Archiv für den Monat Februar 2007

Teekunst

Yuan Mei, ein berühmter Schriftsteller in der Qing-Dynastie schrieb in seinem Notiz von der kulinarischen Kunst von seiner Abneigung gegen Oolong. Oolong sei für ihn viel zu bitter gewesen und schmeckte nach Medizin! Diese Meinung veränderte sich erst, als er selbst nach Wu-Yi Gebirge reiste. Er entdeckte dort die einzigartige Teekunst, die die sinnlichen Erlebinisse mit Eleganz und Geistigkeit verband. Man genoß zuerst den Duft, dann liess den Auguss auf der Zunge verweilen und langsam im Mund zergehen. Diese neue Entdeckung machte ihn nachdenklich über seine Vorliebe von Lungjing, der ihm inzwischen fast nach nichts mehr schmeckte!

Das ähnliche Erlebnis hatten die meisten Teilnehmer am letzten Samstag in Basel. Wir hatten eine große Tee-Zusammenkunft von 16 Persönen. Alle waren ungeübte Teetrinker. Das Teetrinken, das nicht nur den Aufguss einfach zu schlucken bedeutet, faszinierten alle Anwesend! Den Duft mit einer kleinen „Tassli“ zu schnuppern, den Aufguss aus einer fast „Eierbecher“ zu schmecken und geniessen bereicherten unser Erfahrungshorizont. Das Teetrinken könnte ganz anders sein, als nur Tee schlucken und abwarten. Hinter dem Teetrinken steckt eine Kunst von Lebenserlebnisse!

Viele fragten mich, was für eine Teekanne braucht man eigentlich. Ist Gusseisen-Kanne richtig? Die Antwort ist nein. Diese aus Japan importierte Gusseisen-kanne sieht unglaublich ästhetisch. Für den Zweck, um einen guten Tee zuzubereiten wäre sie fehl am Platz! Gusseisen speichert sehr gut die Wärme, aber könnte viele edelen Tee dadurch überhitzen. Außerdem ist dieses Material für den grünen Tee jedenfalls nicht zu empfehlen, denn der grüne Tee eher kühlere Temepratur benötigt. Wozu brauchen wir Gusseisen-Kanne? In der japanischen Teezeremonie (Temae) benutzen wir sie für das Wasser Kochen…

Gusseisen KanneDie Gusseisen Teekanne Mode ist eigentlich eine europäische Erfindung. Mit dieser Kanne wird das Wasser in der Teezeremonie gekocht – anstatt den Tee darin zuzubereiten!

Ich versuche den Teilnehmern zu klären, dass eine große Teekanne den Geschmack des Tees nicht besonders entfaltet. Sie ist zu groß und benötigt zu viele Teeblätter! Der wirkliche feine Geschmack eines guten Tee kommt nicht zur Geltung! Besser wäre eine kleine Teekanne mit wenig „Kraut“ und kann mehrmals aufgegossen werden! Denn Teetrinken nicht nur um das Tee Schlucken geht, sondern um eine sinnliche Reise mit dem Augen, Nase und Gaumen!

Gongfu Cha – wie fange ich an?

Hoi Meng-Lin

Ich habe durch einen Zeitungsartikel von deinem Blog erfahren und schon viele interessante Dinge daraus gelernt.

Ich trinke seit einigen Jahren Tee, am liebsten Oolongs, aber auch Grüntee und – darf man das sagen? – auch indischen Schwarztee oder mal einen Orange Pekoe aus Ceylon. Ich habe aber erst jetzt von Gong Fu Cha erfahren und finde es hoch interessant.

Mit welchen Utensilien soll ich denn beginnen, um Gong Fu Cha zu zelebrieren? Hast du vielleicht eine Buchempfehlung?
Ich war beeindruckt von deiner Beschreibung, wie der Tee-Meister den Tee-Pot energetisiert hat. Ich bin ein Anhänger von Qi Gong und Bewusstseinsarbeit und würde das Tee-Trinken gerne meditativer betreiben.

