Archiv der Kategorie: Formosa Tee 台灣茶

Der Duft von Tanbei Oolong

Atong röstet gerade einen Alishan!
Noch wie in der alten Zeit.

Jedes Jahr röstet mein Lehrer Atong einen Oolong wenn es in Taipei kalt wird. Der Tee duftet in ganzem Raum und später in der Tasse! Ich freue mich jetzt schon über das Moment wenn ich den Duft aus meiner Kanne genießen kann!

Ein ästhetischer Tee

Dank der strengen Maßnahmen von Corona Pandemie erhalte ich mehr Zeit und Raum für meine eigene Bildung. Ich lese gerne über das ästhetische Konzept von Hume und studiere über seine Vorstellung von Bildung des Urteilsvermögen der Schönheit.

In meiner eigenen Freizeit beginne ich seit zehn Jahren zum ersten Mal wieder Tee für mich selbst zu zelebrieren – mit Gongfu Cha Stil. Der Anfang wurde gemacht mit einem Tablette, das mir ein Rahmen schenkt, und eine schöne Yixing Kanne, die mir viel Gewicht verleiht, den Tee für mich zu geben. Und einen Tee, in dem ich tiefer eintauchen möchte.

Und in Shui Tang fange ich regelmäßig für mich Tee durch die Teelandschaft zu degustieren. Manchmal horizontal verschiedene Dongding in unterschiedlichen Cultivar- Varianten. Und dann vertikale Degustation mit einem Cultivar in verschiedenen Jahrgänge.

Am diesen Freitag wollte Nilkas einen Einblick erhalten über die Hochlandsoolongs. So degustierten wir verschiedene Oolongs. Hehuanshan, Alishan, Lishan, Shanlinxi und Dongding. Auf einmal erschien der Shanlinxi so mineralisch und fast zu wenig rund, so dass ich ihn mit Dongding in meiner Nase verwechselte. Im Mund war natürlich wieder klar, ja, das HochlandsQi, unverwechselbar. Trotzdem fiel ShanLinXi so aus dem Rahmen raus. Was ist mit diesem Tee los?

Für Niklas war natürlich interessant, welchen Tee sollte an welchen Menschen passen. Das hängt natürlich mit meinem Verständnis über den einzelnen Tee ab und mit dem Einfüllen in einzelnen Menschen, der vor mir steht, zusammen. Der HehuanShan schmeckt fast wie ein Dongpian, weil er am 20.11. gepflückt wurde. Diesen Tee empfehle ich gerne Menschen, die klares Denken und viel zu entscheiden brauchen. Hehuanshan Hochlandsoolong vermittelt mir ein Hauch von Bergbrise, der mich klärt und Distanz zu der phänomenalen Welt zu pflegen hilft. Der jetzige Alishan Qingxin ist wunderbar, gesprächig und lebendig. Blumig, aromatisch und facettenreich. Aber wenn ich mich selbst fragen, welchen Tee ich für mich zubereiten würde, würde ich lieber Alishan Qingxin Organic nehmen. Warum?

Er schenkt mir mehr Ruhe.

Der Alishan Qingxin Organic fielt mir auf, als wir dann eine Vertiefung mit Alishan Hochland machten. Ein Hauch von schwebende steigende Energie, was wir auf Chinesisch als Gaoshan Qi bezeichnen. (Energie von Hochland). Subtilen aromatisch Tasse, ruhig und präsent. Bei der zweiten Degustation war der zum zweiten Mal degustierten Alishan Qingxin mir zu laut. Der Dongpian 2011 schmeckt wie eine Reise durch Alishan, der freudige Blick auf den Gipfel und die Düfte aus dem Blumen im Tal in einer einzigen Tasse. Der Tanbei Alishan (über Holzkohle geröstet) von 2020 verzauberte uns mit geschmacksvollen Kurven und er duftet immer noch zwischen den Zähne nachdem die Tasse leer wurde.

Am nächsten Tag schrieb ich meinem Lehrer meine Notizen. Er sagte mir, ein guter Tee ist ein Tee, der uns selbst spiegeln kann – in der Ruhe und in der Reinheit. Zweifelsohne ist der Alishan Qingxin organic in diesem Runde der beste Tee für ihn.

Was ist ein ästhetischer Tee? Ein Tee, der uns ein ästhetisches Erlebnis schenken kann. Es ist nicht ein hübscher oder kostbarer Tee, sondern ein Tee, der uns innerlich bewegt.

