



Ziehende Wolken – 流雲 壺 Liu Yun Hu
Von Ding, Jie 丁傑
Duanni Kanne, 250 ml.
Original 100% per Hand geklopfte Yixing Kanne.




Ziehende Wolken – 流雲 壺 Liu Yun Hu
Von Ding, Jie 丁傑
Duanni Kanne, 250 ml.
Original 100% per Hand geklopfte Yixing Kanne.
Als die Reisegruppe in Taipei Guqin Halle waren, war es für manche die erste Begegnung mit diesem alten Musik-Instrument Guqin. Die Stimme von Guqin wurde als „Wind durch die Kiefernadel“ – Song Feng. Was heisst das? Kann man überhaupt den Wind hören, wenn es nicht ein Orkan ist?
Kann man die Stille hören? Kann man die Stimme einer Hand hören?
Zen Meister Hakuin erzählte eine Geschichte über die Stimme einer Hand. Ein junger Novize wollte Zen studieren und erhielt eine Anweisung über die Stimme einer Hand zu meditieren. Sein Meister sagte ihm, „man weiß, wie zwei Hände klingen. Aber wie eine Hand ertönt, muss Du nun selbst herausfinden.“ Er begann zu meditieren. Zuerst hörte er das Geräusch von Musik. Er dachte, das sei es. Sein Meister sagte, Nein. Das sei Musik gewesen. Er hörte Wasser tropfen und erzählte seinem Meister von seinem Befund. Sein Meister sagte, „Das war Wasser tropfen.“ Er hörte nicht auf und hörte verschiedene Geräusch zum Beispiel Wind, Zikaden Summen oder Regen. Drei Jahren waren vergangen und er bekam immer nur eine Verneinung. Irgendwann gab er auf und sass in der Stille in Zazen. Auf einmal hörte er die Stimme über die Stimme hinaus. Der junge Novize glaubte es verstanden zu haben, „Alle Stimme und Töne sind vergänglich. Nur die Stimme der Stille ist das einzige Beständige in der Unbeständigkeit. Das ist die Stimme einer Hand.“
Vielleicht ist die Stimme einer Hand der Ausgangspunkt eine Reise in die Welt der Stimme. Wenn die Klänge von Wind gehört werden kann, kann auch der Mond aufs Wasser und die Wellen des Herzens wahrgenommen.

