Archiv der Kategorie: Japanischer grüner Tee

Ein Musterli von Matcha!

Shui Tang ist ein cooler Ort für gute Nerven.

Heute gab es eine tolle Geschichte die ich hier erzählen möchte.

Eine Kundin mit Schweizer Akzent und blond.

„Kann man bei Ihnen Matcha probieren?“

„Ja, Sie können eine Schale bestellen.“

“ Nein, ich möchte nur ein bisschen probieren. Der Matcha schmeckt mir vielleicht gar nicht!“

„Wir können Ihnen nicht einbisschen Match schlagen, leider. Außerdem müssen Sie es bezahlen.“

„Haben Sie keine Musterli von Matcha?“

Ich bemühte mich normal zu sprechen, „wir können Ihnen kein Musterli machen. Wissen Sie, Matcha wird im Kühlschrank gelagert und kann rasch oxidiert werden wenn ich Ihnen in Papier Tüte gebe.“

„Das habe ich noch nie gehört!“ 

Ich gab ihr ein lächeln.

Endlich ist die Dame hinausspaziert.

Kunde sind mein bester Meister für das Leben!

Verstrahlter Grüntee aus Shizuoka

Gestern kam die erste Kunde, die mir von diesem Bericht berichtet. Sie fragte mich, was meinst Du dazu?
„Der japanische Grüntee sei verstrahlt.“
http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1165772

Was hätte ich denn zu sagen? Sollen wir doch besser über Gurke oder über Kachelmann reden?
Man erzählte mir, wie manche Händler den Preis des japanischen Grüntees über Nacht erhöht und wie der japanische Tee plötzlich verteufelt wird und die Bestellungen storniert wurden. Sencha, Gurke oder Kachelmann „vervielfältigen“ unseren Alltag! Also, Fujishima ist nicht die erste und letzte Story, die wir brauchen…

Eigentlich sollen wir uns doch selbst eine Frage stellen: „Was macht diese Geschichte mit mir? Panik, Zweifel oder Angst? Und wieso?“

Ist Dein Matcha nicht schäumig?

In Shui Tang kamen häufig Leute, die nach einem Matcha verlangen. Eigentlich möchten sie gerne vorgeführt bekomme, wie ich Matcha schlage.
Die häufigste Frage ist: Warum ist mein Matcha nicht schäumig?

Die Antwort ist relativ einfach: Uebung macht dem Meister.

Andererseits hätte ich paar Vorschläge:
Den Tee unbedingt sieben. Dies garantiert vollständiges Auslösen. In der Teezusammenkunft achte ich immer, ob ich Mtacha Spuren hinterlasse. Das heisst, unaufgelöste Matcha-Spuren zeigen meine Schlamppigkeit.

Den Tee unbedingt im Kühlschrank aufbewahren: nur ein frischer Matcha kann auch das schöne Schmaum garantieren.

Den Tee tatsächlich mit zwei Bambuslöffel dosieren und mit ca. 50 ml Wasser aufgiessen. Man muss sich immer so vorstellen, dass der Gast nicht mehr als 3 und halbe „Schlucke“
trinken.

Den Tee mit einer richtigen Chasen (Besen) schlagen. Wenn Deine Schale klein ist, dann eine kleine Besen. Wenn Deine Schale gross ist, dann eine grosse Besen. Ein wirklicher Teefachgeschäft kann Dich richtig beraten. Zu kleine Besen in einer grossen Schale macht keinen schönen Schaum…

Den Tee mit richtigen Temperatur giessen. Zu kalte Temperatur oder zu wenig dosierten Tee sind die Gründe eines gescheiterten Matcha. 90-100 Grade Wasser kann je nach Qualität zum Erfolg helfen. Je bessere Qualität kann man mit heissem Temperatur aufgiessen.

Die Hände lockern. Verspannte Hände können keinen guten Tee rühren… Teezubereitung kann ein SPiegel unserer Seele sein.

Viel Spass mit dem Schaum!

Discover Japan vol 3

Wer demnaecht oder im Moment in Japan reist, gerne Tee trinkt, wuerde ich auch das Buch (Magazin) empfehlen. 

Discover Japan vol.3, 933 JP

In diesem Magazin steht viele wichtige Informationen ueber japanischen Tees, Anbaugegend und Teeshops oder Teebars. Eine moderne Selbstdarstellung des Japanischen Teeverstaendnis.

