Archiv der Kategorie: Tea-history

Wozu Keramik III

Warum versucht man nicht, einfach etwas fröhliches auf eine Schale zu dekorieren? Sondern ein Blatt? Ein grünes Blatt auf der Oberfläche zu kleben und anschliessend im heissen Ofen brennen zu lassen, ist nicht eine gewagte Geschichte?

Es ist gewagt.

Eine Schale aus Meissen Porzellan mit farbhafter Porzellanmalerei kostet sogar mehr wegen Meissen. Für viele Menschen ist ein feines Porzellan sogar etwas wertvoller als dunkle unauffällige dickwandige Keramik.

Das stimmt alles. Eine Seite zeigt diese Äusserung von Menschen, die bunte fröhliches Leben zelebrieren wollen. Anderseits wurde ein Skelett eines Blattes auf eine schwarze Schale die Orientierung von der sogenannten Wabi Sabi japanische Ästhetik. Die Vergänglichkeit des Lebens, die oft Leiden und Konflikte hervorrufen wurde unmittelbar zur Schau gestellt.

Einmal fragte ich dem Professor, der eine Vorlesung über Vajra-cchedika-Prägnanz-paramita- Suta, wie kann Darstellung von leider zu einem ästhetischen Konzept? Er antwortet mir, dass Kunst die umfassenden menschliche Erfahrungen zum Ausdruck zur Reflexion versucht, nicht um das Leben zu unterhalten. Realisieren von Leiden ist Anfang des Buddhasweges. Das ist der Anfang der Wabi Sabi Ästhetik. Keine Selbstdarstellung des Ichs.

Can Ye Tian Mu, ist in diesem Sinn entstanden und bekam eine grosse Resonanz bei den chinesischen Teeliebhaber in Song Dynastie (1127-1279).

Die schwarze Hintergrund kommt aus der Mischung von eisenhaltiger Erde mit verschiedenen Asche aus dem Alltag. Eine andere Methode von Can Ye Tian Mu zu produzieren ist ein Blatt sorgfältig zu gravieren. Solche Werke zeigen die Kunstfertigkeit eines Künstlers,

Ein Blatt auf der Schale ist hier kein Ornament. Es wird zu einem Ornament dekodiert, wenn der Betrachter das Wahrnehmungsvermögen bzw. Bildung nicht zur Verfügung hat.

Leider gibt es solche Menschen heute einige.

Wer hat Tee geklaut?

Dank Gabriele bekomme ich diesen interessanten Film über den Teeweg. Der Weg des Tees in die Welt.

Wer hat was geklaut? Es hört sich so an, als ob etwas von etwas zuhörig sein müsste!

Gehört der Tee Chinesen, dann gibt es tatsächlich einen Dieb.

Gehört der Tee den Liebhabern auf der Erde, dann gab es tatsächlich jemand, der der Weltgeschichte bereichert.

Im Grunde genommen können wir nie etwas anhand von Handbuch verurteilen. Das Motiv entscheidet oft nicht das Ergebnis. Das Ergebnis gibt uns selten ein vollständiges Bild. Der Weg (der Prozess) verrät manchmal mehr.

Viel Vergnügen.

http://www.arte.tv/guide/de/057399-000-A/die-abenteuer-des-robert-fortune

Celadon wartet 遇見青瓷

Der Himmel beschmückt von weißen Federn. Es war ein spät sommerlicher Tag. Wir fingen mit unserer ersten Stunde des Gongfu Cha III mit dem Besuch in Rietberg Museum an. Hier wollten wir uns mit dem Gefässen besinnen, die uns eine Geschichte erzählen oder etwas offenbaren?

Tao Tie wartet als Erster auf uns. Seine ausdrucksstarke Augen verewigt auf dem Bronzen-Gefäss starrten uns an. Gepaart von den Wellenmuster wirkten seine Horner immer noch furchterregend und mächtig. Wen sollst Du beschützen und wen sollst Du vertreiben? Tao Tie, das dämonische Wesen, das alles frisst, selbst seinen eigenen Körper. Ausgerechnet er ist sehr wahrscheinlich das mythische Wesen Shen Nong, der Tee entdeckte. Es war einmal… Shen Nong kocht das Wasser unter einem großen Baum als ein Regenbogen im Himmel glänzte. Das Wasser kochte, das Feuer brannte und es kam in diesem Moment eine Brise. Der Wind unbeabsichtigt wehte, während paar Blätter beabsichtigt ins Wasser runter fielen. Es war wahrscheinlich der erste Gongfu Cha.

Der Regenbogen ist zu sehen. Der Wind bleibt immer noch unsichtbar.

Wer weiß wie lange der Baum bereits dort stand? So lange um Sheng Nong zu begegnen? So lange um Tee die Tür in die Welt zu öffnen?

