Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Nachklang von dem Pu Er Teeseminar am 03.06.18

Der Preis von Pu Er steigt und steigt, wem kommt es zu Guten? Wenn die Teebauer in Taiwan und in Yunnan über die mangelnden Pflücker beklagen, wie leben die Pflücker tatsächlich dort? Und leben andere Pflücker in anderem Teeanbaugebiet?

In Shui Tang erlebe ich oft von Anfrage nach Fairtrade. Nachdem ich mich von Fairtrade Siegel distanziere, verschwinden die Kunde aus der Tür. Fairtrade ist für vielen das Qualitätsmerkmal!

Ist ein Tee mit Fairtrade fair? Ist ein Tee ohne Fairtrade nicht fair?

Ich schätze das ganzheitliche Denken von meinem Lehrer sehr. Er vermittelt mir nicht nur das Wissen über die Produktion des Oolongs und über die Vielfalt des Tees, sondern auch die Zusammenhänge zwischen Stecklingen, Pflücker und Erde! Mit dieser Grundlage begegne ich oft die Illusion der Zertifizierung, der Werbungen und dem blinden Idealismus (fast Fanatisch) in der Teewelt.

Das Video schickte mir Reto nach dem Seminar über das Phänomen, was wir auch im Seminar behandelt haben: Zusammenhänge zwischen Pflücker und Lebensdauer der Pfanzen, Zusammenspiel zwischen Umwelt und Ausbeutung von Teepflanzen und Menschen und die Konsequenz einer ganzheitlichen Betrachten des Tee Erlebens!

Meine Arbeit in Shui Tang ist nicht nur die Vermittlung des Tees, sondern ein Versuch, eine bereichernde Reziprozität zwischen Menschen, dem Planet und Kultur zu erwägen.

Wenn Du das Gefühl hast, eine Pu Er Fladen (400g) für 30-40€ bezahlen zu können, weiss Du, dass der Preis zu wenig ist, für das was die Erde dafür auskommen muss. Möglicherweise leiden auch manche Menschen darunter. Meine Zeilen sind nicht moralisierend, sondern nur hinweisend. Jede Handlung hat Konsequenz, auch wenn wir im Moment nicht sehen oder weg gucken. Trotzdem hat jeder das Recht, das zu kaufen, was er für richtig hält.

Euch wünsche ich viel Raum zum Nachdenken bei Anschauen von diesem Video!

https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-abgebrueht—das-bittere-geschaeft-mit-dem-tee-100.html

Beim Interesse von dem Geschäft mit Siegel und grünen Marketing kann man noch das Buch von Katrin Hartmann lesen!

https://www.umweltnetz-schweiz.ch/b%C3%BCcher/2817-gruene-luege.html

Und das Video von ARTE: https://www.arte.tv/de/videos/067846-029-A/mit-offenen-karten/

Gesprächskrise – Gesprächskultur

Heute war Franco allein in Shui Tang. Mich plagt Föhn. Dann schrieb er mir irgendwann:

Es war eine Kundin hier, sie wollte Milky Oolong kaufen, ich sagte ihr das wir so verarbeitete Tees nicht haben, habe ihr dann jinxuan gezeigt, sie meinte jedoch das diese typisch nach „chinesischen tees“ riechtn ein bisschen muffig und erdig. Sie mag lieber japanische tees. Ich konnte dazu nichts sagen. Dann hat sie angefangen zu erzählen dass sie einen Teemeister kennt der mit der chinesischen Regierung kontakt hat und sich anscheinend sehr gut in tee auskennt. Und der hat ihr gesagt dass japanische tees traditioneller produziert werden als chinesische tees. Und der milky oolong den sie gesucht hat wäre nicht beduftet gwesen sonder häte den duft von orchideen die neben den teepflanzen wachsen.. wie kann ich gut auf so etwas reagieren?

Ich schrieb ihm zurück, „wie kann man auf eine Märchen Erzählung reagieren?“

Lächelnd dabei und hofft, dass die Dame rasch aus der Tür geht?

Heute lass ich einen Artikel in der Zeitung: Das Volk der Beleidigten.

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/deutschland-beleidigtsein-debattenkultur-empfindlichkeit-polemik

Bei Lesen dieses Artikel dachte ich stets über die selten oder immer geschehenen Gespräche in Shui Tang. Alles sagen, Kunde sei Könige. Warum? Weil sie Geld ausgeben. Andererseits vergisst man, dass es ein Glück ist, einen schönen Ort, einen gute Lieferanten und bereichernde Menschen zu begegnen! Das Respekt gilt gegenseitig. Ich teile mein Wissen gerne – das erleben viele Menschen, und gerne mit Respekt. Menschen, die mich als Automat behandeln, erhalten eine Zurückhaltung. Manche fühlen sich beleidigt. Wenn man klar äussert, wie und wo die Beleidigung aussieht, kann man konstruktiv aufeinander zugehen und lernen. Leider sind oft solche Kommentare einfach nur aus einseitigen Empfindungen. Das Internet ist wie eine grosse emotionale Mülleimer. Das Bleidigt-Sein ist Trend.

