Archiv der Kategorie: Gongfu Cha (Kungfu Cha) 工夫茶

Jeden Tag 17 Minuten…

Meng Lin, ich finde, du hast sehr viel dafür geleistet, dass du dich nicht unbedingt einsam fühlen musst. Ein paar gute Leute sind immer da und wollen sicherlich, dass es allen gut geht. So empfinde ich das, und bin dankbar, dass du imstande bist, so einen Laden zu führen, wo man hingehen kann und auch Leute treffen kann, über die man sich freut, wenn man sie sieht. So einfach empfinde ich das und wünsche dir viel Energie. Und Kunst ist ein grosser Energiegeber, sie ist wie eine mächtige elektrische Batterie, die dem Menschen doch auch in schwierigen Zeiten Kraft spendet. Und der Mond leuchtet nicht von allein, er reflektiert die Sonne, und wir auf Erden erfreuen uns des Lichtes, der Sonne und der Sterne:-).

Meine Zeile über Einsamkeit und Gemeinsamkeit hat L. zum Nachdenken gebracht und heute bekam ich einen langen Email zu lesen, das mich ermutigen sollte, sich nicht einsam in Zürich zu fühlen.

Ich fühle mich nicht allein. Einsam-Sein ist nur ein Zustand ohne Konnotation und bietet einen Raum, mich selbst zu begegnen. Ich pflege jeden Tag diesen Raum – also meine Einsamkeit, auch wenn meistens Menschen um mich sind. Gerade wenn Menschen um mich sind, muss ich um so mehr diesen Raum beschützen!

Wie oft habe ich mich gefragt, was bringt mir eine Tasse Tee? Was bringt Shui Tang in Zürich? Was bringt Tee dieser Welt? Wozu ich? Diese Frage wird oft brennend, wen viele Menschen im Kaufrausch sind und sich in Shui Tang irrten. Was bringt das?

Was bringt eine Tasse Tee in dieser Welt im Krieg, vor einem ausbrechenden Krieg oder nach einem verheerenden Krieg?

Umgekehrt kann ich mich fragen, kannst Du dem Tee jeden Tag 17 Minuten geben? Kann ich mir selbst jeden Tag 17 Minuten geben? Wenn Du es Dir nicht jeden Tag geben kannst, dann vielleicht einmal wöchentlich oder gar nur 17 Minuten in einem Leben? Warum nur 17 Minuten? Tee kann Dir weder Reichtum noch Rum geben. Genau wie die Poesie. In dem Kampf der Erlebnisgesellschaft kann Tee nur weiter nach hinten treten und ans Ecke gedrängt werden.

Die Zahl 17, 1+7 = 8. Nummer 8 ist der Anfang nach einem Zyklus und das Symbol der Unendlichkeit.

Wie wäre es ein Tag ohne Duft aus einer Tasse, keine Farbe in dem See meiner Schale? In diesen 17 Minuten hast Du Duft in der Nase, Aromen im Gaumen, und Bilder im Kopf. In diesen 17 Minuten kann ich den Ruf aus dem Wald hören, das Nordlicht auf meinem Dach ahnen und die Verbindung zu jemandem, der mir am Herzen liegt, spüren. Diese kurzen 17 Minuten ist wie ein heiliger Raum, der mir Klänge und Töne schenkt – in einer desillusionierten Welt.

Neulich schrieb Tim mir, dass er sich so sehr auf den ersten Schnee in Zürich freut. „Warum?“ „Weil in diesem Moment Magie über Zürich herrscht!“ Dieser Sad-Boy berührt mich immer wieder mit seiner nebensächlichen Bemerkung. Kannst Du Dich noch an den Tee erinnern, der Deine schöne dunkle Seite des Lebens offenbart? Ich weiß nicht, ob er es noch genau weiß. Ich weiß, dass er die Funken aus der anderen Welt wahrnehmen kann und dass er etwas in seinem Leben hat, was ihm nährt und flüstert, wenn er auf der Suche ist! Er wird sich rechtzeitig an dem Geschmack des Tees erinnern!

Ich warte auch auf dem ersten Schnee. Der erste Schnee bleibt nicht, bringt alles durcheinander und bedeckt das, was die Zeit vergessen will.

