Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Gesprächskrise – Gesprächskultur

Heute war Franco allein in Shui Tang. Mich plagt Föhn. Dann schrieb er mir irgendwann:

Es war eine Kundin hier, sie wollte Milky Oolong kaufen, ich sagte ihr das wir so verarbeitete Tees nicht haben, habe ihr dann jinxuan gezeigt, sie meinte jedoch das diese typisch nach „chinesischen tees“ riechtn ein bisschen muffig und erdig. Sie mag lieber japanische tees. Ich konnte dazu nichts sagen. Dann hat sie angefangen zu erzählen dass sie einen Teemeister kennt der mit der chinesischen Regierung kontakt hat und sich anscheinend sehr gut in tee auskennt. Und der hat ihr gesagt dass japanische tees traditioneller produziert werden als chinesische tees. Und der milky oolong den sie gesucht hat wäre nicht beduftet gwesen sonder häte den duft von orchideen die neben den teepflanzen wachsen.. wie kann ich gut auf so etwas reagieren?

Ich schrieb ihm zurück, „wie kann man auf eine Märchen Erzählung reagieren?“

Lächelnd dabei und hofft, dass die Dame rasch aus der Tür geht?

Heute lass ich einen Artikel in der Zeitung: Das Volk der Beleidigten.

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/deutschland-beleidigtsein-debattenkultur-empfindlichkeit-polemik

Bei Lesen dieses Artikel dachte ich stets über die selten oder immer geschehenen Gespräche in Shui Tang. Alles sagen, Kunde sei Könige. Warum? Weil sie Geld ausgeben. Andererseits vergisst man, dass es ein Glück ist, einen schönen Ort, einen gute Lieferanten und bereichernde Menschen zu begegnen! Das Respekt gilt gegenseitig. Ich teile mein Wissen gerne – das erleben viele Menschen, und gerne mit Respekt. Menschen, die mich als Automat behandeln, erhalten eine Zurückhaltung. Manche fühlen sich beleidigt. Wenn man klar äussert, wie und wo die Beleidigung aussieht, kann man konstruktiv aufeinander zugehen und lernen. Leider sind oft solche Kommentare einfach nur aus einseitigen Empfindungen. Das Internet ist wie eine grosse emotionale Mülleimer. Das Bleidigt-Sein ist Trend.

Anderseits ist das Beleidigtsein nicht etwas Belastendes? Ich verstehe nicht, weshalb man gerne in dieser Rolle rutscht?

Ein Gespräch zu führen, um einen Kontakt zu knüpfen – ist es schwer? Weshalb so viel Machtelemente? Woher kommt diese negative Emotion, wenn man provoziert ist? Weshalb ist das provokativ, wenn etwas geschieht ausserhalb unserer Vorstellung? Gibt es eine Gesprächskultur in dieser digitalen Zeit?

Zurück zu Zeilen von Franco. Milky Oolong ist an sich unproblematisch. Shui Tang hat ihn bloss nicht. Aber diese Dame vergass, höflich und respektvoll zu bleiben, wenn sie den sogenannten typischen chinesischen Tee als muffig bezeichnen, wenn Franco sich die Mühe macht, ihr etwas zu zeigen. Das Märchen von Teepflanzen neben Orchideen findet immer Zuhörer, weil das Volk das Marketing liebt. Wer es nicht so funktioniert, gleicht eine Provokation in unserem Mainstream.

Soll man ihr dieses Märchen zerstören? Wird sie dankbar sein? Nein, sie wird bloss Unverständnis haben und Shui Tang zieht nur negative Projektion an sich. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, wenn man in Shui Tang arbeitet. Falsche Informationen von Kunde nur mit Vorsicht anzusprechen. Meistens besser sein lassen.

Eigentlich müssen wir ja dankbar sein bei Menschen, die Mut haben, uns auf unsere Unvollkommenheit und Illusion hinzuweisen. Aber wie oft sind wir beleidigt und wütend auf diese Personen?

Der arme Franco, der in einer unkonventionellen Geschäft wie Shui Tang arbeitet, muss vieles lernen: Höflichkeit und Distanz, Respekt und Herzlichkeit. Ich bin auch immer beim lernen. Jeden Tag am diesen schönen aber speziellen Ort.

Was steckt hinter den Nummern?

