Archiv für den Monat April 2009

Alle Wege führen nach Rom, oft über Umwege

Alle Wege führen anch Rom. Das war der erste Satz, was unser Lehrer nach 11 Tagen Teereise uns schenken wollten. Er sagt ganz klar, dass alle Wege nach Rom führen, leider oft über Umwege.

Wie weit ist die Distanz zwischen Vermissen und Vergessen zu messen?

Wie weit ist die Entfernung zwischen Schmerzen und Erkenntnisse auszumalen?

Wie weit ist die Wahrheit zwischen Deiner und meiner zu rekonstruieren?

Kann man es messen?

Oft geht der Weg über den halben Erdkugel.

Oft passiert der Weg über unsere eignen Leichen.

Noch öfters geraten wir in Panik kurz bevor wir ankommen, denn wir nicht wissen, ob wir es auch wert sind und in der Lage wären, anzukommen. Auch wenn jemand auf der anderen Strassenseite zu Dir winkst, traust Du Dir einfach nicht, die Strasse zu überqueren. Denn die Vergangenheit und Angst vor der Zukunft haben wieder die Überhand genommen.

Am Ende fragen wir alle, wozu Umwege? Warum über den halben Kugel und nicht direkt dort hin?

Ich bin über Umwege zu meinem Lehrer gekommen. Bis heute ist es mir klar, es muss halt so sein. Denn ich bräuchte meine Erfahrungen und Enttäuschung bis ich diesen Menschen sehen kann, so wie er ist.

Nach diesen intensiven Tagen mit allen und mit einem Meister bin ich nun tatsächlich fix und fertig heute angekommen. Meine Reise geht heute nachmittags leider schon wieder weiter. 

Er sagte, dass wir lernen können Tee zuzuhören. Es ist nur möglich, die Sprache des Tees kennen zu lernen, wenn wir unsere Sentimentalität beiseite legen. Nur wenn wir nur die Sprache des Tees zuhören können, kommen wir weiter. Die Sentimentalität sollte dem Poet beim Teetrinken allein lassen.

Er schenkte uns ein Schlusswort. Oft gehen wir über Umwege, um Tee oder eine Wahrheit zu erkunden, denn wir nicht unterscheiden können, was wahr und nicht wahr ist. Aber er ist überzeugt, dass jeder Mensch im Herzen ein klarer Blick hat, wenn jemand die Wahrheit spricht. Wahrheit ist – es ist so wie es ist.

Wir haben das – es ist so wie es ist, in den zwei Tage in Mingjian mit Teeblätter hautnah erlebt. Teeblätter sprechen nur eine Duftsprache, nicht eine andere intellektuelle!

„Obwohl wir nicht die gleiche Sprache sprechen, aber wir sprechen von der gleichen Dinge. Denn wir sprechen mit dem gleichen Code.“ Unser Lehrer schenkte uns diesen Satz zum Schluss der Reise. Tee verbindet uns, unser Herzen und unsere Zukunft.

Da er nicht gerne social lifing macht, wollte er nicht mit zum Schluss-Essen. Seine Frau kam mit und sagte ihm, „Du hast so wie so nicht gerne high-classe-japanisch essen. Du liebst nur low-class. Also Du gehst nach Hause und hole uns (mich und sie) ab.“

Der Meister nickte den Kopf.

Sieben Venus

Wir waren sieben Venus.

Am Sonne-Moon-See landen wir in einem schoenen Hot-Spring-Hotel. In diesem praechtigen Anwesen gibt es eine schoene Spa-Landschaft und ein traditionelles Bad, wo Maenner und Frauen getrennt baden. Alle wollte in das traditionelle Bad gehen anstatt mit Schwimmen-Anzug die modernen Spa-Landschaft.

Als ich in das Bad eintrat, hoerte ich schon entspanntes Lachen und Patschen. Ganz nackt miteinander baden ist im europaeischen Vorstellung nicht gewoehnlich, obwohl man im Europa an das gemischte Saune gewoehnt ist. Das „Nackt vor einander stehen“ erzeugt ploetzlich eine andere Art der Begegnung von entspannender Intimitaet und Gemeinschaftsgefuehl. Eine frische Begegnung auf eine andere Ebene, wo man einfach „nackt“ ist. Was haette man denn noch vor einander zu verstecken? Nichts. Ach, wie schoen!

Wir schwatzten im Wasser oder lagen einfach nebeneinander neben dem Bad, ab und zu gab es Schweigen. Meistens laechelten wir uns in die Augen. Wir waren 7 Venus, entspannt und lustig. Doris sagte, dass sie ihre Familie anrufen moechte, um zu sagen, sie sei im Paradies.

