Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Das Herz öffnen

Fortsetzung zu dem vorherigen Beitrag.

Das Thema “ Sich zur Welt zu öffnen“ wird man in der chinesischen Kultur als Herzensöffnung beschrieben. Das ist nicht nur ein chinesisches Thema, sondern ein anthropologisches – es wird in jeder Kultur behandelt.

Durch meinen Beruf habe ich stets mit Menschen zu tun. Die Menschen die Shui Tang besuchen sind ein Spiegel meines Herzens. Wenn ich ihn als lieb betrachte, ist er lieb. Wenn ich ihn verteufele, ist er ein Teufel. Trotzdem will ich es nicht immer wahrhaben und behaupte lieber, „Zum Teufel!“ Es ist immer besser, dass ich der Opfer bin und jemand draußen falsch ist.

Wenn ich „böse“ Kommentare lese oder höre, bleibe ich auch nicht unberührt – genau so wie von Lob zu hören. In Grunde genommen sind beide Geschichte gleich. Das Zusammenprallen von Fremdbilder und Selbstbilder ist keinem angenehm. Das Einzige, was mir hilft, ist mich an ein altes ägyptisches Bild zu erinnern.

Das Auge wird abgebildet in einem Spiegel. Unten im Spiegel beim Henkel ist mit Papyrus und Lotusblüte verziert. Das Auge ist der Spiegel unserer Seele und ist ebenfalls das Fenster unserer Seele zur Welt. Papyrus bedeutet, grün, frisch und gedeihen und ist das alte ägyptische Symbol von Herzensöffnung. Ganz unten beim Henkel blühen die Lotus – Symbol von Regeneration und Auferstehung. So wie das Gott der Sonne sitzend im Lotus geboren wurde – wird unser Auge im Spiegel jeden Tag neu geboren (wie die Sonne jeden Tag erneut aufgeht), um mit frischen Augen diese Welt zu erkunden.

Das, was wir sehen, ist nicht immer wahr. Das, was nicht gesichtet wird, ist nicht selten wahrhaftig. Wie sehen wir uns, wie sehen wir andere. Was sieht man in seinem Herzen? Wodurch siehst Du den Anderen – siehst Du nicht im Grunde genommen Dich selbst?

Meine Arbeit in Shui Tang ist eine ständig Herzensöffnungsarbeit! Auch wenn es nicht immer gelingt – ich bin nun Mal ein gewöhnlicher Menschen, auch wenn es wie Sisyphus aussieht, sehe ich immer wieder eine kleine Entwicklung, immer ein bisschen tiefer in das Unbewusste und glaube, dass alles sich zum Guten wendet!

Möge das Herz frisch bleiben und durch die ständige Erneuerung Früchte aus unseren inneren Garten tragen.

So weit zu dem Motiv Lianzhu-Kanne aus alter chinesischen Kannen-Kunst!

Tee, Text und Musik von dem Teekonzert am 16.09.2018

https://www.shuitang.ch/blogs/news/teehaus-konzert-eine-schale-tee-zu-den-klangen-der-cellos-1

蓮珠 Lotus-Perle Zhuni Kanne

Lian-Zhu Zhuni Kanne. 蓮珠朱泥壺

Von 張谷良 Zhang, Guliang. 100% per Hand geklopft. Schüler von Jiang, Yongjun蔣雍君

120 ml

Meine innere Schwelle

Ich kann nur Tee für andere Menschen zubereiten, wenn ich an diesen Tee glaube.

Es gibt etwa, was ich als eine Schwelle bezeichnen würde. Ich muss selbst meine Schwelle überwinden.

Was bedeutet denn „glauben“? Ist es eine Wertung? Ich „glaube“ einen Tee, weil er gut ist?

In diesem Sommer üben wir sehr intensiv für unseren Teekonzert und es ist immer eine bereichernde Zeit für meinen Teeweg. Durch das Begleiten von den Teilnehmern komme ich immer tiefer in meinem Innern. Ich beobachte dass manche oft kreative Ideen haben und spannende Vorstellung zum Seinen Gongfu Cha haben, aber vielleicht weil es zu „einfach“ ist, cool zu sein, fällt es plötzlich an Erwartung von eigenem Tee! Man dreht sich um einen Kreis. Dem Teetisch fällt plötzlich an Geschichte.

Dann frage ich mich, wie wäre es mit mir? Es wirkt sich tatsächlich anders bei mir aus. Ich will Veränderung und Experiment. Ich will, dass mein Teetisch nicht zu fassen ist, weil ich mich entwickeln will. Es ist diesmal so. Dann möchte ich beim nächsten Mal anders machen, vielleicht scheitere ich, aber ich habe es versucht.

Weil ich eine innere Schwelle habe, muss ich zuerst an den Tee glauben. An einem Tee glauben, geht es nicht an Demuth vorbei. Demut gibt mir einen Raum, den Tee zuzuhören und sich an ihn anzunähern. Was spricht er zu mir?

