Gestern traf ich mit paar für Keramik interessierte Freunde bei Beatrix.
Als ich für das Workshop von Lo Senhao übersetzte, war es kein Raum für mich, meine eigene Kreativität in Arbeit zu leben. Meine Aufgabe war die Brücke zu schlagen. Darum schätze ich diese Möglichkeit sehr, mit meinen Hände die Erde zu fühlen und zu kneten.
Das Problem war, was mache ich mit dieser Möglichkeit?
Während ich morgens meditiere, kam mir ein Funken, einfach formlos zu arbeiten.
Als Teeliebhaberin wollte ich selbstverständlich Teetasse formen. Als Händlerin hörte ich nicht auf etwas Nützliches zu machen. All dieser Gedanken sind gut. Es sind ein Hebel um eine Tür aufzumachen. Aber ich wollte nicht. Ich möchte etwas Nutzloses machen und schaue wohin es mich führt.
Ein Stück Erde in der Hand. Etwas unbewusst passiert. Ich formte eine Tasse, die am Ende zusammenfiel. Und Dann? Neu kneten und wieder eine machen. Das ist eine Möglichkeit. Oder aus dieser zusammengefallenen Masse etwas anders zu machen? Ist es nicht der Ablauf meines Alltags? Aus dem Geplanten ist nichts geworden. Ich muss mit dem was geworden ist, weiterleben.
Dann macht es mir besonders spass, die raue Oberfläche der Erde zu arbeiten. Sie mit Wasser zu befeuchten, zu kleben und zu polieren. Sinnlos oder unnötig? Keine Ahnung, ich spürte nur Freude.
In einer Gruppe wird man getragen, von gegenseitiger Konzentration und von einfachem Dasein. Diese Stunden haben mich genährt und entspannt. Heute Morgen träumte ich von tausenden Jahren alten Gefäss, überreicht von grünlichen Feen – war es eine Assoziation von Rhein Schlamm Glasur?
Als ich diese Zeile niederschrieb, hörte ich gerade von einem Hörbuch einer Taiwaner Berühmtheit, der über Künstliche Intelligenz und Halbleiter Industrie sprach. Er sagte, die Zeiten haben sich geändert. Die Menschen, die Aufgabe neu definieren können, müssen Frage entwerfen können. Es ist schwierig in einer Zeit, in der Emotion als Werkzeug verwendet wird. Als Lupe für Problem, die immer vergrössert werden und keine Zentrierung mehr zu finden ist. Er fragte dem Leser: Haben wir Fähigkeit, unsere Kultur zu erzählen? Durch die Erzählung, sich zu erinnern, woher wir kommen und wohin wir fortschreiten können. Wohin wollen Taiwaner? Im Parallel erschien heute ein Podcast von Ronzheimer über das Dilemma der Stahlindustrie Deutschlands. Wohin unsere Welt? Wohin unser Leben?
«Speicher» ist auf Deutsch eine Kapazität für ERINNERN. Ein Raum. Auf Taiwaner Chinesisch übersetzt, heisst es Ein Träger fürs Merken und Erinnern. Merken ist anders als Erinnern. Merke die Erkenntnisse, merke das Wissen. Erinnere an das gemerkte, führt zum Urteilsvermögen! Der Ton, die Erde und unser Körper haben Erinnerungsvermögen. Das Merken kann von KI ersetzt werden. Aber die Richtung hinzuweisen, Aufgabe neu zu definieren, brauchen wir Erinnerungsvermögen. Der Grund, warum Lo Senhao im kommenden Sommer Schwarze Keramik mit uns ausprobieren will. Er sagte, die Schweiz hat eine lange schwarze Keramik Tradition. Es ist erfreulich eine Taiwaner Kapazität uns in der Schweiz die eigene Tradition zeigen möchte. Was er uns zeigt, ist nicht das Wissen – das Können zu produzieren, sondern die Denkweise sich zu erinnern und Zukunft zu riechen.
Ein Stück Erde in der Hand, etwas zu kneten, aus dem Scheitern, weiterzuführen.
Es windete sehr stark. Gegen Abend schien die Sonne über den Rhain. Der Weinberg wurde durch Regen und Sonne durchgeleuchtet. Der Wein wächst und der Rhein fliesst.