Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Einsamkeit und Gemeinsamkeit in Moods

Ich erzähle gerne Geschichte. Weil ich glaube, dass ich ein einsamer Mensch bin. Ich bin als ein einsames Kind aufgewachsen, weil meine Mutter mir nicht erlaubte mit anderen Kinder zu spielen und mir dafür wunderbare Bücher über die Weltgeschichte und europäische Aufklärung kaufte. Die Welt der Erzählungen gab mir einen Raum, in meiner Einsamkeit mit all unbekannten Personen und nie begegneten Figuren verbunden zu sein, über die Grenze zu Raum und Zeit.

Einsamkeit wird in der chinesischen Kultur wunderbar erzählt. Der berühmte Dichter Li, Bai erzählte uns von einem vollkommenen Glück in einer Vollmondnacht:

舉杯邀明月 對影成三人

Ich lade den Mond ein, mit einem Schatten gemeinsam zu Dritt eine Schale Wein zu teilen.

Das vollkommene Glück liegt in dem vollkommenen Eins werden mit sich selbst.

Aber was machst Du, dass Du trotz Zweisamkeit und Dreisamkeit immer noch einsam fühlst? Denn die Einsamkeit nichts mit Anzahl von Menschen neben uns zu tun. Es hat mit „Verstanden werden und Verstehen wollen“ zu tun. So einsam, dass man Angst vor dem Abendessen hat. Mit wem sollte man essen gehen? Wie findet man jemanden, mit dem man ohne Worte verstehen kann? In der chinesischen Mythos wird eine Geschichte über einen König und eine Pfau erzählt:

Der König erhielt einen Pfau vor drei Jahren. Das Vogel sang und tanzte nie. Jemand riet König einen Spiegel vor dem Pfau zu stellen, damit ihm getäuscht werden konnte, dass er Seinesgleichen begegnet hätte. Tatsächlich tanzte und sang der Pfau drei Tage lang vor Aufregung und starb direkt wegen der Erschöpfung. 青鸞舞鏡 Qing Luan Wu Jing ist somit ein wichtiges Geschenk der chinesischen Kultur an uns. Es erzählt uns über unsere Einzigartigkeit und den vergeblichen Versuch, Unseresgleichen zu finden.

In unserer Individualisierungsprozess müssen wir die Einsamkeit aushalten. Das Mittel uns in diesem Zustand zu unterstützen ist die Poesie und Musik.

Lea komponiert uns schöne Stücke, die uns näher an die Einsamkeit bringen, die wir wahrscheinlich gerne nach aussen verleugnen; und zugleich uns an diese Gemeinsamkeit erinnern. Egal wer wir sind, wollen verstanden werden und den Anderen verstehen. Einsamkeit ist der beste Brücke zur tiefen Verbundenheit mit anderen Menschen. Denn sie einem Raum schenkt, der andere Möglichkeiten und die Zukunft öffnet. In dieser Gemeinsamkeit fühlen wir uns wieder miteinander verbunden. Auch wenn wir aus unterschiedlichen Richtung kommen, können wir unseren Herzen zu hören und folgen. Dort liegt die Zukunft.

https://www.moods.club/de/?d=201812

Liebe Meng-Lin, 

Vielen herzlichen Dank nochmals für den Dong Ding Qinqxin Premium 2011 Frühling – der hat mir in den letzten zwei Wochen wirklich viel Kraft und Fokus und Erdung gebracht. Er war mein ständiger Begleiter in der Vorbereitungszeit für mein Konzert am 15.12. Ich hab täglich bis 2 Uhr morgens durchkomponiert! Und um 8 Uhr morgens wieder begonnen, ohne wenn und aber. Er hat mich auf eine Art angetrieben „ Los, weitermachen“, aber auf eine sehr tröstende Weise, als ob ich nicht alleine wäre. Merci!

Zu meinem Konzert: Es findet am 15.12 im Moods in Zürich statt ( im Schiffbau ), es beginnt um 20:30 und dauert ca 75min.

Das Thema ist die Verbindung. Aus der Einsamkeit in die Gemeinsamkeit. Wir beginnen reduziert, sehr ruhig, meditativ, auch etwas dunkel- und dann kommen immer mehr Musiker auf die Bühne, bis es am Schluss ein Fest ist. Es ist auch tatsächlich mein Geburtstagsfest an dem Tag! Es würde mich sehr freuen, wenn einige meiner Teefreunde dabei wären:) Shui Tang empfinde ich auch immer als Ort der Verbindungen, der Gemeinschaft, wenn auch manchmal nur für kurze Zeit.

