Archiv für den Monat Februar 2008

Teeseminar in Zürich am 6. Juli 2008

Schon wieder ein Teeseminar!

Teeclub organisiert diesmal das Teeseminar Teekunde I am 6. Juli 2008 (Sonntag).

Das Programm hier.

Datum: So, 6. Juli 2008 Zeit: 10 – 17 Uhr Ort:     

Restaurant Lotus Garden, Zürich

Reservation:     

Unbedingt notwendig, Platzzahl beschränkt. Beim Sekretariat bis 5. Juni 08

Tel: 044 / 776 18 07

Vor zwei Monaten meldete ich meine Festnetznummer ab (ich habe etwas gegen das Monopol von Swisscom). Plötzlich rief mich der Präsident Jörg an und seine Stimme war total besorgt. Er erzählte mir, dass er an jenem Morgen in Luzern war und seinen Lieblingsschneider nicht mehr fand. An dem gleichen Ort gibt es nun einen ganz anderen Modeladen. Er war gar nicht informiert von seinem alten vertrauten Schneider. Zu tiefst enttäuscht fand er plötzlich die alte Ordnung nicht mehr. Noch an dem gleichen Tag rief er mich an und die Telefonleitung meldet sich mit einer ungültigen Telefonnummer. Er geriet fast in Panik und erreichte mich per Handy aufs Mal auch nicht gleich. Er sagte, dass man mich zum Glück noch im Blog findet… Dann haben wir über das Seminar gesprochen und das Programm abgemacht.

Insgesamt wird das Seminar 5 Stunde dauern, wie gewöhnt. Zum Anschluss würde ich gerne für allen Teilnehmern ein Gongfu Cha zubereiten, wenn die Leute noch Muße und Zeit hätten.

Die Bezeichnung „Tee-Koriphäe“ ist mir peinlich, auch wenn es nett gemeint ist. Ich hoffe nur, allen Teefreunden etwas mitgeben zu können und freue mich immer auf ein Feedback – egal in welcher Art!

Teeliste am Teekurs Formosa Oolong

Teeliste am Teekurs Formosa Oolong

Als das Konzept von Vertiefungskurs Formosa Oolong entworfen wurde, war es mir nicht bewußt, wie anstrengend es für die Teilnehmer sein könnte.

Zuerst dachte ich, die ganzen Formosa Oolong auf einmal vorzustellen: vom Norden bis zum Süden, von leicht fermentierten Sorten bis zur stark fermentierten Sorten, von Höhe bis zur Niederung. Als wir die erste Runde machten, war der Schrei so laut, wie kan man übrhaupt auf einmal die verschiedenen Oolongbäume verifizieren: Sijichun, Jade, Jinxuan und Qingxin zusammen die Unterschiede voneinander festzustellen! Der Schrei war laut, aber es musste halt so sein. Wie könnte man überhaupt die Möglichkeit haben, diesen Vergleich vors Auge vorgeführt werden und zu erleben?

1. Runde: ein horizontaler Vergleich

Daye Oolong Shiding, Buddha Hand Shiding, Paochung Pinglin – an Yancha orientierte Form

Dongding Typ (Mingjian, Qingxin Baum), Jinxuan Oolong Mingjian, Jadeoolong Mingjian, Jinxuan Oolong Mingjian, Sijichun Mingjian, Wuyi Oolong Mingjian, Gankou Cha 2007 Manzhou, Huang Jin Gui Mingjian, Tie Guanyin Muzha – halb kugelige Form

Dieser Vergleich (der gleiche Anbauort, das gleiche Jahrgang) zielt daraus ab, um den Unterschied zwischen unterschiedlichen häufigen Oolongbaumsorte einmal zu erleben. Natürlich wird man dadurch nicht einmal Meister, aber ein Anfang muss es gewagt werden. Nur um die Düfte verifizieren zu können habe ich selbst lange gebraucht. Frustration ist hier nicht „normal“, Geduld mit vielen eigenen Übungen ist gefragt.

Die aufgegossenen Blätter erzählen uns auch von seiner wahren Herkunft.

2. Runde: ein vertikaler Vergleich, Grundlage Qingxin Oolongbaum

Dongding original 800 M. ü. M., Dongding Typ Mingjian 400 M. ü. M.; Paochung Pinglin, Dongding Lishan 2600 M. ü. M., Dongding Original 1981

Hier sollte festgestellt werden, wie das Faktor Anbaugebiet und Lagerung auf den Tee Einfluss nehmen könnte.

3. Runde: Röstungsfaktor und klimatische Umstände bei der Herstellung eines Oolongs.

Wuyi Mingjian 30 % fermentiert, Wuyi Mingjian 40 % fermentiert, starke Röstung

Huang Jin Gui Mingjian 2007 Januar, Huang Jin Gui 2007 April Insekten befallen – stärkere Fermentation und Röstung

4. Runde: ein Vertikaler Vergleich

Goldener Drache Alishan 2007, Qingxin Oolong Alishan 2007, Blend (aus Qingxin und Jinxuan) Alishan 2007, Jinxuan Alishan 2007

Grundlage Alishan 1200 M. ü. M. Hier sollte man feststellen können, dass ein Alishan Hochland nicht gleich Alishan Hochland Oolong ist! Das Geheimnis es zu erkennen liegt an dem Duft und dem aufgegossenen Blatt!

5. Runde: ein vertikaler Vergleich

Oriental Beauty 2007 Baimaohou Pinglin, Oriental Beauty 2007 Qingxin Dapong Xinzhu, Oriental Beauty 2006 Blend, Baimaohou Bi Luochun 2007 Pinglin (4. Foto)

Ein Oriental Beauty ist nicht gleich ein Oriental Beauty. Den Unterschied zwischen unterschiedlichen Baumsorten, die unterschiedlich Insekten anziehen und zum gleichen Tee verarbeitet werden, kann man anhand nassen Blätter, der trockenen Form und Duft feststellen.

Die Blätterform und aufgegossenen Blätter verraten uns sehr viel Informationen und Geschichte über den Tee. Tee zu lernen kann man nicht mit Kopf, sondern mit Nase, mit Augen und mit Hände! Der ganze Mensch ist im Einsatz anstatt nur mit Denken!

Für die Verspätung der Veröffentlichung dieser Liste möchte ich mich noch bei den Teilnehmern entschuldigen.

Fotos am 17.02.08 zu download.