Ich habe in deinem Blog auch gelesen, dass die Wahl der Tee-Kanne essentiell ist, dass verschiedene Kannen schwerer oder einfacher zu reinigen und zu trocknen sind usw.
Vielleicht kannst du mir einfach einige Tipps geben, wie ich auf der Tee-Leiter einen Tritt nach oben komme.

Viele Grüsse

Marco

Lieber Marco, schön von einem neuen Teefreund zu hören!

Deine Fragen sind sehr wichtig und grundlegend. Es ist allerdings nicht einfach alles auf einmal zu beantworten!

Gongfu Cha muss man einmal erlebt werden, bevor man damit wirklich anfangen kann. Einen guten Oolong muss man einmal richtig zubereitet erlebt werden, bevor man sagt, was Oolong ist! Ich liebe Oolong, denn es gäbe keinen anderen Tee – wenn ich mir erlaube, es so zu behaupten, der so eine Dimension von Duftnoten und Geschmackswandlung anbieten könnte!

1. Wenn Du mit Gonfu Cha anfangen möchtest, nimmt zuerst eine Porzellan-kanne. Die berühmte Yixing kanne taugt in dieser Anfangsphase nicht: sie ist schwer zu pflegen. Sie wird durch falsche Behandlung schnell muffig. Ein guter Tee kann in so einer Kanne „zerstört“ werden. Für einen geübten Teeliebhaber wäre so eine gute Yi-Xing-Kanne geeignet, wenn er einen vertrauten bekannten Tee zubereitet. Wenn er allerdings einen neuen Tee ausprobiert, wäre auch eine Porzellan-Kanne besser geeignet. Porzellan Kanne ist pflegeleicht und verfälscht – verbessert und verschlechtert – den Geschmack des Tees nicht.

2. Mit Anfänger Geist: Ein Bewusstsein von Bescheidenheit, Wachsamkeit und Neugiere. Mit Bescheidenheit kann man Dinge richtig lernen. Ein Meister-Getue bringt uns nie weiter. Eine geliehene Lorbeer ebenfalls nicht. Wenn Du beim ausprobieren eine interessante oder komische Duft- und Geschmacksnote entdeckst, merk´ es Dir und vertraut Deine Nase und Zunge. Nach paar Male ausprobieren, bekommt man andere Augen über die ganz banale Dingen. Versuche durch Vergleichen und Experimentieren Grundgeschmack und feine Unterschiede des ähnlichen Tees festzustellen.

3. Das Wichtigste ist paar Weggefährte zu finden, z.B. in der Diskussion des Teeblog auszutauschen. Seriöse und richtige Information helfen uns immer ein Stück weiter, im Labyrinth der Tee-Literatur und des Tee-Marketings werden wir irreführend getäuscht. Manchmal lohnt sich einen wirklich guten (wohl auch teuer) originalen Tee aus originalen Anbaugebiet zu kaufen und zu studieren, um eine Referenz zu bekommen.

Bücher und Diskussion bringen uns immer nur bedingt weiter, insofern wenn die Information zuverlässig ist. Aber Tee lügt uns nicht. Er erzählt uns von seiner Geschichte. Wir müssen nur lernen, seine Sprache zu verstehen! Wie lernen wir seine Sprache verstehen? Gute Tea-Toys (Porzellan-Kanne des Gonfu Cha Utensilien wäre nicht schlecht), gute originale Tees als Referenzen und unser Anfängergeist!

Ich hoffe, Dir einwenig geholfen zu haben.

Menglin

Nachtrag: Ich habe mich sehr über dieses Mail gefreut. Es zeigt mir, wie Tee andere Menschen faszinieren kann und verschiedene fremde Menschen auch zusammenbringen kann! Das Verbundensein zwischen Menschen macht einem richtig glücklich!

Gongfu Set

Ein klassiches Gonfgu Cha-Set. Man muss nicht gleich mit Ton Kanne aus Yi-Xing anfangen. Eine Porzellan in dieser Grösse wäre ein guter Einstieg. Eine Teekanne und Teekrug (dieser Krug hilft den Aufguss von Teeblätter zu trennen, so dass Teeblätter nicht zu lang im Aufguss stehen und der Aufguss bei der Tasse gleichmässig schmeckt) aus Porzellan empfehle ich als Grundausstattung. Wenn man ein „Eingeübter“ ist, kann man noch mehr „toys“ dazu anschaffen. Man kann auch mit solchen Toys sich korkettieren – Exotik hat immer einen Markt. Aber der Tee lügt uns nicht – der Tee erzählt uns, ob er wirklich vom Herzen zubereitet wird.

