Archiv der Kategorie: Gongfu Cha

Die Spuren des Unsichtbaren sehen?

Fortsetzung zu vorherigen Beitrag.

Dinge aus der Vergangenheit sind selten bewahrt. Die Seltenheit verspricht seiner Exklusivität.

Das Rare enthält oft Charakter und erzählt Geschichte. Selten hören moderne Menschen die Sprache aus der anderen Zeit zu. Das Rare aus der Vergangenheit liegt dann oft im Verborgenen und bleibt unsichtbar.

Das Rare und fast Unsichtbare in einer Kanne zu offenbaren ist Hier bei Frau An ein Versuch eines Teekannemeister- Anfänger. Nur für die Teeliebhaber die Augen für das Unsichtbare haben!

Viele Dinge können wir nur mit Herzen sehen – das wusste schon der kleine Prinz!

Teekannenmeister und seine Kanne

Ich bin ein Anfänger von Yixing Zisha Kunst. Zum Glück bin ich Jie begegnet und kann vieles bei ihm und über ihn über diese grossartige Kunst lernen. Er hat kurz vor dem Jahreswechsel den Künstler Sun Chao, Schüler von Meister Wu Dongyuan, nach Taipei eingeladen. Ich konnte den Künstler persönlich kennenlernen.

In diesem Anlass hatte ich auch Glück das Milieu von Taiwanesische Teekannen – Sammler kennenzulernen. Sie sind fast 100% männlich. Sie wechselten nicht gerne Worte mit einer Frau und blieben lieber unter sich. Eine Ausnahme ist Herr Chen, der vieles mit mir ausgetauscht hat.

Er fragte mich, wie ich Sun Chao finde? Ich fragte ihn zurück, wie ich ihn finden sollte? Er sagte, „zuerst als einen Menschen und dann mit anderen Künstler zu vergleichen. “ Ich sagte, “ Erzählen Sie bitte weiter. Ich höre gerne zu.“ Er holte zwei Stühle und wir sassen vor dem Ausstellungstisch. „Spüren Sie bitte die Innenseite der Teekanne. Diese ist von seinem Meister Wu, Dongyuan und diese ist von ihm aus dem Jahr 2015. und diese Kanne ist von ihm vom letzten Monat.“ Ich legte meine Finger hinein und versuchte seine Worte zu verstehen. Ich bemerkte einen richtigen Unterschied bei den Innenwände der Kanne und Falten. „Merkst Du, dass er Fortschritt macht?“ Ich nickte meinen Kopf. „Haben Sie von ihm etwas gehört, dass er von seinen Fortschritten erzählte?“ Ich schüttelte meinen Kopf.

Ich verstand sofort, was er mir NICHT gesagt hat. „Ich habe eine Teekanne von ihm für mich behalten, die er 2014 gemacht hat.“ Er nickte seinen Kopf. „Ich denke, dass ich noch mehr von ihm erwarten kann. Wie viele Kannen haben Sie von ihm?“ Herr Chen ist zurückhaltend, er zeigte mir paar Fotos. „Die alte Generation ist vorbei und vieles Wissen ist nicht richtig weiter vermittelt. Wir als Kenner, müssen die neue Generation unterstützen. Das ist unsere Aufgabe. Yixing Zisha ist eine grossartige Kunst!“ Ich sah die Funken aus der Zukunft zwischen seinen Augen. Er erzählte mir weiter, „Der Charakter des Künstlers entscheidet seine Werke. Wir müssen vorsichtig sein, welche Künstler für die Zukunft zu unterstützen.“ “ Meinen Sie Ihre Investition?“ Er hat meine Ironie verstanden und lächelte, „Sicher. Ein Künstler mit Zukunft zu riechen bedeutet auch den Erfolg des Sammlers!“

Wir schauten weiter die Teekannen an und ich machte meine Notizen. Herr Chen schaute meine Notizen an und erzählte mir weiter über seine Ahnung und sein Wissen. Ich gab ihm meine Visitenkarte, er nahm sie, gab mir nichts zurück, sagte nur, „Sie wissen, meine Frau ist streng mit mir.“ Ich wusste nicht, ob ich lachen sollte oder?

Als ich gestern mit Jie allein die Teekanne anschaute, fragte ich ihn nach dem Charakter verschiedener Künstlers. Die Kanne von der neuen Künstlerin An (den Beitrag wird demnächst veröffentlicht) hat sehr schön verarbeitete Innenwände, man merkte kaum die Stelle von Henkel und den Ausdruck von Ihrer Statement ist zu stark ( zu voll). Ich fragte ihn, ob sie sich zu viel Gedanke macht? Er nickte seinen Kopf und fragte mich, „Schwesterchen, woher weiss Du es?“ Und diese Kanne ist vor dieser Kanne entstanden?“ Seine Augen leuchteten, „Ja! Ich habe Ihr gesagt, dass sie die Oberfläche zu voll machte und es ist NICHT ästhetisch, wenn der Künstler auf einmal zuviel sagen will.“ Ich sagte, “ Herr Chen hat mir sehr viel vermittelt. Ich muss mich bei ihm bedanken.“ „Ja, es ist mir eine Ehre, dass er unsere Teekanne sammelt. Er hat früher nur Teekannen von meinem Vater erworben. Vor paar Jahren hätte er nie einen Blick auf die neue Generation geworfen!“

