Archiv für den Monat Oktober 2016

Auf dem Hügel von jungen Kiefern 短松崗

In meiner Erinnerung nahmen meine Eltern uns ab und zu in den Hügeln die „Vier Tiere Berge (四獸山 Si Shou Shan)“ heissen. Wir gingen dort wandern und liefen oft bei einem kleinen dunklen Tempel vorbei. Vater blieb oft gerne dort, zündete ein Räucherstäbchen und unterhielt mit dem alten Priester. Ich sass dann mit Schwester auf dem Bank, schauten die Bäumen an und zählten die Ameisen, die sich herum irrten. Der Bruder klebte an meine Mutter und sie waren irgendwo auf dem Hügel.

Mein Vater ist ein Sohn eines Geschäftsmannes. Er kann gut rechnen und kalkulieren. Als Kind wollte er jedoch ein Gongfu Meister werden. Meine Grossmutter erzählte uns, dass der Vater eines Tages verschwand und irgendwann auf einem Hügel mit einem kleinen Stofftasche entdeckt wurde. Er war hungrig, aber entschlossen. So ging es paar Male mit dem Abhauen und Meistersuche.

In jedem Frühling nahm der Vater uns mit zu den Familiengräber. Meine Mutter blieb oft zu Hause. Zu den Gräber muss man auf verschiedene Etiketten achten. Ansonsten bringt es Unheil. Die Gräser wachsen immer über die Gräber, so musste man jedesmal suchen, wo unsere Vorfahren liegen. Zu diesen Tagen suchten tausende Taipeher nach ihren Familiegräber auf den Hügeln um Taipei. So war es überall etwas los und überall gab es Gefahr, Unheil anzustiften. Unheil ist es, wenn man über den Grabmahl tritt, wenn man unbewusst herumschaut, wenn man bei den Gräber pinkelt oder spuckt. Respektvoll muss man sich verhalten. Respektvoll vor den Toten.

Mir gefiel als Kind mit Vater und Onkel zu den Gräber zu gehen. Insbesonderes gefiel mir das Klatsch, was mir von unserer Vergangenheit vermittelte. Für mich war es ein Ausflug, auch wenn der Grossvater oft traurig wurde. Er wurde traurig, weil er auch von seinem Tod ahnte? Oder weil er alles verlor, was er von diesen Toten erhielt? Ich weiss es nicht, aber es war klar, wohin ich gehöre.

So wie ich als Kind in jedem Frühling zu einem grossen Clan eingeweiht bekam, gingen die Kinder und Bauer in Yunnan in jedem Frühling in den Wald, wo die alten Teebäumen wachsen. Die Geister der Bäume werden per Gesang und Rituale zurückgerufen. Die Ernte beginnt danach. Geschichte werden erzählt, die Kinder lernen sie durch ihre Präsenz. Die Wurzel des Clans und die Wurzel der Bäumen wachsen unterirdisch zueinander. Sie sind tief, verwurzelt und verbreitet. Man weiß nicht woher der Geschmack kommt! Ist es von dem Baum, ist es von dem Boden, oder von den Menschen!?

Als wir endlich den 易武正山 Yiwu 2008 degustierten, zeigte dieser Tee zuerst seine Schüchternheit. Er war nicht gesprächig. Nicht zu viel süß, nicht sehr breit. Ich nahm meine Jadekanne und goß ihn mit gutem heißen Zürich Wasser. Eine Portion Geduld mit einer Prise Respekt. Immer mehr öffnete er sich. Eine rote Faden von Kandiszucker, befeuchtet mit Tau (oder war es Schneewasser?), führte mich dem blauen Himmel entlang dorthin. Direkt auf den Hügeln. Als ob ich meinen Vater sehen könnte!

Meine Kindheit ist für immer vorbei. Die Erinnerungen trüben wie der dunkle Tempel. Viele Dinge im Leben habe ich schlecht gemeistert. Oft konnte ich meinen Fehler nicht gestehen. Ist es das Gefühl von Verloren-Sein, als mein Grossvater oft mit roten Augen neben den Gräber sass? Das Leben hat ein Ende. Die Zeit scheint deswegen sinnvoll zu sein. Es gibt paar Dinge, die von mir selbst erledigt werden sollen.

Der Mond leuchtet über den Hügel. Die Kiefer werfen Schatten. Mit einer Schale von diesem Yiwu schien der Mond direkt ins Herz. Tauwasser oder Elixier von Götter? Ein Lächeln scheint. Die Finger bewegen sich. Es wird sich zum Guten wenden.

Die Schatten bilden auf den Boden eine klare Kontur.

料得年年腸斷處,明月夜,短松崗。(Dort, wo der Tod uns scheidet, ist der Ort, wo der Mond über die jungen Kiefer leuchtet.) Gedicht von Su Dongpo (1137-1101), Song Dynastie.

 

Woher kommt der 桃子寨古樹茶 Taozi Gushu?

Unser Taozi Gushu 2016 kommt von einem Wald, der als staatlich bezeichnet ist 國有林.

Was bedeutet das?

