Archiv für den Monat November 2014

Der Zukunftstag

Der Zukunftstag

Das war sein Zukunftstag.
Serafino sagte, dass er sein Obento selbst mitbringen würde für den Mittagsessen.
Ich sagte ihm, dass ich für ihn etwas kochen würde.
Er fragte, „was können Sie?“
Ich staunte und antwortete, „oh, ich kann chinesisch kochen.“
Hm, sehe ich so aus, als ob ich nicht kochen kann?
Als ich für Yu eine Mahlzeit mit Gerichten und Suppe auftischte, sagte er zu seiner Frau; „Stelle Dir vor, selbst Menglin kann uns eine Mahlzeit auftischen.“
Ich habe Hong Shao Niu Rou (Rindfleisch geschmort gekocht) und Omelette mit Koriander und Zwiebellauch. Ganz einfach. Er sass mit Stäbchen ganz geschickt. Alles war weg. Ein Schwarzloch existiere in seinem Magen.
Als der Kaffeetrinker-Vater unerwartet kam, bedankte ich mich bei ihm, „Ihr Sohn bereichert mein Leben. Ich fühle mich so reich!“
Er nickte seinen Kopf, „Meins auch.“
Es war nicht bloss der Zukunftstag von Serafino.
Es war auch meine Zukunft.
Ich rieche die Funken aus der Zukunft! Süss, zart und unverfälscht!

Der kultivierte Franz Carl Weber Laden

Serafino antwortete auf die Frage seines Vaters wo er war, er sagte, dass er in einem kultivierten Franz Carl Weber Laden war.
In diesem Laden hat er seinen Zukunftstag verbracht.
Er kam mit Arbeitswut. Er wollte arbeiten. Kartonschachtel richten, Tee wiegen und abpacken.
Wenn Teeinteressierte kamen, bereitete er ganz fleissig den Tee zu.
Sein Vater kam unerwartet.
Auch der Vater musste wissen, in einem Spielzeugladen sein Junge gelandet ist.
Alexander scherzte zu Serafino, ob er nicht wusste, dass der Spielzeugladen eigentlich ein Hexenladen ist.
Oh, ich erinnere mich an die Märchens! Die Grete, der Wolf oder Lebkuchenhaus!
Serafin hat wenig Angst. Er lief in Shui Tang mit einem Selbstverständlichkeit. Ich muss mir keine Gedanke machen, ob meine Töne schön oder vielleicht falsch liegen, ob er meinen Keller nicht chaotisch findet, ob er meine Sprache entziffert. Er machte es einfach. Unkompliziert und gelassen.
Woher hat dieser Junge diese Einfachheit und Gelassenheit? Ich schaute ihn an und dachte an seine Eltern, die ihm als Kind einen Raum schenkt.
Er sass vor Kravattenträger, sass vor erwachsenen Teefreaks und auch vor hübschen Blondine. Er sagte zu ihr, dass unser kultivierte Franz Carl Weber Laden eigentlich nur Herren besuchen.
„Woher weiss Du es?“ fragte ich ihm.
„Ich habe es so beobachtet.“ antwortete er mit einer Klarheit.
Und diese Herren respektieren den 12jährigen Serafino. Sie diskutieren mit ihm über Ninja, über Samurai oder über Architektur.
Es war bereits spät. Fünf Herren sassen am Tisch. Serafino machte Tee.
Ich bediente gerade einen anderen vor dem Regal.
Serafino gab einen neu dazu kommenden Herren eine Tasse – eigentlich nur für Riechen gedachtte. War es ein Fehler? Ich beobachte, reagierte aber nicht.
Ich sah, wie der eine „falsche“ Tasse bekommende Herr schweigend angenommen hat und so seinen Tee aus einer sehr hohen Tasse trank. Alle sagten nichts und tranken gemeinsam den Tee von Serafino.

Ich spüre die Träne im Auge. Alles wurde im Tee aufgehoben. Erwachsene oder Kinder. Richtig oder falsch. Gast oder Gastgeber. Die erwachsenen Herren haben Serafino liebvoll akzeptiert und seine Autorität am Teetisch respektiert. Ich war sehr berührt.

Irgendwann sagte, er habe genug von Tee. Er hörte einfach auf zu trinken, will mir unbedingt bei der Kasse helfen.
Irgendwann ist der letzte Gast aus der Tür.