Fukujuen 福寿園京都本店

Ein traditionelles Teehaus in einem neuen Japan-Modern Stil neu eroeffnet. Das Shop hat neu Stockwerke und gehoeren eigentlich auch zu einem Tee-Reise in Kyoto.

mlfushouyuan

http://www.fukujuen-kyotohonten.com/

Das Kuchen Set kann ich waermsten weiter empfehlen! Aber Das Hojicha Cappuchino… Lieber Finger weg lassen, finde ich… Die Teekueche ist gut, leider verstehen die Personal nicht sehr gut Englisch.

Wer gerne leicht geraucherte Chachaku (Bambusloeffel) hat, kann im 5. Stock einkaufen. Ansonsten ist das Teegeschirr dort eine andere Kategoerie als fuer das normale Geldbeutel.

Der Sencha wurde in einem Degustierglas (fuer Wein) serviert, kalt, gruen und durchsichtlich. Interessante Idee!

Die Tassen haben schoenes Design! Ich denke sofort an unsere Arbeit bei dem Logo Entwicklung von Shuitang. Diese Reise gab mir viele Inspiration fuer den weiteren Weg mit Tee. Das tut eigentlich immer die Reise!

Chitose Bon

Chitose Bon

Ich schlief so gut, dass ich kaum aufstehen wollte. Die Zeit schien hier stehengeblieben. Ich war in guten Hände. Das Gedanke gab mir viel Trost. Das Frühstück wartete, der Tee wartete und niemand hatte die Eile.

Der gewöhnliche Arbeitstag schien das Haus nicht zu beeindrücken, mich ebenfalls nicht. Wir hatten unseren Rythmus.

Ulrich fragte mich, was für ein Temae (Tee-Übung), ich gerne ausprobieren wollte. Chabako ist im Moment die Übungsthema – Tee in einem tragbaren Kasten zuzubereiten überall und jeder Zeit. Etwas Unbekanntes wollte ich. „Dann machen wir Chitose Bon.“

The pine in the garden,

Of color

which changes not for a thousand years.

May

your life,

Too, Be as this.

Kayoko (1897-1980)

An dem 60. Geburstag Tantansai (1983-1964) kreierte seine Frau diese neue Form der Teezubereitung. Chitose – Thousand Years. Wie sollte ein unsterbliches Leben nach Thousand years aussehen? Einsam, kalt und müde? Wer könnte Dich denn wirklich begleiten, während Du nicht sterbst? Ich erinnerte mich an einem Roman, in dem Unsterblichkeit ein Qual wurde – ohne Liebe.

Tantansai wurde von seiner lieben Frau geglückt mit einem Temae. Er sollte so klar und aufrichtig sein wie die Farbe des tausendjährigen Kiefers.

Ulrich sass neben dem Kessel. Ich merkte, dass diese von Diskussionen gefüllten und Social life belasteten Tagen mich weit entfernt vom Tee brachten. Ich war nicht im Fluss, meine Bewegung stoppte und mein Kopf überlegte, was wohl demnächst kommen sollte. Ich sei aus meinem Rhythmus. Tee… „Begwegung im Tee gleicht die Brandung des Meeres, Menglin.“ Wie in Strömung des Meeres bewegte der Körper auf dem Tatami, die Zeit spielte keine Rolle, nur der bewegende Körper und der Duft einer Schale Tee machten uns aufmerksam auf das irdische Glück. Ich wußte nicht, ob ich es tatsächlich verstand, sich einfach von Meer treiben zu lassen. Ich spürte nur Ruhe, die den Raum füllte. Der Rythmus des Meers, den ich seit Kindheit kenne und im Tiefen speicherte, wurde wieder vergegenwärtigt…

chitosebon

Wie oft musste Ulrich sein Teehaus aufbauen, abbauen; einziehen und umziehen; einrichten und neu anfangen? Wie oft mussten er und seine Familie die mühsame Arbeit und einen ständigen Neuanfang im Kauf nehmen, nur um Tee hier in Europa als der einzige nicht-japanische Urasenke-Repräsentant im Europa zu unterrichten? Die meisten begreifen es kaum, was es bedeutet. Wenn er nicht entschlossen wäre auf diesen Weg, wäre alles schon vom Winde verweht. Nach all diesen Jahren…“Kannst Du Dich noch an Zollhaus erinnern?“ „Ja, es war meine ersten Begegnung mit Tee!“ Es war ein Seminar Ausflug von der Uni-Konstanz. wenn Detlef nicht so ein außergewöhnlicher Geist an der Uni war, wenn es nicht Ulrich im Schwarzwald im Schweigen in seinem Teehaus seine Teesamen streute, wäre alles nciht zustande gekommen, vielleicht.

