Archiv für den Monat April 2008

Tee für die heissen Tagen I

Auf den Weg nach Nyon rief mich Jürg an, der gerade etwas für seine Tee-Online-Magazin plant. Gegen die verbreiteten Vorurteile, Tee nur als Wintergetränke gegen Schiefwetter gesehen wird, möchte er etwas dagegen kontern. Er bat mir einen Text zu schreiben, aber nicht zu lang. Einen langen Text, meint er, liest heute niemand mehr.

Einen kurzen Text zu schreiben könnte ich gut, aber nicht um Leser zu gewinnen. Gestern bat mein Klient mich seine Mitarbeiter zu schulen, sie zum Tee-Begeisterten zu verwandeln. Aber ich habe nur zwei Stunden Zeit. Was könnte man denn aus den zwei Stunde machen? Wenn der Klient nur so viel erwartet, dann gebe ich auch so viel, nicht mehr.

Dass man hier im Blog immer mit einem langen Text konfrontiert ist, schreckt wohl viele Leser ab. Mir geht es eigentlich nicht an, wie viele Leser hier verweilen. Meine Arbeit definiert sich nicht über die Besucherzahl, sondern über meine fachfräuliche Information und Wissen. Es macht mir viel mehr Gedanke, Leser mit meinen unklaren Information oder Sprache zu verwirren als die absteigende Besucherzahl. Wenn Menschen sich nicht mehr bemühen, Zeit und Energie zu nehmen etwas zu pflegen, was ihnen wichtig ist, bekommen sie eben das, was bekommt werden können – mehr nicht. Ich bin durchaus zufrieden mit der täglich über 1000 Besucherzahl, die mir zwar Freude bereitet, aber mir auch lästig wird, eine Verantwortung für meinen Text zu übernehmen. Meine Aufgabe ist nicht Menschen zu helfen über Tee zu informieren. Ich mache das Schreiben einfach gerne. Menschen helfen sich schon selbst, wenn sie geholfen werden wollen. Sie finden auch das, was sie suchen, wenn sie suchen.

Also, nun mache ich mir Gedanke, was man Tee unter Getränke für die heissen Tagen versteht. Tee ist weder heiss noch kalt. Ach, die armen Menschen suchen immer das, was sie beschäftigen sollen und womit sie festhalten können – aber nur möglichst mit wenigster Aufwand!

So wach wie ein Frosch

Auf das Wiedersehen mit Nojiri Sensei war ich nicht besonders scharf. Bevor ich nach Nyon fuhr war ich nervös, unsicher und volles schlechten Gewissen. Mein spärliches und vernachlässiges Praxis wird mich verraten und was sollte ich ihr denn von meinem Verschwinden erklären?

Als wir uns zufällig zu zweit beim Eingang begegneten, fragte sie mich nur, „How are you?“ Ich sagte, fein. „Really?“ Sie beobachtete mich mit ihren starken Augen. Sie leidet inzwischen unter schlimmen Heuschnupfen.

Nojiri Sensei hat zwei besondere Begabungen.

1. Begabung: sie kann ihre Schüler sehr gut imitieren. Sie imitiert unsere schlechte Haltung oder nervöse Fehler und bringt allen zum lachen. Gestern morgen fragte sie uns, was eigentlich die richtige Haltung von Tee sei. Wie könnten wir denn das richtige Körpergefühl in uns wieder finden? Dann imitierte sie ein Frosch. Sensei (jap. Lehrer) behauptet die richtige Haltung des Tees ist die Haltung eines Frosches. Ein Frosch bewegt sich nicht, verliert sich nicht. Er sah wie verschlafen aus, schnappt jedes Insekten blitzschnell. Wach und unbeirrt sollte die Haltung des Teepraxis sein.

In jedem Morgen üben wir, wie wir zum eigenen Körper zurückkommen und wo ist der Punkt, der uns unbeweglich macht und der uns Souveränität vermittelt. Aus diesem Punkt sollten wir Tee für anderen Menschen zubereiten. Wenn der Gastgeber souverän ist, könnte er auf andere Menschen eingehen und eine Atmosphäre kreieren. Jedesmal wenn dieser Punkt wieder in mich zurückkommt, weiss ich den Grund, warum ich noch da bin und Tee praktiziere.

