Archiv der Kategorie: Tee, Wein und Whisky

Inspiriert von Oolong

Nico arbeitet als Barkeeper in Zürich, ist Informatik-Student und lernt seit einem Jahr intensiv Tee. Tee, nicht nur Gongfu Cha, auch Cha No Yu.

Inspiriert von Tee und nach dem Dong Ding Seminar versucht er in seinem Blog etwas schönes über Oolong zu schreiben. Euch wünsche ich viel Vergnügen!

http://bartending.ch/oolong-tea/

Champagne Jacquesson

Champagne Jacquesson

Dann erzählte Roger mir, dass der Champagne eigentlich eine Summe erlesenen Weine aus verschiedenen Jahrgänge resultiert. Der Wein braucht vielfältige Möglichkeiten, um ein vielschichtiges Getränk zu werden! Heute macht man Schaum nur aus einem einzigen Jahrgang.
Das ähnlich habe ich bei Sencha und Gyokuro auch gehört. Früher hat man Grüntee mit alten Jahrgängen gemischt, damit der frische Tee harmonisch wirkt. Der Geist unserer Gesellschaft ist anders geworden.
Als er mir davon erzählte, lachte ich über mich selbst. Auch das „Ich“ ist ein Ergebnis von sehr sehr vielen Jahrgänge, die in mir gären. Eine gute Flasche Champagne ist wie ein Mensch!

Champagne Jacquesson

Champagne Jacquesson

Roger, Charlotte und ich feierten für die guten Nachrichten in diesen Tagen und knallten eine Flasche Champagne!
Sehr schöne Perlenlage, dezente fruchtige und florale Note, edel und tiefgründig.
Ich liebe den besonderen Abgang. So balsamierend und nachhaltig, dass ich sofort an Tie Guanyin Anxi dachte!
Eine Flasche, auf die ich mich immer freuen würde!

The Piano has been drinking

The piano has been drinking, my necktie is asleep
And the combo went back to New York, the jukebox has to take a leak
And the carpet needs a haircut, and the spotlight looks like a prison break
And the telephone’s out of cigarettes, and the balcony is on the make
And the piano has been drinking, the piano has been drinking…

And the menus are all freezing, and the light man’s blind in one eye
And he can’t see out of the other
And the piano-tuner’s got a hearing aid, and he showed up with his mother
And the piano has been drinking, the piano has been drinking
As the bouncer is a Sumo wrestler cream-puff casper milktoast
And the owner is a mental midget with the I.Q. of a fence post
‚Cause the piano has been drinking, the piano has been drinking…

And you can’t find your waitress with a Geiger counter
And she hates you and your friends and you just can’t get served without her
And the box-office is drooling, and the bar stools are on fire
And the newspapers were fooling, and the ash-trays have retired
‚Cause the piano has been drinking, the piano has been drinking
The piano has been drinking, not me, not me, not me, not me, not me

Es muss ein schlechter Ruf sein, wenn eine Teehändlerin immer Champange, Whisky und Kaffee geschenkt bekommt!
Ich geniesse meinen schlechten Ruf.
Roger brachte mir eine Flasche Swiss Whisky aus Elfingen. Ich roch an der feinen klaren Flüssigkeit und an dem sauberen Korken. Sauer, klar und typisch, ich roch Malz, Holz und es ist scharf.
Scharf und sauber – ich gab unverschämt meine Kommentare, dass es mich an die Jungfrau Königin Elisabeth I erinnert. Der saubere Geschmack gefielt den Runde sehr gut. Für mich ist er jedoch einfach zu sauer, zu schweizerisch und zu — Ach, eben Jungfrau Königin.
Gerne packte ich die Flasche aus, die Björn mir schickte: Ardbeg, The Ultimate. Ein Reichtum von Gerüche und Intensivität an Geschmack versetzten mich in eine andere Welt. Es ist nicht sauber, nicht nachvollziehbar und unklar. Es ist vielschichtig, verwinkelt und voller Rauch. Der Rauch kann selbst der Rausch sein! Wer will denn schon immer nachvollziehbare Geschichte hören? Ich will doch nicht ein sauberes erkennbares Gesicht haben. Was stört einen, wenn Mehrdeutigkeit mehr Raum und Spannung verschafft? Unsere Welt ist bereit so wie sie ist mehrdeutig, inkohärent und voller Brüche. Weshalb träumen wir noch von einer Schweiz, die nur „die Schweizer“ gibt – ausser SVP?
Ich hörte in jenem Moment sofort das Blues von Ravel. In einem verrauchten Pianobar kehrte ein Mann zurück. Was hat er hinter sich gebracht? Er war erschöpft und sein Herz schien verletzt zu sein. Ist dieser Ort der Ort seiner Sehnsucht? Findet er seinen Frieden? Was kann noch alles passieren? Ich sehe es nicht genau, weil es verraucht war, weil ich selbst wahrscheinlich im Spiel war.
Roger konnte diesen Ardberg nicht vertragen. Er würde den Whisky aus Elfingen bevorzugen. Charlotte nickte ihren Kopf. Er packte sein Handy aus und zeigte mir ein Lied von Tom Waits – The Piano Has Been Drinking.
Roger klagte Schmerzen wegen Whisky. Ich bereite ihn den wertvollen 1980 Huangyin zu. Der geschmeidige Aufguss wirkten wie heilsame Tropfen. Sie flossen wie Seide in die Kehle und beruhigte sofort die klagende Zellen. Ich weiss, weshalb manche Wanderer süchtig sind nach Pu Er, vor allem nach dem alt gelagerten Pu Er. In diesen rubinroten Tropfen begegnen wir eine Welt von absoluter Zeitlosigkeit – Wir sind angekommen – auf dieser absoluten Ebene – egal wo wir uns tatsächlich befinden.
Wer ist denn wirklich im Rausch? Der Heimkehrer, das Piano oder ich?
Wer ist denn wirklich der Gast? Der Tee oder ich?
The Piano has been drinking, not me.

