltens und der Harmonie.

Datum: Sonntag, 16. September 2018, 14-16 Uhr
Ort: Zunfthaus zur Waage.
Kosten:  30 CHF

Anmeldung erforderlich: 42 Sitzplätze

Konzert: Eine Schale Tee zu den Klängen der Cellos

Geheimnisse von Bo He Tang Gushu Pu Er

Diese Karte zeigt die nummerieren Teebäumen von Bo He Tang.

Es sind ca 50 Bäume. Es gibt noch zahlreiche umnummerierten Bäumen- wie im Bild.

Der Unterschied zwischen den beiden Sorten spiegelt in dem Geschmack wider, nicht immer durch den Preis. Wer würde uns sagen dass der Tee von den umnummerierten Bäumen stammen?

Wie kann man es lernen? Eine vertrauensvolle Referenz zu kaufen und lernen!

Das Warten unter Teebäumen

Was ist das für eine Karte? zeigt den Wald von Bo He Tang.

Er erzählte uns im Seminar, dass er im Herbst die Einzahlung für die nächste Frühlingsernte machen muss, damit er diese Karte erhalten kann. Somit sichert er den Anruf von dem Inhaber. Er wird angerufen und bekam Hinweise, welche Bäume heute gepflückt werden. Yu geht dann mit seinem Koch, der das Pflückgut zur Produktionsstätte trägt und dann anschließend den Tee produziert.

Auch wenn er viel Geld dabei hat, bekommt er nicht unbedingt die Menge, die er braucht. Er erzählte uns auch, dass er zwei Pflücker nach Mansong mitnehmen musste. Nur bekannte und erfahrende Pflücker werden zugelassen. Es ist eigentlich ein sehr schönes Zeichen: die Wichtigkeit der Pflücker ist bewusst und seine Professionalität wird geschätzt. Ein erfahrener Pflücker garantiert das gute Pfklückgut und die Lebensdauer der Bäumen! Das ist ein anderer Kreislauf des Teehandeln und der Tee-Produktion! Ganz anders als in Darjeeling und in vielen anderen Orten, wo Pflücker das Opfer von dem Geist der Gier.

Er deutete uns auf das wachsende Bewusstsein von Teebauer über die Wichtigkeit ihrer Natur. Sie wollen die Bäumen schonen, die Pflücker werden immer teurer. Ohne Bar Geld kann man nicht in die Wälder von Mansong. Die Teuerung des Tees kommt den Bauern und Arbeitern zu gute. Das ist gut. Die Kehrseite ist, dass wir im Osten und im Westen keinen billigen guten Tee trinken können! Aber, es ist vielleicht gut so?

Ich habe keine Rosarote Brille. Wir tun immer noch zu wenig für die Tee-Wälder in Yunnan. Die meisten Teepflanzen werden drei Male im Jahr gepflückt. Das ist immer noch zu oft! Irgendwann merken wir vielleicht, dass wir durch unseren kurzsichtigen Handeln uns selbst schaden!

Während Yu 5 Tage in Mansong auf die Teeblätter warten, hat er einen neuen Wald entdeckt: Da Hei Shan! Wie schmeckt dieser Tee?

Ein nummerierter Teebaum in Bo He Tang.

Man Shan, Wasser schwemmt zum goldenen Berg

eb05cea3-c021-40fc-8d6f-4470b7181be8Wie jede Künstler-Kanne hat diese Kanne Man Shan auch eine Entstehungsgeschichte. Künstler Chen, Hao, gehört zur akademischen Schule vom Meister Zhang, Zhengzhong. Er war in einem Theaterstück „Bai She Zhuan“ – eine Liebesgeschichte zwischen einer zu Menschen verwandelten Schlange, die seit Tausendjahren ein spirituelles Praxis hatte und einem schönen jungen Konfuzianern. Die beiden verlieben sich, aber ihre Liebe ist von der Konvention nicht erlaubt – eine Liebe zwischen Menschen und Nicht-Menschen. Mönch Fa Hai sperrte, damit diese Liebe wegen der Trennung scheitern konnte. Die weisse Schlange Suzhen schwemmt das Wasser den goldenen Berg, um ihren Mann zu befreien und ihrer Liebe einer Chance zu geben. Ihr Mann wurde frei, sie wurde vom Mönch eingesperrt.

