Archiv der Kategorie: Tea-history

Wenn Blumen blühen…

„Wenn Blumen blühen, freue ich mich auf die Nacht, am besten im Vollmond. Dann kann ich das Mondlicht zum Wasser verwandeln, in meine Kanne füllen. “ So schreibt Künstler Jing Yuan (Liu Qingzhong) zu seiner Teekanne „Wenn Blumen blühen“.

Oft vergessen wir Gedichte zu schreiben und haben unsere Poesie im Schrank aufgehoben. Mit der schnell vergehenden Zeit wird alles vergessen. Vergessen war auch unsere Liebe zum LEBEN.

Manche Erleuchtung im Leben erscheinen wie Blümchen am Wegrand. Wenn alles reibungslos verläuft, sind sie unauffällig. Nur wenn die Dunkelheit näht, das Lärm abklingelt, entfalten sie sich erst richtig im Herzen und werden Wegweiser im Leben. Im Mondlicht, in der Einsamkeit, verkosten wir (Ich und der Mond) einen wilden Hongcha aus hohen Nanling in Guangdong. Da blühen die Ruhe und Gelassenheit in der Kanne auf und führen uns ins fernen Osten. Oder ein Pu Er aus Da Hei Sen Lin (grosser dunkler Wald) aus Yibang, klärend, tröstend und erhellend wie eine Göttin im Mondlicht in der Nacht!

Liu Qingzhong nennt sich Jing Yuan – der Geist des Spiegels. Er spiegelt gerne die „erleuchtenden“ Momente im Leben aus dem Alltag in seinem Werk wider. Diese Kanne „spiegelt“ einem alten charaktervollen Baum wider. Wenn ein alter Baum blüht – der Frühling besucht auch einen alten Baum, verkündet die Ankunft von Amor. Liebe, Freude und Glück sind da!

Zini Kanne. Designer Jing Yuan. Ausführung von Qing Cai. 140 ml Fassung. 100% per Hand geklopft.

Scherbenhaufen

Viele Teefreunde mögen ihre Tasse gar nicht. Sie seien zu wild. Für manche bedeutet Ihr Stil einen Zugang zur Natur und zum Tee. Aber sie hat im Moment ein grosses Problem.

Lijiao schickte mir zwei Fotos von Scherbenhaufen. Sie liess ihr Atelier renovieren und wollte den Ort neu organisieren für Ihre Arbeit. Sie bekommt zwei neuen Öfen. Alles ist neu. Sie hat sogar Fotographie Kurs angefangen, damit sie mehr in die Natur ging und die Landschaft Taiwans besser kennen lernen kann. Aber die Öfen funktionieren nicht richtig. Sie kann den Ofen ein und ausschalten. Sie kann alles einstellen. Aber ein notwendiges Atmosphäre für das perfekte Zusammenarbeit zwischen Glasur und Ton ergibt sich nicht. Sie zerstört alles was sie probiert hat und sagte mir, sie braucht Zeit.

Vor zwei Tagen schrieb sie mir, dass sie wieder Schüler werden wollte. Und bei jemanden, der mich auch kennt. Sie wollte wieder bei Prof. Luo Senhao studieren. So hat sie formuliert: “ Ich bat ihm, mich als Schülerin aufzunehmen. Ich wollte zur Uni wegen ihm.“

Ich bewundere Ihre Entschlossenheit für Ihren Weg und Ihr Demut. Ihre Entscheidung hat gezeigt, wie aufrichtig sie zu ihren eigenen Werk steht und wie klar sie erkennt, einen guten Lehrer zu folgen. Andererseits hat jeder Mensch seinen Weg. Für Keramik-Liebhaber bedeutet es ein grosses Glück. Es gibt nichts Besseres als zu erfahren, den Künstler den man schätzt, sich bemüht weiter zu entwickeln. Und vielleicht ist es ein Vorbild für uns selbst. Ich bin gespannt wie Ihre Werke sich weiter entwickeln!