Wir waren im Paradies. Nicht weil wir tatsaechlich keine Sorgen hatten. Sondern weil wir nach paar Tagen Reise-Strapazen nun nichts vor einander zu verstecken haben und einfach miteinander im Wasser zu sein, das Gefuehl, etws Schoenes im Leben miteinander zu teilen!

Man kann sich immer frisch begegnen. Ich bin davon ueberzeugt, dass Menschen sich immer veraendern koennen und ihren Geist wechseln. Auch wenn man Muehe miteinander hatte, koennte die naechste Begegnung anders sein. Menschen bleiben nicht dort wo sie waren. Das gemeinsame Bad ist eben so eine Moeglichkeit, eine neue Begegnung zu ermoeglichen.

Wir rieben gegenseitig unseren Ruecken wie in der frueheren Zeit und eine tiefe Zufriedenheit stand in unserem Gesicht.

Was macht einen Menschen gluecklich? Nicht an eigenen Profit zu denken, glaube ich. Sondern das Gefuehl mit anderen Menschen in tiefen Verbundenheit zu sein…

Nach dem Bad hoerte ich, dass fast alle Maenner auch zum Baden gegangen sind. Anscheinend verschwanden alle Asiaten, nachdem sie gekommen sind. Die Frau meines Lehrers sagte, „Ja, das ist unsere Gastfreundschaft! Weiss Du, wir wollen nicht, dass Europaeer Complex bekommen, wenn sie uns nackt sehen…!“

Wie Taiwanese ueber uns berichten?

http://tnews.cc/049/newscon1_9722.htm

Bei unserem Besuch in Lugu (Luku) wurde unsere Reise Gruppe von Teebauerverband herzlich empfangen. Nicht nur Parlamentarier waren dort, sondern auch Kmera-Team. Obwohl unser Name falsch geschrieben sind, wurden wir von drei Medien-Anstalt unter die Lupe genommen.

Leider sind unsere Jungs viel zu langsam bei blogen. Ansonsten koennte die Teefreunde richtig schoene Fotos von der Reise anschauen… Ich hatte ja nie Zeit zu photographieren!

Ewigkeit

Wie lange stehen schon die Baeumen hier?

Dokumentiert wurden diese Baeumen, die vor mir stehen, 1900 Jahre alt.

Wie lange wuerden sie denn noch leben?

Ewigkeit. Denn ich werde es nie erfahren, wie lange. Mein hinfaelliger Koerper wuerde den Abschied viel frueher nehmen…

Alishan ist nicht nur beruehmt fuer den Hochlandstee, eigentlich ist Alishan beruehmt fuer seine Kopfjaegger und seine starke alte Baeumen. Die Kopfjaegger sind inzwischen zivilisiert und baut sogar Tee an. Die alte starke Baeumen stehen meistens in Japan in ihren Tempel. Heute stehen noch manche, die von fremden Touristen bewundert werden. Sie stehen noch dort, wo sie sind, weil sie damals unzugaenglich waren.

Alishan ist nicht nur ein bekannter Ferienort fuer Japaner, sondern auch fuer die neu reichen Chinese in China. Alishan ist nicht nur ein begehrter Ort fuer schaulustige Touristen, sondern auch fuer Teeliebhaber aus Europa…

Nach einer muehsamen Fahrt, kamen wir endlich in Alishan an. Eigentlich wollten wir in einem unscheinbaren einfachen Restaurant essen. Da der Praesident von Provinz Chiayi und Parlamentiriarin auch dort assen, wie wir, hatten wir keinen Platz. Die Europaer Teeliebhaber erregte Aufsehen in diesem kleinen Teedorf Shizhuo!

Kamera und Jounalisten richteten ploetzlich an mich wollten unsere Gruppe interviewen. Mein Lehrer versuchte es zu vermeiden. Unvermeidbar wurde ich gefragt, warum ich diesen Auslaender nach Alishan mitbringe? Ich antwortete, “ ich wollte nicht diese Leute hier her bringen. Ich wurde aufgefordert, es zu tun!“ „Warum?“ „Denn Formosa Hochlandsoolong Alishan einmalig ist!“

Formosa Oolong ist einmalig. Diese Gruppe ist einmalig. Die Baeume, die vor uns stehen sind einmalig… ewig.

De Nebel kam. Die Landschaft schien mir wie Feenlandschaft. Ich dachte an Avalon. Ich dachte an Merlin. Ich dachte an meine unbedeutende Existenz vor diesen reisen starken Baeumen! 1900 Jahre alt. Meine kurzfristige Existenz schein dagegen wie ein Eintagflieger sein.

Auch ein Eintagsflieger hat seine Existenz-Berechtigung – das Leben zu geniessen! Ich lebe, ich liebe und ich weine.

Die Baeume waren hoch, gerade. Die Pflanzen subtropisch und satt gruen. Feucht, warm und frisch. Voegle zwitschten. Wer sind noch da? Bin ich noch irdisch?