Der Regenbogen

2005 wurde ich von Länggass Tee arrangiert im Gourmesse Zürich Gongfu Cha vorzuführen. Drei Tage lang konzentrierte ich mich darauf, Menschen ins Teeland einzuführen und sie mit sinnlichen Aspekten des Tees zu begeistern. Es war mir nicht bewusst, dass ich von anderen beobachtet wurde und was rings um mich geschah. Ich wusste nur, dass neben uns verschiedene Weinstände waren. Ein besonderer Stand gegenüber unserem war von Familie Feurstein und mir wurde immer gegen Abend ein Glas Sekt gebracht. Aus Dankbarkeit besuchte ich am letzten Tag ihren Stand und kaufte für meine Asienreise Geschenke ein. Meine Leute in Taiwan lieben Eiswein und süße Versuchungen. Frau Feurstein degustierte mir persönlich und ließ mich allen Köstlichkeiten probieren, wie ich wollte. Ihre Herzlichkeit und Wärme überraschte mich und konnte fast nicht erwidern. Weshalb habe ich es verdient? Sie behandelte mich so, als ob ich zu ihrer Familie gehören würde. Ich wollte aus Dankbarkeit Tee schenken und sie sagte mir, dass sie keinen Schwarztee trinkt. Tee habe ich doch nicht geschickt und meldete mich in nächsten drei Jahren auch nicht. Ich konnte nicht glauben, dass man mich einfach so ins Herz geschlossen haben könnte. Jedes Jahr bekomme ich von ihr Gutscheinen für Gourmesse, die ich seitdem nicht mehr besuchte.

 

Heute wurde ich zu MuBa mitgeschleppt. Eigentlich hatte ich keine Idee, was ich dort machte. Als ich Weinallee sah, wusste ich warum, dass ich hier war. Ich suchte Frau Feurstein und dachte an meine Asienreise in vier Wochen. Sie erkannt mich sofort wieder und umarmte mich, als ob wir uns erst vor kurzen sahen. Ich trank Eiswein 2004 aus Burgenland. Ach, ich kann wieder schmecken! Ich schmecke Phönix Shuixian Nantou in diesem edlen Tropfen. Der Traminer Beerenauslese 1999 mit Holunderblüte und Quitten Note erinnert mich an Sijichun Premium. Als ich Frau Feurstein davon erzählte, war sie fasziniert. „Ich kann mich noch so gut erinnern, wie Menschen in diesen drei Tagen von Tee verzaubert wurden. Wir schauten immer zu, wie die Leute Euren Stand glücklich verließen. Eigentlich hätten wir es auch gerne probiert!“ Ihre Leute hörten immer wieder zu, während wir uns unterhielten. Sie wollten, dass ich einen guten Tee zu ihrem Weinstand in Gourmesse 2008 mitbringe. Mir wurde es reichlich beschenkt, dass es mir peinlich wurde. Sie sagte mir, wenn ich den Wein aus diesem Weinglas trinke, werde ich wieder an sie denke. Ich versprach, jedenfalls sie im Oktober wieder zu besuchen und ihnen eine Tasse Tee – im Weinstand zuzubereiten.

Torlo Das Geschirr Set von Torlo, das mich anzog.

Ich ging weiter. Plötzlich zog mich ein Teller magisch an. Ich dachte, was für einen Gericht auf diesen Teller serviert werden sollte und wie dieser Teller für mich den Bauch meiner Gäste wärmen könnte! Eine zarte junge Frau näherte sich mir an. „Sie sind wohl die Künstlerin.“ „ Ja“ sie zeigte mir gleichzeitig die schlichte Teeschale voller Schönheit „ ich würde sehr gerne schöne Teeschale machen.“ Das hörte sich nicht wie ein Verkaufsgespräch an. Woher weiß sie, dass ich mich mit Tee beschäftige? Sie schaute mich fragend an. „Ich würde drei Fragen aufklären, bevor ich eine Teeschale kreiere.“ Ich bemühte mich, ihr zu erzähle, wie ich es sehe: 1. was für einen Tee sollte darin sein? Matcha oder Blatttee; 2. wie sollte diese Teeschale in der Hand aussehen; 3. wie sieht diese Linie aus, wenn der Teetrinker die Schale aus dem Tisch nimmt und zurück stellt. Ihre Augen wurden größer.  Meine Direktheit schien ihr nicht zu stören. Eine schöne Teeschale sieht in Schrank mit Lichtstrahlung wunderschön aus, aber verleiht dem Teetrinker nicht immer eine harmonische Linie, wenn er diese Schale in der Hand hält.

Das gleiche gilt bei Teekanne. Eine gute Teekanne macht nicht nur einen guten Tee, sondern einen harmonischen Regenbogen zwischen dem Körper, Teekanne und dem Wasserstrahl. Eine runde harmonische Linie zwischen dem Arm, der Hand, der Kanne, dem Wasserstrahl und der Tasse ist das, was ich unter Gongfu Cha verstehe. Kein Show, kein Folklore, sondern ein Regenbogen, der alles umfasst. Eine schöne Linie eben! (Ich hoffe, dass meine Wörter Verständnis schaffen!) Gestern hatte ich eine antik Silberkanne, die zwar Macke hatte – sie war zu heiß für normalen Benutzer. Aber sie fühlte sich sehr schön im Arm, in Hand und der Wasserstrahl gelang so harmonisch in die Teetasse. Mit Freude genoss mein Körper diese herrlichen Momente. Ästhetik einer Teekanne bedeutet für mich nicht nur die Form und Verarbeitung einer Kanne, sondern diese schöne Linie zwischen unserem Körper, der Kanne, Wasserstrahl und der Tasse! Das ist ähnlich wie bei Schuhen. Unsere Wirbelsäule spürt sofort, wenn wir gute Schuhe tragen. Wir stehen gut, die Schritte sind leichter und der Körper fühlt sich voller Würde! Mit dieser Würde könnten wir anderen Menschen würdig behandeln – das ist das Geheimnis einer guten Kanne und einer schönen Tasse! (so eine Teekanne ist oft kostbar, leider)

TeteDie feine Porzellan-Tasse von Simone.

Ihr Gesicht wurde sanft und anmutig. „Machen Sie Taiji oder Qigong?“ „Nein, nur Tee.“ Man kann nicht alles machen und überall dabei sein, oder? Sie sagte, dass meine Erscheinung wie gerufen war. Sie wollte seit langen mehr mit Teeschalen und Tee auseinandersetzen und traf mich, unerwartet. Ich lobte ihr Kunstwerk und würde mich sehr freuen, auf ihre neue Teekanne. Sie lächelte leicht schüchtern und wir verabredeten uns zu einer Tasse Tee.

