Lebe der Minimalismus!

Ich hatte eine junge Besucherin in Shui Tang und sie suchte ein Gefäß, was ihren Teegenuss steigern kann.

Die Damen hat Tee gefunden, genau das, was sie von einem Freund gezeigt bekam. Nichts anders. Aber welches Teatoy?

Gerne empfahl ich ihr ein weisses Gaiwan mit drei Teeblätter Deco. Die dekorierten Blätter dienen als Schutz vor den verbannten Finger.

Die junge Damen erwiderte, „Nein. Das Florale gefällt mir nicht. Ich bin ein Minimalist.“

Also! Der Minimalismus. Oder heisst es, „Ich bin auf der Suche?“

Aber was ist das?

Nachdem die junge Damen aus der Tür ging, fing ich an, mich zu fragen, was das bedeutet?

Alfred Loos sagte, „Ornament ist ein Verbrechen.“

Was ist denn ein Ornament? Ornament „ist ein sich meist wiederholendes, oft abstraktes oder abstrahiertes Muster mit für sich genommen symbolischer Funktion.“ (Wikipedia). Symbole bilden überhaupt die Grundlage unserer Kommunikationsgesellschaft. Ab wann ist ein Symbol ein Ornament? Ab wo ist ein Symbol ein Signifikant mit Signifikat?

Oder anders gefragt: Wie kann man das Signifikat eines Signifikant verstehen? Das bedarf die Bildung.

Als Liebhaber von 青花瓷  Qinghua Ci (blau gemalte chinesische Porzellan von Ming Dynastie. Diese neue Erfindung ist Dank Islam entstanden. Und viele Muslime waren die zuständigen Beamte für die Produktion in Jingdezhen.) liebe ich ebenfalls die dänische Porzellan von Royal Copenhagen. Es ist mir bewusst, hinter das gemalte Muster ist ein kollektives Gedächtnis gespeichert. Wenn ich das Musselmalet Vollspitze / Blue Fluted Full Lace sehe, weiß ich von einer spezifischen Kulturgeschichte des Abendlandes. Als Dominique bei mir die Tassen sah, schenkte sie mir zwei Mocca Tassen Sets. Sie ist sicher, dass es geliebt und geschätzt wird. „Weiß Du, ich kann stundenlang vor dieser Tassen sitzen und fast meditativ werden.“ Ich nickte meinen Kopf. Ich spürte eine Demut in mir. Die Schönheit der Tassen lehrt mich von einem Wissensspeicher einer großartigen Kultur. Und ich möchte es mehr lernen.

Dieses Wissensspeicher wird nicht mehr so weiter gegeben. Wir beobachten überall Symbole überfluten. Buddhas Köpfe, fliegende Engeln und verspielten Blumen füllen unser Homestorys und Schaufenster. Wer kümmert sich noch um das Signifikat?

Im Gongfu Cha lernen wir einzelnes Symbol, was auf der Teeschale, auf dem Teetuch und auf der Teekanne offenbart, zu verstehen. Nicht von dem Symbol überwältigt zu werden, nicht von der chinesischen Kultur assimiliert werden, sondern mit dem zu verbinden und neu zu beleben. Nur ein gelebtes Symbol wird nicht zu Ornament!

Am 04.12. findet ein Teegespräch zwischen Teeweg und Baumweg statt. Ich bin dabei eine Teeübung zu entwickeln. Wie kann ich die Komplexität des Baums durch den Tee zum Ausdruck zu bringen? Ich brauche Symbole, die eine Geschichte erzählen.

Symbole sind für uns Brücke zwischen heute zu Gestern. Symbole sind Sprecher für uns zu anderen!

Ich frage mich auch, was kann ich für diese junge Dame tun? Wie kann ich einen Brücke bauen? Vielleicht werde ich nächstest Mal fragen, „Was meinen Sie mit dem Minimalismus?“ oder „Wissen Sie, dass diese Muster eine Geschichte erzählen?“

Wer hat Tee geklaut?

Dank Gabriele bekomme ich diesen interessanten Film über den Teeweg. Der Weg des Tees in die Welt.

Wer hat was geklaut? Es hört sich so an, als ob etwas von etwas zuhörig sein müsste!

Gehört der Tee Chinesen, dann gibt es tatsächlich einen Dieb.

Gehört der Tee den Liebhabern auf der Erde, dann gab es tatsächlich jemand, der der Weltgeschichte bereichert.

Im Grunde genommen können wir nie etwas anhand von Handbuch verurteilen. Das Motiv entscheidet oft nicht das Ergebnis. Das Ergebnis gibt uns selten ein vollständiges Bild. Der Weg (der Prozess) verrät manchmal mehr.