Sun, Chao war mutig, seine Ambition diese tiefe Einsicht ins Leben mit einer Teekanne auszudrucken. Die Kanne von oben betrachtet sieht wie Rippeln im See. Wie Herr Tang in Chun Yu von seiner Beziehung zum Tee erzählte, dass Tee wie ein Same ist. Wenn dieser Same ins Wasser geworfen wird, entsteht Wellen und Rippeln. Tee schlägt Welle im Leben. Wir lernen viele Weggefährte durch Tee und unser Erfahrungshorizont wird dadurch erweitert. Unser Leben ist nicht dasselbe wie es einmal war. Diese Darstellung von Sun, Chao ist bildlich erzählend und sinnhaft.
Wenn das Wasser beginnt zu kochen, trage ich meine Kanne zum Teetisch. Der Dampf von kochendem Wasser ruft Nebel hervor. Sein Knopf auf dem Deckel von Kanne lädt mich ein, ihn zu berühren. Diese Berührung durch den Finger gleicht einen Teesamen, die ins Wasser geworfen wird. Es rippelt. Etwas im Herzen öffnet sich. Die Stille kommt empor. Im Tee offenbart die Stimme einer Hand – die Stimme über die Stimme.
Er schrieb zu dieser Kanne Wu Jing Hu “ Der Nebel kreist. Die Hand schwingt kurz den Henkel. Die Finger berührt leicht den Knopf. Es sieht so, als ob unser Finger das Wasser rippeln würde. Die Wellen breiten sich wie eine Blüte sich entfaltet. Die Stille blüht am Ecke meines Herzens.“
Eine junge Frau wählte einen Lebensweg, der sich von vielen anderen unterscheidet, und wahrscheinlich viel einsamer ist – weil sie täglich Tonerde allein klopfen muss.
An, Demin 安德敏 entschied sich für diesen Weg. Sensibel und ideenreich. Verletzlich und mutig. Anders als ihr Lehrer 孫超 Sun, Chao, der sich nicht sehr um Details kümmert und seine Idee durch eine klare Formensprache und einfache Linien zum Ausdruck bringt, will An viel mehr. Ihre Ambition drückt sich aus durch Kombination mit Tonerde, durch Symbolik oder Gestaltung an der Oberfläche. Diese Sprache ist in meinen Augen sehr weiblich.
Alte chinesische Dichter versuchten seine Sentimentalität durch weiblichen Munde zum Ausdruck zu bringen. Warum wollten oder mussten sie als Frauen in der Dichtung tarnen? Weshalb wollten männliche Dichter über Frauen schreiben, um bestimmte Lebensgefühle zu loben? Warum gab es bis zum 11. Jahrhundert in China keine wirkliche weibliche Literatur, die von Frauen über Frauen geschrieben wurden? Was ist zu jener Dynastie passiert, dass weibliche Literatur erst geboren wurde, und solche Ästhetik wie Pingdan (Gelassen, ruhig und rein) und diverse Glasur von himmlischen Farben ans Licht kommen?
Ich war entsetzt in Yilan, als ich erfuhr, dass die Schwester (Meisertin Wu, Dongjin) von dem Meister Wu, Dongyuan wunderbare Teekanne herstellen kann, die mir eigentlich noch besser gefällt, aber ihre Kanne auf dem Sammler-Markt minderwertig gehandelt werden! Ich war so entsetzt und fing an nachzudenken. Was ist los mit dieser Kultur?
Die alten Männer, die wunderes Wissen von der alten chinesischen Kultur besitzen, waren oft unerträglich für mich auf unsere Reise. Ich habe sie nur ausgehalten wegen unserer Gruppe. Weshalb haben sie das Gefühl, dass sie die Mainstream-Kultur repräsentieren können?
Jie gab selbst zu, dass die weibliche Sensibilität der Teekannekunst bereichert. Viele Details und Formensprache sind vorteilhaft durch weibliche Interpretation. Die weiblichen Meisterhänden wissen, wie eine Kanne in denTeeliebhaberhände gehalten werden kann – wie die Körperlinie fliessend durch eine Haltung mit Kanne zum Ausdruck gebracht werden kann!
An wollte mit den beiden Kanne etwas erzählen über 初心 Chu-Xin, der Ursprung, mit dem wir die Welt erkunden. Sie wählte die Birnen Form – Lishi 梨式 für ihre Kanne. Lishi (Birnen-Form) ist entstanden aus der 元 Yuan-Dynastie, als die chinesischen Literaten anfingen, die ganzheitlichen Vorstellung eines Individuum zu thematisieren. Vorher waren sie mehrheitlich geformt für das Beamtentum des Kaiserhofs und in dem Korsett von Konfuzianismus. Diese moderne Vorstellung von fassettenreichen Menschenbild hat mich geprägt, ist aber neu in der chinesischen Kultur. Dass Menschen nicht nach Erfolg und Lob der Gemeinschaft streben muss, widerspiegelt wohl auch in der Popularität Teekultur. 張岱 Zhang, Dai fragte sich in seinen Notizen, weshalb er sich nicht über soziale Anerkennung freuen, oder an wirtschaftlichen Vorteilen haften, sondern an eine Teekanne?