2. Begabung: diese zierliche unscheinbare Frau strahlt eine unbegrenzte und unendliche Präsenz, die sich durch ihre Stimme und starke Augen manifestiert. Ihr wacher Geist bringt die Komplizierten Schüler aus ihrem Konzept und lässt sie entblösen. Eigentlich ist es die beste Übung unter ihrer starken Präsenz, sich nicht von ihr aus der Ruhe zu bringen. Das ist leicht gesagt als getan.

Sie fragte mich am ersten Tag, was ich ihr gerne präsentieren wollte. Ursucha oder Koicha. O.K. Koicha im Ro (Erdofen – Winterstellung), das kann ich schon und mache es auch richtig gerne. Zu nervös werde ich wohl nicht. Sie hörte von Koicha und fragte, welche Zubreitungsart? Natürlich wollte ich die einfachste nummer und sie die komplizierste. Ich liess mich nicht beirren. Dann fing die Hölle los.

„Do you know, what you have to take now!!??“; „What do you do??!!“; „Where are you? You lost your center!! You should never lose your center!!! HMMM!!!“

„This is not Koicha! This is Ursucha!“ Sie sass nicht gerade neben mir, woher sollte sie denn wissen, ob mein Tee zu dünn war? „HOW DO YOU KNOW THAT?“ Alle lachten, weil ich ihr widersprach. „I see everything!“ Mein Koicha war tatsächlich zu dünn, aber woher sah sie es?

„I told you to do the complicated one, but you prefer the simple one!“ sie schaute mich mit ihren starken Augen. Sie vergass es nicht und hing es an die große Glocke. Am nächsten Tag musste ich natürlich den Befehl ausführen und ein harter Tag fing richtig an. Fast zu jeder Temae (Teezubreitung) wurde ich aufgerufen mitzuarbeiten. Als Strafe oder Privileg kann man es nicht so leicht definieren. Ich war am Abend richtig erledigt. Erledigt war auch mein Wünsch baldmöglichst wieder dabei zu sein.

Später kam Miya zu mir. Sensei habe gesagt, dass sie sich über meine Fortsetzung des Unterrichten erfreut habe.  Dies erzählte sie mir persönlich nicht. Das sollte ich von anderen indirekt erfahren und meinen eigenen Weg für mich selbst praktizieren, nicht für sie.

Nun komme ich mit einem strapazierten Körper in Zürich an und hatte noch zwei tolle Begegnungen mit zwei Klienten in Bern. Ein Klient sagte mir, dass er noch weitere 20 Stunde mit mir hätte reden wollen. Das war die Energie von Nojiri-Sensei und Tee. Mein Körper ist müde und hat Schmerzen, aber der Geist ist klar und zufrieden. Ich höre immer noch, wie sie „schrie“: „Your ears should be always over your shoulder!“

An ihre Seminars könnte man in Brüssel, München (St. Ottilien), Bern, Nyon oder Rom teilnehmen. Details könnte man unter diese Seite bei zuständigen Organisationen anfragen.

Auf den Weg nach Nyon

Wege sind Orten der Begegnung und Kreuzungen sind Anfang der Irrwege. Manche treffen sich aus verschiedenen Wege an der Kreuzung, mache eilen weiter in die eigene Richtungen, mache geraten deswegen in die Irrwege.

Wir sind erzogen auf den richtigen Weg zu gehen. Wir haben erst die Möglichkeit uns zu erlauben, sich zu irren, wenn wir zu einem fremden Ort aufbrechen – das Aufbrechen aus dem Gewöhnlichen. Unter den Fremden dürfen wir in die Irrwege verlaufen. Kinder geraten auch gerne in Irrwege. Denn Sie ihre Welt als das noch Unbekannte voller Fremdheit und Faszination wahrnehmen.

