Archiv für den Monat Mai 2010

Zwei provokative Fragen

Schon lange wollte ich eine sehr provokative Frage an Kaffee-Trinker – nicht Kaffeeliebhaber stellen:

Warum lassen wir uns von der schicken Werbung und Gruppenzwang (fast jede bürgerliche schweizer Familie besitzt so eine Maschine) verführen, sich auf so etwas wie Nestle-Kafffee einzulassen? Warum wollen wir nicht selbt unsere Kaffeebohne entscheiden? Warum lassen wir uns diktieren und gleich von so einer No.1 Konzern?

Die zweite Frage an Teetrinker – vielleicht Teeliebhaber:

Warum sind wir nicht wütend, dass die Anbieter von Easy-Going Tee nur an das Äußere denkt anstatt an den zu verbessernden Inhalt? Sind wir so oberflächlich?

Eine Antwort habe ich nicht.

Warum möchten die Anbieter den Weg des Teetrinkers bequemer machen und mit einem System die Menschen an sich binden?

Der Weg des Tees nicht nicht nur bequem, er kann sehr steinreich sein…

Tee in Kapseln

Teefreund Tom aus Tübingen schickte mir einen Link über die „spannende“ Entwicklung des Tees!

Nestle will seinen Erfolg mit dem Kaffee-Kapseln fortsetzen und mit Tee Kasse machen.

http://www.welt.de/wirtschaft/article7718695/Nestle-packt-jetzt-auch-Tee-in-Kapseln.html

Warum nicht?

Nestle bereichert unseren Teegenuss mit einer neuen Zubereitungsmethode, nicht wahr?

Everything goes.

Tee im Weinbrand

Tee im Weinbrand

Die Päoniefest wurde aus dem Garten in den Shui Tang verlagert. Prächtige herrliche Päonie wurden geschnitten und paarweise am verschiedenen Orten in Shui Tang ausgestellt. Es regnet zwar draussen, aber die Blumen blühen in uns und zwischen uns.

Zu diesem Fest hat Hannes und Felix sich sehr viel Mühe gegeben, nicht nur fürs Auge etwas anzubieten, sondern auch das Kulinarische.

Shui Tang, Liquid Delicacies, bot seinen Gäste nicht nur feine schöne Tees an, sondern auch Tee im Wein!

Wir tranken den frischen Alishan Hochland 2009 zum feinen Gebäck. Später tranken wir den Alishan 2004 im Weinbrand!

Diese Liquid Delicacies wurde im Kristalglas serviert… 

Foto: 

links Weinbrand natur

rechts Weinbrand inkl. Alishan 2004

Die Farbe ist sichtbar von Tee verfärbt. Und der Geschmack?

Mein Nachbar udo runfte seine Nase – „viel zu stark…“

Herr Suter von Felchlin, „schwer zu identifizieren…“

Zu fremd?

Unsere Gäste tranken den feinen fruchtigen faccettenreichen Tee-Wein fast leer… Wer weiss, was man alles bei Liquid Delicacies erleben kann!

 

Ziehzeit, ach!

Habe ich richtig verstanden, dass man Pu Er – so wie Grüntee – mehrere Male aufgiesst? Welche erst-Ziehzeit würden Sie für diese beiden Pu Ers (1990, 2003) empfehlen? Macht man da einen Unterschied zwischen einem jungen und einem alten Pu Er, auch bezüglich der Aufgusstemperatur? Zerbröselt man die Teeblätter ein wenig vor dem 1. Aufguss, oder überlässt man das vollkommen dem Wasser? Dosierung ist etwas schwierig, benutzt man eigentlich für genaue Teedosierung eine spezielle Waage?

Teefreundin Winnie möchte sehr gerne wissen über die Ziehzeit. Eigentlich habe ich diese Frage bereits mehrmals beantwortet und beantworte diese Frage täglich in Shui Tang.

Liebe Winnie, möchtest Du ein standarisiertes Wissen hier hören oder etwas anders, was Deine Vorstellung von Tee vielleicht „revolutionieren“ kann?

Standardmässig und energiesparend würde ich sagen:

alle Tees MUSS in kleiner Menge zubereitet werden! Also nicht mehr als 150 ml.

