Nachklang vom Tee-Konzert am Sonntag: Teil II Der Fluss ist das Zählen

Wie bewegt man sich auf den Teetisch?

Wenn man am Sonntag die Gastgeber beobachtet, wie sie Tee zubereiten, sieht man Bewegungen, die im Fluss oder im Stocken verlaufen. Ob die Bewegung im Fluss oder im Stocken verläuft, kann man nicht erzwingen. Es braucht Praxis. Das Praxis setzt eine Haltung von Demut voraus.

Demut ist eine Haltung, die Bereitschaft des Lebens vorbereitet, etwas erleben zu wollen. Ohne diese Haltung können wir nicht fühlen, nicht wahrnehmen, nicht sehen! Wir können nicht sehen, wo wir uns wirklich befinden.

Jeder von uns hofft, ein Gewinner des Lebens zu sein. Das Scheitern begleitet uns allerdings stets auf dem Weg. Wenn ich mein Leben bis heute genauer betrachte, sehe ich die vermeintliche Verlust oder Scheitern den wichtigen Teil von mir bildet. Die Erlebnisse – sei es negativ oder positiv „gären“ im Lauf der Zeit. Sie verwandeln sich zu dem rechten Aspekt zu dem rechten Zeitpunkt, weil sie nie abgelehnt wurden. Sie bekommen einen Raum und werden Ferment meines Lebens, um mich zu erneuern. Trägheit und Gewohnheit entstehen durch das Bedürfnis von Sicherheit. Wenn man sich unsicher fühlt, vergisst man zu atmen, Somit vergisst man zu zählen. Zählen von Zahlen. Paar Zahlen zusammen bilden einen Fluss. Der Fluss der Bewegung, die Energie auf dem Teetisch verteilt.

Wenn die Hände sich nicht bewegen und still bleiben, ist es dann die Zeit, eigenes Durchhaltevermögen zu prüfen. Prüfe, ob wir in der Lage sind, etwas zu erzählen.

Was haben wir zu erzählen? Was will ich durch diesen Teetisch erzählen? Wenn der Komponist sagte, dass der Alishan Buddhas Hand ihn an den innigen Ruf des Volks Shao erinnerte und ihn auf einmal in dem tiefen Wald von Rotzypressen versetzte, entsteht eine Geschichte. Er erzählt sie in seiner Melodie. Wir erzählen sie durch unseren Teetisch und unsere Bewegung.

Der Fluss, die Zeit und das Rad des Lebens – alles auf den Teetisch.

Unsere Hände bewegen sich wie der Fischschwanz. Der Raum wird energetisiert, so wie Fische das Wasser mit Schwanz beleben.

Der Fluss von Bewegung ist das Zählen und ist unser Rhythmen. Wir schauen zum Beispiel eine Tasse vor uns und zählen bis fünf, bis wir die Tasse in der Hand halten können. In dem Moment, wenn wir die Tasse halten, warten wir eine Sekunde – wir zählen fünf und sechs. Wir zählen danach weiter bis zehn, wenn wir die Tasse zu Lippen bringen. Eins bis fünf. Sechs Pause. Sieben bis zehn – ein Kreislauf ist zu Ende. Das ist der Rhythmus des Tees. Den Takt kann man situativ anpassen.

Natürlich sind die Zahlen nicht willkürlich. Sie haben außer der quantitative Seite noch eine qualitative. Das heißt, Zahlen ist ein Brücke zwischen Geist und Materie. Ein Brücker zwischen der Ewigkeit (der Geist) und der Zeit (phänomenale Welt – die Materie).

Tee Trinken als eine praktische Tätigkeit kann ein Sprungbrett für MEHR. Aber viele bleiben auf diese verführerische funktionale Ebene, sei es wie ein Show, sei es wie ein Können – es geht für viele um eine Selbstdarstellung des Egos. — Und wie ist es bei mir?Ich habe hier zwei Aufgabe zu üben: Mitgefühl (anstatt Mitleiden!) für die Unvollkommenheit des menschlichen Seins und Vertrauen in das, was uns verbindet.

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Doppelmandalas auf den Teetisch: das Rad der Ewigkeit trifft das Rad der Zeit. Das Bild als Denkanstoss für interessierte Menschen auf den Teeweg.