Scherbenhaufen von Lijiao
Schale von Luo Senhao

Latein von Formosas Wilder Bergtees

Wegen der heutigen politischen Situation und der jahrzehntelange Spannung zwischen Taiwan und China kam ich auf die Frage, wie der wissenschaftliche Name von Formosas Wilder Bergtee heißen sollte.

Tatsächlich fand ich interessante Sache!

Ich habe in einer deutschsprachigen Seite: Teespedia über den Tee geschrieben. Mit großem Respekt las ich diese Seite. Was für eine Knochenarbeit!

Wie jedes Nachschlagwerk, das auf demokratisches Basis funktioniert, hat Mängel an wissenschaftlichen Aussage. Es war schon bei Pu Er und jetzt möchte ich etwas zu diesem Thema Taiwans Wilden Bergtee ergänzen.

Zuerst muss man klar machen, dass der Begriff Bergtee nicht gleich der Tee von Camellia Sinensis ist. Er beinhaltet auch viele falschen Teepflanzen und blühende Varianten. Manche sind sogar geeignet für Öl- Gewinnen. Trotzdem stehen viele Arte unter Schutz. Und sind vor Aussterben bedroht!

Oft zum verwechseln gibt es eine Sorte Camellia furfuracea (Merr.) Coh.-Stuart. Die Blätter sehen sehr ähnlich zum trinkbaren Teepflanzen. Für mich ist es ein trauriges und zugleich interessantes Phänomen, weshalb wir als Konsumenten immer nach rarem „reinen“ Tee suchen? Wenn wir von „wild“ hören, sind wir bereits begeistert!

Vor einer Woche hatte ich eine Kundin, die als „Designer“ angab, mir von einem sehr teuren Kauf von Formosa wildem Tee. Ich erwiderte mit einer höflichen Aussage, „Sie haben bestimmt einen guten Kauf gemacht.“ Persönlich habe ich paar Male diesen so genannten wilden Bergtee aus Kaoshiung getrunken. Ich kann nicht sagen, ich sei begeistert.

Im Jahr 1712 wurde bereits dokumentiert, dass Taiwaner Ureinwohner aus den Bergen um Ri-Yue-Tang Tee gepflückt haben und an Holländer verkauften. Es wurde auch erzählt, dass dieser Tee sehr kühlenden Charakter hat und die Ureinwohner ihn selbst nicht trinken wollten#1. Diesen Teepflanzen ähneln an Assamica. Zuerst wurde diese Art als eine Varietät von Camelia Sinensis var. sinensis. Damals hieß er „ Camellia Sinensis var. formosensis“. 2007 wurde eine Abhandlung veröffentlicht, dass durch die neue DNA Forschung diese Varietät aus „Unter-Art“ direkt zu „Art“ erhoben werden muss. Seitdem trägt er seinen neuen Name „Camellia formosensis (Masam. & Suzuki) M. H. Su, C. F. Hsieh & C. H. Tso“. In Taiwaner Wikipedia steht noch eine andere Varietät von dieser Art. Daraus ist wieder eine neue Tee-Geschichte entstanden.

Wir wissen, aus dieser oben erwähnte Formsenis und dem Bergtee aus Burma ist der Kultivar Hongyu – Formosa No. 18 entstanden. Und seit 2019 ist erneut ein neues Stern geboren: Formosa No.24. Dieser Kultivar stammt aus einem Bergtee namens „C. formosensis var. yungkangensis M. H. Su, C. F. Hsieh et C. H. Tsou“. Er ist gleichzeitig eine Mutation von Formosensis und vielleicht wurde es auch deswegen als Varietät Formosensis bezeichnet. (Die Definition von Kultivar und Varietät sei unscharf.) Er sei eine Erbe aus der Eiszeit und im Osttaiwan entdeckt. Nach 19 Jahren Forschung und kultivierender Arbeit ist die „Züchtung“ Formosa No. 24 entstanden. Er sollte Mandel Duft, Shitake Note strahlen, und coffinarm. Aufgrund von seinem Wachstumspotenzial hat er aus der Natur nicht anfällig auf Schädlinge und kann ohne chemische Mitteln angebaut werden. Das Tea Research Institute möchte damit erreichen, dass man mit No. 24 auf den Teegarten anbauen kann und die ursprünglichen „C. formosensis var. yungkangensis M. H. Su, C. F. Hsieh et C. H. Tsou“ dort lässt, wo sie immer sind. Störe sie bitte nicht mehr, nur weil Du einen wilden Tee aus Taiwan trinken willst!

