Archiv der Kategorie: Kein Titel

Ein glückliches Moment in Zürich

Es war ein frühlings-naher Sonntag.

Hinter meiner Wohnung fließt ein schmaler Bach, der Katzenbach. Der keine Fluss fliesst in den von Eiszeit geprägten Seen, Katzenseen. Wenn man dem Katzenbach spaziert, läuft man an Felder und Waldstücke vorbei.

Als ich langsam dem Waldrand nährte, sah ich bereits viele Menschen sich vor einem Feld versammelten. Vor diesen städtischen Bürger pausierten gerade ein Herde von Schaffen!

Ich wurde gefesselt. Gefesselt von diesem Schafherde. Sie sind genau wie wir Menschen. Einige Schafe blieben der Gesellschaft fern und lagen vereinzelt auf dem Feld, während die anderen eng aneinander bleiben. Es gab junge, pubertäre, ältere und schwächere. Die junge zickige Schafe provozierten, reizen und reiben aneinander, während die älteren einfach zuschauen. Mit anderen Menschen stand ich dort im Schweigen um die Schafe zu stören. Wir lachten, beobachteten und genossen den leicht wärmenden Sonnenuntergang. Wer schaute wen zu? Wer guckte wen an?

Auf einmal nährte eine kräftige Frau, der diese Schafherde mit Ehrfurcht widmete. Alle Schafe erhoben sich auf einmal und schauten gemeinsam diese Dame an. Sie schrie, „Konrad! Komm nach Hause!“ Der Schafe namens Konrad begann sich zu bewegen. Er beeilte sich noch nicht, bis die Dame zu ihm schrie, „Konrad, Beeile Dich!“ Ja, er beeilte sich nach dem Ruf seiner Dame! Der fette starke Konrad begann zu rennen! Sein heftiges Rennen brachten uns zu lachen! Konrad rannte, während alle andere auf ihn warteten.

Als alle Schafe sich versammelten, öffnete die mächtige Damen den Elektro-Zaun. „Komme, Komm, nach Hause!“ Alle folgten diesen Ruf. Die Muttertiere schubsten die zarten Jünger, die Kräftigen fuhren und rannten. Konrad schwand in dem Massen. Ich sah nur die nach Hause eilenden Herde! So konzentriert und natürlich folgten sie und alle in die gleiche Richtung – das Zuhause!

Es roch nach Stall, nach Erde, nach Unreinheit von Lebewesen. Die Sonne fiel aus dem Horizont. In der Dämmerung sah ich nur Lächeln in Gesichter der Menschen. Tiere sind heilsam!

Die Stadt Zürich ist eine reiche Stadt. Dort gibt es die schicke Menschen, teuerste Hotels und schnellste Autos. In dieser Zürich verschmähen die feinen Menschen den Geruch des Tieres und ebenfalls ihren eigenen! Und gleichzeitig gibt es auch solche Momente, wie eine Schafherde nach Hause eilt. In diesem Sog von Gerüche voller Erde und Lebewesen flossen meine Tränen unaufhaltsam. Es waren die schönsten glücklichsten Momente seit ich in Zürich lebe. Zum ersten Mal liebe ich bewusst diese Stadt, die ich zu oft als heuchlerisch verstand. Jetzt fühle ich mich verbunden mit diesen Schafe, die mich an Erde erinnert und an alle Lebewesen! Im dem Geruch der Erde hatte ich das Gefühl, sehr nah an Taiwan zu sein! In meiner Heimat, sei es in Mingjian, sei es in Shiding, sei es in Muzha, schwingt dieser Geruch in der Luft und verbereitet sich über den Horizont.

Als ich wieder mein Zuhause erreichte, griff unbewusst den Tie Guan Yin von Muzha und versank tief in dem Geruch.

Vom Opfer zum Gestalter

Durch eine alte Teeschale aus der japanischen Mingji Zeit lerne ich Herrn J. kennen. Ein edler älterer Herr aus den alten Zürcher Familien.
Diese Teeschale verbindet uns zu einer Freundschaft, die das Alter überschreitet und Kultur sprengt.

