Archiv für den Monat April 2012

Alte Teeschalen, alte Meister

Alte Teeschalen, alte Meister

In einem Landgasthof haben wir gut gegessen. Dann im Schrank dieses Hotels sah ich etwas, was mich anzieht. Bei Ulrich erzählte ich von dieser schönen Schale. Er sagte mir, dass wir doch einmal gemeinsam zu der Töpferin im Markgräflerland hinfahren können. Er sagte, er kannte Herrn Kerstan sehr gut, eine unglaublich spannende und speziele Persönlichkeit, die er nach seinem plötzlichen Tod sehr vermisst.
Wir fuhren heute gemeinsam zu ihr. Als ich die schönen Seladon in verschiedenen Farbtöne sah, wusste ich, dass diese Schalen sehr vielen Teemenschen in Shui Tang ermöglichen an Schönheit des Lebens teilzunehmen! Anmutige und zugleich elegante Form beflügelt mit lebendigem Glasur schmeichelt an meinen Finger! Es ist wie Regenbögen, der uns zu einem anderen Ufer führen kann!
Eigentlich sehen meine Finger viel zu versnobt aus, zu fein und weiss. Diese Finger könnte nie eine Kyoto-Schale (gold bemalt und aus Porzellan) gut halten – viel zu fragil. Diese Schale von Beatrix Kerstan-Sturm gibt meinen Hände einen Boden und neben der Eleganz gleichzeitig eine Ausstrahlung von Aufrichtigkeit. Für manche starken Finger verleihen solche Schalen eine weiche friedliche Linie.
Eine Teeschale sollte Hände unterstützen, die Persönlichkeit zur Sparche zu bringen oder einen Ausgleich zu vermitteln. Teeschale lebt nicht von der Schönheit des Scheins, sondern von der Beziehung zwischen den Händen und ihr. „Was macht eine Teeschale mit mir?“
Dann wurden wir zu der alten Teeschalen-Sammlung von alten Herrn Kerstan geführt. In jenen Momente dachte ich viele alte Meister zu begegnen! Ulrich erzählte von einem Misusashi (Wassergefäss), dass er dieses Gefäss Stunden lang aus verschiedenen Perspektiven anschauen konnte. Ich nickte meinen Kopf – ich könnte hier gleich Zazen machen vor diesen Teeschalen und ihnen zuhören, was sie mir erzählen! Sie werden mich wohl fragen: „Mädchen, wie bist Du denn hier her gekommen?“ Ich werde wohl weinend antworten, „Wegen Euch. Ihr habt mich gerufen.“ Ich folge immer eine unsichtbare Faden im Leben, die mich dort hin führt, wo ich sein sollte. Diese alten Teeschalen, leicht verstaubt, an ihre Schönheit unverändert, egal wie unsere Welt dadraussend sich verändert, erzählen mir das, was bleibt!

Der Kieferbaum bleibt Tausendjahren bei derselben Farbe, 松樹千年翠
Egal ob die Zeitgenossen diese Farbe mögen! 不入時人意

Glücklich stieg ich ins Auto ein und weiss, dass ich wieder kommen werde.

Alte Teeschalen erzählen Geschichte

Alte Teeschalen erzählen Geschichte

Kai kam eigentlich sehr ungünstig. Da sassen bereits eine Gruppe von Damen, die Tee erleben wollten. Ich liess ihm allein auf dem Opiumbett sitzen. Sein Gesicht war nachdenklich.
Nachdem die Damen gingen, sass ich zu ihm. Er sagte, dass er nicht wusste, weshalb er zu Shui Tang lief. Ich nickte meinen Kopf, als ob ich es verstehen würde. Er zeigte die Teedose von Holzofen – unglasiert, nackt und in sich geruht – „ich könnte hier Stunde lang hinsetzen und sie anschauen – ich werde nie langweilig!“ „Spricht die Teedose zu Dir, nicht wahr…“
Vielen Menschen kommen zu Shui Tang und dachte, sie können hier etwas kaufen – mit Geld. Sie dachten, ich wollte ihnen etwas verkaufen – für das Geld. Manchmal wird es scheinbar zu einem vermeintlichen Machtkampf, es gäbe einen Gewinner und einen Verlierer, wenn etwas verkauft oder nicht gekauft wird. Für mich bleibt diese Sache irrelevant. Ich habe auch schon für Kunde kostbare Dinge besorgt, die sie aber nicht mitnehmen – aus irgendeinem Grund. Niemand ist allerdings niemandem Rechenschaft schuldig. Immer war es mir klar, dass es dem Interesse des Anderen sein sollen, dass sie gute Tees trinken und schöne Dinge bei sich haben wollen. Ich beobachte das Kommen und Gehen und stelle mir immer wieder die Frage „Sind wir als Menschen bewusst, dass wir Dinge kaufen? Oder läuft es eigentlich eher umgekehrt – dass wir ausgesucht werden…?“