Ich ging weiter und war entzückt von der Begegnung. Drei Primarschüler mit Migrationshintergrund pfiffen mich nach. Sie übten bereits das Erwachsenspiel, aber ich bin leider zu alt für sie. Ich lächelte sie ganz herzlich an. Sie wurde gleich wieder zu drei niedlichen Junge, die einfach zurück lächelten.

Teeliste am 16.2.2008

Wie versprochen poste ich nun eine Teeliste von den 8 Teerunde im Seminar am Samstag .

1. Runde – Einblick in die chinesische Teelandschaft

Yinzhen Baihao (Fuding), Junshan Maojian (Hunan), Huang Ya (Hunan), Wuyi Formosa (Nantou Taiwan), Dianhong (Yünan), Pu Er Che Shun Hao 2003 (Yiwu, Yunan), Moli Baihao (Fujian) und noch ein Kräutertee oder ein Camellia Sinensis?

Ein Camellia Sinensis?

Wie kann man an einem Blatt erkennen, dass das Blatt Camellia Sinensis ist?

2. Runde – Den Unterschied zwischen einem OEM Produkt und einer Originalität zu erkennen

Felsentee Da Hongpao 3 Beispiele: Mingcha 2004, Da Hongpao original 2006, Yan Cha klassisch; Yinzhen Baihao 4 Beispiele: Zhenghe Bio, Fuding Organic, Nepal und Herkunft ohne Angabe

3. Runde – Einflüsse wie Herstellungsmethode, Anbaugebiet und Erntezeit auf Tee

Oolongteebaum Qingxin Ganzhong in Sanxia, Taiwan. Dieser Baum wird zum Bi Luochun, Fancy Oolong, Mixiang Lücha (grüner Tee) und Mixiang Hong Cha verarbeitet

Mengding Gan Lu und Mengding Huang Ya. Bei dieser Degustation war ich richtig enttäuscht. So eine Rarität wie Mengding Huangya wurde von den Teilnehmern so schlecht und übel bewertet… Perle wurde ins Feuer geworfen!

4. Runde – Fehler der Produktion erkennen

Zwei Beispiele von Tie Guanyin Anxi und zwei Beispiele von Gyokuro Uji 2007

5. Runde – Wie spielt das Faktor Lagerung bei einem Tee

Beispiel: Pu Er 1990 Grenztee, 1999 Simao, 2003 Yiwu und 2006 BIO

6. Runde – wie manifestieren die Faktoren Welken, Fermentation und Röstung bei einem Tee

Tie Gunaiyn Muzha 2006, Tie Guanyin Hochland Taichung Taiwan 2006, Anxi 2006, und Muzha 2002

Bai Mudan Fuding Fujian gepresst 2007 (dieser schöne gepresste Tee war eine Überraschung des Tags, denn die meisten Leute haben so einen Tee noch nie gesehen, ein interessanter Aufguss, anders als der herkömmliche Bai Mudan, jedoch noch typisch), Bai Mudan Fuding Fujian Organic 2007

7. Runde – wie erkennen wir das Faktor Höhelage eines Teegartens bei einem Tee

Sijichun aus Mingjian 2007, aus Mingjian 2005 Januar, aus Wushe (1150 M. ü. M.) 2007, aus Organic Mingjian 2007

8. Runde – wie beeinflussen klimatische Faktoren und Einflüsse von Schädlingen einen Tee

Dongding original 2007, Dongding original Nostalgie 2007 (von Insekten befallen) und falsche Verarbeitung Dongding 2007

Einen Oriental Beauty Xinzhu 2006 und einen Buddha Hand Shiding 2007 gab es zum Schluß mit Gongfu Cha. Zwei Teekanne musste ich gleichzeitig nehmen für allen Anwesenden. Der Geschmacksunterschied war klar festzustellen zwischen den Hardcord-Typen wie Jörg, Jan und Pat und den saften Carola, Jürg, Suzanne und Eliane…. Es war nicht einfach allen Ansprüche gerecht zu werden!

Nun ist es der Film zum Abschluss-Tee am 16.2.2008 von Susanne erhältlich. Wer sich dafür interessiert, bitte lass mich wissen. Das Datei ist zu gross, hier im Blog zu veröffentlichen!

Ein Frühlingsnachmittag

Der Dienstag ist meistens für Michel reserviert. Mein kranker Lehrer, der früher im Rampenlicht stand und nun zurückgezogen lebt. Dieser Mann hat mich geprägt, mir gezeigt, dass man nicht anders kann, als sich selbst zu werden.

Meistens bekoche ich ihn und dann wenn er gut drauf ist, gehen wir noch spazieren. Es gibt Menschen, bei denen man ein Gefühl bekommt, von seinem Lebensgeist angesteckt zu sein. Beim Spazieren beobachte ich mich selbst, wie meine Wirbelsäule sich gerade richtet, Schritte leichter fallen und Atmungen ruhig werden. Man fühlt sich plötzlich als etwas Besonders neben ihm zu laufen. Er sagte oft zu mir, „Ach, ich bin ein alter Mann.“ „Nein, du bist immer noch derselbe. Immer noch so charmant.“ Seine Augen leuchteten und fragte mich prüfend „Warum?“ Ich lass sein Gedanke und lachte „Weil Du so ehrlich bist.“ Er war zufrieden mit meiner Ehrlichkeit. Oft kann ich ihn nicht besuchen. Wenn ich ihn wieder sehe, höre ich nie Vorwürfe. Eine Erklärung oder Entschuldigung wäre überflüssig. Er bleibt bei sich selbst und ist derselbe, von dem man Abschied nahm und der keine Zeit zwischen Menschen stehen lässt. Obwohl ich dachte, dass er so viele Schüler hat und viele Anrufe oder Kontakte erhielt, sagte er mir oft, dass er oft allein ist. Er fragt mich lediglich „Gehst Du wieder reisen?“ Weil es nie Vorwürfe kamen und nie eine leise Emotionalität zum Ausdruck kam, besuche ich ihn nur, wenn es so weit ist. Ich wollte diese Beziehung nicht zu einer Pflicht werden lassen, wie viele andere menschlichen Beziehungen. Mir nehme ich Zeit, wenn es so weit ist, für ihn.

