Archiv für den Monat November 2013

Bangwei Gushu – das von Zeit begrabenes Geheimnis

Im Fluss der Zeit werden viele Ereignis akzeptiert, während viele Geheimnisse begraben werden. Manchmal bist du das Geheimnis von anderen. Manchmal ist der andere dein Geheimnis.
Die Zeit fließt. Manche Tee verschwinden. Manche Tee fluten nach vorne, weil sie ein bestimmtes Trend entsprechen, solche Trend werden wieder von einem neuen im Flut der Zeit ersetzt.
Buddhas Hand ist so ein Tee, der fast in Erinnerung von Teeliebhaber Taiwans vergessen wird, nur besessene Köpfe reden noch davon. Ich schätze ihn, weil er mir manchmal an einem Regenbogen erinnert, der auch ohne Regen und Sonne in meiner Tasse lächelt. Uralte Bäume von Buddhas Hand standen gruppenweise im Wald. Der Geschmack erinnert mich an dem Pu Er von alten Bäume aus Bangwei.
Ein Tee, der gleich wie ein Geheimnis, der im Flut der Zeit überschwemmt wird.
Sind Tees aus alten Bäumen im Geschmack ähnlich? You sagte ja. Sind alle Geheimnisse ähnlich, dass sie von der Zeit verschüttet werden?
Am Teetisch tranken wir zusammen den alten Bangwei von 2011. Noch recht jung, zart, so leicht flora wie auf eine Bergwiese, so geschmeidig wie mit dem Barfuß die Wiese zu streichen. Auf einmal wurde sogar Romeo ruhig. Ein seltener Tee, der so einen wie ihn auch beruhigt. Fühlt er sich getragen? Unbeschwert das Sein des Lebens am Teetisch zu genießen? Ich fühle mich getragen von der Leichtigkeit dieses Tees und von der Einfachheit des Geschmacks. Ein Tee aus alten Bäume die ueber 800 Jahre alt sind, könnte so eine Leichtigkeit des Seins in unsrem Herzen wieder vermitteln! Ich staune jedesmal über das Geheimnis dieses Tees, so alt und so leicht – wie das Sein zwischen Wolken und Wasser! So alt wie das Wolken und Wasser schon immer existieren und so zweifelsohne ausdehnend wie sie ineinander fließen.
Dieser Tee war auch ein Geheimnis, das ab und zu noch in Welle der Gedanke nach Vorne getrieben wird. Er verbindet etwas, was ich in meinem inneren Garten gut aufhebe zwischen mir und einer Person die mir viel bedeutete. Er war aber auch ein Fusstee, der mich in letztem Jahr bei meiner Fußverletzung getragen hat. Ohne ihn wäre der Alltag in Shui Tang ein Qual gewesen.
Manchmal wirst du ein Geheimnis des anderen ohne es zu wissen. Manchmal ist der andere deins, weil du es nicht aussprichst. So bleibt das Leben wie eine endlose Geschichte. Und der Tee ist das Geheimnis selber, sein Geschmack ist die Botschaft.

Das Dorf des ewigen Fruehlings – Yong Chun

Das Dorf des ewigen Fruehlings - Yong Chun

Buddhas Hand, mein Lieblignstee sollte hier beheimatet sein.
Ein Dorf, ganz verschlafen, noch recht grün. Die alten Frauen sortieren gerade die frische Ernte. Heute pflanzt man Tie Guan Yin, dessen Ernte Anfangs Oktober anfing und der Buddhas Hand ließ sich noch warten.
Während die alten Frauen arbeiteten, spielten die Kinder auf der Straße. Meine Grupee tranken den Tee von den Parteifunktionaer, ich saß an dem Straßenrand und wurde von Fremden beobachtet.
Fremden? Wer ist hier fremd…
Damals – als die Chinesen in Indonesien massakriert wurden, wurden fliehende Chinesen nach Yong Chun gebracht. Fast alle arbeiteten mit Tee… Aber die alte staatliche Fabrik sah wie eine Ruine aus. Ich saß vor dem Ruine, genoss die Ruhe, während die Huehner um mich herum liefen. Das Dorf, das Haus, der Platz, alt, melancholisch und einzigartig. Wie wunderschön!
Scheinbar existieren noch viele alte Buddhas Hand Teebaeume in dem Wald!
Alte Teebaueme, ach, hast du noch nicht genug gesehen, Menglin?
Buddhas Hand hat ein riesiges Blatt. So groß wie meine Hand.
Buddhas Hand wächst und treibt langsamer. So langsam dass die Zeit fuer ihn bald vergangen wird.
Buddhas Hand ist der Name eines wunderschönen Tees. Damals in Yong Chun, dann in Taiwan. heute auch sogar in Zürich. Und meine Freunde in Einsiedeln lieben sogar ihn – auch in Einsiedeln, wo Jesus und Buddha sich begegnen können. Wie könnte man heute anstatt ihm Shui Xian und Tie Guan Yin einpflanzen nur wegen dem Ertrag?
Ich saß noch ein bisschen vor der Ruine, schaute noch ein bisschen den Huehner zu und warte auf den nächsten Schritt, wohin Reise des Tees mich führte.