Cuiyu DongDing Guifei 2020!

Jedes Jahr bitte ich meinem Lehrer einen Dongding Guifei zu suchen. Er jammert immer und behauptet, dass ich ihm eine schwierige Aufgabe erteile. Ja, in der Tat ist es eine schwierige Aufgabe. Warum?

Wieviele Tees werden überhaupt noch in Dongding produziert? Als ich letztes Mal dort war, sah ich neuer Gemüse, Obstbäume und Erdnüssen.

Dongding Oolong 凍頂 ist der Formosa Oolong Klassiker und ist schon fast ein Synonym für Tee aus Taiwan. Ein Dongding Guifei ist ein aussergewöhnlicher Dongding Oolong. Er ist entstanden nach dem verheerenden Erdbeben vom 21. September 1999, dass die zwei Dörfer des Dongding Berges in arge Mitleidenschaft gezogen hat: beide wurden stark zerstört und viele Teefelder wurden ruiniert. Nachdem die Ruhe des Alltags halbwegs zurückgekehrt war und sich die Teebauern wieder um ihre Teefelder kümmern konnten, wurden diese von Zikaden befallen.

Wulong aus stark befallenem Pflückgut hat eine lange Tradition in Taiwan; der berühmteste Wulong dieser Art heisst Oriental Beauty. Der Unterschied zwischen Oriental Beauty und Guifei ist, dass das Pflückgut von Guifei aus reif offenen Blätter kommt. Das heisst, die Blätter werden erst befallen, wenn sie schon offen sind.

Um Ihren Tee ein bisschen besser zu stellen – besser auch als die einfache Oriental Beauty – , haben die Teebauern Dongdings ihren neuerdings von Zikaden befallenen Wulong Guifei, d.h. Hofdame, genannt. Und Atong nennt lieber seinen Tee aus diesen Verfahren „Mixiang“, um Patent Recht umzugehen. Darum heisst in Shui Tang manche „Guifei“, wenn sie aus Dongding kommen. Die anderen „Mixiang“.

Der Tee wird aus Pflückgut von fast verwilderten Teegärten, die in warmen Frühlingstagen von Zikaden heimgesucht werden, verarbeitet. Die befallenen, reifen Blätter des Cuiyu Oolongbaums bieten ein besonderes Geschmackserlebnis. In Taiwan ist ein solcher Tee eine wahre Rarität. Die Ernte von Guifei-Wulong ist nur 1/3 der gewöhnten Ernte. Und nach dem Befallen von Insekten und Ernte sind die Teepflanzen so erschöpft, dass Bauer auf die nächste Ernte verzichten sollten. Somit können die Teepflanzen sich regenerieren. Ein Guifei-Wulong ist ein Verlust-Geschäft für Bauern. Darum gibt es auch so viele Fäschungen!

Es ist ein Glück, Guifei-Wulong zu begegnen!

Mehrmals degustiere ich den Cuiyu Dongding Guifei. Ich habe das Gefühl, sein Gesicht nicht vollständig zu kennen! Neben dem unverwechselbaren Dongding Qui (Geschmack des originalen Dongdings) schenkt uns dieser Tee ein Hauch von spätsommerlicher Süsse. Der süsse Aufguss im Mund erinnert uns an den frischen knackigen Kaki. Ein biss voller Duft und Aromen! Neben dem fruchtigen Kaki zeigt ein Tropfen von Quitten-Saft in der Tasse. Auf einmal fühle ich mich in Taiwan und sass in seinem Hof. Er spielte Guqin und auf den Tisch lag getrockneten Kakis. Haka Menschen offerieren Besucher die anmutigen Kakis. Ein Volk, das berühmt dafür ist, Kakis unter der Sonne zu trocknen. Die roten orangen Früchte liegen auf Bambuskorb – eine Schönheit für den Augenblick und zugleich für die Sinnen!

Ich kann nicht nach Hause fliegen. Wie lange noch? Wie lange noch zu warten, bis ich die Kakis in den Mund nehmen kann? Die Erinnerung gärt und der Tee fragt. Wie wirst Du mich wohl nach paar Jahren wieder erkennen?

Kakis in einem Haka Garten!

Latein von Formosas Wilder Bergtees

Wegen der heutigen politischen Situation und der jahrzehntelange Spannung zwischen Taiwan und China kam ich auf die Frage, wie der wissenschaftliche Name von Formosas Wilder Bergtee heißen sollte.

