Archiv für den Monat Juni 2012

Das Problem ist der Weg

Am Sonntag sollte eigentlich ein taiwanesische Weise nach Zürich reisen und einen Vortrag halten. Eigentlich hätte ich mich für das Thema Tee und Yiching sehr interessiert. Ich hätte mich sehr gefreut, über die Zusammenhänge zwischen Tee und Mystik zu erfahren. Leider sagt der Weise ab und ich selbst sollte den Vortrag halten.
Das Thema wurde angekündigt mit Pu Er Tee und seine Qualitätsmerkmale. Naja. Was gibt es denn da zu erzählen? Man kann ja soooo viele Informationen über das Internet erhalten. Wozu sollte ich denn Senf dazu geben?
Das reizt mich überhaupt nicht, etwas über Pu Er und seine Qualitätsmerkmale zu erzählen. Tee spricht so wie so für sich selbst. Ich rede ungerne über Tee. Diesmal würde ich gerne paar Frage stellen. Frage, die mich beschäftigen!
Innert paar Wochen kamen zwei Tophotels von Weltrang zu Shui Tang und interessieren sich für eine Zusammenarbeit. Ich bin ein Faulpelz und viel zu arrogant, um Werbebriefe zu schreiben. Ich habe gerne wenn die Dinge sich organisch entwickeln und ihren Lauf selbst nehmen. Ich staune über diese Entwicklung und fragt mich warum jetzt.
Warum jetzt? Warum interessieren sich Menschen im Europa jetzt für Tee? Sogar Top-Hotels fangen an, sich nachzudenken. Nur weil die Chinese reicher werden?
Die Finanzkrise, die Zitterpartie um Euro und die Verunsicherung der Rente lesen wir täglich in der Presse. Deutsche Medien reden von Rezession. Das steile Wachstum ist nun ein alter Traum und er ist definitiv vorbei. Die alte Zeit ist vergangen, während die neue Zeit noch unwillkoemmen geheissen wird…aber er kommt so oder so!
Die grossartigen Anfrage und Interesse konfrontieren mich auf eine sehr brutale Art und Weise. Ich kann nicht mehr in mein gewöhntes Muster denken. Die Zeit ist vorbei. Und ich habe sehr viel Angst. Angst vor Ungewissheit. Wohin führt dieser Zug mich? Ich habe Angst. Nach einem Zazentag kommen viele unbewusste Fragen an die Oberfläche. Sie wollen angeschaut werden. Wo möchte ich denn sein? In der Vergangenheit oder im Gegenwart?
In Zugfahrt nach Bern zog die schweizer Landschaft am Zugfenster vorbei, während ich einen Streifzug in meinem imaginären Pu Er-Tee machte. Erde, Waldbogen und Holz würde ich den Geschmack dieses Tees beschreiben. Warum fesseln ausgerechnet solche einfache Geschmäcke die Teeliebhaber? Tief in einem alten Baum eintauchen – ich dachte, ich wäre im Wald Xishuang Banna – ich spüre einen starken Drang, mein Leben in die Ungeweissenheit zu geben. Das Problem ist der Weg. Ich bin bereit, Probleme zu erkennen und mit ihr zu gehen. Erfolge oder Geld sind zum Glück nicht mein Ziel, aber die Herausforderung und dem Leben auf einer anderen Ebene einen anderen Sinn zu geben, verleihen mir viel Kraft und Mut.
Genau ausgerechnet jetzt feiert das Teeclub sein 10jähriges Bestehen. Gerade jetzt erkennen smarten Geschäftsleute an Tee eine grosse Chance. Das blinde Begehren an unersättigten Materialismus und die Sehnsucht nach dem einfachen Geschmack eines Tees scheinen mir nicht widersprüchlich zu sein. Tee ist bloss eine Antwort auf einen Zeitgeist, ein Spiegel einer Epoche!
Ich werde in dem Vortrag am Sonntag paar Frage in den Raum werfen. Frage, die Teeliebhaber im Europa zum Nachdenken anregen. Eine Antwort habe ich nur für mich selbst.