Kannst Du Dir jeden Tag 17 Minuten Zeit geben, für eine Tasse Tee? Oder anders formuliert für Deine Einsamkeit! Und wenn der erste Schnee kommt, lass Dich in diesem 17 Minuten von der Magie Zürichs verzaubern!

Daxueshan ruft

Ich weiss nie, was auf mich in Shui Tang wartet. Ich kann nur es annehmen, was das Universum mir beschert. Es hört sich so an, als ob es fremd bestimmt wird. Ich sehe es so, dass das Leben geführt wird. Was führt uns?

Lukas hätte ich nicht wieder erkannt. Er hat sein Bart weg rasiert. Simon kam um seinen Daxueshan Gushu zu sichern. René kam mit dem Vater, um ihm Shui Tang zu zeigen. Für diese junge Runde wählte ich den Pu Er Daxueshan Yesheng Gushu, der Evolution verpasst und wilde Gene besitzt. Über paar Hunderten Jahren wächst er im Wald über 3000 Meter über den Meeresspiegel. Harzig, frisch und floral. Ich bereite ihn gerne sanft zu, obwohl er uns auch gerne seine Ellbogen zeigen. Was für Geschmackskurven? Es gleicht eine Wanderung durch die Frühlingslandschaft, wo Krokus blühen, die Moore gemütlich verbreiten, Nadelbäume ganz gerade in die Himmel wachsen. Ja, wie Avatar! Wie der Wald bei dem Hexer Wiesner in Escholzmatt!

Der Ruf von Daxueshan Yesheng Gushu ist wie eine Faden. Er ruft einen in den Wald zu gehen, wo ein Labyrinth sich offenbart. Es ist wie Theseus, der unausweichlich seine Reise antreten musste, mit Faden von Ariadne den Weg finden und Minotauros töten konnte.

„Dieser Tee schmeckt wie ein Ruf.“ Die beiden nickten den Kopf. “ Hast Du nicht das Gefühl, dass er Dich ruft, Lukas, komme! Komme raus! Raus aus Deinem Komfortzone!“ Lukas sagte, „Doch! Aber wir blieben meistens gerne im Verzicht auf Freiheit und lieber in Sicherheit.“ „Das stimmt. Wir stehen oft kurz vor einer Mündung und haben ungeheuer Angst weiter zu gehen. Aber wenn wir nicht paar Schritte weiter gehst, woher sollen wir wissen, wohin der Fluss uns treibt und wie die Ozean aussehen kann?“ Das Problem ist, wenn wir paar Schritte gemacht haben, wissen wir plötzlich, dass wir nicht von dem Strömung getrieben sind, sondern von unserem Herzen. Lernen zu vertrauen, dass wir auch allein den Weg zu Ende gehen können, ist auf einmal das Wichtigste. „Man braucht Mut.“ sagte er.

Was ist Mut? Ist Mut Nicht- Angst? Ist Mut eine Kraft, um etwas zu verändern? Ich neige zu dem Tee. Er ruft. Ich muss mir nicht überlegen, weil mein Herz vibriert. „Mut ist vielleicht eine Haltung im Leben. Eine Haltung die sich in bestimmten Moment manifestiert, wenn etwas entschieden werden muss. Entscheide ich mich für die Vibration meines Herzens? Oder entscheide ich mich für den scheinbaren einfachen kontrollierbaren Weg?“ Eine Grundhaltung, die den Lebensfluss am Scheideweg scheidet und führt.

Lukas umarmte mich beim Abschied und bedankt sich für den Stoff zum nachdenken.

Meine Gäste sind gegangen, und ich gehe auch weiter.

Einsamkeit und Gemeinsamkeit in Moods

Ich erzähle gerne Geschichte. Weil ich glaube, dass ich ein einsamer Mensch bin. Ich bin als ein einsames Kind aufgewachsen, weil meine Mutter mir nicht erlaubte mit anderen Kinder zu spielen und mir dafür wunderbare Bücher über die Weltgeschichte und europäische Aufklärung kaufte. Die Welt der Erzählungen gab mir einen Raum, in meiner Einsamkeit mit all unbekannten Personen und nie begegneten Figuren verbunden zu sein, über die Grenze zu Raum und Zeit.