Ich war als Kind mindestens zwei Male vermisst, aber nicht auf den Irrweg. Es war Wege der Sehnsüchte. Es war Wege der Möglichkeiten, sich aus dem von Eltern bestimmten Realität zu befreien, in die Ungewissheit der Anziehungskraft. Das erste Mal, vermisst zu sein, war meine jüngste Tante schuld. Sie war zu jung und zu unerfahren. Plötzlich befand ich mich unter Fremden an einem Strassenrand. In der Erinnerung fragte ein älterer Herr mich nach meiner Adresse und meiner Eltern. Ich hatte keinen Grund zu weinen und sagte den auswendig gelernten Text. Er kannte diese Adresse. Er kaufte mir ein Eis. Während ich Eis ass, tauchte mein Großonkel auf, der mit Velo in der Rettungsaktion des Clans ganz nervös rund fuhr. Zum zweiten Mal war mein Großvater schuld. Er sollte mit mir kurz in den Tempel gehen und etwas holen. Er genoss in dieser Pause seine Zigerette, die er zu Hause nicht mehr sichtbar geniessen konnte. Er kaufte mir ein Ball und sass im Genuss am Ecke. Ich spielte den Ball, warf ihm weg und folgte ihn. Das gleiche wiederholte sich bis der Ball auf einmal in den Fluss verschwand. Ich weinte ganz laut. Die Erwachsenen versammelten sich und wollte mir helfen, nach Hause zu bringen. Ich schrie nur in die Richtung des Balls, aber sie verstand es nicht. Ich verriet meine Adresse nicht und schrie so lang, bis mein Vater mich fand. Er war verzweifelt. Er sagte, er habe mich sogar lokalisieren können wegen meinem unerträglichen Schrei.

Auf den Weg nach Nyon dachte ich immer wieder an meinen Irrweg im Erwachsensein.

Als ich 1999 den Einladungsbrief von einem brüsseler Teeseminar mit Nojiri-Sensei (jap. Lehrer) über Detlef zur Hand bekam, wußte ich noch gar nicht, worauf ich mich einliess. Eine Schale Tee verändert mein Leben – komplett. Den Weg der Veränderung machte man mir allerdings nicht einfach. Ich sah wie manche im Unterricht zum Weinen gebracht wurden, wie die Sensei mit immer lauteren Stimmung Handlungen korrigierte. Mich schickte sie in einem Nebenkammer und ich durfte nur das Erlaubte Stück für Stück lernen. Heute verstehe ich mit Dankbarkeit den Grund. Damals war es wie eine Schikane. Die Schikane erschrak mich nicht, weil ich einer fremden Anziehungskraft folgte. Ich wollte sie weiter folgen und machte meine Entscheidung nicht von anderen Menschen abhängig.

Außerdem warnte Detlef mir bereits an der Wegkreuzng. Klar und unbeirrend sagte er mir:

Deine Knieschmerzen ist Deine Schmerzen. Dein Zweifel ist Dein Problem. Dein Weg ist Deins.

Gestern abends konnte ich meine Beine kaum noch berühren. Es war wieder sehr hart. Mich hat die Sensei richtig genommen und richtig geknetet. Der innere Zweifel überkam mich, ich fragte mich, weshalb kam ich hier her. Auch inzwischen kenne ich den Zweifel gut, er kommt und geht. Die Wörter Detlef vergesse ich nicht. Meine Schmerzen ist meins. Es geht um mich, um meinen Weg und meine Sehnsüchte. Seine Wörter helfen den Unentschlossenen rechtzeitig auf den richtigen Weg zurückzukehren, während die Entschlossenen entillusioniert weiter gehen können.

Auf diesen Weg der Sehnsüchte treffe ich die Menschen, die mir den Weg nicht immer „erleichtern“. Jeder an dieser Wegkreuzung trägt seine eigene Geschichte und auch Belastung mit. Wir praktizieren zusammen den Teeweg und es entwickelt eine Verbundenheit, die weder aus Zuneigung noch Abneigung entsteht. Eine Freiheit, die erst anfängt, wenn man Menschen nicht mehr mögen „will“, nur so wie sie sind, akzeptiert. Sie sind einfach da, wenn ich meine Augen öffne.

Eine Begegnung mit Raku

Raku HausEingang von Raku Familie in Kyoto

Detlef war bitter enttaeuscht, dass ich seinen Auftrag eines Raku-Chawans vergass. Er sagte mir gleich im Telefon, dass ich nicht nach Bodman kommen musste. Teetreffen sagte er ab. Ich war zu tiefst betroffen und bat ihm mehrmals um Verzeihung. Ich will unbedingt wieder nach Bodman, nachdem ich realisiserte, wie privilegiert es ist, dort Tee zu ueben. Ein richtiges Ofen in der Erde, ein richtig nach Mass eingerichteter Teeraum und unzaehlige kostbare Teatoys machen den Tee in Bodman zum Privileg in Europa. Ich bat ihm so lang um Verzeihung bis er mir einen Termin nannte. Beim Vergebungstee bereitete er mir eine Schale Koicha mit der ersehnten Raku-Schale. Ich war uebergluecklich.