Unter der Frühlingssonne gingen wir spazieren. Wir gingen zum Bachwiesen Zoo. Er bewundert gerne die Tiere und ich bewundere seinen kindlichen Geist. Sprechen oder nicht, spielt dabei nie eine Rolle. Von ihm lernte ich, dass das Zusammensein Ruhe und ohne Anforderung bedeutet. Ich erzählte ihn von meinem Selbstzweifel. Er sagte mir, dass Selbstzweifel uns das Leben lang begleiten würde. Wenn wir unser Ego keinen Platz geben, so dass er nie sichtbar werden kann, könnten wir unser Ego nie beobachten. Selbstzweifel ist das Ego, das den widerstandlosen Weg gehen will. Er meldet sich ständig zu Wort, wenn er sichtbar wird, aber wir müssen nicht auf ihn hören. Ihn sein lassen. Das Business sei nicht das Problem, ob es mich glücklich macht, sondern die Möglichkeit in welchem Geschäftsmodell, mir noch ermöglicht, Dinge zu pflegen, Kontakte zu mir zu schaffen. Das liegt an meiner eigenen Hand, nicht fremdbestimmt. Man kann nicht immer das machen, was man will. Ich kann nur Erfolg genießen, wenn ich Rücksicht auf andere Menschen nehmen. „Vergesse nicht, dass Du immer mit anderen in Verbindung bist. Egal wohin Du gehst, gehst Du mit einem gültigen Geist, auch wenn Menschen unterschiedlich sind. Du wird unabhängiger, wenn Du weder Zu- oder Abneigung pflegst.“ Er klagte immer wieder über seine Rückenschmerzen. Ich streichelte seinen Rücken und sagte ihm, dass sein Rücken gerade stand und er gut lief. Er schmunzelte und fragte, ob ich noch einen Kaffee trinken wollte. „Ja, nur wenn Du mich einlädst.“

Dann saßen wir draußen unter der Sonne. Er schlief sofort ein in der sonnigen Wärme neben einer von Tram befahrenen Strasse. Ich schloss ebenfalls meine Augen und genoss diese Ruhe und den verfrühten Frühling.  

Tee, Musik und nicht nur das Handwerk

Oolongblatt Ein gelungenes Werk, Sijichun Premium aus Taichung, Taiwan

Als ich gezwungen wurde Kalligraphie und Klavier zu lernen, hasste ich meine Mutter und den Beethoven. Seine Dramatik und Anforderung an die absolute Hingabe des Spielers überforderte ein junges Mädchen, das nur aus Pflicht seine Stunde absaß. Mit dem zunehmenden Alter und durch Tee fühle ich mich immer näher zu diesem Mann, dessen Seele an einem Verlass glaubt und stets mit uns in Kommunikation bleibt.

An Beethoven muss ich immer wieder denken, wenn man mich fragt, was der Prozess Hongpei (Endprozess des Tees, Ein Prozess der Röstung, die den Charakter des Tees stabilisiert und verleiht.) zu verstehen sei. Neulich war ich in Innenschweiz zu Besuch und bekam eine Tassen hervorragenden Shuixian aus Phönix Berg ebenfalls von Mingcha. Fein, elegant und duftend nach Pfirch, aber ihm fehlt etwas. Der Grund vom Fehlen an etwas ist die gleiche Situation, wenn der Spieler der Anforderung von Beethoven versagt. Auch der Shuixian Mandarin von Mingcha 2006 aus Globus (es wurde gesagt, dass die von mir empfohlenen Tees nicht mehr in Globus Zürich zu finden sei) war zwar schön, fruchtig und zufrieden stellend, aber etwas fehlt.

Was ist das denn eigentlich? Wenn Beethoven vorschreibt, crescendo fast bis zum Ende zu spielen und dann Dramatischerweise ein subito piano anschließend zu verlangen, ist die Klangbeherrschung und Mutprobe eines Pianisten getestet. (Ich glaube, solche Momente sehr gut im Sonata No.8 und No. 21 zu erleben) Ist er ein Feigling, traut er sich dem Test nicht zu stellen. Er geht mit seiner Kraft nicht an die Grenze, bevor er den lautesten Klang vor dem Wechsel drückt, übergeht bereits zu piano und denke dabei diesen Abgrund überlistet zu haben. Er verliert scheinbar nichts, bewegt sich im den Sicherheitszone. Aber seine Musik verrät uns, dass er den erwünschten Effekt von crescendo zu subito piano des Beethovens versagt. Ein Feigling traut sich nicht an eigene Grenze zu gehen, sich zur Probe zu stellen und lässt die Vision eines Werks fallen. Es gehört eine Menge Mut und Entschlossenheit, sich vor dem Abgrund zu stehen, um etwas zu wagen, was einem Menschen und ein Werk zu einem Kunstwerk und einem Meister macht. Diese Form von Mut ist nicht nur beim Musizieren gefragt und entscheidend, sondern quer durch jedes Lebensbereich. Das gleiche gilt auch beim Tee.

Hongpei – Röstung verleiht dem Tee einen unverwechselbaren Geschmack und eine individuelle Note, was der Tee-Önologe unter Tee und seine Kunst versteht. Alle Formosa Oolongs werden mindestens zwischen 80-120 Grad geröstet. Temperatur 80 Grad ist eine sehr sichere Temperaturgrenze, unter diese Grenze könnte ein Tee in der Sicherheitszone einwandfrei getrocknet werden und sein Geschmack wird minimal verändert. Ganz sicher, wenn man einen Tee nur unter 80 Grad röstet. Man verändert an nichts und bekommt dagegen auch nichts Neues dazu. Mit 100 Grad Temperatur wird der Duft verändert. Er tritt zurück, wird tiefer und unsichtbarer. 100 Grad ist die Gefahrgrenze, etwas kaputt machen zu können. Mit 120 Grad Temperatur wird ein Tee charakterisiert und verfestigt. Sein Duft, sein Geschmack und seine Struktur werden „dramatisch“ verändert. 120 Grad ist der Schritt zur Abgrund, die Mutprobe eines Tee-Önologes.

Ein hervorragender Tie Guanyin, der vielen Anwesenden am Wochenende und in vielen Seminaren begeistert, muss zwischen 90 bis 130 Grad geröstet werden. Also bis zum Abgrund! Der Rückflugtickt kann nicht gebucht werden, es geht immer nur geradeaus. Was macht ein Tee-Önologe? Ist er ein Feigling, ein Weichei? Ist er ein Meister? Er kann sich nicht verstecken, denn Tee erzählt uns alles von seiner Feigheit. Sein Werk wird unter den Gaumen geprüft und er manifestiert sich, auch wenn er glaubt, uns überlisten zu können. Tie Guanyin aus Muzha wird zuerst mit 90 Grad geröstet und der Temperatur wird bis 130 Grad erhöht. Mit vielen Unterbrechung und Pause wird der Tee erst vollendet. Ein Phönix Shuixian dagegen wird mit 130 Grad angefangen und langsam runter gefahren werden.

