Archiv für den Monat Mai 2009

Der Tod

Meine Teefreundin Ulla ist in der Nacht am Donnerstag gestorben.

Schön, elegant und lieb war sie. So bleibt sie auch in meiner Erinnerung.

Sie würde so gerne mit nach Taiwan gehen. Sie glaubte an die Reise mit mir nach Taiwan, die ihr Leben neuen Impuls geben könnte. Sie glaubte an die chineische Medizin, die ihre Krankheit unterstützen könnte. Sie glaubte an unsere Freundschaft, die über Tee entstanden ist, eine Wende der Krankheit verschaffen könnte. Alles blieb in der Hoffnung. Alles geschieht in höheren Wille.

Ich war sehr betroffen, als ich die Nachricht erhielt. Innerhalb einem Monat erfuhr ich zwei Tode von Menschen, die mir sehr nah standen. Was bleibt eigentlich als das Wesentliche im Leben? Wie lange kann man schweigen, bis man alles ins Grab mitnimmt? Wie lange muss man noch vor eigenem Angst fliehen, bis der Tod uns endlich scheidet?

Ich rief Andrea an, sie kennt Ulla. Ich werde morgen bei ihrer Beerdigung sein, den Zwischen-Abschied von ihr zu nehmen, irgendwann werden wir uns wieder umarmen irgendwo im Paradies. Danach möchte ich mit Andrea eine Flasche Sekt aufmachen. Zu feiern, dass wir leben und verweigern, etwas zu verpassen!

Der Besucher

Wie könnte man ein Teemeister zu einem Arbeitssklaven umwandeln! Eigentlich wäre es in Asien undenkbar. Ulrich hatte etwas in Zürich zu erledigen und fuhr mit seinem Motorrad in die Schweiz. Ich dachte, ich hätte genügende Zeit, meine Wohnung zu putzen vor seiner Ankunft. Leider war sein Termin früher fertig und er kam drei Stunde früher als ich dachte. Im Telfon fragte er, ob es mich stören würde… Oh, mein Chaos… dachte ich. Aber was soll´s! Warum sollte er denn wegen meines Images irgendwo drei Stunden stehen! Er kommt bestimmt nicht wegen meiner Tapferkeit sondern wegen meinem „Herz“! Wenn die Spontaneität nicht gelebt werden kann, lebt das Leben auch nicht mehr.

So kam er an und wir tranken eine Tasse Kaffee. Anschließend wollte er Shui Tang anschauen. Das passt sehr gut, denn der Jürg kaufte mir ein Tisch mit zwei Banken, die dort hin transportiert werden müsse! Alles richtig gut geplant!

Mühsam haben die beiden starken Männer den Tisch endlich in dem Keller gebracht, wo der Tee in der Zukunft gepackt werden soll. „Ein Wunderschöner Tisch!“ Zu Schade für Tee packen, meinten sie. Warum nicht?

Als Entschädigung lud ich Ulrich ein bei Wendy (Hot Pot, Birmensdorferstrasse 222 8003 Zürich 0444503031) die besten Ente zu essen. Nein, eigentlich war es seine Idee, als ich anbot etwas für ihn zu kochen, sagte er, „Nein, wir gehen zu dem leckeren Restaurant neben Dir!“ Ich habe die Botschaft verstanden!

Nach dem Tod von Michel habe ich nicht mehr viele Menschen, bei denen ich Frage stellen könnte. Klar sind alle Menschen unser Spiegel. Wir sind allerdings so fixiert auf unsere Befindung und Empfindung, selten verstehen wir die Reaktion von Außen. Michel war immer jemand, der mich direkt konfrontierte, in Frage stellte, und mich kritisierte. Nun wie sollte denn mein Weg sich weiter entwickeln, vor allem mit einem Laden Shui Tang. Die Balance zwischen dem materiellen und geistigen in mich selbst zu finden ist nun eine dringende Frage geworden. Ulrich ist nun jemand, mit dem ich meine Frage stellen kann.

 

In unserer Gesellschaft sind wir gewöhnt, dass die anderen uns ein Image auftischen und wir ebenfalls erfolgreich und selbstbewusst auftreten „müssen“. Wenn wir es nicht tun, fühlen die meisten eher irritiert als erfreut. Stets versuchen wir uns selbstbewusst darzustellen und wenn wir Mal Schwäche und Probleme zeigen, können viele Menschen nicht damit umgehen. Also wir lernen, Menschen und Dinge zu steuern und manipulieren, um das Leben scheinbar zu erleichtern und uns ins günstigeren Licht zu lenken. Oft verstecken wir unter dem Deckmantel, etwas für die anderen tun, um andere Menschen und uns in einer Abhängigkeit zu binden. Liebe Dein Nächst ist schon gut, aber zuerst bitte Dich selbst.

