Schlagwort-Archive: Teehaus in Zürich

Wie findest Du es?

Porzellan Gaiwan

Simon fragte mich, wie ich das Gaiwan finde. Ich sehe ein Gaiwan mit einem eher westlichen Design und voll bemalt auf der Oberfläche.

Die Form finde ich schön. Auch das Emblem ist okay. Trotzdem zeigt die Art wie die Oberfläche voll bemalt wird, ein triviales Bild von „westlichen“ Geschmack. Man trinkt Tee, man benutzt die Teekanne und Teatoys – man vereinnahmt die Kultur des Tees als Lifestyle, anstatt die Teekultur so wie sie ist, zu verstehen und zu leben.

Heute kam auch eine Kundin, die zu ihrer Begleiterin sagte, dass sie die chinesische Teezeremonie macht. Zu mir sagte sie, dass sie keine Ahnung hat, fragte allerdings keine Details zur Haltung von Gongfucha, sondern eher funktionale Hinweise von Gewicht und wie oft man einen Lishan aufgießen kann. Sie wollte für ein Hochzeitspaar Gongfucha zelebrieren.

Nach ihrem Besuch, fragte ich Simon und mich selbst, ob und wie oft wir das Gefühl haben, an eine Schwelle zu sein, weiter zu gehen, aber doch einen Rückzieher unternehmen.

Selbstverständlich kann jeder in einer demokratischen Gesellschaft Tee so machen, wie er es will. Das ist sein Recht.

Es ist Schade, dass man einen Gongfucha macht, um sich zu kokettieren. Gongfucha kann Dir mehr schenken, wenn Du Dich auf ihn einlässt.

Einmal zeigte ich Lijiao von einer Gongfucha Kanne aus Europa. Sie lachte und sagte, „oh, wie süß.“ Sie meinte eigentlich komisch. Warum sieht eine Gongfucha Teekanne von einem europäischen Handwerker „süß oder komisch“ aus? Weil die Form zwar ähnlich aussieht, aber der Geist einer Gongfucha Kanne nicht verstanden wird. Der Handwerker im Europa ahmt nach, so wie das Gaiwan. Die Form ist richtig. Aber der Geist stimmt nicht. So wirkt das Gaiwan als eine Einheit komisch. Die Ästhetik des Tees ist nicht voll bemalt auf der Oberfläche, sondern die meiste Oberfläche ist leer. (Darum wirkt ein Teetier merkwürdig auf dem Teetisch.)

Umgekehrt würde das Design in einem Mug vollkommen einstimmig. Und ein Teetier bei einem Show in YouTube vollkommen in Ordnung. Nur nicht an einem Teetisch, wo der Tee im Vordergrund steht.

Gegen Ende des Tages besuchte Shui Tang ein Engländer, der mitteilte, dass er den Laden erstmal allein schauen will. Nach paar Minuten stand er hilflos vor unserem Schrank, wo Buddha sitzt. Er sagte mir, er habe die Tasse vor Buddha bewegte und wusste nicht, dass die Tasse vom Wasser gefüllt war. Das Wasser lief auf dem Schrank über. Ich sagte ihm, „You Should Not do that! You should not touch everything in Front of Buddha,“ Ich holte Haushaltspapier und gab ihm. Er sollte das putzen. Er nahm das Papier, putzte sorgfältig und entschuldigte sich. „Now you lern really about tea.“

Buddha sitzt immer im Hintergrund und beobachtet… so wie unsere Buddha-Natur. Immer präsent.

Abkehr

Ein Puer schmeckt oft kräftig, wenn er jung ist. Ein junger Puer vermittelt uns das Frische des Lebens, oft blumig, fruchtig und adstringierend. Oft wirkt er auch zu stark im Körper. Nach 1-2 Jahren verliert er das Frische, aber auch nicht ausgezeichnet. Meistens sind sie stumm, wie in einer Kapsel oder Cocon. Nach drei Jahren findet eine Abkehr statt. Er wird faccenttenreicher anstatt nur floral, intensiver anstatt blind kräftig, und erdiger anstatt wie ein Anflug.