Nachklang vom Teekonzert am Sonntag, Teil I: Das Schweigen im Teekonzert

Nach dem Teekonzert am vergangenen Sonntag bekam ich vieles zum nachdenken. Zuerst über die Ernsthaftigkeit des Teilnehmers.

Niemand traut sich zu lachen, zu sprechen und zu fragen. Alle waren ernst.

Für mich geht es nicht um das, ob es richtig oder falsch ist. Für mich geht es darum, zu verstehen, was bedeutet dieses Schweigen während des Tees und der Musik?

Wie war es denn eigentlich im alten chinesischen Teehäuser? Wie war es bei dem Theater und Konzerten im Mittelalter oder bei Barock? Die Leute haben geknabbert, geschwatzt und gelacht. Tee erheitert! Eine heitere natürliche Atmosphäre!

Ich meine nicht, dass man laut sprechen und stark lachen muss. Aber eine gewisse Gelassenheit und Natürlichkeit anstatt ernsthafte Stille! Zu ernst, um zu leben.

Heute kam Michi zu Besuch und wir unterhielten uns über den Begriff Natürlichkeit. Er entschuldigte sich, dass er sich seit langer Zeit nicht zeigte. Ich sagte ihm, dass eine natürliche Verbindung keine Entschuldigung braucht. Er ist frei. Er erwiderte, was ist denn natürlich? Ich meine mit “ Natürlichkeit“ ein qualitatives Aspekt. Nicht Materie. Natürlich ist, so wie es ist. Ohne künstliche Bemühung. Das gefällt mir am besten! Er fragte, gibt es so etwas in der Welt? Ja, wir müssen es nur leben!

So wie es in Gongfu Cha, den eigenen Rhythmen wahrzunehmen und leben. Ganz natürlich ohne Bemühung.

Im Einklang mit Tee und Musik

Unser Tee-Konzert ist im Einlang mit Tee und Musik beendet. Viele Teefreunde konnten nicht dabei sein, weil wir nur beschränkte Sitzplätze haben. Die Musik kann ich mit Euch leider nicht teilen, weil die Musiker Mühe mit der schlechten Aufnehme per Handy haben. Aber wir werden 2019 ein CD mit Teehaus-Musik veröffentlichen. Bitte um etwas Geduld.

Ich darf das Prolog veröffentlichen. Das Stück stammt aus dem vergangenen Tee-Konzert und war der Brücke zur vergangen Tee-Konzerte von Shui Tang.

Hier ist der Text vom Sonntag.

Eine Schale Tee erheitert und gilt als gesund. In der Tat ist der Tee ein Ergebnis der alten chinesischen Alchemie, die stets versucht, die Grenze zwischen Zeit und Raum aufzulösen.

Die Teehaus-Kultur ist auf die Tang-Dynastie zurückzuführen und nimmt ihren Anfang zwischen 713 – 741. Das öffentliche Teehaus war ein Ort der Ereignisse, ein Ort, wo die Aristokratie sich zur Erheiterung traf, wo das gemeine Volk Unterhaltung suchte, wo Menschen sich begegneten. Dort wurden Geschichten durch Gesang und Gesten erzählt und der Tee kulinarisch begleitet. Diese Tradition wird uns heute nicht nur durch den chinesischen Lebensstil vermittelt, sondern auch durch die Künste. Das Publikum am Teetisch ist ein Teil des Geschehens und wird selbst wieder zum Botschafter.

Heute begeben wir uns in einen musikalischen Zeittunnel des Schweizer Komponisten und Musikers Fabian Müller. Er ist bekannt durch einen intuitiven Zugang zu modernen wie auch traditionellen Lebensphänomenen, im Westen wie im Osten. Diesmal lässt er sich von der Stimme des Tees inspirieren. Aufgeführt wird die Musik von der renommierten Cellistin Pi-Chin Chien, die durch ihre farbenreiche Tongebung bekannt ist.

Als Gastgeber sind: Anja Burger, Nico Colic, Simon Trüb, Susanna Forster, Larissa Driller und Jaehong Hong.

