Archiv für den Monat Juli 2009

Eine neue Welt

Es ist interessant die Welt durch die Augen eines Kindes zu betrachten.

Georgia kommt oft ein bisschen später in den Laden, weil sie dachte, sie würde andere Leute mit ihrem Kind stören. Wenn sie allein im Laden sind, dann putzt das kleine Alkyoni meinen Holzboden. Alkyoni hat die Fähigkeit unsere Welt mit natürlichem Geist zu entdecken. Sie fasst alles an, riecht an dem Gegenstand und dann beisst! Wenn wir in der Ruhe eine Tasse Tee trinken möchten, müssen wir dem kleinen auch etwas geben. Heute gab ich ihm ein Stück Kampfer-Holz zu spielen. Das Holz bekam ich von einem Mönch, der sich als reichster Mann auf der Insel fühlt, weil er viele viele wertvolles Holz aus dem Wald Zentral-Taiwans lagert.

Alkyoni biss fröhlich an das Holz. Es ruschte und saugte, als ob es die Kraft aus dieser sub-tropischen Insel erhielt, für sein Wachstum.

Ein Kind folgt seinem Unterbewußtsein, bzw. sein Bewußtsein. Bei denen ist es alles noch nicht so getrennt wie wir. Es lebt im Moment, im Hier und Jetzt. Ich beobachte gerne wie Kinder diese Welt entdecken und wie sie ihre Gestik und Handlungen ihren Bezugspersonen nachahmen. Ein Kind zuzuschauen ist ähnlich einen Tee zu trinken, wie einen gelagerten Tee.

Bei einem gelagerten Tee, dessen Zugang schwer ist, fehlt oft den Teeliebhaber die Information wie es einmal sein kann. Wie könnte man beurteilen, ob dieser gelagerte Tee, der auch einmal gut war. Es ist wohl einfacher bei einem Kind, von dem man die Spuren der Eltern ahnen kann und die Dynamik einer Struktur erraten kann. Bei einem Tee, der ein anderes Modus spricht, uns schwer fällt, ihn zu verstehen.

Roger und Alberto waren heute zum Tee und brachte die schöne Einladung für die Einweihung Shui Tangs. Ich dachte intuitiv, der Alishan 2004 dufte Alberto schmecken. Ein Tee, der mich an ein Kind errinnert, wie ein Kind die Welt kündigt. Ein Kind kündigt unsere Welt mit seinen Sinne aus Intuition. Und vor einem gelagerten Tee ist man praktisch wie rausgeschmissen und kann nur mit Intuition arbeiten. Aus einem Kind kann man die Spuren der Eltern lesen, aus einem gelagerten Tee liess man die Spuren des Millieus, wo er einmal war.

Die Düfte fesselten die Entdecker. „Was ist das? Was für einen Duft? An etwas erinnert er mich?“ Ich schwieg und beobachte. Ich sah die Bilder zwischen den Anwesenden, die in ihrem tiefen Garten nach ihren Bilder suchen. Was dieser Tee ihr Inneren berührte, bildete die Spannung am Tisch. Alberto war beeindruckt.

Wenn man einmal etwas loslassen kann, ist man plötzlich leichter und frei. Ich habe langsam wieder meinen Rythmus und bemerkte es heute in meinem Gang durch den Neumarkt. Eine „Laobanian“ in Shui Tang kann nur ihre Gäste bewirten, wenn sie ihren Wunsch lesen kann. Nach paar Tagen Übungen kann ich die Kasse immer besser bedienen und die Gäste waren immer wieder entzückt von dem Erlebnis des Tees in Shui Tang. Heute sagte eine junge Dame zu mir, „Was für ein Erlebnis!“

Was für ein Erlebnis? Dieser Anfängergeist macht ein Geschehen zu einem Erlebnis!

Doko, Dare!

Jedes Jahr suche ich nach Fancy Oolong. Eigentlich ein total banaler Oolong, der in jedem Teeladen angeboten wird. Aber solche Fancy suche ich eben nicht. Einen bestimmten suche ich. Immer nur einen bestimmten.