Bei einer Umsiedlung eines Dorfes entschädigt der Staat den Dorfbewohner Wald. Es ist meistens sehr intakte natürliche Wälder. In solchen Wälder in Xishuang Banna entdeckte man häufig in Wildnis gewachsenen Teebäume, die in früheren Zeiten angepflanzten aber vergessen wurden.

Weil solche Gebiete meistens klein und abgelegen ist, gehört solche Teeproduktion eher Liebhaberei! Die Fabriken machen sich wenig Mühe in den tiefen Bergen um die Ernte zu holen. Somit wird der Begriff Guo You Lin – staatlich zugehöriger Wald ein Begriff von individueller Tee! Alle Teeliebhaber verehren solche Produktion. Yu ist selbstverständlich ständig dabei um diese raren Pflückgut zu bannen! Er geht mit den Bauer pflücken, mitarbeiten und dann selbst pressen lassen. So kann die Echtheit und Qualität garantiert werden!

Der weite unzugängliche Weg, die wenige Menge erschrecken die Spekulanten. Solche Tees bedeuten heute für wirklichen Liebhaber in China natürlich, traditionell und gesund. Aber dieser Tee erfordert auch einiges von den Teeliebhaber. Für die meisten Teetrinker ist er eher zu ruhig, zu wenig angenehm lieblich. Seine Tiefe, Stärke und subtile Textur sind nicht einfach zu verstehen. Vor allem der spezielle Abgang von 山野韻 Berg-Wildnis-Note ist der Tenor dieses Tees!

Für uns ist er ein lebendiges Fossil einer alten Tradition. Ein Zeugnis von einem guten Handwerk und eine Lektion von einem guten Geschmack.

Wo gibt es noch solche 國有林 staatlichen Wälder?

Yiwu 易武:Gua Feng Zhai 刮风寨—— Cha Wang Shu 茶王树、Cha Ping 茶坪、Bai Sha He 白沙河;Yao Volk Ding Jia Zhai 瑶族丁家寨—— Wangong 弯弓、Bai Cha Yuan 白茶园、Bo He Tang 薄荷塘;Han Volk Ding Jia Zhai 汉族丁家寨——Yi Shan Mo 一扇磨、Xiang Chun Lin 香椿林;Man ai 曼乃——马叭;Zhong Shan Shang Zhai 中山上寨—— Tongqing He 铜箐河;Bu Long He 布隆河—— Bai Hua Jing 百花箐

Man Zhuan 蛮砖:Gaoshan 高山寨——三叉箐;Xiao Manlong 小曼竜—— Taozi 桃子寨;瓦竜国有林

桃子 古樹茶 Taozi Gushu, wie das Bachwasser über Gestein

Endlich ist Taozi Gushu in Shui Tang eingetroffen. Stress, Anstrengung und Müdigkeit bleiben.

Pu Er ist etwas besonders. Er zeigt uns selten freundliches Gesicht. Er ist meistens hart, ruhig und herb. Was ist der Grund, warum man Pu Er gerne trinkt, gar süchtig wird?

Was ist der Grund, warum alle Schweizer und Deutsche gerne wandern gehen? Ein künstliches Ziel zu setzen von A bis zum B laufen, ohne einen pragmatischen Grund und deswegen die Landschaft zu einem harmlosen Park gestalten zu lassen – wo bliebt das Wilde? Das Wilde ist im Herbst integriert auf den Teller! Man isst wild im Herbst.

Dichter Wang Wei aus der Tang Dynastie beschrieb uns bildhaft über seinen Aufenthalt in 終南山 Zhong Nan Shan. In einer herbstlichen Nacht blieb der Dichter mit paar Freunde gemeinsam in den Bergen zurück.

空山新雨后,天气晚来秋。明月松间照,清泉石上流。

竹喧归浣女,莲动下渔舟。 随意春芳歇,王孙自可留。

Nach dem frischen Herbstregen wirkt die Atmosphäre gereinigt. Die kühle Brise am Abend verkündet den Herbst. Der klare Mond klettert auf den Gipfel und scheint durch die Kiefernadeln, während das Bachwasser über Gestein sprudelte.

Die lauten fröhlichen Waschfrauen kehrten bereits zurück. Ihre Boote bewegten die Lotusblätter. In dieser ungezwungenen Harmonie – mein Freund, Du kannst Dich entscheiden, bleibe hier? Oder nicht!

Wang Wei hat ebenfalls für mich ausgesprochen, was Taozi für mich bedeutet.

Aus Manzhuan kommt dieser Tee. Das Dorf Taozi heißt auf Chinesisch Pfirsich. Pfirsich! Ist er weich, süß und zart? Nein, im Gegenteil. Er ist introvertiert. Ich schmecke das Mineralische wie die tiefen Wurzel, das Frische wie das Bachwasser aus den Gestein und die leise florale Note wie die zarte violette Orchidee auf der Bergwiese. Der Mond scheint über mich und leuchtet mein Herz. Frieden und Klarheit kehre zurück in die Spiegelgasse. Auch wenn draußen kalt, feucht und laut ist.