Formosa No.24 wurde als „echter“ Taiwan Tee als Erbe aus der Eiszeit geworben. Als Genussmittel kann man erst ab 2022 erwarten.

#1 清康熙56年(西元1717年)《諸羅縣志》:「水沙連內山茶甚夥,味別色綠如松蘿。山谷深峻,性嚴冷,能卻暑消脹…」黃叔璥《臺海使槎錄》:「水沙連茶,在深山中。眾木蔽虧,霧露濛密,晨曦晚照,總不能及。色綠如松蘿,性極寒,療熱症最效。每年,通事於各番議明入山焙製。」,另《淡水廳誌》:「貓螺內山產茶,性極寒,蕃不敢飲。」

Latein von Pu Er

Das Latein von Pu Er beschäftigt mich seit zwei Wochen.

Zuerst hatte ich eine starke Ablehnung, weil ich kein Naturwissenschaftler bin und fühle mich nicht kompetent genug, es zu verstehen. Als ich mich entschied, mit dem Material auseinanderzusetzen, bracht mir das Thema nur Kopfschmerzen!

Der Kopfschmerz entsteht, weil man in Wikipedia vier verschiedene Varietäten unter der Art Camelia Sinensis erklärt.

innerhalb der Art Camellia sinensis gibt es vier Varietäten (mit Fussnote):

Camellia sinensis (L.) Kuntze var. sinensis,
Camellia sinensis var. assamica (J.W.Masters) Kitamura,
Camellia sinensis var. dehungensis (Hung T. Chang & B.H.Chen) T.L.Ming,
Camellia sinensis var. pubilimba Hung T. Chang.

Ich habe die Fussnote genau gelesen, leider fand bei der Angabe nichts als Resultat zu diesen vier Varietäten. Lese bitte:

„Min Tianlu, Bruce Bartholomew: Camellia sinensis. S. 376 – textgleich
online wie gedrucktes Werk, In: Z. Y. Wu, P. H. Raven (Hrsg.): Flora of
China. Band 12, Missouri Botanical Garden Press, St. Louis 2007, ISBN
978-1-930723-64-1.“

Hingegen fand ich aus der Veröffentlichung von Yunnan Botanik Institute die Dokumentation im Jahr 1984 von H.T. Chang über seine Abhandlungen von Camellia Sinensis. Er klassifiziert verschiedene Sektionen unter der Gattung Camellia. Unter diesen Sektionen gibt es ein Thea-Sektion.

Innerhalb Thea-Sektion unterteilt er verschiedene Serie. Bei den Serien
nennt er eine als Sinenses. Bei Seinenses Serie existiert 10 verschiedene
Arten: darunter Camellia Sinensis (L.) O. Ktze und Camellia Assamica (Mast.) Chang!

Vorher wurde Camellia Assamica als eine Varietät unter der Art Camellia Sinensis Ktze unterordnet. Er wurde als Camellia Sinensis var. Assamica bezeichnet. Chang forschte sein lebenslang Pflanzen vor allem Camellia Familie. Durch seine stetige Forschung fand er die Bezeichnung von var. Assamica nicht den Befunden gerecht und entwirft eine neue Anordnung, um Menschen mit den Teepflanzen von Pu Er näher zu bringen. Er nannte die beiden Teearten, die schon lange von Menschen kultiviert werden als Camellia Sinensis und Camellia Assamica. Neben den beiden Arten gibt es noch andere Verwandten, die oft auch zum Tee produziert werden, leider nicht immer
bekömmlich und geeignet sind. Sie werden immer als „Yesheng“ – Wild von Teehändler und Bauern bezeichnet. Oft verursachen die Durchfall und kranke Symptome.