„Sun Chao fragte mich, ob seine Kanne Dir gefallen.“ „Ist es wichtig?“

„Sein Meister hat mir gebeten Meinungen zu sammeln. Sun Chao müsse mehr Kritik erhalten damit er Fortschritte machen kann. Sein Meister will dass er mehr Kritik und Tadel bekommt.“

„Oh, das ist sehr Chinesisch, nicht wahr?“

石瓢壺 Shipiao Kanne

幾度花時醉花下,君子恬啜石瓢露。

Die Schönheit der blühenden Pflaumenbaum entzückt mich! Itrinke unter dem Pflaumenbaum gelassen und allein in Shipiao Kanne einen Tee, während die Anderen von Wein berauscht werden.

Kalligraphie „Gehe Tee trinken bei der Müdigkeit“

Von Meister Wu, Dongyuan

Teekanne Zini 350ml

Von Sun, Chao

Tee, Text und Musik von dem Teekonzert am 16.09.2018

https://www.shuitang.ch/blogs/news/teehaus-konzert-eine-schale-tee-zu-den-klangen-der-cellos-1

Lianzhu – Perle von Lotus

Fortsetzung von letztem Beitrag.

Am Montag ist des Vollmondfest. An diesem Tag isst man Vollmond-Kuchen. Traditionell wird eine beliebte Füllung aus Lotussamen hergestellt.

Nach 20 Tage, wenn Lotusblüte verblüht, sind die Samen reif. Pflücker müssen im Wasser stehen, um die Früchte zu sammeln. Alles per Hand schält man die Früchte, die Haut der Samen und den Keim. Eine aufwendige Delikatesse.

In der chinesischen Medizin spricht man Lotussamen eine heilende Wirkung nach. Wenn man die Samen mit verschiedene Kräuter zubereitet, wird die Verdauung gestärkt, Schlaflosigkeit gelindert und Durchfall geheilt. Man darf es allerdings nicht mit Milch und Kaki zusammen essen.

Die medizinische Wirkung ist nicht das, warum man sie als Motiv für eine Teekanne-Kunst nimmt.

Das Motiv Lotussamen als Teekanne ist entstanden aus Ming-Dynastie. Es wurde erzählt, dass die Form der Lianzhu-Kanne sich an die Form von Lotussamen orientiert. Deswegen gibt es Perle-Form, oder Regentropfen-Form (Oval). Die unterschiedlichen Formen widerspiegeln einer buddhistischen Lehre: “ Lotus öffnet das Herz (Lotus symbolisiert Herzensöffnung.) und aus dem Herzen entstehen verschiedene Formen (das Herz hier symbolisiert die Augen – Augen unterscheiden durch das Sehen und nennen verschiedene Formen).“ Aus Lotussamen wird eine Kanne-Form entwickelt. Aus dem Herzen von Künstler entstehen verschiedene Lianzhu-Kannen!

Warum hat der Künstler Zhang hier das Motiv ausgewählt? Weshalb will man Lotussamen in einer Kanne-Form verewigen? Ich möchte es in nächstem Beitrag erzählen.

蓮珠壺 Lianzhu – Lotus Perle

Zhuni Kanne, 100% Yixing Zhuni, Künstler Kanne. 200 ml.

Zhang, Guliang, Schüler von Meisterin Jiang, Yongjun

Nachklang vom Tee-Konzert am Sonntag: Teil II Der Fluss ist das Zählen

Wie bewegt man sich auf den Teetisch?

Wenn man am Sonntag die Gastgeber beobachtet, wie sie Tee zubereiten, sieht man Bewegungen, die im Fluss oder im Stocken verlaufen. Ob die Bewegung im Fluss oder im Stocken verläuft, kann man nicht erzwingen. Es braucht Praxis. Das Praxis setzt eine Haltung von Demut voraus.

Demut ist eine Haltung, die Bereitschaft des Lebens vorbereitet, etwas erleben zu wollen. Ohne diese Haltung können wir nicht fühlen, nicht wahrnehmen, nicht sehen! Wir können nicht sehen, wo wir uns wirklich befinden.