Nach all diesen Jahren, nach all unzähligen Umzüge. Ulrich ist immer noch da. Im Unterricht aufrecht und aufmerksam korrigierte er mich. „Ich bin bald 60!“ Menschen im Tee scheinen in Zeit stehen geblieben. 60 Jahre alt? Dein Gesicht hat für mich nie verändert. 

The Pine in the Garten. Du bist wie der Kiefer. Deine Farbe verändert sich nicht, nach all diesen Jahren, nach all diesen Schwierigkeiten. Im Teeweg des Europas ist Ulrich für mich der Kiefer, dessen Farbe sich nach Tausendjahren nicht ändert. Ich bin sehr glücklich so nah erleben zu dürfen. 

Sencha Jabukita

寻寻觅觅, 冷冷清清,凄凄惨惨戚戚 Gesucht, geschaut, haltlos, leer und kalt.

 

Es war mir kalt, oder vielleicht weil ich zu wenig anhatte. Hungrig, müde und krank kam ich in Karlsruhe an. Jiri mit seinem verletzten Fuß holte eine jammernde Frau ab und versuchte nur sie zu besänftigen. Er brachte mir warmen Zwiebelkuchen und frisch gepflückte Feigen. Mein Bauch schmerzte und mein Geist war müde. Tee verkosten war plötzlich anstrengend und mein Kopf war leer. Mitgefühlsvoll schaute er mir an und wollte mir gerne etwas Gutes tun. Mit Freude zeigte er mir verschiedene Schätze, die er neulich erhielt. Jörg warnte mir bereits vor einem Gänsehaut-Sencha, den ich unbedingt nicht verpassen durfte.

 

Ein Gänsehaut-Sencha, wie muss ein Sencha sein, der Gänsehaut von Jörg erweckte? Etwas, was außergewöhnliches, was man nach langem Suchen wohl nur träumen kann! Jiri bereitete langsam den Sencha zu und gab mir eine Flasche Eiswein, die er meinem Lehrer in Taipei gerne schenken möchte. Sprachlos nahm ich das Geschenk an. Wie können unbekannte Menschen sich so verbunden fühlen? Nur wegen einem Pflanzen Tee? Oder nur wegen dem gleichen Geist, den man selbst verspricht, treu zu sich selbst zu sein? Beruf ist eben nicht gleich wie die Berufung.

 

Sencha Jabukita! Aus Tenryu Shizuoka. Es sollte einen Herrn Namens Oota sein, der diesen wunderbaren Tee bezauberte, der Gänsehaut eines jungen Deutsche in einem fremden Teil der Erde erweckt. Ein Stromfluss oder ein Schlag? Ich war fertig mit dem Zwiebelkuchen und die Feigen wurden gierig runter geschluckt. Nach paar Schlucken klares Wasser trank ich den sagenhaften Sencha. Auf meiner Zunge schmeichelte der Aufguss. Der Mund voller Düfte! Was schmeckte ich? Jasminblüte, Osmanthusblüte oder Neroli! Klare blumige Düfte, so klar wie man ein Fächer öffnet. Schicht für Schicht zergeht die Düfte in meinen Körper und strömte durch mich. Leicht herb, leicht bitter, leicht süß, leicht zusammenziehend. Sein leiser Schritt dieses seltenen Tees erweckte eine müde wandernde Seele.

Gesucht und gefunden. Was für ein Glück! Ich gratulierte Jiri für seine Tätigkeit als Sammler. Was für einen schönen Sencha? Ich habe Sencha in dieser Art noch nie erlebt! Gänsehaut? Nein. Ein Blitz voller Kraft.

 

三两杯淡酒, 怎敌他晚来风急 Nach paar Becher dünnen Wein, im heftigen Wind der Abenddämmerung, es ist immer noch kalt.

 

Kalt ist es, auch nach vielen vielen Tassen Tee. Ich zog alles an, was ich so hatte. Die Reise ging weiter. Ich bedankte mich für den schönen Nachmittag. „Es ist ein weiter Weg. Hoffentlich auf bald.“ Der warme Tee musste wirken. Die Züge waren so voll. Ich fand kaum einen Platz. Was ist mit diesem Land passiert? Sind alle Deutschen unterwegs? So etwas habe ich noch nie erlebt. Zerquetscht, erschöpft und fast erstickt saß ich sprachlos vor dem dunklen Fenster. Reise hörte fast nicht auf. Das dunkle Fenster reflektierte Fragezeichen und ein verschwommenes Gesicht. Als der Zug endlich in Freiburg ankam und ich Ulrichs Schatten in der Halle sah, atmete ich tief aus. In seinem Umarmen wusste ich, dass ich angekommen bin.