Das Glücksgefühl, das dem Leben Licht bringt, strömt durch uns, wenn wir ein meisterhaftes Werk begegnen. Mir tut es leid, wenn ein Tee unter einer Feigheit leidet und eigentlich das Potential besitzt, um ein volles Blüte zu werden. Ein guter Tee mit reichlichem Körper braucht die Begegnung mit einem Meister, der Mut besitzt, aus ihm zur einen Farfalla zu verwandeln! Oft könnte man diese prikäre Kunstfertigkeit nicht bewahren, indem wir auf die Tradition zurückgreifen. Es ist primär, den Mut im Hier und Jetzt für sie einzusetzen.

Solche Meister zu begegnen gehören wohl Schicksal. (Menschliche Begegnungen sind überhaupt schicksalhaft) Leider können wir solche Meister nicht mit Unesco-Programm schützen. Tee als Kunst kann man nicht einfach materialistisch beschützen. Die alten Teebäume, das Wuyi-Gebirge oder die Teegeräte könnten durch Museum gut konserviert, bestaunt und archiviert werden. Aber das Wichtigste, das den Tee lebendig hält und dynamisch schwingen läßt, ist der zerbrechlichste Mut der Menschen, die als Einzelnkämpfer in der Marktwirtschaft leben, vor Einsamkeit sterben und zwischen Schein und Sein leiden.

Heute pflege ich das Bewusstsein, die leise Stimme solcher Menschen festzuhalten, zu schützen und zu verbreiten. Das Bewusstsein macht mich oft zutiefst glücklich und zugleich einsam.

ps. Ich bin kein Musiker und kein Pianist. Bitte verzeihe mir meinen „Mut“, diesen Vergleich zu wagen. Eigentlich sehe ich das Tee-Seminar ebenfalls so wie die Musik. Jedes Konzert ist nie das gleiche. Ein Konzert-Besuch ist anders als daheim CD hören. Meine Aufgabe ist, den Zuhörer zu verführen, seine Version zu vergessen.

Teeseminar Zürich Februar 2008

Teeseminar Zürich Februar 2008

Eliane lernte ich im Flugzeug kennen. Es war ein sonderbarer Flug. Die Carmen, die ich eigentlich erst in Malaga treffen sollte, saß ebenfalls überraschend ganz hinten im gleichen Flugzeug. Den Didier, Chef de Kabine, sah ich seit Monaten nicht, traf ich plötzlich wieder und wurde ein Schoß voll Champagner und Schokolade gebracht. Dann fragten die noch unbekannten Tino und Eliane neben mir, was ich mache. Ja, Tee! Alles um den Tee. „Ach, wie interessant und ich möchte auch gerne mehr wissen!“ so fing es an mit der Teereise Elianes und reiste am vergangenen Wochenende ins Teeland. Dank ihr könnte ich heute die Fotos bereits veröffentlichen und diese Dinge hält unsere Erinnerung frisch und weckt bewegende Momente und Begegnungen immer wieder wach.

Zwei herrliche Tage, obwohl ich nicht ganz in Form bin und mein Geschmacksinn mich immer noch in Stich ließ. Zum Glück funktioniert mein Riechsinn besser. Es war wirklich eine Zitterpatie vor dem Seminar, dass ich dachte, mit einer geschriebenen Teelist vor den Leuten vorlesen zu müssen, weil ich nicht schmecken kann.

Am Samstag war ein volles Seminar. Viele unbekannte Gesichter, die zuerst den Eindruck erweckten, dass sie vielleicht mit meiner Anforderung überfordert werden könnten. Die ältere Anneliese ließ allerdings von Anfang an begeistern und bedankte mir zum Schluss, „was für einen herrlichen Tag und ich bin so glücklich.“ Teefreunde scheinen aus der ganzen Schweiz gekommen, aus Bern, aus Emmental, aus Basel und aus Schaffhausen. Diese Mischung macht die Atmosphäre so interessant, weil die Begeisterung des Tees die Heterogenität der Menschen übertraf und zur einen Einheit ermöglichte.

Natürlich war die Präsenz Jörgs (aus Frankfurt) äusserst wertvoll. Er kann auf fast allen Fragen eine präzisere Antwort geben, wenn es sich um Tee-Literatur im deutschen Sprachraum oder um Pu Er handelt. Er war ein Geschenk. Es war ein Geschenk, dass er die Distanz überwand und Zeit noch vor seiner Prüfung nahm, hier her zu kommen. Selbstverständlich muss ich mich eigentlich bei seiner Freundin bedanken, dass sie ihn für paar Tage entbehrte.

Ohne Jürg und Carolas Einsatz wäre ich total verloren zwischen Waschen, Tee wiegen und Seminar-Leiten. Sie leisteten die unauffälligste Arbeit, die dem Seminar einen reibungslosen Ablauf verhalf und sich im Hintergrund zu bewegen: früher zu kommen, fleißig die Teeschalen waschen und Wasser kochen. Was für eine Stärke und Großzügigkeit, anderen Menschen der Bühne zu überlassen und im Schweigen, nur für das Geschehen zu arbeiten! Meine Löwin-Schwester Carola ist ein wirklicher Schatz. Man sagte immer, dass Löwen sich gegenseitig nicht vertragen. Ich erlebe ausschließlich das Gegenteil. Die Großzügigkeit und Unterstützung, die ich immer von meinen Gleichen erhalte, waren nur großartig. Vielleicht basiert das gegenseitige Verständnis auf die Affinität zum Sonderbaren und Erkenntnis über sich selber.

Über meinen spärlichen Geschmacks- und Riechsinn lästerten die Anwesenden ununterbrochen. Als ich behauptete, dass ich an dem Pu Er Che Chuan Hao 2003 eine Blumewiese roch, löste es ein Lachanfall. Eliane behauptete, Blumenwiese neben dem Kuhlstahl. „Blumenwiese? Wo? Menglin, Du warst viel differenzierter!“ sagte Carola schmuzelnd. Nur der Pat sah mir verständnisvoll an, „Doch, ich verstehe Dich!“

Als das Seminar am Sonntag zu Ende kam, saßen noch alle am Platz. Der Heimweg schien nicht interessant zu sein. Als Jörg abfuhr, war es bereits kurz vor 16 Uhr. Ich war dankbar, müde und glücklich.

Nun freue ich mich auch auf Fotos von unserer Profi Laura und den Film von Suzannes und Elianes über den Abschluss Gongfu Cha. Was für schöne Erinnerungen, die uns zusätzlich beschert werden könnten!

Fotos Seminar 16. und 17. 2. von Eliane runter zu laden.