„Serafino, nun ist die Zeit für den Heimweg. Deine Mutter wartet auf Dich.“
„Das stimmt nicht.“
„Doch. “ ich will nicht, dass seine Mutter auf ihn warten musste.
„Schade, dass wir in nächsten Jahr keinen Zukunftstag mehr.“
„Wir haben immer Zukunft.“
„Ich komme am Dienstag nach der Schule!“
Ich nickte meinen Kopf.

Der zukünftige Held

Serafino kam zuerst mit seiner Mutter.
Nun kommt er allein.
Ich, über 40.
Er, erst 12.
Ich, ein Ausländer aus fenen Osten.
Er, ein Schweizer aus Kreis 4, bei Primetower.
Dieser kleine Junge kommt immer mit einem schweren Rucksack und beklagt über Rückenschmerzen. Ich streiche kurz seinen Rücken und sagte, „ziehe deinen Bauch und Kien zusammen, Ohren über deinen Schulter wie ein Samurai.“
Samurai ist sein Vorbild und Asien ist im Moment sein Traumland. Ich weiss nicht, ob jeder Junge in dieser Stadt so träumt wie er. Aber Serafino ist besonders. So besonders wie Du und ich.
Er möchte Tee lernen. Und er erzählt gerne. Er erzählt mir was ihn so beschäftigt. Zum Beispiel über die Identität.
Er sagte, dass er Diskrimierung und Beschimpfung in der Schule erlebt, seitdem er öffentlich über seine jüdische Herkunft outet.
„Wie hast Du dann reagiert?“
„Nicht reagieren. Ich bin einfach stil geblieben.“
„Super! Weiss Du, wenn ein Hund Dich beisst, beisst Du den Hund eben auch nicht zurück.“
Er lachte.
„Und Diskrimierung – “ ich versuche ihm zu erklären, “ erleben wir immer im Leben, weil wir anders sind.“
Weil wir anders sind.
Wenn wir unsere Andersartigkeit leben wollen, brauchen wir nicht nur Erkenntnis, sondern auch Mut, anders zu sein.
Serafino fragte mich, warum ich hier nicht kaputte reparierte Schale verkaufen.
„Ich habe gehört, dass eine reparierte Teeschale in Japan sehr wertvoll ist.“
Sein Gesicht war ernst.
„weiss Du, warum wir eine reparierte Teeschale schätzen?“
Er schüttelte seinen Kopf.
„Man schätzt eine Teeschale, weil man eine natürliche Beziehung mit dieser Schale aufgebaut hat. Eine Beziehung, die natürlich entsteht. Deswegen lässt man eine Teeschale reparieren, weil man eine persönliche Beziehung zur Schale aufgebaut hat. Nicht weil man eine reparierte Teeschale schätzt. Verstehst Du?“
Seine Augen funken.
„Eine Teeschale ist schön, weil sie natürlich ist. Eine Freundschaft ist schön, weil sie natürlich entstanden ist. Dinge, die organisch entwickeln, entfaltet eine natürliche Schönheit. Das schätzen wir im Tee. „
„Natürliche Schönheit…“
„Ja, unsere Gesellschaft plädieren von Netzwerk. Aber im Tee pflegen wir natürliche Beziehung zu Teeschalen, zu Menschen und zu Tee. Kannst Du es verstehen?“
Er nickte seinen Kopf.
„Also, so wie Du und ich kennen gelernt haben. Ganz natürlich und braucht Zeit. Verstehst Du?“
„Ja. “ er fragte, „kann ich dann in meinen Zukunftstag von der Schule zu Ihnen kommen?“
„was ist Zukunftstag? Was muss ich machen?“
„Nichts. Ich möchte einfach zu Ihnen kommen anstatt zu meinem Vater oder zu meiner Mutter. Kann ich von 11 Uhr bis zum Abend hier sein?“
„Was machst Du hier?“
„Alles, was Sie wollen.“
„Serafino, wir arbeiten hier. Also, Du kannst putzen, Tee packen und Tassen waschen?“
„ja.“ er lachte.
Sein Vater sei ein Anwalt…
„Aber, das ist Kinderarbeit! Bitte frage Deinen Vater, ob er damit einverstanden ist.“
„ja! er sagte ja.“
Wirklich? O.K. wir werden sehen.
Nun wollte er Tee lernen und sass dort ganz aufrichtig am Tisch.
„Serafino, das Erste, was Du im Tee lernst, ist keine Spuren zu hinterlassen. Kannst Du das?“
„ja. Klar. Wie die Ninja!“
Wow!
Manchmal muss ich doch an die Lehre von Wiedergeburt glauben!
Ich sah sein glückliches Gesicht und spürte eine Wärme durch meinen Körper.
Er ist so jung. Seine Träume werden paar Male neu erfunden. Die schönen Moment am Teetisch können in Fluss seines Lebens untergehen. Aber, ich bin mir sicher, an einem bestimmten Ort, an dem richtigen Moment werden die Düfte des Tees und die aufrichtige Haltung am diesen Teetisch wieder in seinem Körper wach rufen!

