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Pflaumen-Kult in der chinesischen Ästhetik I

Pflaumen von Rosetsu

Das ist ein ausgestelltes Bild von der japanischen Maler Rosetsu. Im Moment kann man im Rietbergmuseum das Original betrachten.

Weshalb malt der Rosetsu 長沢芦雪 ein Bild von einem alten Pflaumenbaum, der im späten Winter blüht?

Die beiden geposteten Yixing-Kannen von Sun, Chao und von Yu, Jiaojian haben ebenfalls das Motiv von Pflaumenbaum. Und wir können es als Hauptmotiv in unzähligen chinesischen Werke finden. Ist Pflaumenkult ein Tor zu chinesischer Ästhetik?

Pflaumenbaum blühen im späten Winter und im frühen Frühling. Seine Blüte verkunden das Klopfen des Frühlings im chinesischen Neujahr. Anders als Kirschbäume kann ein Pflaumenbaum erst beginnen Blüte zu zeigen, wenn sie älter sind. Rosetsu malt einen älteren Pflaumenbaum, dessen Stamm bereits von Würmer zerfressen ist. Die Aste sind gebogen. Aber wenn der Ostwind weht, vergisst er nicht zu blühen. Er ist der Einzige in den kalten Tagen seine Blüte öffnet. Diese Eigenschaft macht er zu einem Symbol von Aufrichtigkeit und Stärke der Willen. In seinem Bild wachsen die Zweige ausschließlich nach oben – anders als die Kirschblüten. Die gebogenen Zweige symbolisieren den Widerstandscharakter und die Einfachheit des seins. Die Blüten wollen nicht gefallen. Sie blühen weil es die Zeit ist. Wenn der Ostwind weht, auch wenn man gezwungen wurde zu biegen, ist die Zeit, die Botschaft zu verkunden. Es ist die Zeit zu gehen, wenn es so weit ist. Ein alter Baum, der im Frühlingswind voll blüht – ist eine Botschaft von I-Ching (Yijing) und ebenfalls ein Zen-Kuan (Guan).

Schüler fragte dem Meister Da Chengshan Mönch, „Was passiert, wenn ein alter Baum den Frühling begegnet?“ Meister antwortet, „Selten gibt ein Baum nicht auf.“ Selten gibt ein Baum auf, wenn der Frühling ankommt! Wenn Hoffnung kommt, gebe nicht auf.

Wenn Hoffnung kommt, gebe nicht auf. Das verkundet der blühende Pflaumenbaum. Durch diesen zugeschriebenen Charakter wurde die Pflaumenblüte zu einem Kult seit Song-Dynastie. Die oft politisch unterdruckten Intellektuellen verwenden das Motiv in der Dichtung und Malerei. Ebenfalls auch in den Teatoys, die sie gerne als Lebensstil verwenden. Sie durften nicht klar sagen, wie sie sich fühlten und klagten, so dass sie sich oft als ein fast verdörrter Pflaumenbaum angeben, der auf den Frühling warteten, zu blühen. So ein Kult hat natürlich mit der gepflegte chinesische Ästhetik zu tun, die aus einem Zeitgefühl die Phänomenen der Vergänglichkeit betrachtet. Nicht beeindruckt von Auf und Ab, nicht verwickelt in der Vergänglichkeit und Aufrichtig zu eigenem Standpunkt zu stehen sind die Aussagen aus einem anderen Standpunkt aus der Ewigkeit die Welt zu betrachten. Das Momentane ist vergänglich. Das Ewige ist in uns!

In nächsten Beitrag möchte ich über den besonderen Vorstellung von Duft des Pflaumen erörtern und den Zusammenhang von dem Duft (eigentlich duftlos) zu Ping-Dan Ästhetik zu verdeutlichen. Sehr wahrscheinlich beim übernächsten Beitrag über die Unterscheidung zwischen Pflaumen-Kult und Kirschblüte-Kult und ihren Hintergrund aus der Perspektive eines japanischen Anthropologin!

吾家洗硯池頭樹,個個花開淡墨痕。

Dort wo mein Reibstein von Kalligraphieübung gewachsen wird, blüht gerade ein Pflaumenbaum. Das ist eine spezielle Sorte und seine Blüten sind voll im schwarz-weiss Pracht.

不要人夸好顏色,只留清氣滿乾坤。

Die Blüten erwarten keinen Lob. Sie wollen nur ihren klären Duft den Raum füllen und so in dem Universum Spuren hinterlassen.

Wang, Mian aus Yuan Dynastie (1349) 王冕, 元。

Ps. Es ist spannend bei dieser Ausstellung in Rietberg-Musuem über die Art, wie Rosetsu sich vorstellt, wie eine chinesische Schönheit ist oder ein chinesische Persönlichkeit. Natürlich darf man nicht übersehen, wie er die Perspektive der Menschen malt, wenn sie zueinander schauen, oder über die Hunde und Vögeln! Ich war sehr berührt am Sonntag.