Einmal fragte ich meinem Zenmeister Michel, als er noch lebte. «Was denkst Du über Töten?» Er sagte mir, dass das Töten karmisch gesehen Schatten über das Leben bringt. Aber, er fragte mich, «Töten ist nicht gleich töten. Wie wäre es ein Töten eines Tyrannen?» Als ein Pazifist und mit guter Wille ein guter Mensch zu sein, war ich sprachlos. Ich schüttelte meinen Kopf. In seinem Gesicht gab es ein Schalk. Das sei Zen. «Keine Kategorie bilden.» Er sagte mir, das Karma des Tötens auf den eigenen Schultern zu nehmen, eine Tyrannei auszuschalten ist mutig und rettet Leben. Abkehr von der Kategorie-Bildung zur Freiheit des Denkens rettet die Welt.

In letzten Tagen sehe ich eine Abkehr von vielem kategorischen Denken. Die Schweiz distanziert sich von «nur Geld», Deutschland von «nur guter Menschen», Polen und Ungarn von «bloss keine Flüchtlinge» und Nato von «Hirntod».

Ich habe die Mut und Fähigkeit nicht das Karma von Töten auf meinen Schultern zu nehmen, aber ich kann etwas tun in meiner Meditation, den Angreifer im Dialog einzubinden. Möge eine Abkehr in ihren Herzen stattfinden. Eine grossartige Nation basiert nicht auf eine starke Faust.

Mut zu Abkehr des herrschenden Denk- und Verhaltensmuster bringt Licht im Horizont.

Puer oder Felsentee bilden solche Tage eine Stütze für mich. Tief verwurzelt in der Erde und den Weitblick nicht verlieren! Für mitfühlenden Menschen für den Krieg, empfehle ich einen schönen Buddhas Hand, der Trost und Licht vermittelt. Abkehr von Orientierung des Aussen zum unserem Zentrum im Herzen.

Hochstämmige Teebäume in Tianmen Shan. Fotografiert im April 2019.

Sparziergang durch die Wälder Yibangs

Wenn die Sonne im Herbst noch scheint, leuchten die farbigen Blätter besonders gold-gelb. Im Moment blühen die Teebäume in Yibang bestimmt ganz lebendig im Wald.

Mansong Gushu ist eine Orientierung des Pu Ers für mich. Blumig, zart, süss und holzig im Mund. Kraftvoll wirkt er im Körper. Ein Raum von breiten und Tiefen entsteht irgendwo im Brustkorb. Ich begegne selten so eine Schönheit, die aromatisch facettenreich schmeckt und Tiefe und Charakter gleichzeitig besitzt. Dieser Tee ist aufgrund von seiner raren Hintergrund schwer zu erwerben.

Yibangs blühende Teebäume. Herbst 2013

2021 bekomme ich aber vier sehr spannende Yibang. Die jeweils einen Teil von Yibang Mansong präsentieren.

Yibang im Jahr 2013 Herbst

Dahei Senlin (der grosse dunkler Wald) lerne ich zum ersten Mal kennen. Der Wald liegt neben Mansong. Einst war er auch kaisierlicher Tribut-Tee und aus Camelia Sinensis. Ich stelle mir weite Wälder mit dunklen Bäume vor. Der Tee ist keineswegs dunkel. Ich rieche zarte Knospe und blühende Blumen. Der dynamische Geschmack tanzte auf der Zunge, während das Licht, das von den Blätter gespeichert wurden, sich durch den Körper strömt. Lebendig und energetisierend. Das ist der obere Teil von dem Tee des Manson-Gushus.

Dahei Senlin (Dahei Shulin)

Wenn wir weiter gehen, kommen wir bei dem Yibang GuoyouLin an. Natürlich weiss ich nicht, ob es graphisch nah aneinander liegen, aber ihre Geschmäcke sind miteinander verbunden. In Yibang Guoyoulin wachsen die hochstämmigen Teebäume, die stets über den Tellerrand hinaus schauen und den Weitblick behalten können. Schmecken Sie so prächtig wie ein Chawangshu? Für mich schmecken sie wie ein See – ein mystischer See – wie in hochalpinen Bergseen. Oft werden sie verschleiert. Wenn die Sonne durchscheint, offenbart die Schönheit einer Perle. Ein weiter Raum, der auf dem Gipfel steht, weitet sich in mir aus. Leise zwarte Knope klingelt auf der Zunge. Liebliche feine Tasse. Für mich verkörpert er den unteren Teil von Mansong Gushu. Friedlich, weit und in sich ruhend. Emotionale Qualität.