Mit Aton habe ich schon längst gesprochen, viele „toten“ vergessenen Oolong wieder zum Leben zu erwecken. Ich bin der Meinung, dass wir durch Shui Tang etwas in Bewegung sezten können, in der Teewelt, Dinge zu beleben um gegen die Zeit zu rennen. Ich habe die Vision, Aton hat das Wissen. Wissen ist ein Code, ein Code zur Vergangenheit, zur Gegenwart und zur Zukunft – zur Macht.

Früher haben die Araber den Zaubersatz „Sesam öffne Dich!“ gebraucht, um vergessenen Schätze wieder zu entdecken. Was ist denn das moderne Zauberwort unserer Zeit zu Schätze, die unsichtbar ist und doch unser Leben entscheidend prägt?

Aton schickte mir einen Fancy und sagte, dieser Fancy kann nur von Aming gemacht werden. Aming sei der einzige, der diesen Tee machen kann. Ein Jahrgangsfancy ist rar, denn Fancy Oolong ist für Export bestimmt, er war der „Formosa Oolong“ vor Hundertjahren! Dieser Tee ist heute ein Blend von verschiedenen Jahrgänge, die zusammen noch einmal erfrischt werden und ins Ausland verkauft. Kein Wunder, dass dieser Tee ins Verruf geraten ist. Aton und ich wollte aber ein Fancy, der noch wie vor 100 Jahren schmeckt. Das bedeutet, das Material aus einem halb verwilderten Garten, aus reifen Blätter und aufwendige lange Fermentation ohne Klimatisierung…

Dieser Fancy schmeckt keineswegs wie der in Europa gewöhnte Fancy! Frisch, blumig, fruchtig und honigsüss! Sein Aufguss weicht meine Zunge und fliesst einfach in die Kehle. Der lange süsse Abgang erinnert mich nur an Honig von Longgan-Frucht! Seltener Tee mit seinen außergewöhnlichen Aromen! Doko! Dieser Tee hier ist der Tee, den wir wollen!

In Shui Tangs Visitenkarte ist Dokodare QR-Code sehr dominant. Viele Freunde haben mich gefragt, wozu! Ich konnte in jenem Moment nicht beantworten. Denn ich erahnte dort etwas, was mich schon immer berührt, aber nicht artikuliert werden kann. Wozu Dokodare? Wie kann eine moderne Technik mich so berühren?

Doko – wo, Dare – wer. Eine Verortungshinweise. Mit Shui Tang haben Roger, Chragi und ich ein Experiment vor. Wir möchten das Wissen des Tees verschlüsseln. Jeder Tee in Shui Tang bekommt ein QR-Code – Dokodare. In diesem Code ist alles um diesen Tee verschlüsselt.

Wissen ist heute demokratisch geworden, nicht wahr?

Aber ist es tatsächlich so?

Gibt es keine Geheimlehre mehr?

Man kann alles im Internet finden, nicht wahr?

Schätzt Du deswegen mehr das Wissen, was Du übers Netz einfach so erhalten hast?

Oder kopierst Du es weiter und paste es weiter irgendwo?

QR-Code ist der Satz, der früher Alibaba zu seinem Schatz führte. QR-Code ist der moderne „Sesam, öffne Dich!“. Ja, das wollen wir schaffen, jeder Tee in Shui Tang wird durch Q-Code vermittelt und das Wissen um diesen Tee ist ein Geheimnis, das man entweder sich die Mühe macht, nach Shui Tang zu laufen oder das magische QR-Code einscannen sollte, um das Wissen zu erlangen!

Wo ist dieser Tee? Was ist dieser Tee? Wer steckt hinter dieser Tee? Weltweit kann man, wenn man das QR-Code kennt, erhalten den Zugang zu diesem Wissen, das wir mit Sorgfalt irgendwo in dem Cyberspace aufbewahren… 

Wissen ist ein Schatz. Ich teile gerne meinen Schatz mit Interessierten. Unsere Gesellschaft hat allerdings eine Krankheit: wir leben im Wohlstand, darum fallen alles auf unser Schoß. Mit Geld können wir alles kaufen, nicht wahr? Wann gibst Du Dir Mühe, um das Wesentliche zu verstehen und auch dafür zu erhalten?

Dokodare von Shui Tang.

Qcode

Fancy Oolong Nostalgie wird auch ein QR-Code erhalten über seine Geburtsdaten, seine Gegenwart und vielleicht auch seine Zukunft!