Special-T

Als ich die Fotos in dem Bericht (siehe den vorherige Beitrag) sah, sah ich zwei abgebildeten Menschen von zwei Farbigen. Einer davon bin ich. Dessen zu erratenen Nationalitäten beweisen die Buntheit dieser Republik und begründen die Authentizität des Tastings. Rafael bemerkte das sexistische Potential dieses Fotos. Ich antwortete, dass meine Beine eigentlich hätten besser aussehen können als die Abbildung.
Sehr freundliche Redaktorin hat mir angesprochen, ob ich zu dieser Degustation kommen würde. Ehrlich gesagt, war ich recht skeptisch. Skeptisch – weil ich nicht weiss, mit wem ich zusammen teste und wie aussagekräftig diese Degustation sein sollte.
Aber ich war neugierig genug, obwohl ich mehrfach abgeraten wurde. Ich wollte meine eigene Erfahrungen machen und beschloss daran teilzunehmen.
Vorher ging ich zu Nespresso-Boutique an der Bleicherweg und wollte spionieren. Die Verkäuferin war sehr nett und hat mir tausenden Frage nach Teewissen gestellt. Sie sagte, ein Gespräch mit mir sei besser als eine Schulung! Sie würde so gerne mehr über Tee lernen – ich war richtig erstaunt und zugleich sprachlos – wenn sie wissen würde, wer ich bin…

Der Tee, den sie mir zubereitete, war in Ordnung: klarer Aufguss, sauberer Geschmack. Natürlich war dieser Geschmack standarisiert und abgestimmt politisch korrekt – es darf nicht auffallen. Ich erwartete auch nicht viel und war recht zufrieden mit dem Tee. Natürlich war der Tee viel zu teuer für die Qualität, die sie kosten – aber was ist denn in Zürich anders? Was ist in dieser Welt anders? Die Kluft zwischen Sein und Schein in unserer Welt vertieft sich und Special-T ist auch nur eine Bereicherung von diesem Geist.
Ich hatte keine Vorbehalt und war gut besinnt gegenüber Nestle – ich bin nicht naiv, aber verteufelt keinen, der dem Trend einfach ausnützt. Die Moral beeindrückt mich nicht.
Die Degustation war eine super Erfahrung für mich, weil ich den Special-Tee 50% nicht erkannt habe! Warum soll ich? Ich habe immer dem anderen Tee besser benotet und dachte, das sei der Special-Tee. Bei den 50%, die ich richtig getippt habe, bekamenen einfach schlechtere Nöte, nicht weil ich Special-T schlecht finde, nur weil ich die Standarisierung jener Sorten in jenen Fällen als schlechter empfand und die anderen 50% in Ordnung fand. Ich hatte nicht vor, Special-Tee schlecht zu bewerten oder zu spotten. Umgekehrt, ist dieser Standarisierungsversuch in manchen Fällen meiner Meinung nach besser! Weil die herkömmlichen Teesorten aus Teegeschäften neben Dörr-Früchte, Kaffee und Gwürze liegen – es sind katastrophale Bedingungen für einen guten Tee! Der typische Teeladen Geschmack in Deutschland spricht nicht für Tees aus dem Teeladen.
Die Tees von Special-Tee wurden von mir oft als postfermentiert und schlecht gelagert oder mit Fremdgeruch verseucht bewertet – deswegen dachte ich, dass diese Tees aus dem Teegeschäften seien – liegen nicht an dem gut verschweissten Kapsel. Der Tee im Kapsel war bereits schlecht und verrochen, bevor er verpackt wurde!
Ich möchte Special-Tee nicht schlecht machen, weil Nestle sicherlich nicht der einzige ist, diese Graben zwischen Sein und Schein auszunützen. Ich finde es ehrlich, wenn man selbst zugibt, dass wir NOCH SEHR VIEL zu tun haben mit der Qualität des Tees!
Und diese Kriterien, ob man die Special-Tee erkennen kann, macht überhaupt keinen Sinn. Mein Nachbar bei der Degustation hat fast alles richtig getippt, was Special-Tee ist. Das ist allerdings kein Beweis, ob Special-Tee gut oder schlecht ist.
Special-Tee ist weder gut noch schlecht. Er gibt uns als Teeliebhaber eine Chance, nachzudenken, was uns eigentlich bei Tee fasziniert – vielleicht weil Tee uns Zeit nimmt und der Geschmack bei jedem Versuch sich variieren kann???
Was können wir als Teehändler aus Special-Tee lernen? Ich möchte die Kluft zwischen Sein und Schein aufzeigen und möglicherweise einen Brücke darüber aufbauen. Dies schaffe ich alleine nicht. Es muss mehr Teeliebhaber geben, die aus der Einfachheit des Tees Schönheit entdecken wollen!