Grüntee mit leicht abgekühltem Wasser, Oolong und roter Tee mit ganz heißem Wasser; Pu Er nur mit ganz heißem Wasser aufgiessen. Nur in Porzellan für Grüntee und nur in Yi-Xing-Kanne für Oolong und Pu Er! Alle Tees nicht länger als 1 Minuten ziehen lassen!

Bist Du mit dieser Aussage nun zufrieden?

Diese Antwort ist eine Antwort für Menschen, die Tee trinken als eine biologische Akt verstehen.

Bist Du so einer, der nicht viel denken will? Oder Bist Du, wie die meisten Menschen im Europa behaupten, ein INDIVIDUALIST?

Die größte Ironie, die ich im Europa erlebe, ist der Witz mit dem Individualismus! Wo sind die Individualisten? Ich sehe die ähnliche Mode auf der Strasse, die ähnliche Telefons am Ohr, die ähnliche Argumenten bei Tee trinken – gesund, fett brennen und wellness!

Wo sind die Individualisten im Europa? Im Twitter oder in Xing? Wo findet man einen Individualist? Ist er vielleicht nicht im Facebook?

Meine Vorgehensweise ist so:

Verstehst Du Dich selbst? Trinkst Du gerne voll aromatisch oder eher mild? Ist Dein Tee-Spielfreund neben Dir eine junge Damen, die gerne leicht florale Note bevorzugt oder ein Hardcore-Typ, der kräftige Nuance will?

Dann was für ein Teegefäss hast Du? Groß oder klein? Porzellan oder Glas?

Alles spielen zusammen eine Rolle. Porzellan ist generall gut für jeden Tee, während Glas in meinem Auge nur für den weißen Tee geeignet ist. Ton-Kanne ist für einen Teeliebhaber, der gerne pflegt, nicht geeignet für Menschen wie mich, der schlampig ist.

Bei dem Pu Er Tee würde ich die gerpessten Teile leicht auseinander lösen, so vorsichtig, dass die Blätter noch vollständig bleiben – dies garantiert die Qualität und Stabilität des Aufgusses. Ich benötige beim Genuss des Tees nie eine Waage, während eine Briefwaage für eine Profi-Degustation notwendig ist! Allgemein nehme ich so viel Teeblätter, die den Boden des Teegefäss leicht bedecken – diese Menge gilt für 4-6 Aufgusses.

Den Unterschied bei Zieh-Zeit macht man nicht bei verschiedenen Jahrgang des Tees, sondern für den richtigen Geschmack zu treffen. Ich trinke gerne einen Tee in seiner vollaromatischen Form, darum lass ich je nach dem bis zum 1 Minuten ziehen – wenn ich mit Teegefäss arbeite, die nicht größer ist als 150 ml. Wenn der Geschmack des Tees richtig zum Ausdruck gebracht wird, freut es mich unglaublich. Es gibt Tees, wie z. B. Buddhas Hand, den ich nicht gut zubereiten kann. Und jedesmal, wenn es mir gelingt, bereitet mir große Freude!

Du siehst, auch ich, kann Dir keine Garantie liefern, eine gute Tasse zu machen. Ich probiere, experimentiere und spreche noch ständig mit dem Tee! 

Das heißt nicht, everything goes. Es würde so gehen, wenn man Tee und Teatoys tatsächlich versteht. Man kann es nur verstehen, wenn man wirklich „spielt“. Und bevor man etwas weiß, weiß man den Mund zu halten – dies ist das schwerigste für mich und für Menschen im Europa!

