Archiv für den Monat März 2009

Qilan aus dem Fruehling von Mingjian

qilan

Kristine hatte den Wuensch, als wir in Berlin das Oolongseminar hatte, einen speziellen Seminar fuer Saison-Charakter des Tees zu lernen. Ich nehme diesen Wuensch ernst und moechte gerne dafuer vorbereiten.

Mein Lehrer roestete gerade heute den frisch fertiggestellten Qilan und zeigte mir, zwei Qilan von winter 2008 und Fruehling 2009.

In Qilan 2008 erkenne ich sofort die Person meines Lehrers. Aufguss oelig, faccettenreich, schmeidig. Die Suesse unaufdringlich und nachhaltig. Der Duft praesent und zurueckhaltend. Ein Meisterwerk! Ein gut und einfacher Tee unter seinen persoenlichen Einleitung. Schoen pfefferminz, floral, fruchtig gegen Ende. Eine Pflanzen, der aus der warme langsam zurueck zur Kaelte zurueckziehen muss. Sein Wesen, zurueckhaltend, distanziert und er laesst nur der Duft selbstbewusst fuer sich selbst darstellen.

„Weiss Du, die Pflanzen auf Formosa wissen sehr gut was Sommer und Winter bedeuten. Wenn der Nordwind weht, blaesst er die Feuchtigkeit des Wassers ab. Die Pflanzen muessen sich schutzen. Der Teebauer freut sicht, weil der Wind ein grosser Helfer ist fuer einen grossartigen Tee!“ Der Wind berueht dem Gesicht eine alternde Frau. Der Wind blaesst die Haut der zurueckziehenden Blaetter. Die Blaetter weden ledrig, rauh, wie die Gesichter der Pflueckerinnen im Nordwind.

Der Fruehlingstee ist von einem anderen Wesen. Der Fruehlingswind ist warm, startbereit – Start fuer einen neuen Anfang, fuer einen neuen Zyklus, fuer eine neue Unternehmung. Gut oder schlecht, spielt keine Rolle, Der Fruehling verlangt weitere Schritte in der Natur und auf der Erde. Nur der Mensch sit traege, denn er hat Gedaechtnis.. Er kann seine Schmerzen in der vergangenheit nciht vergessen und traut sich nicht vor einem Fruehling. Wie ein Wolken, der nicht weiss, wohin. Der Fruehling kommt, die Pflanzen waechst. Von der Kaelte zur Waerme wechselt die Erinnerung der Wurzel. Die Wurzel fangen an, Nahrung zu saugen. Er will wachsen! Die Wolken kommen, der Regen bleibt. Alles wird wechselhaft. Teepflanzen freuen sich, waehrend der Teebauer furchtet. Wie schafft ein Teemaker einen grossartigen Tee unter einer wechselhaften unklaren Bedingung?

„Menglin, Du sollst nun Buddha oder Jesus beten, wenn die Gruppe in zwei Wochen nach Mingjian gehen wollen, um Tee zu machen.‘ lachten die Leute im Teezimmer. Ein guter Fruehlingstee in einer unklaren Wetterlage muss tataechlich mit Hilfe der uebernaturlichen Kraft geschehen! Ja, ich bete sicher fleissig.

Der Fruehlingsqilan, schwer zu fassen, in Worte. Floral, lebendig und in Entwicklung. Der Fruehlingsbriss schmeckt im Aufguss wie ein Hauch der zarten Beruehrung. „Was fuer einen zarten sanften Tee?“ ich spuerte im Tiefen eine leise Seufz. Wie eine Hand, die Dein Haar auf Dein Hemd unauffaellig wegnimmt, Deine Haut mit einem Blick vorbei streift, Deine Schuhe mit dem leichten Rand eines Rockes unbeabsichtigt beruehrt. Scheinbar oder konkret. Tatsaechlich oder unwirklich. „Willst Du diesen Tee noch weiter roesten?“ „Nein, es ist gut so, oder?“ „Ja, es ist gut so.“

Foto:

links Qilan Winter 2008; Qilan 2009 Fruehling

Teatoys zu roesten

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So roestet mein Lehrer seinen hochwertigen Tee im Winter. So ein Furo (Wind-Ofen) dient gleichzeitig als Heizquelle.