Gerade erfuhr ich von dem Tod meines Zenlehrer Michels. Ich freue mich fuer ihn. Er hat seine Ruhe fuer die Ewigkeit gefunden und die Welt verlassen. Er liebt Bergen und unterrichtete uns immer, dass wir im Zazen wie ein grosser Baum mit starken Wurzel in die Erde einschlagen sollen. So stark wie ein Baum, so weich wie Seide. In unserer begrenzten Dasein bleibt seine Lehre fuer die Ewigkeit.

Was ist denn schon Ewigkeit und Hinfaelligkeit? Die Baeumen erzaehlen uns nichts, nichts von den Menschen, die vor ihm stehen. Ich kann Michel auch nicht mehr erzaehlen, wie sehr ich ihm dankbar bin, dass ich ihn begegne. Vor diesen Baeumen schein alles unbedeutend zu sein. Die Baeumen schweigen und ich gehe weiter.

Irdisch bin ich wieder. Morgen geht die Reise nach Dongding Berg und Yuchi.

Ein erlebnisreicher Tag

Wir waren heute nicht nur beim Meister Hsu, sondern auch bei Meister Lin Guoxiang (Steinkanne-Kuenstler)

Fuer die Gruppe war es ein unglaubliches Erlebnis wieder, live diesem Meister und seine unglaubliche Teekannen zu erleben. Die stakre Energie des Stein hat die Gruppe so aufgepennt, dass alle keinen Hunger hatten und gar nicht muede waren!

Wir wollten unbedingt noch Matsusans Laden besuchen.

Die Partnerin von Matsu wartet schon lang dort und ihr Ehemann musste uns mit betreuen! Fuer alle Teilnehmer hat Matsu Fotos kopiert, wie er in Yunan Pu Er Tee produziert! Wir bekamen nicht nur ganz tolle Tees zu probieren, sondern auch ganz tolle Snacks! Wie kann man denn bei Taiwanesen hungern???

Matsu rief an, als wir dort waren und wollte mit mir sprechen! Ich war sehr beruehrt. Er hat gerne Balsamico und wollte das Buch „The Book oft Tea“ auf Chinesisch haben. Beiden brachte ich ihm und fuehlte mich eigentlich immer noch schuldig. Ich weiss wirklich nicht, wie ich seiner Freundschaft erwidern koennte! Er fragte mich, wann wir uns wiedersehen? Wann? Ich konnte nur sagen, lass Dich ab und zu hoeren. Wir wissen alles nicht, wie die Dingen ihren Lauf nehmen. Wozu versprechen?

Da ich gebunden bin von Shuitang, sehen viele Dinge anders aus. Meine naechste Heimreise liegt nun tatsaechlich im Stern.

Die Ungewissheit der Zukunft macht meine Reise im Hier und Jetzt um so intensiver…

Die Flut – Besuch bei Meister Hsu Chaozong

Er stammt aus einem kleinen Fischerdorf und studierte Landwirtschaft. Da er als ein junger Mann keine Zukunft hat am Meer, ging er in die Grosstadt Taipei, wie viele junge Menschen in seiner Zeit! In einer junge Lehrerin verliebte er sich und entschied sich fuer diese Liebe – es war eine andere Zeit, man heiratet nur einmal und entscheidet sich fuer die Ewigkeit… Er folgte seine Liebe und zog in die kleine Stadt Yingge, damals war Yingge vielleicht ein Dorf. Ein Dorf wie Yingge ist bekannt fuer Porzellan und Keramik. Also er wechselte seinen Beruf und lernte als Toepfer Geld zu verdienen, um bei dieser Frau zu sein, sie und die Familie zu ernaehren. Alles fuer die Liebe.

Er ist ein Toepfer geblieben und ist ein Toepfermeister geworden. Viele Auftraege bekam er vor allem von National Palast Museum. Sicher arbeitet er hart, vor allem liebt er experimentieren. Viele viele Preise hat er gewonnen. Geld, Ruhm und Erfolge fehlen nicht in senem Leben.