Teereise im April 2009

Teereise im April 2009

Eine Teereise, die nicht nur aus Sightseeing und Exotik beinhaltet, sondern die richtige harte Arbeit und Auseinandersetzung mit Tee. Teeclub Schweiz hat die Vision so eine Reise zu verwirklichen und ich bin sehr glücklich dabei mitzuwirken.

Eine Reise geplant durch die wichtigsten Teelandschaft Taiwans zu erleben. Die ganzen Prozessen und Abläufe durchzuleben ist wirklich einmalig und erlebnisreich. Ich übernehme die Reiseleitung und die Übersetzung, aber nicht die harte Arbeit bei der Teeherstellung – das habe ich mit Jürg bereits abgemacht. Denn ich habe Muskel nicht und bin faul. Andere in der Arbeit zuzuschauen macht mehr Spass. Mein Teelehrer wird dabei sein, uns zu unterstützen, so dass der von uns gemachte Tee auch trinkbar und geniessbar wird…

Datum: 19.April – 1. Mai 2009
Teereise nach Taiwan und Japan
Eine Veranstaltung des Teeclubs Schweiz
Anmeldung bitt bei Teeclub Schweiz
Nur 16 Teeliebhaber könnte ich mitnehmen. Bis jetzt sind die Hälfte der Plätze bereits reserviert.
Mehr Details werde ich laufend im Blog posten.

Drei Fragen…

Ni hao,

da Sie offensichtlich wirklich Ahnung von Tee haben, drei Fragen:

1. Welchen Ihrer Oolongs würden Sie empfehlen, wenn man einen intensiven Tee, der viele Aufgüsse erlaubt, möchte? Ich war mal kurz auf Taiwan und habe dort einige tolle Tees probiert, kann aber in Deutschland fast nur Oolongs finden, die eher zart und blumig sind.

2. Können Sie einen Konacha in guter Qualität anbieten? Ich liebe den grünen Tee, den die besseren Sushi-Restaurants in Japan servieren, und finde bisher in Deutschland nichts adäquates.

3. Mein kurzer Taiwanaufenthalt hat mich gelehrt, dass man dort ohne Chinesischkenntnisse nicht sehr weit kommt. Kennen Sie einen Veranstalter, der Taiwanreisen organisiert, bei denen Tee und gute Restaurants im Mittelpunkt stehen (ein paar Museen dürfen auch dabei sein)?

Vielen Dank im voraus,
Tom

 

Nur die 1. Frage könnte ich vielleicht antworten, ansonsten habe eigentlich keine Ahnung davon haben, um den Teefreund T. weiter zu helfen. Ich würde morgen eine ausfürhliche Antwort schreiben.  

Gyokuro, Ziehende wolken

Gyokuro, Ziehende wolken

Atsuko ist unscheinbar. In ihrem zierlichen Körper verbirgt eine unglaubliche Energie und Herzlichkeit. Als Teeliebhaberin und Künstlerin pflegt sie eine Galerie und eine ruhige Teeoase in einer Stadt mangelnder Zeit. Ich war unverschämt, brachte ein Gyokuro zu ihr und möchte gerne ihren Kommentar hören. Joseph war gerne dabei, bevor er für paar Wochen Abschied von Gyokuro nehmen muss wegen seiner Reise nach Laos.

Atsuko bereitete uns Gyokuro zu, ruhig, stilvoll und unscheinbar – unauffällig und konzentriert. Wir plauderten ganz allein in der Galerie, redeten von der Religion und Essen. Wo könnte man denn in Zürich gut und einfach essen? Eine brennende Frage für faule und hungrige Menschen wie Joseph und mich. Kronenhalle und Dolder sind sicher gut, aber einfach und gut? Wir tauschten Adresse aus. Ich schwärmte von dem Inder im Seefeld, die beste Ente von ganzem Europa und das spezielle Tofu am Goldbrunnenplatz. Joseph bat mir die Adresse einmal im Blog zu veröffentlichen. Das hörte ich schon öfters von meinen Klienten. Vielleicht.

