Archiv für den Monat Juni 2008

Der Herzen weich klopfende Tee

Ich liebe Duftrosen und Päonie. Es sind fast die einzigen Blumen, die ich mir selbst kaufe und vor meinem Computer hinstelle. Ansonsten überleben nur grüne Pflanzen bei mir. Als die Orchidee am Fenster wunderschön blühte, nachdem ich aus meiner letzten Reise zurückkam, war ich sprachlos. Es ging ihr wohl besser ohne mich. Eigentlich war Orchideen mein Spiegelbild, er will keine besondere Pflege und will nur „richtig“ behandelt werden: keine direkte Sonne, ab und zu Wasser und einen ruhigen Ort. Sie blühte und blüht. Ich bewundere diese Pflanzen und verstehe, warum Chinesen ihn verehren. Unabhängig, aufrichtig und zufrieden in seiner Einsamkeit, allein am Fenster.

Viele Beschreibungen von Tee werden mit Orchideen assoziiert. Orchideen strahlen ebenfalls einen besonderen Impuls aus, ich will ihn nicht als Geheimnis bezeichnen – denn es ist nicht esotherisch, aber exotisch. Es ist etwas, dass man sich angezogen fühlt und hinter dieser Erscheinung nachforschen möchte. Dieser Charakter entspricht dem Wesen des Tees.

Anfangs Juni fallen Blüte von meinem prächtigen Orchideen. Aus irgendeinem Grund, wegen der Hitze, wegen mir(?) fallen alle Blüten alles auf einmal. Sie lagen traurig auf dem Schreibtisch, verwelkt, vereinzelt und tot. Ich roch diese Blüten, ihr Duft war noch präsent, süß, marzipanartig und konzentriert. Schlagartig erinnerte dieses Moment mich an Da Hongpao – Felsenknochen und Orchideenduft. Knochen ist das, was wohl zum Schluss in unserem Asche noch übrig bleibt. Was hinterlässt denn ein verwelkter Blume in dieser Welt, wenn nicht sein letzter leiser Seufzer des Duftes? Konzentriert und süß.

Romeo erzählte mir in Berlin, wie sehr er den Da Hongpao schätzte. Ein Tee, um Herzen weich zu klopfen, meinte er. In vielen schönen Begegnung teilte er diesen Tee mit interessanten Menschen und er merkte, wie sie offener und herzlicher werden. Gäbe es tatsächlich so einen Tee, der Herzen weich klopfte? Es ist wohl der Duft der Orchidee und die Aufrichtigkeit der Felsenknochen. Oder, man realisiert plötzlich im Hier und Jetzt, jede Begegnung ist an sich einmalig. Diese Einmaligkeit ist nicht zeitlich oder räumlich zu verstehen. Im Taoismus und Buddhismus wird es als ein Ideal betrachtet, dass Menschen sich ohne Vergangenheit und Zukunft begegnen. In der Gegenwart teilen wir die begrenzten Zeit und Raum ohne zu wissen, wie das Leben uns wohin führt. Der Gegenwart zählt. Nur der Gegenwart wird oft erst realisiert, wenn er schon längst zur Vergangenheit wurde. Und die Erinnerung ist, ähnlich wie das letzte leise Flüstern der Blume, süß und konzentriert.

Christine in Berlin schloss ihr Auge, als wir zusammen den Da Hongpao tranken. Unbeschreibbare Gefühle und Bilder wurden wach gerufen. Ich liebe diesen Tee, weil er tatsächlich fremd ist, tatsächlich vielschichtig ist und mich einfach ganz gefangen nahm. Ein Impuls, aufrichtig zum Leben und zu Gefühle zu stehen, strömte durch den Körper und der Gegenwart wurde klar.

Die Orchidee verlässt mich nicht. Sie blüht nun wieder prächtig. Vielleicht um mich in dieser Phase begleiten, oder er blüht einfach so, ohn Willen.

Der lässige Tee

Der lässige Tee

„In phenomena, what is true?“

„The very phenomena themselves are true.“

„Then how shoud it be revealed?“

The Master lifted the tea tray.

Der Sommer ist im Vormarsch. Eine Schale Tee im Garten zu verabreden, um Chabako (Picknic Tee) zu üben war eine Idee von Detlef. Was hätte man sonst gegen die Hitze dadraußen und hier im inneren unternehmen?