Ganz herzlich

Lea

Verwelkte Blumen – Pflaumenkult der chinesischen Ästhetik III

Fortsetzung zu Beiträge über Pflaumenkult in der chinesischen Ästhetik.

Ich habe nicht vergessen, den Beitrag über die Verschiebung von Pflaumenblüte in der japanischen Ästhetik zu schreiben. Die konkurierende Beziehung zwischen Pflaumenblüte und Kirschblüte widerspiegelt der Beziehung zwischen China und Japan.

Identität entsteht aus der Notwendigkeit der Unterscheidung von den Anderen. Das Ich wird durch das Anderen definiert. Das Ich mit einem Wir zu erweitern und mit einem Symbol zu von WIR zu suggerieren gehört zur bestimmen politischen Rhetorik. In Taiwan war es Pflaumenblüte, was der im Bürgerkrieg gegen Mao verlorene Republik ein wenig Selbstvertrauen suggerieren sollte. In Japan ist Kirschblüte seit dem 9. Jh. das nationale Symbol. Und China fungiert als der „wichtigste“ Andere in der japanischen Geschichte.

Fast alle so genannte japanische Kulturgüter, die wir heute so bewundern, wurzeln in China. Die chinesische Kultur war als einen nahrhaften Boden verstanden und konnte der eigenen Entwicklung Japans vorantreiben. Und in diesen Entwicklungsprozessen wird das Japanische formuliert.

Kein Wunder galt die Pflaumenblüte in alten Japan als die Blüte der Liebe, der Frühling und Treu. Und Pflaumenblüte bewundern war einer der wichtigsten Tätigkeit des Hofes im 7-8 Jahrhundert, weil genau diese Blumen-Party in Liuchao-Periode Chinas (3.Jh-6. Jh.) Manyoshu ist DAS Gedichtsammlung Japans (4.-8- Jahrhundert) umfasst 4496 Gedichte. Loblieder für Pflaumenblüte waren 118 Stücke, während nur 44 Gedichte für Kirschblüte geschrieben wurden.

Trotzdem gab es in der japanischen Gesellschaft bereits Menschen, die aus einfachen Schichten stammen und Kirschblüte lobten und dichten – während die Oberschicht noch Poesie für Pflaumenblüte schrieben. Vielleicht war es auch eine Protest-Bewegung gegenüber die Dominanz der herrschenden Kultur.

Das erste Hanami von Kirschblüte im japanischen Hof war 813. Aber der Kronprinz und seine Gefolgschaft trugen immer noch das Haarschmuck aus Pflaumenblüte in Feier. Eine sichtbare Veränderung sieht man erst durch die Popularität der eigenständigen japanischen Malerei, die sich aus dem chinesischen Vorbild emanzipiert. Gleichzeitig hörte der Entsandt von Studenten nach China im Lauf 894 auf. Kirschbäume wurden immer öfters erwähnt und angepflanzt. Im 12. Jh. wurden vier verschiedenen Bäume auf dem Fussballplatz im Hof angepflanzt: Kirsch, Weiden, Kiefer und Ahorn. Pflaumenbaum wurde nicht erwähnt.

Trotzdem war China immer noch das Vorbild. Gedichte auf Chinesisch zu schreiben (ohne chinesische Grammatik), chinesische Texte und Güter wurden immer noch weiter adaptiert. Erst in der Edo-Zeit (17. Jh) fragte ein Botaniker Kaibara Ekiken (1630-1714) fragte in Nagasaki einen Chinese, ob es in China Kirschbaum gibt. Der Chinese antwortete auf die Frage mit Nein. Somit gründete Ekiken in seiner Abhandlung die Besonderheit von Kirschpflanzen in Japan – es sei wirklich NUR japanisch. In der Tat gibt es in vielen Ländern auch in China Kirschbäumen. Die Kult Kirschblüte als das typische Japanische ist nicht mehr aufzuhalten.

