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Schöne Orchideen?

Dieser Orchidee wurde vor Kürzen in einer Wettbewerb Taiwans mit dem Goldpreis ausgezeichnet.

Es handelt sich eben um „Gold“, nicht um die Schönheit. Solche Preise garantiert den steigenden Preis dieser Züchtung. Hinter den Kulissen gibt es viele verwickelnde Geschichte.

Ähnlich beim Tee- Wettbewerb! Deswegen verkaufe ich nie mit Preis gekrönten Tee von Wettbewerb! Mein Lehrer hält gar nichts von dem Preis!

Die nächsten zwei Orchideen werden in dem Zirkel von Orchideen Liebhaber Taiwans als schön empfunden. Es wird gepflegt von einem Orchideen Liebhaber, man nennt ihn auch Meister. Er gewinnt nie irgendeinen Preis. Aber seine Sorten orientieren sich am ehesten an das traditionelle Vorbild. Es handelt sich um das gesamte Erscheinungsbild des Orchideens anstatt die Menge und Grösse der Blüten.

Der letzte Orchdee unterscheidet sich an das von den Japaner gekrönten Orchidee. In Japan legen Jurys viel Wert auf kürzere und runden Sorte und Blüten – Symbol von Harmonie. In Taiwan findet man die Schönheit nicht in runden Blütenblätter, sondern vielleicht um den „Charakter“ und das Gespenstische aus der subtropischen Natur!

Pfirsichblüte in Sake

Am Dritten Dritten ist ein Fest mit Pfirsichblüten 上巳節 (桃花節).

Dieses Fest feiert man bereits seit 2000 Jahren (Zhou Dynastie) in China. Am diesen frühlingshaften Tag geht man an den Fluss, wo eine spezielle Priesterin dort Zeremonie für Reinigung und Seelen-Rufen abhielt. An diesen Tag, wenn Pfirsichblüte in vollen Pracht sind, schwingen eine frische fröhliche Energie. Junge unverheiratete Männer und Frauen spazierten dem Fluss entlang und knüpften miteinander einen zarten Band. Das ist eigentlich ein Tag der Liebe. Ein Tag der Pfirsichblüten.

Nach dem Oolongseminar blieben noch Teefreunde in Shui Tang. Wir tranken zusammen noch ein Glas Sake mit Pfirsichblüten. Das Getränk sollte Menschen gesundes und zufriedenes Leben schenken.

Die rosaroten Blüten duften fein und diskret. Im Mund schmeckten sie wie Bittermandel. In einer glücklichen Stimme verabredeten wir uns zu dem richtigen dritten dritten im Mondkalender zu einem Reinigungsritual am Fluss Zürichs zu treffen.

Wurzeln schlagen

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In letztem Sommer würde ich von der ansässigen lokalen Zeitung Altstadt Kurier angefragt, einen Artikel über meine Beziehung zur Zürcher Altstadt zu schreiben.

Meine Beziehung zu diesem Ort geht über die Tür Shui Tangs.

Wurzeln in Zürich zu schlagen scheint ebenfalls über Shui Tang zu sein, in der Tat verwurzelt es in dem Herzen. Im Herzen einen Samen anzusetzen und wachsen zu lassen, damit das Leben wie ein Baum prächtig entfalten kann. So versuche ich jeden Teefreund, der sich von Shui Tang angezogen fühlt, einen Same mitzugeben. Ich freue mich, dass ein grosser Baum in seinem Herzen wachsen kann. Die Wurzeln wachsen nicht woanders, nicht in einem Grundstück oder durch den Kauf eines Immobilien, sondern in jedem Menschen. Auch wenn das Unwetter draussen tobt, steht der Baum in uns geduldig und hoffnungsvoll und wartet auf das Licht wenn Wolken bricht.

Den Samen anzusetzen, das zarten Pflänzchen zu pflegen und den Baum einen Raum zu geben bilden einen inneren Weg, der uns Rückhalt schenkt, mit offenen Händen in den Fluss des Lebens zu gehen.

Wozu, Pfirsichdorf? Notiz über Qilai Dongpian

Die Fahrt ins Pfirsichdorf ist atemberaubend. Die Pfad zu schmal – ungeeignet für die Gruppe. Atong lehnte gleich meinen Vorschlag ab. Aber vielleicht die heisse Quelle nebenan? Die Quelle ist kein Spa! Sondern heiße Quelle im wilden Bach!

Wozu zum Pfirsichdorf?