Der Chabako war fast im Vergessen geraten, nachdem wir ein Jahr lang nicht mehr übten. Die Atmosphäre im Garten lud gerade ein, sich zu entspannen, zu sprechen und zu träumen. Die Handlungen waren nicht im Fluss und die Begewegung gleichte die alltägliche. Ingrid lachte, „Was für einen lässigen Tee!“ Die Konzentration und das gewünschte innere Einkehr waren nur zu wünschen. Detlef sagte, „Konzentriere Dich, Menglin!“ Wie denn? Mich stechten nur Mücken und die Seerosen im Teich waren so schön. Im Gedanke stechte gerade mich ein böses Wesen. Mit dem Chachaku (der Bambusteelöffel) versuchte ich ihn tot zu schlagen. „Wo bist denn Du?“ „Mücken schlagen!“ Ingrid lachte. Was gäbe es denn Wichtigeres als selbst vor dem Mücken zu schützen, auch wenn ich eine Schade Tee gerade zubereitete? Ein lässiger Tee eben.

„Die Dinge sind an sich wahrhaftig. Es gäbe nichts zu verdeutlichen. Was könnte denn ein Mücken dafür, dass er Dich stecht? Ein Mücken muss eben stechen! Du hast aber Wahl, damit umzugehen!“

„Was hätte ich dagegen tun sollen, sich gegen ein Mücken zu wehren? Das Schicksal eines Mücken gehört eben totgeschlagen werden!“ 

Mein Teevater schüttelte seinen Kopf. „Wie haben wir denn alles auf solche exotische Gestalt projiziert. Ästhetisch und philosophisch. In Grund genommen sind sie nur pragmatisch.“

Um 6 Uhr trank ich meinen letzten Tee. Seeroesen versteckten sich, waren bereits verschlossen und alles schien verheimlicht zu sein. Ich hörte die Seerosen flüsterten. Ich seufzte. „Wann öffnen sie denn wieder?“ „Jeden Morgen.“ „Ich bin aber morgen nicht mehr da.“ „Was könnte die Seerose dafür?“

If my ilfe to end,                                 tama no o yo

let it be soon;                                     taenaba taene

For if I live on,                                    negaraeba

My heart may grow too weak               shinoburu koto no

To keep concealing my love.                 yowarimozo suru

Fujiwara Teika (1159-1241)

Frage zu Gongfu Cha

In dem letzten Seminar gab es immer wieder paar interessante Fragen.

Dirk fragte, mich, ob man den Tee Bi Luochun beim 1. Aufguss mit heißem Wasser spülen sollte. Denn dieser Tee wächst zwischen Obstbäume. Um den Geruch von anderen Bäumen zu vermeiden, sollte man diesen Tee bei der Zubereitung zuerst spülen. Ich war sehr erstaunt über diese Frage und konnte nur sagen, dass man selber ausprobieren sollte. Warum sollte der Duft von Obstbäume diesen Tee nach der Herstellung noch beeinflussen? Warum sollte das Spülen über diesen „schlechten“ Einfluss – wenn er tatsächlich gäbe, noch helfen können?

Wie sollte man denn das Wasser überhaupt in die Kanne eingiessen? Manche haben bereits in Bücher gelesen, dass man drei Male mit dem heißen Wasser in die Teekanne eingiessen – auf Chinesisch heißt es Fenghuang San Dian Tou (Phönix verbeugt sich drei Male, um Respekt vor Gäste zu zeigen.) Wasser in die Kanne einzugiessen sieht eigentlich einfach aus, aber um es elegant und präzise zu tätigen, ist eine Körper-Beherrschung erforderlich. Das Wasser sollte nciht aufspritzen, das Wasser sollte langsam fließen und das Geräusch des Wasser ist die Musik des Tees. Wie muss das Wasser denn klingen? Japaner sagte, das Wassergeräusch im japanischen Tee sollte wie Flüstern des Baches. In Japan gibt es ja eigentlich im chinesischen Auge nur Bächer. Auf Chinesisch würde ich behaupten, dass das Wasser könnte beim Tee wie ein kleiner Fluß, langsam oder kontinuiertlich fließen – wie die menschliche Beziehung. Wie man das Wasser eingiesst, wird der innere Zustand widerspiegelt. Unter Uhruhe tropft oft das Wasser aus dem Bambuslöffel beim Tee. In diesem Moment wird mir jedes Mal bewußt, dass ich mein Zentrum verliere, aber versuche jedoch den Tee weiter zu machen möglichst nicht von dieser Tatsache berührt werden. Man könnte sagen, dass der Tee und die Zubereitung des Tees stets ein Spiegel des Ichs zur Verfügung stehen. Rein anschauen oder nicht, ist eine individuelle Sache.