Das Herz öffnen

Fortsetzung zu dem vorherigen Beitrag.

Das Thema “ Sich zur Welt zu öffnen“ wird man in der chinesischen Kultur als Herzensöffnung beschrieben. Das ist nicht nur ein chinesisches Thema, sondern ein anthropologisches – es wird in jeder Kultur behandelt.

Durch meinen Beruf habe ich stets mit Menschen zu tun. Die Menschen die Shui Tang besuchen sind ein Spiegel meines Herzens. Wenn ich ihn als lieb betrachte, ist er lieb. Wenn ich ihn verteufele, ist er ein Teufel. Trotzdem will ich es nicht immer wahrhaben und behaupte lieber, „Zum Teufel!“ Es ist immer besser, dass ich der Opfer bin und jemand draußen falsch ist.

Wenn ich „böse“ Kommentare lese oder höre, bleibe ich auch nicht unberührt – genau so wie von Lob zu hören. In Grunde genommen sind beide Geschichte gleich. Das Zusammenprallen von Fremdbilder und Selbstbilder ist keinem angenehm. Das Einzige, was mir hilft, ist mich an ein altes ägyptisches Bild zu erinnern.

Das Auge wird abgebildet in einem Spiegel. Unten im Spiegel beim Henkel ist mit Papyrus und Lotusblüte verziert. Das Auge ist der Spiegel unserer Seele und ist ebenfalls das Fenster unserer Seele zur Welt. Papyrus bedeutet, grün, frisch und gedeihen und ist das alte ägyptische Symbol von Herzensöffnung. Ganz unten beim Henkel blühen die Lotus – Symbol von Regeneration und Auferstehung. So wie das Gott der Sonne sitzend im Lotus geboren wurde – wird unser Auge im Spiegel jeden Tag neu geboren (wie die Sonne jeden Tag erneut aufgeht), um mit frischen Augen diese Welt zu erkunden.

Das, was wir sehen, ist nicht immer wahr. Das, was nicht gesichtet wird, ist nicht selten wahrhaftig. Wie sehen wir uns, wie sehen wir andere. Was sieht man in seinem Herzen? Wodurch siehst Du den Anderen – siehst Du nicht im Grunde genommen Dich selbst?

Meine Arbeit in Shui Tang ist eine ständig Herzensöffnungsarbeit! Auch wenn es nicht immer gelingt – ich bin nun Mal ein gewöhnlicher Menschen, auch wenn es wie Sisyphus aussieht, sehe ich immer wieder eine kleine Entwicklung, immer ein bisschen tiefer in das Unbewusste und glaube, dass alles sich zum Guten wendet!

Möge das Herz frisch bleiben und durch die ständige Erneuerung Früchte aus unseren inneren Garten tragen.

So weit zu dem Motiv Lianzhu-Kanne aus alter chinesischen Kannen-Kunst!

愛蓮 Lotus-Kult, Ästhetik von „平淡Ping-Dan“

Fortsetzung zu dem vorherigen Beitrag.

Der berühmte Dichter 周敦頤 Zhou, Dunyi (1017-1073) ist wahrscheinlich der berühmteste Liebhaber von Lotus. Er schrieb, „Chrysathemen sind der Einsiedler zwischen den Blumen. Nach Tao, Yuanming hört man selten, dass Chrysthamen noch gelobt wird. Seit Tang-Dynastie sind Päonie der beliebteste Blume für die Allgemeinheit. Aber ich schätze Lotusblüte am meisten. Sie kommen aus dem Schlamm hervor ohne verschmutzt zu sein. Sie bleiben rein und unauffällig, wenn man sie gereinigt hat. Sie sind innerlich leer und hat keine Knote und Abzweigung. Der Duft ist unauffällig, aber man kann trotz der Entfernung ihn wahrnehmen. Sie stehen aufrichtig an Ort. Man kann sie nicht willkürlich pflücken (weil sie im Wasser stehen) und nur aus der Distanz ihre Schönheit bewundern!“

Diesen Text in originalen alten Chinesisch musste ich in der Schule auswendig lernen. Vor dem die letzten zwei Sätze „Nicht aus der Nähe anschauen und pflücken, nur aus der Distanz bewundern“ prägen unsere ästhetische Erziehung.

Schönheit kann man nur aus der Distanz betrachten.

Schönheit ist aufrichtig und schlicht.

Schönheit ist nicht gefällig und nicht einfach zugänglich.

Dieses Schönheitskonzept ist meine Grundlage für Shui Tang. Es ist auch mein Verständnis für Menschen und Tee.