In dem Prozess der Stiftung der Identität wird das Typische und Einmalige gesucht. Kirschblüte war eine Projektionsfläche für die Selbstfindung Japans. Der Charakter dieser Blüten liefern die Nahrung für das Nachdenken über die grundlegende Themen eines Individuum wie Geburt und Tod, wie Zerfall und Erneuerung. Darum finden wir so viele Attribute über Kirschblüte, zum Beispiel Blumenpracht als treue Soldaten oder verwelkte Blüten als Tod und später verherrlicht als eine Tugend, für Kaiser und für die Nation zu sterben (Emiko 2014: 213-215).

Kirschblüte verwelken, wenn der Frühling vergeht. Die Menschen werden gebogen weil wir von Ideen und Moral manipuliert werden. Wir werden wohl ein bisschen biegen müssen, um einen Raum zu schaffen, um unser wahres Selbst zu pflegen. Wir werden auch in der Lage sein, diese Kraft als Prüfstein betrachten zu können, wenn wir einen Raum gestalten haben und es als eine Chance sehen. Trotzdem möchte ich nicht diese Kraft sein, Macht auf das Kollektive auszuüben, die ANDEREN zu biegen und noch weniger die Schwerkraft dieser Biegung zu spielen. Mitläufer sind die Schwerkraft dieses Aktes.

Was warten die verwelkten Blumen im Herbst? Den Winter rieche ich bereits. Die leere Blicke der Blumen antworteten nicht. Verwelkte Blumen warten vielleicht auf das Wasser, das sie mitnimmt. Und ich warte auf den Ost Wind, der den Krumen Pflaumenbaum erweckt. Der Wind wird kommen.

Der Klang von dem ersten Schnee

Der erste Schnee kam am Sonntag in Einsiedeln. Als ob alles bedeckt und klanglos wurde. Langsam und deutlich fielen Flocken in die Hände. Klanglos froren Sie dort ein , wo sie gefallen sind.

Zurückgekehrt. Immer noch müde und vielleicht ein bisschen Ablehnung von der Struktur, der ich unterordnen muss. Jiri kam zu Besuch und was wäre das Richtige fürs Moment? 8892 Pu Er Gushu von Wang, Manyuan! Ein Hauch Erde und Laub von tiefen Wald. Er spendet Trost und Wärme. Mit der schönen frischen Duanni Kanne von Yu, Jiaojiang zeigte uns der 8892 sein einmaliges Gesicht! Noch nie habe ich diesen 8892 in dieser reinen eleganten Aufguss erlebt! Nicht schwer, nicht zu erdig. Der klare rötliche Ausguss war beflügelt und streichelte unsere Herzen so klangvoll wie der erste Schnee in Einsiedeln!

René und seine Freunde aus Berlin hatten gute Antenne und rochen den klangvollen 8892! Später kam Nico. Wir diskutierten über die Symbolik von Ameisen und Kürbis auf der Kanne und in der chinesischen Ästhetik. Ich erzählte von der Anregung durch Jean-Sebastien in Einsiedeln über den Begriff “ Wort (siehe Prolog von Johannes Evangelium) “ und „Logos“ im Vergleich mit dem Begriff „Wort“ in dem Orakel Schriften der alten China.

Jiri sagte, er würde beim Schneien den sanften schmeichelnden wilden Qimen aus Huangshan trinken. Ich nickte meinen Kopf. Jedenfalls sollte ein Tee sein, der mich beim Zuhören von Schnee nicht stört. Jedenfalls sollte ein Tee sein, der mich beim Schneerieseln begleitet. Jedenfalls sollte ein Tee sein, der Schneeflocken in meinen Händen zu erklingen bringt.

Yu Yongchul aus Icheon

Yu Yongchul aus Icheon hat immer wieder für Shui Tang Keramik produziert.

Weil er kein Englisch spricht, gab es oft Missverständnis. Asiaten versenden gerne mit EMS und das Porto ist teuer als eine Schale. Einmal verstand wir nicht richtig und ich schickte zu wenig Geld. Trotzdem bekam ich eine zusätzliche Schale in der Sendung und einen Brief:

Für Sie habe ich eine Schale mitgeschickt weil es ermöglicht, meine Schale nach Zürich zu erreichen. Sie sind ein Brückenbauer – auch wenn das Porto zu wenig gerechnet war.

Ich war sehr beeindruckt. Aber wir haben immer wieder Missverständnis wegen Geld! Irgendwie geht es trotzdem!