In Nyon-Seminar mit Nojiri Sensei wurde ein Film ueber Raku gezeigt – seine Herkunft und seine Essenz. Zum ersten Mal bin ich mit dieser einzigartigen Geschichte konfrontiert und weiss ehrlich gesagt nicht, wie ich diese Geschichte erzählen sollte.

Raku 15.GenerationDas Werk von Kichzaemon 15. Generation von Raku-Familie.

Diese Teeschale erinnert uns wohl nicht gleich an die herkoemmliche Teeschale, sondern an die moderne Kunst. Das Bild verraet uns die Zuneigung des Meister in der 15. Generation von Raku (Ofen des Freudes). Er studierte Skruptur an der Kunstakademie Tokyo und hatte lange Haare als ein Zwangzigjähriger.

Er sagte, dass das akademische Zertifikat keinen Artist macht und wollte sein Studium abbrechen. Er ging nach Rom und besuchte mich oft. Ich schimpfte ihn, dass er das fertigmachen sollte, was er angefangen hat. Sein Vater war sehr besorgt. Sein Sohn wollte mit der Tradition nichts zu tun haben.

Das erzeahlte uns Nojiri Sensei, die in Rom Kunstgeschichte studierte und dort als Teelehrin von der Urasenke blieb. Wie hat der junge Raku-Sohn sich doch fuer den Rueckkehr entschieden? Diese Wende hat der heute bereits älternde Mann im Film nicht bestont, er sagte lediglich, dass er unter den Fremden seine Wurzel wiederfand.

Er wollte nichts mit Tee anfangen und noch weniger mit Zen. Ich schimpfte ihn oft, dass ein Toepfer in seiner Klasse Tee machen muss, um richtige Teeschale zu kreieren. Irgendwann fing er in Rom an, sich fue Tee zu interessieren. Sogar fuer Zen. Er fragte mich, ob er mich zum Zazen begeliten durfte. Sein Vater war richtig erstaunt.

Wie wurde eigentlich ein Raku-Meister ausgebildet? Ist der Vater sehr streng in der Erziehung, um den Sohn zu unterrichten?

Der einzige Tag, wo Vater und Sohn gemeinsam schaffen, ist ritualisiert. Es ist und war immer zum Neujahr. Einmal im Jahr treffen Vater und Sohn zum Toepfern-Lernen. Er machte eine Schale und seine Soehne ihre. Der Vater unterrichtet im Rest der Jahreszeit dem Sohn nichts, wie er seine Teeschale kreiert und glasiert. Jede Generation muss ihren eigenen Weg finden, die Farbe ihres Lebens bestimmen. So sahen wir im Film, wie die Steinen im Bergen von Kyoto gemahlen wurde, um die Farbe fuer die schwarze Farbe der Raku-Schale zu gewinnen. Wir sahen, wie der Rakumeister seine Schale Farbe und Leben verleiht, waehrend seine Frau die Farbe ruehrt. Sie ruehrt seine Farbe und er gab seine Farbe an die Teeschale. Eine ausgesprochene und unbeschreibbare Ramantik strahlte in diese Sequenzen. Diese Arbeit wurde vor 400 Jahren so abgesprochen und bis heute ohne Ausnahme.

Er hielt eine rote Raku-Schale in der Hand. Er lachte und strahlte. Jede Teeschale muss in jeder Hand so harmonisch liegen, rund und kraftvoll. Er erzeahlte, dass es ihm am Herzen liegt, wie eine Schale seinen Herrn dient. „Diese Schale ist von einer unschaetzbaren Kraft. Eine Schale in der Hand kann Menschen beeinfluessen. Diese Schale hat mich veraendert.“ Er probierte ungefertige Teeschale, wie sie an dem Mund anschmeichelte, wie sie auf dem Tisch lag, wie sie in der Hand aussah. Seine Augen schauten durch die Teeschale durch und richteten sich an einem weiten Punkt… Stets an den Herrn der Schale zu denken ist das wichtigste. Nicht nur die Aesthetik, sondern das Praktische und das Emotionale zwischen den Haenden müssen beruecksichtigt werden.