Bai Mao Hou

Wie würde ich den Tee Bai Mao Hou beschreiben? Ich würde ihn als gutmütig bezeichnen.

Diese besondere Teebaum-Varietät wurde vom Oolong-Patriarchen Dr. Wu Zhenduo als der am besten geeigneten Baum für Oolong-Produktion beurteilt. Dr. Wu Zhengduo ist der Lehrer meines Lehrers. Ursprünglich stammt sie aus chinesischen Provinz Fujian. Chinesische Einwanderer brachten sie im Lauf des 19. Jahrhunderts nach Taiwan. Da die Varietät besondere weisse Härchen am Tipp hat, bekommt sie den Namen „Bai Mao Hou“ – weisser haariger Affe. Dieser Bai Mao Hou ist ein grüner Tee, obwohl er einen ähnlichen Geschmack wie ein weisser Tee schmeckt. Heute verschwindet diese Varietät im meisten Teegarten Taiwans, weil sein mildes Aroma in der kommerziellen Ästhetik auf den Markt keine Resonanz findet. Dieser Bai Mao Hou wird nur auf unseren speziellen Auftrag immer im Frühling produziert.

Der Tee zeigt eine sehr dezente und zurückhaltende florale Note in der Nase. Der Aufguss offenbart uns eine sonderbare Geschmeidigkeit und Intensität. Diesen schönen Tee kann man kaum falsch zubereiten. Er zeigt stets seine gütige Seite gegenüber Tee-Einsteigern oder Tee-Kennern. Stets schmeckt er fein und seidig, ohne eine Spur Bitterkeit und Herbe. Gütig und gut.

Musik

Die alte chinesische Kultur beschäftigt sich mit der Frage, wie wir als gewöhnliche Menschen die Grenze von Zeit und Raum überwinden können, um mit dem Universum eins zu werden.

Mit dem Universum eins zu werden ist der Weg zurück zur Quelle des Lebens und war ein mystisches Erlebnis, das bestimmten eingeweihten Menschen vorenthalten war. Später haben es verschiedene philosophische Schulen in China als Lebensweg bezeichnet, der den Menschen durch Herz Geist zur Vollendung führt. Dieser Lebensweg hat verschiedene Fahrzeuge. Für manche ist es der Gesang, für manche die Musik, und für manche der Tee.

Der Gesang mit der Atmung, die Klänge des Cellos durch die Rhythmen, und der Tee durch die Bewegung verteilen die Energie, das Qi, im Raum wie der Fischschwanz im Wasser und geben den Anwesenden einen Anstoss. Der gemeinsame Rhythmus antwortet auf den kosmischen, wenn denn eine Resonanz entsteht. In diesem Moment ist die Einheit mit dem Universum für den Menschen erfahrbar.

Das heutige Tee-Konzert ist ein kleiner Versuch, die alte fernöstliche Haltung zum Leben zu veranschaulichen. Durch eine Schale Tee, mit den Klängen von Cello wird eine Teehausatmosphäre gestaltet – es ist wie eine Zeitreise. Ein Teehaus, ein Ort der Begegnung, ein Ort der kulturellen Vermittlung.

Pu Er Gushu Mao Er Duo

Eine Tasse Mao Er Duo ist wie Verweilen auf Blumenwiese im Bergtal! Ein schöner Pu Er-Tee, der auf die traditionelle Machart der Song-Dynastie zurückgeht. Was heisst das? Und Was ist ein Pu Er Tee? Ein Pu Er Tee ist eine Teesorte aus dem chinesischen Provinz Yunnan, wo viele alte Teebäumen im Wildnis wachsen. Die beste Produktion geschieht heute noch ohne Elektrizität und alles per Hand. Also die Pflücker wandern stundenlang im Wald, klettert auf den Baum und pflückt. Schonend werden sie im gusseisernen Wok erhitzt, per Hand gerollt und anschliessend unter der Sonne getrocknet. Zum Schluss per Stein gepresst.

Dieser Mao Er Duo sind aus wild gewachsenen Bäumen und stehen seit mehr als drei Jahrhunderten im Wald von Man Gong bei Yi Bang Berg. Die Blätter werden von Hand gepflückt, schonend im gusseisernen Wok erhitzt, sonnengetrocknet und steingepresst.