Pfirsichdorf von Tao, Yuanming vermittelt mir ein Bild von der lebendiger Utopie – wir können so leben wie wir sind, als Menschen. Das Wunschbild widerspiegelt der Macht der Wunschvorstellung über einzelne Person, die sich an das Kollektiv orientieren muss. Was sollte ein Mann liefern? Wie sollte eine Frau leben? Wie sollte ein Tee sein?

Oft verschiebt sich die Vorstellung von Wunsch. Meistens hat diese Vorstellung nichts mit der „Qualität“ zu tun, sondern mit der Wirtschaft.

Wie muss ein guter Oolong sein, der vor dem Jahreswechsel gepflückt wurde? Diese Frage war notwendig, weil die Teemaker auf Insel Taiwan importierte Arbeitskraft aus China war. Ihr Denken von einem Jahr endet mit dem Mondkalender. Sie kamen nach Taiwan im Mai und fuhren wieder kurz vor dem Neujahrsfest wieder heim. Der heutige Dongpian – Winterblatt war eigentlich die frühere Winterernte. So hatte eine Winterernte vor fünfzig Jahren noch eine andere Note als heute – der Geschmack von Dongpian (Winterblatt). Die Wunschvorstellung über die ideale Ernte verschob sich aufgrund der Wirtschaft – die Pflücker haben heute ein Zeitplan um die Insel. Im Oktober sind sie im Hochland und später in Mingjian. Teepflanzen muss zu diesen und jenen Termin liefern.

Der heutige Dongpian ist oft die Teeblätter, die zu der Pflückzeit nicht ideal waren. Sie wachsen zu kurz und zu langsam. Sie verpassen die Wunschvorstellung von Bauern. Wenn der Bauer genügend Mittel und Kapazität zur Verfügung hat, lässt er die Ernte pflücken. Meistens lässt man es sein. Die Teepflanzen werden richtig geschnitten, damit sie im Frühling richtig liefern können. Aber die heute gepflückten Dongpian nennt man auch Bu-Zhi-Chun, der Tee, der nicht weiss was der Frühling ist. Ein Tee, der in den Winter zu wachsen beginnt und vor dem Frühling gepflückt wird, hat seine eigene Jahreszeit.

Der Qilai Dongpian, produziert am 25.12.18, füllt meinen Mund mit Düften von Maiglöckchen, Frieder oder Jasmin. Selbst nach vier Aufgüssen zeigt er immer noch seine florale Präsenz. Die Honig-Süsse! Die fruchtige Pfrischnoten! Aufgegossen in einer Zhuni Kanne bezaubert er fremde Teeliebhaber und versetzt das Erfahrungshorizont. War er zu klein und zu schwach? Zum Glück entsprach er nicht der Vorstellung der Menschen und hat die Chance wie ein Segen auf den Teetisch zu erscheinen.

Atong sagte mir oft, dass man vieles über Tee fürs Leben lernen kann. Die Marktwirtschaft hat ein Zukunftsbild mit Menschen und mit Tee, was meistens die Wesen der Dinge egalisiert und reduziert. Ein Wintertee hat ähnliches Verhältnis von Sonne und Klima wie von dem Frühling – worin besteht noch der Unterschied zwischen den Ernten? Und zwischen Dir und mir? und zwischen links und rechts?

Zwischen den Entscheidungen von links und rechts liegt häufig die Angst. Angst um zu verpassen. Verpassen von was? Was wir dort verpassen können ist oft das, was die Anderen von uns erwarten. Das, was wir werden wollen, wie wir es wollen, beginnt vielleicht erst nach dem Verpassen.

Der zauberhafte Qilai Dongpian erinnert mich nicht nur an das Nordlicht, sondern auch an das Pfirsichdorf. Mystisch hoffnungsvoll und konkret erfahrbar. Das Pfirsichdorf lebt in meinem Herzen anstatt in der Zukunft. Die „verpassten“ Teeblätter entfalten sich zu dem besten Bild, was sie von sich geben können.

Nach einer Teerunde goss ich den Qilai noch einmal und liess ihn über die Nacht stehen. Als ich morgens ihn aus der Tasse trank, hörte ich einen innigen Ruf : Guten Tag! Jeden Tag, ein guter Tag!

Der Mixiang (Honig-Duft) neben den Pfirsich-Blüten

Niemand muss wegen einer Verlust irgendwo stehenbleiben – auch wenn wir Angst haben uns zu entscheiden. Weil etwas verpasst wird.

Verpassen ist ein Fehler oder eine Wegweiser?