Der Schnabel erinnert uns an die Beweglichkeit eines Schlange und ebenfalls an das Erscheinungsbild. Die Kurve korreliert ebenfalls an die Welle des Wassers. Die Wellen in Kanne ist durch eine aufwendige Einlegearbeit – Intarsien durch Duanni von Yixing. Das Wasser schwemmt, die Welle brandet, während die Liebe zu einer heftigen Sehnsucht umschlägt. Die Sehnsucht ist eine hilflose Sucht. Suzhen, die leidende Frau konnte den Tempel nicht überschwemmen, auch wenn ihr Gefühl stark und ihre Liebe aufrichtig waren. Der Berg, der als Symbol der Dualität von Moral symbolisiert, ist nicht zu besiegen.

Wie ist die Geschichte zu Ende gegangen? Es wurde erzählt, dass die Suzhen Jahrzehnten unter der Sperrung von Goldenen Berg war – unter einem Pagode. Ihr Sohn kam nach einer erfolgreichen Beamtenprüfung beim Kaiserhof zurück, um seine Mutter zu retten. Er hielt eine Zeremonie vor der Pagode und die Mauer fiel. Die Familie ist wieder vereint. Auch das Wasser und der Berg. Auch die Liebe und Moral!

Spielen und Tee trinken – Yixing Kanne in NZZ

Spielen und Tee trinken

Guter Tee bedarf guter Behandlung. Aber was heisst das? Und was ist das eigentlich – eine Yixing-Teekanne?

Philipp Meier

Drei bedauernswerte Dinge gab es in der Welt von Chinas Ming-Zeit; drei nur, aber immerhin: das Verderben guter Jugend durch falsche Erziehung; die Entwürdigung guter Gemälde durch pöbelhaftes Begaffen und die Vergeudung guten Tees durch unsachgemässe Behandlung. So jedenfalls sah das der Dichter Li Chih Lai, wie es in Kakuzo Okakuras «Buch vom Tee» zu lesen steht.

Nun, übertragen auf die heutige Welt, unsere westliche Welt, versteht sich, müssten wir im ersten Punkt dem Dichter Li immer noch recht geben. Der Topos hält sich ja bekanntlich durch alle Jahrhunderte. Mit der Jugend ist es nämlich nicht anders als mit dem Tee: Sie ist gut, wird sie nur richtig behandelt. Auch der zweite Punkt ist wohl wahr, nur dass sich die Untugend «pöbelhaften Begaffens» von Kunst längst auch auf dieselbe ausgewirkt hat und diese zu grossen Teilen nun selber pöbelhaft geworden ist.

Den dritten Punkt müssen wir des besseren Verständnisses von Bedeutung und Wertschätzung des Tees in der chinesischen Welt auf den Wein übertragen. Guter Wein, nicht richtig kredenzt, ist reine Vergeudung. Wie wichtig dabei allein die Gläserwahl ist, ganz zu schweigen vom Dekantieren in eine passende Karaffe, weiss jeder Weinliebhaber.

Aber Tee? «Bist du krank?», kann da schon einmal die Frage mit leicht boshaft besorgtem Unterton insbesondere Weinliebhabern über die Lippen kommen. Unter Tee verstehen wir ja alles, was mit heissem Wasser aufgegossen wird: vom Schwarztee über den Kamillentee bis zum modischen Rooibostee, der angeblich besonders gesund sein soll. Dafür aber verwenden wir irgendwelche Behältnisse, Tassen mit lustigen Aufdrucken etwa, und Kannen aus billigem Chinaporzellan, die nicht mehr kosten als die Packung Beuteltee vom Supermarkt.

Was aber, wenn wir plötzlich auf den Tee kommen? Geschmack an diesem über jahrtausendealten Kulturgetränk findet man ja auch längst hierzulande. Und man weiss, was ein guter Grüntee ist, was ein Oolong oder ein weisser Tee ist. Weiss man aber auch, wie wichtig dafür eine gute Teekanne ist? «Yixing» müsste es sein. Und beim Klang dieses gleichsam magischen Worts, wenn es um chinesischen Tee geht, sollten einem sogleich zierliche kleine Teepots aus rötlichbraunem Ton vor den inneren Augen tanzen. Wer schon einmal China bereist hat, hat sie vielleicht gesehen in einem der Teegeschäfte, in denen sich solche Pots bis unter die Decke stapeln.

Kunst und Fälschung

Die Varietät der Formen ist ausufernd. Und es gibt rötliche, purpurne, auch gelbe, grüne und ins Gräuliche tendierende Tonfarben. Die Qual der Wahl ist riesig, vor allem auch, was das weite Preisspektrum betrifft. Man kann schnell einmal fünfzig Franken ausgeben für in winziges Kännchen – und erfährt dann vielleicht, dass man es hier immer noch mit seriell gefertigter Massenware zu tun hat. Überhaupt, man erfährt allerlei, wenn man sich nur etwas in die Materie vertieft. Dass es zum Beispiel schon lange keine echte Yixing-Tonerde aus den Minen des Huang Long Shan mehr gibt, weil dies seit 2005 geschlossen sind. Dass vieles von dem, was als Yixing-Keramik angeboten wird, aus minderwertigem Ton ist und zum Teil eingefärbt mit gesundheitsschädigenden Substanzen.