Seine Schale brennt er hauptsächlich im Holzofen und mit sehr traditionellem Muster ausgedrückt. Die meisten Zürcher mögen sie nicht. Es sind immer die Anderen, die diese Schale kaufen. Und meistens auf einmal verschwinden sie und mehrere Schale von einer Person erworben. Seine Schale sprechen speziellen Menschen an. Ich kann es auch noch nicht ganz verstehen!

Wenn man nach Taiwan geht, sollte man das Palast Museum in Jiayi besuchen. Dort findet vielleicht noch eine Ausstellung über koreanische Celadon und japanisch Imari Porzellan statt. Wenn nicht, dann muss man nach Osaka fliegen und das Museum in Osaka besuchen. Als ich vor paar Jahren dort war, war ich wie geheilt nach der Betrachtung von koreanischen Celadon – zufrieden und ruhig. Als ich dann bei dem Imari war, bekam ich Schwindel und Kopfschmerzen.

Koreanische Keramik ist wunderschön- man kann in Rietberg Meiyitang Ausstellung ein bisschen schnuppern. Dort gibt es etwa Ähnliches aus Nordchina von Dynastie Liao oder Yuan.

Meister Yu ist heute in Paris mit Brigitte von Macron.

Wir bekommen demnächst wieder schöne Werke von Meister Yu Yonchul!

Gastgeber am Teetisch

7. Teegespräch von Meng-Lin:

https://www.shuitang.ch/blogs/pu-er-und-gelagerter-tee/teegesprach-nr-7-mit-meng-lin-chou-uber-die-rolle-der-gastgeber-innen-im-teehaus

Pflaumen-Kult in der chinesischen Aesthetik II

衆芳搖落獨暄妍,佔盡風情向小園。Alle andere Blumen fallen bereits, nur der Pflaumenbaum blüht ganz allein . Seine Schönheit füllt den Garten.

疏影橫斜水清淺,暗香浮動月黃昏。Sein nicht üppiger Stamm und Zweige werfen Schatten auf das klares Wasser. Beim Abenddämmerung im Mondlicht duftet es subtil und der Duft bewegt die Seele.

霜禽欲下先偷眼,粉蝶如知合斷魂。Wenn Winter-Vögel auf den Boden laden wollen, vergessen sie nicht, zuerst den Blick auf die Blüte zu werfen, wenn Schmetterlinge die Schönheit der Pflaumenblüte ahnen würden, würden sie sterblich in ihr verlieben.
幸有微吟可相狎,不須檀板共金尊。Ich weiß zum Glück wie ich mich an diese Schönheit annähern kann! Während die Meisten mit Wein und lauten Takt um sie zu loben, schreite ich mit leisen Schritten und leichtem Gesang zu ihr.

Lin Bu 林逋(967一1028)Song Dynastie.

Vor einem Jahr habe ich den blühenden Pflaumenbaum bei Kakiemon gesehen. Es war Anfang Januar. Kakiemon malt immer noch treu ihre weltberühmte Porzellan anhand von Muster aus der Ming-Dynastie Chinas. Pflaumenblüte sind die Blüte der Dichter!

Wir wissen aus dem letzten Beitrag, dass der blühende Pflaumenbaum das Symbol von Aufrichtigkeit und das Tor zur Ewigkeit.

Pflaumenblüte duftet subtil. In gewöhnlicher Tageszeit kann man sie schwer wahrnehmen. Nur in der Dunkelheit, wenn der Mond scheint – wenn man wieder zu sich selbst kommt, anstatt nach Aussen, kann man die unauffälligen Dinge als Zeichen wahrnehmen. Subtiler Duft ist ein Zeichen von Botschaft aus der anderen Seite des Lebens – nicht aus phänomenaler Welt. Er ist weniger als Materie, vielmehr als geistige Substanz. Er bewegt die Seele, denn er ist eine Seele-Sprache. An-Xiang, subtiler Duft im Dunkel ist ein Sinnbild von Schönheit des Ewigen. Nicht laut und konkret. Leise und subtil. Das ist genau der Unterschied zwischen einer Pfingstenrose und einer Päonie.