Dieser Pu Er des Produzenten Yu Chingsong wird im Einklang mit der Natur in limitierter Menge hergestellt. Es handelt sich um einen so genannten rohen Pu Er, der ohne künstliche Fermentation in seinem natürlichen Milieu trocken gelagert wird.

Dieser Tee trägt nach der besonderen Form des Blattes den speziellen Namen „Katzenohr”.

Der Pu Er “Katzenohr” (Mao Er Duo) zeigt in der Nase eine schöne florale Note und eine freundliche Süsse. Er erinnert uns an einen Schulausflug in die Berge. Unschuldig und unbesorgt sitzen Schulkinder auf einer Blumenwiese im einem geschützten Tal. Die Aromen des Aufgusses verbreiten sich im Gaumen: Neroli, Zitrusschale und Bienenwachs. Dieses unbeschwerte Glück schwingt in unseren Alltag. Der Geschmack bleibt und der Geist wird leichter.

Musik

Der Weg des chinesischen Tees wird heute als Gongfu Cha bezeichnet. Viele Menschen verstehen die Zubereitung des Tees als eine Zeremonie. Dieser rituelle Charakter zeichnet sich durch die bewusste Bewegung, die bewusste Atmung und die bewusste Langsamkeit aus. Die Bewegung der Hände gleicht der Bewegung des Fisches im Wasser, dem ältesten und kraftvollsten Symbol der Energie in alten China. Heute wird dieses Symbol, der Fisch, gerne in Parkteichs, in Wohnzimmeraquarien oder auf Keramik verwendet. Der Fisch verteilt die Energie mit seinem kraftvollen Schwanz im Raum, und der Teemensch versucht mit bewussten Bewegungen den Raum mit seinem Herzen zu beleben. In diesem Prozess des Bewusstwerdens wird der Teemensch nach innen zu sich selbst geführt, während er sich aussen mit dem Universum vereint. Das ist der Teeweg.

Buddhas Hand aus Alishan

Wie schmeckt eine Tasse Buddhas Hand? Ich würde sagten, Wie im goldenen Sonnenschein.

Buddhas Hand ist eine bekannte traditionelle Oolong-Varietät. Er ist bekannt durch zitrus-frische Noten und facettenreiche Aromen. Ursprünglich stammt diese Varietät aus Yong Chun in Fujian in China. Durch seine spezielle grosse Blattform sollte er schonend und länger fermentiert werden. Solche traditionellen Verfahren beherrschen heute nur wenige Teamaker und finden wenige Liebhaber bei den jungen Konsumenten, die sich an den Geschmack von grasigem grünem Tee orientieren. Heute gilt der grüne Tee als gesundheitsfördernd und verdrängt andere Geschmäcke auf den Markt. Die Dominanz des grünen Tees verarmen die Variationen der Teesorten. Teebauer haben es schwer gegen die Strömung der Zeit zu schwimmen und geben oft auf. Traditionelle Teesorten verschwinden mehr und mehr auf den Markt.

Teepflanzen und Menschen werden auch älter und älter… Unser Buddhas Hand Alishan ist aus dem Jahr 2012. Der Bauer ist heute zu alt, während sein Sohn sich an den Markt orientieren wollen. Wir wissen nicht, ob wir jemals wieder eine frische neue Ernte aus Alishan bekommen können!

Dieser Buddhas Hand stammt aus dem Hochland Alishan, 1400 Meter über den Meeresspiegel. Anders als der klassiche Buddhas Hand aus Shiding bei Taipei wird dieser Buddhas Hand Alishan in den kühlen Bergen langsamer und schonender fermentiert und weniger stark geröstet. Deshalb bewahrt dieser Tee den frischen Charakter eines Hochland-Oolongs.
Buddhas Hand Alishan kann sogleich genossen oder weiter gelagert werden. Durch mehrjährige Lagerung erhält dieser Tee noch mehr Geschmacks-Facetten.

Dieser Tee hat schöne frische Zitrusnote in der Nase. Während der Tee sich abkühlt, verwandelt sich der Duft hin zu Blumen, Frucht und Honig. Er endet mit einem nachhaltig lieblichen Abgang im Gaumen. Der Aufguss leuchtet gelb wie goldener Sonnenschein. Ein wunderbarer Tee, der unsere Emotionen anspricht.