Einsamkeit wird in der chinesischen Kultur wunderbar erzählt. Der berühmte Dichter Li, Bai erzählte uns von einem vollkommenen Glück in einer Vollmondnacht:

舉杯邀明月 對影成三人

Ich lade den Mond ein, mit einem Schatten gemeinsam zu Dritt eine Schale Wein zu teilen.

Das vollkommene Glück liegt in dem vollkommenen Eins werden mit sich selbst.

Aber was machst Du, dass Du trotz Zweisamkeit und Dreisamkeit immer noch einsam fühlst? Denn die Einsamkeit nichts mit Anzahl von Menschen neben uns zu tun. Es hat mit „Verstanden werden und Verstehen wollen“ zu tun. So einsam, dass man Angst vor dem Abendessen hat. Mit wem sollte man essen gehen? Wie findet man jemanden, mit dem man ohne Worte verstehen kann? In der chinesischen Mythos wird eine Geschichte über einen König und eine Pfau erzählt:

Der König erhielt einen Pfau vor drei Jahren. Das Vogel sang und tanzte nie. Jemand riet König einen Spiegel vor dem Pfau zu stellen, damit ihm getäuscht werden konnte, dass er Seinesgleichen begegnet hätte. Tatsächlich tanzte und sang der Pfau drei Tage lang vor Aufregung und starb direkt wegen der Erschöpfung. 青鸞舞鏡 Qing Luan Wu Jing ist somit ein wichtiges Geschenk der chinesischen Kultur an uns. Es erzählt uns über unsere Einzigartigkeit und den vergeblichen Versuch, Unseresgleichen zu finden.

In unserer Individualisierungsprozess müssen wir die Einsamkeit aushalten. Das Mittel uns in diesem Zustand zu unterstützen ist die Poesie und Musik.

Lea komponiert uns schöne Stücke, die uns näher an die Einsamkeit bringen, die wir wahrscheinlich gerne nach aussen verleugnen; und zugleich uns an diese Gemeinsamkeit erinnern. Egal wer wir sind, wollen verstanden werden und den Anderen verstehen. Einsamkeit ist der beste Brücke zur tiefen Verbundenheit mit anderen Menschen. Denn sie einem Raum schenkt, der andere Möglichkeiten und die Zukunft öffnet. In dieser Gemeinsamkeit fühlen wir uns wieder miteinander verbunden. Auch wenn wir aus unterschiedlichen Richtung kommen, können wir unseren Herzen zu hören und folgen. Dort liegt die Zukunft.

https://www.moods.club/de/?d=201812

Liebe Meng-Lin, 

Vielen herzlichen Dank nochmals für den Dong Ding Qinqxin Premium 2011 Frühling – der hat mir in den letzten zwei Wochen wirklich viel Kraft und Fokus und Erdung gebracht. Er war mein ständiger Begleiter in der Vorbereitungszeit für mein Konzert am 15.12. Ich hab täglich bis 2 Uhr morgens durchkomponiert! Und um 8 Uhr morgens wieder begonnen, ohne wenn und aber. Er hat mich auf eine Art angetrieben „ Los, weitermachen“, aber auf eine sehr tröstende Weise, als ob ich nicht alleine wäre. Merci!

Zu meinem Konzert: Es findet am 15.12 im Moods in Zürich statt ( im Schiffbau ), es beginnt um 20:30 und dauert ca 75min.

Das Thema ist die Verbindung. Aus der Einsamkeit in die Gemeinsamkeit. Wir beginnen reduziert, sehr ruhig, meditativ, auch etwas dunkel- und dann kommen immer mehr Musiker auf die Bühne, bis es am Schluss ein Fest ist. Es ist auch tatsächlich mein Geburtstagsfest an dem Tag! Es würde mich sehr freuen, wenn einige meiner Teefreunde dabei wären:) Shui Tang empfinde ich auch immer als Ort der Verbindungen, der Gemeinschaft, wenn auch manchmal nur für kurze Zeit.

Ganz herzlich

Lea

Verwelkte Blumen – Pflaumenkult der chinesischen Ästhetik III

Fortsetzung zu Beiträge über Pflaumenkult in der chinesischen Ästhetik.

Ich habe nicht vergessen, den Beitrag über die Verschiebung von Pflaumenblüte in der japanischen Ästhetik zu schreiben. Die konkurierende Beziehung zwischen Pflaumenblüte und Kirschblüte widerspiegelt der Beziehung zwischen China und Japan.