Viel Vergnügen.

http://www.arte.tv/guide/de/057399-000-A/die-abenteuer-des-robert-fortune

(Tee)Baum auf den (Tee)Weg

Im Film Avantar verehren die Na’vi einen Baum, der Baum der Seele. Dort können sie ihre Energie aufladen, können sie sich wieder an ihre Vergangenheit und an ihre Erbe erinnern. Ein Baum des Lebens, was das Leben zu gedeihen und zu entwickeln bringt.

Nicht nur die Na’vi verehren Bäume, sondern viele alte Kulturen. Unter einem Baum passierte und passiert viele Geschichten. Shennong (ein chinesische mythische Figur, die Tee entdeckte) entdeckte eine Pflanzen Tee, viele einfache Menschen trafen und treffen sich unter einem Baum zum Tee, zum Schacht oder zu lieben. Unter einem Baum wurde viele Rituale vollzogen, um Götter zu verehre, um eigene Wünsche mit jenseits zu kommunizieren, um Unheil abzuwenden. Unter einem Baum wurden Früchte gesammelt, wurde Kräuter gezupft wurden Tiere gefuttert.

Auch die Menschen in Yunnan sangen in jedem Frühling unter Teebäume, um die Seele der Bäume aus dem Winter zu rufen. Es ist noch die Zeit, als Teebaum noch ein Teebaum ist, bevor Teebäume Tee-Bonsai wurden.

Wie kommen wir auf die Idee, Teebäume wie Bonsai zu kultivieren? Ist es nicht ein Spiegel von unserem Umgang mit dem Baum, mit der Natur, gar mit unserer Seele?

Am 04.12.2016 um 16 Uhr findet ein (Tee)Gespräch in Shui Tang statt mit Brigitte Egger und Meng-Lin Chou. Wer sich für die tiefere Struktur der Bedeutung des Baums und Tees im unseren modernes Leben zu integrieren, interessiert, ist herzlich eingeladen.

Anmeldungen erforderlich. Eintritt frei.

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Gestorbener Teebaum in Bo He Tang Yunnan.

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Teebäume in JIngmai Yunnan, nach dem Frühlingsritual.

Auf dem Hügel von jungen Kiefern 短松崗

In meiner Erinnerung nahmen meine Eltern uns ab und zu in den Hügeln die „Vier Tiere Berge (四獸山 Si Shou Shan)“ heissen. Wir gingen dort wandern und liefen oft bei einem kleinen dunklen Tempel vorbei. Vater blieb oft gerne dort, zündete ein Räucherstäbchen und unterhielt mit dem alten Priester. Ich sass dann mit Schwester auf dem Bank, schauten die Bäumen an und zählten die Ameisen, die sich herum irrten. Der Bruder klebte an meine Mutter und sie waren irgendwo auf dem Hügel.

Mein Vater ist ein Sohn eines Geschäftsmannes. Er kann gut rechnen und kalkulieren. Als Kind wollte er jedoch ein Gongfu Meister werden. Meine Grossmutter erzählte uns, dass der Vater eines Tages verschwand und irgendwann auf einem Hügel mit einem kleinen Stofftasche entdeckt wurde. Er war hungrig, aber entschlossen. So ging es paar Male mit dem Abhauen und Meistersuche.

In jedem Frühling nahm der Vater uns mit zu den Familiengräber. Meine Mutter blieb oft zu Hause. Zu den Gräber muss man auf verschiedene Etiketten achten. Ansonsten bringt es Unheil. Die Gräser wachsen immer über die Gräber, so musste man jedesmal suchen, wo unsere Vorfahren liegen. Zu diesen Tagen suchten tausende Taipeher nach ihren Familiegräber auf den Hügeln um Taipei. So war es überall etwas los und überall gab es Gefahr, Unheil anzustiften. Unheil ist es, wenn man über den Grabmahl tritt, wenn man unbewusst herumschaut, wenn man bei den Gräber pinkelt oder spuckt. Respektvoll muss man sich verhalten. Respektvoll vor den Toten.

Mir gefiel als Kind mit Vater und Onkel zu den Gräber zu gehen. Insbesonderes gefiel mir das Klatsch, was mir von unserer Vergangenheit vermittelte. Für mich war es ein Ausflug, auch wenn der Grossvater oft traurig wurde. Er wurde traurig, weil er auch von seinem Tod ahnte? Oder weil er alles verlor, was er von diesen Toten erhielt? Ich weiss es nicht, aber es war klar, wohin ich gehöre.

So wie ich als Kind in jedem Frühling zu einem grossen Clan eingeweiht bekam, gingen die Kinder und Bauer in Yunnan in jedem Frühling in den Wald, wo die alten Teebäumen wachsen. Die Geister der Bäume werden per Gesang und Rituale zurückgerufen. Die Ernte beginnt danach. Geschichte werden erzählt, die Kinder lernen sie durch ihre Präsenz. Die Wurzel des Clans und die Wurzel der Bäumen wachsen unterirdisch zueinander. Sie sind tief, verwurzelt und verbreitet. Man weiß nicht woher der Geschmack kommt! Ist es von dem Baum, ist es von dem Boden, oder von den Menschen!?