Mit tanzenden Finger. Wie im Bild sieht man wie ein hübsches Mädchen Gongfu Cha mit „aufgespritzten“ Finger zubereitet. Mario machte mir im Seminar auf diese Details aufmerksam. Meine Einstellung ist eine andere als die Finger in der Luft tanzen zu lassen. Als ich versuchte, Peking-Oper zu lernen (leider war ich zu faul, zu unbegabt und zu dumm), lernte ich verschiedene Frauenrolle im diesen Theater kenne. Die Frauenrolle werden so verstanden: aufrichtige Ehefrau – Qingyi, lebendige unkonventionelle – Hua Dan (oft Konkubine) und sportliche Frauen Dao Ma Dan, die Gongfu können und für Vaterland selbst aufopfern. Ich lernte Qing Yi – keiner hat damals verstanden, ich selbst auch nicht. Nach einem Semester gab ich auf, eine kluge Entscheidung. Der Unterschied zwischen Qing Yi und Hua Dan auf der Bühne war durch das Make-Up und Kleidung zu unterscheidung, vor allem die Gestik – wie man die Finger verwendet. Qing Yi, eine aufrichtige Frau zu ihrem Mann, zu ihrem Vaterland und zu ihrem Ideal steht, hält ihre Finger stets ruhig und zueinander geschlossen. Dagegen hält Huan Dan, eine Rolle von Aufmerksamkeitsträger, hält ihre Finger „aufgespritzt“.

Gong Chaoshan Cha

Nun kommen wir zurück zum Tee. Sollte der Tee im Vordergrund der Zubereitung stehen, oder der Mensch – Ego? Beruhige ich meine Gäste, wenn ich im Vordergrund stehe oder der Tee? Warum möchte ich die Aufmerksamkit erregen? Meine Antwort ist klar, den Blick senken, das Herz meiner Gäste spüren, eine ruhige entspannte Atmosphäre zu schaffen. Die Finger halte ich stets beisammen und möchte nur den Tee zubereiten, eine Stunde mit Gäste mit oder ohne Wörter geniessen. Eigentlich schätze ich die schönen Stunde am liebsten ohne viel Wörter im Zusammensein.

Magie des Gyokuros

Als ich ankam, wurden Fenster gerade fest geschlossen, denn die Bauer neben an gerade seine Felder kräftig dünnte. Mitte im Büro stand eine seltene Person, die ich hier noch nie sah. Eine bescheidene, in sich geruhte und sanfte Person, dessen Augen unglaubliche Freundlichkeit und Wärme ausstrahlten. „Wer ist das?“ fragte ich Hanspeter. Er lachte, „eine seltene Persönlichkeit!“ „Ja, ich habe es gerochen.“ „Du?“ „Wer ist das?“ Er verweigerte mir es zu nennen und verlangte mir auf sein Mail zu warten. Er kennt mein Ungeduld wie seins. In seinen Augen sah ich sein Spass mir den Spass zu verderben, eine interessante Person kennenzulernen. Hanspeter zog im Moment von seinem Geschäft zurück und widmet nur noch seine Interesse, Menschen zu begegnen, die genau so außergewöhnlich sind wie er. Er ließ mich mit R. allein mit unserem Sencha und Gyokuros. Seine Augen lachten.

So wurden wir zurück gelassen mit der Arbeit, die neuen Ernte zu degustieren. Das Saison 2007 war sehr gut gelaufen. Alle Vorräte sind ausgegangen. R. übernimmt immer mehr das Geschäft innerhalb der Familie und lernte step by step in die Welt des Tees einzutauchen. Er bat mir oft ums Rat, manchmal ist es mir nicht immer angenehm, denn ich nicht für und gegen anderen Menschen sprechen möchte. Seine Offenheit und Vertrauen überrascht mich stets, so dass ich aus dem Schatten meiner asiatischen Höflichkeit springen muss.