Eine Pfingstenrose ist einjährig und blüht vollblütig, während eine Päonie mehrjährig ist und blüht erst nach Jahren. Die Blüte sind selten voll, aber groß. Darum wird die Päonie vielmehr verehrt als Pfingstenrose. Etwas, was Zeit braucht und nicht laut und üppig ist, wird als eleganter empfunden. Im Vergleich zur Päonie ist Pflaumenblüte tatsächlich noch karger und leiser! Saftige Farbe und reizende Blüte sind zugänglich. Diese sichtbare Schönheit regt einem laut zu singen und zu loben. Aber Schönheit in einer Natürlichkeit zu sehen, in Kargheit, in subtilem Duft gehören zur Poesie. Die Poesie verewigt es in natürlichen authentischen Ausdruck ohne Fülle und Sattheit. Natürlich, Subtil und leise ohne Absicht ist die Ästhetik von „Ping-Dan“.

Durch die einfache Malerei auf der Kanne möchte der Teekanne-Meister die natürliche Schönheit der Pflaumenblüte zu veranschaulichen, und zugleich die Lebenskraft und Liebe zum Leben des alten Pflaumenbaums zum Ausdruck bringen! „Lass Dich nicht von Momente verwickeln, bleibe treu zu Deinem Standpunkt. Riechst Du den leisen Duft von Pflaumenblüte? Sie warten auf Dich in Abenddämmerung!“

Weil man mit starkem Alkohol unter dem Pflaumenbaum eher betrunken wird und seine Schönheit nicht wahrnehmen kann, dann trinke ich leise den Tee unter dem Schatten der Pflaumenblüten! Bei der leisen Müdigkeit erweckt mich der Tee und der Duft begleitet mich aus der anderen Zeit… „Zini Kanne Shipiao Tian-Chuo (Leises Trinken)“

Beim Betrachten des Pflaumenbaums wird die Zeit lang und die Atmung tief. Es entsteht aus einer Schale Tee eine Weite und Stille. Zini Teekanne „Jing-Yuan – Stille und Weite“

Für mich passt ein Bo He Tang Gushu wunderbar zu dem Charakter von Pflaumen-Blüte!

Pflaumen-Kult in der chinesischen Ästhetik I

Pflaumen von Rosetsu

Das ist ein ausgestelltes Bild von der japanischen Maler Rosetsu. Im Moment kann man im Rietbergmuseum das Original betrachten.

Weshalb malt der Rosetsu 長沢芦雪 ein Bild von einem alten Pflaumenbaum, der im späten Winter blüht?

Die beiden geposteten Yixing-Kannen von Sun, Chao und von Yu, Jiaojian haben ebenfalls das Motiv von Pflaumenbaum. Und wir können es als Hauptmotiv in unzähligen chinesischen Werke finden. Ist Pflaumenkult ein Tor zu chinesischer Ästhetik?

Pflaumenbaum blühen im späten Winter und im frühen Frühling. Seine Blüte verkunden das Klopfen des Frühlings im chinesischen Neujahr. Anders als Kirschbäume kann ein Pflaumenbaum erst beginnen Blüte zu zeigen, wenn sie älter sind. Rosetsu malt einen älteren Pflaumenbaum, dessen Stamm bereits von Würmer zerfressen ist. Die Aste sind gebogen. Aber wenn der Ostwind weht, vergisst er nicht zu blühen. Er ist der Einzige in den kalten Tagen seine Blüte öffnet. Diese Eigenschaft macht er zu einem Symbol von Aufrichtigkeit und Stärke der Willen. In seinem Bild wachsen die Zweige ausschließlich nach oben – anders als die Kirschblüten. Die gebogenen Zweige symbolisieren den Widerstandscharakter und die Einfachheit des seins. Die Blüten wollen nicht gefallen. Sie blühen weil es die Zeit ist. Wenn der Ostwind weht, auch wenn man gezwungen wurde zu biegen, ist die Zeit, die Botschaft zu verkunden. Es ist die Zeit zu gehen, wenn es so weit ist. Ein alter Baum, der im Frühlingswind voll blüht – ist eine Botschaft von I-Ching (Yijing) und ebenfalls ein Zen-Kuan (Guan).

Schüler fragte dem Meister Da Chengshan Mönch, „Was passiert, wenn ein alter Baum den Frühling begegnet?“ Meister antwortet, „Selten gibt ein Baum nicht auf.“ Selten gibt ein Baum auf, wenn der Frühling ankommt! Wenn Hoffnung kommt, gebe nicht auf.