Nach vielen Jahren mit Tee im Leben zu leben erkenne ich ein wahres Glück. Mein Glück von meinem Leben ist, dass ich ein gutes Wahrnehmungsvermögen habe. Aber ohne Demut fällt einem schwer die einfache Schönheit des Lebens wahrzunehmen! Demut ist eine Haltung zum Leben, Demut ist der Anfängergeist des Seins.

Ich kann nur den Tee für Gäste zubereiten, an den ich glaube. Früher lerne ich den Tee zu verstehen, an den mein Lehrer glaubt. Ich weiss von Demut. Heute ist mein Lehrer selten mit mir, während ich Lehrer wurde für anderen. Ich lerne, die Notwendigkeit, den Anfängergeist zu pflegen, zu üben, wo ich Demut finden und behalten kann. Manchmal bei Menschen, die mir widerspieln wollen und können, und manchmal durch Scheitern. Scheitern ist ein gutes Stück im Leben!

Die Strassen sind oft bunt, voll und ereignisreich, sind selten der Ort, wo man gerne verweilt. Man passiert. Am Teetisch ist der Ort, wo man bleiben will.

大黑山 Daheishan… Der Tee aus dem grossen schwarzen Berg!

Daheishan, übersetzt heisst er Gross- Schwarz-Berg.

Yu sagte mir, diesen Tee hat er entdeckt, als er tagelang in Mansong bei Yibang auf Tee gewartet hat.

Mit seinen zwei Pflücker dufte er nach Mansong. Es ist heute bei den Bauern auch angekommen, dass das richtige Pflücken die Lebensdauer der Teebäume zusammenhängt. Tagelanges Warten hat sich gelohnt, als er von Daheishan erfuhr.

Der grosse schwarze Berg ist lichtvoller als er dachte. Die Bäume wachsen nicht zu dicht, die Wiese bedeckt von Vegetation. Woher kommt dieser Name?

Vielleicht kommt der Name von dem Tee selbst? Der Tee aus Daheishan hat die typischen blumigen Noten von Yibang Tee, anders als der meisten Yibang-Tee wirkt der Daheishan im Mund breiter und tiefer, als ob der Tee meinen Körper ausdehnen würde. Der Aufguss ist mineralisch und vermittelt uns den Eindruck des steinreichen Bodens in Yibang Berg. Die Tiefe und Breite wirkte wie ein schwarzes Loch in meinem Oberkörper. Es lud ein, hinein zu spazieren – wenn einer bereits ist, die andere Seite vom „Mond“ – Sich selbst, anzuschauen.

Der Wald ist nicht schwarz. Der Tee ist grossartig. Trotz der kleinen dunklen Pfad ins inneren Loch meines Herzens flimmern viel Lichtblicken zwischen den Teeblätter!

停雲 Wenn Wolken stehenbleiben…

Wenn Wolken stehenbleiben, regnet es.

Manchmal regnet es so stark, dass Dich der Weg zu mir behindert.

Wenn der Weg Dich behindert, wird der stehenbleibende Wolke der Ort der Sehbsüchte.

Der Dichter 陶淵明 Tao, Yuanming (364-427) gehört zu den inspirierenden Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte. Sein Stil zu dichten prägt die chinesische Ästhetik seit 10. Jahrhundert. „Ping 平 – alltäglich und zufrieden, Dan 淡 – schlicht und einfach“. Seine Person und sein Werk zeigt ein archetypischen Sehnsucht der chinesischen Kultur, zurück zur Natur und Zufriedenheit in gewollter Armut. Das materielle Mangel ist zu ertragen, während die geistige Entbehrung und Demütigung für ihn nicht zu akzeptieren sind!

Er schrieb im Jahr 391 an einem Frühlingstag, als die Wolken den Himmel seit Tagen bedeckten und der Regen nicht aufhörte.

„Ich sass allein im Osten, trank allein. Mein guter Freund, Du bist weit weg. Ich wartete und wartete. Niemand kam. In meinem Garten kamen bereits zarte Blumen, dessen Duft mich erfrischt. Die Vögel zwischten im östlichen Garten und sie tanzten anmutig. Es gäbe schon Gesellschaft – aber es wäre schön, mit jemandem, der es versteht, gemeinsam den Frühlingstag zu verbringen. Vom Herzen zu Herzen. Vom Geist zu Geist.

Ach, so wie ich mich fühle – traurig. Unerträglich!“

靄靄停雲,濛濛時雨。八表同昏,平路伊阻。靜寄東軒,春醪獨撫。良朋悠邈,搔首延佇。

停雲靄靄,時雨濛濛。八表同昏,平陸成江。有酒有酒,閒飲東窗。願言懷人,舟車靡從。

東園之樹,枝條再榮。競用新好,以怡餘情。人亦有言,日月於征。安得促席,說彼平生。

翩翩飛鳥,息我庭柯。歛翮閒止,好聲缸和。豈無他人,念子實多。願言不獲,抱恨如何。

Der Frühlingsregen befeuchtet die Erde und bringt alles zum Wachsen! Die Natur ist reich. Auf seinen inneren Garten wächst die Fülle. Der Regen begünstigt alles, nur sein Herzen nicht. Trotz des sinnlichen Reichtums ist er allein gelassen!