Unter der Art Camellia Synensis unterteilt er drei Varietäten. Und unter
Camellia Assamica ebenfalls.

Die beiden Varietäten, die im Wikipedia aufgezeichnet sind, sind nur ein Teil der Wahrheit. Camellia sinensis var. dehungensis (Hung T. Chang & B.H.Chen) T.L.Ming gehört zu Serie Gymnogynae Chang. Also nicht zur Serie Sinenses.

Und Camellia sinensis var. pubilimba Hung T. Chang gehört tatsächlich zu einer Varietät von Camellia Sinensis (L.) Kuntze. Neben dieser Varietät hat Camellia Sinensis Kuntze noch zwei andere Varietäten: Camellia Sinensis Kuntze var. sinensis und Camellia Sinensis (L.) Kuntze var. waldeniae (S.Y.Hu) H.T.Chang.

Sehr spannend! Kommt Du klar mit diesem Latein?

ps. Zitiert aus „Zhongguo Zhiwu Zhi“ No.49(3)1998, Seite 133.

Pflaumen Kanne von Zhang Feng III

Wenn man nicht genügend lang gelebt hat, kann man praktisch nicht eine Pflaumen-Kanne in diesem ewigen Widerspruch „Alt-Scharf“ und „Kalt-Geschmackvoll“gestalten. Junge Künstler müssen mit Nachahmung anfangen und mit Leben lernen.

Die Kunst ist für einen Yixing-Kannekünstler zu leben. Im Leben sammeln sie die Wahrnehmungen und Empfindungen. Wenn das Wahrgenommene und das Empfundene ineinander fließen können, entsteht das Erkenntnis. Mit diesem Erkenntnis praktiziert Zhang Feng wie die meisten Pionier seiner Kunst. 

Alt, krank und trocken sind die Beschreibung über den Pflaumen-Baumstamm. Sie deuten auf das Unangepasste. Das alte, kranke und vertrocknete sind zugleich dazu da, um die blühende zarten Blüten neben dem Stamm zu erzählen. Der blühende Zweig kommt aus der Luft neben dem rauen Rinde. Ätherisch und entzückend. Er markiert den Widerspruch des Seins. 

Auch der Widerspruch geht vorüber. Zhang Feng lässt den Widerspruch nicht unversöhnlich stehen. Er verbindet das Alte und das Zarte, das Verwelkte und das Wachsende und das Leben und den Tod mit einer Zeitlosigkeit. Eine Kanne Tee getrunken um die Zeit zu vergessen. In dieser Zeitlosigkeit betrachtet der Teemensch, die Blumen blühen und verwelken; die Wolken zusammenziehen oder vorbeiziehen; die Höhe des Lebens und ebenfalls die Krise in der Ungewissheit.

Möge jeder Teeliebhaber seine Pflaumen-Kanne begegnen kann.

Zhang Feng, 1979.

Pflaumenkanne, Mei Hu aus Qinghui Duanni. Original Yixing Zisha.

Zärtlich wie Seladon

Der Name „Seladon“ stammt von Helden des Romans L’Astr’ee im Jahr 1610. Das mattgrüne Gewand des Schäfers „Celadon“ war der Anfang des Namen dieses grünlich schimmernde Porzellan. Das wirkliche Seladon-Keramik war wesentlich älter. Vor 3000 Jahren gab es bereits Seladon. Ab 3. Jahrhundert nach dem Christus entwickelten sich zwei verschiedene Stilrichtungen des Seladons: Nord und Süd. Im Süden entwickelte sich das Seladon zu grünlich leuchtendem Porzellan (hart), das uns an Jade erinnert. Im Norden entwickelte sich das Seladon zu einem matten gelblich grünlich schimmernden Stil, was uns eher an Perlen aus dem tiefen Meer erinnert.