Wer weiss? Wir spazierten durch die schön ausgestellten Werken von Celadon. Vasen, Kopfkissen, Schale und Kannen. Eine Päonia lächelte. Ich blieb. Sie lächelte auf eine Vase, graviert und unter einem Glasur. Sie steht bereits lange dort. So lange um Dich zu begegnen? Oder mich? Wie war der Anfang? War es die Vase, die den Wunsch hat, zu reisen? Oder die Hand, die sorgfältig die Päonia schnitzte und die Glasur auftrug? Der Duft der Blüte überschreitete. Ich roch es. Er flog über die Ozean und erreichte den Ort, wo Du Dir nicht einmal träumen kannst!

Ah, das Blau! Das war das Geheimnis im Ofen. Kaiser Chai Rong (921-959) bezeichnete Ry (eine Art von Celadon) als die Farbe „das himmlische Blau wenn die Wolken nach dem Regen brechen“. Das Blau wartet immer auf den Schleier von riesenden Regen und Wolken. Ebenso wartet es auf jemanden. Jemand, der ihn zurückholt, aus dem angebeteten Schauplatz hinter dem Glas wieder auf den Teetisch.

Meine Augen lächelten zurück. Der Duft von Päonia schwamm in der Luft.  Das Blau von Celadon wartete. Auf Dich.

Siehe auch den Betrag:

https://charen.ch/2016/07/17/hui-muster-und-tao-tie/

 

 

 

 

Ästhetik von Tian Mu Schale

Man trank im 12. Jahrhundert Tee, der sich von heutigen unterscheidet. Es wurde beschrieben, dass der Schaum beim war und der am besten in einer Tian Mu Schale passt!

Heute mit der Tian Mu Schale, die in Holzofen gebrannt wurde, habe ich einen Tee mit Chagao geschlagen. Meister Yu Yongchul aus Icheon, Korea arbeitet seit drei Generationen als Keramiker und wurde nun als national Handwerker ausgezeichnet. Ich freue mich sehr diese im Europa wenig bekannte Stilrichtung zu präsentieren. 

In dieser archaischen schwarzen Tian Mu Schale fühlte ich mich auf einmal in der Song Dynastie. Mitten von Teefreunde offenbarte durch eine Begegnung ein altes Mysterium!

回紋 Hui-Muster und 饕餮 Tao-Tie

Diese Reise entstanden aus einer Meditation am vergangenen Mittwoch. Ich bildete mir ein, ein merkwürdiges Symbol vor mir wahrzunehmen, das scheinbar aus Antik-Griechenland oder China stammt.

Ich verstehe die menschliche Seelenreise wie die Darstellung von christlichen Labyrinth, das uns zurück zum Gott führt. Man geht auf einem Kreis, der sich in ersten Moment an das Zentrum nährt und dem Herz erfreut. In nächsten Moment entfernt man sich wieder kreisend von Zentrum und das Herz schmerzt. So kreisen wir paar Male hin und her bis wir tatsächlich das Zentrum nähren und doch müssen wir es verlassen. Ein Labyrinth behält den Angekommenden nie. Es führt einem wieder hinaus in die Welt!

Diese endlosen Kreisen erlebe ich selbst in meinem Leben mit Tee.

Man sucht Lösung für das Leben und zieht sich zurück ins Innenschau. Man transformiert es in einem Akt von Umkehrung, wie wir im Gongfu Cha „Füllhorn“ üben. Die äußerlichen Schmerzen und Aggression werden zu inneren Kräfte und Erkenntnisse. Mit diesen Erkenntnisse kehrt man wieder zurück zum Leben.

Es war ein sonniger Morgen. Tim hat seine Matura bestanden und feierte. Ich kam aus dieser fröhlichen Gesellschaft und bekam eine Idee, Rietberg-Museum zu besuchen. Ungestört von vielen Besucher an so einem schönen Sonntag lief ich ahnungslos zur Meiyintang Ausstellung.

Genau beim Eingang stach ein Gefäß in meinen Augen.

Es war Gefäße aus Bronzen von heiligen Bedeutung vor 5 Jahrtausenden.

Es sind rituelle Gerätschaft 禮器, um Opfergabe zuzubereiten. Auf den uralten Gerätschaften vor paar Tausendjahren fand ich das Muster von der Endlosigkeit, was Donner und das Herz von Wellen symbolisieren sollen. Sie zeigen alle auf das Zentrum und sind endlos dargestellt. Dieses Donnermuster 雷紋 heißt ebenfalls 回 Hui-Muster. Hui bedeutet auf Chinesisch zurück, ursprünglich bedeutete das Zentrum von Wasserwellen.

Zurück. Wohin zurück?

Dieses Muster begleiten einem magischen Tierkopf, dessen Hörner genauso aussehen wie das Symbol in meiner Vision. In diesem Tier «饕餮 Tao Tie» sollte ein mythisches Wesen 神農 dargestellt werden, der Tee angeblich entdeckte. Es wurde beschrieben, dass er unter einem Baum Wasser kochte und in jenem Moment fielen paar Teeblätter hinein. So wurde Tee entdeckt.