Anxi 安溪 und Formosa Oolong

Meine Vorfahren kamen aus Anxi 安溪, Fujian. Seit paar Hunderjahren leben meine Familie in Taipei, Taiwan. Obwohl ich mich selbst schon lange als ein Taiwanese fühle, weiß ich ganz genau, wo meine Wurzel liegt. Der Formosa Oolong hat gleiche Wurzel in Anxi. Ohne Anxi, ohne seine Teemaker und ohne seine Know How wäre Formosa Oolong heute ein FTGFOP Klasse-Tee…

Anxi, ein Teeland, wo einst arm und rückständig war. Meiste Anxi-Einwohner wanderten aus diesem unfruchtbaren Gegend aus, weil nur Teebäume dort gedeihen, nicht das Grundnahrungsmittel – Reis. Ende 19. Jahrhundert kamen Anxi-Teemaker ab Frühling nach Taiwan, um Tee von John Dodd zu produzieren. Nach dem Herbsternte fuhren sie wieder nach Anxi zurück. Dort hatte sie ihre offizielle Familie und Stammbaum, die von dem Geld aus Taiwan ernährt und fortgepflanzt wurden. Sie waren Zugvögel des Tees. Meisten von Ihnen haben sowohl in Anxi als auch in Taiwan ein Nest, wo sie naben dem Tee Geborgenheit fanden.

Formosa war bekannt in China mit dem Spruch „Das Geld überflutet auf der Insel“. Man wußte, dass man mit Formosa Oolong reich werden konnte! Die fremde Anxi-Arbeiter überfluteten Taipei. Nicht alle fanden ihr Glück. Viele starben unglücklich auf dieser fremden Insel und fanden keine Heimat. 1883 verbot USA den Tee-Import aus China aufgrund seiner schlechten und gefälschten Qualität. Formosa Oolong wurde der einzige Star in der neuen Welt! Die Berühmtheit und Marktwachstum taten allerdings Formosa Oolong nicht gut. Ende der 90er Jahren im 19. Jahrhundert erlebte Formosa Oolong das gleiche Schicksal!

Aus dieser Krise ist ein Teebauer/Händler-Verband – eine Selbsthilfe und Selbst-Kontrolle Organisation entstanden. Cha Jiao Yong He Xing sollte dafür sorgen, dass das Vertrauen der ausländischen Händler wieder gewonnen werden mußte, dass Konflikte zwischen verschiedenen Teehändler friedlich verlaufen konnten, und dass Teemaker aus Anxi eine Nothilfe für Kranheiten oder Notfälle erhalten konnte. Damals war es bereits „normal“ und „bekannt“, dass Formosa Oolong oft mit China Oolong gemischt wurde. Manchmal wurde China Oolong als Formosa Oolong deklariert.

Anxi-Teemaker haben den Ruf des Formosa Oolong ermöglicht. Sie brachten nicht nur ihre Teesetzlinge, ihr Know How, sondern auch ihre Religion. Mazu 媽祖 (eine taoistische Göttin) begleitete und beschützten Anxi-Einwanderer die gefährliche Taiwanstrasse zu passieren. Sie begleitet die wegen Tee ihre Heimat verlassenden Menschen, auf Formosa neue Wurzel für Tee und für ihre Familie einzuschlagen. Bis heute begleitet sie immer noch die Entwicklung des Formosa Oolong, während die Teemaker aus Anxi bereits Geschichte waren und Formosa Oolong seine eigene Geschichte schreibt.

MazuMazu begleitet noch den Formosa Oolong im Büro des Teehändler-Verband Taipei.

 

Guanyin – Kannon

Hast Du Dich vielleicht Mal gefragt, weshalb Tie Guanyin so heisst?

Was ist bzw. wer ist Guanyin?