Musik

Pause

山泉煎茶有懷, 白居易 (772-846)

坐酌冷冷水,看煎瑟瑟塵。

無由持一碗,寄與愛茶人。

„Lass uns gemütlich hinsetzen. Mit dem klaren Quellwasser kochen wir eine Schale Tee. Neben dem wärmenden Feuer vergessen wir die Vergangenheit und die Zukunft. Ich möchte Dir eine Schale Tee offerieren ohne weltliches Kalkül. Denn Du bist auch ein Teeliebhaber.“

Tang-Dichter Bai Juyi verdeutlicht uns das Wesentliche, was Tee in der chinesischen Kultur ausmacht. Eine Schale Tee zuzubereiten, eine Schale Tee miteinander zu teilen ist ein Ausdruck der Absichtslosigkeit. Weil es absichtslos ist, weil kein Nutzen dabei sein muss, können Teeliebhaber die einfache Schönheit des Lebens zelebrieren und so an ihr teilhaben.

Der 4. Tee, den wir jetzt trinken ist ein schwarzer Tee. Der schwarze Tee wird im Chinesisch als ein roter Tee bezeichnet, also Hongcha. So heisst ein schwarzer Tee in der chinesischen Sprache ein roter Tee!

Der rote Tee im 4. Runde heisst Rougui Hongcha aus Taiwan!

Rougui Hongcha ist ein fliessender Tee – samtig und geschmeidig

Die Teesorte Rou Gui stammt ursprünglich aus Wuyishan, einem berühmten Oolong-Teeanbaugebiet im Provinz Fujian in China. Wuyishan gilt auch als genetische Schatzkammer von Oolong Baum-Varietäten. Der Berg Wuyishan ist eine von UNESCO geschützte Region, wo früher taoistische Einsiedler sich von der Welt zurückzogen und sich nur Meditation widmen. Der einzige Spass, was sie gerne unternahmen, war Teepflanzen im Wald zu suchen und zu züchten. Jährlich fand ein Wettbewerb unter ihnen statt, um den sogenannten besten Tee zu finden. So wurden viele spezielle berühmte Varietäten gefunden und gezüchtet. Rougui, ist eine der fünf besten Oolong Varietäten aus Wuyishan.

Mein Lehrer Meister Chen Huangtang brachte die Pflanze in den neunziger Jahren nach Taiwan und pflanzte sie in seinem eigenen Familiengarten. Er erzählte mir gerne wie er damals die Pflanzen geschmuggelt hat – er habe sie mit schmutzigen Unterwäschen eingewickelt, so dass der Hund am Zoll im Flughafen nicht bemerken konnte. So brachte er viele Schätze nach Taiwan.

Sein älterer Bruder pflegt den Garten mit Liebe und wie zu alten Zeiten ohne Pestizide. Der Teegarten in Mingjian im Mitte Taiwans ist bekannt für seine eisenhalte saure Boden. Im Frühling wird die Ernte zum wunderbaren Oolong Rou Gui verarbeitet. Wenn die Teepflanzen stark wachsen, werden sie im Sommer geschnitten und dann zu einem roten Tee produziert. Das heisst, es wird nur diesen Tee geben, wenn es den Teepflanzen zu gut geht und die Pflanzen beschnitten werden muss.

Dieser seltene roter Tee Rou Gui ist eine Rarität in der Welt des Tees. Er duftet nach der Flora des taiwanesischen Südens. Geschmacklich erleben wir ein wahres Paradies der exotischen Früchte. Die Textur dieses fliessenden Tees ist samtig und geschmeidig.

Musik

Langsam nähren wir uns am Ende der heutigen Teezusammenkunft.

Muzha Zhengcong Tie Guanyin ist der letzte Tee von heute. Er ist der Muss für Tee-Entdecker!