Tatsächlich fand ich interessante Sache!

Ich habe in einer deutschsprachigen Seite: Teespedia über den Tee geschrieben. Mit großem Respekt las ich diese Seite. Was für eine Knochenarbeit!

Wie jedes Nachschlagwerk, das auf demokratisches Basis funktioniert, hat Mängel an wissenschaftlichen Aussage. Es war schon bei Pu Er und jetzt möchte ich etwas zu diesem Thema Taiwans Wilden Bergtee ergänzen.

Zuerst muss man klar machen, dass der Begriff Bergtee nicht gleich der Tee von Camellia Sinensis ist. Er beinhaltet auch viele falschen Teepflanzen und blühende Varianten. Manche sind sogar geeignet für Öl- Gewinnen. Trotzdem stehen viele Arte unter Schutz. Und sind vor Aussterben bedroht!

Oft zum verwechseln gibt es eine Sorte Camellia furfuracea (Merr.) Coh.-Stuart. Die Blätter sehen sehr ähnlich zum trinkbaren Teepflanzen. Für mich ist es ein trauriges und zugleich interessantes Phänomen, weshalb wir als Konsumenten immer nach rarem „reinen“ Tee suchen? Wenn wir von „wild“ hören, sind wir bereits begeistert!

Vor einer Woche hatte ich eine Kundin, die als „Designer“ angab, mir von einem sehr teuren Kauf von Formosa wildem Tee. Ich erwiderte mit einer höflichen Aussage, „Sie haben bestimmt einen guten Kauf gemacht.“ Persönlich habe ich paar Male diesen so genannten wilden Bergtee aus Kaoshiung getrunken. Ich kann nicht sagen, ich sei begeistert.

Im Jahr 1712 wurde bereits dokumentiert, dass Taiwaner Ureinwohner aus den Bergen um Ri-Yue-Tang Tee gepflückt haben und an Holländer verkauften. Es wurde auch erzählt, dass dieser Tee sehr kühlenden Charakter hat und die Ureinwohner ihn selbst nicht trinken wollten#1. Diesen Teepflanzen ähneln an Assamica. Zuerst wurde diese Art als eine Varietät von Camelia Sinensis var. sinensis. Damals hieß er „ Camellia Sinensis var. formosensis“. 2007 wurde eine Abhandlung veröffentlicht, dass durch die neue DNA Forschung diese Varietät aus „Unter-Art“ direkt zu „Art“ erhoben werden muss. Seitdem trägt er seinen neuen Name „Camellia formosensis (Masam. & Suzuki) M. H. Su, C. F. Hsieh & C. H. Tso“. In Taiwaner Wikipedia steht noch eine andere Varietät von dieser Art. Daraus ist wieder eine neue Tee-Geschichte entstanden.

Wir wissen, aus dieser oben erwähnte Formsenis und dem Bergtee aus Burma ist der Kultivar Hongyu – Formosa No. 18 entstanden. Und seit 2019 ist erneut ein neues Stern geboren: Formosa No.24. Dieser Kultivar stammt aus einem Bergtee namens „C. formosensis var. yungkangensis M. H. Su, C. F. Hsieh et C. H. Tsou“. Er ist gleichzeitig eine Mutation von Formosensis und vielleicht wurde es auch deswegen als Varietät Formosensis bezeichnet. (Die Definition von Kultivar und Varietät sei unscharf.) Er sei eine Erbe aus der Eiszeit und im Osttaiwan entdeckt. Nach 19 Jahren Forschung und kultivierender Arbeit ist die „Züchtung“ Formosa No. 24 entstanden. Er sollte Mandel Duft, Shitake Note strahlen, und coffinarm. Aufgrund von seinem Wachstumspotenzial hat er aus der Natur nicht anfällig auf Schädlinge und kann ohne chemische Mitteln angebaut werden. Das Tea Research Institute möchte damit erreichen, dass man mit No. 24 auf den Teegarten anbauen kann und die ursprünglichen „C. formosensis var. yungkangensis M. H. Su, C. F. Hsieh et C. H. Tsou“ dort lässt, wo sie immer sind. Störe sie bitte nicht mehr, nur weil Du einen wilden Tee aus Taiwan trinken willst!

Formosa No.24 wurde als „echter“ Taiwan Tee als Erbe aus der Eiszeit geworben. Als Genussmittel kann man erst ab 2022 erwarten.