Letztes Mal, als ich meine Tee-Eltern in Bodman wieder besuchte, war es mir bewußt wie stark wir an Form anhaften. Es war der ersten Maitag und der Frühling ist schon längst im Garten. Meine Tee-Eltern sind nun im fortgeschrittenen Alter, der Körper ist hinfällig und die Kraft dem Umstände entsprechend. Aber wir wollten noch zusammen spielen und freuten uns sehr darauf. Im Teeraum war noch Ro im Einsatz. Normalerweise wäre nun Fu-Ro für die Sommerstellung bereit. Wir spielten die Temae für Ro miteinander. Glücklich und erfüllt. Detlef sagte mir, „Weiß Du, der Rikyu (DER TEEMEISTER des Chados) guckt nicht nach Bodman.“ Wem müssen wir denn überhaupt rechtfertigen? Die versteckte Zeigefinger, der auf uns selbst richtet, der uns selbst ständig mit dem Dualismus plagt und uns von unserem wahren Selbst trennt, kann wirklich aufhören – vor allem beim Tee! Wenn wir aufhören können, dualistisch zu denken, dann kann das wahre Mitgefühl entstehen. Unsere Welt wird einfacher mit Tee.

Danke für Deine Aufmerksamkeit.

Tee-Zeitung „Ziehzeit“

Teefreund Bert alias Frieder aus dem hohen Norden schickte mir heute seine Liebeserklärung zum Tee – Tee-Zeitung Ziehzeit. Wer sich dafür interessiert, könnte man sich direkt an ihn wenden.

Liebe Teefreunde

im Anhang finden sie die Erstausgabe meiner kleinen kostenlosen Tee-Zeitung „Ziehzeit“ als PDF. Als Geschäftsfreund oder Teilnehmer einer meiner Tee-Veranstaltungen möchte ich Ihnen nun gerne die Erstaugabe vorstellen. Die Zeitung soll künftig ein informativer und unterhaltsamer Wegbegleiter für Teefreunde sein.
Sollte sie Ihnen gefallen, erzählen Sie es bitte weiter oder senden das PDF gerne auch an Interessierte weiter.

Die Zeitung kann man auch abonnieren. Einfach eine Mail senden an:
info@ziehzeit.de Stichwort: Tee-Zeitung

Über Anregungen, Kritik oder Themen-Vorschläge freue ich mich jederzeit.

Viele Grüße aus dem Norden.
Ihr
Bert Frieder Boege

Ziehzeit – Zeit für Tee …
Osterladekop 26
21635 Jork

Tel.: 04162 / 900 792
Mobil: 0151 / 170 869 19
http://www.ziehzeit.de

ps. Winnie, Du kannst das Problem mit der Ziehzeit dort informieren.

Der feine gelbe Staub von Dianhong und Longjing

Was mich mit Nadia Bécaud tatsächlich verbindet, ist das Verständnis von Originalität des Tees. Als sie das in ihrem Vortrag thematisierte, wußte ich, dass es jemand ist, der Tee versteht. Tee als Tradition und als ein Organismus zu verstehen anstatt als Ware und eine beliebige Projektionsfläche – everything goes.

Viele Teehändler betrachten Tee als Mittel zum Geld. Diese Ansicht ist vollkommen in Ordnung. Deswegen gibt es so gennanten weißen Tee und Oolong aus Indien, aus Sri Lanka etc. Das Shui Tang Crew wußte von Besuch einer Inhaberin eines Teegarten in Sri Lanka, die mich bat, ihr bei ihrem weißen Teeproduktion zu helfen und zu verbessern.  Sie dachte, es sei ein einfaches Spiel mit Tee zu produzieren. Wenn der Tee biologisch ist, muss der Tee gut sein, dachte sie. Bis sie merkte, dass es falsch sei. Tee ist ein Ergebnis eines kulturelles Verständnis und eine Manifestation einer Ästhetik. Was ist ein weißer Tee? Was muss ein guter weißer Tee schmecken? Reicht das nicht für einen weissen Tee, dass die Blätter weiß aussehen?

Leider nicht.

Es geht bei einem schönen weissen Tee häufig noch um die Originalität… Zum Beispiel, dass ein schöner Bai Mudan oder Yinzhen Baihao aus Fuding Da Baicha (Name von diesem orginalen Baum) stammen sollten und aus dem Anbaugebiet von Fuding /Fujian sein sollte. Ein schöner Longjing sollte aus Xihu-Gegend stammen und aus einem bestimmten Baum… So ein traditionreicher Tee wie Longjing muss nicht aus dem neu geklonten Baum stammen, damit er trendy und fashion aussieht. Wahrscheinlich ist er sogar besser aus dem alten originalen Baum…

Wie sieht ein originaler Longjing aus? Liebe Winnie, ein schöner orginaler Longjing hat wunderschöne Behaarung, die häufig als pünktchen am Blatt haftet. Ein richtiger Longjing ist nicht grün… sondern leicht gelblich wegen dem Behaarung der Blätter! Je zärter, desto stärker wird der Tee behaart! Und diese Behaarung macht den Geschmack richtig aus!