Ich verachte Grenze. Grenze zu überschreiten liebe ich. Das ist nicht konform in der Schweizer Gesellschaft. Gerne überquere ich auch meine eigene Grenze.

Er kam aus der anderen Grenze und erzählte mir Erfahrungen aus seiner neuen Reise in die alte Zivilisation.

Ich kehrte zurück aus der Grenze und berichtete über meine Erlebnisse ausserhalb Europa.
Von der wütenden Göttin Pali erzählte er mir. Die fremden Zeremonie im Tempel überwältigte ihn. Er sagte zu mir, dass er etwas endlich verstanden hat.

„Menglin, wenn wir die wütende Göttin als solche personifiziert und nur so sehen können, ist sie tatsächlich vernichtend und tyranisch. Es ist tatsächlich eine Göttin zu furchten. Aber ich verstand, sie nicht auf dieser Art von Weise zu betrachten. Sie bracht meine Vorstellungen über die Welt durcheinander, zerstört meine Halt auf der Erde und verletzt mein Gefühl. Und ich bin endlich auf den Boden gelandet, so dass ich diese Welt so wie sie ist neu zu sehen. Sie leistet mir in diesem Sinne ein Dienst!“

Pali ist eine Göttin und ist eine Göttin. Sie ist vernichtend und bereichernd. Was siehst Du in ihr?

Kann eine wütende Göttin als eine Göttin von Dienst gesehen werden?

„Wie kann man aus dieser Rolle von Opfer aussteigen und diese neue Betrachtungsweise gewinnen?“ Meine Augen tränten.

„Indem wir nicht mehr mit Opferrolle identifizieren wollen, sondern als Gestalter zu leben.“
Ein Gestalter, der Leiden und Freude mit Gleichmut betrachtet und das Beste aus Yin und Yang gestaltet.

In dem Dante-Diskussion im vierten Advent 2015 sassen viele Teefreunde und Interessierte zusammen und widmeten genau dieses Thema. Vieles, was in unserem Leben geschehen, können wir nicht steuern. Aber das, wie wir diese Geschehnisse begegnen, können wir es gestalten. Ist Pali böse? Oder dient sie sogar unsere Entwicklung? Das hängt von jedem ab. Mit Tee kann man lernen, selbst im Nebel zu erkennen, wenn man jedes Mal einen Gongfu Cha starten muss. Nur wenn man das eigene Zentrum spürt und vertraut, Schritt für Schritt einen Weg findet, verwandelt man die Nebelsuppe zu einem blühenden Garten! Es war einen besinnenden Adventabend. Wir kamen mit viel Wärme und berührte Herzen in die dunklen Gasse Zürichs.
Am Teetisch in Shui Tang passieren vieles. 
„Man sagte immer, es sei Zufall. Es war ein Zufall, dass ich mit dieser

Teeschale zu Dir kam.“ Seine Augen wurden breit, “ Aber es gibt keinen Zufall für mich. Unsere Verbindung durch eine Teeschale – es muss so sein.“

Man muss es einfach vertrauen.

  

In Taiwan auf der Suche nach verlorener Zeit IV

Ich kann mich noch recht gut erinnern, als mein Vater in einem alten Qing Dynastie- Kostüm auf einem schwarzen Pferde ritt. Es war ebenfalls ein wichtiges Tempelfest im meinen Mutters Dorf in Tainan. Während oben auf der Bühne Theater über irgendeine Melodram gespielt wurde, grillierte ich mit vielen anderen Kinder direkt unter der Bühne meine Bratwürste.