 

Die erste Woche

Ich fühle mich eigentlich noch recht frisch und jung, aber wegen Shui Tang wurde ich plötzlich Laobannian – auf Chinesisch die Chefin. Diese Bezeichnung hat eine leichte abschätzende Färbung. Vor allem das Wort Lao – alt, passt mir überhaupt nicht.

Na, wie waren die ersten Tage als Laobannian? Das war die Frage vieler neugierigen Teefreunde! Anstatt an allen zu beantworten, schreibe ich hier, wie ich erlebte.

An dem ersten Tag war ich sehr nervös! Ich wußte einfach nicht, ob ich etwas falsch mache und vergesse! Natürlich passierte das auch, was nicht passieren sollte. Die Kasse konnte ich nicht richtig bedienen und den Teepreis konnte ich nicht auswendig! Viele Fehler, viele Ärger mit der Technik. 

Meine Nachbaren verstehen nicht, was ich so mache. Meistens sitzen Leute an dem alten Antik-Tisch. Sie schwatzen, tranken und wollten nicht nach Hause. Mein werter Nachbar fragte, „Menglin, was macht Ihr denn ganzer Zeit? Ist es so in Deinem Business?“ Ich nickte meinen Kopf.

Am ersten Tag besuchten mich viele Freunde aus Taiwan und brachten mir schöne Orchideen! Sie sollen mir Glück bringen!

Unerwartete Freunde, zum Beispiel die liebe Esther aus Hamburg, inzwischen hoch schwanger, hat mich richtig überrascht! Dann lerne ich Georgia und ihre Tochter kennen, meine treusten Kunde, die jeden Tag kommen – Mathias sagte, seine Frau sei bereits abhängig. Ihre kleine Tochter sitzt am liebsten auf den Boden und putzt immer Gratis für mich den Holzboden. Ohne die beiden wäre Shui Tang farblos.

Ich erlebte wie unbekannte Menschen nebeneinander plötzlich Bekannte werden, wie die Augen der Menschen durch den Duft des Tees leuchteten und wie wir plötzlich ein Teil von Shui Tang wurden. Shui Tang ist eben nicht ein Laden, sondern ein Treffpunkt, eine Verortung vielen Menschen, die Dinge in Frage stellen und nach dem Wesentlichen des Lebens suchen. Endlich haben wir uns getroffen!

Das Wichtigste ist natürlich der Umsatz! So materialistisch bin ich zum Glück noch! Also ich finde, der Umsatz sollte besser werden!

Vortrag von Aton über Düfte und Aromen von Oolong

Wenn mein Lehrer Aton schon einmal nach Europa reist – das erste Mal seines Lebens, muss er wohl richtig etwas tun! Er sagte mir im Telefon, er habe sich bereits an mich verkauft, als die Reise entschieden wurde! Hoffentlich mit einem guten Preis…

Seine Frau sagte, er habe weiche Beinen, also, er reist nie und wandert nie gerne. Wenn er überhaupt wohin geht, dann immer Teeplantage oder in die Bergen, wo Tee wächst… Diesmal kommt er nach Europa natürlich auch wegen Tee! Denn das Teehaus Shui Tang in der Schweiz wird am 29.08 offiziell eingeweiht!

Am 27.08 Donnerstag um 19 Uhr möchte Aton gerne die Düfte und Aromen von Oolong in Zürich zum Publikum sprechen lassen!

Kennst Du Oolong nur in grünen, lieblichen und leichten Form? Dann wird dieser Abend voller Überraschung sein! Die Welt des Oolongs ist Farbe!

Chen Huangtang 陳煥堂 aus Taiwan

Vortrag mit Teedegustation

Düfte und Aromen von Oolong

Übersetzer: Meng-Lin Chou

Am Donnerstag 27.08.2009 um 19 Uhr

Anmeldung erforderlich.

Die Organisation dieser Veranstaltung ist nun von Teeclub Schweiz übernommen.