Auf dem Markt in einem Dorf in Wuyishan Gebiet würden solche Pflanzen verkauft.

Was sind diese Pflanzen? Teesetzlingen! Einfach auf dem Markt, wie wir in Zürich auf dem Bürkliplatz um Salatsetzlinge zu kaufen.

Wie werden Teesetzlinge in Taiwan verkauft? Auf dem Markt? Nein. Nur in speziellen Gärtnerei. Das heisst, dort wo man die Teesetzlingen einfach so kaufen kann, ist der Teeanbau recht alltäglich. So zu verstehen wie Salat Setzlinge in Zürich.

Die Nummer bedeutet eine bestimmte Varietät!

Hier heisst Cai Cha, 菜茶. Hier bedeutet es Teesetzlingen aus Samen.

Nummer 105 bedeutet „Huang Guan Yin 黃觀音“. Aus Tie Guanyin und Huang Jin Gui. Diese neu gezüchtete Varietät duftet wunderbar. Es spricht dem aktuellen Teekonsum Verhalten an! Der Duft ist alles! Die Pflanzen treiben sehr früh. im Hochlandgebiet wie in Wuyishan treiben sie bereits Ende März.

In diesem Bild sehen wir vier Varietäten. Rou Gui ganz links, dann Shuixian. Daneben ist 金牡丹 Jin Mudan, neben 105. was ist Jin Mudan – goldene Päonie?

Jin Mudan trägt die Nummer 203 und ebenfalls entstanden aus der Kreuzung von Tie Guanyin und Huangjingui. Er hat noch einen Bruder Jin Guanyin, Nummer 204. Die beiden Varietäten haben gleiche Eltern.

In Shui Tang haben wir einen Jin Guanyin aus dem Jahrgang 2015. Ein guter Freund von meinem Lehrer, der über 20 Jahren in Anxi lebt und Tee produziert, hat diesen Tee gezaubert. Der Duft und der Geschmack harmonisieren. Durch die Lagerung ist er noch facettenreicher geworden. In meinem Verständnis schmeckt der Jin Guanyin eher Richtung Tie Guanyin. Für Interessierte ist eine vergleichende Degustation bestimmt sehr spannend! Wie wäre es mit Tie Guanyin Muzha, Tie Guanyin Anxi im klimatisierten Raum, Tie Guanyin Anxi im Zimmertemperatur, Jin Guan Yin und Huang Jin Gui zusammen zu degustieren?

Die Fotos erhalte ich von dem Schülern von meinem Lehrer. Reise bildet. Bald bin ich auch wieder unterwegs!

Wie entsteht eine 宜興壺 Yixing Kanne? 2. Teil

Nach dem 1. Teil  von der Chrysanthemen Teekanne möchte ich nun das Beispiel von He Huan Hu nehmen.

Was bedeutet 合歡 He Huan?

He Huan bedeutet sich harmonisieren und glücklich miteinander zu sein. Das heisst, es gibt zuerst zwei Teile, zwei Stücke oder eine Trennung. Diese Trennung wird überwunden. Zwei Teile kommen zueinander.

He Huan als Teekanne Form zeigt genau diesen Vorgang wie zwei Teile die Trennung überwinden und eins wird! Das ist eine sehr traditionelle Form. Die chinesische Kultur beschäftitgt sich immer mit der Frage, wie die Trennung zwischen Menschen, zwischen Himmel und Erde, zwischen Zeit und Raum überwunden werden kann. So wird diese Kanne zu einem beliebten Symbol um zwischenmenschliche Beziehungen zu deuten. Diese Form ist entstanden in 清朝 Qing-Dynastie von einem Intellektuellen 陳曼生 Chen, Mansheng (1768-1822) entworfen. Er möchte durch diese Form die Trennung und Zusammenkunft im Leben zum Ausdruck zu bringen. Das Zusammenkommen zwischen Menschen kann man nicht erzwingen. So wird es immer zu einer Kunst, wie Menschen die Trennung überwinden können!