Ehe man es sich versieht, findet man sich mittendrin im Kult um die chinesische Yixing-Teekanne. Von dieser gibt es antike Exemplare, die auf dem Kunstmarkt enorme Summen wert sein können. Und es soll auch schon «splendide» Sammlungen gegeben haben, die sich beim Verkauf als reine Ansammlung von Fälschungen entpuppt haben.

Man blättert in Auktionskatalogen, in welchen rare Stücke mit erlesenen Provenienzen von Teemeistern angeboten werden. Und man realisiert allmählich, dass man es hier mit eigentlichen Kunstwerken zu tun hat, von Meisterhand als Unikate geschaffen, zur Verwendung für Meister der Teezubereitung.

China ist gross und rätselhaft, und seine Welt des Tees ist es ebenso. Die Nebel um das Rätsel insbesondere namens Yixing lichteten sich aber unlängst ein wenig beim Tee mit einem Händler von Teekeramik aus Taiwan. Wir begegneten Shen Sheng Chieh im Zürcher Geschäft mit dem klingenden Namen Shui Tang (schönes Wasser) für erlesene chinesische Tees. Und mit der Übersetzungshilfe der Inhaberin Meng Lin Chou wurde alles plötzlich einfach. Guter Tee bedarf einer guten Kanne, so lautete die schlichte Gleichung. Und eine solche ist aus Keramik, die aus qualitativ hochstehendem Ton gefertigt wurde. Das ist in China allein Yixing-Keramik.

Künstler und Galerist

In den Hochschulen und Kunstakademien der chinesischen Industriestadt Yixing, gelegen in der Provinz Jiangsu im Mündungsdelta des Jangtse-Flusses, bilden sich Künstler und Künstlerinnen dazu aus, solche Keramiken zu fertigen, und verfeinern ihren individuellen Stil in einer Meisterklasse. Sie lernen das Aufbereiten des Tons ebenso wie das Herstellen und Brennen von Teekannen, die in diesem speziellen Fall nicht gedreht, sondern in Einzelteilen in die rechte Form geklopft und dann zusammengesetzt werden.

Eine solche Ausbildung dauert lange und wird finanziert von Keramikhändlern wie Herrn Shen, den wir kennenlernten als einen passionierten Galeristen, der seine Künstler nicht viel anders betreut als ein westlicher Kunstgalerist. Shen stellt auch den Ton zur Verfügung, den er über Jahrzehnte angekauft hat und vor Ort in Yixing in seinem Lager aufbewahrt. Herrn Shens Lager soll noch für gut zwei Generationen ausreichen, wie er uns gesagt hat.

Bereits sein Vater war Keramik-Händler, spezialisiert auf klassische Meister, die Picassos und Modiglianis dieses Genres sozusagen. Herr Shen arbeitet mit jungen Künstlern und Künstlerinnen zusammen. Und diese bringen zeitgenössische Kreationen hervor, die den traditionellen Kanon in die Zukunft führen. Die Preise lassen sich mit jenen für Gegenwartskunst vergleichen. Anfangs sind es ein paar tausend Franken. Steigt der Bekanntheitsgrad des Künstlers oder der Künstlerin, steigt auch der Wert entsprechend.

Der einzige Unterschied zu einem Kunstwerk in Gestalt eines Bildes oder einer Plastik besteht darin, dass eine Kanne auch ein Gebrauchsgegenstand ist, also eine praktische Funktion aufweist. Die westliche Unterscheidung zwischen Kunst und Kunsthandwerk ist in China erst seit der Moderne bekannt. Ein Unterschied zu Kunst wird bei Meister-Teekannen aus Yixing nicht gemacht.

Für einen Teemenschen, wie Leute in China und Taiwan, die sich auf Tee verstehen, genannt werden, sind solche Kannen lebenslange Begleiter. Meng-Lin Chou spricht von Tee-Spielzeug, an welchem man sich beim täglichen Umgang erfreut. Der Rest ist wie bei so vielem einfach nur Kult.

Zürich, Shui Tang, Spiegelgasse 26.

Der einzige Unterschied zu einem Kunstwerk in Gestalt eines Bildes oder einer Plastik besteht darin, dass eine Kanne auch ein Gebrauchs­gegenstand ist.

https://www.nzz.ch/feuilleton/kopie-von-spielen-und-tee-trinken-ld.1398898
Neue Zürcher Zeitung