Schlagwort-Archive: Shui Tang in Zürich

Daxueshan ruft

Ich weiss nie, was auf mich in Shui Tang wartet. Ich kann nur es annehmen, was das Universum mir beschert. Es hört sich so an, als ob es fremd bestimmt wird. Ich sehe es so, dass das Leben geführt wird. Was führt uns?

Lukas hätte ich nicht wieder erkannt. Er hat sein Bart weg rasiert. Simon kam um seinen Daxueshan Gushu zu sichern. René kam mit dem Vater, um ihm Shui Tang zu zeigen. Für diese junge Runde wählte ich den Pu Er Daxueshan Yesheng Gushu, der Evolution verpasst und wilde Gene besitzt. Über paar Hunderten Jahren wächst er im Wald über 3000 Meter über den Meeresspiegel. Harzig, frisch und floral. Ich bereite ihn gerne sanft zu, obwohl er uns auch gerne seine Ellbogen zeigen. Was für Geschmackskurven? Es gleicht eine Wanderung durch die Frühlingslandschaft, wo Krokus blühen, die Moore gemütlich verbreiten, Nadelbäume ganz gerade in die Himmel wachsen. Ja, wie Avatar! Wie der Wald bei dem Hexer Wiesner in Escholzmatt!

Der Ruf von Daxueshan Yesheng Gushu ist wie eine Faden. Er ruft einen in den Wald zu gehen, wo ein Labyrinth sich offenbart. Es ist wie Theseus, der unausweichlich seine Reise antreten musste, mit Faden von Ariadne den Weg finden und Minotauros töten konnte.

„Dieser Tee schmeckt wie ein Ruf.“ Die beiden nickten den Kopf. “ Hast Du nicht das Gefühl, dass er Dich ruft, Lukas, komme! Komme raus! Raus aus Deinem Komfortzone!“ Lukas sagte, „Doch! Aber wir blieben meistens gerne im Verzicht auf Freiheit und lieber in Sicherheit.“ „Das stimmt. Wir stehen oft kurz vor einer Mündung und haben ungeheuer Angst weiter zu gehen. Aber wenn wir nicht paar Schritte weiter gehst, woher sollen wir wissen, wohin der Fluss uns treibt und wie die Ozean aussehen kann?“ Das Problem ist, wenn wir paar Schritte gemacht haben, wissen wir plötzlich, dass wir nicht von dem Strömung getrieben sind, sondern von unserem Herzen. Lernen zu vertrauen, dass wir auch allein den Weg zu Ende gehen können, ist auf einmal das Wichtigste. „Man braucht Mut.“ sagte er.

Was ist Mut? Ist Mut Nicht- Angst? Ist Mut eine Kraft, um etwas zu verändern? Ich neige zu dem Tee. Er ruft. Ich muss mir nicht überlegen, weil mein Herz vibriert. „Mut ist vielleicht eine Haltung im Leben. Eine Haltung die sich in bestimmten Moment manifestiert, wenn etwas entschieden werden muss. Entscheide ich mich für die Vibration meines Herzens? Oder entscheide ich mich für den scheinbaren einfachen kontrollierbaren Weg?“ Eine Grundhaltung, die den Lebensfluss am Scheideweg scheidet und führt.

Lukas umarmte mich beim Abschied und bedankt sich für den Stoff zum nachdenken.

Meine Gäste sind gegangen, und ich gehe auch weiter.

Der Klang von dem ersten Schnee

Der erste Schnee kam am Sonntag in Einsiedeln. Als ob alles bedeckt und klanglos wurde. Langsam und deutlich fielen Flocken in die Hände. Klanglos froren Sie dort ein , wo sie gefallen sind.

Zurückgekehrt. Immer noch müde und vielleicht ein bisschen Ablehnung von der Struktur, der ich unterordnen muss. Jiri kam zu Besuch und was wäre das Richtige fürs Moment? 8892 Pu Er Gushu von Wang, Manyuan! Ein Hauch Erde und Laub von tiefen Wald. Er spendet Trost und Wärme. Mit der schönen frischen Duanni Kanne von Yu, Jiaojiang zeigte uns der 8892 sein einmaliges Gesicht! Noch nie habe ich diesen 8892 in dieser reinen eleganten Aufguss erlebt! Nicht schwer, nicht zu erdig. Der klare rötliche Ausguss war beflügelt und streichelte unsere Herzen so klangvoll wie der erste Schnee in Einsiedeln!

René und seine Freunde aus Berlin hatten gute Antenne und rochen den klangvollen 8892! Später kam Nico. Wir diskutierten über die Symbolik von Ameisen und Kürbis auf der Kanne und in der chinesischen Ästhetik. Ich erzählte von der Anregung durch Jean-Sebastien in Einsiedeln über den Begriff “ Wort (siehe Prolog von Johannes Evangelium) “ und „Logos“ im Vergleich mit dem Begriff „Wort“ in dem Orakel Schriften der alten China.