Drei Senchas aus Nakai Teegarten haben wir zuerst im Programm genommen. Drei verschiedene Qualitäten, sauber verarbeitet. Diese Senchas sind wirklich anders als Mainstream-Sencha. Sie schmecken pflanzlich und klar, ohne Beigeschmack des Fisches zu ahnen. Er trank den einfachsten Sencha und sagte mir, dass er sich an seinen Großvater erinnerte. Sein Großvater aus Berlin, der zwei Male Weltkrieg erleben musste, zwei Male Hab und Gut verlor und entgültig das Heimat Deutschland verliess. Er erzählte mir von Heuschrecken-Katastrophe seiner Kindheit, von den einfachen Freude des Biss eines reifen Tomatens aus Großvaters Garten, von dem einfachen Mate in seiner Erinnerung. Dieser einfacher bescheidener Sencha erinnerte ihn an den einfachen Mate, unverfälscht und klar. Dann erzählte er mir von seinem Traum, wieder die Weite des Weide zu erleben, den frischen Wind der südlichen Sonne zu schnuppern und sich wieder daheim zu fühlen. Seit 6 Jahren lebt er mit seiner Freundin in der Schweiz, nachdem er ähnlich wie sein Großvater erlebte, sein Hab und Gut durch die wirtschaftliche Krise seines „Heimats“ verloren zu haben. „Menglin, wir haben das Glück zwei Welten zu kennen, das Beste aus uns zu machen.“ Ich senkte meinen Blick und trank ruhig den Sencha. Frisch, süß und unverwechselbare Stärke spürte ich auf meiner Zunge. Ich beobachte diese Person vor mir.

Wie ein Schwamm versucht er das Wissen des Tees zu saugen. Er war glücklich und gesprächig. Warum glaubt er mir anstatt an mir zu zweifeln, dass ich vielleicht nur wegen Bussiness hier bin? Er sagte mir, wie er die Wellnesswelle für Unsinn hält und die Vorstellung von Prestige und Ettikette für verrückt erklärt. „Warum suchen Menschen denn Dinge stets nach Außen?“ „Vielleicht können wir das Leben nicht so einfach verändern. Es ist einfacher, andere Menschen und Dinge für uns verantwortlich zu machen.“ Ich erzählte ihm von meinem seltsamen Lehrern in Taipei und was ich durch ihn von Tee lernte. Mein Lehrer sagte mir einmal, dass ich irgendwann einen Tee erkennen sollte, was ich aus ihm verwirlichen kann. Ein guter Tee mit einem guten „Body“, mit einer guten Substanz könnte und möchte gefordert werden. Ein Teemaker sollte solche Perle erkennen und aus ihn zu einem wunderbaren Blüte verwandeln. Einen Tee ohne Substanz bringt ein hervorragender Teemaker mit Röstung auch nicht weiter. Dagegen ein Tee mit Substanz könnte ein Teemaker ruhig auf Holzkohle „quälen“, so dass er einen tieferen Duft und einzigartigen zum erinnernden Charakter gewinnt. Das Gleiche gilt auch bei Menschen, meinte er. Ein Mensch mit Substanz und einer mentalen Stärke möchte gerne gefordert werden und sich entwicklen. Solche Menschen suchen Herrausforderung und Veränderungen im Leben, wenn sie keine Entwicklung spüren. Solche Menschen könnten wir herrausfordern, indem wir mit ihnen auseinandersetzen und zugleich ist die Auseinandersetzung eine wirkliche Hilfe für uns, selbst zu spiegeln und ebenfalls weiter zu entwicklen. Darum ist es eine wahre Freundschaft und Partnerschaft so wertvoll, weil es um unsere Entwicklung geht. Aber das braucht Mut und Vertrauen von beiden Seiten. Er sagte mir, dass er meinen Lehrer so gerne kennenlernt.

Einmal röstete mein Lehrer einen Paochung. Ich kam gerade aus der Strasse und roch eine Note der leichten Verbrennung. Ein Unfall, meinte er. Der Tee litt unter einer Panne bei der Röstung. Ich beschwerte mich von seiner Unaufmerksamkeit und machte Sorge um den Tee. Dann sagte er, dass der Paochung sich wieder erholt. Denn er eine gute Substanz hat. Und dieser Unfall verleiht ihm eine spezielle Note, die ihm unverwechselbar macht. Ich glaubte ihn und auch nicht ganz. Der Paochung erholte sich tatsächlich von der starken Röstnote sehr gut und begeistert viele schwierigen Zunge. Ich glaube, dass es noch viele Dinge gibt, was ich nicht verstehe.