Das, was im Moment in Völkerkunde Museum ausgestellten Seladon ist ein schönes Augenmerk auf den südlichen Stil des SeladonsLongquan.

Seladon kenne ich aus Taiwan und vor allem Werke von Meister Hsu, Chao-Tsung. Als ich gegen mittags in die Ausstellung kam, sah ich die Landschaftsbilder Longquans wie Reisfeldern, Bambuswäldern und Teefeldern am Wand und die sich ruhenden Meisterwerke in friedlichen klaren Grün. In jenem Moment dachte ich, eine frische Brise zu spüren und vielleicht den Wasserspiegel zu berühren. Die aufgenommenen Klänge bei der Eröffnung des Brennofens von Seladon hörte ich im Hintergrund. Die tanzenden Klänge im Ohr und den himmlischen blau-grün in Augen fließen ineinander zu einem breiten Fluss, der uns zur Vergangenheit führt?

Ein Besucher fragte, „können die Chinesen heute noch Seladon schätzen?“ Diese Frage ist berechtigt, wenn ein Museumsbesucher die Objekte in einem Museum bewundert und den Bezug zur Realität nicht herstellen kann. Seladon lebt im gewöhnlichen chinesischen Alltag. Im Tee, in Mahlzeiten und in Blumenstecken. So lange der Tee noch getrunken wird, wird Seladon leben! Aber woher sollte ein hiesiger Museumbesucher wissen, dass Tee und Seladon eine enge Beziehung hat? Und überhaupt dass das Seladon einer der vielen wichtigen Bausteinen des ästhetische Lebens der chinesischen Kultur bedeutet? Wenn man hier aus Glas Tee trinkt, woher sollte man wissen, was Seladon bedeutet?

Das Glas hat seine Bedeutung und Funktion. Das Seladon hat seinen Hintergrund und Geschichte. Das Glas ist zugänglich. Seladon ist im Vergleich schwieriger zu verstehen. Vielleicht ist es gerade eine Aufgabe für Shui Tang hier eine Brücke zu bauen, dass die Objekte von Seladon das alltägliche Leben ästhetisch gestalten können und nicht ein statischer Teil eines Museums gehören. Das Museum hat uns in Zürich gezeigt, was für einen Ausmass und Schönheit Seladon heute in China gelebt und sein kann. Die schönen Seladon im unseren Leben zu leben und diese Kunst zu beleben gehören zu unseren Aufgaben. Sich bilden zu wollen und mit ästhetischen Objekten das Leben ästhetisch gestalten zu wollen sind die beste Sicherung von einer schönen alten Tradition!

Ich habe einen unglaublichen schönen Augenblick im Völkerkundemuseum erlebt! Dankbar und glücklich ging ich weiter in die Stadt.

Dank dem Völkerkundemuseum Zürichs!

Ps. In Korea, Japan, Vietnam und Thailand haben unter dem chinesischen Einfluss ihre eigene Interpretation von Seladon. Die meisten Seladon von Meisterwerke werden bis heute in Korea und Japan noch im Holzofen gebrannt. Aber die koreanische Seladon hat in der Song-Zeit einen umgekehrten Einfluss auf die chinesische Entwicklung. Das ist das Interessante von Kulturaustausch!

Ich persönlich bevorzuge Seladon nördlicher Ry-Stil.

Tang Feng – der Wind von Tang II

Tang Feng, der Tang-Stil ähnelt nicht dem Japanischen. Umgekehrt ahmte man zwischen 7.-9. Jahrhundert eifrig von ganzen Fernost Tang Feng! Korrekterweise muss man so formulieren, dass der japanische Stil ein Teil von Tang Feng ist.

