Archiv für den Monat Februar 2006

Junshan Yinzhen 君山銀針- ein gelber Tee

Dieser schöne Tee kommt aus dem Provinz Hunan 湖南. Junshan ist eine Insel, die im einen großen Süßwassersee Dongtinghu 洞庭湖 Chinas liegt. Jun 君 – der Herr und Shan 山 – der Berg. Diese kleine Insel ist berühmt nicht durch den Tee, sondern auch durch verschiedene Legende! Es wurde erzählte, Kaiser Shun 舜 starb auf seine Reise nach Südchina. Seine Ehefrauen erfuhren es und wollten schnellst zum ihrem Mann. Als Ihr Schiff im See von Sturm erfasst wurde, schwammen 72 Schnecken zu ihnen und gaben ihnen einen Halt. Diese 72 heldenhaften Schnecken wurden zum Jun-Shan!

Grab
Grab von den zwei treuen Ehefrauen von Kaiser Shun

Junshan Yinzhen ist seit Tang-Dynastie bekannt. Angeblich nahm die Prinzessin Wencheng 文成公主, die den tibetanischen König heiratete und den Buddhismus nach Tibet brachte, in ihrer Hochzeit nach Tibet mit. Dieser Tee sollte wohl die Prinzessin unter den Fremden getröstet haben…
Junshan Yinzhen wurde oft von chinesischen Poeten mit Lungjing verglichen. Er sei leicht breiter und grüner. Im Roman „Der Traum des roten Kammer 紅樓夢“ sollte die schöne Nonne Miaoyu 妙玉eine Schale Junshan Yinzhen mit dem gelagerten Schnee, der auf dem Pflaumenblüte lag und vor Jahren gesammelt wurde, zubereitet haben. Jia Baoyu 賈寶玉 – der Held des Romans – vielleicht eine Art von Casanova? – sollte diesen besonderen Tee mit dem sonderbaren Wasser serviert wurde. Kannst Du es vorstellen, wie es wohl nach Pflaumen und Tee duftet?
Dongtinghu
Sonneuntergang von dem Dongtinghu洞庭湖

„Geisha“ 藝妓 und Mohamed-Karikatur

Teemeister Ulrich Haas in Freiburg regte sich in einem Rundbrief über die kulturelle Ignoranz des Marshalls in seinem Film „Geisha“ auf und zitiert im Satz von chinesischem Regisseur Chen Kaige „Eine Chinesin kann keine Geisha spielen, es ist eine traditionelle Figur der japanischen Kultur. Aber vielleicht war es dem Regisseur egal.“
Kann Chinesin keine Geisha spielen? Wie konnte ein Brite Sir Ben Kingsley überhaupt Gandhi spielen und einen Oscar gewinnen? In diesem Logik wäre es nicht möglich von Fremdverstehen zu sprechen. Wie kann ein Deutscher oder Schweizer überhaupt Buddhist werden? Das ist ja ursprünglich eine indische Religion… Das Problem von Hollywood liegt nicht daran, dass Chinesin eine Geisha spielen kann, sondern an der Haltung „Schlitzaugen sind Schlitzaugen!“

Die Welt, in der wir uns bewegen, ist beschränkt auf einen kleinen Teil der Erde, wo Handy, Computer, Supermarkt, Pizza, Internet und Bloggen zum Alltag gehört. Es sind Privileg eines winzigen Teils der Weltbevölkerung und keine Selbstverständlichkeit. Wir teilen nicht das gleiche Lebensgefühl, nicht die gleichen Werten und noch weniger die ähnlichen Lebensperspektiven und Hoffnungen miteinander. Meisten von uns sind bedroht von Hunger, Krieg und Hoffnungslosigkeit des Lebens. Das Paradoxe der ganzen Geschichte ist, dass wir in einer Welt leben, in der Globalisierung den Anschein erweckt, dass wir alle Coke Cola trinken und Lewis Jeans tragen. In Züge der Globalisierung rückt das Fremde immer näher, das Leben wird unübersichtlicher und wir befinden uns immer mehr inmitten der Differenzen. Statt mit den Differenzen auseinanderzusetzen beharren wir auf die Bequemlichkeit, in dem wir mit Stereotypen denken – wie oft wurde ich auf der deutschen Strasse als Thailänderin oder Heiratskandidatin angesprochen!

Schlitzaugen sind sowieso Schlitzaugen. Ihnen stehen keine Geschichte, keine Werte und keine Gefühle zur Verfügung. Diese Haltung erinnert mich an den Streit um Mohamed-Karikatur. Als die westliche Welt von Meinungsfreiheit, Provokation und Alibi des islamischen Terrorismus spricht, fragt sich wohl vielleicht jemand, ob es in unserer Welt vielleicht andere Menschen gibt, die andere Vorstellung von Leben, Freiheit und Religion innehaben.