Wenn Hoffnung kommt, gebe nicht auf. Das verkundet der blühende Pflaumenbaum. Durch diesen zugeschriebenen Charakter wurde die Pflaumenblüte zu einem Kult seit Song-Dynastie. Die oft politisch unterdruckten Intellektuellen verwenden das Motiv in der Dichtung und Malerei. Ebenfalls auch in den Teatoys, die sie gerne als Lebensstil verwenden. Sie durften nicht klar sagen, wie sie sich fühlten und klagten, so dass sie sich oft als ein fast verdörrter Pflaumenbaum angeben, der auf den Frühling warteten, zu blühen. So ein Kult hat natürlich mit der gepflegte chinesische Ästhetik zu tun, die aus einem Zeitgefühl die Phänomenen der Vergänglichkeit betrachtet. Nicht beeindruckt von Auf und Ab, nicht verwickelt in der Vergänglichkeit und Aufrichtig zu eigenem Standpunkt zu stehen sind die Aussagen aus einem anderen Standpunkt aus der Ewigkeit die Welt zu betrachten. Das Momentane ist vergänglich. Das Ewige ist in uns!

In nächsten Beitrag möchte ich über den besonderen Vorstellung von Duft des Pflaumen erörtern und den Zusammenhang von dem Duft (eigentlich duftlos) zu Ping-Dan Ästhetik zu verdeutlichen. Sehr wahrscheinlich beim übernächsten Beitrag über die Unterscheidung zwischen Pflaumen-Kult und Kirschblüte-Kult und ihren Hintergrund aus der Perspektive eines japanischen Anthropologin!

吾家洗硯池頭樹,個個花開淡墨痕。

Dort wo mein Reibstein von Kalligraphieübung gewachsen wird, blüht gerade ein Pflaumenbaum. Das ist eine spezielle Sorte und seine Blüten sind voll im schwarz-weiss Pracht.

不要人夸好顏色,只留清氣滿乾坤。

Die Blüten erwarten keinen Lob. Sie wollen nur ihren klären Duft den Raum füllen und so in dem Universum Spuren hinterlassen.

Wang, Mian aus Yuan Dynastie (1349) 王冕, 元。

Ps. Es ist spannend bei dieser Ausstellung in Rietberg-Musuem über die Art, wie Rosetsu sich vorstellt, wie eine chinesische Schönheit ist oder ein chinesische Persönlichkeit. Natürlich darf man nicht übersehen, wie er die Perspektive der Menschen malt, wenn sie zueinander schauen, oder über die Hunde und Vögeln! Ich war sehr berührt am Sonntag.

Duft von Efeus

Als ich gestern beim Sonnenschein nach Hause spazierte, duftete es im Winde. Auf einmal dachte ich, dass jemand einen Mixiang Huangjingui 2007 (Von Zikaden befallen. Eine Art von Guifei Oolong)trank!! Leichte Note von Holunderblüte und ein Hauch von duftenden “ Baumstamm und Felsen“ – es ist wie wenn die Sonne auf den Felsen stark scheint und die Luft nach Mineralien schmeckt!

Efeu duftet im Dunkeln. Die Bienen wissen es. Und ich schaute mit Staunen mit. Patrick sagte mir einmal Efeu Honig sei für ihn die beste Honig. Ich stimmte ihn zu, wusste aber nicht wie Efeu tatsächlich duftet.

Efeu duftet schön. Ein dunkler Duft aus dem Unbewussten – aus meinem Wald? Oder aus dem Schatzkammer von meinem Lehrer – der Huangjingui Mixiang 2007!

Ps. ich schreibe hier Mixiang anstatt Guifei, weil mein Lehrer mir immer wieder darauf aufmerksam macht, dass die Bezeichnung Guifei in Taiwan patentiert ist und wir es nicht willkürlich verwenden dürfen.

石瓢壺 Shipiao Kanne

幾度花時醉花下,君子恬啜石瓢露。

Die Schönheit der blühenden Pflaumenbaum entzückt mich! Itrinke unter dem Pflaumenbaum gelassen und allein in Shipiao Kanne einen Tee, während die Anderen von Wein berauscht werden.

Kalligraphie „Gehe Tee trinken bei der Müdigkeit“

Von Meister Wu, Dongyuan

Teekanne Zini 350ml

Von Sun, Chao