Yibang GuoyouLin

Wenn man eine Weile am See gesessen hat, erhält man Kraft weiter auf den Weg zu gehen. Bergauf und Bergrunter kommt man bei einem anmutigen Weiler. Dort müssen die Teepflanzen wegen dem steilen Hang den grossen Unterschied von Wärme und Kälte aushalten, wachsen die Blätter schmal und länglich. Man nennt es „Weiden-Augenbraun“. So nennt man auch schöne Augen einer Schönheit in der alten Literatur. Die entzückenden Blätter eines Yibang Gushu liefert keinen weichen Tee. Der Tee voller Dynamik verführte mich, Anna und Fabio am vergangenen Samstag zu einer heiteren Welt. Er tanzte, mit uns oder solo. Er macht keine kunstvolle Sprünge oder Pirouette, sondern ganz auf den Boden fliessend wie ein archaischer Tänzer, der Anwesende „nach Hause“ begleitet.

Wenn man bald wieder „ans Tal“ ankommt, begegnet man die vor kürzen angepflanzten Xiaoshu (junge Bäume, ca. 10-20 Jahre alt). Sie sind jung, zugänglich und frisch. Unkompliziert und einladend. Ein bekömmlicher Tee, der nicht sehr viel von einem verlangt, aber viel Freude an Trinken schenkt.

Ein visueller Spaziergang. Eine Reise durch den Geschmack des Tees. Äusserlich und innerlich. Kulinarisch und Emotional. Yibang mit vier Gesichtern.

Manlin Gushu – wie der herbstliche Sonnenschein

Selten reise ich nach Stans.

Regnerisch und kühl. Ich wollte mir das Projekt Culinarium Alpinum anschauen. Man hat mir von einem sehr beeindruckenden Gartenprojekt „essbare Landschaft“ erzählt. Das auf dem Menü präsentierte essbare Herbst hat mich enorm begeistert und sofort plante ich die Reise ins Mekka.

Als wir dort ankamen, war der Garten noch im Werden, aber man konnte bereits reife Himbeeren pflückten. Das Essen war hübsch repräsentiert. Die in Quark gesteckten Blüten schmeckten wie die Sonne, die hinter den Wolken versteckte. Das Fleisch war geschmackvoll, Kürsbispüree ist wie es sein kann. Nach dem Essen wollten wir einkaufen und das Projekt unterstützen. Man musste selbst die eingekaufte Waren zusammenzählen und twinten – wie in einem Hofladen.

Wie viel darf man verlangen und wie viel gibt man als Service. Es ist ein immer schwieriges Thema in einem sehr teuren Land, wo Menschen immer mehr zum Kostenfaktor werden. Wie viel darf man sich an das Lokale orientieren, bevor man sich unbewusst eingeengte Denkstruktur aneignet? Dass sich als authentisch und regional angibt, ist eine Versprechung verwurzelt und geerdet zu handeln?

Ich nahm viele Eindrucke und Gedanke nach Hause. Der Regen begleitete uns ununterbrochen. Bevor wir in den Zug sprangen, sassen wir uns kurz in Rosenburg, wo wir beide als schön und heimlich schweizerisch bezeichnen würden.

Als die Sonne wieder aufging, lief ich zu Shui Tang. Mit Franco packte ich die frischen eingetroffenen Stapel aus und tranken gemeinsam den Manlin. Es wird nicht der letzte Tee sein, den wir miteinander teilen. Es wird nicht der letzte Sonnenschein sein, der über Shui Tang strahlt. Aber der herbstliche Stimmung verbreitet sich in der Atmosphäre. Das warme Licht scheint besonders tröstend.

Aus der erste Tasse duftete es nach zarten Blumen, die gerade frisch öffneten. Es waren noch Heu und Grass. Im Mund breitet sich eine warme Hülle, Heu, Holz und Orangenschale. Es wärmte mich so, dass ich schwitzte. Wie fühlte ich mich? Ein Lächeln aus dem Herzen entspannte meine Schulter. Die herbstliche Sonne scheint auf meine Schulter, erfreulich und aufmunternd. Die alten Teebäume stehen Hunderten Jahren dort, wo sie die Sonne mit vielen Lebewesen teilen und verwandeln die Sonne in die Energie, damit sie uns die frischen kraftvollen Blätter liefern – wenn die Sonne auf meine Schulter scheinen, was gebe ich zurück? Wie könnte ich diesen natürlichen Kreislauf durch das Tee-Trinken ohne Dogmen und Versprechung weitergeben?