Tang Feng ist keineswegs nur die Form von Architektur, von Kleidung oder von Kunst. Tang Feng ist mehr. In der Tang Dynastie existieren unterschiedlichste Religionen nebeneinander. Das Christentum (Sekte Nestorius) war präsent in Changan (Hauptstadt in Tang) und besassen mehrere Kirchen. Damals nannte man es Bosi-Jin-Jiao (Goldene Persische Religion) Die christlichen Mönchen nannten man persische Mönche – was denkt man wohl heute darüber? Einer der christlichen Mönchen nahm gar den Kampf gegen An-Lushan-Rebellion teil, erhielt Auszeichnung von Kaiserhof und wurde Hofbeamter. Auch Zoroastrismus war respektiert und hatte eigene Bezirke. Wenn die Polizisten (die schlechten Menschen – Buliang-Ren nannte man damals) ins ihren Bezirke eindringen wollte, musste zuerst Bewilligung beantragt werden. Der Anführer dufte Menschen dort nach Ihrem Gesetz verurteilen. Die taoistischen Priester unterhielten sich gerne mit den buddhistischen. Die Mode aus Kleinasien war der Trend. Der Wein war der Hit. Die dunkle häutigen Menschen waren ein Teil dieses Reichs. Ein Schmelztiegel von Völkern, Kulturen und Religionen. Nebeneinander, miteinander und durcheinander. Bunt, quer und gemischt!

Es sah zwar chaotisch und grenzenlos im Aussen aus, aber es war klar strukturiert im Innen. In Tang herrschte klares Ritual, wenn Menschen sich begegnen. Es gab verschiedene Rituale, wie man Respekt in unterschiedlichster Situation ausdrucken konnte. Ritual kommt aus dem Respekt, das uns einen Raum schenkt, angenehme Distanz zu vermitteln und uns selbst zu verorten. Es ist einerseits schwer, stets Grenze von Raum zu überschreiten, weil wir oft vergessen, wo wir sind. Es fällt andererseits allen leichter, die Grenze von Aussen zu folgen, weil die innere Grenze von uns Reflexion und Fähigkeit verlangt, um sie zu verteidigen.

Und wenn es so einfach wäre Richtung zu wählen, wäre es doch keine „Ent-scheidung“, oder? Für mich bedeutet ein Mensch von einem gewissen „Feng-Stil“ jemanden, der im schwierigen (oft im Geben und Nehmen – für sich selbst oder für die anderen) Moment ein kleiner Schritt vorwärts schreitet. Ein Mensch mit gewissen Feng beherrscht das Ritual. Das Ritual ist in diesem Sinne keine Beschränkung, sondern eine Hilfe,  ein Format zu entwerfen, um Mitgefühl zu zeigen und Dankbarkeit auszudrucken.

Für Interessierte habe ich ein Video von einer ausgezeichneten FernseherFilm (The Longest Day in Cangan). Vielleicht bekommst Du einen kleinen Einblick über Tang Feng.

 

唐風 Tang Feng – der Wind von Tang I

Als die Reisegruppe im April in Teehäuser von Taipei war, fragten sie mich, warum es so japanisch aussieht.

In der Tat, als wir in Taian bei dem Thermalbad Hotel waren, wurden wir ein Programm geschenkt, Pseudo Jukata zu tragen, um paar Erinnerungsfotos zu knipsen. Ich war nicht anwesend. Eigentlich schämte ich mich, dass man in Bergen das pseudo Japanische anstatt die Kleidung von Ureinwohner an die Touristen vermittelt. Das zeigt doch klar, wo die Taiwaner von ihren Ureinwohner halten. Ich schämte mich.

Herr Tang 唐 in Haus Chun Yu (春餘 Spuren von dem Frühling) sagte zu uns, dass sein Haus sich an Tang Stil orientiert. Tang Stil, nennen wir auf Chinesisch „Tang Feng 唐風“. Was heisst „風 Feng“?