Als Kind hat man viel Angst vor Geister und Monster. Als Kind hat man viel Phantasie um fliegende Götter und Zauber. Es war heilig. Heilig weil man immer über eine Schwelle gehen muss, um den Tempel einzutreten. Heilig weil man tatsächlich Angst, Respekt und Verehrung der Gottheiten spürt. Es gab viele Tabut, Entzugspraktiken und Reinigungsritual. Als gewöhnliche Menschen geplagt von Krankheit, Geld und krieg, bittet man die Götter um Segen und Glück durch den Ausdruck eines Opfergaben. Ohne zuerst etwas geben, kommt nichts zurück.

Diese bunten glitzernden Bilder vermittelt mir wenig von dem Ehrfrucht oder Respekt vor der jenseits. Vielmehr verwirrte es mich. 

Der Himmel war grau. Es tropfte.

Ich ging schnell einen Schirm kaufen. Die sichtlich gealterte Frau gab mir einen rosaroten bunten Schirm. Sie lächelte. Nur dieses Lächeln versetzte mich noch in meiner Kindheit, aber nicht mehr die laute schillernde Strasse! Der Schirm hab mir einwenden Schutz vor Kälte und Regen. Ich fragte den Himmel, „bin ich tatsächlich ein fremde geworden, in meinem eigenen Land?“ Bin ich heuchlerisch? Fühle ich mich nicht mehr verbunden mit diesen einfachen Menschen? Wie kann ich wieder eine Verbindung herstellen zu dieser  Erde und Menschen?

Gestern unterhielt ich mit You über die weitere Arbeit 2016. wir können natürlich weiterhin raren ausgezeichneten Pu Er aus dem besten Regionen herstellen. Aber woher kommen die Nachwuchs? Die jungen Menschen, die zu mir kommen, die die Schönheit eines guten Tee sehen, sollen auch eine Möglichkeit haben, einen guten Puer von seiner Produktion zu trinken! 

Das ist unsere Zukunft! Die Wurzel nicht zu verlieren! Je weiter und höher wir uns entwicklen, desto erdverdbunden müssen wir sein. Damit wir nicht ein Luftballon werden. Damit wir nicht bloss Feuerwerk einer dunklen Nacht werden!

Es wurde dunkler. Die Zeremonie um die Geister zum verweilen und verpflegen einzuladen geschah und endete. Eine Frau sagte zu uns, es gäbe noch Feuerwerk und Shows von Prominenten. Wir waren höflich. Mit Anstand aber wenig herzlich haben wir uns bedankt.

Feuerwerk, die blühende Feuer für eine Nacht. Das ist nicht das, was ich suchte.

  

    
    
  

In Taiwan auf Suche nach verlorener Zeit III

 In dem uralten Zeit opfert der Priester für das Stamm getötete Tiere – manchmal auch Menschen, um mit der Jenseits zu kommunizieren, um die Sicherheit des Sammes zu bitten, um reiche Ernte zu wünschen. Das Tier opfert sich um etwas “ höhes“ geschehen zu lassen. Die Menschen sind sich bewusst über das Opfer des Tiers und tragen somit die Verantwortung für das, was geschehen ist. 

Heute ist es nicht sehr viel anders. In westlicher Tradition verliert die Bedeutung und die Rolle des Opfers mit der Bedeutungsverlust von Christentum. Opfern hat oft eine negative Konnotation unserer Gesellschaft, obwohl viele Menschen sich im Unterbewusstsein mit der Rolle des Opfers identifizieren, um die Eigenverantwortung zu entziehen. Das ist das Paradox unserer Zeit. 

Auf Formosa opfert man nicht nur für die Götter, sondern auch für die hungrigen Geister. Die verwirrten Seele, die heimatlos sind, werden gerne zum solchen Feier eingeladen. Das erste, was ein Taiwanesisches Kind lernt, ist Götter und Monster zu respektieren. Man tut es auf ähnliche Art. Man lädt die Monster oder Geister ein, zuerst zu waschen und dann eine Zigaretten zu rauchen. Es wird roter Wein aus Frankreich serviert, ebenfalls starke Sake oder Tee in PET Flaschen.