Auch wer den Namen Oolong nicht kennt, kennt trotzdem den Namen Tie Guanyin. Tie Guanyin, ein legendärer Wulongbaum, der von einem frommen Geist in einem Tempel entdeckt wurde, prägt den Geschmack aller chinesischen Teeliebhaber! Früher war der Tie Guanyin ein sorgfältig fermentierter und aufwändig gerösteter, dunkler Tee, der in der heutigen modernen chinesischen Machart immer grüner wird. Selten findet man heute noch den klassischen Typus, der nach dem traditionellen Vorbild hergestellt wurde. Da Tie Guanyin so berühmt ist und dieser Umstand verkaufsfördernd wirkt, gibt es aber leider zahlreiche Nachahmungen. Tie Guanyin ist deshalb heute auch eine Bezeichnung einer Wulong-Herstellung geworden. Unser Tie Guanyin, der vom originalen Wulongbaum Tie Guanyin stammt und im originalen Anbaugebiet Muzha erzeugt wird, ist ein Klassiker nach dem traditionellen Vorbild. So ein Tie Guanyin wird als Zhengcong Tie Guanyin – der „Originale“ bezeichnet.

Der originale Tie Guanyin, im Vergleich mit Fälschungen aus anderen Bäumen, beeindruckt uns mit unverwechselbarem floralem und süssem Parfüm und beim Abgang mit einem herrlichen balsamierenden Nachklang. Diesen Nachklang bezeichnen chinesische Teeliebhaber als Guanyin-Yun (Der Charme des Guanyin). Muzha Tie Guanyin vermittelt uns den alten Geschmack noch wie vor 40 Jahren, als mein Großvater auf seinem Schaukelstuhl sitzend, den Tee genoss. Typische fruchtige Aromen entstehen aus aufwendiger Röstung, welche tagelang abwechselnd mit Ruhen zur Vollendung führt. Das florale süße Gesicht dieses Tees versteckt sich im aufsteigenden warmen Duft und bereitet uns ein einmaliges Erlebnis! Der Aufguss ist intensiv, fruchtig und voll. Ideal zu geniessen nach einem deftigen Essen und reichhaltigen süßen Speisen. Dieser Tee eignet sich ideal zum Lagern.

Musik

Schlusswort:

一路經行處,莓苔見屐痕。

白雲依靜渚,芳草閉閒門。

遇雨看松色,隨山到水源。

溪花與禪意,相對亦忘言。

(唐‧劉長卿‧《尋南溪常道士》

Besuch bei einem taoistischen Einsiedler.

Entlang dem schmalen Pfad,

Wurde ein unscheinbares Fussdruck auf dem Moos besichtigt,

Weiße Wolken lehnt leicht an dem ruhigen See,

Das hochwachsenden Frühlingsgrass verstecken die leicht angelehnte Tür

Nach dem Regen intensiviert die grüne Farbe des Kiefers,

Der Bergpfad führt zu der Quelle

Im Einklang zwischen den Blumen und Universum,

Ich vergesse, was zu sagen.

Mit diesem Gedicht, was wir auf der Einladung der Einweihung von Eröffnung Shui Tangs schrieben, möchte ich das Konzert beenden. Vielleicht haben Sie das gefunden, was Sie erwarteten. Oder haben Sie eine Überraschung empfangen?

Im Einklang zwischen den Tee und Musik, ich vergesse, was zu sagen!

Meine innere Schwelle

Ich kann nur Tee für andere Menschen zubereiten, wenn ich an diesen Tee glaube.

Es gibt etwa, was ich als eine Schwelle bezeichnen würde. Ich muss selbst meine Schwelle überwinden.

Was bedeutet denn „glauben“? Ist es eine Wertung? Ich „glaube“ einen Tee, weil er gut ist?

In diesem Sommer üben wir sehr intensiv für unseren Teekonzert und es ist immer eine bereichernde Zeit für meinen Teeweg. Durch das Begleiten von den Teilnehmern komme ich immer tiefer in meinem Innern. Ich beobachte dass manche oft kreative Ideen haben und spannende Vorstellung zum Seinen Gongfu Cha haben, aber vielleicht weil es zu „einfach“ ist, cool zu sein, fällt es plötzlich an Erwartung von eigenem Tee! Man dreht sich um einen Kreis. Dem Teetisch fällt plötzlich an Geschichte.