Ist Feng nicht bloß der Wind? Vor zwei Wochen als wir Gongfu Cha II hatten, fragte mich jemand, was heißt, ästhetisch im Teetisch. Meine Antwort war, unsere Bewegungsabläufe wie der Wind zu vermitteln. Die Bewegung erzeugt Anmut. Die Anmut kommt von dem Rhythmus. Es ist wie, wenn die Weidenblätter 柳樹 葉 nach dem Regen im Winde wehen. Weil es leicht feucht ist, wehen die Blätter von Weidenbaum schleichend in der Luft. Der Wind erzeugt einen Rhythmus, der uns an Verse erinnert!

Und wenn unsere Hände sich bewegen, bewegen sie wie der Fischschwanz, der den Wind im Raum erzeugt. Dieser Wind fließt auf den Teetisch, erzeugt Lebendigkeit und zeigt Richtung. Die Qualität dieses Winds ist wie die Seide, geschmeidig und wie die Luft, unfassbar.

Wie fasst man den Wind? Diese Frage ist einfach zu beantworten wie das Kleid zum Tee. Was wäre das ideale Kleid zum Tee? Ja, ein Kleid, das uns an Wind erinnert. Das wird sichtbar, wenn der Raum zwischen der Haut und Stoff wahrnehmbar wird. Wenn der Frühlingswind weht, wehen die feuchten Weidenzweigen mit den Blätter. Im Winde schmeichelt der Gewand an der samtigen Haut. Zwischen dem Raum des schweifenden Stoffes und der nackten Haut entsteht die Poesie. Und die Erotik. Nicht der sichtbar starke Körper ist erotisch, sondern der Raum von streifendem Stoff auf die Haut.

Feng, der Wind ist somit der Schlüsselwort von Poesie, die uns im Mund ein Geschmack hervorruft, einen Wunsch, sich zu kleiden wie die Poesie inspiriert. Der Wind symbolisiert die Freiheit, die Bewegung von Phantasie und den reinen individuellen Stil! Er bedeutet im Chinesisch die Sicht, die Richtung, das Habitus, die Nachricht, den Brauch und die Lieder. Der „Wind“ ist ein guter Geschmack von einem bewussten Menschen!

 

Jeden Tag, ein guter Tag

Im 10. Jahrhundert lehrte Yunmen Wenyan Zenmeister in Guangzhou, China.

Er fragte seinen Schüler, „Ich möchte Euch fragen, wie Ihr ab heute leben möchtet, egal was Ihr vor heute gemacht habt?“ Seine Schüler wussten nicht, wie sie auf diese Frage antworten sollten. Der Meister beobachtete die Sprachlosigkeit im Raum und hinterliess den berühmten Zen- Spruch, „Jeden Tag, ein guter Tag!“

Dieser Spruch wird im Teeraum sehr gerne verwendet. Tee und Zen haben den gleichen Geschmack.

Egal, was vorher geschah, gestern ist vorbei. Morgen ist noch nicht da. Jeden Tag ist ein guter Tag, Schritt für Schritt gestalten wir unsere Zukunft.

Hiermit möchte ich allen Teefreunde zum Jahr 2019 wünschen, “ Jeden Tag, ein guter Tag!“ (日日是好日)

Pflaumen-Kult in der chinesischen Ästhetik I

Pflaumen von Rosetsu

Das ist ein ausgestelltes Bild von der japanischen Maler Rosetsu. Im Moment kann man im Rietbergmuseum das Original betrachten.

Weshalb malt der Rosetsu 長沢芦雪 ein Bild von einem alten Pflaumenbaum, der im späten Winter blüht?

Die beiden geposteten Yixing-Kannen von Sun, Chao und von Yu, Jiaojian haben ebenfalls das Motiv von Pflaumenbaum. Und wir können es als Hauptmotiv in unzähligen chinesischen Werke finden. Ist Pflaumenkult ein Tor zu chinesischer Ästhetik?