Bunnahabhain (peated), 13 Jahre alt, Circle

Bunnahabhain (peated), 13 Jahre alt, Circle

Als ich zum ersten Mal Bunnahabhain (peated) zur Nase bekam, lief ein Strom durch meinen Körper. Nur zur Nase, nicht einmal zum Mund. Steffi reichte mir auch noch dazu Springbank 1997. Meine Nase roch den leicht rauchigen Springbank und mein Herz war bereits bei dem Bunnahabhain.
Wie kann ich denn diese Begegnung mit Bunnahabhain beschreiben?
Es war eine regnerische Nacht in dem Bergen voller Kiefer und Hinoki. Das Tropfen wärmte mich und sein Echo – leicht rauchig, harzig, weich, samtig – versetzte mich nach Sanzenin 三千院 bei Kyoto. Im Garten vom diesen alten Tempel stand ein prächtiger Kiefer. Seine Farbe bleibt immer treu grün. In jenem Moment glaubte ich wieder in diesem Garten zu stehen und hörte den Wind, der zwischen den Kiefernadel wehte. Meine Füsse spazierten auf Moos, weich samtig und geborgen. Das Räucherwerk wurde von Wind in die Nase gebracht, rauchig, alt und ruhig. Ich bekam Respekt. Respekt vor dem alten Baum, vor dem alten Tempel und vor diesen alten Tropfen. Auf einmal fand ich glücklich, aich auch ALT fühlen zu können!
Wie fühlt sich denn eigentlich ein alter Baum? Ein Baum, der sich nicht bewegen kann, der immer nur als Zuschauer ist und der nur Wasser einnehmen und atmen kann, kann uns gar nicht mitteilen.
Wie wäre es, wenn ein Wald gibt, so gross wie Uetliberg um Zürich, das nur solchen uralten Tee-Bäume hat? Wie wird dieses Wald riechen? Wie fühle ich mich denn darin? Wie riecht dann so einer Tee aus diesem Wald?
Jingmai Gushu 1999 – ein alt gelagerter Fladen aus dem Wald von alten Bäumen.
Ich roch an dem Fladen. Alt und frisch zugleich. Das Süsse und das harzige zugleich. Der erste Aufguss – ich habe im Moment Lust den Tee sanft zuzubereiten, auch wenn er in meiner Erinnerung anders sein konnte. Er war sanft und weich. Der zweite Aufguss süss und weckend. Der dritte Aufguss tiefer und breiter. Der vierte Aufguss – ich schmeckte das Innen des Baums und die Rinde von rauhen Haut. Ich seufzte.
Ja, ich will ihn immer an einem Tag trinken, wenn es draussen schneit und der Schnee die Strasse beruhigt und wenn ich, von der Kälte getrennt, und mit mir in eins bin.
Dann schaue ich auch wie ein alter Baum die verschneiten Strasse zu. Dann kann ich mich auch wie ein alter Baum fühlen:
Wie viele habe ich bereits gesehen?
Höhe und Tiefe, Auf und Ab… was kann mich denn noch bewegen?
Was bleibt an meinem Stamm, wenn der Winter kommt und der Schnee verschmelzt?
Es ist schön, wenn man / Baum so alt ist.
Aber meine Leidenschaft, Liebe und meine Lebenskraft bleiben in mir erhalten.
Jedes Jahr, wenn der Frühling kommt, treiben die neuen Knospe und schreien die Zweige nach Sonne, nach Leben!
Es ist ein Glück, wie ein alter Baum, das Leben zu betrachten und zu leben!