#1 清康熙56年(西元1717年)《諸羅縣志》:「水沙連內山茶甚夥,味別色綠如松蘿。山谷深峻,性嚴冷,能卻暑消脹…」黃叔璥《臺海使槎錄》:「水沙連茶,在深山中。眾木蔽虧,霧露濛密,晨曦晚照,總不能及。色綠如松蘿,性極寒,療熱症最效。每年,通事於各番議明入山焙製。」,另《淡水廳誌》:「貓螺內山產茶,性極寒,蕃不敢飲。」

Der Duft entfaltet sich

Es war fast Abend.

Es waren Gaisblattblüten. Sie blühten am Wegrand. Egal ob Menschen ihre Schritte wegen ihrer Schönheit halten, entfalten sie sich für sich selbst. Es ist der Duft von Yashixiang – Shuixian YinhuaXiang. Ein Tee, der zwar wunderbar duftet, aber eine herbe Note mit sich trägt. Das macht ihn nicht beliebt bei meisten Teeliebhabern.

„Soft“ Shut Down in der Schweiz ist sanft, verändert trotzdem den Rhythmus meines Alltags. Endlich kann ich erst aufstehen, wenn ich plötzlich aufwache. Endlich kann ich grundlos faul sein mit Menschen umzugehen. Endlich brauche ich keine Vorwand, um Stubenhocker zu sein. Das Einzige, was mir Mühe bereitet, ist essen zu organisieren.

Meine Schweizer Freunde sind lieb und fragen mich nach meinem Wohl. Sie gehen oft davon aus, dass ich mir Sogren um meine Familie in Taiwan machen würde und ich unter der Trennung leiden würde. „Sie sind sicher in Taiwan“ antwortete ich immer höflich. In Taiwan läuft das normale Leben. Oder sie dachten, dass das geschlossene Geschäft mir die Sorgen ums Geld bereiten würde. Ich zähle gerne Geld. Aber die Sache mit dem Geld ist nicht bestimmt von mir. Auch wenn ich viel Kapital zur Verfügung würde, würde es nicht heissen, dass ich es selbst zum Genuss komme. Es ist schöner, von Freunde eingeladen werden, in ihren Ferienhäuser Ferien zu machen.

Der Wind weht. Der Duft von Flieder kam plötzlich. Dieses Jahr duftet er anders. Anders als der Sijichun, der sich in meiner Erinnerung wie Flieder entfaltet. Beim Oolong Produktion liebe ich am meisten den Prozess von Da Lang. Teeblätter wenden sich und mischen sich miteinander und durcheinander. Der Duft ist wie die Welle von einem Teich, wo sich die Ripple durch den Wind entfalten! Der Duft wie lebendige entfaltende Blumenmeer. Aber der jetzige Frühling, die Poren fliegen herum, färben die Augen und Nasen. Das warme Wetter lässt die Blumen rasch verwelken. Der Duft von Flieder verschwindet in der Luft.

Es ist wohl so, dass ich meine Welt mit Duft wahrnehme. Und ich verorte mich damit.

Nach dem schmalen Bücke, nach der Steigerung erreicht man die kleine Kirche mit spitzige Glockenturm. Am Kichewand kletterten gelbe Rosen. Lächelnd und entzückend. Unter seinen Blätter stehen die scharfen Dorn. Der sanfte Duft von gelben Rosen singt wie ein Gedicht. Es ist das Gedicht von Oriental Beauty, den ich am liebsten mit einem Gaiwan trinke. Mit einer Gaiwan Oriental Beauty bin ich im Feld Taiwans, wo Glühwürmchen in der Nacht nach der Liebe suchen und leuchten.

Der Körper ist eingeschränkt. Aber ich rieche meine Flügel. Meine Flügel tragen den Duft und die Freiheit trägt mich. Ich schmecke die Freiheit in einer Tasse Tee. Vielleicht wenn man schläft, hat man auch die Flügel von Chagal und kann dort hin, wo man sich zugehörig fühlt. Und wenn Du Ohren hast, werden die Noten Deine Flügel. Sie fliegen Dich zwischen Zeit und Raum.

Die Sache mit dem Geschmack, ist fragil. Man darf keine Kompromisse machen. Wenn ich in Shui Tang Kompromisse schliesse, dann geht etwas in dieser Welt für immer verloren.