„Wir betrachten Gold, Silber und Edelstein als wertvoll, während die Japaner alte Töpfe, kaputte Keramik und Steingut als Schätze aufbewahren.“
Der portugiesischer Jesuit Luis Frois (1562) schrieb diese Beobachtung in seinen Notizen über die Fremdheit Japans. Dasselbe beobachte ich tagtäglich in Shui Tang. Für manche ist diese Schale eine bezaubernde Schönheit, für andere ist es kaputte Schaben! Warum fallen mir etwas auf, warum den anderen gar nicht! Warum sehen ich in dieser Person eine Chance, warum die anderen nicht? So sammele ich bereits Schalen von einem Star, bevor er ein Star wurde!
Menschen glauben, sie seien es, die Dinge aussuchen – für mich ist es umgekehrt – die Dinge suchen Liebhaber aus und entscheiden sich, ob sie mit gehen.
Es war genau so, wie ich zu der Schalen von Beatrix Kerstan-Sturm kam. Diese Seladon-Schale führte mich zu einer Tür, die mir Schönheit eröffnet.

Besuch eines Shakuhagi-Spieler Yoshida

Besuch eines Shakuhagi-Spieler Yoshida

An einem sonnigen Samstag ist die Arbeit in Shui Tang recht entspannt. An solchen Frühlingstag sind Menschen getrieben von warmem Zahara-Sandsturm und Welle des Pollen-Flugs. Um so überraschend ist der Besuch von Evi, die gestern als Fremdenführerin spielte und ihren Freunden aus Japan.
Yoshida begleitet von seiner russischen Frau und einem Kameramann, der seine Reise und Musik dokumentieren sollte, spielte improvisiert in Shui Tang, als ich ihm sagte, dass das Stück Reibo zu meinem Lieblingsstücke gehört.
Während draussend Menschen kamen und gingen, herrschte die einfachen Stimme des Shakuhagi gepaart von den Atemzüge Yoshidas. Seine Atemzüge gaben energisch den Rythmus des Spiels und verleihte seine Präsenz durch Musik auf eine sehr beeindrückende Art. Man fühlte sich hingerissen und wurde versetzte nach Sendai – ich roch Fische, sah die Meeresbrandung und plötzlich sass ich unter den alten Kiefer des Rinoji. Dann kamen wütende Schreien aus dem Meer… Diese Sunami im vergangenen Frühling zerstörte die Idylle Sendais…
Kamera-Mann machte seine gute Aufgabe und fragte mich nach meiner Impression von seiner Musik.

Die Stimme von Shakuhagi ist wie die Sprache des Tees. Sie wirken auf der gleichen Art und Weise. Die Düfte und Geschmäcke des Tees gleichen wie die Stimme Shakuhagis wie ein Schlüssel – ein Schlüssel zu einer Tür. Man ahnt dass etwas hinter dieser Tür gibt – wie ein Geheimnis des Lebens – für manche ist es wie Erleuchtung. Manchmal öffnet die Stimme Shakuhagis mir die Türspalte breiter, manchmal enger… Egal wie die Spalte aussieht, ich weiss, dass es ein Freude ist, in dieser Welt zu leben!

Ich nahm meine Lieblingssteinkanne – Stein, ein sehr altes Mitglied unserem Unisversums. Aus meinem Schrank holte ich meine Lieblingskirschbaumrinde-Teedose. Aus dieser Dose nahm ich paar Blätter von dem kostbaren Puer aus dem alten Baum in Bangwei – ein Geschenk eines guten Freunds. So bereitete ich den Tee für meine Freunde, die vorher Fremde waren, zu. Der Tee aus einem sehr alten Baum – man sagte, er sei über Tausendjahren alt, konnte meinen Freunden erzählen, wie die Stimme des Zens ( so bezeichnet man die Musik Shakuhagis) mich berührte.
Yoshida wird Zürich vielleicht im Oktober noch einmal besuchen. Vielleicht haben die Musik-Freunde Glück die Stimme des Zens von Yoshida zu hören!