Die Reise eines zukünftigen Heldes II

Der Held im Gefängnis der gesellschaftlichen Unterdrückung (ich bin nicht sicher, ob er seinen Titel verändert hat. ich fände das Wort „Unterdrückung“ ist zu stark. Es braucht Mut das Wort zu nehmen.)

Es war einmal ein Junge, der nicht reden konnte, alle anderen in seiner Spielgruppe konnten reden, er nicht. Im Alter von 7 konnten alle reden und lesen, er konnte dies lesen. Sein Lehrer hat seine Eltern zum Gespräch aufgefordert und ihnen mitgeteilt, dass ihr Sohn gehen muss, denn er ist langsam, er ist nicht kreativ, er halte die Klasse davon ab sich zu verbessern. Die Eltern schickten ihn arbeiten. Er wurde von jeder Arbeitsstelle gefeuert. Alles was der Junge bis zu seinem 21. Lebensjahr kannte war Fehlschlag. Erfolg kannte er nicht. Doch er ist immer wieder aufgestanden, schlug fehl, aufgestanden, schlug fehl, bis er eines Tages entdeckt hat was er möchte, was ihn inspirierte. Er hatte einen Traum. Für diesen Traum arbeitete er immer bis spät in die Nacht. – Durch diesen Prozess musste er sich nicht mehr fragen; „Was wäre wenn?“ – Dieser Mann ist 1093 mal fehlgeschlagen, und hat nicht aufgehört. Fehlschlag war sein täglich Brot, sein Leben. Er wusste jedoch was er wollte und gab nicht auf bis er seinen Traum erfüllt hat.
Dieser Mann war Thomas Edison, Erfinder der Glühbirne
Ich möchte heute nicht über Thomas Edison an sich sprechen sondern über den Prozess des Erfolges, den er bewältigt hat, den Prozess, dem wir uns ab Tag 1 unseres Lebens widmen.
Wir, damit meine ich euch Mitschüler/innen, die wie ich auf dem Weg des Erwachsenwerdens sind, befinden uns in Mitten, wenn nicht teilweise am Anfang dieses Prozesses. Die Zeit der Absicherung durch die Eltern ist vorbei. Wir müssen selber Entscheide treffen und für diese auch noch gerade stehen. Immer mehr und mehr müssen wir uns die Frage stellen; „Wer bin ich eigentlich?“ – Wenn ihr dies noch nicht tut, dann empfehle ich euch das wärmstens, denn die Zeit läuft.
Zurück zu unserer Frage. Wer bin ich eigentlich? Was ist der Grund meines Daseins? Was möchte ich erreichen? – Sobald ihr euch diese Fragen stellt, werden viele von euch sich ein wenig unwohl fühlen, Witze darüber machen oder sogar einfach versuchen die Frage auszublenden und über euer Mittagessen nachzudenken.