Manlin Gushu in Manzhuan Yunnan China

Walong, der Drachen aus der Tasse

Endlich sind neue PuEr Stapeln eingetroffen.

Der Walong aus Manzhuan, der wie ein Drachen aus einer Tasse emporsteigt, offenbart sich noch einmal in meiner Tasse!

Walong aus einer Tasse der aus feinsten Porzellen gedreht und mit Fichten Aschen Glasur gebrannt ist, vermittelt mir das beflügelte Gefühl auf dem Baumkronen eines Kiefers zu sitzen.

Der Drachen bringt Botschaft aus der anderen Seite! Die Welt hinter den Wolken. (Darum gibt es oft Abbildungen in fernöstlichen Kultur über Wolken Drachen)

Erfrischt, zentriert und weitsichtig geht man danach wieder ins „Tal“. Und ich in die arbeitsintensive Tage.

Wenn Blumen blühen…

„Wenn Blumen blühen, freue ich mich auf die Nacht, am besten im Vollmond. Dann kann ich das Mondlicht zum Wasser verwandeln, in meine Kanne füllen. “ So schreibt Künstler Jing Yuan (Liu Qingzhong) zu seiner Teekanne „Wenn Blumen blühen“.

Oft vergessen wir Gedichte zu schreiben und haben unsere Poesie im Schrank aufgehoben. Mit der schnell vergehenden Zeit wird alles vergessen. Vergessen war auch unsere Liebe zum LEBEN.

Manche Erleuchtung im Leben erscheinen wie Blümchen am Wegrand. Wenn alles reibungslos verläuft, sind sie unauffällig. Nur wenn die Dunkelheit näht, das Lärm abklingelt, entfalten sie sich erst richtig im Herzen und werden Wegweiser im Leben. Im Mondlicht, in der Einsamkeit, verkosten wir (Ich und der Mond) einen wilden Hongcha aus hohen Nanling in Guangdong. Da blühen die Ruhe und Gelassenheit in der Kanne auf und führen uns ins fernen Osten. Oder ein Pu Er aus Da Hei Sen Lin (grosser dunkler Wald) aus Yibang, klärend, tröstend und erhellend wie eine Göttin im Mondlicht in der Nacht!

Liu Qingzhong nennt sich Jing Yuan – der Geist des Spiegels. Er spiegelt gerne die „erleuchtenden“ Momente im Leben aus dem Alltag in seinem Werk wider. Diese Kanne „spiegelt“ einem alten charaktervollen Baum wider. Wenn ein alter Baum blüht – der Frühling besucht auch einen alten Baum, verkündet die Ankunft von Amor. Liebe, Freude und Glück sind da!

Zini Kanne. Designer Jing Yuan. Ausführung von Qing Cai. 140 ml Fassung. 100% per Hand geklopft.

Glück mit den Wetter

2020 haben Oolong Teeliebhaber in Shui Tang Glück. Selten haben wir einen Hochland Tieguanyin. Noch nie habe ich von einem Schneeflocken aus Alishan gehört.

Der Grund warum wir solchen hochwertigen Tee haben, hängt es mit dem Glück zusammen. Das gute Wetter bei der Produktion zu haben, ist wie ein Glücksspiel! Dank dem guten Wetter konnte man den Tieguanyin schön unter der Sonne welken lassen, ausreichend fermentieren lassen. Atong macht seine Handschrift mit seiner Röstung. Ein komplexer Tieguanyin mit ein Bündel von floralen und fruchtigen Komponenten, begleitet von einer Eleganz des Berges!

Dank dem Glück haben wir einen Schneeflocken in diesem Winter. Atong sagte mir, wir haben ein Glück mit dem Wetter und mit dem Teemaker! Der Shanzhu ist frisch entlassen aus dem Gefängnis und sucht nach neuen Aufgabe! Nach dem Frost suchte er nach dem Garten, wo ihre Teeblätter nicht geschädigt waren und warten bis sie sich öffnen und weit entwickeln. Dann schien die Sonne und ein wunderbarer Tee ist entstanden!

Glück muss man haben. Wir haben Glück.

Atong checkt gerade die Fermentation. Die Nacht war sehr kalt in Alishan, so dass man die Teeblätter kleiden musste., um die Wärme zu behalten.