Identität entsteht aus der Notwendigkeit der Unterscheidung von den Anderen. Das Ich wird durch das Anderen definiert. Das Ich mit einem Wir zu erweitern und mit einem Symbol zu von WIR zu suggerieren gehört zur bestimmen politischen Rhetorik. In Taiwan war es Pflaumenblüte, was der im Bürgerkrieg gegen Mao verlorene Republik ein wenig Selbstvertrauen suggerieren sollte. In Japan ist Kirschblüte seit dem 9. Jh. das nationale Symbol. Und China fungiert als der „wichtigste“ Andere in der japanischen Geschichte.

Fast alle so genannte japanische Kulturgüter, die wir heute so bewundern, wurzeln in China. Die chinesische Kultur war als einen nahrhaften Boden verstanden und konnte der eigenen Entwicklung Japans vorantreiben. Und in diesen Entwicklungsprozessen wird das Japanische formuliert.

Kein Wunder galt die Pflaumenblüte in alten Japan als die Blüte der Liebe, der Frühling und Treu. Und Pflaumenblüte bewundern war einer der wichtigsten Tätigkeit des Hofes im 7-8 Jahrhundert, weil genau diese Blumen-Party in Liuchao-Periode Chinas (3.Jh-6. Jh.) Manyoshu ist DAS Gedichtsammlung Japans (4.-8- Jahrhundert) umfasst 4496 Gedichte. Loblieder für Pflaumenblüte waren 118 Stücke, während nur 44 Gedichte für Kirschblüte geschrieben wurden.

Trotzdem gab es in der japanischen Gesellschaft bereits Menschen, die aus einfachen Schichten stammen und Kirschblüte lobten und dichten – während die Oberschicht noch Poesie für Pflaumenblüte schrieben. Vielleicht war es auch eine Protest-Bewegung gegenüber die Dominanz der herrschenden Kultur.

Das erste Hanami von Kirschblüte im japanischen Hof war 813. Aber der Kronprinz und seine Gefolgschaft trugen immer noch das Haarschmuck aus Pflaumenblüte in Feier. Eine sichtbare Veränderung sieht man erst durch die Popularität der eigenständigen japanischen Malerei, die sich aus dem chinesischen Vorbild emanzipiert. Gleichzeitig hörte der Entsandt von Studenten nach China im Lauf 894 auf. Kirschbäume wurden immer öfters erwähnt und angepflanzt. Im 12. Jh. wurden vier verschiedenen Bäume auf dem Fussballplatz im Hof angepflanzt: Kirsch, Weiden, Kiefer und Ahorn. Pflaumenbaum wurde nicht erwähnt.

Trotzdem war China immer noch das Vorbild. Gedichte auf Chinesisch zu schreiben (ohne chinesische Grammatik), chinesische Texte und Güter wurden immer noch weiter adaptiert. Erst in der Edo-Zeit (17. Jh) fragte ein Botaniker Kaibara Ekiken (1630-1714) fragte in Nagasaki einen Chinese, ob es in China Kirschbaum gibt. Der Chinese antwortete auf die Frage mit Nein. Somit gründete Ekiken in seiner Abhandlung die Besonderheit von Kirschpflanzen in Japan – es sei wirklich NUR japanisch. In der Tat gibt es in vielen Ländern auch in China Kirschbäumen. Die Kult Kirschblüte als das typische Japanische ist nicht mehr aufzuhalten.

In dem Prozess der Stiftung der Identität wird das Typische und Einmalige gesucht. Kirschblüte war eine Projektionsfläche für die Selbstfindung Japans. Der Charakter dieser Blüten liefern die Nahrung für das Nachdenken über die grundlegende Themen eines Individuum wie Geburt und Tod, wie Zerfall und Erneuerung. Darum finden wir so viele Attribute über Kirschblüte, zum Beispiel Blumenpracht als treue Soldaten oder verwelkte Blüten als Tod und später verherrlicht als eine Tugend, für Kaiser und für die Nation zu sterben (Emiko 2014: 213-215).