ElianeUnsere Fotographin: die schöne Eliane

Fliegender Pflaumenbaum – Tobiume

Ich bekam ein wunderschönes Pflaumenblütestrauss von einem fliegenden Fahrer. Diese auf Blühen wartenden Pflaume wurde eingeflogen in einem Land, das Pflaume als Blumen des Februars nicht kennt. Ein Zufall vielleicht, dass wir gestern im Teeunterricht von den Pflaumen sprachen. Tobiume, ein fliegender Pflaumenbaum, der seinem Herrn folgte und nach Kyushu flog.

東風吹かば にほひおこせよ 梅の花 主なしとて 春を忘るな

Kochi Fuka ba / Nioi koyoseyo / Ume no Hana / Hariji nashi tote / Haruna Warure so.

Wenn der Wind aus dem Osten weht, dann schickte bitte Deinen Duft, meine liebe Pflaumeblüte, an Deinem Herrn (auch wenn Dein Herr nicht mehr bei Dir ist), vergesse nciht, dass es schon Frühling ist.

菅原道真 Sugawara Michizane (862-993)

Michizane war eine hervorragende Persönlichkeit in der japanischen Hean-Periode. Ein Gelehrter von einer historischen Bedeutung war allerdings ungeschickt in der Intrige und im Politisieren, so dass er nach Kyushu verbannt wurde und dort in der Einsamkeit starb. Nachdem er Kyoto verliess und in Kyushu lebte, schrieb er ein Gedicht an seinem Pflaumenbaum in Kyoto, wo er einst so liebte und für immer verlor. Dieser Pflaumenbaum sollte das Gedicht in dem Moment gehört haben und noch in der gleichen Nacht aus Kyoto nach Kyushu flog, um seinen Herrn für immer zu folgen. In Kyushu sollte heute dieser Baum noch in dem Tempel stehen, wo Michzane verehrt wird.

Michizane starb unglücklich und unerfüllt. Er sollte einen ganz bösen Dämon geworden sein, der der Kyotostadt und dem Kaiser keine Ruhe gönnte und terrotisierte. Er war so böse, dass andere unglückliche Seele, die ebenfalls in dieser traurigen Stadt herum geisterten auch Angst vor ihm hatte. Wenn Michizane seinen Gang durch Kyoto in der Nacht machte, vermieden andere Geistern seinen Weg, der Kaiser und Nachkommen seiner Feinde versteckten sich und er sang seine Wut in den grauen Himmel. Auch ein furchterlicher Dämon hat eine Seele, eine sentimentale und zugleich einsame. Es hieß, die beste Methode mit Michizane umzugehen war seine Gedichte zu rezitieren. Er sollte immer geweint und geseufzt haben, wenn er seine Gedichte von einem fremden Mund hörte. Er verschwand weinend im den dunklen Himmel, wenn das rezitierte Gedicht zu Ende gesungen wurde. Auch eine böse Seele will verstanden werden.

TianmangongDazaifu Tenmangu, Tempel für Michizane in Fukuoka Kyushu

Kyoto ist eine Stadt, die gelegt wurde wegen Intrigen, Epidemie und Furcht vor Geistern. Diese Stadt gebaut nach dem chinesischen Vorbild sollte grundlegend nach Fengshui-Prinzip geplant haben, um Ruhe vor den geisternden Seele zu bewahren. 1200 Jahren sind vergangen. Hass, Intrige und Gier schreiben die Geschichte Kyotos. Lebenden und Toten spazieren durch die gleichen Gassen, Reiche und Arme teilen die Kirschblüte, die jedes Jahr blühen. Die Zeit in Kyoto ist nicht durchlässig. Die Unesco verehrt diese Stadt, um die schönen eigentlich vergänglichen Gebäude zu bewahren, um Postkarten Motiven zu verewigen. Aber die wandernden Seele, die an diese Stadt hängen – ich bin eine von diesen, haften nicht an den Materialismus der Geschichte, sondern an das Leben und Erinnerung, die in den verwickelten Gassen gespeichert sind. Ich bleibe gerne bei ANA, wenn ich im jeden Frühling diese Stadt besuche. Ein westliches Bett und ein modernes Zimmer gefallen mir besser, als zwischen den Papiertüren zuzuhören, was die Nachbaren treiben. Neben ANA sind die unauffälligen traditionreichen Handwerker, Dessertladen, Tee- und Räucherwaren-Geschäfte. Ich habe mein Herz an diese Stadt verloren und kann nur durch das immer wiederholten Besuch, das Gefühl zu vergegenwärtigen, den andere Teil von mir wieder zu erkennen.

Aber was mache ich mit diesen eingelfogenen Pflaumeblüten? Es muss ein wirklicher Poet sein, diese Pflaumenblüte einfliegen zu lassen. Aber wo ist die Nachtigall, die diese Pflaumenblüte bewundert und nächtet?

Wenn der Kaiser ihn unbedingt will, muss ich meinen Pflaumenbaum entbehren,

Aber was soll ich der Nachtigall antworten, wenn sie nach dieser Pflaume fragt?

Der Kaiser sollte das Gedicht gehört haben, als der bescheidene machtlose Gärtner seinen Pflaumenbaum nachtrauerte. Seine Gefolgeschaft fand einen wunderschönen Pflaumenbaum in einem privaten Garten und vereinnahmte ihn. Darauf hin schrieb der trauernde Gärtner das Gedicht. Es wurde gesagt, dass er seine Pflaume wieder zurück bekam. Oshukubai, „die Pflaumen, wo die Nachtigall nächtet“ bekommt den Einzug in die japanische Geschichte.

Dinge erzählen Geschichte. Menschen pflegen die Dinge, um wieder den Zugang zu sich selbst und zu ihrer Gefühlswelt zu erhalten. Ohne die Dinge ist das Leben scheinbar ohne Halt und ohne Identität.

Im Februar, wenn Teeleute sich treffen, wird immer im Lauf des Tees ein Name bez. ein Motiv für das Treffen ausgetauscht. Tobi Ume (Fliegender Pflaumenbaum) und Oshukubai (die Pflaume, wo die Nachtigall nächstet) sind nach dem japanischen Formalismus die geeigneten Name für das Motiv eines Teetreffens.