Soshitsu Sen in Berlin
Meister Soshitsu Sen der 15. 鹏雲齋 opferte im Mai 2000 eine Schale am Berliner Mauer.

Alter Teemeister der Urasenke-Schule Soshitsu Sen der 15. 鹏雲齋 musste sein Pflicht an dem zweiten Weltkrieg erfuellen und schlug eine Schale Tee für seine Kameraden, bevor sie ins Kampfflugzeug einstiegen. Nach dem Krieg beschloss er als Friedensbotschafter zu sein. Er wollte Menschen mittels eine Schale Tee diese Botschaft zu verkünden! Tee geht über die Grenze der Sprache, des Territoriums und der Kultur. Durch das Teilen eine Schale Tee, indem wir aufhören, zu denken, zu sprechen und zu unternehmen, tragen wir dem Weltfrieden bei. Das Andere, so wie es ist, anzunehmen ist wohl der Anfang des Friedens.
Soshitsu Sen in Honolulu
Soshitsu Sen der 15. 鹏雲齋 in Honolulu im Juli 2001

Liebe und Glück im Teeweg

„Happiness does not exist except as sweet memories of the Past…“ sagte heute Mein Tee-Papa Detlef zu mir, als wir zusammen zum Tee trafen. Tee-Mama Ingrid konnte nicht richtig auf dem Tatami knien, weil ihr Knie erst vor drei Wochen operiert wurde. Wir tranken von ihm zubereitetem Koicha – einen dicken Tee und plötzlich sagte er mir, „Menglin, Du wirst von uns bestimmt die Holzkohle erben, die ich gestern gewaschen und geschnitten habe.“ Sie schauten sich an und lachten. Ja, der Körper ist hinfällig und die Zeit wartet auf uns nicht.
An der Wand hing eine Schriftrolle, die normalerweise etwas Philosophisches und Dimension des Zens darstellt. „Warum nie etwas von der Liebe?“ Ich fragte sie. „Denn, Menglin“ er schaute mich an „das Glück von Menschen existieren meistens nur in ihrer Erinnerung. In Moment des Glücks können wir es gar nicht wahrnehmen.“ Er führt weiter fort, „wer weiß, wie ich mich glücklich fühlen werde, wenn ich mich in paar Jahren an unsere jetzige Teezusammenkunft erinnern werde!“
Jedes Treffen ist einmalig! Nach jeder Teezusammenkunft verabschieden Gastgeber und Gast nach der Tradition im Schweigen. Jeder geht auf seinen Weg. Wortlos und unaufhaltsam. Der Gastgeber kehrt allein zurück in den Teeraum und sitzt vor den gelöschten Feuern. Jeder Treff ist einmalig! Was hätte ich vorhin noch sagen sollen? Was hätte ich gesagt? Der Freund ist fort. Die Momente kehren nie mehr zurück. Wäre es möglich – in der ungewissen Zukunft – sich wieder in diesem Raum zu begegnen?
Das ist auch das Gefühl der Liebe, nicht wahr? Jemanden so zu lieben, das Leben so zu leben, als ob es der letzte Tag wäre. Die Intensität des Lebens zu spüren und das Leben im Hier und Jetzt zu betrachten und so zu leben, lernt man konkret im Teeweg.
Vor dem Teeraum legten Samurais ihr Schwert vor einer niedrigeren Tür. In dem Moment, in dem man in den Raum eintritt, ist jeder sein selbst. Kein Kaufmann, kein Samurai und kein Fürst. Jeder musste sich vor der niedrigeren Tür beugen – sich demütigen lassen, so dass man in einem gleichen Raum miteinander Herz zu Herz begegnen konnte. Das ist die höchste Dimension der Liebe, wenn man sich selbst vergessen könnte, was man sein sollte und wollte, nicht wahr?
Detlef und ich
Mein Tee-Papa Detlef und ich im zürcher Völkerkundemuseum im Sommer 2001

„Geischa“ 藝妓 und Tee

Hast Du den Film „Geischa“ von Hollywood (Rob Marshall) gesehen? Weiß Du, was eine Geischa 藝妓 ist?