Als wir endlich den 易武正山 Yiwu 2008 degustierten, zeigte dieser Tee zuerst seine Schüchternheit. Er war nicht gesprächig. Nicht zu viel süß, nicht sehr breit. Ich nahm meine Jadekanne und goß ihn mit gutem heißen Zürich Wasser. Eine Portion Geduld mit einer Prise Respekt. Immer mehr öffnete er sich. Eine rote Faden von Kandiszucker, befeuchtet mit Tau (oder war es Schneewasser?), führte mich dem blauen Himmel entlang dorthin. Direkt auf den Hügeln. Als ob ich meinen Vater sehen könnte!

Meine Kindheit ist für immer vorbei. Die Erinnerungen trüben wie der dunkle Tempel. Viele Dinge im Leben habe ich schlecht gemeistert. Oft konnte ich meinen Fehler nicht gestehen. Ist es das Gefühl von Verloren-Sein, als mein Grossvater oft mit roten Augen neben den Gräber sass? Das Leben hat ein Ende. Die Zeit scheint deswegen sinnvoll zu sein. Es gibt paar Dinge, die von mir selbst erledigt werden sollen.

Der Mond leuchtet über den Hügel. Die Kiefer werfen Schatten. Mit einer Schale von diesem Yiwu schien der Mond direkt ins Herz. Tauwasser oder Elixier von Götter? Ein Lächeln scheint. Die Finger bewegen sich. Es wird sich zum Guten wenden.

Die Schatten bilden auf den Boden eine klare Kontur.

料得年年腸斷處,明月夜,短松崗。(Dort, wo der Tod uns scheidet, ist der Ort, wo der Mond über die jungen Kiefer leuchtet.) Gedicht von Su Dongpo (1137-1101), Song Dynastie.

 

Woher kommt der 桃子寨古樹茶 Taozi Gushu?

Unser Taozi Gushu 2016 kommt von einem Wald, der als staatlich bezeichnet ist 國有林.

Was bedeutet das?

Bei einer Umsiedlung eines Dorfes entschädigt der Staat den Dorfbewohner Wald. Es ist meistens sehr intakte natürliche Wälder. In solchen Wälder in Xishuang Banna entdeckte man häufig in Wildnis gewachsenen Teebäume, die in früheren Zeiten angepflanzten aber vergessen wurden.

Weil solche Gebiete meistens klein und abgelegen ist, gehört solche Teeproduktion eher Liebhaberei! Die Fabriken machen sich wenig Mühe in den tiefen Bergen um die Ernte zu holen. Somit wird der Begriff Guo You Lin – staatlich zugehöriger Wald ein Begriff von individueller Tee! Alle Teeliebhaber verehren solche Produktion. Yu ist selbstverständlich ständig dabei um diese raren Pflückgut zu bannen! Er geht mit den Bauer pflücken, mitarbeiten und dann selbst pressen lassen. So kann die Echtheit und Qualität garantiert werden!

Der weite unzugängliche Weg, die wenige Menge erschrecken die Spekulanten. Solche Tees bedeuten heute für wirklichen Liebhaber in China natürlich, traditionell und gesund. Aber dieser Tee erfordert auch einiges von den Teeliebhaber. Für die meisten Teetrinker ist er eher zu ruhig, zu wenig angenehm lieblich. Seine Tiefe, Stärke und subtile Textur sind nicht einfach zu verstehen. Vor allem der spezielle Abgang von 山野韻 Berg-Wildnis-Note ist der Tenor dieses Tees!

Für uns ist er ein lebendiges Fossil einer alten Tradition. Ein Zeugnis von einem guten Handwerk und eine Lektion von einem guten Geschmack.

Wo gibt es noch solche 國有林 staatlichen Wälder?

Yiwu 易武:Gua Feng Zhai 刮风寨—— Cha Wang Shu 茶王树、Cha Ping 茶坪、Bai Sha He 白沙河;Yao Volk Ding Jia Zhai 瑶族丁家寨—— Wangong 弯弓、Bai Cha Yuan 白茶园、Bo He Tang 薄荷塘;Han Volk Ding Jia Zhai 汉族丁家寨——Yi Shan Mo 一扇磨、Xiang Chun Lin 香椿林;Man ai 曼乃——马叭;Zhong Shan Shang Zhai 中山上寨—— Tongqing He 铜箐河;Bu Long He 布隆河—— Bai Hua Jing 百花箐

Man Zhuan 蛮砖:Gaoshan 高山寨——三叉箐;Xiao Manlong 小曼竜—— Taozi 桃子寨;瓦竜国有林