Man kann sich so vorstellen: Vor paar Tausendjahren wurde ein heiliges Gefäss, dessen mystische Kraft durch den Kopf von Tao Tie ausgedruckt wird, über Feuer gekocht. In jenem Moment donnerte es, so wie das Ritual für Fruchtbarkeit im Frühling wünscht. Der Ostwind wehte unabsichtlich, während paar Blätter aus einem Busch fielen. Sie fielen absichtlich in das kochende heilige (schöne) Wasser.

Das war wohl, der erste Gongfu Cha in der Menschheit.

Tao Tie und Hui Wen

 

Ein Musterli von Matcha!

Shui Tang ist ein cooler Ort für gute Nerven.

Heute gab es eine tolle Geschichte die ich hier erzählen möchte.

Eine Kundin mit Schweizer Akzent und blond.

„Kann man bei Ihnen Matcha probieren?“

„Ja, Sie können eine Schale bestellen.“

“ Nein, ich möchte nur ein bisschen probieren. Der Matcha schmeckt mir vielleicht gar nicht!“

„Wir können Ihnen nicht einbisschen Match schlagen, leider. Außerdem müssen Sie es bezahlen.“

„Haben Sie keine Musterli von Matcha?“

Ich bemühte mich normal zu sprechen, „wir können Ihnen kein Musterli machen. Wissen Sie, Matcha wird im Kühlschrank gelagert und kann rasch oxidiert werden wenn ich Ihnen in Papier Tüte gebe.“

„Das habe ich noch nie gehört!“ 

Ich gab ihr ein lächeln.

Endlich ist die Dame hinausspaziert.

Kunde sind mein bester Meister für das Leben!

唐草紋 Tang Cao, ein Muster das Kulturen verbindet 

Im Gongfu Cha lernen wir nicht nur Tee zuzubereiten, sondern auch vieles über das Spielzeug um Tee. Eins davon ist das Muster an Keramik oder auf Textilien.

Ich weiss nicht mehr wo ich es gelesen habe, dass das Muster in Keramik Geschichte erzählen. Sie hatten einen Ursprung von kollektivem Gedächtnis, damit die Identität eines Volkes nicht verloren geht. Oft fragte ich mich, wissen wir überhaupt, was das Teatoys uns erzählen wollen? Können wir ewig auf der Ebene bleiben, nur aus Schönheit sie zu bewundern?

In meiner jetzigen Taiwanreise reiste ich extra nach Süden um koreanisches Celadon zu entdecken. Nur lediglich durch das Betrachten von der Schönheit würde ich ruhig und spürte einen tiefen Frieden! Es geht tiefer und es ist mehr. Mehr als bloss Schönheit! Ich hoffe, das was ich diesmal lernte und verstand in die nächsten Gongfu Cha Lektionen weiter fliessen lassen kann!


Dieses japanische Muster findet man im Alltag oder im Tee als Teetuch für Teekanne oder als Unterlage. Der Name dieses Muster heisst Karakusa, in Chinesisch geschrieben heisst es Tang Cao, das Blumenmuster aus der Tang Dynastie.


In chinesischen Kulturkreis ist dieses Blumenmuster sehr beliebt. Dort heisst es Juan Cao Muster, wickelnde Pflanzen Muster. Das Muster setzte sich seit fast zwei Tausendjahren durch in Textilien und in Keramik. Nicht nur innerhalb China ist das populär, sondern auch in Korea und Japan! Dort wird es eben als der Blumenmuster aus Tang Dynastie genannt.


Das obere Bild zeigt ein in blau bemaltem Gaiwan aus der Meiji Zeit und genau das Karakusa Muster von einer bestimmten Interpretation von einer bestimmten Blumen, während das untere Bild ein in negative (Yin) Weise gravierte Celadon Schale aus Taiwan Yingge. Beide sind Tang Cao, nur in verschiedener Weisen!

Aber was bedeutet dieses Muster? Kommt es tatsächlich aus China?

Ich studierte weiter. Das Muster existiert bereits seit dritten Jahrhundert in China! Es kam eigentlich aus der Seidenstrasse! Es hiess, es stammt aus Indien. Aber nein, es ist viel älter und viel weiter. Am Ende wusste ich dass es ursprünglich aus Syrien stammte! Syrien! Wiege der Kultur! Dort herrschte Krieg! Dort wird unser kollektives Gedächtnis systematisch zerstört!

Es stach in meinem Herzen als ich es lass. Es ist wahr, dass wir alle viel stärker verbunden sind als wir dachten. Verbunden durch ein Muster!

Juan Cao Muster ( Tang Cao oder Karakusa) bedeutet Wiedergeburt. Das Leben und der Tod sind Themen, die alle Menschen konfrontieren. Es ist eine uralte Erinnerung oder Mahnung eines Gottes durch einen Priester oder eine Priesterin, „Lerne aus der Natur! Werde wie die Acanthus, Lotus oder Wein, sie spriessen aus der Erde voller toten Blättern und nahe am Boden. Unbeirrt setzen Sie sich fort!“ 

Nun weiss ich, dass Juan Cao eine Aufforderung an uns hat. Seine Sprache heisst Lebe!

Welchen Tee sollte ich in diesem Gaiwan oder Teeschale zubereiten, der das Leben zum Singen bringt?