Ulrich hat mir eine interessante Geschichte erzählt, als wir über die Abhängigkeit zwischen Menschen sprachen. Er sagte zu seinem Lehrer als er Japan verließ und vorhatte, in Deutschland etwas aufzubauen für Menschen im Teeweg. Dann erwiderte ihm sein Lehrer mit einer Frage, „Wozu?“ Er sagte zu ihm, dass er die Pferde wohl verkehrt betrachtet. „Du muss es nur für Dich tun. Tue das, was Dich begeistert und was Du für richtig hältst. Die anderen sind Dir egal. Alles anderen kommen von sich alleine.“ Tue die Dinge für uns selbst anstatt für anderen, für die Zukunft oder für das Geld. Wenn Tee mich begeistert, lebe ich die Begeisterung mit den Menschen und die Begeisterung kann sehr ansteckend sein. Die Dinge nehmen ihren Lauf und alles kommt von sich alleine.

Dann unterhielten wir uns über die Loyalität. Ein Thema der Abhängigkeit, die so gerne eingesetzt wird in allen Lebensbereichen. Kann man Loyalität, Liebe und Freundschaft einfordern? Kann man mit Geld Wissen bezahlen? Löst das Geld die Abhängigkeit zwischen Geben und Nehmen? Was ist dann das Wesentliche zwischen Menschen, das keine zwanghafte Abhängigkeit schafft, aber bereichert?

Ich danke Ulrich sehr über die Zeit, die er nahm, mich zu besuchen. Ich wusste, dass er nur wegen mir gekommen ist, nicht wegen dem anderen Termin, den er wegen dem Witterung abgesagt hätte. Ich fühle mich reichlich beschenkt.

Duftende Forelle

Duftende Forelle

Christof brachte mir wunderbare Fische direkt aus dem tiefen See aus schweizer Bergen. Anschließend schrieb er mir, wie duftend kochte er seine Fische!

Ich habe eine goße Forelle am Samstag in einen heißen Sud aus Staudensellerie, Karotten, Zwiebel, Piment, Pfefferkörner, Lorbeer und Chili eingelegt und dann über den Vormittag gar ziehen lassen, dann kalt gestellt. Dazu selbstgemachte Knoblauchmajonaise und Meerettich-Apfel Joghurt Sauce:-) Lecker war das!

Ach so, Weißweinessig und Fleur des Sel muss noch in den Sud, nur nicht zu sauer machen. Das kannst du prima mit der großen Forelle von mir machen:-)

Ich schrie im Cyperspace, Ich will unbedingt von Dir bekocht werden! Ich will unbedingt in das Koch-Club von ihm eintreten!

Fisch esse ich unglaublich gerne. Angefangen war aufgrund einer kleinen Lüge meiner Mami. Sie sagte zu mir, dass Fischessen Intelligenz steigert! Also, ich ass und esse immer noch fleissig Fische!

Mit meinem Teevater Detlef esse ich am liebsten die frische gebeizte Lachsforelle aus Reichenau! So frisch, genackig und aromatisch! Selbst koche ich Fisch am liebsten mit Wasserbad. Das Wasserbad macht das Fleisch des Fisches vollständig erhalten und der Sud ist selten trüb, der Duft bleibt klar und differenziert. 

Ich sah diesen wunderbaren frischen Fisch, der unbedingt richtig zur Sprache gebracht werden muss. Also wenig Gewürze, wenig Zutaten, wenig menschliche Bemühung! Mariniere ihn nur mit Salz. Sparsam mit Ingwer, keine Knoblauch. Sparsam mit Sake und gar kein Öl. Mit wunderschöne Jasmin Drachenperle, 5 Minuten im Wasserbad dämpfen. Mimmmmmmmmm

Ich rief Carola, Jürg und Edith an, um den Fisch zu essen. Aber nur Fisch ist zu wenig. Dazu noch geschmorte zarten Ziegerücken im Kräutersud – dies muss kräftig sein.