Jiri sagte, er würde beim Schneien den sanften schmeichelnden wilden Qimen aus Huangshan trinken. Ich nickte meinen Kopf. Jedenfalls sollte ein Tee sein, der mich beim Zuhören von Schnee nicht stört. Jedenfalls sollte ein Tee sein, der mich beim Schneerieseln begleitet. Jedenfalls sollte ein Tee sein, der Schneeflocken in meinen Händen zu erklingen bringt.

Gastgeber am Teetisch

7. Teegespräch von Meng-Lin:

https://www.shuitang.ch/blogs/pu-er-und-gelagerter-tee/teegesprach-nr-7-mit-meng-lin-chou-uber-die-rolle-der-gastgeber-innen-im-teehaus

Duft von Efeus

Als ich gestern beim Sonnenschein nach Hause spazierte, duftete es im Winde. Auf einmal dachte ich, dass jemand einen Mixiang Huangjingui 2007 (Von Zikaden befallen. Eine Art von Guifei Oolong)trank!! Leichte Note von Holunderblüte und ein Hauch von duftenden “ Baumstamm und Felsen“ – es ist wie wenn die Sonne auf den Felsen stark scheint und die Luft nach Mineralien schmeckt!

Efeu duftet im Dunkeln. Die Bienen wissen es. Und ich schaute mit Staunen mit. Patrick sagte mir einmal Efeu Honig sei für ihn die beste Honig. Ich stimmte ihn zu, wusste aber nicht wie Efeu tatsächlich duftet.

Efeu duftet schön. Ein dunkler Duft aus dem Unbewussten – aus meinem Wald? Oder aus dem Schatzkammer von meinem Lehrer – der Huangjingui Mixiang 2007!

Ps. ich schreibe hier Mixiang anstatt Guifei, weil mein Lehrer mir immer wieder darauf aufmerksam macht, dass die Bezeichnung Guifei in Taiwan patentiert ist und wir es nicht willkürlich verwenden dürfen.

石瓢壺 Shipiao Kanne

幾度花時醉花下,君子恬啜石瓢露。

Die Schönheit der blühenden Pflaumenbaum entzückt mich! Itrinke unter dem Pflaumenbaum gelassen und allein in Shipiao Kanne einen Tee, während die Anderen von Wein berauscht werden.

Kalligraphie „Gehe Tee trinken bei der Müdigkeit“

Von Meister Wu, Dongyuan

Teekanne Zini 350ml

Von Sun, Chao

大黑山 Daheishan… Der Tee aus dem grossen schwarzen Berg!

Daheishan, übersetzt heisst er Gross- Schwarz-Berg.

Yu sagte mir, diesen Tee hat er entdeckt, als er tagelang in Mansong bei Yibang auf Tee gewartet hat.

Mit seinen zwei Pflücker dufte er nach Mansong. Es ist heute bei den Bauern auch angekommen, dass das richtige Pflücken die Lebensdauer der Teebäume zusammenhängt. Tagelanges Warten hat sich gelohnt, als er von Daheishan erfuhr.

Der grosse schwarze Berg ist lichtvoller als er dachte. Die Bäume wachsen nicht zu dicht, die Wiese bedeckt von Vegetation. Woher kommt dieser Name?

Vielleicht kommt der Name von dem Tee selbst? Der Tee aus Daheishan hat die typischen blumigen Noten von Yibang Tee, anders als der meisten Yibang-Tee wirkt der Daheishan im Mund breiter und tiefer, als ob der Tee meinen Körper ausdehnen würde. Der Aufguss ist mineralisch und vermittelt uns den Eindruck des steinreichen Bodens in Yibang Berg. Die Tiefe und Breite wirkte wie ein schwarzes Loch in meinem Oberkörper. Es lud ein, hinein zu spazieren – wenn einer bereits ist, die andere Seite vom „Mond“ – Sich selbst, anzuschauen.

Der Wald ist nicht schwarz. Der Tee ist grossartig. Trotz der kleinen dunklen Pfad ins inneren Loch meines Herzens flimmern viel Lichtblicken zwischen den Teeblätter!

停雲 Wenn Wolken stehenbleiben…

Wenn Wolken stehenbleiben, regnet es.

Manchmal regnet es so stark, dass Dich der Weg zu mir behindert.

Wenn der Weg Dich behindert, wird der stehenbleibende Wolke der Ort der Sehbsüchte.