Sijichun 四季春, ein Bespiel

Der Tee, der meine Geschmacklosigkeit ein Ende setzte, war ausgerechnet der einfache Sijichun. Sijichun, ein gewöhnlicher einfacher Formosa Oolong, der wegen seinem Duft eine Popularität erreicht. Eigentlich ein Blendwerk, das Konsumenten mit Düfte betört, aber uninteressant bleibt. Wie kann man aus so einem Baum, dessen Natur ein Blendwerk ist, zu einem interessanten Tee verwandeln? Eine Schönheit allein reicht nicht, um eine Persönlichkeit zu sein. Ich trank den Tee, der seit einer Woche bei mir lag und auf Degustation wartet, um weiter verschickt zu werden. Der Duft ist typisch, aber dezent und langhaltig. Der Aufguss lieblich, zurückhaltend aber voll präsent. Kein Wunder, ein Tee von dem alten Chen aus Mingjian. Einfach und perfekt zugleich. Er sagte mir einmal, die Leute haben gerne den Sijichun. Er ist schön, aber zu zentriert auf das Äußere. Man muss ihn in der niedrigeren Temperatur länger und stärker fermentieren lassen, so dass der Duft im Hintergrund zurückgesetzt wird und der Geschmack reichlicher wird. Der gewöhnliche Sijichun auf dem Markt, ist kurzer fermentiert, um dem Marktgeschmack gerecht zu werden, während sein Geschmack zusammenziehend und grob bleibt – was man allerdings mit Gongfu Methode korrigieren könnte. Aber ein Teebauer, wie er, verweigert dem Trend zu folgen. Er hat ein einfaches Bild, ein unspektakuläres Ideal, wie er mit seiner Arbeit umgeht. Die Art, wie wir mit unserer Arbeit umgehen, ist oft die Art, wie wir mit uns selbst umgehen.

An jenem Frühlingsnachmittag in seinem Hof hockten wir zusammen unter einem Mandarinen-Baum. „Lin San“ er bevorzugte die altmodische japanische Anrede „ ich war noch nie im Ausland wie Du. Ich habe mein Leben dem Teegarten gewidmet. Du hast ein schönes Leben, während meins nur mit dem Teepflanzen und Erde zu tun hat.“ Er lächelte mit seinen goldenen Zähnen und leicht schüchtern vor einem Stadtmädchen. Ich weiß nicht, ob andere Leute sich auch von seinen einfach Sätze so berührend lassen. Ich weinte innerlich in diesem Moment. Natürlich habe ich eine andere Lebensführung und wäre nie glücklich nur in einem Teegarten zu leben. Ich hätte mein Leben „nie“ nur für eine Sache wie Tee verschwendet und geopfert. Seine Zweifellosigkeit, Insistieren und Naivität machten mir jedoch deutlich, was in unserer Welt immer mehr verloren geht.

Ich schickte den Tee gestern gleich in die Innerschweiz. Heute noch vor neun bekam ich einen guten Auftrag. Der Käufer versteht, was er bekommt, ohne ich etwas dazu sagen musste. Das ist das schönste Moment in Business. Der Käufer und der Verkäufer treffen sich zu einer Wahl, die für sich spricht, ohne Wörter. Dieses Vertrauen und der Vorgang sind unauffällig, sind allerdings konstruiert auf einer Basis von einem tiefen Urteilsvermögen und Vertrauen in das Handwerk. Das Handwerk, was der alte Mann in Südtaiwan insistiert und pflegt, geht über die kulturelle Grenze hinweg und wird wortlos von fremden Menschen bewundert, die ihre Arbeit ebenfalls als ein Kunstwerk insistieren und verklären. Ein guter Handwerker braucht gute Käufer, die ihn schätzen und vor dem marktwirtschaftlichen Untergang bewahrt. Und das hat mit dem sprachlichen und kulturellen Selbstständnis nichts zu tun.

Den besten Tee zu produzieren, braucht der Teebauer dreifache oder vierfache Mühe, die möglicherweise nur 5% Ergebnis befruchtet. Wie würde ein Teebauer seufzen, wenn seine Ernte zwangsläufig an einem regnerischen Tag geerntet wird und seine Mühe vergeblich bleibt? Und um diesen 5% Unterschied zu anerkennen und zu bewundern, braucht ein Teeliebhaber eine Reife und ein empfindsames Einfühlungsvermögen. Wer würde gegen Geld und den Markt arbeiten, wenn man nicht an einem Ideal beharrt? Die Kunst eines Handwerks ist hinfällig, vergänglich und zerbrechlich. Sie zu bewahren ist nur heute lediglich auf die Naivität, Kompromisslosigkeit oder Sturheit eines einfachen Teebauers zu stützen. Die Lage ist prikär.

Mingjian

Mingjian 名間, 400 M. ü. M. Foto aus http://nantou.mmmtravel.com.tw/i

Er zeigte mir auch den Baum, den er gerne nach seinem Tod noch begleiten würde. Ein Shuixian-Baum, den sein Bruder aus China schmuggelte. Seine Frau sagte mir, dass er in ersten zehn Jahre nur geweint hat, als er versuchte, den Shuixian zu produzieren. Er weinte und kippte alles weg. Sie sagte, er sei ein Egoist, weil sein Leben sich nur um Tee dreht. „Er geht mit Dir bestimmt auch so um wie mit Tee, oder?“ Er lächelte ruhig und schaute zu seiner Frau. Sie verstand zuerst nicht, was ich meinte. Ich verstand ihn sehr gut. Wenn man für die innere Stimme lebt, die in der Außenwelt immer mehr fremd wird, wird man automatisch schräg und einsam, sogar für manche aggressiv. Es ist ein Widerstand gegen das, was alles egal und gleichgültig macht.

Diesen Shuixian Dan Cong degustierte ich im Januar im Münchener Seminar, Jahrgang 2005. Der Tee hat viele Aufrufzeichen in Augen der Anwesenden ausgelöst. Das Mantra, was Alibaba einst zu der unerwarteten Schatzwelt sagte, „ Sesam öffnet Dich“ ist nichts anders als das Verständnis für das, was eine Tradition hinter einem Handwerk versteckt; was den alte Chen in Mingjian zu einem Egoist macht; und was uns ermöglicht, über die kulturellen Grenze hinweg den gemeinsamen Geschmack treffen zu können!

Suche nach dem verlorenen Duft

Was macht ein Mensch, wenn er nicht riechen und schmecken kann? Er isst nur noch Instanz-Nudel, weil er sich auf das Design-Food verlassen kann, weil er selbst nicht entscheiden kann, was ihm gut tut. Er kapselt sich ab in einem Cocon, weil er andere Menschen nicht riechen kann. Er spürt und fühlt nicht, weil es Gerüche fehlen, seinen Lebensgeist und Brücke zur Vergangenheit erfrischen. Er flieht ins Elfenbeinsturm, wo er sich am liebst wohl fühlt. Die Flucht ins Imaginäre hilft bei der Suche nach dem verlorenem Duft, der sein Lebensgefühl und Lebenslust wieder erwecken kann.

Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut,
…….
Granatbäume mit köstlichen Früchten,
Hennadolden, Nardenblüten,
Narde, Krokus, Gewürzrohr und Zimt,
alle Weihnrauchbäume
Myrrhe und Aloe,
Allerbester Balsam.
Die Quelle des Gartens bist Du,
ein Brunnen lebendigen Wassers,
Wasser vom Libanon.

Das Hohelied

 

Das bald 3000 Jahre alte Hohelied war die Liebesbeweis vom König Solomo an seine Geliebte Schulamith. Christlich ausgelegt versinnlicht das Lied die Vereinigung zwischen Christus und der Kirche. Dem Wort laut nach besingt das Lied die Sehnsucht, Wünsche und Hoffnungen zweier Liebenden, die sich suchen, fliehen und vereinigen. Die sinnlich gegenstandsbezogenen Bilder sprechen unsere Augen, Ohren und Geschmacks- und Geruchssinn unaufhörlich an. Auch Homer verwenden die Düfte als Kommunikationsmittel der Menschen mit den Göttern, indem er in Odyssee beschrieb, wie Proteus, der Meeresgott, der zwischen ungeheuerem Gestank der Robben lebte, mit Wohlgerüchen und unsichtbaren Kräfte von Aromata von seinen Feinde festgehalten und überlistet wurden (Odyssee 4, 384-461). Die magischen Kräfte der Düfte waren schon immer der Ausdrucksmittel und Symbol zwischen den Menschen untereinander und die Sprache zu der unsichtbaren Welt.

Dass Düfte oder Geschmäcke nicht nur Ausdrucksmittel war, sondern auch ein Brücke zwischen uns und der unsichtbaren vergessenen Welt, finden wir das Beste Bespiel in dem Proust-Syndrom von Madeleine in Lindenblütentee:

„Ein köstliches Vergnügen bemächtigte sich meiner, doch es war losgelöst, ohne Hinweise auf seinen Ursprung… Woher stammt dieses übermächtige Glücksgefühl? Ich fühlte, dass es mit dem Geschmack des Tees und des Gebäcks zusammenhing, aber weit drüber hinausging….“

Durch einen Duft zwischen der Madeleine in Lindenblütetee wurde emotionalgeladenen und lebhaften Erinnerung von Proust vergegenwärtigt. Das berühmte Phänomen belegt nur, dass Düfte der besten Brücke zwischen uns und unserer verstauten Erinnerung dienen. Erinnerungen haben nicht nur faktische Informationen, sondern auch Gefühlskomponente. Die Menschen verbinden Erinnerungen für gewöhnlich mit einer Empfindung. Dass durch Gerüche Gefühle und plötzliche Vergegenwärtigung der Glücksgefühl oder einer Illusion uns in eine andere Welt versetzen zu können, zeigt uns, dass Gerüche Erinnerungen von außergewöhnlicher Intensität der Sentimentalen auslösen könnten. Andererseits widerspiegelt uns das Proust-Syndrom, dass unsere emotionale Verbindung eng mit den Gerüche, Gefühle und Erinnerungen in Gehirn verknüpft sind.

Könnten Düfte Erinnerungen hervorrufen, dessen Zugriff für immer verloren wären? „ Je ungewöhnlicher der Duft, desto eher wird er mit einem einzelnen Ereignis verknüpft.“ (R.S. Herz, Duft und Erinnerungsforscher) Die Einzigartigkeit und Einmaligkeit eines Duftes, den man VIELLEICHT nur einmal im Leben begegnet, ließ sich so für immer mit einem einzelnen Person oder Ereignis verbinden, während visuelle oder verbale Visionen derselben Erlebnisse immer wieder auftreten. Der Duft des Großvaters, die Kindheitserinnerung und die plötzliche Reflexion werden vergegenwärtigt, was vielleicht nie mehr zugänglich wäre. Kaum vorstellbar, dass eine bewegende Erinnerung durch einen alltäglichen gewöhnten Geruch ausgelöst werden kann… Wie wäre es, wenn der Kellner Proust aus Versehen einen Kaffee brächte, anstatt einem Tee?

Was die Einmaligkeit des Teeduftes anbelangt, kann ich in diesen Tagen nur zu gut erleben. Einmalig und nie wieder schmeckt eigentlich jede Tasse Tee. Diese triviale und banale Tatsache erkenne ich erst jetzt. Die Schulung von Tee und Zen war vergeblich. Das Bewusstsein der Einmaligkeit ist durchaus verloren in unserer Industriegesellschaft, die alles Wiederholbare reproduziert, sei es Kunst, sei es Musik, sei es mit dem Tee. Der easy Geschmack, der sich immer herstellen lässt, spiegelt unseren Zeitgeist wider. „Der Duft der Welt ist auch nicht mehr, was er früher war. Genau genommen hat sich der große Wandel 1903 vollzogen.“ schrieb George Duhamel 1924. Er erklärte, dass er Düfte von früher nur manchmal, nur eine Sekunde lange, in den Schwertlilien an den Ufern des Ourcq und zwischen den Seiten eines alten Buches bei den Bouquinistes an der Seine erahnte.

Als der letzte Tee am letzten Montag in Bodman bereitet wurde, war mein Körper wackelig, mein Gemüt zerbrechlich. Es war stil von einer besonderen Atmosphäre. Detlef sagte mir, dass die Hinfälligkeit des Lebens vors Auge veranschaulicht wurde. Die Einmaligkeit des Tees wurde wieder wach gerufen. Man dachte, dass ich nach dem Verlassen des Teeraums nie mehr zurückkehren würde. Er bestellte eine große Teevorrat beim Abschied, denn er tatsächlich befürchte, dass ich im Frühling nie mehr aus Asien zurückkomme. (Eigentlich spiele ich eher den Gedanken wieder nach Deutschland zurück zu siedeln. Als ich Jörg, dem Präsident Teeclubs Suisse davon erzählte, flippte er aus und zeigte mir gleich eine rote Karte.)

Der letzte Tee am Rosenmontag 08 Das gefaltete rosa Tuch signalisierte, dass es der letzte Tee des Tages war.

Im Bett, weil ein Kranker nichts anders machen kann, lese ich weiter und suche weiter nach dem verlorenen Duft.

„Dem zwischen Raum zwischen zwei Zeilen entströmt ein kaum wahrnehmbarer Duft, der genau der alte Duft der Welt ist.“ George Duhamel (1884-1966)