Pflaumenbaum blühen im späten Winter und im frühen Frühling. Seine Blüte verkunden das Klopfen des Frühlings im chinesischen Neujahr. Anders als Kirschbäume kann ein Pflaumenbaum erst beginnen Blüte zu zeigen, wenn sie älter sind. Rosetsu malt einen älteren Pflaumenbaum, dessen Stamm bereits von Würmer zerfressen ist. Die Aste sind gebogen. Aber wenn der Ostwind weht, vergisst er nicht zu blühen. Er ist der Einzige in den kalten Tagen seine Blüte öffnet. Diese Eigenschaft macht er zu einem Symbol von Aufrichtigkeit und Stärke der Willen. In seinem Bild wachsen die Zweige ausschließlich nach oben – anders als die Kirschblüten. Die gebogenen Zweige symbolisieren den Widerstandscharakter und die Einfachheit des seins. Die Blüten wollen nicht gefallen. Sie blühen weil es die Zeit ist. Wenn der Ostwind weht, auch wenn man gezwungen wurde zu biegen, ist die Zeit, die Botschaft zu verkunden. Es ist die Zeit zu gehen, wenn es so weit ist. Ein alter Baum, der im Frühlingswind voll blüht – ist eine Botschaft von I-Ching (Yijing) und ebenfalls ein Zen-Kuan (Guan).

Schüler fragte dem Meister Da Chengshan Mönch, „Was passiert, wenn ein alter Baum den Frühling begegnet?“ Meister antwortet, „Selten gibt ein Baum nicht auf.“ Selten gibt ein Baum auf, wenn der Frühling ankommt! Wenn Hoffnung kommt, gebe nicht auf.

Wenn Hoffnung kommt, gebe nicht auf. Das verkundet der blühende Pflaumenbaum. Durch diesen zugeschriebenen Charakter wurde die Pflaumenblüte zu einem Kult seit Song-Dynastie. Die oft politisch unterdruckten Intellektuellen verwenden das Motiv in der Dichtung und Malerei. Ebenfalls auch in den Teatoys, die sie gerne als Lebensstil verwenden. Sie durften nicht klar sagen, wie sie sich fühlten und klagten, so dass sie sich oft als ein fast verdörrter Pflaumenbaum angeben, der auf den Frühling warteten, zu blühen. So ein Kult hat natürlich mit der gepflegte chinesische Ästhetik zu tun, die aus einem Zeitgefühl die Phänomenen der Vergänglichkeit betrachtet. Nicht beeindruckt von Auf und Ab, nicht verwickelt in der Vergänglichkeit und Aufrichtig zu eigenem Standpunkt zu stehen sind die Aussagen aus einem anderen Standpunkt aus der Ewigkeit die Welt zu betrachten. Das Momentane ist vergänglich. Das Ewige ist in uns!

In nächsten Beitrag möchte ich über den besonderen Vorstellung von Duft des Pflaumen erörtern und den Zusammenhang von dem Duft (eigentlich duftlos) zu Ping-Dan Ästhetik zu verdeutlichen. Sehr wahrscheinlich beim übernächsten Beitrag über die Unterscheidung zwischen Pflaumen-Kult und Kirschblüte-Kult und ihren Hintergrund aus der Perspektive eines japanischen Anthropologin!

吾家洗硯池頭樹,個個花開淡墨痕。

Dort wo mein Reibstein von Kalligraphieübung gewachsen wird, blüht gerade ein Pflaumenbaum. Das ist eine spezielle Sorte und seine Blüten sind voll im schwarz-weiss Pracht.

不要人夸好顏色,只留清氣滿乾坤。

Die Blüten erwarten keinen Lob. Sie wollen nur ihren klären Duft den Raum füllen und so in dem Universum Spuren hinterlassen.

Wang, Mian aus Yuan Dynastie (1349) 王冕, 元。

Ps. Es ist spannend bei dieser Ausstellung in Rietberg-Musuem über die Art, wie Rosetsu sich vorstellt, wie eine chinesische Schönheit ist oder ein chinesische Persönlichkeit. Natürlich darf man nicht übersehen, wie er die Perspektive der Menschen malt, wenn sie zueinander schauen, oder über die Hunde und Vögeln! Ich war sehr berührt am Sonntag.