Tao zog sich zurück aus dem politischen Geschehen und lebte auf dem Land. Oft hatte er nicht genug zu essen. Oft litt er unter körperlichen Schwäche. Trotz der Armut übersah er nicht die Erneuerung der Natur im Frühling. Die Kräfte der Natur erweckte ihn und sein Lebensfreude will geteilt werden! Aber mit wem?

Mit wem teilen wir unser Freude? Mit wem teilen wir die Dinge, die uns berühren?

Die Sehnsüchte des Dichters und seine Frage Beschäftigten nicht nur ihn in China vor 1800 Jahren, sondern auch Menschen in einer anderen Kultur der Moderne. Solange wir Menschen sind, möchten wir verstanden und geliebt werden. Das Nicht-Verstanden-Werden ist an sich ein Schmerz und für meisten Menschen eine Verletzung. Eine Verletzung die wir uns selbst hinzufügen, weil wir Sehnsucht in uns tragen, unseren Gleichen zu begegnen und mit ihm zu teilen. Wenn die Wolken stehenbleiben, begegnen wir im Tiefen den ewigen Schmerzen, wie der Dichter im 4. Jahrhundert, allein in der Schönheit zu zelebrier! Allein zu trinken. Allein die Blumen zu bewundern. Allein mit Vogel zu schwingen.

陸嘉瑤 Lu, Jiayao, geboren 1995, greift das archetypischen Motiv und verwandelt den Schmerz zu einem Werk. Sie gestaltet die Kanne mit viel Anmut, verzichtet schwere Emotion auszudehnen. Aus gelagerten Duani Ton gab sie die Kanne der stehenden Wolken eher dunkele Färbung um ein Hauch der Gefühle aus der Vergangenheit zu vermitteln. Die Wolken und Regen fliessen ineinander. Ist es eher Tropfen aus dem Himmel, oder aus den Augen? Zieht der Wolke dann weiter oder bliebt er?

Manchmal sind bestimmte Menschen ungünstig zu bestimmten Zeiten. Oder die Zeit ungünstig für Manchen. Oft fühlen sich solche Menschen überflüssig in der Welt. Trotzdem können wir nicht aufhören zu atmen, die Schönheit der Natur zu übersehen oder den duftenden Tee nicht zu trinken! Wir müssen trotzdem weiter ausatmen, weiter Tee spielen und weiter gehen – auch wenn die Wolken hier stehenblieben!

Die Kanne hat 200 ml Fassungsvermögen. Schön, allein zu trinken. Auch gut, wenn jemand mittrinkt, den die Wolken nicht behindern können!

老段泥 Duanni Ton, 100% Yixing Original. Künstler Kanne. Von Lu, Jiayao, national Kunsthandwerker in China.

Weltfrieden mit einer Zisha Kanne?

Anschließend von letztem Beitrag.

Was möchte der Künstler Sun durch diese Kanne „Tanz von Drachen und Phönix“ ausdrücken?

Anstatt mit traditionellen tierischen Darstellung von Drachen und Phönix versucht der junge Künstler Sun, Yingbang anhand von fliessenden Linien, auf einer minimalistischen Art den Flug und den Fluss zwischen Drachen und Phönix zu veranschaulichen. Somit enthält der Betrachter viel Raum, um die Bewegung auszumalen. Das ist die moderne Antwort eines jungen Künstlers auf ein durchaus traditionelles Muster. Als Symbol sind Phönix und Drachen in der chinesischen Kultur komplementär und zugleich konkurrierend. Der Drachen ist wechselhaft und verwandelnd – spirituell; der Phönix ist ästhetisch und moralisch – bezaubernd. Der Tanz von beiden Kräfte gleicht den Tanz zwischen Unterschiedlichen Individuen. Es kann widerspiegelnd und ergänzend sein. Wenn der Tanz anfängt, wenn das Eros sichtbar wird, wird es zwischen den Gegensätzen aufbauend und belebend anstatt entzweiend! Sun, Yingbang wünscht den Weltfrieden durch den Ausdruck von der Kanne „Tanz zwischen Drachen und Phönix“ beizutragen!

Somit ist seine Arbeit tatsächlich politisch. Ein Idealist in der Zisha Szene! Siehe auch eine andere Arbeit von ihm „Spuren der Sonne“ als Antwort auf Klimawandel!

„Der Tanz von Drachen und Phönix“ Zisha Kanne

Aus 100% Original Yixing Zini. 330 ml Fassung.

100% per Hand hergestellt.

Künstler:

Sun, Yingbang 孫英棒

Geboren im Jahr 1993.

Hochschulabsolvent vom Fach Design von Keramik an dem Wuxi Institut von Kunst und Technologie.

Mit diesem Kanne „ Tanz von Drachen und Phönix“ gewann er den ersten Preis von 壺中天地紫砂新銳大賽一等獎 Hu Zhong Tian Di Neue Zisha Künstler Wettbewerb im Jahr 2016.