Unten werden Holzkohle angefeuert und im gluehenden Zustand setzt man das Bambuskorb auf dem Feuer. Ich habe ihn gefragt, ist es nicht besser mit Computer zu steuern? Er sagte, Computer kann die Qualitaet des Tee leider nicht unterscheiden. Wenn die Substanz des Tees stimmt, dann ist die Roestung kein geheimnis mehr, behauptet er. Er liess den Tee uebers Feuer uebernachten und meinte, dass es so wie es ist gut ist. Computerprogramm ersetzt nicht seine Urteilsvermoegen und seine innere Uhr.

Natuerlich ist es alles anders als er sagte. Er lacht ueber meine Ernsthaftigkeit, diese Geheimnisse unbedingt zu erfahren. „Menglin, Du bsit nicht dafuer gemacht! Schaue doch Deine Haende an, Deine Haende kann nicht Mal Feuer anzuenden!“ Ich schaute meine Haende an. Er hat recht.

Teatoys zu roesten

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Es war sehr heiss, als ich in Bangkok ankam. Ueber 30 Grad und strahlende Sonne. Als das Flugzeug in Taipei landete, reiselte der Regen und es war grau. 13 Grad.

Ich hatte sehr wenig an, denn ich dachte, ich sei daheim. Der Winter sei sehr lang, wechselhaft und kalt. Weil es kalt war, hatte mein Lehrer viel Moeglichkeiten, Tee zu roesten.

Verschiedenene Tees, Hochlandoolong, Buddhas Hand und Lishan wurden unter seiner Hand geroestet! Niemand dufte diesen Tee probiert, weil er fuer mich und Teereise-Freunde reserviert hat, sagte Onkel Chong. Nicht einmal der Fondmanager Chen…

Ich ass Ananas, gluecklich und gierig. Es gab eine ganze Menge Dinge zum essen, weil sie wussten, ein Hungeriger kommt nach Hause. Eine Tochter der Formosa. Meine Mutter sagte, Toechter seien Raeuber.

Was fuer Tee trinken wir heute? Mein Lehrer ging ins Hinterzimmer.

Ein wunderschoener Bi Luochun aus dem Baum Bai Maohou in Pinglin. Geschmeidig, sanft und oelig. Ein Tee, der atmet, der lebt und spricht.

Ein herrlicher Buddhas Hand aus Pinglin. Ich schmeckte ein Cocktail der subtropischen Fruechte! Intensive vielschichtige fruchtige Duefte entfalteten sich unaufdringlich auf meine Zunge und in meine Kehle. Oelig und smooth like silk. Wie waere es dieser Tee zum Lagern? Ein glueckliches Seufz! Er schaute zu mir, „Menglin, Du bist zu sentimental.“ Das bin ich nicht, das ist Dein Tee. Das bist Du.

Ein auf Holzkohle geroesteter Lishan! Wie denn? Er hat alle seine Kapazitaet von  Lishan Winter 2008 geroestet. 18 Kgs, ausnahmenslos. Was fuer eine Kapitalbindung, seufzte ich wieder. Die Leichtigkeit des Formosa Berges schwingte im Aufguss. Tiefsinnig und zugleich federleicht. Ohne Schwermuth, aber voller Ernsthaftigkeit. Elegant und aufrichtig. Ich schmecke noch leichte schokoladige Roestnote. Dieser Tee braucht noch ein wenig Ruhe, bevor er richtig gejubelt wird. Was bedeutet eine Sucht? Sucht hat untershciedlichste Form, nicht wahr? Sucht ist jedenfalls eine Abhaengigkeit, die eigentlich aus Mangel des Innernen entsteht. Dann gestehe ich zu meinem Mangel. Ich bin gerne suechtig, suechtig nach diesem Tee, nein, eigentlich nach der Beruehrung dieses Tees!

