Archiv für den Monat November 2006

Reise ins Pu-Er-Land

Teefreund Gerhard würde gerne nach Yünan gehen, um Geheimnisse von Pu Er zu entzaubern. Mit einem Pu Er Händler Herr Wang in Taiwan sollte ich telefonieren, ob er uns interessante Adresse für Pu Er Herstellung weiter vermitteln könnte.

Was Herr Wang mir erzählte, hat mich richtig überrascht. Er erzählte mir, dass es inzwischen über tausend private Teefabriken entstanden sind. In der Stadt Kungming gibt es einen Teemarkt, wo man Pu Er aus ganzer Provinz aussuchen kann. Aber in einzelne Fabrik zu gehen rät er uns ab, weil die Distanz zu groß ist und man verbringt zu viel Zeit mit der Fahrerei. Was macht man aber, wenn man Geheimnisse dieses Tee unbedingt erkündigen möchte? Er sagte, was kann man dort besser erfahren als bei einem vertrauensvollen Teehändler in der Nähe abzufragen? Bist Du sicher, dass es keine Show ist, was gezeugt wird? Bist Du schlau genug zu wissen, was dort abläuft? Selbst er vertraut nur seine Nase und Gaumen. Er sagte mir, „lerne verschiedene Pu Er -Sprache zu verstehen, indem Du eine zuverlässige Quelle hast.“ Z. B. ein Pu Er aus wildem Teebaum zeigt uns größere Blätter und Tipps, aber die Blätter sind weich und elastisch nach dem Aufguss. Alte Blätter sind zwar groß, aber schmecken eher zusammenziehend und hart nach dem Aufguss. Die Blätterformen variieren sich, weil sie nicht aus Monosorte (durch Setzlinge gepflanzt) stammt, sondern aus unterschiedlichen Teesamen – wild gewachsen ohne Setzlinge.

Er empfiehlt, nach Guangzhou zu reisen. Dort gibt es einen großen Teemarkt zwischen Flughafen und Innenstadt. Dort kann man die Vielfalt des chinesischen Tees und des Pu Ers erleben.

Für viele Menschen, die gerne Mal die Herstellung des Pu Ers erlebt, empfiehlt er im Herbst zu gehen. Im Herbst wird Frühlingsernte aus guter Qualität verarbeitet. Im Frühling die Ernte von letztem Jahr. Tuo Cha ist seiner Meinung von besserer Qualität als die Pu Er Fladen. Leider erzielen die Fladen viel besseren wirtschaftlichen Profit. Die Fladen sind deswegen spekulativer und teuer als Tuo Cha.

Zum Schluss lachte er im Telefon, als ich unbedingt eine Adresse für einen Besuch haben wollte. „Wenn es touristisch mit Pu Er wird, kannst Du überall die Shows anschauen – wie am Westsee in Hangzhou Longjing. Aber Du bist nicht sicher, dass es ein originaler Longjing ist, was Du direkt beim Bauer kaufst.“ Dort kann man spazieren, verweilen und direkt Bauer besuchen. Leider ist es mit Pu Er noch nicht so weit, aber wer weiß, wie lange noch…

Eine Einladung zum Tee in Bodman

Eine Einladung zum Tee in Bodman

Am letzten Samstag lud Detlef und Ingrid uns ein zum Tee. Eine deutsche Kaiseki (eine Mahlzeit vor dem Tee) Küche hat sie uns verzaubert! Wir duften sogar auf dem Tisch essen statt auf dem Tatami zu knien!

Das Menü von Bodman Kaiseki:

Das Hauptgericht: Nudel im Sauerrahm-Soße mit Schaffkäse ganiert.

Der warme Gemüseteller: Frische Rosenkohl mit grilliertem roten Paprika

Der Fisch: Bodensee Saibling geräuchert

Salat oder das Eingelegte / Angemachte: Selerie-Karroten Salat

Die Suppe: Kürbissuppe

Natürlich war aufgewärmte Sake dabei!

Ist Longjing wirklich Longjing?

Christian wies mich auf eine Internet Seite hin, wo Long Jing verkauft. Dort wurde der Herkunftort von dem Longjing aus Xinchang deklariert. Er fragte mich, was „Long Jing“ wirklich bedeutet? Bedeutet es nun einen Tee oder einen speziellen Herstellungsprozess?

Lieber Christian, Xihu Longjing Tee ist erstens ein geschützter Name von einem sehr berühmten chinesischen Grüntee am West See (Xihu) von der Stadt Hangzhou. Das ist ähnlich wie bei dem Darjeeling – es wird mehr verkauft als es wirklich produziert wird. In der chinesischen Teewelt gibt es zwei Longjingtees aus Zhejian, die als hervorragende „Longjing“ bezeichnet werden: Dafo Longjing aus Xinchang und Xihu Longjing. Xihu Longjing sehen in den trockenen Blatt „Jadegrün“ aus, während der Dafo Longjing leicht gelblicher aussieht. Beide Longjingtees gelten als feinete Longjing, obwohl die Anbaugebieten sich unterscheiden. Es wird jedoch streng gehandelt, dass der Herkunftsort angegeben werden muss.