Kirschblüte verwelken, wenn der Frühling vergeht. Die Menschen werden gebogen weil wir von Ideen und Moral manipuliert werden. Wir werden wohl ein bisschen biegen müssen, um einen Raum zu schaffen, um unser wahres Selbst zu pflegen. Wir werden auch in der Lage sein, diese Kraft als Prüfstein betrachten zu können, wenn wir einen Raum gestalten haben und es als eine Chance sehen. Trotzdem möchte ich nicht diese Kraft sein, Macht auf das Kollektive auszuüben, die ANDEREN zu biegen und noch weniger die Schwerkraft dieser Biegung zu spielen. Mitläufer sind die Schwerkraft dieses Aktes.

Was warten die verwelkten Blumen im Herbst? Den Winter rieche ich bereits. Die leere Blicke der Blumen antworteten nicht. Verwelkte Blumen warten vielleicht auf das Wasser, das sie mitnimmt. Und ich warte auf den Ost Wind, der den Krumen Pflaumenbaum erweckt. Der Wind wird kommen.

Adventgespräch 2018 in Shui Tang

Am 03.12.2017 fand ein Adventgespräch mit Brigitte Egger in Shui Tang statt. Gesprochen wurde über die Symbolik des Wassers. Die Diskussion war anregend und wir waren fasziniert von der Tiefe des „Wassers“ als Symbol der Menschheit. Somit wollen wir in diesem Jahr mit dem Thema weiter fahren!

Das Gespräch über das Wasser an einem Ort des schönen Wassers! Für mich ist das Wasser die Form einer tonisierenden Energie fürs Leben – sei es geistig oder materialistisch. Jeder Mensch, der seinen inneren Brunnen gefunden hat, sprudelt von Inspiration und Kraft des Lebens! Selbstverständlich in geistiger und materieller Formen!

Ich freue mich auf zahlreiche Erscheinung und Anmeldung ist erforderlich!

Der Klang von dem ersten Schnee

Der erste Schnee kam am Sonntag in Einsiedeln. Als ob alles bedeckt und klanglos wurde. Langsam und deutlich fielen Flocken in die Hände. Klanglos froren Sie dort ein , wo sie gefallen sind.

Zurückgekehrt. Immer noch müde und vielleicht ein bisschen Ablehnung von der Struktur, der ich unterordnen muss. Jiri kam zu Besuch und was wäre das Richtige fürs Moment? 8892 Pu Er Gushu von Wang, Manyuan! Ein Hauch Erde und Laub von tiefen Wald. Er spendet Trost und Wärme. Mit der schönen frischen Duanni Kanne von Yu, Jiaojiang zeigte uns der 8892 sein einmaliges Gesicht! Noch nie habe ich diesen 8892 in dieser reinen eleganten Aufguss erlebt! Nicht schwer, nicht zu erdig. Der klare rötliche Ausguss war beflügelt und streichelte unsere Herzen so klangvoll wie der erste Schnee in Einsiedeln!

René und seine Freunde aus Berlin hatten gute Antenne und rochen den klangvollen 8892! Später kam Nico. Wir diskutierten über die Symbolik von Ameisen und Kürbis auf der Kanne und in der chinesischen Ästhetik. Ich erzählte von der Anregung durch Jean-Sebastien in Einsiedeln über den Begriff “ Wort (siehe Prolog von Johannes Evangelium) “ und „Logos“ im Vergleich mit dem Begriff „Wort“ in dem Orakel Schriften der alten China.

Jiri sagte, er würde beim Schneien den sanften schmeichelnden wilden Qimen aus Huangshan trinken. Ich nickte meinen Kopf. Jedenfalls sollte ein Tee sein, der mich beim Zuhören von Schnee nicht stört. Jedenfalls sollte ein Tee sein, der mich beim Schneerieseln begleitet. Jedenfalls sollte ein Tee sein, der Schneeflocken in meinen Händen zu erklingen bringt.

Bis die Blumen verwelken

Fortsetzung zu Pflaumen-Kult in der chinesischen Aesthetik.

Jedes taiwanesisches Kind meiner Generation wurde gelehrt, dass Pflaumenblüten die nationalen Blumen sind. Diese besondere Blumen blühen immer breiter, wenn es immer kälter wird – so wie das Schicksal der Republik von China.

Seit langen Zeit weiß ich mich nicht mit der Nation zu identifizieren. Die Nation, eine imaginäre Gemeinschaft! Eine Projektion. Was hat diese mit den Blumen zu tun?

Was hat eine Blume mit einer Nation zu tun?