Der Dichter 陶淵明 Tao, Yuanming (364-427) gehört zu den inspirierenden Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte. Sein Stil zu dichten prägt die chinesische Ästhetik seit 10. Jahrhundert. „Ping 平 – alltäglich und zufrieden, Dan 淡 – schlicht und einfach“. Seine Person und sein Werk zeigt ein archetypischen Sehnsucht der chinesischen Kultur, zurück zur Natur und Zufriedenheit in gewollter Armut. Das materielle Mangel ist zu ertragen, während die geistige Entbehrung und Demütigung für ihn nicht zu akzeptieren sind!

Er schrieb im Jahr 391 an einem Frühlingstag, als die Wolken den Himmel seit Tagen bedeckten und der Regen nicht aufhörte.

„Ich sass allein im Osten, trank allein. Mein guter Freund, Du bist weit weg. Ich wartete und wartete. Niemand kam. In meinem Garten kamen bereits zarte Blumen, dessen Duft mich erfrischt. Die Vögel zwischten im östlichen Garten und sie tanzten anmutig. Es gäbe schon Gesellschaft – aber es wäre schön, mit jemandem, der es versteht, gemeinsam den Frühlingstag zu verbringen. Vom Herzen zu Herzen. Vom Geist zu Geist.

Ach, so wie ich mich fühle – traurig. Unerträglich!“

靄靄停雲,濛濛時雨。八表同昏,平路伊阻。靜寄東軒,春醪獨撫。良朋悠邈,搔首延佇。

停雲靄靄,時雨濛濛。八表同昏,平陸成江。有酒有酒,閒飲東窗。願言懷人,舟車靡從。

東園之樹,枝條再榮。競用新好,以怡餘情。人亦有言,日月於征。安得促席,說彼平生。

翩翩飛鳥,息我庭柯。歛翮閒止,好聲缸和。豈無他人,念子實多。願言不獲,抱恨如何。

Der Frühlingsregen befeuchtet die Erde und bringt alles zum Wachsen! Die Natur ist reich. Auf seinen inneren Garten wächst die Fülle. Der Regen begünstigt alles, nur sein Herzen nicht. Trotz des sinnlichen Reichtums ist er allein gelassen!

Tao zog sich zurück aus dem politischen Geschehen und lebte auf dem Land. Oft hatte er nicht genug zu essen. Oft litt er unter körperlichen Schwäche. Trotz der Armut übersah er nicht die Erneuerung der Natur im Frühling. Die Kräfte der Natur erweckte ihn und sein Lebensfreude will geteilt werden! Aber mit wem?

Mit wem teilen wir unser Freude? Mit wem teilen wir die Dinge, die uns berühren?

Die Sehnsüchte des Dichters und seine Frage Beschäftigten nicht nur ihn in China vor 1800 Jahren, sondern auch Menschen in einer anderen Kultur der Moderne. Solange wir Menschen sind, möchten wir verstanden und geliebt werden. Das Nicht-Verstanden-Werden ist an sich ein Schmerz und für meisten Menschen eine Verletzung. Eine Verletzung die wir uns selbst hinzufügen, weil wir Sehnsucht in uns tragen, unseren Gleichen zu begegnen und mit ihm zu teilen. Wenn die Wolken stehenbleiben, begegnen wir im Tiefen den ewigen Schmerzen, wie der Dichter im 4. Jahrhundert, allein in der Schönheit zu zelebrier! Allein zu trinken. Allein die Blumen zu bewundern. Allein mit Vogel zu schwingen.

陸嘉瑤 Lu, Jiayao, geboren 1995, greift das archetypischen Motiv und verwandelt den Schmerz zu einem Werk. Sie gestaltet die Kanne mit viel Anmut, verzichtet schwere Emotion auszudehnen. Aus gelagerten Duani Ton gab sie die Kanne der stehenden Wolken eher dunkele Färbung um ein Hauch der Gefühle aus der Vergangenheit zu vermitteln. Die Wolken und Regen fliessen ineinander. Ist es eher Tropfen aus dem Himmel, oder aus den Augen? Zieht der Wolke dann weiter oder bliebt er?

Manchmal sind bestimmte Menschen ungünstig zu bestimmten Zeiten. Oder die Zeit ungünstig für Manchen. Oft fühlen sich solche Menschen überflüssig in der Welt. Trotzdem können wir nicht aufhören zu atmen, die Schönheit der Natur zu übersehen oder den duftenden Tee nicht zu trinken! Wir müssen trotzdem weiter ausatmen, weiter Tee spielen und weiter gehen – auch wenn die Wolken hier stehenblieben!

Die Kanne hat 200 ml Fassungsvermögen. Schön, allein zu trinken. Auch gut, wenn jemand mittrinkt, den die Wolken nicht behindern können!

老段泥 Duanni Ton, 100% Yixing Original. Künstler Kanne. Von Lu, Jiayao, national Kunsthandwerker in China.