Archiv des Autors: Menglin

Entfalten „綻放 Zhan Fang“ Zisha Kanne

綻放 „Zhan Fang“ – Entfalten/Blühen Yixing Kanne von Künstlerin An Demin 安德敏

Qinghui Duanni Zisha 青灰鍛泥紫砂茶壺

Pflaumen Kanne von Zhang Feng III

Wenn man nicht genügend lang gelebt hat, kann man praktisch nicht eine Pflaumen-Kanne in diesem ewigen Widerspruch „Alt-Scharf“ und „Kalt-Geschmackvoll“gestalten. Junge Künstler müssen mit Nachahmung anfangen und mit Leben lernen.

Die Kunst ist für einen Yixing-Kannekünstler zu leben. Im Leben sammeln sie die Wahrnehmungen und Empfindungen. Wenn das Wahrgenommene und das Empfundene ineinander fließen können, entsteht das Erkenntnis. Mit diesem Erkenntnis praktiziert Zhang Feng wie die meisten Pionier seiner Kunst. 

Alt, krank und trocken sind die Beschreibung über den Pflaumen-Baumstamm. Sie deuten auf das Unangepasste. Das alte, kranke und vertrocknete sind zugleich dazu da, um die blühende zarten Blüten neben dem Stamm zu erzählen. Der blühende Zweig kommt aus der Luft neben dem rauen Rinde. Ätherisch und entzückend. Er markiert den Widerspruch des Seins. 

Auch der Widerspruch geht vorüber. Zhang Feng lässt den Widerspruch nicht unversöhnlich stehen. Er verbindet das Alte und das Zarte, das Verwelkte und das Wachsende und das Leben und den Tod mit einer Zeitlosigkeit. Eine Kanne Tee getrunken um die Zeit zu vergessen. In dieser Zeitlosigkeit betrachtet der Teemensch, die Blumen blühen und verwelken; die Wolken zusammenziehen oder vorbeiziehen; die Höhe des Lebens und ebenfalls die Krise in der Ungewissheit.

Möge jeder Teeliebhaber seine Pflaumen-Kanne begegnen kann.

Zhang Feng, 1979.

Pflaumenkanne, Mei Hu aus Qinghui Duanni. Original Yixing Zisha.

Shui Tang Frühlingsselektion 2020

Frühlingsselektion 2020 | Spring Selection 2020

Und zwei neue schöne Oolongs!

Lishan Dongpian

Alishan Gaoshan Tanbei Ooong

梅壺 Pflaumen Kanne II

Wozu hat Zhang Feng eine Teekanne mit Pflaumenmuster gestaltet?

Ueber Pflaumen als ein kulturelles ästhetisches Symbol in der chinesischen Kultur habe ich bereits vieles geschrieben. Heute möchte ich gerne mehr über die künstlerische Details erzählen.

In der Zisha-Kannenkunst gibt es drei Kategorien: Hua-Qi, Guang-Qi oder Jinwen-Qi. Qi bedeutet hier das Objekt oder das Ding. Jinwen Qi offenbart die Aesthetik der Linien. Guang-Qi. Guang-Qi schätzt man die Proportion des Körpers und Geschmeidigkeit der Oberfläche auf den Hände. Und Hua-Qi, Ein Objekt mit Muster. Warum findet man ein Objekt mit Muster schön?

Diese Frage werde ich sehr oft in Shui Tang gestellt. Viele Klienten mögen Muster auf der Kanne nicht, weil sie angeblich Minimalisten sind.

Wenn man sehr von sich überzeugt, ist es vergebens mit ihnen zu sprechen. Ueber Glauben kann man nicht reden. Man kann höchstens eine Frage höflich zurückstellen, „Sind Sie sicher, dass ein Minimalist Symbole verpönt?“ Wie kann man heute ohne Symbole miteinander kommunizieren? Auch ein Kreis ist ein Symbol.

Der heutige Mensch hat oft eine hohe Meinung von sich selbst. Wenn man einmal in Yunnan war, ist man bereits ein Puer Expert.

Die Linien und die Formen sind zugänglicher im Vergleich mit Symbolen für Menschen aus einer anderen Kultur, zu verstehen. Obwohl wir stets mit Symbolen kommunizieren, verstehen wir oft nicht, was einzelne Symbole in jeweiligem Kontext bedeutet. Weil es schwer zugänglicher ist, ist es einfacher zu ignorieren. Ich gebe zu, ich finde auch nicht immer Zugang zu allen symbolischen Sprache von China und Europa. Aber es fasziniert mich sehr, vor allem unser Psycho kennt keine Grenze und keinen Raum. Im Traum und in der Meditation offenbaren Symbole von der Lebenswelt und leben so in ihren eigenen Rhythmus. Und wenn ich den inneren Weg gehe, das Geschehen um mich und in mir verstehen will, komme ich an der Auseinandersetzung mit Symbolen nicht vorbei.