Ich bin sicher, Teefreunde aus Deutschland und der Schweiz werden hier ihre Teeerlebnisse neu beschreiben.

Ganbarimashou!

In Mittenacht ist das wahre Licht

Die Morgendaemmerung ist nicht hell.

Die Zeit vergeht wie ein Pfeil. Ploetzlich stehe ich vor der Schwelle, einen weiteren Schritt zu schreiten. In welcher Richtung, in welche Ungewissheit? Wie ein Blinder in einem dunklen Tunnel stehe ich vor der Ungewissheit der Zukunft. Wie soll das Projekt Shuitang weiter gehen? Wie soll die Verpackung aussehen? Wie soll das Teehaus tatsaechlich aussehen? Wie mein Konzept wirklich in Zuerich  aufgenommen werden? Wie sollte das Ganze in der Tat finanziert werden?

Viele Fragehzeichen ohne Antwort. Wie in der Mittenacht ohne Licht.

Die Nacht ist lang. Der Winter ist muehselig. Vor der Morgendaemmerung spuere ich ein Ungeduld, ein Hunger nach Licht.

Die Idee mit einem Teehaus reifte seit Jahren in meiner Seele. Seit Jahren pflege ich den Wuensch einen Ort fuer Menschen zu schaffen, einen Ort der Begegnung und erleben. Immer wiedr glaube ich, wenn die Zeit reif ist, wird das Unisversum mir eine Antwort schicken. Ich hoffe, ich bin in der Lage dieses Zeichen wahrzunehmen. Die Chance bekommt jeder, sie wahrzunehmen kann nicht jeder. Es war wie ein langes Geburt bis die tragenden Energie zusammenfinden. Die Idee begeisterte mich und begeistert viele Menschen. Ich habe das Gefuehl, als ob Shuitang ein eigenstaendiges Wesen waere, selbst zu organisieren. Shuitang findet sein Liebhaber, die fuer sie schaffen. Shuitang findet Leute, die sie pflegen. Ich bin nur der Initiator, der die Idee aus der geistigen Ebende auf der materiellen Ebene konkretisiert. Im Grund genommen macht Shuitang selbst. Ich muss nur wach sein, die tragenden Energie aufzunemen, zuzulassen und zusammen arbeiten lassen. Die Leute finden zueinander, die ein wunderbares Teehaus wie Shuitang verwirklichen. Manchmal fuehle ich mich richtig ueberfluessig, denn die momentane Arbeit wie Inneneinrichtung und Blend Entwicklung nicht meine Staerke ist und ich ueberlasse lieber anderen Profis, die besser sind! Ich bin sehr dankebar fuer allen, die mithelfen und mit tragen!

Kurz vor meinem Abflug sind alle Helfer nervoes! So lang! Ein ganzes April! Ich war furchtbar nervoes. Denn es nicht nur das Teehaus Shuitang vor meinen Aguen steht, sondern auch die very special Teereise von Teeclub Schweiz! Hoffentlich geht alles reibungslos ueber die Buehne und ich kann im Flugzeug Richtung Europa wieder ausatmen!

In Mittennacht ist das wahre Licht, die Morgendaemmerung ist nicht hell – sagte ein chinesisches Zenmeister. Ich weiss nicht, wie lang dieser Prozess mich noch begleitet. Auch in dieser dunklen Zeit werde ich mit dem inneren Licht begleitet, Vertrauen in mich selbst und in Menschen, die zu mir stehen. Die Menschen, die zu uns stehen sind das wahre Licht genau in Dunkelheit. Oft sehen wir sie nur nicht, weil wir vergeblich nach einer Vorstellung suchen. In der Morgendaemmerung verschwindet die Grenze der Dunkelheit und ueberall gluaben wir Licht zu finden.

