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Pfirsichblüte in Sake

Am Dritten Dritten ist ein Fest mit Pfirsichblüten 上巳節 (桃花節).

Dieses Fest feiert man bereits seit 2000 Jahren (Zhou Dynastie) in China. Am diesen frühlingshaften Tag geht man an den Fluss, wo eine spezielle Priesterin dort Zeremonie für Reinigung und Seelen-Rufen abhielt. An diesen Tag, wenn Pfirsichblüte in vollen Pracht sind, schwingen eine frische fröhliche Energie. Junge unverheiratete Männer und Frauen spazierten dem Fluss entlang und knüpften miteinander einen zarten Band. Das ist eigentlich ein Tag der Liebe. Ein Tag der Pfirsichblüten.

Nach dem Oolongseminar blieben noch Teefreunde in Shui Tang. Wir tranken zusammen noch ein Glas Sake mit Pfirsichblüten. Das Getränk sollte Menschen gesundes und zufriedenes Leben schenken.

Die rosaroten Blüten duften fein und diskret. Im Mund schmeckten sie wie Bittermandel. In einer glücklichen Stimme verabredeten wir uns zu dem richtigen dritten dritten im Mondkalender zu einem Reinigungsritual am Fluss Zürichs zu treffen.

Wurzeln schlagen

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In letztem Sommer würde ich von der ansässigen lokalen Zeitung Altstadt Kurier angefragt, einen Artikel über meine Beziehung zur Zürcher Altstadt zu schreiben.

Meine Beziehung zu diesem Ort geht über die Tür Shui Tangs.

Wurzeln in Zürich zu schlagen scheint ebenfalls über Shui Tang zu sein, in der Tat verwurzelt es in dem Herzen. Im Herzen einen Samen anzusetzen und wachsen zu lassen, damit das Leben wie ein Baum prächtig entfalten kann. So versuche ich jeden Teefreund, der sich von Shui Tang angezogen fühlt, einen Same mitzugeben. Ich freue mich, dass ein grosser Baum in seinem Herzen wachsen kann. Die Wurzeln wachsen nicht woanders, nicht in einem Grundstück oder durch den Kauf eines Immobilien, sondern in jedem Menschen. Auch wenn das Unwetter draussen tobt, steht der Baum in uns geduldig und hoffnungsvoll und wartet auf das Licht wenn Wolken bricht.

Den Samen anzusetzen, das zarten Pflänzchen zu pflegen und den Baum einen Raum zu geben bilden einen inneren Weg, der uns Rückhalt schenkt, mit offenen Händen in den Fluss des Lebens zu gehen.

Der Mixiang (Honig-Duft) neben den Pfirsich-Blüten

Niemand muss wegen einer Verlust irgendwo stehenbleiben – auch wenn wir Angst haben uns zu entscheiden. Weil etwas verpasst wird.

Verpassen ist ein Fehler oder eine Wegweiser?

Seit ich meinen Lehrer Atong kenne, lerne ich verschiedene Schüler von ihm kennen. Manche von Ihnen bleiben, viele gehen. Manche Abschied treffen ihn ins Herzen, manche sind wie ein Verpassen. Nicht zu änderndes Verpassen gehört zur Erinnerung. Danke dieser Erinnerung können wir heute hier stehen.

Als ich im Januar ihn wider besuchte, erzählte er mir wieder von einem Abschied, rätselhaft und schmerzlich. „Und diesen Tee, den wir trinken?“ Ich deute auf die feine aromatisch Tasse, “ woher kommt er – wenn er nicht mehr aus Lishan stammt?“ Atong sagte mir, dass er nach diesem schmerzhaften Abschied auf diesen wunderbaren Tee angestossen ist. „Aus den hohen Bergen in Xinzhu neben einem weiten Pfirsichwald!“

Pfirsichwald. Ich erinnere mich.

Tao Yuanming im Jahr 421 erzählte in seinem Essay über einen Besuch eines Fischers, der zufälligerweise ein Pfirsichwald entdeckte. Dem Fluss entlang blühten herrliche Pfirsich, so fühlte er sich von Pfirsichblüten angezogen und kam plötzlich in einem Tunnel hinein. Anschliessend traf er in einem Dorf an, wo Menschen wie in einer Utopie leben würden – friedlich, bodenständig und natürlich. Der Fischer bedankte sich bei der Gastfreundschaft der Dorfbewohner, musste aber heimkehren. Als er wieder versuchte, das Pfirsichdorf zu finden, verpasste jedoch jegliche Zufahrt.