Ein Show oder einfach Tee trinken?

Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich Tee unterricht erteile.
Bis jetzt gebe ich zwar Seminare, aber eher über das Wissen um den Tee selbst.
Sehr ungerne unterrichte ich den so genannten Gongfu Cha.
Es ist sehr persönlich, warum ich es ablehne. Erstens will ich keine Schule haben. Zweitens bin ich nicht scharf jemanden zu unterrichten. Wenn man unterrichtet ist man mit vielen Projektionen konfrontiert – einerseits wird man verherrlicht und läuft selbst in Gefahr vor Bodenlosigkeit; andererseits muss man eine Rolle spielen, jemanden zu kritisieren. Drittens fühle ich mich wirklich nicht als ein so genannter Meister oder Lehrer und bin richtig gar nicht scharf darauf es zu sein.

Wenn die Jungs zu Shui Tang kommen und mir erzählen dass sie in Youtube Gongfucha gelernt haben, lachte ich immer. Aber langsam kann ich nicht mehr gut lachen.
Letzte Woche kam ein Portugiesser und fragte nach Unterricht. Er sagte, er hat sehr viel in China gelernt und hat einige Frage an mich. Er fragte nach Genauigkeiten und Richtigkeiten wie ein ganz ernster Schüler.
Ich lachte und sagte zu ihm. Das einzige, was er beschäftigen muss, ist, was er seinem Gast vermitteln will.
„Willst Du ein Show abziehen, dann ganz viele Bewegungen und mit einem ganz steifen Rücken. Am besten noch chinesische Kleider dazu.“
„Wenn es aber um den Tee selbst handelt, dann möglichst wenige Bewegung und wenige Preis über dich. Viel Gelassenheit und Ruhe, damit das Sein zwischen Menschen zum Vorschein kommen kann.“

Opfern

Mit meinem Lehrer Atong zu reisen bedeutet immer essen, essen und essen.
Er isst wie jeder Taiwaner gerne. Der Unterschied ist, dass er gerne aufs Land fährt und überall vergessene Spezialitäten sucht. Er fährt und fährt, egal wie weit und wie lang.
Er sagte, „das Essen für die gewöhnliche Leute auf dem Land schmeckt nach dem Taiwan-Spirit.“
Das Essen auf dem Land und an der Strasse schmeckt nach Taiwan und hat eine Seele…
Aehnlich wie sein Tee – sein Tee schmeckt nach Atong, nach Taiwan und nach einer Ueberzeugung…
Als ich sehr klein war, wohnte ich in einem sehr grossen und dunklen Haus mit verschiedenen Winkel und Häuser. Meine Grossmutter hat immer in dem zweiten Garten zwischen dem ersten und zweiten Haus Hühner geschlachtet, wenn wir speziele Tage hatten. Alsein kleines Mädchen versteckte ich hinter den Orchideen schaute meine Grossmutter wie sie Räucherstäbchen anzündete und Sutra sang, während sie die Hühner festhielt und zu ihr sprach. Sie sang, dass das Tier eben schlechtes Karma hat und nun geholfen werden sollte reinkarniert zu werden. Das Tier opfert sich damit die Familie von Götter beschützt werden und das Tier sollte nun in ein neues Leben gehen am besten als einen reichen Sohn wiedergeboren werden. Meine Grossmutter sang drei Male und sie sah wie hyponisiert aus. Plötzlich köpfte sie das Tier ab und dann… paar Stunde später wurde ein wunderbares Gericht auf dem Familieatar gestellt, die Götter durften als erste geniessen, danach kamen wir daran.
Was ist das Wesen des Lebens?
Seit Sommer beschäftigt mich diese Frage.
Ist das Leben nicht Essen und Gefressen werden?
Ist das Leben nicht aus den verfeulten Blätter und Früchten – aus dem Boden?
Ist das Leben nicht aus diesem Kreislauf von Sterben und Geburt?
Diese Frage scheint um so aufdringlicher, wenn es einen betrifft.
Wo liegt der Schlüssel zur Erneuerung des Lebens?
Ich esse sehr gerne Steak vor allem nach einem stressigen Shui Tang Alltag.
Ein Tier opfert sich, damit ich wieder Kraft erhalte. Trage ich nicht die Verantwortung für das, was das Tier opfert? Die Kraft die ich erhalte durch sein Opfern ist ein Auftrag etwas zu verwirklichen um das Opfer zu transformieren… Sehr ähnlich wie in uralter Zeit, als die Schamanen von unseren Vorfahren es taten.
Aber wer will heute schon selbst opfern? Jede politische Einschnitt ruft Geschreie hervor. Wer will das so genannte Lebensstandard runterschrauben? In dieser Angst-vor-zu-kurz-zu-kommen Gesellschaft ist das Sich-Opfern ein lächelicher Idealismus.
Und wie identifizieren wir heute mit Ofern-Sein! Viele von uns sehen sich als Opfer der Gesellschaft, werfen anderen Menschen vor, Verletzungen und Ungerechtigkeit hinzufügen.
Das Paradox, was wir alltäglich erleben, manifestieren deutlich in unserem Essteller.
Der Vegetarismus löst kein Problem von grausamer Tierhaltung. Das Boom von Bio ist kein gefeiertes Zeichen von gesunden Bewusstsein. Das Problem liegt an der Art wie wir mit Geld umgehen. Das Geld ist eigentlich dafür da, dass unser Leben erleichtert wird. Heute ist das Geld das Ziel aller wirtschaftlichen Handlung.
Klar – dort, wo das Geld die zentrale Rolle spielt, ist das Sich-Opfern eine Dummheit. In dem Kalkül des Klugen findet man das Wort Opfern nicht.