Wie fühlt man sich so lang warten zu wollen, bis die Blumen verwelken?

Leutnant Anazawa geboren im Jahr 1922 und wurde am 16.03.1945 zu der berühmten Sondereinheit Tokubestsu Kogekitai rekrutiert. Er schrieb an jenem Abend in seinem Tagebuch, dass die Pflaumenblüten ihn auf dem Weg zu einem wahrhaftigen Mann begleiteten.

Als sein Flugzeug am 12.04.1945 abflog, winkten viele junge Schüler und Schülerinnen zu ihm auf dem Land mit vielen vielen Kirschblüten-Zweigen. Er winkte ebenfalls einen Kirschblüten-Zweigen in seiner Hand.

Aus seinem zurückgebliebenen Tagebuch wussten Menschen später, dass er in den letzten Tagen seines Lebens nur an die Liebe zu seiner Geliebten dachte. Chieko wollte mit ihm die letzte Nacht als seine Ehefrau verbringen, so reiste sie von Ort zu Ort, wo sie dachte, dass Anazawa dort sein konnte. Es geschah nichts. Sie fand ihn nicht. So schrieb er in seinem Tagebuch, „Liebe Chieko, die Kirschblüten fallen bereits und verwelken am Ecke – so wie mein Leben… Du muss glücklich sein, weil Du wahrhaft geliebt bist. Der Wünsch, Dich glücklich zu sehen, ist das wertvollste für mich. Das ist meine Zukunft.“ Zehn Tage vor seinem Tod schrieb er, dass die verwelkte Blüte seinem Schicksal glich. Er spürte seinen Freude für den Tod.

Chieko musste wohl so lang auf ihn warten, bis die Blumen verwelkten. Niemand konnte sie trösten, wenn sie schlaflos war. Niemand konnte sie verstehen, wenn sie immer noch wartete. Niemand.

Solche Geschichte lass Ohnuki Emiko, als sie zuerst nur für das Kultur Phänomen Hanami Japans beschreiben und forschen wollte und später immer bewusst wurde, was Hanami als Kulturphänomen und Kirschblüte als Kultursymbol in der politischen Erziehung verfremdet werden. Die blumigen Sätze des Idealismus von den jungen Märtyrer während dem zweiten Weltkriegs brachte sie zum Nachdenken und wollte der Welt den Mechanismen zeigen, wie Kirschblüte zum Symbol einer Nation und einem totalitären Regime wurden. In nächsten Beitrag möchte ich tiefer auf die Verschiebung, wie Pflaumen als Kultursymbol in Japan von Kirschblüten systematisch ersetzt wurde, eingehen.

Die Person, die auf Liebe wartet, spürt einen Bruch im Herzen. Eine Blüte blüht mutig im Winde, weil sie nicht gegen ihr Schicksal ist. Eine Blüte verwelkt IMMER. Nur wenn das Bruchstück wieder auffindbar ist, blüht das Herz wieder auf. Aber wer würde heute noch so lieben wollen, wie eine Blüte im Winde.

Gastgeber am Teetisch

7. Teegespräch von Meng-Lin:

https://www.shuitang.ch/blogs/pu-er-und-gelagerter-tee/teegesprach-nr-7-mit-meng-lin-chou-uber-die-rolle-der-gastgeber-innen-im-teehaus

Pflaumen-Kult in der chinesischen Aesthetik II

衆芳搖落獨暄妍,佔盡風情向小園。Alle andere Blumen fallen bereits, nur der Pflaumenbaum blüht ganz allein . Seine Schönheit füllt den Garten.

疏影橫斜水清淺,暗香浮動月黃昏。Sein nicht üppiger Stamm und Zweige werfen Schatten auf das klares Wasser. Beim Abenddämmerung im Mondlicht duftet es subtil und der Duft bewegt die Seele.

霜禽欲下先偷眼,粉蝶如知合斷魂。Wenn Winter-Vögel auf den Boden laden wollen, vergessen sie nicht, zuerst den Blick auf die Blüte zu werfen, wenn Schmetterlinge die Schönheit der Pflaumenblüte ahnen würden, würden sie sterblich in ihr verlieben.
幸有微吟可相狎,不須檀板共金尊。Ich weiß zum Glück wie ich mich an diese Schönheit annähern kann! Während die Meisten mit Wein und lauten Takt um sie zu loben, schreite ich mit leisen Schritten und leichtem Gesang zu ihr.