Dies ist die Wirkung der Komfort-Zone, ein Phänomen, das meinen Thesen zufolge aus Gesellschaftlicher Unterdrückung entsteht also aus Erziehung, aus Angst vor Veränderung, schlussendlich aus Angst vor dem Fehlschlagen. Die Komfortzone ist ein Verhaltenszustand, eine Lebenseinstellung ohne Aussicht auf Veränderung und Risiko. – Nur wenn ihr aus diesem Stadium der Gleichgültigkeit heraustreten könnt, werdet ihr Wachstum und Fortschritt in euch selbst entdecken. Ich selbst bin ein sehr gutes Beispiel des Austretens aus der Komfortzone. Ich breche Regeln die ihr euch selbst aus Angst vorschreibt.
Wie ihr mich alle sicherlich kennt mache ich teilweise Sachen, sei es auf der Sozialen oder Persönlichen Ebene, die ihr euch nie getrauen würdet nachzumachen. Das muss doch ein sehr langweiliges Leben sein, das ihr da lebt. Versteht mich nicht falsch, dies sollte der Punkt für Humor in meiner Rede sein. Sehr aufdringlich, nicht wahr? Gut so.
Ich zitiere Joseph Campbell, ein Us-Amerikanischer Professor aus seinem Werk: Der Heros in tausend Gestalten.
„Jede Seele hat einen inneren Ruf, ein Verlangen des Herzens, die Komfortzone zu verlassen und sich auf ein Abenteuer zu begeben.“
Ja ihr habt recht, es braucht Mut, viel Mut aus dieser Zone raus zu kommen. Ich verrate euch wo ihr an eine gesunde Dosis Mut rankommt. Träumt wie Thomas Edison, träumt wie jedes Kleinkind davon träumt später einmal Astronaut, Feuerwehrmann oder Krankenschwester zu werden. – Der Traum an sich ist die Reise zur Verwirklichung, also habt den Mut umzusetzen was zu tiefst in eurem Herz verborgen liegt, denn dann wird die Illusion des Traumes zur Wirklichkeit werden.
Die Gesellschaft und vor allem die Erziehung spielt eine der grössten Rollen bei der Zerstörung von Träumen. Eltern erziehen ihre Kinder nach den Idealen von denen sie geprägt worden sind. Auf dem Weg des Erwachsenwerdens müssen wir uns ALLE von unseren Eltern emanzipieren. Alles was uns durch die Erziehung beigebracht wurde, wird von uns selbst hinterfragt und neu überprüft. Dieses Verfahren bietet uns dann die Einsicht, dass dieser Weg unser eigener ist und nicht der Weg des Anderen. (der Eltern, der Religion, der Freunde, der Medien)
Zum Schluss fordere ich euch jetzt auf eure Komfortzone zu verlassen. Brecht die Regeln, damit ihr neue Regeln kreieren könnt, die dann wieder von anderen gebrochen werden. Bezwingt eure Angst und befreit euch aus dem Gefängnis, oder bleibt stehen.
Die Hodgetwins, einer meiner Favoriten unter den Youtube-Channels würden jetzt sagen: „ DO WHATEVER THE FUCK YOU WANNA DO!“

Die Reise eines zukünftigen Heldes I

Wir nennen den Tee Dong Ding Surprise.
Dong Ding Ueberraschung?
Weil Dong Ding ist heute ein Oolong, dessen Gesicht immer gesichtsloser wird.
Gesichtslos weil es zu viele Oolongs nach diesen Name genannt werden ohne den Geschmack zu haben. Gesichtslos weil es immer bequemer wird, einen Tee mit einen gekannten Name zu vermarkten. Gesichtslos weil man nicht mehr weiss, wie er schmecken soll!
Versteht ein Junge in der Wohlstandsgesellschaft der Schweiz, was Not und was Verzicht bedeutet? Versteht ein Junge in der durch und durch sexualisierte Perversität unserer Zivilisation noch Erwachsen Werden?

Als im September den Dong Ding Surprise bei Atong entdeckt wurde, staunte ich über die einfache Art des Rollens. Ich fragte ihn, ob dieser Tee von einem alten Teemaker gerollt wurde.
Er nickte seinen Kopf und sagte, dass es auch möglich die letzte Partie von diesem Mann.
Dieser alte Mann gehört zu sterbenden Generation, die verstand aus dem einfachen Erde einen einfachen Tee zu machen. Der Garten, der nach der Erdbeben sich nicht mehr richtig zu wirtschaftlichen Schwung kam und immer nur so viel gepflegt, wie der alte Mann es kann. Aus den beiden Faktoren, dessen Zeit nicht mehr modern ist – ein nicht rechnender Mann und ein schlecht bewirtschafteter Garten, entstehen eine Ueberraschung! Charmante fruchtige Duft und voller Kraft aus der mineralischen Erde des Dongding Berges.
Der Geschmack ist wie es früher war – einzigartig, sagte Atong.
Ich fragte ihn, warum ist dieser Geschmack noch präsent?
Weil die Art wie man einen einzigartigen Tee macht, sich nicht verändert.

Der Verlauf der Reise eines Junge in die Erwachsenenwelt verändert sich heute. Oder nicht?
Können wir unsere Kinder so brav und komform mit 4G-Geräte oder Songs und Videos oder vielleicht Stars- Managers-Traum halten?
Wie sieht ein Junge sein Leben aus dem bequemen Zone auszutreten? Wie ein Tee aus dem verwilderten Garten mit Zikadenbefall und andere Wildness, oder wie ein Teemaker ohne klimatische Geräte und Steuerung einen richtigen schwarzen Drachen zu kreieren?
Ich war sehr berührt, als Tim mit mir über seinen Vortrag in seiner Schule in Zürich besprochen hat. Hier ist sein Text.
Ein Text von einem 17 jährigen aus der Schweiz.

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