Dann frage ich mich, wie wäre es mit mir? Es wirkt sich tatsächlich anders bei mir aus. Ich will Veränderung und Experiment. Ich will, dass mein Teetisch nicht zu fassen ist, weil ich mich entwickeln will. Es ist diesmal so. Dann möchte ich beim nächsten Mal anders machen, vielleicht scheitere ich, aber ich habe es versucht.

Weil ich eine innere Schwelle habe, muss ich zuerst an den Tee glauben. An einem Tee glauben, geht es nicht an Demuth vorbei. Demut gibt mir einen Raum, den Tee zuzuhören und sich an ihn anzunähern. Was spricht er zu mir?

Nach vielen Jahren mit Tee im Leben zu leben erkenne ich ein wahres Glück. Mein Glück von meinem Leben ist, dass ich ein gutes Wahrnehmungsvermögen habe. Aber ohne Demut fällt einem schwer die einfache Schönheit des Lebens wahrzunehmen! Demut ist eine Haltung zum Leben, Demut ist der Anfängergeist des Seins.

Ich kann nur den Tee für Gäste zubereiten, an den ich glaube. Früher lerne ich den Tee zu verstehen, an den mein Lehrer glaubt. Ich weiss von Demut. Heute ist mein Lehrer selten mit mir, während ich Lehrer wurde für anderen. Ich lerne, die Notwendigkeit, den Anfängergeist zu pflegen, zu üben, wo ich Demut finden und behalten kann. Manchmal bei Menschen, die mir widerspieln wollen und können, und manchmal durch Scheitern. Scheitern ist ein gutes Stück im Leben!

Die Strassen sind oft bunt, voll und ereignisreich, sind selten der Ort, wo man gerne verweilt. Man passiert. Am Teetisch ist der Ort, wo man bleiben will.

Die erste Teekanne im Leben

Die erste Teekanne, der Anfängergeist.

Für unser Teekonzert üben die Teefreunde ganz fleissig. Bei jedem Mitmachen lernt man immer ein Stück mehr über Tee, manchmal auch ein Retrospektive über den eigenen Teeweg.

Das schwierigste bei Teetisch Gestalten ist, was für Kanne und welche Teetassen! Wie passen die Sachen zusammen und wie bringe ich alles zu einer inspirierende Landschaft. Manchmal entdeckt man die Gewohnheit, die man selbst angehaucht hat und dachte, dass man es von Meng-Lin gelernt hätte. In solcher Auseinandersetzung und Übungen wird der Teegeist erfrischt.

Natürlich lässt nicht jeder von mir korrigieren, weil man den eigenen Kopf hat. Es ist nicht immer angenehm für mich, in solcher Situation ruhig zu bleiben, aber es ist eine gute Übung, zu lernen, Abstand zu nehmen. Jeder Teilnehmer nimmt ein Stück seine eigene Geschichte mit, die mit mir nichts zu tun hat. Und das sollte so blieben.

Oft unterhalten wir, wie gehen wir mit der Form der Kanne um, oder welche Form wäre besser für diese Landschaft, die man gerne präsentiert. Sehr oft merkt man, dass die erste Teekanne, die man kaufte, nicht immer die ideale Kanne ist, für den weiteren Teeweg oder für solche Anlässe. Bedeutet es, dass es falsch war? War es ein Fehltritt?

Simon schickte uns Fotos von seiner ersten Teekanne in Shui Tang und seiner ersten Kollektion von Holzofen Brand von Künstler Chen, Xuanheng. Ich sehe in seiner Kollektion ebenfalls meinen eigenen Teeweg und den Künstler Weg von Chen. Ich sehe, was für Kanne ich damals erwerben konnte und im Vergleich mit denen, was ich heute in Shui Tang anbot. Wie ursprünglich und mit welchem Anfängergeist, Chen seine Werke formte! Was für gute günstige Yixing Kanne noch auf den Markt zu erwerben gab und was für Fake man heute auf dem Markt überschwemmt. Zehn Jahre Shui Tang, Zehn Jahre Wohlstand chinesischer Gesellschaft. Die Veränderung ist stark.

In seiner Kanne ist ein Heuschreck abgebildet. Die Schrift kann ich leider nicht gut lesen. Heuschreck, Chan. Das wird häufig als Symbol von Zen (Chan) in der bildenden Kunst angewendet. Wusste Simon damals schon, dass er mit seinem Zenweg beschreiten wollte? War es ein Zeichen?