Leo Ming Pei nahm die Idee von Zufahrt zu dem Pfirsichdorf als Inspiration und gestaltet so das berühmte Miho Museum.

Denn das Pfirsichwald ist wie ein Zwischenraum und das Pfirsichdorf wie einen lichtvolle Ort in uns, der uns Hoffnung, Frieden und Sein vermittelt. Wo ist dieser Ort?

Mein Lehrer erzählte mir von einem Dorf von Ureinwohner Atayal. Ein Teegarten bei den Pfirsichbäumen. Ureinwohner Atayal pflegt seinen Garten wie sein Vorfahren sein Feld bestellte, gelassen und unambitioniert. Zikaden befallen den Tee im Mai und aus dieser Fahrlässigkeit des Bauers ist ein Hochlandsoolong Mixiang aus Xinzhu entstanden.

„Menglin, die Verlust ist eine Chance.“

Wie lange dauert es, wenn die Verlust eine Chance werden kann?

Es dauert so lang – vom Herzen bis zum Kopf.

In Hochland Taiwans blühende Pfirsichblüte

Wie schmeckt der Tee?

Ich höre Vögel zwitschern und sehe Schmetterlinge zwischen Blumen tanzen. Ein Ort, wo Blumen nicht nur schön, sondern auch duften; wo die Landschaft nicht nur grün, sondern auch natürlich; wo Menschen nicht nur atmen, sondern auch lachen. Honig, Maiglöckchen, Neroli oder Petersilie? Umami, fruchtig, herb und holzig. Jedes Schluck, eine Verwandlung!

Die Textur ist so dickflüssig und gleitet – wie ein Boot in einem fliessenden Fluss. Wohin? Ich seufzte. Zum Pfirsichdorf.

Wo ist das?

– Wer bist Du, der mir diese Frage stellt?

Willst Du nach links oder rechts?

– Ich will in meine Richtung weiter gehen. Mein Pfirsichdorf.

Bist Du traurig oder erleichtert?

– Auch wenn ich dem Verpassen traurig bin, weiss ich, dass dort ein anderes Ich auf mich wartet. Und… Wenn Du es weiss, wo es ist, weshalb lässt Du mich in diesem Wüste Land?

„Die Kischblüten blühen so schön in Ihrem Schaufenster.“ sagte eine Schweizer Kundin.

“ Sie sind Pfirsichblüten.“

Die Frau schaute mich erstaunt an, „Nie gehört.“

Ich lächelte.

Ich habe das Pfirsichdorf nach Zürich geholt.

Es ist auf dem Teetisch. Es ist in Deiner Tasse.

In Zürich blühende Pfrischblüten

Shui Tang: Die Tee-Schamanin | GaultMillau – Channel

Bei Meng-Lin Chou an der Spiegelgasse finden Tee-Liebhaber Pu-Erh- und Oolong-Tee der Spitzenklasse.
— Weiterlesen www.gaultmillau.ch/zuri-isst/shui-tang-die-tee-schamanin

Ein Jodeln aus Alishan

Es ist rasch dunkel und jeden Tag ein bisschen schneller.

Guten Nervenmantel brauche ich um diese stressige Zeit auszuhalten. Während andere Geschenke aussuchen und einkaufen, muss ich Ruhe und Distanz pflegen. Manchmal fühlt man sich ganz tief in Alpen, wo zu bestimmten Monaten keine Sonne strahlt. Zu solchen Moment braucht man schwebende Klänge und schwebenden Tee, der einen aus den tiefen Täler in die weite Landschaft tragen!

Ein schwebender Alishan alte Machart aus meinem Keller. Zufällig gefunden. Bereits zwei Jahre gelagert und gereift!

Es gibt genügende Alishan und eine Menge von so genannten Hochlandsoolong. Was macht einem Alishan Oolong heute zu einer Rarität?

Ein rarer Oolong ist heute ein Tee, der nach einem bestimmten Vorbild gemacht, anstatt an den Mainstream-Geschmack zu orientieren. Anstatt einseitigen grasigen frischen Noten schmeckt ein Oolong von alten Machart nach reifen Früchten und geöffneten Blumen. Das bedeutet auf das reifere Pflückgut zu warten antatt die zarten jungen Blätter, die langes Welken und Fermentation nicht aushalten. Lange Fermentation verwandelt die grünen Blätter zu einem facettenreichen Tee, der zugleich elegant und tiefgründig ist.