Mit einer Schale Taozi geht man wandern. Man wandert in die Natur, auf den Gipfel um auf einen Podest aufzusteigen, das Leben im Samsara anders zu betrachten. Und mein Freund, kommst Du, bleibst Du oder wo gehst Du hin?

img_5198

 

Tee-Momente

Eine Zeit lang versuchte ich jegliche private Angelegenheit zu vermeiden, die mit Tee zu tun hat. Ich trinke keinen Tee auf einer Teereise, keinen Tee mit Freunden, keinen Tee mit mir selbst. Okay, der jeden morgen Dianhong ist eine Ausnahme. Das ist kein Tee-Moment, sondern ein Moment der Abhängigkeit von Drogen.

Tee-Moment, was ist das? Es ist wie etwas privates, etwas intimes und intensives. Momente, die Pflehen und Lieben bedeuten. Eine Zeit lang vermied ich es. Inzwischen kann ich es wieder. Wieder, weil es zu etwas anderes entwickelt worden ist.

Früher wusste ich, dass Tee schön ist. Heute verstehe ich, dass Schönheit die Hässlichkeit enthält. Ich hielt eine sehr lange Zeit einen Abstand zu Oolong, auch wenn die Leute mir nicht glauben – Du bist doch ein Oolong-Spezialist. Dieser Tee war mir zu süss.

So süss, dass ich es nicht ertrug. Mein Leben ist hart, es ist jenseits von dem Süssen. Anders formuliert, mein Leben ist schön, aber nicht süss. Warum macht Atong solchen süssen Tee? Als Ironie? Ist er sarkastisch?

Ich ging fremd zu Pu Er. Ich liebe den bitteren zusammenziehenden Geschmack. Manchmal salzig, manchmal rauchig scharf. Das Süsse ist versteckt und ich kann ihn übersehen.

Liebe ich diesen bitteren zusammenziehenden scharfen Geschmack, um etwas auszugleichen oder gar zu kompensieren?

Das neue 9 Oolong Set ist entstanden als Antwort auf meine Frage. Süss wie die Kindheit, das schmeckt man durch diese Teereise. Kindheit bleibt als Geschmack in unserem Gedächtnis. Immer wieder kann er wachgerufen werden. Zusammenziehend wie das Säuere ist der Geschmack des Erwachsenwerdens oder Uebergangs, etwas für immer zu verlieren und zugleich etwas Ungewisses ist in Sicht. Ein Geschmack des Loslassen oder der Verlust. Das geröstete rauchige Aroma vermittelt das Feurige, eine freudige Kollision oder eine unvermeidbare Rebellion? Und das Bittere, das über jeden süssen Geschmack steht, ist der Geschmack des wahren Lebens. Sie begleitet uns durch Geburt, Trennung, Sterben und Abschied. Und das durchgehende Süsse macht es wieder ertäglich, eröffnet uns einen kleinen Fenster zu dem Moment, wo Liebe und Pflege wieder das Wichtigste war, als wir mit frischen Augen in die Welt blickten. Ich konnte die Ameisenstrasse stundenlang betrachten, den Fenster zu Strasse wie Film bewundern und mich in den Spiegel schauen, ohne zu leiden.

So ist der bittere Geschmack wie ein Podest? (Auf einen erhöhten Position kann die Verwicklung anders betrachtet werden. ) Ein Gefühl von Würde? Wenn Leben seine Würde gefunden hat, hat es einen Abstand zu den Dingen, die scheinbar hässlich ist. Man ist dann dazu fähig, mit Süssen zu begegnen.

 

Degustations-Set „Neun Oolongs“

Als Meister Chen Huan Tang in Zürich zu Besuch war, wurde ich oft angesprochen, warum wir nicht ein Degu-Set von verschiedenen Varietäten zu offerieren? Das ist ein Bildungsangebot, damit Teeliebhaber wirklich von der Vielfalt des Oolongs kennen lernen können.

So lernt man den Tee am besten weiter.

So ein Angebot ist kein einfacher Geburt. Es muss die Varietäten geben, die eine Quantität und Kontinuität aufweisen können. Es gibt viele Varietäten, die nur geringfügig zur Verfügung stehen, zum Beispiel Meizhan. In Shui Tang bieten wir zwar einen Meizhan aus Anxi zu verkaufen, aber wir trauen uns nicht ihn online anzubieten. Weil dieser Tee schwer zugängig ist, was machen wir, wenn er fertig ist?

Wir werden noch mehr solche Sets anbieten, damit Teeliebhaber mit Shui Tang gemeinsam die Welt des Tee entdecken kann! Dieses „Neun Oolongs“ ist ein weiterer Schritt!

 

Wie Weihnachten!

Endlich ist es so weit!

Mit grosser Freude packte ich die neu eingetroffenen Pu Er Fladen aus und bereite sie vor, um sie morgen zu degustieren!


Bei diesjährigen Bo He Tang ist mit Unterschrift dokumentiert, um die Authentizität zu garantieren. Der Schwager der Bo He Tang Familie unterschrieb es persönlich! Ich bin sehr gespannt!