Das erinnerte mich an dem Besuch vor einer Woche in Karlsruhe bei J. Wir schauten zusammen die Teeschale an, die er beauftragte. Wunderschoen und aesthetisch waren sie. Ich war beeindruckt von dem Ausdruck und Starke. Aber die Toefper machen keinen Tee und trinken wohl auch keinen Tee. Das manifestiert sich durch die Teeschale. Eine richtige Größeangabe macht eine Teeschale nicht zu Chawan, sondern die Seele des Machers. Das ist wohl das Geheimnis von Raku-Familie. Sie brennen die Schale mit ihrer Seele mit.

Wie ist nun der Sohn von der 15. Generation? Ist er gut gehütet vor der Globalisierung?

„Vor zwei Jahren sah er aus wie ein Punk.“

Sagte Nojiri Seinsei

Jede Generation muss seinen eigenen Weg finden. Die Tradition koennte eine Seele ersticken, koennte auch belebt werden, durch das Bewusstsein einer unabhaengigen Seele, die vielleicht auf den „Irrweg“ (vielleicht Wege der Sehnsuechte) war oder unter den Fremden lebte.

In diesem Film erfuhren wir, wie die Tradition insistiert wird und wie die Arbeit des Rakumeister von der 15. Generation gewuerdigt wird. Die Momente der Schwaeche, das Gefuehl von Burn-Out und der wahrscheinlichen Drang abzubrechen wurden nicht angesprochen. Ich denke aber, dass Schattenseite und Glanz gleichzeitig existieren. Dass die Arbeit des Rakus fortgesetzt wird, zeigt die Kraft des Vertrauens eines Menschen, einer Familie und eines kunsthandwerks.

Adresse von Raku Museum

Aburanokoji Nakadachiuri Agaru Kyoto Japan 602-0923 TEL. +81 (0)75- 414-0304

Der teuersten grünen Tee Chinas

Am 19.4. wurde in Shanghai der teuerte grünen Tee Chinas versteigert. Der Name dieses Tees heisst: Anji Bai Cha – Nachricht aus Zhejian Ribao.

Ich hätte diese Meldung nicht entdeckt, wenn ich nicht einem Clienten Information über ihn schicken sollte.

50g Anji Bai Cha kostet 50000 RMB (laut Yahoo kostet es ca. 5000 €). Schön für den Händler, Pech für die Konsumenten? Was haben Teebauer in Anji davon? Was haben die Teeliebhaber in der Welt von diesem Nachrichten? Das bedeutet doch nur, dass der Preis von diesem Tee 2009 in die Höhe getrieben wird. Und, was wird aus Anji Bai Cha?

Mein Client lobte, dass der von mir ausgesuchte Anji Bai Cha der beste sei – im Vergleich mit anderen Muster. Das sei wunderbar. Das tut mein Ego richtig gut. Aber diese Entwicklung von Spekulation und Wettbewerb tun den Tee gar nicht gut. Für mich bedeutet noch mehr Schwierigkeiten, Teebauer zu suchen, der sich nur mit dem Tee beschäftigen will anstatt mit der Welt. Solche Teebauer sind oft einwenig weltfremd und sturr. Vielleicht bin ich selber auch ein bisschen so?

AnjiAnji ist nicht nur bekannt für den Tee, sondern auch bekannt für Filmkulissen. Kennst Du den Film von Ang Lee Tiger and Dragon (Wo hu cang long 卧虎藏龙)? Viele Szene von Bambuswälder und der Kampf auf dem Bambus-Top wurden hier gedreht. Natürlich ist hier auch bekannt für seine Bambus-Spazialität, vielleicht auch Bambus-Kohle? Selbstverständlich sollte solche Szene nicht nur für Film-Produktion reserviert werden. Anji ist sehr interessiert Touristen anzuziehen. Der Tourismus wird wohl dem Teebauer hoffentlich mehr wirtschaftlichen Vorteile bringen als der Tee.

Tee – Spezialität direkt aus Kyoto, Myiko Tee

Liebe Meng-Lin,

herzlichen Dank für Ihre Antwort, auch wenn es schade ist, dass wir uns
nicht hier in Japan sehen.
Vorhin noch hatte ich an Sie gedacht, weil wir von Herrn Ulrich Haas den
neuen Newsletter
von der
Urasenke-Stiftung Freiburg/Vörstetten erhalten haben und Sie u.a. auch
darin erwähnt worden sind.
Er nennt Sie „die gute Seele unseres Clubs“ und beim Lesen Ihres Blogs
(besonders beim Anblick Ihrer
Fotos und den subtilen Kommentaren über Tee und die Natur) empfand ich
exakt dies für Sie.    🙂
Wie Sie über Ihre Erfahrungen beim Probetrinken schreiben – das finde
ich wirklich sehr „bezaubernd“.