Eine Flasche Sekt darf nie fehlen. Zum Schluss eine wunderbare Tasse von unserem Da-Bi-Zi-Cha!

Lieber Christof, bringe am Montag wieder welche Fische mit und ich denke mir noch ein anderes Menü aus.

Shui Tang, Liquid Delicacies

Luo fand mich im Internet und rief mich irgendwann an, bot eine Zusammenarbeit an. Er arbeitet an der Universität, forschte nach der medizinischen Wirkung des Tees, 4. Generation als Teebauer in Provinz Hunan. Er sagte, dass er mein Blog nicht lesen kann, mittels Google Sprachtools lass er es in Englisch, very charming, meinte er. Oft ruft er an und ich bin 80% immer unterwegs. Ich bin jemand, der Laune nicht verbirgt und mein Bedenken immer direkt anspricht. Er schafft es, mit mir umzugehen. Vor kurzen sagte er zu mir, „Menglin, Du bist zu müde. Es ist zu anstrengend für Dich. Ich komme nach Zürich und helfe Dir.“ Ohne zu Nachdenken, lehnte ich ab, das Schicksal des chinesischen Einwanderers muss doch nun ein Ende geben. Er hat eine Frau und bald Kinder. Das Schicksal wie unsere Vorfahren vor 100 Jahren zu wiederholen, brauchen wir es nicht. Chinesische Männer wanderten ins Ausland, liessen ihre Frauen und Kinder zu Hause – es war so in Taiwan, es war so in Amerika und es war auch so in Singapore.

Nun schrieb Luo mir, dass er und seine Frau sich entschieden haben, mir ein Geschenk zu machen – mir 550 USD zu schenken – für Shui Tang…

Meine Tränen werden sie nicht sehen. Sie müssen es auch nicht. Die salzigen Tropfen verschwinden im Cyberspace, in Irgendwo und in meinem Herzen.

Wie lernte ich Chraqi (seine Seite) kennen? Durch Roger. Wie lernte ich Roger (CEO von Kaywa) kennen? Durch das Internet. Mit Chragi fühlte ich mich sofort bekannt und erkannte sofort, dass er bis jetzt solche Tees nicht kennt, die er jetzt kennen lernen wird. Er besuchte Spiegelgasse und war voll begeistert. „Yep, es wird schön! Ich habe ein gutes Gefühl!“ Ich nickte. Ich zeigte ihm drei verschiedene Tees, die seine Augen sofort zum leuchten brachten. Einen wollte er mitnehmen, denn er damit Frauen beeindrucken kann, sagte er. Wie süss, dachte ich. Ich hoffe, er wußte, welche. Wir erzählten uns gegenseitig viel Lebensgeschichte, unbeschwert und vertraut. Als ich ihm von dem kitischigen Taiwan Blumen-Muster zeigte, was Roger zuerst nicht besonders begeiterte – Roger sagte, solch Muster erinnert ihn an Jasmintee… Chraqi war begeistert. Er wollte unbedingt für jeden Tee eine Ettikette kreiieren. Denn die Dingen nehmen ihren Lauf und sprechen für sich. Auch eine schöne Ettikette verbindet einem Menschen mit einem wunderbaren Tee! Am Ende lebt eine Ettikette allein, ohne Unterordnung von Tee, von Shui Tang… ich war berührt von seiner Begeisterung. Es war Wink von dem Kosmos und ich freue mich auf das Ellan, was andere Menschen für Shui Tang einbringen.

Selten habe ich eine feste Vorstellung. Meistens gehe ich auf Menschen oder Dinge zu, ohne dabei etwas gedacht zu haben. Entweder entsteht etwas Interessantes oder nichts. Beides sind in Ordnung. Meistens entsteht etwas Wunderbares, weil es keine konkrete Vorstellung da war. 

Ohne Ursulas Kompetenz wäre der Raum an der Spiegelgasse ganz anders aussehen. Ursula Kasper ist in der Schweiz ein Name für einen guten Geschmack. Eigentlich kann ich das Glück immer noch nicht glauben, dass Ursula sich für mein Projekt interessiert und sich immer dafür eingesetzt hat, als ich nicht da war. Ich stand in diesem wunderschönen Raum, dachte ich dass ich eigentlich überflüssig bin.

Ursula und Markus arbeiten seit Jahren wunderbar zusammen und würden ihre künstlerischen Kompetenz sich hier manifestieren, diesen Raum zu einem Raum zwischen Kulturen, zwiscehn Duft und Geschmack, und zwischen Liquid delicatesse und Genuss des Lebens verwandeln.