 

Guanyin, ist das Synonym der Helfer im Leben für jeden Chinese (Koreaner und Japaner). In meiner Kindheit rezitierte meine kranke Großmutter oft Sutras von Guanyin. Sie rief oft Guanyin, als das Rheuma sie quälte und jämmerlich in die schlaflosen Nächte trieb. Guanyin, ein Abbild am meinen Familiealtar, uns gültig, lieb und friedlich schaute, begleitet uns jeden Tag. Guanyin, ein Statue im Tempel, hat tausenden Ärmer, Ohren und Augen. Sie sieht, hört und hilft Dir, wenn Du sie rufst. Für die kleinen nicht erleuchteten Menschen ist Guanyin die helfenden Stütze des leidvollen Lebens. Guanyin, Sieht – Guan und hört – Yin.

 

Im Kleinasien sollte sie als Prinzessin geboren sein. In Indien war „sie“ eigentlich ein Mann. In China ist die weibliche mütterliche Figur, die alle Menschen in Not helfen. Eigentlich ist „sie“ ein buddhistischer Boddhisattva, der die kharmischen Ketten der menschlichen Handlung auflöst, ins Nirvana zurückkehrt, aber beschließt, wieder in die menschliche Welt zu gehen, um Menschen auf dem Weg der Befreiung zu helfen. Nur nach eigener Befreiung zu suchen, Buddha zu werden, will ein Buddhisattva nicht. Er kann Menschen in ihrem Leiden und Verwirrung nicht zusehen und möchte alle helfen, zum wahren Glück zu bringen. In der einfachen Welt des chinesischen Alltags wird nicht viele spirituelle Entwicklung diskutiert oder intellektuelle religiöse Dialoge durchgeführt. Fremde Kultur wird nicht vergöttert oder verteufelt, sondern einfach integriert (Buddhismus ist eine fremde Religion aus Indien). Menschen suchen einfache Hilfe, um Glück zu finden. Guanyin wird im Alltag als Göttin verklärt und vergöttert, obwohl Götter im Buddhismus keine Rede und keine Rolle spielen! „Sie“ wird verehrt, angebettet und abgebildet bis in die moderne Welt.

 

Heute fing eine Ausstellung von Guanyin – Kannon auf Japanisch in Zürcher Rietberg Museum an. Auf dem Plakat stand „Göttliches Mitgefühl“. Das Mitgefühl ist nichts Göttliches, sondern aus dem Geist eines erleuchteten Menschen, der anstatt seinem persönlichen Erlös sucht, auf die phänomenale Welt zurückkehrt, alle andere Menschen auf Weg hilft! Vielleicht meint das Museum somit mehr Menschen anzusprechen. Vielleicht kommen Menschen ins Museum wegen der fremden Kunst und Ästhetik. Aber das mitgefühlsvolle Guanyin – Kannon sehen, hören und helfen Menschen, die in ihrer Verblendung stecken und zu ihr kommen. Sehen und hören Zuschauende vielleicht durch die Bewunderung der Ästhetik und Gestaltung auch den Ausdruck des Mitgefühls, was der Künstler damals darzustellen versuchte?

 

Wei Yin, ein einfacher Teebauer in Fujian (oder Wang Shiliang) entdeckte Ende des 18. Jahrhunderts einen wunderbaren Oolongtee. Um seine Dankbarkeit auszudrücken, nannte er diesen Tee „Guanyin“. Dieser Tee liegt schwer wie Eisen – Tie in der Hand. Darum gab er dem Tee den ganzen Name: Tie Guanyin. Dieser Tee erzählte uns von einem einfachen frommen Teebauer in Südchina, der aus seinem bescheidenen Alltag diese Welt verstand, anstatt nach seinem eigenen Name zu nennen und versuchte, etwas zurückzugeben. Eiserne Mitgefühls-Boddhisattva tröstet heute tausende Seele in ihrem bunten oder eintönigen Alltag!

 

Kannon – Göttliches Mitgefühl

KannonFrühe buddhistische Kunst aus Japan

Neubau Museum Rietberg
18. Februar bis 9. April 2007

Mit dieser Ausstellung feiert das Museum Rietberg Zürich die Eröffnung seines Neubaus.