Anderseits ist das Beleidigtsein nicht etwas Belastendes? Ich verstehe nicht, weshalb man gerne in dieser Rolle rutscht?

Ein Gespräch zu führen, um einen Kontakt zu knüpfen – ist es schwer? Weshalb so viel Machtelemente? Woher kommt diese negative Emotion, wenn man provoziert ist? Weshalb ist das provokativ, wenn etwas geschieht ausserhalb unserer Vorstellung? Gibt es eine Gesprächskultur in dieser digitalen Zeit?

Zurück zu Zeilen von Franco. Milky Oolong ist an sich unproblematisch. Shui Tang hat ihn bloss nicht. Aber diese Dame vergass, höflich und respektvoll zu bleiben, wenn sie den sogenannten typischen chinesischen Tee als muffig bezeichnen, wenn Franco sich die Mühe macht, ihr etwas zu zeigen. Das Märchen von Teepflanzen neben Orchideen findet immer Zuhörer, weil das Volk das Marketing liebt. Wer es nicht so funktioniert, gleicht eine Provokation in unserem Mainstream.

Soll man ihr dieses Märchen zerstören? Wird sie dankbar sein? Nein, sie wird bloss Unverständnis haben und Shui Tang zieht nur negative Projektion an sich. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, wenn man in Shui Tang arbeitet. Falsche Informationen von Kunde nur mit Vorsicht anzusprechen. Meistens besser sein lassen.

Eigentlich müssen wir ja dankbar sein bei Menschen, die Mut haben, uns auf unsere Unvollkommenheit und Illusion hinzuweisen. Aber wie oft sind wir beleidigt und wütend auf diese Personen?

Der arme Franco, der in einer unkonventionellen Geschäft wie Shui Tang arbeitet, muss vieles lernen: Höflichkeit und Distanz, Respekt und Herzlichkeit. Ich bin auch immer beim lernen. Jeden Tag am diesen schönen aber speziellen Ort.

Was steckt hinter den Nummern?

Auf dem Markt in einem Dorf in Wuyishan Gebiet würden solche Pflanzen verkauft.

Was sind diese Pflanzen? Teesetzlingen! Einfach auf dem Markt, wie wir in Zürich auf dem Bürkliplatz um Salatsetzlinge zu kaufen.

Wie werden Teesetzlinge in Taiwan verkauft? Auf dem Markt? Nein. Nur in speziellen Gärtnerei. Das heisst, dort wo man die Teesetzlingen einfach so kaufen kann, ist der Teeanbau recht alltäglich. So zu verstehen wie Salat Setzlinge in Zürich.

Die Nummer bedeutet eine bestimmte Varietät!

Hier heisst Cai Cha, 菜茶. Hier bedeutet es Teesetzlingen aus Samen.

Nummer 105 bedeutet „Huang Guan Yin 黃觀音“. Aus Tie Guanyin und Huang Jin Gui. Diese neu gezüchtete Varietät duftet wunderbar. Es spricht dem aktuellen Teekonsum Verhalten an! Der Duft ist alles! Die Pflanzen treiben sehr früh. im Hochlandgebiet wie in Wuyishan treiben sie bereits Ende März.

In diesem Bild sehen wir vier Varietäten. Rou Gui ganz links, dann Shuixian. Daneben ist 金牡丹 Jin Mudan, neben 105. was ist Jin Mudan – goldene Päonie?

Jin Mudan trägt die Nummer 203 und ebenfalls entstanden aus der Kreuzung von Tie Guanyin und Huangjingui. Er hat noch einen Bruder Jin Guanyin, Nummer 204. Die beiden Varietäten haben gleiche Eltern.

In Shui Tang haben wir einen Jin Guanyin aus dem Jahrgang 2015. Ein guter Freund von meinem Lehrer, der über 20 Jahren in Anxi lebt und Tee produziert, hat diesen Tee gezaubert. Der Duft und der Geschmack harmonisieren. Durch die Lagerung ist er noch facettenreicher geworden. In meinem Verständnis schmeckt der Jin Guanyin eher Richtung Tie Guanyin. Für Interessierte ist eine vergleichende Degustation bestimmt sehr spannend! Wie wäre es mit Tie Guanyin Muzha, Tie Guanyin Anxi im klimatisierten Raum, Tie Guanyin Anxi im Zimmertemperatur, Jin Guan Yin und Huang Jin Gui zusammen zu degustieren?

Die Fotos erhalte ich von dem Schülern von meinem Lehrer. Reise bildet. Bald bin ich auch wieder unterwegs!