Wir haben Menschen um uns, die uns wichtig sind. Trotz dieser Nähe und Bewunderung will Respekt gepflegt werden. Ein schön gemachter Tee ist wie ein guter Freund – er ist nicht dafür da, um mein Leben zu verschönern oder mich zu bestätigen. Er hat seine Daseinsberechtigung – auch ohne mich. Unsere Beziehung ist eine Eros-Beziehung. Man nährt sich aneinander, sucht die richtige Distanz und baut einen Brücke auf. Er regt mich an, zu denken, zu reflektieren und zu gestalten, so dass das Schöpferische in uns lebendig bleibt. Tee ist ein guter Freund. Eine schöne Teekanne ebenfalls.

Zhang, Guliang schrieb, dass er etwas ausdrücken will, von seinem Verständnis über Sein. Das Sein ist klar, schlicht und rein. So fielt ihm Lianzhu Form auf, dass er zwei Kanne von zwei Aspekt des Lotussamen zu Sprache bringen will. Rund oder Oval – es ist nur eine Unterscheidung von Augen und das gleiche Sein von SEIN!

Klar, Schlicht und Rein sind Charaktereigenschaft der chinesischen Ästhetik, Ping-Dan. „Ping-Dan“ druckt das chinesische Zeitgefühl von Yijing aus, eine Zeit der Ewigkeit. Dieser Zustand unterscheidet sich von dem Zeitgefühl der Wabi-Sabi. Ich hoffe, ich habe Möglichkeit weiter über das Thema zu schreiben. Die Ästhetik der Yixing Kanne-Kunst bieten eine gute Aussicht.

Dai Keramik gehört zu dem besten Beispiel von der alten chinesischen Ästhetik: archaisch, einfach und ehrlich.

Die erste Teekanne im Leben

Die erste Teekanne, der Anfängergeist.

Für unser Teekonzert üben die Teefreunde ganz fleissig. Bei jedem Mitmachen lernt man immer ein Stück mehr über Tee, manchmal auch ein Retrospektive über den eigenen Teeweg.

Das schwierigste bei Teetisch Gestalten ist, was für Kanne und welche Teetassen! Wie passen die Sachen zusammen und wie bringe ich alles zu einer inspirierende Landschaft. Manchmal entdeckt man die Gewohnheit, die man selbst angehaucht hat und dachte, dass man es von Meng-Lin gelernt hätte. In solcher Auseinandersetzung und Übungen wird der Teegeist erfrischt.

Natürlich lässt nicht jeder von mir korrigieren, weil man den eigenen Kopf hat. Es ist nicht immer angenehm für mich, in solcher Situation ruhig zu bleiben, aber es ist eine gute Übung, zu lernen, Abstand zu nehmen. Jeder Teilnehmer nimmt ein Stück seine eigene Geschichte mit, die mit mir nichts zu tun hat. Und das sollte so blieben.

Oft unterhalten wir, wie gehen wir mit der Form der Kanne um, oder welche Form wäre besser für diese Landschaft, die man gerne präsentiert. Sehr oft merkt man, dass die erste Teekanne, die man kaufte, nicht immer die ideale Kanne ist, für den weiteren Teeweg oder für solche Anlässe. Bedeutet es, dass es falsch war? War es ein Fehltritt?

Simon schickte uns Fotos von seiner ersten Teekanne in Shui Tang und seiner ersten Kollektion von Holzofen Brand von Künstler Chen, Xuanheng. Ich sehe in seiner Kollektion ebenfalls meinen eigenen Teeweg und den Künstler Weg von Chen. Ich sehe, was für Kanne ich damals erwerben konnte und im Vergleich mit denen, was ich heute in Shui Tang anbot. Wie ursprünglich und mit welchem Anfängergeist, Chen seine Werke formte! Was für gute günstige Yixing Kanne noch auf den Markt zu erwerben gab und was für Fake man heute auf dem Markt überschwemmt. Zehn Jahre Shui Tang, Zehn Jahre Wohlstand chinesischer Gesellschaft. Die Veränderung ist stark.

In seiner Kanne ist ein Heuschreck abgebildet. Die Schrift kann ich leider nicht gut lesen. Heuschreck, Chan. Das wird häufig als Symbol von Zen (Chan) in der bildenden Kunst angewendet. Wusste Simon damals schon, dass er mit seinem Zenweg beschreiten wollte? War es ein Zeichen?

Teekanne erwerben ist oft wie ein Orakel….