Gyokuros von zwei verschiedenen Qualitäten waren anschließend in der Degustation. Ein solider Gyokuro, der sanft, lieblich und klar schmeckte und duftete. Ich war zufrieden. Kein Fremdgeschmack, keine Note von Grass und Fisch. Präzise und elegant. Der andere Gyokuro von gehobener Kategorie war schwieriger zu verstehen. Der Duft war sehr nüssig, ja fast brotig. Ich runfte meine Nase. „Ich bin nicht sicher, ob er mir gefällt.“ „Doch, er gefällt mir. Er erinnert mich an Bäckerei.“ Ich steckte mein Ungeduld zurück und trank noch einmal den Gyokuro. Ein seltsamer Gyokuro, der nach Bäckerei duftet! Noch nie erlebt. Ist er tatsächlich ein Gyokuro? Doch stieg der Duft langsam in die Nase. Dann machte ein Klick in meiner Zunge. Ein Klick, wie das Mantra „Sesam öffne Dich!“ Ein feiner geschmeidiger Strom floss ganz sanft in meiner Kehle, wie Balsam, wie der frische Frühlingsturm und wie das Streichern des Windes. Ein langer tiefer Abgang, süß, nüssig und duftend. Ich erinnerte mich schlagartig an jenen sonnigen Tag, an die duftenden Rose und  an die ziehenden Wolken über den See.

„Weiss Du, ich spreche eigentlich nie so viel.“ beim Essen betonte er immer wieder. Ich bedanke mich für sein Vertrauen und Offenheit. Ich weiss, wie unkommunikativ ich bin. Wenn Emotionen und Maske nicht im Weg stehen, begegnen Menschen auf eine unbeschwerte Art. Tee verbindet Menschen auf dieser seltsame Art, vielleicht weil das Wesentliche von Menschlichen und Sinnlichen im Vordergrund steht. R. und ich sind Jägger und Sammler von Dinge, die auf Substanz aufgebaut sind anstatt auf Luftschloss. Auf diese Ebene teilen wir ein Basis der Aufrichtigkeit zum Leben und zu uns selbst. Er möchte etwas verändern und wird einen frischen Wind in dieses renomierten Geschäft bringen und ich fühle mich sehr glücklich, dabei mitgestalten zu dürfen.

Notiz zum Gonfu Cha Seminar

Viele Menschen lernen Gongfu Cha um Teegeräte zu bedienen, um eine ritualisierte Teezubereitung einzueignen oder um stilvoll den Teegenuss zu gestalten. Ich verstehe Gongfu Cha eigentlich anders. Je mehr ich es verstehe, desto freier fühle ich mich von Teegeräte oder von den ritualisierten Handlungen.

Das war eigentlich mein Herzenswunsch, diesen Gedanken mit anderen im Seminar zu teilen. Wenn wir anhand verschiedenen Material die Vielfalt des Tees zum Ausdruck bringen könnten, wenn wir die feinen Nuance einzelnen Tee durch unterschiedenen Teegeräte zur Geltung bringen könnten, wenn wir durch Manipulation von Ziehzeit, Menge und Wasser das Gesicht des Tees unterschiedlich verfeinern könnten, verstehen wir dass es illusorisch ist, fest an einer bestimmten Vorstellung zu klammern.

Ein Jade Oolong aus einer Glaskanne hinterließ bei Dirk einen interessanten Abgang, während er von dem duftenden Aufguss einer Porzellan Kanne fasziniert war. Nico, unser 17järiger anwesender Teenachwuchs war fest überzeugt von dem Süße des Jade Oolong aus dem Glas, während Mario und Bettina von dem facettenreichen Aufguss aus der Steinkanne gefesselt waren. Was für Material wäre besser für welchen Tee? Muss man unbedingt einen bestimmten Tee in einer bestimmten Teekanne zubereiten?