Pflaumenbaum wurde gerne in der chinesischen Kunst mit „Alt-Scharf“ und „Kalt-Geschmackvoll“ dargestellt. Der von chinesischer Malerei geprägten japanische Maler Rosetsu 長沢芦雪 hat ein ausdrucksstarkes Bild von einem Pflaumenbaum gemalt. Alt, der Stamm fast zerfressen von Insekten, scharf gebogen wächst der Zweig Richtung Himmel. Kalt, farblos wirkt der Baum aufrichtig treu auf der Erde. Ein Geschmack von einem aufrichtigen Menschen!

Das ist die Sprache von einem chinesischen Pflaumenbaum. Ein alter Baum gewinnt durch das lange Leben die Distanz zur phänomenalen Welt. Mit dieser Distanz beobachtet der Baum die Vergänglichkeit und Sentimentalität. So werden die Augen scharfsinnig und kalt mit Geschmack. Unberührt nimmt der Baum Anteil an unser Leben in der Stille. Dieser Widerspruch macht einen Pflaumenbaum liebenswürdig, einem Menschen menschlich und eine Kunst lebendig.

Diese Ästhetik ist gegründet in alter chinesischen Kultur. Alt, das Alte bedeutet nicht das Vergangene oder das Sterbende, sondern das Zeitgefühl über die Zeit. Eine Zeit, die nicht vergänglich ist, die einfach Zeit ist. Dort unterscheidet sich die chinesische Ästhetik zur japanischen Wabi-Sabi. Alles Vergängliche, das bedeutet das Schöne, das Reiche, das Einsame oder das Freie kehren immer wieder zurück zum Null-Punkt – Zeitlosigkeit. Das ist ein Ausdruck zu Ping-Dan – reines Sein.

Vollmond Tee

Der Vollmond im Frühling erweckt in Rückzug geratene Seelen. Ein Rückzug – gezwungen oder nicht gezwungen, isoliert in einer Einzelhaft oder Familieweise. Ich gab zu, dass ich in letzter Woche tatsächlich etwas Zerstörerisches in mir spürte. Ich bildete mir ein, das Geschrei der Toten und Hilferufe der Leidenden in der Meditation zu hören. Ich fragte mich ebenfalls, ob es meins war?

Der Einsiedler Ryokan kehrte zu seinem Hütte zurück und sah, dass der Dieb sein Hab und Gut mitnahm, außer dem Mond am Fenster. Er schrieb zu diesem Ereignis ein Haiku:

le voleur                                   Der Dieb ließ ihn zurück

a tout pris sauf                                  den Mond

la lune a la fenetre                          Im Fenster

Ein Haiku von Ryokan, 1758-1831, japanischer Dichter und Mönch

Mit meinen Tee-Eltern, die inzwischen vor mir die Welt verlassen haben, spielte ich oft unser Chanoyu-Spiel.Wir tranken zu Vollmond, zu Weihnachten und zum Neujhar. Ingrid malte ein Bild als eine Antwort auf das Haiku von Ryokan.

„Wenn ich meine Schale richtig hinstelle, fange ich den Mond in meine Schale ein…“

Der Mond als das Sinnbild der inneren Freiheit prägt das Bewusstsein der chinesischen Kultur. Während wir fixiert sind auf die vermeintliche äußere Freiheit, leiden wir unter der Entbehrung von Gewohnheiten. Ich spreche nicht gegen diese Bewegungsfreiheit und die Gewohnheiten von Selbstverwirklichung. Ich möchte uns bewegen zum Nachdenken über den Sinn der Freiheit. Ist die vermeintliche äußerliche Freiheit höher als das Leben, wenn das Leben in Gefahr geraten ist? Ist das Insistieren von dieser Freiheit der Weg der Befreiung?

Tee ist für mich der Weg zur Befreiung. Hier rede ich von Befreiung des Leiden, der Vorstellung und Zwängen, die wir durch unsere Sozialisation und Entwicklung aufgezwungen und erlernt haben. Ich meine „tatsächlich“ die innere Freiheit, die ich durch den Tee erlebe. In einer Schale Tee, wo der Mond zu Dir und zu mir scheint. 