In der chinesischen und japanischen traditionellen Gesellschaft pflegte man eine spezielle Tradition von Unterhaltungskultur, die in Europa nicht gab und gibt. Geischa sind solche Entertainerinnen, die japanische aristokratische Gesellschaft unterhielten – mit ihrer künstlerischen Fähigkeit , nicht mit ihrem Körper.
Zweifellos waren alle Geischa schön. Aber nicht ihre Schönheit macht eine Frau zu einer erfolgreichen Geischa, sondern ihre Kunst im menschlichen Umgang, in Beherrschung verschiedener Kunstgattungen und in ihrer Selbstbeherrschung. Sie unterhielten einsame männliche Oberklasse und waren Projektionsfläche der männlichen Egos.
In damaliger Gesellschaft waren Ehen und Liebe häufig nicht miteinander zu vereinbaren. Dies war in Europa allerdings ähnlich. Die Ehe war ein Mittel zur Erweiterung familiärer Besitztümer und Regelung der Erbschaft. Erst mit der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft im 18. Jahrhundert war Liebe in der Ehe denkbar. (Lessing veranschaulichte diesen Prozess mit seinem Trauerspiel “ Miss Sarah Sampson“.) In altem Japan suchten einsame abenteuerliche männliche Seele Liebe in den Geischas und Geischas in ihnen. Eine Liebesbeziehung zwischen Geischa und ihrem Gönner ist eine offizielle Angelegenheit. Treu und Verantwortung waren das höchste Gebot. Ein Mann, der bereits eine eigene Familie gründete und gleichzeitig eine Geischa als halbe Frau erklärte, übernahm Verantwortung für beide Pateien. Eine Geischa, die bereits einen „Mann“ hatte, arbeitete trotzdem weiter als Entertainerin. Geischas waren wohl die einzige weibliche Gruppe, die frei waren, ihren Mann auszusuchen und ihren Beruf auszuüben.
Geischa von Rob Marshall
Filmwerbung von Geisha – eine schöne schwarzhaarige Geischa mit blauen (Schlitz-)Augen…

Geischas leben weiter in der neuen Zeit und neuen Welt. Sie fungieren als eine Projektionsfläche im Westen für erotische exotische Phantasie. Geht es wirklich um die Geischas in feudalistischer japanischer Gesellschaft? Oder geht es um die Geischas, die bereits als erotische Figuren in den Köpfen der westlichen Menschen leben?
Geischa und Tee haben hier etwas Gemeinsames: Sie besitzen zwar eine eigene Geschichte, aber werden von ihrem historischen Kontext herausgerissen. Anschließend werden sie mit verschiedenen Bedeutungen und Kategorien hinzugefügt. Tee wird zum Trendgetränk. Neue Zürche Zeitung bestätigt, dass Tee „das meist konsumierte Getränk der Welt“ sei. (14. Okt. 2005) Grüntee sei gesund, „wellness“ und geheimnisvoll etc. Mich verwirren oft Werbungen und Teebücher über Tee. Geht es um den Tee selbst oder um die hiesige Vorstellung von Tee?

Oriental Beauty und seine Zukunft

Oriental Beauty hat einen anderen Name: Bai Hao Oolong. Bai Hao Oolong war einmal der Synonym von Formosa Oolong. Dieser Oriental Beauty braucht drei Geburtshelfer.
1. Die Xiaolü Yechan 小綠葉蟬 – die Insekten, die den Oolong zum Oriental Beauty machen, sind uneingeladene Gäste der Teegärten. Sie vermehren sich im Wetter, in dem Kein Wind weht, feucht, warm ist. Sie befallen die frischen Triebe, die dann aufhören zu wachsen und vergilbt werden. Sie besuchen nur Teegärten, die natürlich wachsen und nicht mit Chemie gepflegt werden. 2. Glück. Diese ersehnten Gäste besuchen nicht jeden Trieb. Das Wetter ist auch nicht immer optimal. 3. Die wirkliche Oriental Beauty – alte Teepflückerinnen von Haka-Bevölkerung.
Im heißen Sommer fahren wir nach Xinzhu und Taoyuan – die besten Anbaugebiete. Wir steigen aus dem bedeckten klimatisierten Auto aus und steigen in die unbedeckten heißen Teegärten. Die Pflückerinnen, die sich mit voll Kopfbedeckung vor der Sonne schützen, sind fast nur Omas. Omas von Haka – ein Bevölkerungsgruppe, die berühmt von ihrem Fleiss und Ausdauer ist, pflücken gerade die kleine feine befallene Triebe. Die Situation ist klar: welche junge Frau aus Taiwan würde noch diese harte Arbeit unter der kränkenden Sonne annehmen? Vielleicht müssen junge taiwanesische Teebauer die anspruchslosen südasiatischen Schönheiten importieren, die die Tradition des Oriental Beautys fortsetzen.
Oriental Beauty hat außerdem noch andere Sorgen. Die Hightechnik-Industrie, die Acer, BenQ und Siemens Handy etc. produzieren, wollen auch dort aufhalten, wo die Xiaolü Yechan gerne verweilen. Auch Golfplätze, die die junge Professionals nach dem Feierabend ihre Freizeit verbringen, sollen auch in der Nähe sein. Und Tempels, die dem von Arbeit geplagte Seele trösten, sollen auch in der erreichbaren Nähe sein. Reihenhäuser, in den sich gut verdienende Young Professionals als schönes Heim niederlassen, sollen auch naturnah und nebenan sein. Die Teebäume werden rausgerissen, Teegärten als Bauland verkauft und umfunktioniert und das Land steigt noch mehr an seinen Wert… Beim Besuch der Familie Kan im letzten frühen Sommer haben wir festgestellt: wir finden immer mehr Tempels, die Teegärten zum seinen Parkplatz machen; Reihenhäuser, die unter der Sonne glänzen; und Golfplatz, dessen grüne Rasen uns traurigerweise an Teebaum erinnert!