Eine Vision braucht Geld und Zeit und eine Entdeckung ebenfalls. Meine Steinkanne aus dem schwarzen Jade gefiel allen Anwesenden. Fast allen, die sie erlebten. Marion äußerte mit seinem „Macho-Ausdrucksweise, dass diese Steinkanne den männlichen Geschmack entspricht, während das Porzellan eher dem weiblichen. Es ist eigentlich wieder eine Vorstellung. Diese Kanne ist schön, rar, einzigartig und kostbar. Aber muss man sie unbedingt haben, um einen bestimmten Tee und bestimmten Geschmack zu befriedigen? Meine Antwort ist Nein. Bist Du ein wirklicher Teekenner, wenn Du einen bestimmten nur in einer bestimmten Teekanne zubereiten musst und nur so kannst?

Ich möchte gerne alle Tees in einer einfachen Schale zubereiten können. In der Einfachheit den Tee zum Sprechen bringen zu können ist für mich die höchste Kunst des Tees. Natürlich kommt man erst dahin, wenn man das Labyrinth verstanden hat, was für Material für welchen Tee welche Einflüsse erzeugt. Genussvoll oder nicht, ist eine individuelle Sache.

In den ersten zwei Stunden versuchte ich den Teilnehmern die Haltung sowohl körperlich als auch geistig zu erklären. Solche Haltung wird in Taiwan eigentlich innerhalb der Familie bereits vermittelt, die Art wie man sich bewegt, läuft, Gäste empfängt und Respekt erbringt. In Deutschland beobachte ich ein anderes Verständnis von Erziehung in Bezug auf die Körperhaltung und menschliche Beziehung. Diese Differenz wird oft durch den Tee widerspiegelt. In diesem Sinne ist Tee wohl auch eine kulturelle Brücke.

Nachmittags experimentieren wir, wie das Material, Ziehzeit und Temperatur auf die Zubereitung des Tees beeinflusst. Die Gruppe wird zu drei Unterguppe geteilt: eine Gruppe für Glaskanne, eine Gruppefür Porzellan und eine Gruppe für Steinkanne.

Romeo und Mario „verschwendeten“ meinen Jadeoolong, um ihre Experimente zu machen. Sie versuchen die Menge zu manipulieren, um mögliche „Geschmack“ zu finden. Zwei Spielfreunde.

Romeo und Mario 1

Nun schreibe ich paar Notizen auf, vielleicht ist es aufschlussreich für andere abwesenden Teefreunde

Teemenge 1/3 von der Teekanne bedeckt

Ziehzeit gleich

Teesorte bei allen  bei jedem Vergleich identisch

 

Phönix Dancong 2005 Nantou: in Steinkanne – ölig, Duft nach frischer Bäckerei, rund, wohltuend; in Porzellan – Duft elegant, sauber, heiter, erhebend, fröhlich, in Glas – nicht nennenswert.

Zhenshan Xiaozhong Tongmuguan 2008: Ein sogar schmeckender Rauchtee! Glas – fein, nicht so rauchig, lieblich; in Porzellan – starker Marzipan-Duft, Süß! In Stein – charaktervoller Abgang. Beim 2. Aufguss: in Steinkanne – leicht nach Pfefferminz duftend, frisch, rund; in Porzellan – rauchig; in Glas – der Duft sehr deutlich, aber nicht nachhaltig.

Fotos von 22.06.08

Foto von Seminar am 22.06.2008 in Berlin. Es war eine kleine aber harmonische Gruppe.

Ich hoffe, ich finde heute noch Zeit nach dem Tee im Knien, (lieber Cenk, versuche es Mal?) noch paar Notizen von dem Seminar zu schreiben.

Heute ist es warm, feucht und drückend in Zürich. In Berlin war es windig, frisch und bewegend.

22.06.08 Berlin Gongfu Cha Seminar

22.06.08 Berlin Gongfu Cha Seminar

An einem sonnigen Tag, hinter dem Lindbaum-Hof fand ein Gongfu Cha Seminar statt, obwohl zwischen durch auch „Gongfu“ gespielt wurde. Romeo und Mario waren vor dem Kurs zwei Unbekannte, nach dem Kurs zwei Freunde.
Tee verbindet Menschen, nicht wahr?
Familie pestel

Ich danke Familie Pestel, die mich in letzten Tage mit sorg und Liebe betreute. Mein leicht erkrankter Körper wurde in Berlin richtig gut „bemuttert“ und nun wunderbar erholt nach Zürich gekehrt. Das Wort Dank kann mich eigentlich gar nicht richtig ausdrucken!