Eine Tasse Tee

1584 brachen vier japanische Adelige auf, um als christliche Repräsentanten Japans nach Europa zu reisen. Es war ein Triumph der Jesuiten Missions in Asien – Voltaire schriebt 1756 über diese Gesantschaft als die „schmeichelhafteste Huldigung, die dem heiligen Stuhl jemals geleistet worden ist. Diese vier japanischen Adeligen sollten im Europa das Glanz und Stärke der katholischen Kirche kennen lernen, ihre Glaube verfestigen und dann nach Japan zurück kehren, um die Mission zu bekräftigen. Als Gastgeschenk an König Philipp II reichten sie eine Schale. Eine Schale… trinken die Japaner heisses Wasser? Diese Frage beschäftigte wohl den spanischen König… „Trinken die Japaner nur im Winter heisses Wasser?“ „Nein… sie tränken das ganze Jahr über heisses Wasser…“
Die Soft-Drink-Kultur war es im Europa einfach nicht bekannt!
Als die vier Adeligen nach Japan zurückkehrten, wurden die Heimkerer Fremde. Valigano, der Missionar warnten seinen inzwischen erwachsenen Schäfer, dass es komische Art um einen Getränk namens Tee zu trinken gibt, dass man sich in einem unglaublich engen Taum versammelt und dass man wertlose Schaben von Töpfe bewundert und dafür Geld ausgibt.
Ja… das ist schon komisch. Was macht man alles für eine Tasse Tee?
Im Europa würde man eine blühende Blüte in die Vase stecken. Dann ist eine Blüte eben nur eine Blüte. Im Teeraum steckt man eine Knospe in die Vase und die Vase vielleicht nicht ganz in der Mitte… dann wird die Vase wie ein Briefträger und diese Knospe wie eine Botschaft…
Stimmt das?
In einem engen Raum, weil es eng ist, muss man loslassen, weil man es loslässt, ist man friedlich. In einem engen Raum wird der Austausch zwischen Menschen intensiver… Deswegen baut man einen kleinen Raum für Tee?
„Warum verehrt man in Japan mit Hand geknetete Gefäss, um Tee zu lagern anstatt Edelsteine?“ Jesuit Valigano sollte es gefragt haben vor Rykyu. Der Teemeister antwortete, dass sei Dummheit der Teemenschen das Nutzlose im Leben zu verehren. Er seufzte, es sei nur die dummen Menschen, die in der Lage sind, die Schönheit aus Stücke von Erde zu entdecken!
Endo Shusaku, selbst Katholik und in Manzhou aufgewachsen, fühlte sich angezogen von dem Schicksal der vier japanischen Adeligen, der Fremde unter den Eigenen. Er machte die Lebenswege der vier Japaner zu Stoffe seines Novellen „Samurai“.
Für ihn bedeuten Chanoyu und Ikebana ein grosses Fragezeichen in der heutigen japanischen Gesellschaft. Er fragte, warum stellt man teuere Teatoys zur Schau und trägt glänzende Kimono zum Tee, während man stets Wabi und Sabi singt? Er sagte, warum bereitet man nicht einfach nur eine Tasse Tee zu und freut sich einfach darüber, beobachtet nur das, was bei und nach einer Tasse Tee, BLEIBT?
Ich habe keine Antwort, aber fühle mich angezogen von seiner Sätzen.
Oft habe ich das Gefühl, dass der Tee nur ein Begleiter ist, um mit dem besten Freund zu treffen – mein Selbst ist mein bester Freund!
Gerne erinnere ich mich an das Bild von Michel, mein gestorbener Zen-Lehrer. Er erzählte mir von seiner Kindheit, auf Walliser Berg, am Genfer See, mit seinem Grossvater beim Sonneuntergang zusammen zu sitzen. Friedlich und glücklich. Mein Grossvater sass allerdings im Dunkel immer alleine mit seinem Tie Guanyin…