Formosa Oolong Tea

Das portugiesische Wort „Formosa“ ist eng verknüpft mit dem Schicksal dieses kleinen Inselstaaten – Taiwan. Taiwan, dessen Name von der Ureinwohner-Sprache des Insels stammte, ersetzte das Wort Formosa erst in letztem Jahrhundert in der Weltkarte. Bis dahin hieß diese Insel „Formosa“ und dessen Tee weltbekannt als „Formosa Oolong Tea“.

 

Diese kleine grüne Insel, allein in Ozean lag, erweckte müde vorbei segelnde portugiesische Seemänner mit ihrer Natürliche Schönheit: „Ilha Formosa“! 1545 „entdeckten“ Portugiese die Insel „Formosa“, während Piraten und Ureinwohner, dessen Ursprung Polynesien Herkunft stammt, bereits seit Hundertenjahren auf der Insel aufhielten. Formosa gehörte niemanden und war bewohnt von Menschen, die nie Anspruch hatten auf eine alleine Herrschaft auf der Insel.

 

1624 behaupteten Holländer als der erste neue Herrscher der Insel zu sein. Sie brauchten die Insel als einen Stützepunkt für ihren Handel mit China und Japan. Aus Formosa wurde Tee von dem neuen Herrscher nach Europa exportiert – das war nicht aus dem systematisch angebauten Teegarten, sondern aus der wilden Pflückung. 1626 realisierten Spanier ihren Plan ihre Kolonie auf Philippines zu erweitern. Sie eroberten Nord-Formosa. Dort bauten Sie Festungen „St. Salvador“ und „St. Santiago“ an der Küste im Pazifik. Beide koloniale Mächte bekriegten gegeneinander auf einer wilden fremden Insel namens Formosa. Beide wollten der alleine Herrscher sein. Beide waren fremde Eindringlinge. Damals war das große Reich China nie interessiert für diese winzige wilde Insel. Die Spanier verloren den Kampf. Ihre Festung bleibt jedoch bis heute und wurde als „Rot-Haarige Burg“ (Hongmao Cheng) – Burg der rothaarigen Barbaren bezeichnet. (Meine nicht brav liegenden Haare wurden von meiner Großmutter oft als „barbarisch“ wie die Rothaarigen kategorisiert.)

 

1662 verlor Holländer den Kampf gegen den vor Manzhou fliehenden Ming-General Zhu und mussten aus Taiwan zurückziehen. In dem gleichen Moment erlebte die damalige Seemacht Hollands weltweite Rückschläge. Seit dem Einzug der chinesischen militärischen Macht wurde Formosa immer mehr von Chinesen besiedelt. 1810 fing der Tee-Anbau von den chinesischen Siedlern in Taiwan an. Es war in Ruifan und Shiding.

 

Damals wurde Tee in Taiwan nur bis zur ersten Trocknung produziert. Der „rohe“ Tee wurde nach Fuzhou verschifftet und dort weiter verarbeitet, um die Qualität zu stabilisieren und zu verfeinern. Der Formosa Oolong wurde anschließend weiter verkauft – unter dem chinesischen Tee, ohne das eigene Gesicht – als OEM-Produkt.

Der erste Mensch, der an die Entwicklungspotenzial des Formosa Oolong als ein eigenständiger Tee glaubte, war ironischerweise ein Engländer. Geschäftsmann Dodd ließ den Formosa Tee vor Ort produzieren. Er holte Teemaker und Teesetzlinge aus Anxi nach Taiwan und bot Teebauer Kredit an. In Sanxia wurde neue Teegarten von Dodd unterstützt aufgebaut und der Traum eines Formosa Oolong Tees wurde wahr. 1869 wurde der Tee aus Formosa unter dem Name „Formosa Oolong Tea“ nach New York verschifftet und vermarktet. Es war ein Riesenerfolg! Dieser Oolong war der halbkugelige halbfermentierte Oolong, dessen Vorbild nach Anxi orientiert hergestellt wurde!

Formosa Oolong Tea ist seitdem auf dem Weltmarkt integriert und genieß seinen eigenständigen Status und seinen Weltruhm.