Vielleicht ist es genau so mit der Blumen in der Natur. Wenn sie verschwinden, gibt es Freiheit nicht mehr.

Im Frühling möchte ich Gaissblatt begegnen. Den Shuixian begegnen, der herbe Note trägt und für sich selbst duftet. Egal wie die Zeiten sich ändern, ob Menschen auf sie aufmerksam sind, entfalten sie sich für sich selbst.

身體雖然被困住了,但是我聞得到翅膀。只要帶有香氣的翅膀,自由的氣息就在當下。也許睡覺時,每一個人都有夏卡爾的翅膀,可以飛去該去的方向。或若有耳朵,音符就是那翅膀。
味道這種東西,是最不能妥協的。我們這一代妥協了,這世界上有些東西,就永遠消失。
花也是吧。在春天,一定要遇見金銀花,遇見香氣襲人,自帶苦味的水仙。無畏他人喜好,自在芬芳。

Shui Tang schliesst vorübergehend freiwillig

Genau vor 8 Tagen wettete ich mit Taiwaner Freunde, dass die infizierten Fälle in der Schweiz über 1000 übertreffen werden. Dann werde ich mein Geschäft schließen.

Das ist für mich ein Zeichen dass wir eine ernstnehmende Handlung vorziehen muss um entscheidende Ansteckungskette zu unterbinden! Wenn alle es gemeinsam 14 Tage lange Konsequenz tun, werden wir es schaffen, diese Virus vor unser Tür zu sperren!

Nach dem wir es gemeinsam gemeistert haben, freue ich mich mit Frische, Ideen und Energie mit allen Teefreunde wieder persönlich eine Schale Tee trinken!

Selbstverständlich arbeiten wir online und beliefern unsere Teefreunde per Pakete! Portofrei!

Jutta schrieb mir, weshalb nicht sich per Skype am Teetisch treffen?

Getrocknete Mangos und Lishan Dongpian

Als ich im Januar noch in Taiwan war, entdeckte ich den Lishan Dongpian vom Januar 2019. Mein Lehrer meinte, dass ich ihn kennen müsste. Vielleicht? Als die goldenen Tropfen in meine Kehle hinein flossen, schmeckte ich eine feine Süße auf meine Zungenspitze und unaussprechbare Säure nebenan. Dickflüssiger Körper. Widersprüchliche Note. Was kann das sein? Ich sagte, „er ist wie getrocknete Mangos!“ Alle schauten mich an und die Luft war plötzlich eisig. Eisige Note habe ich auch in diesem Tee geschmeckt.

„Manguo Gan! Wangguo-Gan!“ sagte Atong. Wangguo-Gan, ein Gefühl, was Taiwaner seit langen begleitet, so lange wie ich Bewusstsein bekam. Wangguo-Gan, ein Gefühl, Heimatlos zu sein und genau übersetzt bedeutet „Angst vor Verlust der Nation“. Dieses Gefühl ist seit paar Jahren immer bewusster und immer mehr ins Zentrum gerückt, und als Hongkongs Demonstration blutig endete, hat den Höhepunkt erreicht. Dieses Gefühl bezeichnet man in Taiwan „Getrocknete Mangos“

Getrocknete Mangos, ein typisches Taiwaner Frucht kennt jeder auf der Insel. Süß, sauer und hart. Geschmackvoll und gleichzeitig lässig. Die Zähne müssen stark sein und das Fruchtfleisch klebt immer an den Zähnen. Man hat Angst vor dem starken chinesischen Nachbar, fühlt sich irgendwie doch recht nah zu ihm. Einerseits wird man mit Nationalismus geworben, weil man aus dem gleichen Kulturkreis kommt, andererseits wird man auf der Insel stets mit militärischen Paukenschlag bedroht. Aus Angst vor einem möglichen Krieg und aus wirtschaftlichem Interesse entsteht eine ambivalente und verwickelte Beziehung. 

Als ich im Januar in Taiwan war, war die Stimme anders als früher. Das Selbstmitleid und das minderwertiges Wir-Gefühl haben sich verwandelt zu einem Gefühl von Wir-Müssen. Warum? Wegen dem getrockneten Mangos. Die Lüge von Ein-Land-Zwei System in Hongkong und viele militärische Drohungen machten Taiwaner klar, wenn man aus Kompromisse zu China einen falschen Präsidenten, der unser System verraten kann, wählt, wird man mit einer Verlust eigener Demokratie konfrontiert.