Ich schrieb die Degustation mit diesem Alishan 2016 in meinem Notiz:

Dieser Hochland-Oolong aus Taiwan ist durchdrungen vom fast mystischen Gaoshan-Qi (Hochlandsenergie). Ein Tee, der inspiriert und beflügelt, etwas vom Begehrtesten unter Teekennern. Sein blumiger Duft ist begleitet von feinen Zitrusfrüchten. Dies verleiht ihm ein frisches, elegantes Parfüm. Im Mund fließt süßes, fruchtiges Tauwasser, nach Melone und reifer Ananas schmeckend. Die Geschmeidigkeit des Aufgusses belebt unsere Sinne, man fühlt sich auf einer Blumenwiese, getragen vom schwebenden Jodel aus den hohen Bergen in die weite Landschaft!

Hier ist ein Stück improvisierten Jodelns nach dem Mittagsessen des Volkes Zou, das bis heute in Alishan ansässig ist!

https://youtu.be/wIIFGB_bVtg

Lange Fermentation über die Nacht anstatt vor Mitternacht die Fermentation zu stoppen.

Daxueshan ruft

Ich weiss nie, was auf mich in Shui Tang wartet. Ich kann nur es annehmen, was das Universum mir beschert. Es hört sich so an, als ob es fremd bestimmt wird. Ich sehe es so, dass das Leben geführt wird. Was führt uns?

Lukas hätte ich nicht wieder erkannt. Er hat sein Bart weg rasiert. Simon kam um seinen Daxueshan Gushu zu sichern. René kam mit dem Vater, um ihm Shui Tang zu zeigen. Für diese junge Runde wählte ich den Pu Er Daxueshan Yesheng Gushu, der Evolution verpasst und wilde Gene besitzt. Über paar Hunderten Jahren wächst er im Wald über 3000 Meter über den Meeresspiegel. Harzig, frisch und floral. Ich bereite ihn gerne sanft zu, obwohl er uns auch gerne seine Ellbogen zeigen. Was für Geschmackskurven? Es gleicht eine Wanderung durch die Frühlingslandschaft, wo Krokus blühen, die Moore gemütlich verbreiten, Nadelbäume ganz gerade in die Himmel wachsen. Ja, wie Avatar! Wie der Wald bei dem Hexer Wiesner in Escholzmatt!

Der Ruf von Daxueshan Yesheng Gushu ist wie eine Faden. Er ruft einen in den Wald zu gehen, wo ein Labyrinth sich offenbart. Es ist wie Theseus, der unausweichlich seine Reise antreten musste, mit Faden von Ariadne den Weg finden und Minotauros töten konnte.

„Dieser Tee schmeckt wie ein Ruf.“ Die beiden nickten den Kopf. “ Hast Du nicht das Gefühl, dass er Dich ruft, Lukas, komme! Komme raus! Raus aus Deinem Komfortzone!“ Lukas sagte, „Doch! Aber wir blieben meistens gerne im Verzicht auf Freiheit und lieber in Sicherheit.“ „Das stimmt. Wir stehen oft kurz vor einer Mündung und haben ungeheuer Angst weiter zu gehen. Aber wenn wir nicht paar Schritte weiter gehst, woher sollen wir wissen, wohin der Fluss uns treibt und wie die Ozean aussehen kann?“ Das Problem ist, wenn wir paar Schritte gemacht haben, wissen wir plötzlich, dass wir nicht von dem Strömung getrieben sind, sondern von unserem Herzen. Lernen zu vertrauen, dass wir auch allein den Weg zu Ende gehen können, ist auf einmal das Wichtigste. „Man braucht Mut.“ sagte er.

Was ist Mut? Ist Mut Nicht- Angst? Ist Mut eine Kraft, um etwas zu verändern? Ich neige zu dem Tee. Er ruft. Ich muss mir nicht überlegen, weil mein Herz vibriert. „Mut ist vielleicht eine Haltung im Leben. Eine Haltung die sich in bestimmten Moment manifestiert, wenn etwas entschieden werden muss. Entscheide ich mich für die Vibration meines Herzens? Oder entscheide ich mich für den scheinbaren einfachen kontrollierbaren Weg?“ Eine Grundhaltung, die den Lebensfluss am Scheideweg scheidet und führt.

Lukas umarmte mich beim Abschied und bedankt sich für den Stoff zum nachdenken.

Meine Gäste sind gegangen, und ich gehe auch weiter.