Geheimnisse des Geschmacks

Für mich ist ein kleines altes und unauffälliges Restaurant interessanter als ein berühmtes und glänzendes… Für mich ist ein Tee nach alter Methode spannender als ein Tee mit der modernen Kühltechnik.
Shui Tang liegt mitten in Zürich. Eine sehr reiche Stadt. Gibt es wirklich gute Restauranten in einer reichen Stadt, wo Menschen viel Geld ausgeben würden? Ich habe einen grossen Zweifel. Wo esse ich gerne in Zürich, wenn es teuer sein sollte? Kronenhalle. Wo esse ich gerne in Zürich, wenn ich gut bedient werden will? Kronenhalle. Wo esse ich gerne in Zürich wenn die Ambiete wichtig sein sollte? Kronenhalle. Nur wenn ich nicht selbst bezahlen muss, dann gerne in Kronenhalle.
Aber wirklich sooo gut?
Wirklich gut essen kann man in Zürich nur wenn man sich auskennt. Eine reiche Stadt hat eine tiefe Kluft zwischen Sein und Schein.
Es gibt tatsächlich viele gute und ganz gute kleine unauffällige Restauranten in Zürich. Das Restaurant Rosso, wo I-Phone nicht einmal findet, hat die besten Pizzen. Das kleine Restaurant Teoh an der Bäckerstrasse hat das Penang Lasa, was mich fast zu weinen brachte. Die besten Ente und Hainan Poulet habe ich bei Hot Pot an der Birmensdorferstrasse entdeckt – leider muss das Restaurant bald schliessen wegen Ende eines Mietvertrags. Die wunderbare Reisnudelsuppe in der Nähe von Central. All diese Geschmäcke bilden kleine Puzzelstücke meines kleinen Glücks in Zürich. Häufig möchte ich gerne Freunde mitnehmen – weil ich spontan bin, kommt meistens aus dieser Stadt doch niemand mit – die warmen Speise braucht nur mich zu wärmen.
Das Glück ist im Geschmack konserviert. Häufig entdecke ich verratene Gefühle meiner Gästen am Teetisch, wenn Düfte und Geschmäcke des Tees einen bewegt. Eigentlich – eigentlich suchen wir doch immer das, was uns an das Glück erinnert – einen Geschmack, den wir als Grossmutters Küche bezeichnen. Ein Geschmack, der uns die Verletzungen und Enttäuschungen der Kindheit trötet und ausgleicht und die Welt wieder gut macht. Wahrscheinlich ist es der Grund für mich, mich mit Tee zu beschäftigen, weil DER Geschmack mir einen ruhenden Punkt der rasant entwickelnden Zeit vermittelt. Wahrscheinlich liebe ich deswegen den Tee, der stur nach der Tradition gerichtet ist…

– Rosso. http://www.restaurant-rosso.ch – super cooler Ort. Er erinnert mich an Taipei!
– Hot Pot. Birmensdorferstrasse 222, 8003 Zürich. Nur noch bis 24.06. offen. Beste Ente…
– Restaurant Teoh. Bäckerstrasse 37 8004 Zürich. 044 242 14 42. Super Lasa! Super Reisnudelgerichte! Super Curry! Ich sass an dem Strassenrand mit Sven und weinte fast, als ich den Geschmack auf der Zunge hatte. Stelle Dir es einmal vor… in Zürich, unter diesen Fremden, gibt es noch Jemanden, der nach seiner Tradition und Gewöhnheit die Supper genau so schmecken lässt wie es sein sollte – nicht gefällig, nicht angepasst! Ach! das, was ich als Super bezeichne, ist bloss die Erinnerung an die konservierung meiner alten Zeit!
– Zhong Hua, Zähringerstrasse 24, 8001 Zürich, Telefon: 044 251 44 80. Sehr traue asiatische Nudelsuppe!
– Ooki. Japanische Ramensuppe. Bäckerstrasse 39 8004 Zürich
– Asia Way. Schwamendingenstrasse 10 8050 Zürich

Es sind meine Puzzelstücke vom Glück.
Aber ich warne Euch – es sind Restaurant für das kleine Glück im Gaumen, nicht das Glück für Prestige…

Der Duft gegen den Abend

Der Duft gegen den Abend

Ein Tee wie die Abendsonne.
Eine Blüte wie der Abend duftet.
Am einen Abend roch ich den leisen Duft eines Abend und erinnerte mich an den Gegenwart. Nicht mein Leben wie das Zeitgefühl am Abend zu sein, sondern die Gesellschaft, in der ich lebe bereits am Abend angekommen ist.