Die Demokratie und in einer Demokratie zu leben vermitteln den Taiwaner ein „Wir-Gefühl“ und ersetzt die klassische Vorstellung von einer imaginären Gemeinschaft- die Nation! Ueber 70% der Wahlberechtigen gingen zur Wahl und gab ein eindeutiges Nein zum Wangguo-Gan. Diese Entschlossenheit eigene Demokratie zu beschützen überraschte mich und half mich gleichzeitig zu realisieren, was für eine Kraft bekommt ein Mensch, wenn er für sich selbst entschieden hat.

Corona-Virus wurde aktuell, nachdem ich aus Taiwan zurückkam. Aufgrund der engen wirtschaftlichen und kulturellen Verbindung zu China wurde Taiwan prophezeit, das schlimmste betroffene Land außerhalb China sein werde. Die Tatsache heute zeigt ein anders Bild. Von den Tabelle, was NZZ veröffentlicht, sieht man Taiwan NICHt in den ersten betroffenen 10 Nationen. Warum? Wegen den getrockneten Mangos. Die Inselbewohner sind selten einig und diesmal so einig, dass man die Virus aus dem Nachbarland im Griff halten will. Man will frei sein.

Es fällt mir nicht einfach, diese Zeilen zu schreiben. Ich komme aus einer Insel, wo von meisten internationalen Organisationen ausgeschlossen ist, wo immer wieder mit Krieg bedroht wird und wo selbst auf einen langsamen einsamen Weg zur Demokratie gehen muss – weil alle anderen demokratischen Ländern glauben an die wirtschaftlichen Profit mit China und somit diese Insel nicht anzuerkennen. Es fällt mir auch sehr schwer, in dieser Situation immer noch neutral zu bleiben, das Land, die Kultur und das Regime zu trennen. Und wenn ich Angesicht der Tatsache von Verheimlichung der Epidemie und Unterdrückung der Freiheit in China immer noch über die schöne chinesische Kultur erzähle, wenn ich in Zürich immer noch von wunderbarer chinesischen Teekultur erzähle, tropfen eigentlich Tränen in meinem Herzen, weil ich von den Schatten dieser Kultur so bewusst bin!

Wir bauern Brücke. Aber es gibt so viele Brüche.

Viele Brüche existieren im kollektiven Gedächtnis und Bewusstsein dieser kulturellen Kreis. Wenn die Brüche nicht geschlossen werden durch Anerkennung und Reflexion von Wahrheiten und anstatt Schuld an Ausländern/Anderen zu schieben*, wird es weiter gegeben an die nächste Generation. (Deutschland musste zu seiner Geschichte stehen und verarbeiten – es ist ein Vorbild.) Taiwan kann so ein wertvolles Zukunftsbild sein, für eine Demokratie von einer kulturellen Mischung. Die Isolation von Taiwan ist eine Schande von der demokratischen Welt.

Süß, säurlich und kühl schmeckte mir der Lishan Dongpian vom 2019, als ich noch auf der subtropischen Insel war. Seit paar Wochen liegt der Tee geöffnet auf den Teetisch. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich ihn schon degustiert habe. Aber ich musste immer wieder schweigen. Keine einzige Packung habe ich verkauft. Getrocknete Mangos? Ich finde Dich nicht mehr in Zürich. Meine Gäste lobten den Tee mit Worten wie „blumig und fein“. Ich nickte meinen Kopf. Auf meine Zunge suche ich vergeblich nach Süße und Säure und nach dem Gewisse „kühlness“, was man mit „Unangepasst-Sein“ übersetzen kann!

Wer weiß, vielleicht ist es gut?

*Ein Bejinger Journalist schrieb in seinem Blog, dass „wir“-Chinese sich vor der Welt entschuldigen sollte, weil „wir“ der Welt mit diesem Virus so viele Probleme verursachen. Er bekam viele Angriffe und Beschimpfung, weil die Welt sich eigentlich bei Wuhan entschuldigen sollte! Wuhan habe sich geopfert für die Welt. In der Tat war das Verharmlosen und die Verheimlichung der Grund weshalb die Epidemie ausbrach. Der Journalist zog seinen Beitrag zurück und schwieg.

 

Besuch von Meister Chen, Huan-Tang 2019

Sehr wahrscheinlich wird es seine letzte Europa Reise sein, sagte er im Telefon. Mein Lehrer Chen, Huan-Tang reist im Oktober nach Zürich.