Vielleicht ist es irgendwann nicht mehr lohnenswert, den Oriental Beauty zu produzieren. Es gibt keine fleißige robuste Beauties mehr, die diese harte Arbeit noch machen. Kein Bauer würde seinen Garten weiter pflegen, weil es ihm zu teuer wird. Statt Oriental Beauty aus Taiwan haben wir dem Europa und der Welt Acer und BenQ anzubieten!
Hakka Beauty

Oolong Tee 烏龍茶 – schwarzer Drachen oder schwarze Schlage?

Tee-Taster Wang Xinjun aus Hongkong erzählte, dass die Heimat des Oolongs in Luo Ba Shan von Landkreis Sha 沙縣 in Fujian 福建 sei. In diesem Gebirge weilen häufig Nebel und Regen. Es ist warm, feucht und regenerisch. Die Erde ist dunkel und Nährstoffreich. In diesem Wald lebten auch kleine schwarze Schlage, die sich am liebsten in Teebäume aufhalten. Wenn Teebauer die Blätter pflückten, bewegten sie sich nicht. Man bezeichnete diesen Tee von diesen Bäumen „Tee der schwarzen Schlage“ 黑蛇茶. Da Chinese Drachen als Schlage bevorzugt, wurde der Tee der schwarzen Schlage bald „Tee von schwarzen Drachen“!

Raku Chawan 樂燒茶碗- Teeschale für Matcha

Viele Leute fragen mich, was für eine Schale braucht man für den Matcha? Eigentlich alle Schale, in der sich der Bambusbesen gut bewegen kann, kann als Matchaschale genommen werden. Müslischae, Reiseschlae oder normale Teeschale sind alle geeignet.
Viele Leute erzählen oft von Raku-Schale 樂燒 und viele Teeläden verkaufen Raku-Schale. Was ist eine Raku-Schale?
Die erste Raku-Schale sollte unter der Anleitung von Sen Rikyu 千利休 (der Gründer-Teemeister von jetzigen japanischen Teeschulen) um 1579 gefertigt worden sein. Die Ästhetik dieser Art von Keramik gewann die Anerkennung des damaligen Herrscher Hideyoshi 豐成秀吉. Er gab dem Ziegelmeister Chojiro, der Raku Technik entwickelte, das Siegel „Raku“ (Freude) und Jokai als Familiename übernommen werden dufte. Als Raku-Schale könnte man eigentlich nur für bestimmte Teeschale bezeichnen, die von dieser „Raku“ Familie hergestellt werden. Alle andere Schale könnte man nur als mit Raku-Technik gebrannte Schale bezeichnen. Hinter diesem Name verbirgt eine Tradition und Wissen, was sich nicht verwechselt werden könnten und sollen.
Diese Raku-Technik hat sich bis heute nur geringfügig verändert. Der zum Raku-Brand eingesetzte Ton muss schnellem Erhitzen und plötzlichen Abkühlen standhalten. Für rote Raku benutzt die Raku-Familie einen feinen eisenhaltigen Ton, während für schwarzen Raku eine raue Masse mit Sandanteilen. Der Ton spielt in der ganzen Herstellung eine wichtige Rolle. Er wird von der Raku-Familie für die folgenden Generationen gegraben und gelagert. Die jetzige 15. Generation verarbeitet das von der 12. Generation vorbereitete Material.

Also Raku ist nicht einfach Raku. Es wäre eigentlich ein Ideal, dass sich verschiedene Kunst und Kulturen begegnen und gegenseitig lernen. Das Verständnis des Traditionsbewusstseins und das Respekt vor einer anderen Kultur wären Früchte dieser Begegnung. Während hiesige Künstler behaupten, dass ihre Schale Raku-Schale sei, hätten sie gedacht, dass die Bezeichnung „Raku“ 樂 Freude bedeutet und ganz zu einer Tradition einer Handwerksfamilie gehört?
Eine wirkliche Raku habe ich gehabt. Der grüne Matcha schimmert an dem schwarzen Rand, der Ton ist weich und die Schale ist leicht. Eine Raku ist eben eine Raku.
Raku