Ursula sagte mir ganz kur vor meinem Abflug – eine Seele wie meine eigene Schwester, asiatischer als asiatisch. „Menglin, Ganbarimashou!“ Ganbarimashou! „Gebe es nicht auf! Gebe Gas, wir machen es gemeinsam weiter!“

Liebe Freunde, Ganbarimashou! 

Degustationsabend mit Formosa Oolong

Degustationsabend mit Formosa Oolong

Ein total verregneter Tag. Ausgerechnet an diesem Tag mussten so viele Dinge passieren. Selbstverständlich erwischte ich eine falsche Bus, in eine falsche Richtung und dann kam ich wie erwartet viel zu spät in die Veranstaltung. Das ist fast schon wie ein Regel, dass ich stets zu spät komme. Ich schäme mich richtig, aber fühle mich total ausgeliefert in dieser Situation.  Jürg rief mich schon unterwegs an, als ich mich in dem Rotlicht-Quatier Langstrasse irrte. Als ich ankam, fragte Carola, „Warst Du überhaupt in dem richtigen Bus?“

Alle warteten auf den Formosa Oolong. Die Mitreisenden und die Daheimbleibenden. 

Ich spreche gerne vorher mit Menschen ab, wie die Sache aussehen können bevor man eine falsche Vorstellung hat. Zusammen etwas zu unternehmen ist eine Abhängigkeit, die geklärt werden möchte. Wenn ich Teeseminar mache, gibt es Teilnehmer, die sich auf die Tees stark fixieren und vergessen, dass es noch einen Leiter gibt, der entscheidet, wann man den Tee probiert. Ich nehme dieses Verhalten nicht immer ernst. Aber mein Lehrer und die Taiwanese schon. Bei jeder Degustationsrunde mit meinem Lehrer wird zuerst von ihm probiert und wenn er O.K. gibt, kommen die Schüler ran. Im Europa gibt es bereits viele Teekenner, die ins Teeland reisen. Aber so eine Nummer wie meinen Lehrer sicher noch nie erlebt, eine schwierige Nummer, die sein wahres Wesen lebt. Manche Teilnehmer fragen mich, ob man mit ihm über Teepreis verhandeln kann. Ich musste fast tot lachen. Ich sagte, man muss froh sein, wenn er überhaupt seinen Tee an Dich verkaufen will.

Heute bekam ich zwei gute Aufträge, die sofort bestätigt werden wollen. Zwei wunderbare Tees aus dem Frühling auf Formosa! Gute Rohstoffe sind rar, sie werden gesucht, gejagt. Es ist manchmal sehr spannend zu sehen, welche Kundschaft welchen Tee bekommen kann. Manche Kundschaft fühlen sich unsicher und eigentlich zu wenig Kenntnis haben für Tee, sie entscheiden sich viel zu langsam und bekommen meistens nicht die besten Waren. Dagegen gibt es kompetente Kundschaft, die sofort den Auftrag geben, nur um gute Ware zu sichern. Das Phänomen nennen wir in Chinesisch Karma, wer findet wen und wer findet etwas. Zwei Dinge die zusammen nicht gehören, finden den Weg nicht zueinander. Weil der einen den anderen nicht sieht. Teebussiness ist wirklich wie ein Puzzlespiel.

Manchmal möchte mein Lehrer mir helfen, einen Auftrag zu erledigen und möchte seine Arbeit gratis geben. Ich nehme es nie an. Ich bezahle gerne etwas, etwas zu symbolisieren, dass seine Arbeit sehr wertvoll ist. Das Geld ist nur ein Mittel, manchmal unbedeutend und für die meisten zu bedeutend. Er freut sich über meine Geste und tut immer sein Beste für das Verständnis und Respekt zwischen uns. Das ist für mich das wahre Geschenk.

Heute degustieren wir drei Runde und ich versuche, einen kleinen Überblick von modernen Oolongsorten bis zu traditionellen Sorte zu vermitteln.