Jeder von uns hofft, ein Gewinner des Lebens zu sein. Das Scheitern begleitet uns allerdings stets auf dem Weg. Wenn ich mein Leben bis heute genauer betrachte, sehe ich die vermeintliche Verlust oder Scheitern den wichtigen Teil von mir bildet. Die Erlebnisse – sei es negativ oder positiv „gären“ im Lauf der Zeit. Sie verwandeln sich zu dem rechten Aspekt zu dem rechten Zeitpunkt, weil sie nie abgelehnt wurden. Sie bekommen einen Raum und werden Ferment meines Lebens, um mich zu erneuern. Trägheit und Gewohnheit entstehen durch das Bedürfnis von Sicherheit. Wenn man sich unsicher fühlt, vergisst man zu atmen, Somit vergisst man zu zählen. Zählen von Zahlen. Paar Zahlen zusammen bilden einen Fluss. Der Fluss der Bewegung, die Energie auf dem Teetisch verteilt.

Wenn die Hände sich nicht bewegen und still bleiben, ist es dann die Zeit, eigenes Durchhaltevermögen zu prüfen. Prüfe, ob wir in der Lage sind, etwas zu erzählen.

Was haben wir zu erzählen? Was will ich durch diesen Teetisch erzählen? Wenn der Komponist sagte, dass der Alishan Buddhas Hand ihn an den innigen Ruf des Volks Shao erinnerte und ihn auf einmal in dem tiefen Wald von Rotzypressen versetzte, entsteht eine Geschichte. Er erzählt sie in seiner Melodie. Wir erzählen sie durch unseren Teetisch und unsere Bewegung.

Der Fluss, die Zeit und das Rad des Lebens – alles auf den Teetisch.

Unsere Hände bewegen sich wie der Fischschwanz. Der Raum wird energetisiert, so wie Fische das Wasser mit Schwanz beleben.

Der Fluss von Bewegung ist das Zählen und ist unser Rhythmen. Wir schauen zum Beispiel eine Tasse vor uns und zählen bis fünf, bis wir die Tasse in der Hand halten können. In dem Moment, wenn wir die Tasse halten, warten wir eine Sekunde – wir zählen fünf und sechs. Wir zählen danach weiter bis zehn, wenn wir die Tasse zu Lippen bringen. Eins bis fünf. Sechs Pause. Sieben bis zehn – ein Kreislauf ist zu Ende. Das ist der Rhythmus des Tees. Den Takt kann man situativ anpassen.

Natürlich sind die Zahlen nicht willkürlich. Sie haben außer der quantitative Seite noch eine qualitative. Das heißt, Zahlen ist ein Brücke zwischen Geist und Materie. Ein Brücker zwischen der Ewigkeit (der Geist) und der Zeit (phänomenale Welt – die Materie).

Tee Trinken als eine praktische Tätigkeit kann ein Sprungbrett für MEHR. Aber viele bleiben auf diese verführerische funktionale Ebene, sei es wie ein Show, sei es wie ein Können – es geht für viele um eine Selbstdarstellung des Egos. — Und wie ist es bei mir?Ich habe hier zwei Aufgabe zu üben: Mitgefühl (anstatt Mitleiden!) für die Unvollkommenheit des menschlichen Seins und Vertrauen in das, was uns verbindet.

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Doppelmandalas auf den Teetisch: das Rad der Ewigkeit trifft das Rad der Zeit. Das Bild als Denkanstoss für interessierte Menschen auf den Teeweg.

Nachklang vom Teekonzert am Sonntag, Teil I: Das Schweigen im Teekonzert

Nach dem Teekonzert am vergangenen Sonntag bekam ich vieles zum nachdenken. Zuerst über die Ernsthaftigkeit des Teilnehmers.

Niemand traut sich zu lachen, zu sprechen und zu fragen. Alle waren ernst.

Für mich geht es nicht um das, ob es richtig oder falsch ist. Für mich geht es darum, zu verstehen, was bedeutet dieses Schweigen während des Tees und der Musik?

Wie war es denn eigentlich im alten chinesischen Teehäuser? Wie war es bei dem Theater und Konzerten im Mittelalter oder bei Barock? Die Leute haben geknabbert, geschwatzt und gelacht. Tee erheitert! Eine heitere natürliche Atmosphäre!

Ich meine nicht, dass man laut sprechen und stark lachen muss. Aber eine gewisse Gelassenheit und Natürlichkeit anstatt ernsthafte Stille! Zu ernst, um zu leben.

Heute kam Michi zu Besuch und wir unterhielten uns über den Begriff Natürlichkeit. Er entschuldigte sich, dass er sich seit langer Zeit nicht zeigte. Ich sagte ihm, dass eine natürliche Verbindung keine Entschuldigung braucht. Er ist frei. Er erwiderte, was ist denn natürlich? Ich meine mit “ Natürlichkeit“ ein qualitatives Aspekt. Nicht Materie. Natürlich ist, so wie es ist. Ohne künstliche Bemühung. Das gefällt mir am besten! Er fragte, gibt es so etwas in der Welt? Ja, wir müssen es nur leben!

So wie es in Gongfu Cha, den eigenen Rhythmen wahrzunehmen und leben. Ganz natürlich ohne Bemühung.