Lin Bu 林逋(967一1028)Song Dynastie.

Vor einem Jahr habe ich den blühenden Pflaumenbaum bei Kakiemon gesehen. Es war Anfang Januar. Kakiemon malt immer noch treu ihre weltberühmte Porzellan anhand von Muster aus der Ming-Dynastie Chinas. Pflaumenblüte sind die Blüte der Dichter!

Wir wissen aus dem letzten Beitrag, dass der blühende Pflaumenbaum das Symbol von Aufrichtigkeit und das Tor zur Ewigkeit.

Pflaumenblüte duftet subtil. In gewöhnlicher Tageszeit kann man sie schwer wahrnehmen. Nur in der Dunkelheit, wenn der Mond scheint – wenn man wieder zu sich selbst kommt, anstatt nach Aussen, kann man die unauffälligen Dinge als Zeichen wahrnehmen. Subtiler Duft ist ein Zeichen von Botschaft aus der anderen Seite des Lebens – nicht aus phänomenaler Welt. Er ist weniger als Materie, vielmehr als geistige Substanz. Er bewegt die Seele, denn er ist eine Seele-Sprache. An-Xiang, subtiler Duft im Dunkel ist ein Sinnbild von Schönheit des Ewigen. Nicht laut und konkret. Leise und subtil. Das ist genau der Unterschied zwischen einer Pfingstenrose und einer Päonie.

Eine Pfingstenrose ist einjährig und blüht vollblütig, während eine Päonie mehrjährig ist und blüht erst nach Jahren. Die Blüte sind selten voll, aber groß. Darum wird die Päonie vielmehr verehrt als Pfingstenrose. Etwas, was Zeit braucht und nicht laut und üppig ist, wird als eleganter empfunden. Im Vergleich zur Päonie ist Pflaumenblüte tatsächlich noch karger und leiser! Saftige Farbe und reizende Blüte sind zugänglich. Diese sichtbare Schönheit regt einem laut zu singen und zu loben. Aber Schönheit in einer Natürlichkeit zu sehen, in Kargheit, in subtilem Duft gehören zur Poesie. Die Poesie verewigt es in natürlichen authentischen Ausdruck ohne Fülle und Sattheit. Natürlich, Subtil und leise ohne Absicht ist die Ästhetik von „Ping-Dan“.

Durch die einfache Malerei auf der Kanne möchte der Teekanne-Meister die natürliche Schönheit der Pflaumenblüte zu veranschaulichen, und zugleich die Lebenskraft und Liebe zum Leben des alten Pflaumenbaums zum Ausdruck bringen! „Lass Dich nicht von Momente verwickeln, bleibe treu zu Deinem Standpunkt. Riechst Du den leisen Duft von Pflaumenblüte? Sie warten auf Dich in Abenddämmerung!“

Weil man mit starkem Alkohol unter dem Pflaumenbaum eher betrunken wird und seine Schönheit nicht wahrnehmen kann, dann trinke ich leise den Tee unter dem Schatten der Pflaumenblüten! Bei der leisen Müdigkeit erweckt mich der Tee und der Duft begleitet mich aus der anderen Zeit… „Zini Kanne Shipiao Tian-Chuo (Leises Trinken)“

Beim Betrachten des Pflaumenbaums wird die Zeit lang und die Atmung tief. Es entsteht aus einer Schale Tee eine Weite und Stille. Zini Teekanne „Jing-Yuan – Stille und Weite“

Für mich passt ein Bo He Tang Gushu wunderbar zu dem Charakter von Pflaumen-Blüte!

Pflaumen-Kult in der chinesischen Ästhetik I

Pflaumen von Rosetsu

Das ist ein ausgestelltes Bild von der japanischen Maler Rosetsu. Im Moment kann man im Rietbergmuseum das Original betrachten.

Weshalb malt der Rosetsu 長沢芦雪 ein Bild von einem alten Pflaumenbaum, der im späten Winter blüht?

Die beiden geposteten Yixing-Kannen von Sun, Chao und von Yu, Jiaojian haben ebenfalls das Motiv von Pflaumenbaum. Und wir können es als Hauptmotiv in unzähligen chinesischen Werke finden. Ist Pflaumenkult ein Tor zu chinesischer Ästhetik?