Seit ich meinen Lehrer Atong kenne, lerne ich verschiedene Schüler von ihm kennen. Manche von Ihnen bleiben, viele gehen. Manche Abschied treffen ihn ins Herzen, manche sind wie ein Verpassen. Nicht zu änderndes Verpassen gehört zur Erinnerung. Danke dieser Erinnerung können wir heute hier stehen.

Als ich im Januar ihn wider besuchte, erzählte er mir wieder von einem Abschied, rätselhaft und schmerzlich. „Und diesen Tee, den wir trinken?“ Ich deute auf die feine aromatisch Tasse, “ woher kommt er – wenn er nicht mehr aus Lishan stammt?“ Atong sagte mir, dass er nach diesem schmerzhaften Abschied auf diesen wunderbaren Tee angestossen ist. „Aus den hohen Bergen in Xinzhu neben einem weiten Pfirsichwald!“

Pfirsichwald. Ich erinnere mich.

Tao Yuanming im Jahr 421 erzählte in seinem Essay über einen Besuch eines Fischers, der zufälligerweise ein Pfirsichwald entdeckte. Dem Fluss entlang blühten herrliche Pfirsich, so fühlte er sich von Pfirsichblüten angezogen und kam plötzlich in einem Tunnel hinein. Anschliessend traf er in einem Dorf an, wo Menschen wie in einer Utopie leben würden – friedlich, bodenständig und natürlich. Der Fischer bedankte sich bei der Gastfreundschaft der Dorfbewohner, musste aber heimkehren. Als er wieder versuchte, das Pfirsichdorf zu finden, verpasste jedoch jegliche Zufahrt.

Leo Ming Pei nahm die Idee von Zufahrt zu dem Pfirsichdorf als Inspiration und gestaltet so das berühmte Miho Museum.

Denn das Pfirsichwald ist wie ein Zwischenraum und das Pfirsichdorf wie einen lichtvolle Ort in uns, der uns Hoffnung, Frieden und Sein vermittelt. Wo ist dieser Ort?

Mein Lehrer erzählte mir von einem Dorf von Ureinwohner Atayal. Ein Teegarten bei den Pfirsichbäumen. Ureinwohner Atayal pflegt seinen Garten wie sein Vorfahren sein Feld bestellte, gelassen und unambitioniert. Zikaden befallen den Tee im Mai und aus dieser Fahrlässigkeit des Bauers ist ein Hochlandsoolong Mixiang aus Xinzhu entstanden.

„Menglin, die Verlust ist eine Chance.“

Wie lange dauert es, wenn die Verlust eine Chance werden kann?

Es dauert so lang – vom Herzen bis zum Kopf.

In Hochland Taiwans blühende Pfirsichblüte

Wie schmeckt der Tee?

Ich höre Vögel zwitschern und sehe Schmetterlinge zwischen Blumen tanzen. Ein Ort, wo Blumen nicht nur schön, sondern auch duften; wo die Landschaft nicht nur grün, sondern auch natürlich; wo Menschen nicht nur atmen, sondern auch lachen. Honig, Maiglöckchen, Neroli oder Petersilie? Umami, fruchtig, herb und holzig. Jedes Schluck, eine Verwandlung!

Die Textur ist so dickflüssig und gleitet – wie ein Boot in einem fliessenden Fluss. Wohin? Ich seufzte. Zum Pfirsichdorf.

Wo ist das?

– Wer bist Du, der mir diese Frage stellt?

Willst Du nach links oder rechts?

– Ich will in meine Richtung weiter gehen. Mein Pfirsichdorf.

Bist Du traurig oder erleichtert?

– Auch wenn ich dem Verpassen traurig bin, weiss ich, dass dort ein anderes Ich auf mich wartet. Und… Wenn Du es weiss, wo es ist, weshalb lässt Du mich in diesem Wüste Land?

„Die Kischblüten blühen so schön in Ihrem Schaufenster.“ sagte eine Schweizer Kundin.

“ Sie sind Pfirsichblüten.“

Die Frau schaute mich erstaunt an, „Nie gehört.“

Ich lächelte.

Ich habe das Pfirsichdorf nach Zürich geholt.

Es ist auf dem Teetisch. Es ist in Deiner Tasse.

In Zürich blühende Pfrischblüten

Shui Tang: Die Tee-Schamanin | GaultMillau – Channel

Bei Meng-Lin Chou an der Spiegelgasse finden Tee-Liebhaber Pu-Erh- und Oolong-Tee der Spitzenklasse.
— Weiterlesen www.gaultmillau.ch/zuri-isst/shui-tang-die-tee-schamanin