Was wir hier in Europa als Longjing Tee sehen, ist meistens nicht aus Xihu, sondern ein OEM Produkt aus Zhejian, Fujian oder Yünan. Was sollen wir gegen die Trend der Globalisierung machen? Kapitalisten lassen Tee dort poduzieren, wo billig und kooperativ ist. Meinst Du der begehrte Xihu Teebauer auf BIO umstellen würde? Worum denn? Es geht ihm gut! All sein Tee wird verkauft, bevor es auf dem Markt kommt! Die meisten Longjing oder Bio Longjing sind aus anderen Provinzen, wo diese Herstellungstradition nicht haben. Sie sind aber bereit auf westliche Vorstellung einzustellen und Longjing auf diese Art zu produzieren. Geld macht alles möglich, aber nicht ein Kunstwerk. Das ist nicht nur beim Tee so, sondern auch bei vielen anderen Dingen der Welt.

Nun haben wir Longjing aus anderen Teilen von China, sie sind sogar möglicherweise BIO. In jeder Stadt Deutschlands kann man wohl Longjing kaufen. Aber was ist wirklich Longjing? So viele OEM Longjing marschieren auf unseren Markt, aber den wirklichen Longjing kennen wir leider nicht! Wir haben Geld und können den „echten“ Longjing nicht kaufen! Was für ein Paradox?

Haben wir in diesem Prozess etwas gewonnen oder etwas verloren?

Originalität wird streng im Wein geachtet, leider ist es im Tee nicht der Fall. Das macht mir immer wieder traurig. Aber so lange die Konsumenten in Europa sich nicht darum kümmern, dass der Tee auch eine lange Tradition hat und nur BIO wollen, setzt der Trend so weiter. Am Ende wissen wir nicht mehr, wie Longjing überhaupt ein grüner Tee aus Xihu kommt. Das kann ja aus Kenya stammen, wieso nicht? Wer ist der Verlierer in dieser Entwicklung?

Longjing Tee ist heute ein Typ von einem chinesischen Grüntee. Es wäre wünschenswert, dass Händler den Herkunftsort datiert, um Konsumenten zu informieren. Einen echten Longjing? Hast Du schon Mal einen echten Longjing aus Xihu getrunken? Es tut mir richtig Leid, dass der wunderschöne frische geschmeidige Aufguss Dich noch nie begegnet…

Degustation von Junshan Maojian

Degustation von Junshan Maojian

Eine Tasse Junshan Maojian, duftend, lieblich und zugleich eine Spur von leichter angenehmer Bitterkeit. Die zwarten Blätter sind wirklich aus one bud and two leaves.

Meister Chen erzählte mir heute nachmittags, weshalb so ein edeler grüner Tee Leber-Qi wieder in den Fluss bringt. Denn ein schöner Grüntee wird nicht von der Bitterkeit dominiert, sondern schmeckt auch lieblich und aromatisch. Er stärk sanft das Herz, das Leber leicht „kontrolliert“, so dass Leber Feuer nicht rodelt. Darum hilft bittere Kräutersud oft gegen Leber Entzündung. Wenn der Tee zu bitter wird, ist ein bestimmtes Element wieder zu dominant und das Balance gerät wieder ausser Gleichgewicht.

Teesorte, die genug lang „Hongpei“ – Röstung vollzogen wird, geht direkt zum Leber-Gallen Meridian. Es ist ein anderer Weg, Leber zu entspannen. – Laut Meister Chen Tie-dao

Die Welt des Tees ist grenzlos. Ich fühle mich so klein in dieser Welt.

Tee für gestaute Leber-Qi

Suzanne schrieb mir, dass sie gerne einen Tee probieren möchte, der ihr hilft das gestaute Leber Qi wieder in den Fluss zu bringen. Das gestaute Leber Qi manifestiert sich durch Symptome wie Regelschmerzen, Schlaflosigkeit und Migräne.

Ich leide auch unter Migräne und in Taiwan auch oft unter Schlaflosigkeit. Qigong Meister Chen sagte mir oft, dass es ein emotionales Problem ist. „Menglin, wenn Du Dich nicht mehr so oft ärgerst, dann leidet Dein Leber nicht mehr. Es gibt auch keine gestaute Leber Qi mehr!“ Wut und Ärger schaden Leber. Das Gefühlt das eigene Leben nicht leben zu können, sich nicht entfalten können, schadet ebenfalls Leber. „Weiss Du, Leber ist ein Holz-Element, das sich im Frühling entfalten möchte.“ Frühling ist deswegen die beste Zeit, Leber zu kurieren. Darum findet immer die Entschlackungs- und Reinigungskur im Frühling statt! (Natürlich auch die Fasten Zeit).

Sich nicht zu ärgern ist nicht einfach. Dies ist eine lebenslange Aufgabe – O. K. ich bin auf dem Weg 🙂 Oder was für einen Tee könnte solchen Problemen helfen? Meister Chen sagte mir einmal, Frühlingstee hilft Leber-Qi-Probleme. Warum nicht ein schöner chinesischer Grüntee aus wirklicher Frühlingsernte?