Falls Sie uns und die Angebote von Maikonocha / MaikoTea noch nicht
kennen, schauen Sie sich doch
gerne einmal unseren Seiten an:
http://www.maiko.ne.jp/german/index.html    oder www.maikotea.com
Herr Haas hat unsere Homepage übrigens im Newsletter erwähnt, weil wir
sehr viele Produkte auch
auf deutschen und englischen Seiten anbieten – eine Seltenheit. Leider
ist unser Webshop noch nicht
ganz so „toll“, aber wir erstellen momentan eine neue Seite. Viel
schöner, aber leider noch in Arbeit.

Ansonsten gibt es bei uns noch viele Utensilien für die Teezeremonie –
Chasen, Chashaku, Chawan,
Yunomi, Kyusuh, uvm….   
http://www.maiko.ne.jp/german/shopping/tea_ware.htm

Mehr finden Sie hier:   http://www.maikoshop.com/    Vielleicht gefällt
Ihnen ja etwas davon.

Übrigens läuft momentan unser Shincha 2008 Angebot.

Falls Sie irgendwelche Fragen, Anregungen oder Bestellwünsche haben,
helfen wir Ihnen gerne.

Mit freundlichen Grüßen aus Kyotanabe,
R.

Eine neue interessante Möglichkeit für alle japanische Teeliebhaber direkt aus Japan einzukaufen.

Veroprofumo

In fernem Osten verehrt man krankhaft die weisse Haut. Im Westen begehrt man die dunkle Haut als ein ansehendes müssiges Statussymbol. Wenn man sich zwischen den zwei Welten bewegt, macht man einfach nichts Richtiges um richtig zu sein. Mich zwang meine Familie zur Kosmetikerin, um die Haut bleichen zu lassen. Die Kosmetikerin preiste für das 100% atherische Lavendelöl, das angeblich aus Spanien importiert ist.  Das Öl wurde auf mein Gesicht aufgetragen. Es schmeckte scharf, aggresiv und ich empfand es als eine rekonstuierte Variante des Lavendelöls. Meine Kosmetikerin war sprachlos und fragte mich, warum ich es so meinte. Ich ging nur vom Tee aus, meinte ich. Das Öl riecht genau so wie der parfümierte Jasmintee, der anders schmeckt als ein natürlich aromatisierter Blumentee mit Jasminblüte.

Ein „rekonstruierter“ Duft des Lavendels unterscheidet sich vom natürlichen Lavendel. Das hört sich selbstverständlich an, es richtig zu erleben erlebte ich erst bei Vero am vergangenen Samstag.

Eine Veranstaltung von Kulturbanausen in Zürich ermöglichte uns eine Reise ins Land der Düfte. Wer hätte gedacht, dass der „rekonstruierte“ Lavendelduft unauffällig „lavendelartiger“ duftet als der Lavendel selbst?

Vero zeigte uns zuerst den Duft von Neroli, von Lavendel und immer im Vergleich mit einem dazugehörigen „rekonstruierten“ Duft. Der natürliche Duft duftete in der Nase leise, nachhaltig und unspekulativ im vergleich mit dem „Zwilingsschwester“, die uns stark, blendend und demonstativ beeindruckt. Nach einiger Zeit verflogen sie, während die „natürlichen“ Düfte immer mehr Präsenz gewonn. Der Siegzug der Entwicklung von synthetischen Düfte bewertete Vero nicht. Die synthetischen Düfte, die sie uns zeigte, stammten von einer großartigen Parfümerie in Paris. Sie erklärte uns lediglich wie die Entwicklung des Parfums seit 1990, seit die Globalisierung sich in jedem Branchen durchsetzt, sich immer mehr von der „Natürlichkeit“ entfernt. Die so genannte moderne Parfumerie vermarktet die einfache und von der Natur unabhängien Duftkomposition in die ganze Welt. Die Komposition muss so plakativ sein, so standarisiert sein, dass sie sauber und unallergisch wirkt – von Nordpol bis zum Südpol. Die Knappheit der natürlichen Essenz bedroht die Grossfirmen nicht. Die klimatische Schwankung beeinflusst die Rezeptur nicht. Die Mischung ist aus Zusammensetzung von einzelnen Duft-Moleküre anstatt aus einer Komplexität der „Düfte“.