Lishi-Form Teekanne wird von Sammler in chinesischer Kultur als das Basic für das Verständnis des Tees. Und wenn Tee als Quelle des Lebens oder als der Anfang von einer Suche verstanden wird, will die junge Frau, die langsam auf ihrem künstlerischen Weg voranschreitet, sich und ihre Sammler aufmerksam machen – dort ist unser gemeinsamen Anfang – Chu-Xin.
遐想開先德,深惟裕後功,溯源尋故址,肯構飾新工。
Sie schrieb diese Gedichte als das Vorwort, weshalb sie die Kanne so gestalten hat: „In der freien Gedanke verstand ich die alten Tradition. Tief berührt möchte ich es mit all meiner Kräften sie zu beleben. Nach einer langen Suche nach dem Ursprung, nun ist es so weit, es zum Ausdruck zu bringen.“

Mit dieser Kanne wollte sie die Quelle von Yixing Ton symbolisieren. Der Ton von Yixing Kanne entstammt aus der tiefen Erde. Es wurde abgebaut aus alten Mienen. Der Duanni gepaart mit Zini ist einerseits, um die verborgenen Schätze – Tonerde aus Yixing zu veranschaulichen. Andererseits ist um die Verborgenheit von den wesentlichen Charakter der Quelle zu symbolisieren. Zurück zur Quelle geht über das tiefe Eintauchen in die Welt des Yixing.

Die Schwester-Kanne von Su-Yuan zeigt uns eine andere Erzählung von An. Hier geht es direkt um die Quelle des Lebens, die oft wie der Fluss durch die Landschaft fließt und tiefe Spuren hinterlässt. Mit der Zeit verlieren wir seinen Fluss und müssen uns auf den Weg machen, um seine Quelle zu suchen. Der Weg geht über eine Schale Tee!
An wählt hier 緞泥 Duanni, um ihre Inspiration umzusetzen, dabei hat sie körnige Oberfläche gemischt. Das ist eine bewusste Entscheidung, um die Bilder von Erde und von Ursprung zu zeigen. Duanni erhellt das Erscheinungsbild der Kanne. Die Suche nach der Quelle bekommt eine heitere Atmosphäre, anstatt einem schweren Unterfangen.






Duanni Kanne von An, Demin 安德敏。
„Zurück zur Qulle“ Su-Yuan 溯源。

Ein wechselhaftes Wetter vermittelt man ein Gefühl, aufräumen zu müssen. Beim Aufräumen entdeckte ich eine Raku Schale von einem mir unbekannten Künstler Namens 飛鳥 Fliegender Vogel.
Es sollte schwarz sein, ist aber nicht wirklich. Ich ahne fast das Feuer das hinter dem Kulissen lodert! Meine Finger streicheln die Rillen, die wie Wellen durch die Schale durchzieht. Die Finger spüren die Tiefe und Kante. Etwas hebt sich ab und geradeaus unbeirrt! Ich begann zu lachen.
Eine Schale, die eine schwere Seele zu lachen bringt! Fast etwas magisches und einmaliges.
Ich muss einen Platz finden für einen fliegenden Vogel bei mir!


Dieser Orchidee wurde vor Kürzen in einer Wettbewerb Taiwans mit dem Goldpreis ausgezeichnet.
Es handelt sich eben um „Gold“, nicht um die Schönheit. Solche Preise garantiert den steigenden Preis dieser Züchtung. Hinter den Kulissen gibt es viele verwickelnde Geschichte.
Ähnlich beim Tee- Wettbewerb! Deswegen verkaufe ich nie mit Preis gekrönten Tee von Wettbewerb! Mein Lehrer hält gar nichts von dem Preis!
Die nächsten zwei Orchideen werden in dem Zirkel von Orchideen Liebhaber Taiwans als schön empfunden. Es wird gepflegt von einem Orchideen Liebhaber, man nennt ihn auch Meister. Er gewinnt nie irgendeinen Preis. Aber seine Sorten orientieren sich am ehesten an das traditionelle Vorbild. Es handelt sich um das gesamte Erscheinungsbild des Orchideens anstatt die Menge und Grösse der Blüten.