Frage von Julian

Liebe Frau Chou

Mein Name ist Julian,und ich bin 13 Jahre alt.
Ich intressiere mich schon seit einem Jahr sehr für die Teekunst.
Ich sah neulich ihren intressanten Blog,
und wollte sie fragen ob ich da auch mitmachen darf.
Ich habe auch schon eine Frage die ich ihnen gerne stellen möchte:
Ich würde nämlich sehr gerne wissen wo ich Gong Fu Cha Utensilien
(Riechbecher kleine Tässchen,Ausschankkannen usw.
Online kaufen kann.
Ich danke ihnen sehr herzlich für jede Antwort.

Ich wünsche ihnen noch viel Erfolg bei Shuitang.

Julian

Es freut mich sehr, von einem 13jährigen Teemensch zu hören!
Lieber Julian, bist Du sicher, dass Du nur 13 Jahre alt bist?
Zum Glück gibt es kein Zensur oder Numerus clausus bei Tee, dass Du erst ab 18 mitmachen darfst.
Du kannst gerne bei http://www.Kaywa.com selbst ein Blog schreiben!
In diesem Blog kannst Du gerne mitwirken, Kommentare zu schreiben etc.
Für das Spielzeuge von Gongfu Cha kannst Du gerne erwerben. Ich wünsche Dir viel Glück und Spass bei Tee.
Nur eine Warnung: wenn man sich einmal den Geschmack des Tees verkostet hat und mit irgendeiner Tasse anfängt zu sammeln… dann ist man bereit verloren…
Ueberlege Dir es gut.
Menglin

Wieder ist der Frühling gekommen

Liebe Meng-Lin
Danke noch einmal für die Begegnung mit Ihrer Teekultur, meine Gedanken sind noch immer bei den Wahrnehmungen, die sich um diese Tassen herum organisiert haben und ich glaube, meine Frage ist, wie immer wieder, auch bei anderen Dingen als Tee, nach der Orientierung in einer endlosen Vielfalt.
Ich praktiziere die Craniosacrale Biodynamik, das ist eine Körpertherapie, die etwas mit Meditation gemeinsam hat. Es gibt in der CB die Haltung der gleichmässig verteilten Aufmerksamkeit und des wertfreien Raums, das Neutral, das der Practioner zu erreichen hat, damit die „Arbeit“ stattfinden kann. Zum Practioner Neutral gehören weitere Dinge, wie die die Ruhezentren, um die herum sich Bewegung organisiert, die Wirbelsäule, das Herz, die dritte Hirnkammer und andere weniger strukturelle Zentren, wie die Flüssigkeitsmittellinie und die Quantenmittellinie. Ich erkenne in dem was Sie den Weg des Tees nennen Ähnliches. In der Biodynamik üben wir uns als Practioner so gut wie möglich darin, alles gleichzeitig wahrzunehmen, nichts zu fokussieren und zu bewerten. Es ist ein Versuch, dem anderen System die Möglichkeit zu geben, sich zu zeigen – und er funktioniert, es gibt die Erfahrung, dass er funktioniert. Wir „machen“ aber nichts mit dem was sich zeigt. Es kommt als weitere Wahrnehmung hinzu und dann warten wir, mit der wir uns wieder ins Neutral setzen. Etwas kann dann geschehen, wovon wir nicht im Voraus wissen, was es sein wird, was wir aber als Bewegung, Wachstum, Entfaltung oder auch Heilung erkennen. Der Unterschied ist, dass wir nicht eine Tasse Tee und das Trinken zwischen uns und den Klienten platzieren, sondern der Klient legt sich auf den Tisch oder setzt sich neben dran und wir legen unsere Hände auf seinen Körper und lauschen, so sieht das von aussen aus.
Macht dieser Vergleich etwas Sinn für Sie?
Herzliche Grüsse
S.

Wie können wir je die Lust am Leben verlieren?
Wieder ist der Frühling gekommen,
Und – Kirschbäume blühen in den Bergen.

So sang der Ryokan einst. So bewundere ich den Duft jedes Mal vor einer Tasse Tee!
Viele viele Leute fragen mich, wie bin ich zum Tee gekommen; wie bin ich hier her gekommen…
Was hat Tee in mir bewegt, so dass ich hier her gekommen bin?
Ich erkenne in der ersten Begegnung mit Cha No Yu, auch wenn ich noch nie ähnliche Praxis hatte, eine Tür, die mir zu etwas öffnen könnte – was ich bis heute immer noch nicht ganz weiss. Trotz Schmerzen und Konfrontation mit der Fremdheit spürte ich eine Kraft, zu glauben, dass es schön sei, zu leben!
Es ist schön am Leben zu bleiben. Es ist schön als eine Frau in dieser Welt zu leben!