Meister Hsu empfing uns in seiner Atelier. Gewoehnlich angezogen, Haare gar nicht gekaemmt, erzaehlte er uns einfach und bescheiden vor seinen Werke (zwei ganzen Stockwerke) ueber seine Beziehung zu seinen Werke, wie er diese Werke machte. Ein Kunstwerk nach dem anderen. Ein Meilenstein nach einem anderen. Man hatte das Gefuehl, das Leben wuerde nicht aufhoeren. Es hoert nicht auf, weil der Geist immer als Anfaenger bleibt…

Seine einfache Rede gewann Sympathie. Ploetzlich stand er vor einer Vase und sagte nur, dass dieses Werk in Japan einen ersten Preis gewann, aber in Taiwan keine Ressonanz fand. Das Werk heisst „Flut“. Er zeigte die Muster, die Welle am Meer signalisierte und schilderte, dass er an der Kueste sass und inspiriert wurde… Gewoehnlich und unauffaellig. Ich verstand nicht, warum das Werk eine Bedeutung haben sollte. Dann sagte CN (ein guter Freund von mir und ueber ihn lernte ich den Meister Hsu kennen), der nicht mehr nur mit zuhoerte. Er sagte, „unser Meister wollte Euch nicht mit seiner Sentimentalitaet beeindruekcen. Darum muss ich Euch von dieser wirklichen Hintergrund erzaehlen!“

Damals war seine Mutter schwer krank. Hsu besuchte seine Mutter mindest einmal in der Woche. Damals war der Weg immer ueber die Bergen ueber Pinglin, wenn er heim fuhr. Wenn er wieder Richtung Taipei fuhr, fuhr er immer ueber die Kueste. Seine Mutter tadelte ihn immer, wenn sie ihn sah. Sie verstand nicht, weshalb er sich so selten zeigte, denn sie war nicht mehr oft bei sich. Als ein Sohn, der nicht wirklich bei der kranken Mutter bleiben konnte, war der Weg wieder zu den Fremden fast wie ein verrat. Oft hielt er sich am Meer auf und schaute nur die Welle an.

Die Vase ‚Flut“ hat eine Muendung wie ein Fischmund. Ein Fisch, der nicht sprechen konnte! Ein Fisch, der nur im Ozean des Lebens mitschwimmen kann! Ein Fisch, der weder weinen noch schreien kann… Der grosser Bauch der Vase ist voller Wellen, Wellen im Herzen. Weller der Sentimentalitaet!

Ich konnte nicht aufhoeren zu weinen, als ich es uebersetzen musste.

„Menglin,“ Meister seufzte, „Du bist zu sentimental!“

Ich verstehe, was Meister Hsu am Meer dachte. Ich bin auch allein in einem fremden Land und meine Eltern sind immer hinfaelliger… Auch wenn die Gruppe ueber mich lachen wuerde, haette ich nicht aufhoeren koennen zu weinen.

Manchmal fuehle ich mich auch wie ein Fisch. Ich habe einen Mund, aber kann meine Gefuehle nicht aussprechen. Viele Missverstaendnisse koennen nicht geklaert werden, viele Dinge koennen nicht ausgesprochen werden.

Aber es gehoert wohl zum Leben.

„Ich wollte meine Sentimentalitaet nicht vor Euch ausleben.“ sagte er, warum er diese Geschichte nicht erzaehlte. „Meine persoenliche Sache geht eigentlich niemanden etwas an…“

„Doch,“ Heidi sagte, „uns geht es etwas an.“

„Hast Du das Gefuehl, dass Du schon alles kennst?“

„Nein, ich bin wirklich ein Anfaenger. Ich experimentiere immer noch!“

Joerg fragte ihn, ob es ein Acha-Erlebnis war, dass er ein kuenstler wurde?

„Nein, ich wollte einfach Geld verdienen. Was kann denn sonst in Yingge machen als Toepfer?“ antwortete der Meister. Seine Stimme war nicht unzufrieden, seine Stimme war nicht mehr als normal.

Juerg fragte Meister Hsu, warum ist er so geblieben wie er? Nur um Geld zu verdienen haette er auch zur Fabrik gehen koennen! Er habe bestimmt Ambition fuer die Kunst!

Meister Hsu sagte nur, „Weiss Du, ich bin halt nicht gierig.“

„Warum hast Du denn keine Katalog oder irgendetwas um Dein Werk zu dokumentieren?“ fragte die Doris, weil sie an gefeahrliche Erdbeben dachte.

„Fuer einen Kuenstler hoert die Experimenten nie auf. Wozu Katalog?“ fragte er zurueck.

Es war eigentlich nur eine Stunde geplannt, bei ihm zu sein. Es wurde zwei Stunde. Alle Anwesende waren zutiefst beruehrt von seiner Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Bescheidenheit.

Was heatte uns noch mehr ueberzeugen koennen als ein einfacher Mensch, der vor seinem Werk steht und nur so einfach da ist, ohne etwas sein zu wollen? Und die Kunst, die fuer sich spricht, ohne etwas anders sein zu muessen!

Ich glaube, etwas von Kunst verstanden zu haben.

Ps. Da ich nur geschwaetzt habe… konnte ich keine Bilder machen. Wenn Ihr Bilder anschauen wolltet, bitte bei den anderen zwei Reisebericht-Blogs anzuschauen! Die Jungs haben sehr fleissig Fotos geschossen…

Jetzt trinken sie wohl noch Bier bei 101…