Ich bin überflüssig, weil ich alles nicht kann, was sie können!

Ist es schlimm zuzugeben, dass ich es nicht kann?

Das Claim „Liquid Delicacies“ stammt natürlich wieder von Roger. Ich bewundere diesen Mann, so schnell denkend, so kreativ und so scharfsinnig. Wahnsinn!! Was wird wohl aus Teeblog Tee Erleben, wenn es diesen Mann nicht gäbe? Was wird wohl aus Shui Tang ohne ihn? Ich würde nie auf die Idee kommen, eine Marke zu gestalten…

Zum Glück gibt es Chraqi und Roger. Ich bin überflüssig. Ich kann alles nicht, was sie können.

Jetzt muss ich noch einen fiten Geschäftsführer finden. Dann bin ich richtig überflüssig, so dass ich gleich in die Ferien gehen kann! Wie schön!

Shui Tang. Liquid Delicacies. 

Andrea, Andrea!

Andrea, Andrea!

Ich habe mich sehr gefreut, über den spontanen Besuch von Andrea! Ein Teefee aus Wunderland! Obwohl sie als Teefachfrau, die eine langjährige Erfahrungen im Teebranchen tätig ist und sich bestens mit Tee-Szene auskennt, war sie bescheiden und wissensgierig. Sie sagte immer, sie will etwas von mir lernen. Was hätte ich sie lehren können? Umgekehrt, ich lerne von ihrem starken Wille, die nicht aufgibt, Menschen näher zum Tee zu bringen. Sie glaube an Freude der Menschen, wenn sie etwas neues entdecken. Sie glauben an die schöne Kunst des Tees, der Menschen bereichern. (Ich hätte wahrscheinlich Mühe, mit Teetrinker zu kommunizieren, die gerne aromatisierten Tees trinken. In der Tat ist es mir auch egal, was die anderen machen, denn ich muss ja nicht das trinken, was sie tun. Jeder Mensch hat einen freien Wille und sein Recht, das Leben so oder so zu richten.) Andrea ist anders. Sie bemüht sich mit den Leute zu sprechen und Dinge zu zeigen. Das Resultat ist oft das Anstecken der Begeisterung! Ich bewundere sie.

Es war ein wunderschöner sonniger Tag, aber mein Gemüt war schwer. Aber Andrea schaffte es, mich aus dem Schwermut zu holen und mich mit ihrer Lebensfreude und Begeiterung zu einem Land der Leichtigkeit verführen!

Sie verprach mir, sobald mein Hilfsruf Karlsruhe erreichte, sofort in den Zug zu springen. Was will man denn mehr im Leben, Freunde zu haben, die zu einem stehen?

Mit Andrea war es nie langweilig. Ich begleitete sie zum Auto wie ich letztes Mal sie zum Zug begleitete. Eigentlich fiel es mir schwer, sie wegfahren zu lassen. Eine Person, die mir Geborgenheit schenkt und Freude ansteckt, würde ich so gerne in der Nähe haben!

Anschliessend fuhr ich ganz spontan zu meinem Tee-Schwesterchen Carola. Ich wußte, dass es dort auch jemanden gibt, der mich umarmt.

Zukünftige Verpackung von Tee in Shui Tang

Chraqi hat verschiedene Entwurf für die Tee-Verpackung in Shui Tang gemacht.

Hier.

Und jeder Tee bekommt sogar eine eigene Stick! Chraqi sagte immer, „Cool!“ Seine Leichtigkeit tut mir wirklich sehr gut. Ich als ein faules Löwe, stelle mir immer Dinge als sehr kompliziert und schwer umzusetzen vor. Am liebsten mache ich nur das Notwendigsten anstatt was vielleicht das Bessere. Auf meine naive und dumme Überlegungen reagiert Chragi immer „cool!“

Es ist überhaupt nicht schwer, sich mit jemanden vertraut zu machen. Chraqi ist begeistert von Shui Tang, obwohl er die Welt des Tees erst eintrat. Seine Begeisterung war so offensichtlich, dass diese Begeisterung mich wiederum begeistert! Als ich ihm den seltenen Orchideen Dancong Qilan schenkte, weil er ihm so gut schmeckte, sagte er mir, „Yeep! Ich kann damit Frauen beeindrücken!“ Cheers! Richtig süss.