Teekanne erwerben ist oft wie ein Orakel….

Die erste Kanne ist ein Meilenstein und immer der Ruf unserem Anfängergeist. Wir haben oft von ganz unten angefangen. Ich habe mit Tetley Teebeutel meinen Teeweg begonnen. Muss ich mich schämen? Muss man schämen, wenn man eine ganz banale Kanne kaufte, als man noch gar keine Ahnung hat? Nein. Das ist ein Stück der schönen Erinnerung vom Anfänger!

Ein Fest für eine gute Brüderschaft

https://youtu.be/TEU-mk4r_oU

In jedem 15. Juli von Mondkalender ist ein wichtiger Tag für Lebewesen in Jenseits – so wurde ich erzogen. Ab dem ersten Juli darf man bestimmte Termine nicht einhalten, bestimmte Tätigkeiten nicht unternehmen und bestimmte Orten nicht besuchen. Manche tun es aus Angst, manche tun es, weil es noch etwas gibt in deren Vorstellung, was heilig bedeutet. Das Monat Juli ist ein Monat für Geister. Sie dürfen in diesem Monat sich frei bewegen.

In dieser Weltvorstellung gibt es eine Trennung zwischen Yin und Yang. Wir bewegen uns in der Welt des Yang, während „sie“ in der Welt von Yin leben. Wie wird man zu Geister? Geister sind Wesen in der chinesischen Vorstellung, die an das gelebte Leben anhaften und sich nicht reinkarnieren können. Manche können es loslassen, weil sie ermordet wurden, wie Kriegsopfer oder Gefangen. Manche sterben ohne zu wollen und noch sehr an das irdische Leben anhaften. Diese ruhelosen Seele irren sich herum und haben keinen Ausweg.

Heute ist der Tag, wo diese irrenden Seele einen guten Tag haben dürfen. Sie werden in Taiwan von jeder Familie eingeladen. Sie bekommen frisches Wasser, Zahnpaste und Zahnbürste, sogar Tonic Wasser und Creme. Auf dem Ofpertisch hatte meine Grossmutter immer Tee und Sake bereit. Natürlich gibt es eine köstliche Mahlzeit dazu. SIE werden in Taiwan als Die Guten Brüder genannt. Gute Brüder anstatt böse Geister. An diesen Tag werden sie eingeladen, getröstet und respektiert. Einen Brücke bauen zwischen Hier und Dort.

Wenn Du jetzt in Taiwan bist, kannst Du an angegebenen Feste teilnehmen.

Unten poste ich paar Fotos von einem Tempelfest, wo die Guten Brüder auch willkommen waren. In dem Link von YouTube Film erzählten drei Personen, die bereits gestorben sind und am 15.07 von den Bewohner in Taiwan empfangen wurden. Die junge Mutter erzählte, dass der 15.07 der glücklichste Tag im Jahr für sie ist. Sie können sich waschen und schön machen für die kommende Zeit. Sie hat nicht erwartet, dass die meisten Familie als Familie erscheinen und sie willkommen heissen!Der ältere Herr im Schaukelstuhl erzählte, wie sehr er sich bei den freundlichen Menschen bedanken wollte – leider spüren die Lebenden seine Intension nicht. Der junge Mann mit dem Katze sind erfreut über die Tierliebe und Grosszügigkeit der Taiwaner. Die schöne Tradition wird von vielen gesamten Familien gepflegt und weitergegeben.

SIE fühlen sich respektiert, nicht als Fremde, sondern als Brüder und Schwester. SIE wollen sich bedanken bei den Menschen, die noch an die Verstorbenen denken und an unbekannten Toten gedenken können!

Wie wäre eine Gesellschaft, die nur aus den Lebenden bestehen? Wie wäre eine Gesellschaft, die nicht an die Toten denken? Wie wäre eine Gesellschaft, wenn die Toten keinen Platz mehr erhalten?

Heute mache ich eine Schale Tee für die Guten Brüder und wünsche Ihnen viel Freude und viel Mut zu dem nächsten Schritt ins Unbekannten!