In der Schweiz haben wir bald 800 Toten und in Taiwan 5 Tote. Als Sars Taiwan heimsuchte, gab es 73 Tote, die Taiwaner Gesellschaft zum Schreien brachte und zur Veränderung brachten. Harmlos reden möchte ich nicht. Ich gestehe meine Angst. Ich bin kein Opfer. Ich möchte gerne den Prozess für gestalten. So werden Projekte in Shui Tang entstehen, was ich in nächsten Tagen hier erzählen werde.

Heute Abend ist ein Vollmond vor den Ostern. Geniesse den Mond, die wahre Freiheit, die zu Dir und zu mir scheint. Fange den Mond ein in Deiner Schale, schauen wir in die wahre Freiheit unserer Seele an. Wir sind wirklich frei, egal wo wir sind.

 

Shui Tang schliesst vorübergehend freiwillig

Genau vor 8 Tagen wettete ich mit Taiwaner Freunde, dass die infizierten Fälle in der Schweiz über 1000 übertreffen werden. Dann werde ich mein Geschäft schließen.

Das ist für mich ein Zeichen dass wir eine ernstnehmende Handlung vorziehen muss um entscheidende Ansteckungskette zu unterbinden! Wenn alle es gemeinsam 14 Tage lange Konsequenz tun, werden wir es schaffen, diese Virus vor unser Tür zu sperren!

Nach dem wir es gemeinsam gemeistert haben, freue ich mich mit Frische, Ideen und Energie mit allen Teefreunde wieder persönlich eine Schale Tee trinken!

Selbstverständlich arbeiten wir online und beliefern unsere Teefreunde per Pakete! Portofrei!

Jutta schrieb mir, weshalb nicht sich per Skype am Teetisch treffen?

Hände baden

Was man heutzutage ständig tun muss, ist Hände waschen. Das wissen die alten Chinese schon.

Das Zeichen „waschen“ besteht aus einem Gefäß und die Hände schwimmen im Gefäß. Das Wort spricht man mit „Guan“ aus. Es ist ein alter literarischer Ausdruck. Hände zu baden tut man vor einer Zeremonie – sei es ein Essensritual, oder religiöse Angelegenheit. Ein schönes Ritual, sich zu reinigen, bevor man eine Schale Tee zubereitet!

Guan „Die Hände Baden“

Ein Kulturvergleich durch Corona

Aus dieser ausbrechenden Krise namens Corona erlebe ich einen Riesen Kulturcrash. Ich fühlte mich oft nicht verstanden von meiner Schweizer Umgebung. Dieses Gefühl teile ich mit fast allen asiatischen Freunden. Oft werden wir als das Kollektiv „ Ihr Asiaten“ bezeichnet, während „wir“ möglicherweise genau dasselbe tun.

Ich beobachte wie Trump hierzulande beschimpft wird, weil er Europa ein NEIN erteilt hat. Anstatt sich als Opfer zu identifizieren finde ich es als eine Riesen Chance! Weil es hat sehr VIEL bewegt seit gestern. Auf einmal melden Zeitungen mit anderen Stimmen und berichten, heute kam sogar ein Artikel in NZZ über Eventuelle Kollapse der Schweizer Krankenhäuser.

Alles Regierenden behaupten sie sind gut vorbereitet. Haben Sie es?

Weshalb hat Deutschland Ausfuhr von medizinischen Artikel in die Schweiz gestoppt und die Schweiz plötzlich keine Schutzmantel und Atemschutzmasken haben?

Lüge.

Was muss ich tun, wenn die Regierenden lügen? Das wurde zu einer interessanten Lektion für mich, wie muss man als ein kleiner Mann oder Frau verhalten, um sich selbst und die kleine Familie zu beschützen?

Hier möchte ich einen Artikeln posten von einem deutschen Journalisten, der in Taiwan lebt, über den Vergleich zwischen Deutschland und Taiwan mit Zeit- Aspekt.

Bei Lesen trinke ich einen Yibang GuoyouLin Gushu. Teetrinken, die Welt betrachten.

Coronavirus: Was Taiwan schneller (und besser?) gemacht hat als Deutschland

Was versteht man als eine Taiwanerin nicht, versteht zum Glück der deutsche Journalist heute in Berlin auch nicht:

Bis heute immer noch keine Gegenmaßnahme auf dem Berliner Flughafen!?