„He Huan“ Teekanne von Meisterin Jiang, Xiaoping. Sie gehört zur “ Die akademischen Schule.“

Jiang, Xiaoping 蔣曉萍 möchte diese Überwindung der Trennung zwischen den oberen und unteren Teil der Kanne zelebrieren. Sie fragte dem Lackmeister 江海明 Jiang, Haiming, um eine fröhliche „Zusammenkunft“ zu gestalten. Sie betonnt die „fröhliche“ Seite, während 王輝 Wang, Hu eher die Spannung zwischen beiden Teilen im Vordergrund stehen will. Die Linie von seiner Kanne ist ausdrucksstark. Eine bauchige Kanne, dessen Linien horizontal ausdehnt, anstatt das Vertikale zu betonen. Er sagte, er möchte damit verdeuten, dass die Spannung zwischen innerer Stärke und dem äußerlichen Schein jedes Individuum auszuhalten hat. Das Bauch symbolisiert die Leerheit und Empfänglichkeit und die niedrige Höhe zeigt die Demut eines bewussten Menschen!

„He Huan“ Xu Bian Hu, Teekanne von Meister Wang, Hui. Er gehört zu Schule Wu.

Ich biete Ihnen eine Million Franken an

An einem sonnigen Samstag im Frühling ist Shui Tang manchmal ruhiger als sonst und Gäste kommen später als sonst. Es war gestern so.

Erst gegen zwei Uhren kamen Teeliebhaber zum Tee. Ich goss gerade einen Jin Guan Yin und es sassen zwei Herren am Teetisch aus verschiedenen Orten. Ein Herr kam fast tanzend hinein und fragte, wo er überall anschauen darf. Er ging nach hinten, fasste alles an. Als er die bereits reservierten Dai Keramik anfasste, sagte ich ihm, dass diese Objekte bereits vergeben sind. Dann antwortete er, „Ich bezahle es schon, wenn was passiert.“

„Es hat nichts damit zu tun, ob Sie bezahlen.“ sagte ich.

„Man kann alles kaufen. Mit Geld kann man alles machen.“ sagte er.

„Nein. Das stimmt hier nicht.“ blieb ich ruhig.

„Wenn ich Ihnen eine Million anbiete, was machen Sie?“ sagte er unbeeindruckt in der gleichen Ton.

„Ich lehne es ab.“ Ich reichte meinen Gästen den Tee weiter.

„Jaja.“ unbeeindruckt machte er einfach weiter.

Auf einmal hat es mir gereicht. Ich war nicht wütend, nicht beleidigt, nicht verletzt, aber ich war entschlossen.

„Verlassen Sie sofort diesen Ort.“ sagte ich mit einer Bestimmheit.

„Jaja.“ er achte es nicht.

„Verlassen Sie JETZT hier!“

Er zuckte seinen Schulter und ging aus der Tür.

Meine Gäste schütterten ihren Kopf.

„Menglin, es war gut.“

Wir tranken weiter unseren Tee. 10 Minuten später war der Tisch so voll. Es war eine gemütliche Teerunde und es ging uns gut. Auch die Kasse.

Ein Video (mit englsichen Untetitel) über die Schule von Zhang, Zhengzhong 張正中

Die Schule von Zhang, Zhengzhong bezeichnet man die akademische Schule, 學院派 Xue Yuan Pai.

Das Besondere an diese Schule ist, dass die Lehrmeister-Schüler-Beziehung anders ist als die Traditionelle. Es verbindet diese Gruppe nicht das Familiäre, sondern die Ideen und der Geist. Die meisten Schüler der Gruppe besitzen einen akademischen Titel und haben künstlerische Ausbildung bevor sie zur Teekanne-Kunst kommen. Sie sind wie der frische Wind, der die alte verstaubte Szene in Yixing frisches Blut spendet, traditionelle Formen neu interpretiert und dienen als ein Verbindungsglied zwischen Heute und Gestern.

Jeder Teekanne-Meister von Jie müssen mit Nachahmung der traditionellen Formen anfangen, bevor sie selbst die Tradition interpretieren. In einem Video sagte 吳東元 Wu, Dongyuan, dass sein Lehrer Wu, Xiangqun 吳祥群 吳群祥 Meister Wu, Qunxiang ist der Schüler von Gu, Jing Zhouvon ihm verlangte, jede Stunde vier Grundkörper abzufertigen. Er sagte, so oft hätte er aufgegeben. Jedesmal bevor er aufgeben wollte, hat der Meister seinen Kopf genickt. Somit lernte er selbst immer wieder zu motivieren, „Noch ein bisschen aushalten. Noch ein bisschen…“ Ausharren und Fleiss sind die Melodie des Wegs zum Meister.