Es war lange her – als Kind fuhr mein Vater uns immer durch die Insel während der Ferien. Denn er hat verschiedene Fabriken auf dem Land zu besichtigen. Während wir auf ihn warteten, spielten wir irgendwo zwischen Ananasfelder und Maschine. Ein Freund von meinem Vater, sehr dick und scheinbar erfolgreich, bekochte gerade uns. Er schälte gerade Ananas und Bambus für die Suppe. Ich schaute ihm zu bewunderte seine raue Hand und eigentlich deformierte Finger. Seine Familie hat seit drei Generation ein Nudelmanufatur. Unter der starken südtaiwanesischen Sonne kontrollierte er neben dem Herd gerade die Nudel. Ich wollte unbedingt mithelfen. Er streichelte meinen Kopf und sagte zu mir in einer sanften Stimme, „Passe auf, breche sie nicht. Sie sind meine Liebe.“ „Onkel, warum die Sonne? Hast Du keine Maschine?“ Er sagte, von Sonne getrocknete Nudel riecht nach Taiwan und hat eine Seele. Das erzählte sein Grossvater ihm. Er kannte nicht anders und veränderte an den Nudeln auch nichts.
Der Nudel, die nach Taiwan riecht und von einer Seele bewohnt ist, schmeckte in der Kindheitserinnerung wunderbar. Der dicke Onkel, der wenige Bildung besass und kaputte Finger und krumen Rücken hatte, starb irgendwann nach einem harten Arbeitstag zwischen den Nudelkorben neben den Ananasfeldern. Mein Vater sagte, das sei das Beste, was einem passieren – ohne Jammern und ohne Zögerung – er wünscht sich ebenfalls so einen ähnlichen Abgang.
Ich weiss nicht, ob ich durch mein eigenes Opfer etwas beseelen kann. Aber das Leben hört scheinbar nicht durch den Tod auf. Weil etwas darüber hinaus weiter geht und entstehen kann. Von den kaputten Finger der Pflückerinnen entstehen wunderbare Tees, die Menschen aller Welten bereichern und beglücken können. Aus den von Arbeit beanspruchten ruhelosen Nächten entfalten die zauberhaften Düften und Aromen aus den Teeblätter in unserer Tasse. Ohne das Opfern von den Menschen, die einen guten Tee mehr als Geld schätzen, wäre unsere Welt farblos.
Ich bin zutiefst dankbar.

Gongfu Cha – Automat

Liebste Meng-Lin

Irre, was sich die Leute heutzutage so einfallen lassen, ein Teezeremonieautomat(?):
http://youtu.be/9zIG2sxjiBw

Schade, wie die Leute das was ich als Essenz vom Tee verstehe so ganz anders wohl erleben und umsetzen…

Freue mich auf jeden Fall sehr auf unseren nächsten gemeinsamen Tee! 🙂 Ganz liebe Grüsse,

Joseph

Teefreund Joseph aus Basel ist so entsetzt über die menschliche Innovation. Eigentlich ist es nicht so überraschend. Der menschliche Geist sucht immer nach der so genannten Entwicklung, weil er immer wertet, was besser ist oder nicht. Weil er unzufrieden ist.
Ich auch.
ps. ich finde es recht amüsant. Ist es nicht richtig deutsch?
Nach diesem Video ist es mir auch klar, warum manche Zugfahrt auf sich nehmen zu Shui Tang rennen und von mir korrigiert werden wollen. In You-Tube findet man zwar einiges über Tee. Aber Tee mit Essenz gibt es nur selten.

Schneiden anstatt Pfluecken

Schneiden anstatt Pfluecken

Heute schneidet man in Anxi mit diesem Messer wie man im Europa auf den Rebbergen verwendet, die Teeblätter.
Einst pflückte man. Heute schneidet man.
Die Dame, die angeblich die erste war, diesen Messer zu verwendet, kam zufällig bei Atong zu Besuch und ich konnte dieses Foto verewigen.
Ich will diese Sache nicht moralisieren, was besser ist. Vor allem ich bin nicht die Pflückerin und habe keine deformierte Finger – was habe ich hier zu verurteilen?
Als ich im Mai in Yunnan war, beobachte ich, dass fast alle Bäurinnen deformierten Finger haben und darunter leiden. Damals machte ich mir schon Gedanke, was das bedeutet…
Eine Tasse Tee in meiner Tasse bedeutet auch sehr viel Opfer und Hingabe von vielen Menschen.
Ich- als ein Teeliebhaber und eine Händlerin – wie stehe ich dazu?