Moderne Oolongbaum:

Jadeoolong, Jinxuan, Sijichun – meistens aus Mingjian, meistens als Dongding Oolong verkauft.

Qingxin Oolong, der beliebste und eleganteste Oolongsorte. Meist angebaut und nachgefragt.

Traditionelle Sorte

Tie Guanyin: Muzha und Pinglin

Oriental Beauty – zwei wichtige Anbaugegend: Taoyuan / Xinzhu und Pinglin. 

Fancy Oolong – wird nun auch in Sanxia angebaut.

Seit 80er Jahren werden Hochlandsoolong immer beliebter:

Alishan und Lishan sind für mich zwei wichtigste Anbaugebiet, weil sie zwei markante Richtlinien von Hochlandoolong aufweisen. Zwei verschiedene Wesen und zwei verschiedene Temperatment.

Im Moment werden alle Tees als Hochlandoolong bezeichnet, wenn sie über 1000 ü. M. angebaut werden.

 

Oolongrunde für die Daheimgebliebenen.

Morgen Abend findet eine Oolongdegustationsrunde in Zürich statt. Ein „Trost für Daheimbeliebenden, die die Oolongs nicht vor Ort erleben. Ein „Muss“ auch für die Mitreisenden für unsere Teereise in April.

Ich hätte gerne dieses Post früher bekannt gemacht. Leider fand ich keine Zeit. Danke für viele Bloggfreunde, die mich nachfragen, wegen meiner Abwesenheit. Ich werde mich bemühen mehr Zeit für Teefreunde zu nehmen. Mich kann man nicht aus den Augen verlieren, da man mich hier immer findet.

Taiwan Trip Warm-Up – für Teilnehmer und Daheimbleibende

Datum:

Mi, 25. März 2009
Zeit: 19 – 21 Uhr
Ort:

Technopark Zürich, Turbinenplatz, 8005 Zürich (Zürich West), Raum Newton 1008, Flügel Newton, 1. Stock Lageplan

Kosten:

Mitglieder kostenlos, Nichtmitglieder Fr. 20.-

Puzzle

Der Himmel war grau, es schneite und der Frühling lässt sich warten. Ein Freund aus der Ferne tröstete mich mit den Worten: weil der Frühling sich verspätet, erleben wir ihn umso intensiver. Wenn der Frühling ankommt, werden wir uns wieder sehen. Also, liebe Menglin, freue Dich auf den Frühling, appeliere er aus der Ferne.

Das Warten auf den Frühling ist anders als der Freude auf einen spontanen Besuch.

Martin lernte ich in einem Degustationsrunde kennen und ich spürte sofort eine Verbundenheit. Ich wusste damals nicht, dass er der Verleger ist von dem Buch des berühmten amerikanischen Teepapst James Norwood Pratt. Gerne rief ich ihn an und freute sich auf eine gemeinsame Tasse Tee. Unsere Teefreundschaft fing an und durch ihn lerne ich andere Teefreunde aus Winterthur und wir werden gemeinsam in diesem Mai etwas veranstalten.

Er fragte mich, ob ich mir nicht überlegte, ein Buch über Tee zu schreiben. Seine Idee brachte mich richtig zu staunen und lachen. Mit meinem schlechten Deutsch und meinem chaotischen Stil kann kein Buch entstehen. Ein richtiger Tee-Atlas würde unsere Teefreunde und Teewelt gut tun, aber den dazu nötigen Sachliteraturstil beherrsche ich leider nicht. Wie so nicht? Er würde mir sprachliche Hilfe anbieten und mein Verständnis, das nicht nur den Tee umfasst, sondern die Welt, die durch den Tee auslöst, zum Ausdruck zu bringen, würde Menschen gut tun.