Die Komplexität der Düfte eines „individuellen Parfums“, wie Vero es kreiert, verwöhnt uns zuerst mit der Kopfnote, anschliessend tritt Herznote ein und dann die Basisnote, die uns Stundenlang begleitet. Ein „plakatives“ Parfum berauscht uns die Sinne in erstem Augenblick und verliesst uns nach eine Zeit. All das erinnerte mich parallel an Tee. Vielleicht ist das, mein Teelehrer in Taipei mich stets erinnern will. Wenn man eine Sache richtig versteht, versteht man andere Dinge auch ohne Wörter. Das heutige Parfüm leitet unter Verlust der Komplexität, genau so wie der Tee, der an der Standarisierung des Geschmacks leidet.

Nicht nur die Düfte Veros versezte uns in eine andere Welt, ihre Person war so einzigartig fesselnd. Ihr Wesen faszinierte mich von Anfang an und meine Augen waren wie verzaubert. Man bekäme ein Gefühl, diesen Menschen seit langen gekannt zu haben. Wenn eine jüngere Frau mit ihr auf der Strasse gehen würde, würden Menschen sich umdrehen – wegen Vero. Sie wirkte nicht gross. Ihr Rücken war nicht gerade. Ihre Haare lagen entspannt auf ihr Schultern. Ihr Gesicht erzählte uns von ihrer Geschichte. Ihre Präsenz machte sie zu einer einzigartigen Person, die einfach die Person Vero darstellt, nicht jemanden anderen. Man begegnet in unserer Zeit nicht mehr so einfach jemanden, der einfach nur sich selbst darstellen will und kann. Man sieht oft eine Mischung der Gesichtern, die Medien uns vermitteln. Der Unterschied macht Vero so besonders.

„Ich erinnere mich beispielsweise heute noch sehr präzise an den Geruch meines Primarschulhauses, in dem es nach trockenen und leicht staubigen Holzbleistiften, nassen Schiefertafeln und der Politur der Holzfußböden roch…“

Vero KernVero Kern

Die Vielschichtigkeit der Düfte liess mich nicht los. Gerne würde ich im Meer der Düfte getränkt sein.

Als ich den duftenden Raum verliess, sah ich die frühlingshafte Stadt Zürich. Es war hell, freundlich und aufheiternd. Es roch nach dem Frühling. Es erinnnerte mich plötzlich an die schönen alten Tagen der Leichtigkeit und Unverbindlichkeit. Meine Schritte wurden auf einmal langsamer. Das Erinnern an die alte schöne Zeit erschrak mich. Der Gegenwart schien entfremdet und benebelt. Ich gergass das Tram zu nehmen, das mich in die Zukunft fuhr. Wenn Aura Soma No. 106, die nach Zitrus und Lavendel duftet, uns das Vergessen des Vergangenen versprechen sollte, was verspricht uns denn der Duft Onda Veros? Der letzte Duft Onda, der Welle heisst, treibte. Ich roch ihn überall um mich. Ein Duft des Erinnerns an das Vergessene und Aufbewahrte. Im tiefen Schicht wurden viele schöne Verbindungen aufbewahrt, weil auf der Oberfläche unserer Wahrnehmung viel Staub und Fusel des Alltags fallen. In diesem verstaubten dunklen Speicher liegen Farben und Bilder neben einander – wohl auch Schreien und Tränen. Wozu heben wir denn all diese auf, nur um aufgehoben zu haben? Was ist denn mit der Distanz zwischen Vergessen und Erinnern? Könnten wir sie überhaupt messen? Mit Zeit oder mit Entfernung? Vielleicht mit Düfte?

Ich musste schnellst zum Hauptbahnhof gehen und wartete ungeduldig auf das nächte No. 11. Der Duft Onda wirkte wie eine Welle oder besser gesagt, wie eine Verwandlung, die Zeit zur Zeit unterschiedlich auf meine Haut mit meinem Speicher kommunizierte und mein Bewußtsein verwandelte.