De Ja Vu – Green Spot

Kenne ich Dich? Eigentlich nicht. Aber doch!
Trinke ich Whisky? Eigentlich nicht. Aber manchmal.
Was vermisst man denn eigentlich auf eine Teereise?
TEE! Jiri würde ganz ganz laut schreien. Viele auf unsere Teereise hatten Entzugserscheinung, weil sie zu wenig Tee bekommen!
Was tat man, um diese Entzugserscheinung auszugleichen? Wir tranken Bier und Whisky!

Ich liebe Bier. Manchmal gerne ein Gläschen Whisky, wenn er mir gefällt.
Ich liebe Insel, lebe im Moment auf ein Festland. Immer wieder treibt der Wind mich wieder auf die Insel, ein Ort von Dazwischen. Was haben diese Leute auf eine Insel zu suchen und gar freiwillig selbst eine Insel werden?
Wir waren wie eine kleine Insel, eine Insel des Tees.
In einer regnerischen Nacht bildeten wir eine kleine Insel in einem kleinen Dorf am Bambuswald. Wir tranken Bier und Whisky. Björn lief immer wieder zu Hi-Life (leider kein 7-11) um Suntory zu holen. Suntory – ach, wenn es sein muss. Ich trank ein Gläschen und war nicht sehr angeregt zu sprechen wie in Lost in Translation.
Dann packte die Steffi ihre Wundertüte auf und brachte drei Flaschen Kostbarkeiten.
Sie waren kostbar, so kostbar, dass Steffi auf uns aufpasst, dass wir kein Tropfen zu viel bekommen und sie verschwenderisch schluckten.
Ich roch an die Flaschen und bemerkte was auf mich zukamen. Ein Hauch von…? Venus? Was rutschte bloss aus meinem Kopf? Der Name Green Spot bedeutete mir gar nichts, aber diese Tropfen scheinen mir gar nicht fremd zu sein! Gerne verkostete ich ein, nein – paar Tropfen und war ich auf einmal auf einem wunderschönen Rosengarten. Wer stand am Tor? Eine Schönheit voller Lebenskraft. Sie lächelte voller Anmut. Feminin, anmutig und elegant in ihrer Einfachheit. Die Tropfen ruschte wie Seide einfach unter meine Kehle. Ich wartete. Dann kam das Echo von diesen irischen Green Spot zurück. Auf einmal dachte ich an die Momente, schön sehr sehr lange her – jeder von uns hat es einmal erlebt – wie war es als wir als Säugling die Welt erblickte und unsere Mütter uns die Brüste gaben? Und noch stärker hatte ich das Bild wie das „Satori“ zu erlangen, wenn MAN schöne Brüste küsst! Diese Worte kamen einfach aus meinem Mund und diese Worte „erregten“ allen zu lachen! Die Männer lachten ganz laut und beschwerten sich gleichzeitig, “ Das kann eben nur eine Frau sagen! Wenn wir es sagen, ist es empörend!“
Warum ist es empörend? Was ist daran so teufelisch, wenn schöne Brüste geküsst werden oder umgekehrt?
Es ist doch einfach nur schön!
Steffi schrieb die Kommentare und schickte sie an ihren Vater.
Moses schrieb mir vor paar Tagen und berichtet über diese Whisky:

Tja, der Green Spot Whiskey aus Irland, es werden nur 6000 Flaschen im
Jahr abgefüllt und Deine Aussage über ihn trifft einmalig zu. Sämtliche
Männer in unseren Whiskyabenden legen einen breiten Grins auf und die
Frauen lächeln verlegen….. und kaufen eine Flasche….
mach´ weiter so.

Ich habe keine Kommision erhalten.

Tee im Weinbrand

Tee im Weinbrand

Die Päoniefest wurde aus dem Garten in den Shui Tang verlagert. Prächtige herrliche Päonie wurden geschnitten und paarweise am verschiedenen Orten in Shui Tang ausgestellt. Es regnet zwar draussen, aber die Blumen blühen in uns und zwischen uns.

Zu diesem Fest hat Hannes und Felix sich sehr viel Mühe gegeben, nicht nur fürs Auge etwas anzubieten, sondern auch das Kulinarische.

Shui Tang, Liquid Delicacies, bot seinen Gäste nicht nur feine schöne Tees an, sondern auch Tee im Wein!

Wir tranken den frischen Alishan Hochland 2009 zum feinen Gebäck. Später tranken wir den Alishan 2004 im Weinbrand!

Diese Liquid Delicacies wurde im Kristalglas serviert… 

Foto: 

links Weinbrand natur

rechts Weinbrand inkl. Alishan 2004

Die Farbe ist sichtbar von Tee verfärbt. Und der Geschmack?

Mein Nachbar udo runfte seine Nase – „viel zu stark…“

Herr Suter von Felchlin, „schwer zu identifizieren…“

Zu fremd?

Unsere Gäste tranken den feinen fruchtigen faccettenreichen Tee-Wein fast leer… Wer weiss, was man alles bei Liquid Delicacies erleben kann!