Die erste Kanne ist ein Meilenstein und immer der Ruf unserem Anfängergeist. Wir haben oft von ganz unten angefangen. Ich habe mit Tetley Teebeutel meinen Teeweg begonnen. Muss ich mich schämen? Muss man schämen, wenn man eine ganz banale Kanne kaufte, als man noch gar keine Ahnung hat? Nein. Das ist ein Stück der schönen Erinnerung vom Anfänger!

Yixing Kanne Typ „Dezhong“德鐘壺

Dezhong ist eine typische traditionelle Form für Yixing Kanne Kunst. Was bedeutet Dezhong?

De, Tugend. Zhong, Musik-Instrument.

Das musikalische Instrument Zhong ist wie ein Gefäß, innen ist leer und gibt einen weitreichenden Klang. Dieses Instrument sollte die Tugend loben. Das Loblied erzählt das Gleichgewicht zwischen Stärke und Sanftheit; zwischen dem Expliziten und Impliziten. Diese Balance ist die sogenannte Tugend.

Diese Kanne wird auch als „Zhongde“ bezeichnet. Der Streit um den richtigen Name ist nicht gelegt. Das Einzige, was wir verstehen können, ist die Botschaft einer gelungen „Dezhong“ Kanne – eine ästhetische Erfahrung. Eine ästhetische Erfahrung, die durch Tee trinken mit ihr entstanden und gepflegt wird, bringt den Teeliebhaber näher zu seiner wahren Natur. Unbeeindruckt von aussen, aufrichtig zu sich selbst und zufrieden mit dem, was auf einen zukommt. Aus dieser Zufriedenheit kommt das Gleichgewicht in dem konfliktreichen Alltag.

Shao, Daheng (1796-1861) hat diese Form entworfen. Seine bekannteste Dezhong Kanne ist aus Tianqing (himmlische blaue Tonerde).

Man Shan, Wasser schwemmt zum goldenen Berg

eb05cea3-c021-40fc-8d6f-4470b7181be8Wie jede Künstler-Kanne hat diese Kanne Man Shan auch eine Entstehungsgeschichte. Künstler Chen, Hao, gehört zur akademischen Schule vom Meister Zhang, Zhengzhong. Er war in einem Theaterstück „Bai She Zhuan“ – eine Liebesgeschichte zwischen einer zu Menschen verwandelten Schlange, die seit Tausendjahren ein spirituelles Praxis hatte und einem schönen jungen Konfuzianern. Die beiden verlieben sich, aber ihre Liebe ist von der Konvention nicht erlaubt – eine Liebe zwischen Menschen und Nicht-Menschen. Mönch Fa Hai sperrte, damit diese Liebe wegen der Trennung scheitern konnte. Die weisse Schlange Suzhen schwemmt das Wasser den goldenen Berg, um ihren Mann zu befreien und ihrer Liebe einer Chance zu geben. Ihr Mann wurde frei, sie wurde vom Mönch eingesperrt.

Der Schnabel erinnert uns an die Beweglichkeit eines Schlange und ebenfalls an das Erscheinungsbild. Die Kurve korreliert ebenfalls an die Welle des Wassers. Die Wellen in Kanne ist durch eine aufwendige Einlegearbeit – Intarsien durch Duanni von Yixing. Das Wasser schwemmt, die Welle brandet, während die Liebe zu einer heftigen Sehnsucht umschlägt. Die Sehnsucht ist eine hilflose Sucht. Suzhen, die leidende Frau konnte den Tempel nicht überschwemmen, auch wenn ihr Gefühl stark und ihre Liebe aufrichtig waren. Der Berg, der als Symbol der Dualität von Moral symbolisiert, ist nicht zu besiegen.

Wie ist die Geschichte zu Ende gegangen? Es wurde erzählt, dass die Suzhen Jahrzehnten unter der Sperrung von Goldenen Berg war – unter einem Pagode. Ihr Sohn kam nach einer erfolgreichen Beamtenprüfung beim Kaiserhof zurück, um seine Mutter zu retten. Er hielt eine Zeremonie vor der Pagode und die Mauer fiel. Die Familie ist wieder vereint. Auch das Wasser und der Berg. Auch die Liebe und Moral!

Wiederentdeckung in Sanxia

Der Weg ist steil, rutschig und bedeckt. Hast Du Angst vor Schlangen? Das muss du haben.

Am Abend sollte man nicht einfach hier spazieren. Nach dem Regen auf keinen Fall hier erscheinen. Hier ist die pure Natur, kein Park. Natur voller Unberechenbarkeit!

Mit meinen falschen Schuhwerk lief ich nur mit Vorsicht weiter. Aber die Luft, die Geräusche und die Vegetation berührten mich. Kühl, süß und frisch duftet es.

„Meng-Lin, komme hoch!“ rief mein Lehrer! „Damit Du ein Foto hast – Du und die Bäume! “

Damit ich glaubwürdig wirken im Web!