Telefon: 044 / 776 18 08

info@teeclub.ch

 

Shui Tang in NZZ

Shui Tang in NZZ

Es ist ein entzückender Artikel. Es waren zwei wunderbare Begegnungen zwischen drei Menschen.
Shui Tang habe eine Spannung durch den Schaufenster aufgebaut und erwecke die Interesse eines Journalisten mit einem guten Riecher. Philipp studierte einst ostasiatione Kunstgeschichte und ist heute Journalist für Kunst und Kultur bei NZZ. Eigentlich hatte ich nicht immer gute Erfahrungen mit Journalisten, die im Grund genommen bereits fertige Storys hat und ihr Konzepte einfach bestätigen lassen wollen oder durchziehen. Sie leben selten im Hier und Jetzt. Die Begegnung mit Philipp war mehr als eine Überraschung. Wir teilen gemeinsame Interesse und die Liebe zum Tee. Ich schrieb ihm, ich habe mich sehr gefreut, einen Teeliebhaber kennen gelernt zu haben!

Zwei Tage später kam Sandra, ein unbeschriebenes Blatt in Sache mit Tee. Sie war von Anfang an fasziniert von der Schönheit der Teekunst. Viele Dinge müssen nicht ausgesprochen werden, um auszutauschen. Ich liess mich von Ihrer Begeisterung begeistern und bekam plötzlich das Gefühl, es ist doch richtig, was hier in Shui Tang geschieht!!

Es ist anstrengend, Shui Tang aufzubauen. Ich habe mich inzwischen viele neuen Neurose angewöhnt: jedes Mal bevor ich nach Hause gehe, schaue ich mindest drei Male, ob ich alle Fenster verschlossen habe, das Licht im Keller ausgeschalten habe und und und… Ich machte eine Checkliste, die mir jeden Tag vorschreibt, was ich nicht vergessen darf! Wenn ich gewußte hätte, was auf mich zukommt, hätte ich meine Finger weggelassen – vielleicht.

Doch es wächst. Und es entwickelt sich. Gestern kam der Jürgen, der vor einer Woche bereits da war, und mir sagte, „Was gibt es Neues?“ – wann ist denn eigentlich so weit?

Heute kamen bereits einige Besucher wegen dem Bericht von NZZ. Allen sagten zu mir – eigentlich hätten sie zu Ursula und Markus sagen müssen – „Was für einen schönen Laden!“

Der Bericht von NZZ über Shui Tang „Ort des schönen Wassers“.

Ab nächsten Mittwoch – ich habe mir ein Deadline gesetzt, ist Shui Tang wirklich OFFEN!

Yep! Das Telefon funktioniert!

Gestern kam Chragi und brachte mir die schönen gedruckten Visitenkarten! Roger hatte sehr Freude daran und sagte, „Hey, das macht die Sache richtig Spass!“ Wir sehen, dass die Dinge sich entwickeln, sich zu einem ganzen zusammenfügen. Wir sehen, Shui Tang wie ein kleines Pflanzen langsam wachsen, langsam aber kontinuiertlich! Roger sagte zu mir, dass es mir nun doch besser gehen kann! Ich antworte, Ja, ich fühle mich nun weniger wie ein Hund, langsam wie eine Katze!

Telefon funktioniert seit einem Monat nicht. Sunrise sagte, die Leitung sei alles O.K. Aber wo liegt das Problem? Jürg ist gekommen und fand keine Lösung. Tino ist gekommen, entdeckte keine Antwort. Ich fühlte mich richtig nutzlich in dem ganzen Geschehen!

Heute kam der Elektriker und schaute nur 5 Minuten an. Es klingelte und es war Lisa! Elektriker! Was für eine tolle Ausbildung! Ich hätte ihn umarmt und geküsst!

So, Schritt für Schritt. Step by Step. Ich erlebe und realisiere, wie ein Projekt sich konkretisieren und materialisieren kann! Eine anstrengende Zeit, die ich niemals vergessen werde und eine wertvolle Zeit für mich, das Wertvolle im Leben zu erkennen!

Ich danke allen, die zu Shui Tang stehen und mir mit ihren Händen tatsächlich unterstützt haben!

Heute mogren kam ein interessierter NZZ-Journalist und möchte über Shui Tang schreiben. Es war ein schönes Gespräch. Ein Wink von Kosmos! Oh… Shui Tang ist noch nicht richtig offen. Ich muss mich beeilen!