 

Nicht diese koloniale Vergangenheit, den Formosa Tea zum „Formosa Oolong Tea“ verhalf, sondern seine eigenständige Verfahren, um beste unverwechselbare Oolongs zu produzieren. Die politische Unabhängigkeit der Insel ermöglicht die eigene Entwicklung des Formosa Oolongs. Aber was macht ein Oolong aus, um „Formosa Oolong Tea“ zu sein?

 

Am 3. 3. 2007, in der Laternenfest möchte ich in Zürich im Lotus Garden, eingeladen von Teeclub Suisse, diese Thematik vorzutragen. Wer sich dafür interessiert, könnte sich bei Teeclub anmelden.

Tie Guanyin 4

Wenn Du einen Tie Guanyin aus Formosa bekommst, bitte achte darauf, ob es ein Originaler Tie Guanyin – Zhencong Tie Guanyin ist. Dieser Tie Guanyin wird aus dem orginalen Tie Guanyin Baum hergestellt. Alle andere Oolongsorte, die zwar nach demselben Verfahren hergestellt sind, können nur Tie Guanyin heißen.

In China bedeutet Tie Guanyin einfach der Oolong aus Tie Guanyin-Baum. Der Tie Guanyin Baum hat verschiedene Sorten in China. Nicht jede Sorte kann zu einem hervorragenden Tie Guanyin entwickelt werden. Aber die Originalität wird trotzdem sehr betonnt: der originale Baum heisst: „Hongya Waiwei Tao“ – rote Tipps und Ende des Blatts ähnelnd einem schrägen Pfirsich (ich hoffe, dass Ihr nicht so streng seid mit meiner Übersetzung…) Dieser Tie Guanyin ist bekannt für seiner Unflexibilität im Anpflanzen: nur bestimmte Erde, bestimmtes Klima und wenige Tipps und Ertrag.

Im März fing der Teebaum in Anxi zu treiben und kann im Mai geerntet werden. Die beste Ernte ist im Herbst. Der Herbst-Duft ist das, was Teeliebhaber an diesem Tee begehrt. Bei Pflücken pflückt man offene Blätter anstatt den Tipp und nur 3-4 Blätter insgsamt.

Unterschiedliche Orte, unterschiedliche Erntezeit und unterschiedliche Baumsorte werden getrennt und unterschiedlich verarbeitet. Diese strenge und bewusste Trennung und Verifizierung markieren den wesentlichen Unterschied zwischen chinesischen / Taiwanesischen Tees und indischen Tees.

Im Moment lese ich gerade ein Buch über Anxi Oolong. Das Buch wurde in 2002 publiziert. Die Autoren schätzen Tie Guanyin immer noch in der klassischen Form:

Schwere Blätter, Oliv-Grün, leichte weisse Schicht am Blatt

Goldene gelbe Farbe im Aufguss – nicht hell und grün

Tiefer, voller und fruchtig im Geschmack – der berühmte Guanyin-Abgang (Guanyin Yun). Dieser Abgang kann man nur zum Genuss kommen, wenn man einen Tie Guanyin aus dem originalen Baum und  nach dem richtigen Verfahren hergestellt wird.

Grüner Tie Guanyin und brauner Tie Guanyin 3

Blatt Kira

Hier könnten wir ebenfalls erkennen, dass dieser grüne Tie Guanyin überhaupt nicht die Bezeichnung von „Tie Guanyin“ entspricht. Kaum Spuren von Fermentation sind zu erkennen.

Man könnte von Blatt feststellen, dass sie vollständig sind. Bei manchen guten grünen Tie Guanyin werden Spuren von Fermentation „verwischt“ – getrennt, so dass man leicht zerbröselte Blätter sieht und kaum Fermentation erkennt. Hier an diesem Blatt (links) sieht man keine Spuren der Fermentation und es ist ein sollständiges Blatt.

Warum möchte man die Spuren der Fermentation „abwischen“? Möchte man die Tatsache verbergen, dass ein Tie Guanyin ein Oolong ist?

brauner Tie Guanyin

Das ist ein Foto von diesem braunen Tie Guanyin. Es ist sehr dunkel. Wenn die Röstung bei einem dunkelen Tie Guanyin gelingt, dann entfaltet das Blatt gut und das Blatt verliert nicht an seiner oliv-grünen Farbe…