Am 20.10. wird ein Teeseminar mit Meister Chen geben, ein Glück für alle Teefreunde und Oolongliebhaber. Das Thema ist noch in Besprechung.

Für Menschen, die nicht mit nach Taiwan fahren, wäre es eine richtige Gelegenheit ihn zu begegnen und von ihm persönlich Tee zu lernen!

Hier möchte ich einfach das Datum ankündigen, damit Teefreunde den Tag reservieren können! Das Seminar wird von 13-18 Uhr sein. Mit einer Mittagspause.

Ich freue mich auf Euer Kommen!

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Dongding Oolong heute- I

Neben dem Gemüsegarten sieht man alternde Teegarten.

Donding gemüse Garten

Atong bringt mich ungerne nach Dongding Berg. Ungern. Das hat mit seiner emotionalen Welt zu tun.

Fühlt er sich traurig? Sieht er die alternde Teegarten wie seine eigene Geschichte?

Wenn Du nach Dongding gehst, stellst Dir vielleicht vor, einen grünen Teeberg zu begegnen. Die Realität ist nüchternd. Anstatt grünen üppigen Teegarten siehst Du neue hellgrünen Gemüsebeet. Der berühmte Teeanbaugebiet Dongding Berg ist im Verschwinden.

Nur noch 1/3 von 1999 pflegt man noch Tee in Lugu, während es in Dongding nur noch 3% von dem gesamten Anbaugebiet in Lugu ausmacht. Heute gibt es vier verschiedene Art um das Land zu nutzen: Tee anbauen, Gemüse ziehen, Betelnüsse pflanzen oder verwildern lassen. Wenn man Teebauer fragt, weshalb sie ihre Tradition vernachlässigen, man bekommt die häufigste Antwort: „Wer trinkt heute Tee? Man trinkt heute Wein, Kaffee oder Tee aus der Dose. Wer trinkt noch TEE?“ Außerdem will jeder Hochlandsoolong trinken, wer will noch den nostalgischen Dongding probieren?

Das wissen die Teebauer selbst. Dongding Berg ist nur bis 800 Meter über den Meeresspiegel. Im vergleich mit den Hochlandsoolong schafft er nicht in die eleganten inspirierenden Hochlangsliga. Aber wenn man einen traditionellen Dongding trinkt, bleibt der Geschmack stundenlang im Mund. Und seine Facetten erinnern einen immer wider.

Andererseits ist Dongding Teewettbewerb der konkurrenzstarkste Wettstreit innerhalb der Teewelt in Taiwan. Obwohl der Teegarten verschwindet, gehen jährig über 5000 Teemuster ins Wettbewerb. Atong sagte oft, es sind gefälschte Muster. (Einmal wurde sein selbstgemachter Lishan als Dongding zum Wettbewerb von einem fremden Teebauer aus Dongding geschickt und dieser Tee hat den besten Preis gewonnen!) Sie sind aus Shanlinxi, aus Zhushan, aus Alishan! Können solche Wettbewerbe die Entwicklung des Dongding Oolong fördern? Oder eher zerstören? 2017 hat ein Oolong aus Vietnam den Wettbewerb in Dongding gewonnen. Laut Zeitung kommen solche Fälle nicht nur in Dongding vor, sondern überall. Der teilnehmende Muster muss nach Schadstoff untersucht werden, aber nach Herkunft und Varietät werden nicht kontrolliert. Aber warum merken die Jurys im Wettbewerb nicht? Sind Jury qualifiziert genug?

Im Jahr 2018 Winter gingen 6777 Teemuster ins Wettbewerb. Das war ein Rekord. Aber wenn ich die Landschaft auf Dongding Berg betrachte, denke ich an das kommende Gewitter. Ein Schein, der nicht gestützt von Wahrheiten, sondern von Schein, wird Tee von Dongding in welche Richtung führen? Oder Tee aus Taiwan insgesamt – in welche Richtung?