Why not? Es ist immer meine Antwort zum Impuls von Außen. Die Dinge nehmen ihren Lauf und manifestieren im Lauf der Zeit in konkreten Tatsachen. Ich erzählte Martin, dass ich ungern Einflüsse nehmen, auf den Lauf der Dinge, ich versuche, immer nur für mich Dinge zu klären, wo ich stehe. Leben ist wie ein Puzzelspiel. Man lernt verschiedene Menschen kennen zu verschiedenen Zeitpunkt und ahnt in bestimmten Moment nicht, wozu. Irgendwann nehmen die Dinge ihren Lauf und ein Bild wird aus vielen kleinen Teilen zusammengefügt. Plötzlich wird es klar, warum. Wenn wir immer ehrlich zu uns selbst sind und Kontakt zu uns selbst pflegen, wird das Puzzelspiel immer leichter und das Bild braucht nicht mehr so viele Teilchen. Warum nicht? Vielleicht wird ein schönes Teebuch entstehen aus unserer Begegnung. Ich sagte ihm, vielleicht ist die Idee von ihm ein Teilchen eines großes Bildes, was mir im Moment noch nicht bewusst ist.

Vielleicht ist das Teehaus Shuitang selbst ein Bild von vielen kleinen Teilen. Das Bild von Shuitang fügt sich zusammen mit vielen anderen Teilen zu einem größeren schönen Bild in Zürich und in der Teewelt.  

Tee ist selbst ein großes Bild von Teilchen verschiedenen aufwendigen Prozesse, ein Bild von Teilchen verschiedener arbeitenden Menschen. Wenn jedes kleines Teilchen richtig und sorgfältig gearbeitet und gepflegt wird, wird alles automatisch zusammen zu einem schönen Puzzel-Bild finden. Ein schönes Puzzlespiel, eine duftende Blume unter der Sonne zusammenzufinden. Puzzles, die zusammen einen herrlichen Aufguss voller Facetten ausmalen!

Ich mache gerne das Puzzelspiel im Leben (für das echte Puzzlespiel bin ich zu ungeduldig). Als ein extrem neugieriger Mensch scheue ich mich nicht vor Verwirrung und Verletzung. Durch Tee lerne ich Dinge zu beobachten und den Lauf abzuwarten, bis die Tatsache sich manifestiert. Klarheit kann man nur für sich klären und glücklich werden kann man nur durch sich selbst. Diese Erkenntnis macht das wahre Puzzelspiel im Leben richtig interessant. Verwirrung im Puzzle ist oft ein Spiegel unseres wahren selbst. Ich schaue gerne diesen Spiegel an.

Als ich Martin es erzählte, lachte er und sagte, meine Aussage erinnert ihn an den Text, den er gerade von Peter Steiner bearbeitet. Keine Anstrengung zu unternehmen, denn die Dinge ihren eigenen Lauf nehmen. Dinge manifestieren sich früher oder später in konkreter Form. Es ist gut, so wie es ist.

Peter Steiner sollte ich unbedingt kennen lernen, sagte er. Wir tranken den schönen Qilan Dancong während unseres Gesprächs. Qilan, eine unglaubliche Schönheit. Klar, duftend, aber distanziert. Er fragte mich, wie ich für diesen Tee empfinde. Ich sagte, einen Tee zur Einsamkeit. Einsamkeit, ein für mich positives Gefühl, denn ohne es komme ich mit mir kein Stück weiter. Qilan tröstet Dich nicht. Er ist schön, duftend, aber zurückhaltend. Er tröstet Dich nicht, begleitet Dich einfach in der Stille.

Vielleicht ist Qilan ein Teilchen von einem Bild der Begegnungen. Ich werde bestimmt Herrn Steiner kennen lernen, da der Samen dieser Begegnung heute bereits gesät wurde. Ein Teebuch, das nur im Geist steht, wird sich irgendwann im Lauf der Dinge manifestieren. Ob Menglin es aushält, sich geduldig an ein Buch zu binden und Mühe zu geben, werden wir sehen. Abwarten. Und Tee trinken. Ein nicht sehr viel versprechendes Puzzlespiel.