Inzwischen duftete es bereits nach Gyokuro. Blätter von Gyokuro von Teegarten Nakai, kräftig und stark. „Sehr kräftig.“ Sagte Atsuko ohne eine Nuance auffallen zu lassen. Der Geschmack war drei-schichtig. Leicht brotig auf der Zunge, ein langer eindeutig pflanzlicher erfrischender Körper und ein kurzer präsente typische Gyokuro vom weichen lieblichen Abgang – was oft gerne mit „Nashi (oder Lashi?)“ – japanische Würzsoße verglichen wird. Kein typischer Gyokuro, den man als Gyokuro kennt. Sie hätte den Gyokuro nicht als Gyokuro erkannt, wenn die Tüte nicht als Gyokuro gekennzeichnet wäre. Ich nickte meinen Kopf. Aus Großzügigkeit bereitete sie ihren Top Gyokuro zu. Gyokuro aus Kirishima 50g 40 Sfr. stammt ebenfalls aus Organic Teegarten. Typische leuchtende grüne Farbe, typische trübe Tasse und typische Gyokuro-Geschmack, den man als Gyokuro sofort erkennt. Drei-schichtig. Herbe erfrischende vibrierende Note auf dem Zunge, kurzer pflanzlicher Körper und ein langer nachhaltiger nur Gyokuro eingeweihter weichen lieblichen Abgang. Die Verschiebung der Geschmacksnuance von beiden Gyokuros war nicht zu verkennen und übersehen. Plötzlich war ich nicht mehr in Zürich, sondern irgendwo im Gedanke. Wolken, kommen und gehen. Menschen, kommen und gehen. Wo bleibe ich denn?

Joseph war hungrig. Ich schlug vor, nach Seefeld zum Inder zu laufen. Von der Gemeindestrasse liefen wir unter dem wunderschönen Sonneschein zum Seefeld. Wir plauderten weiter über Filme, über die Literatur und über die Kluft zwischen Verfilmung und Literatur. Ich erzählte ihm von dem „Elegy“ (in der Schweiz läuft er erst ab dem Okt. in Deutschland bereits ab August), eine Verfilmung von P. Roths Roman „Das sterbende Tier.“ Es handelt sich um Tod, Liebe und Angst. Dass der Protagonist Angst hatte, sich tatsächlich vor der wahren Liebe zu stellen und sich farblos alt fühlt, nachdem er die Liebe tatsächlich auch verliert, fühlte er sich sehr angesprochen. „Hast Du Bindungsangst.“ ich war gemein und direkt, so wie ich bin. „Nein, “ meinte der ex Schuleiter, „Meine Unabhängigkeit war mir einfach das Wichtigste.“ Ich lachte und nickte meinen Kopf, sicher, es ist durchaus wichtig. „Weiß Du ML, “ er meinte ernst, „in unserem Alter gibt es nicht mehr vielen Auswahl. Diejenigen, die übrig geblieben sind, haben ein Schaden!“ „Nein.“ Ich bin überzeugt, „Auch wenn man oft Enttäuschungen, Verletzungen und Ablehnungen im Leben erlebt, bedeutet es nicht, dass das Leben so ist und es so weiter geht.“ Nicht in jedem Schmerzen, den wir durch Enttäuschung erleben, hat zwangsläufig eine Opfer-und Täter-Beziehung. Auch wenn die Liebe nicht erwidert wird, könnte man diesen Menschen lieben, weil man ihn so wie er ist, gerne hat und sich einmal aus dem Herzen entschieden hat. Leider muss auch der andere sich entscheiden können, was er will. Enttäuschung ist dafür da, die Täuschung zu klären. Warum sollte man sich verletzt fühlen?

„Das wahre Glück zu finden fängt von der Veränderung der geistigen Einstellung an.“ schrie ich fast zwischen den Autos und Tram. „Wir finden zu unserem Glück, wenn wir das Konditionieren durchschauen, dass es NICHT nur Enttäuschungen und Schmerzen um uns gibt.“ Das Leben könnte ganz anders sein, wenn wir anfangen, zu vertrauen! Er sagte, um mein Glück zu finden, sollte ich lieber andere Typen treffen als ihn. Das stimmt. Er möchte dann gerne wissen, ob das Glück eingetroffen ist, wenn er wieder kommt. Ich gab ihm ein Schutzpatron, das ihm vor Autounfall, Krankheiten und Diebstahl schützt. Aber ich warnte ihn, dass man in Asien nicht einmal an Ampel glauben darf - noch weniger an Schutzengel.

Die Sonne scheint, die Wolken ziehen durch den blauen Himmel. Keine Wolken halten unbeweglich fest an einem vermeintlichen Ort, den wir als Himmel nennen und warum sollte der Mensch es tun?

Sei Un Do

Teehaus von „Blaue Wolken“

Nächste Ausstellung: Erde und Feuer, Künstler Hugues de Crousaz

Vernissage: do. 28.08, 2008 18-21 Uhr

Grünteeapero Sa. 13.09. 2008 15-17 Uhr

Di-Fr 12-18 Uhr, Sa: 11-16

Gemeindestrasse 19  8032 Zürich

Tram 3 bis Hottingenplatz

044 2518093