 

Gukeng 古坑 Oolong II

Der Garten ist steil und voller Felsen. Ein bequemer Mensch würde dort keinen Tee anbauen. „Aber er schon.“ sagte Atong mir in diesem Frühling. Er sei sein erster Schüler, gab er zu. Für ihn gibt es eine Unterscheidung von Studenten und Schülern. Ein Schüler ist jemand, der das Handwerk von ihm konkret lernt und auch konkret anwendet. Ein Student ist jemand wie ich, der bloß den Tee mit Intellekt versteht. Er zeigte ihm wie er Tee produziert und wie er die Natur, die Zeit und den Tee zusammen in einem Kontext harmonisiert. Der Mensch wartet bis die Natur so weit ist und erst dann Teeblätter nimmt. Die Teeblätter verwandeln sich in der Zeit von sich alleine und entwickelt sich mit Hilfe von menschlichen Hände in einer bestimmter Richtung weiter. Die Zeit lässt diese Verwandlung geschehen. Der junge Schüler lernte das Handwerk und wollte dort Tee anbauen, wo gewöhnliche Menschen aufgeben. Er schaffte es und der Garten gedeihte. Aber er wollte Geld verdienen und zwar sofort.

So trennten sich der Meister und der Schüler. Man pflegte das nötige Respekt voreinander, mehr nicht. Die Wege kreuzen sich nicht, wenn das Herz nicht das Gleiche sucht.

Irgendwann hat ein Wandel stattgefunden. Der Schüler machte seine Erfahrungen in dem konkreten Kapitalismus. Zwischen Geld und Zufriedenheit entwickelt sich immer mehr Risse. Vielleicht hat er auch genug verdient. Vielleicht war es ein Midlife-Crisis. Vielleicht war es nur eine Suche. Das Herz schlug wieder in die andere Richtung, in der Meister und Schüler sich begegnen.

„Seit fast zehn Jahren besucht er mich wieder regelmäßig.“ Atong holte einen Gukeng 2004 aus seinem Schatzkammer, „Der Garten ist außergewöhnlich! Ein Traum. Richtung Südosten. Steil. Viel Sonne. Viel Nebel. Viel Steine.“ Und seit 1981. Der Meeresspiegel liegt zwischen Dongding Berg und Alishan! „Ach, nicht so hoch.“ Atong schaute zu mir, „Bist Du noch abergläubisch?“ „Nicht ich, sondern meine Kunde. Sie wollen Hochlandoolong.“ „Dann erziehe sie, bis sie merken, dass die Qualität eines Tees nichts mit der Lage auf dem Papier zu tun hat!“

Der Gukeng Oolong 2004 liegt zwischen „der Zeit“. Er reift noch. Der Geschmackt erzählte mir, wie die Zeit mit ihm arbeitet. Blumen blühend, Pflaumen reifend. Lebendig und tanzend auf meine Zunge. Was für ein Gemälde oder besser gesagt, was für einen Sommer bei Vivaldi! „Aber ich schmecke etwas Zusammenziehendes im Mund. Was für einen Fehler war damals?“

„Nicht ein wirklicher Fehler, sondern ein Macke. Er war zu jung und zu ungeduldig und der Hang ist zu steil.“ Seine Augen schlossen fast zusammen. Steiler Hang? „Aber der Gukeng 2019 schmeckt nicht so. Er ist charaktervoll, aber nicht eckig.“ Atong machte seine Augen groß. „Merkst Du? Merkst Du es?“ Ja, ich merke es. Ich merke es plötzlich auch, warum. Die Zeit wirkte.

Die Zeit fließt in den Tee hinein. Nicht nur dass der Tee reifen kann, sondern auch der Mensch. Ich mache auch Fortschritte und der Teemaker ebenfalls. Es ist ein unglaubliches Gefühl diese Qualität der Veränderung in einer Tasse zu entdecken!

Als ich wieder in Zürich war, schickte mein Lehrer mir dieses Foto von dem steilen Garten. Für ihn ist unser Arbeit, die Tee nach der alten Machart festhalten wie die Teepflanzen zwischen den Felsen seinen Weg zu wahren. Wir können nur starke Wurzeln bilden, um zwischen Steinen zu stehen. Schritt für Schritt, auf den Teeweg weitergehen. Wenn die Zeit reif ist, werden viele Hirsche in Zürich prächtige Kronen tragen, wo die Teeblätter sprießen.

Das ist der Grund, weshalb der Gukeng Oolong 2019 der Jubiläumsoolong Shui Tang ist. Ein außergewöhnlicher Garten mit allen Bedingen, was man von einem Teegarten träumen kann und ein gereifter Teebauer zugleich Teemaker, der inzwischen seinen Weg gefunden hat. Alles für ein Jubiläum eines Geschäft an einem Ort, wo eigentlich keinen Tee getrunken wurde.