Dann gibt es viel zu essen! Um das Essen zu präsentieren, fehlt es keine Kreativität. Taiwan ist eine merkwürdige Insel, wo die Grenze zwischen diesseits und jenseits nicht stark unterscheidet. Alles in unverwechselbaren Farben – fröhlich, auffallend und surrealistisch… Ich dachte, ich wäre in Disney Land gewesen! 

opfergabe voller kreativität

  

altar als informationsschild für gäste aus jenseits. es wird klar gemacht wer die opfergabe spendet und was gespendet wird.

  

servicetisch von französischen rotwein und süssigkeit. der gast aus jenseits hat einen anderen geschmack…

  

eine andere art um hühne zu servieren

    

ikebana mit ingwer

 

eingang von gästebereich aus jenseits. zuerst wird gewaschen!

In Taiwan auf Suche nach verlorener Zeit II

Ich  fuhr mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Jiayi. Der Tempel 奉天宮 organisierte Pendelbus um die Touristen abzuholen. Gut organisiert. Dieser Anlass ist nicht nur spannend für dem Tempel, sondern auch für die kleine Ortschaft 新港 Xin Gan, wo die Göttin Masu verehrt wird. Auf der Strasse roch ich wieder bekannte Gerüche und die bodenständigen einheimischen Küche! Es sind verlorene Geschmäcke.

Farbefrohe Bilder bilden ein gutes Kontrast zu dem Wetter. Es war mild, grau und bewölkt. Ich mischte mich in die Menge und stand über eine Stunde in einer Warteschlange für eine Segnung- und Reinigungsritual.

auf den weg zum tempel

  

origami lotusblüte und phönix schiffe

  

zeremonie um das alte zu reinigen

Im Feuerzeug

平安夜
我在街角站定
等你,一個人
冷月無聲
行人漸遠
我帶上火柴
如果你不來
我會划一根
至少,那搖曳的火焰
在淒冷的夜裡
會給我一點溫暖
如果你還不來
沒關係
我尚準備了打火機。
Stille Nacht
Ich stand am Ecke der Gasse und warte
Auf Dich, allein
Der kalte Mond schwieg
Keine menschliche Spuren
Ich brachte noch Sreichhölzer
Falls Du nicht rechtzeitig kommst
Ich werde eins anzünden
Die flimmernde Flamme wird zumindest in dieser stillen Nacht
Mir ein wenig Wärme schenken
Falls Du immer noch nicht kommst
Das macht nichts
Ich habe noch ein Feuerzeug vorbereitet.

Im Feuerzeug höre ich den Weg nach Hause!

Stille Nacht

Stille Nacht
Ich stand am Ecke der Gasse und warte
Auf Dich, allein
Der kalte Mond schwieg
Keine menschliche Spuren
Ich brachte noch Sreichhölzer
Falls Du nicht rechtzeitig kommst
Ich werde eins anzünden
Die flimmernde Flamme wird zumindest in dieser stillen Nacht
Mir ein wenig Wärme schenken
Falls Du immer noch nicht kommst
Das macht nichts
Ich habe noch ein Feuerzeug vorbereitet.

Endlich schlossen wir die Tür an der Spiegelgasse.
In einem kleinen Kreis knallten wir eine Flasche Champagner.
Endlich war es so weit, sich auf einer stillen Nacht zu freuen.

Einst freute ich mich auf eine Fest mit Weihnachtslieder in einem familären Kreis. Es war schön und warm. Es war eine andere Zeit.
Mit Shui Tang hat es sich Einiges geändert.
Ich verbrachte sogar das Essen in einem heiligen Abend in Burgerking, nur weil ich zu faul und zu müde war, weiter zu fahren, um mit jemanden zu feiern.
Eine stille Nacht ist an sich nichts besonders.
Ausser – dass es still ist.
Diese Stille ist wunderbar, wenn paar Engels dazu fliegen, dann bereite ich noch paar Teeschale vor. Die Gasse ist leer, ich zünde noch paar Kerzen. Vielleicht ist es dann so weit.