Das gleiche gilt auch bei dem guten Dianhong! Viele europäische Teeliebhaber behaupten, dass der Dianhong rauchig sei. Das so genannte rauchige Note von Dianhong ist nicht wegen Rauch, sondern wegen der Behaarung. Durch die Art der Behaarung kann man die Originalität eines Tee sehr schnell feststellen. Ob ein Tee aus einem orginalen Baum kommt, ob er gut verarbeitet wurde, zeigt uns die Art des Staubs, wie er fliegt!

Ich hoffe, ich habe diese kleine Frage beantwortet.

ps. das heisst nicht, dass man in Indien und Sri Lanka keinen weissen Tee oder Oolong herstellen kann. Doch, das kann man! Es ist nur nicht einfach… Denn es geht nicht um einen Tee zu produzieren, um zu zeigen, dass MAN es KANN. Sondern, es geht um einen guten Tee in die Welt zu bringen. Dies braucht Verständnis und Auseinandersetzung mit einem Pflanzen aus einem kulturellen Kontext!

Frage von Ziehdauer

Liebe Menglin, die Tees, die Verena mitgebracht hat aus Zürich, sind alle wirklich wundervoll. Wir hatten schon viele gemeinsame Verkostungen. Es ist wie im Schlaraffenland! Langsam finde ich auch heraus, wie jeder Tee behandelt werden will, wieviel Teeblätter, wielange ziehen lassen, um eine schöne runde Tasse herauszubekommen. Natürlich habe ich noch viele Fragen…

Also der Pu Er fasziniert mich fast am meisten, dieser honigsüsse Duft, der in der Tasse zurückbleibt, ist etwas ganz besonderes. Es stimmt, dass der 1990iger mit seiner erdigen, waldgeladenen Note etwas zutiefst ausgleichendes hat, auch mir hat er sehr gut getan in stressigen Momenten letzte Woche.
Habe ich richtig verstanden, dass man Pu Er – so wie Grüntee – mehrere Male aufgiesst? Welche erst-Ziehzeit würden Sie für diese beiden Pu Ers (1990, 2003) empfehlen? Macht man da einen Unterschied zwischen einem jungen und einem alten Pu Er, auch bezüglich der Aufgusstemperatur? Zerbröselt man die Teeblätter ein wenig vor dem 1. Aufguss, oder überlässt man das vollkommen dem Wasser? Dosierung ist etwas schwierig, benutzt man eigentlich für genaue Teedosierung eine spezielle Waage?

Woher kommt bei dem Dianhong und bei dem Longjing der feine gelbe Staub, der an den Blättern haftet? Von der zarten Behaarung?

Auch für die anderen Tees – Jasmin, Longjing, Fancy Oolong Nostalgie, Dianghong, Hongyu Hongcha – hätte ich gern eine Empfehlung für die Ziehdauer, obwohl ich natürlich weiss, dass das auch Geschmackssache ist.
Der Jasmintee ist wirlich traumhaft, ganz duftig und leicht. Sieht auch soooo schön aus, wie die Blätter behandelt sind. Inzwischen verstehe ich den Longjing auch viel besser, er kommt mir nicht mehr hart vor. Der einzige Tee, den ich noch nicht gut hinbekommen habe, obwohl ich mich damit am besten auskennen sollte, ist der Fancy Oolong. Entweder er wird mir zu schwach, oder gleich bitter. da wäre ich für eine Dosierungsempfehlung sehr dankbar…

Vielen Dank schon mal im voraus für Ihre Zeit und Mühe und ganz viele Grüsse aus Valencia
w.

 

Ich werde diese Frage wohl erst heute Nacht beantworten können. Bis zum nächsten Blogbeitrag!