Pflaumenbaum blühen im späten Winter und im frühen Frühling. Seine Blüte verkunden das Klopfen des Frühlings im chinesischen Neujahr. Anders als Kirschbäume kann ein Pflaumenbaum erst beginnen Blüte zu zeigen, wenn sie älter sind. Rosetsu malt einen älteren Pflaumenbaum, dessen Stamm bereits von Würmer zerfressen ist. Die Aste sind gebogen. Aber wenn der Ostwind weht, vergisst er nicht zu blühen. Er ist der Einzige in den kalten Tagen seine Blüte öffnet. Diese Eigenschaft macht er zu einem Symbol von Aufrichtigkeit und Stärke der Willen. In seinem Bild wachsen die Zweige ausschließlich nach oben – anders als die Kirschblüten. Die gebogenen Zweige symbolisieren den Widerstandscharakter und die Einfachheit des seins. Die Blüten wollen nicht gefallen. Sie blühen weil es die Zeit ist. Wenn der Ostwind weht, auch wenn man gezwungen wurde zu biegen, ist die Zeit, die Botschaft zu verkunden. Es ist die Zeit zu gehen, wenn es so weit ist. Ein alter Baum, der im Frühlingswind voll blüht – ist eine Botschaft von I-Ching (Yijing) und ebenfalls ein Zen-Kuan (Guan).

Schüler fragte dem Meister Da Chengshan Mönch, „Was passiert, wenn ein alter Baum den Frühling begegnet?“ Meister antwortet, „Selten gibt ein Baum nicht auf.“ Selten gibt ein Baum auf, wenn der Frühling ankommt! Wenn Hoffnung kommt, gebe nicht auf.

Wenn Hoffnung kommt, gebe nicht auf. Das verkundet der blühende Pflaumenbaum. Durch diesen zugeschriebenen Charakter wurde die Pflaumenblüte zu einem Kult seit Song-Dynastie. Die oft politisch unterdruckten Intellektuellen verwenden das Motiv in der Dichtung und Malerei. Ebenfalls auch in den Teatoys, die sie gerne als Lebensstil verwenden. Sie durften nicht klar sagen, wie sie sich fühlten und klagten, so dass sie sich oft als ein fast verdörrter Pflaumenbaum angeben, der auf den Frühling warteten, zu blühen. So ein Kult hat natürlich mit der gepflegte chinesische Ästhetik zu tun, die aus einem Zeitgefühl die Phänomenen der Vergänglichkeit betrachtet. Nicht beeindruckt von Auf und Ab, nicht verwickelt in der Vergänglichkeit und Aufrichtig zu eigenem Standpunkt zu stehen sind die Aussagen aus einem anderen Standpunkt aus der Ewigkeit die Welt zu betrachten. Das Momentane ist vergänglich. Das Ewige ist in uns!

In nächsten Beitrag möchte ich über den besonderen Vorstellung von Duft des Pflaumen erörtern und den Zusammenhang von dem Duft (eigentlich duftlos) zu Ping-Dan Ästhetik zu verdeutlichen. Sehr wahrscheinlich beim übernächsten Beitrag über die Unterscheidung zwischen Pflaumen-Kult und Kirschblüte-Kult und ihren Hintergrund aus der Perspektive eines japanischen Anthropologin!

吾家洗硯池頭樹,個個花開淡墨痕。

Dort wo mein Reibstein von Kalligraphieübung gewachsen wird, blüht gerade ein Pflaumenbaum. Das ist eine spezielle Sorte und seine Blüten sind voll im schwarz-weiss Pracht.

不要人夸好顏色,只留清氣滿乾坤。

Die Blüten erwarten keinen Lob. Sie wollen nur ihren klären Duft den Raum füllen und so in dem Universum Spuren hinterlassen.

Wang, Mian aus Yuan Dynastie (1349) 王冕, 元。

Ps. Es ist spannend bei dieser Ausstellung in Rietberg-Musuem über die Art, wie Rosetsu sich vorstellt, wie eine chinesische Schönheit ist oder ein chinesische Persönlichkeit. Natürlich darf man nicht übersehen, wie er die Perspektive der Menschen malt, wenn sie zueinander schauen, oder über die Hunde und Vögeln! Ich war sehr berührt am Sonntag.