Viele traditionelle Grüntee hilft Leber Qi zu entspannen. Da Grüntee den Körper eher abkühlt, würde ich den Grüntee nachmittags trinken. Natürlich nur mässig. Zu dem emotionalen Problem hilft auch ein Blumentee.

Aber das Wichtigste ist wohl, an sich selbst zu arbeiten, Klarheit über das Leben zu haben. Probleme gibt es immer, Lösungen gibt es aber nicht immer. Manchmal muss man damit leben, manchmal wartet man, bis man Klarheit bekommt und handelt. Abwarten und Loslassen sind wohl das Schwierigste des Lebens.

Nun giesse ich gerade einen wunderschönen Junshan Maojian 君山毛尖! Ein so seltene Rarität direkt aus Hunan Junshan Insel. Seine schönen weissen Tipps werden zu jadegrüne Blätter im Aufguss. Duftend lieblich wie Blumenwiese! Eine leichte bittere Nuance verferinert sogar den Tee! So einen schönen Grüntee bekommt man wirklich selten! Ach! Das Leben ist wunderschön! Zu schön, um zu bereuen und sich zu ärgern!

Der gelbe Tee – Huang Da Cha 黃大茶

Anhui TeegartenTeegarten in Anhui

Anhui galt eine rückständige Provinz, weil Menschen dort überwiegend von der Landwirtschaft lebten. Vielleicht ist es deswegen, viele berühmte Teesorten kommen ursrpünglich aus diesem rückständigen Land. Anhui ist auch Haimat des gelben Tees. Huoshan Huang Ya 霍山黃芽 war bereits in der Tang-Dynastie eine Exklusivität, damals hiess er Shouzhong Huang Ya.

Huang Da Cha 黃大茶ist ein gelber Tee aus Teeblätter: one Bud and three or four leaves. Also, ein nicht sehr edeler gelber Tee, der unter dem Volk Beliebtheit geniesst. Er wird hauptsächlich in Huoshan und Jinzhai hergestellt.

Die frische Blätter werden durch Erhitzen und Rollen zum rohen Teematerial verarbeitet. Anschliessend durch sorfältige Ruhen und Röstungen (mehrmals) fertiggestellt. Die Ruhezeit beträgt oft 5-7 Tage und Röstung spielt dabei eine grosse Rolle, ob diese gelbe Farbe und die leichten Rauch /Röst-Geschmack gelingen könnte! Dieser Tee hat eine charaktervolle Röstnote und ist in Shandong sehr beliebt.

Huang Xiao Cha 黃小茶(kleiner gelber Tee) ist ander als Huang Da Cha (grosser gelber Tee). Er besteht immer aus one bud and two leaves – also edeler gelber Tee. Provinz Hunan hat zwei wunderbare Huang Xiao Cha: Xieshan Maojian 瀉山毛尖(er schmeckt leicht rauchig und wurde auf Kieferkohle verarbeitet) und Beigang Maojian 北港毛尖.

Gelber Tee ist in Europa noch relavtiv unbekannt. Neben dem grünen Tee ist er im Winter eigentlich eine gute Alternative, die den Körper nicht abkühlt und Verdauung anregt und fördert.

(Bild aus anhui-china.de)

Winterernte oder Herbsternte

In Fujian ist die Herbsternte die letzte Ernte des Jahres. Diese Ernte genisst besonders Ansehen und Lob beim Teeliebhaber. “ Duft des Herbst“ sei der unverwechselbare Duft des Fujian Oolongs! Nach dieser Ernte ist es so zu sagen „Feierabend“ für Teebauer und sie bereiten sich für das kommende Neujahrfest vor.

In Taiwan lobt man zwar den Winterernte, aber gemeint ist es oft Herbsternte. In Lishan, Pinglin und Shiding wird die letzte Ernte des Jahres die Herbsternte im Oktober. Diese Ernte wird oft irrtümlicher Weise als Winterernte bezeichnet. In anderen Gebieten wird Tee erst im November gepflückt. Wobei sind die Ernte von vielen neuen Teesorten wie Sijichun, Jade und Jinxuan bereits im Oktober im Gang.

Im Winter wird der Tee im Süden noch einmal geerntet, wenn das Wetter mitspielt! Wenn es eine Prise Wärme nach Südtaiwan zieht, dann kann es eine sonderbare wirkliche Winter-Ernte „Dong Pian Zi“ entstehen!

Oolong duftet hervorragend bei Frühlingsernte, während die „Herbsternte“ schöneren aromatischen Aufguss anbietet.

Beim Grüntee schätzt man allerdings die Frühlingsernte. Die besten chinesischen Grüntees oder gelben Tees werden Ende März und Anfang April gepflückt! Dass man heute first Flush bei Darjeeling und Dianhong preist, ist meiner Meinung nach ein Irrtum! Im März und April… ist es viel zu kalt in den Bergen – keine gute Vorraussetzung für einen ausgezeichneten Schwarztee – in richtiger Temperatur richtig welken, ruhen und fermentieren lassen! Mit diesem grassigen Geschmack vom Schwarztee kann ich leider nicht anfreunden!