Wie vital kann ein Tee sein, wenn er aus einem Garten, der zum ersten Mal geerntet wird? Atong scherzt und bezeichnet so einen Tee als Jungfrau-Tee. Meine Gäste lachen immer sehr verlegen, wenn ich das Wort „Jungfrau“ ausspreche. Warum lachen sie denn so? Ist Jungfrau etwas Seltsames hier? Oder spricht man von Sex nicht aus, weil es bereits zu dominant ist? Auch wenn das Wort Jungfrau etwas Verlegenes auslöst, löst dieser Jungfrau-Jinxuan trotzdem Neugiere aus. Wie schmeckt denn eigentlich ein Jungfrau-Tee?
Für Atong und Teebauer Taiwans bedeutet dieser Jungfrau-Tee, nicht etwas, was unerfahren und unschuldig ist. Es ist vielmehr das – was das erste Mal kennezeichnet!
Das erste Mal die Welt zu blicken können wir uns leider nie erinnern, aber wir können uns wohl noch sehr gut erinnern, das erste Mal…
Frisch, blumig und anmutig lächeln die Teeblätter in der Tassen. Alle sind verzaubert von der Unbeschwerheit dieses Tees! Eine Woche lang stand immer dieser Tee auf meinen Teetisch und verführt meine Gäste mit ihrem Charme. Was für ein frischer Wind? Was für eine Schönheit! Der Tee ist wie die Mut selbst, als wir viele neue Dinge des Lebens zum ersten Mal beginnen. Plötzlich sah ich mich selbst im Flur der Universität und ich musste das erste Referat im Seminar halten. Nervös, unerfahren und mutig… Mutig lief ich in den Raum, mutig redete ich das erste deutsche Wort und mutig geht das Leben weiter bei den Fremden. „So ein zarter Tee.“ seufzt jemand. Zart? Ich kenne den Tee inzwischen besser. Er ist nicht nur zart. „Dieser Tee ist powervoll, hat Aggresion und zäh.“ lächelte ich. Seine Vitalität und Kraft verbergen sich hinter dem süssen zarten Duftmantel – wie eine junge Frau, die einmal beschloss, aufs anderen Ufer zu gehen. Und diese junge Seele hat jeder in Herzen.
Bevor diese Regentagen kamen, fuhr ich nach Seleger Moor. Ich mag nicht Mittag, unternehme selten irgendetwas gegen den Mittag. Morgens bin ich zu faul und zu passiv. Der Abend und die Nacht sind die besten Uhrzeiten für meine Unternehmung. Gegen Abend waren sehr wenige Menschen wie ich erwartete in Seleger Moor. Die Vögeln und Tiere beginnen wie ich sich zu bewegen. Es ist die beste Uhrzeit, auf etwas vorzubereiten, weil die ungewisse Nacht sich nährt. Laut, scheinbar fröhlich und ganz beschäftigt hörte ich Biene summen, Vögeln klatschen und Tierchen suchen. Ich realisierte, dass sie bewusst sind, die Akktivitäten am Abend so zu gestalten, um ihren Tag entsprechend zu beenden.
Es war ein Abend im Mai. Rhodedenrom und Azaleen blühten auf den Höhepunkt. In alte China war diese Blume ein Symbol der Traurigkeit. Auf diesen Hügel hinter Zürich sind diese Blumen mehr als eine Ansammlung von Poesie. Anmutige Farbe, zwarte Blüte und der Duft, der mich beim Flanieren immer wieder rief, erzählen uns eine Welt voller Schönheit. Unter dem grossen Eichen, neben den blühenden Strauchen spürte ich eine Brise, der im Duft wehte. Ich drehte mich zu dem Wind, sah in den Dämmerung herrlichen gelben Blüten. Unter dem Abendsonne roch der süsse Duft immer distanzierter und wahrscheinlicher. Wahreinlicher – der Duft ist nur wage zu verorten. „Es ist Abend“ dachte ich und es ist der Duft von über Holzkohle gerösteten Lishan. Das ist ein Tee am Abend, den ich alleine hier trinken würde. Nicht diese Mut, nicht diese Vitalität und nicht diese Zartheit des Jungfrau-Jinxuans, die mich jetzt bewegen würde, sondern diese Wahrscheinlichkeit des Abends – etwas Uneindeutiges und Distanziertes. Es sind vieles vergangen und die Zeit ist gekommen, Abstand zu nehmen. Die Vögeln und Tieren wissen, was sie am Abend tun, und wir? Machen wir es weiter so mit uns bis es nicht mehr weiter geht?
Eigentlich geht es schon lange nicht mehr so weiter.