Der letzte Orchdee unterscheidet sich an das von den Japaner gekrönten Orchidee. In Japan legen Jurys viel Wert auf kürzere und runden Sorte und Blüten – Symbol von Harmonie. In Taiwan findet man die Schönheit nicht in runden Blütenblätter, sondern vielleicht um den „Charakter“ und das Gespenstische aus der subtropischen Natur!
John Laroche: „Es gibt bestimmte Orchideen, die einem bestimmten Insekt auf das Genaueste ähneln. So wird das Insekt von der Blume angezogen, sein Doppelgänger, sein Seelenverwandter. Und es wünscht sich nichts sehnlicher als mit ihr Liebe zu machen. Nachdem das Insekt davongeflogen ist, entdeckt es eine weitere seelenverwandte Blume und macht Liebe mit ihr und befruchtet sie damit zugleich. Und weder die Blume noch das Insekt werden je die Tragweite ihres Liebesaktes begreifen. Wie könnten sie auch ahnen, dass diese Welt nur durch ihren kleinen Tanz existiert? Aber so ist es. Indem sie tun, wofür sie auserkoren wurden, geschieht etwas großartiges und prächtiges. So gesehen, zeigen sie uns wie man leben sollte. Dass das einzige Barometer von Bedeutung in unserem Herzen sitzt. Dass man sich, wenn man seine Blume entdeckt hat, von nichts und niemandem abbringen lassen soll.“


Diese Orchideen warten nur auf bestimmte Insekten. Nur ein bestimmtes. Je nach Länge des Rüssels von Falter, die sie anziehen wollen, entwickeln sich eine bestimmte Sorte von Orchideen die genau dazu passende Länge der Tasche von Blütennektar. Genau so. Nicht länger, nicht kürzer. Es hört sich genau so an, wie Laroche – der Orchidee-Dieb behauptet, es sind wie eine Seelenverwandtschaft. Und sie zeigen sogar wie man leben sollte!
Diese Art von Seelenverwandtschaft kann natürlich von Menschen, die sich an materielle Vorteile durch Beziehungen orientieren, nicht verstanden werden. Weshalb sollte man die Einsamkeit aushalten, nur auf dieses Wesen zu warten?
Genau diese Eigenschaft von Orchideen berühren die chinesischen Seelen, vor allem die Literaten und Intellektuellen. Sie fühlten sich angezogen von der Aufrichtigkeit dieses Pflanzen und von der Kompromisslosigkeit der Orchideen-Seele. Es wurde immer erzählt, dass sich Menschen mit großer Vision von Orchideen angezogen fühlen. Weil diese Blumen diese Seele verstehen, weil sie Seelenverwandt sind. Deswegen pflegen bewusst bis heute viele chinesische Charen (Teemenschen) und visionäre Menschen Orchideen, um ihr Ausdauer zu kultivieren, Demut zu üben und um ihren Anfängergeist zu pflegen. Die Erscheinung Orchideens gleicht eine Botschaft, „Verwirkliche Dich! Lebe rein und aufrichtig.“ So bedeuten auch Teatoys mit Orchideen Muster!
Ich finde den passenden Ausdruck nicht, wie man auf Deutsch, dieses Gedanke wiedergibt – ch möchte so nah wie möglich zu mir selbst sein, um mich zu verwirklichen. Um das Tiefste in mir, in dieser Welt entfalten lassen zu können! Damit dieses Gedanke erinnert werden kann, suche ich einen Platz in meinem Leben und in meinem Alltag, um es aufzuheben. Teatoy ist ein guter Ort. Ein Ort des Nicht-Vergessens. Und Gongfu Cha ist ein Praxis des Erinnerns: ich möchte meine Werte bis zum Ende meines Lebens leben.
Ist es nicht eine Illusion, an diese Eigenschaft des Orchideen zu glauben? Ist es nicht lächerlich zu glauben, dass Blumen eine Seele hat? Ist es nicht eine schöne Projektion, was die alten Chinesen mit ihren Blumen machten?
Ja, es ist eine Projektion, eine sehr schöne. Für mich ist es sogar eine Art von mystischer Partizipation! Dank dieser mystischen Partizipation roch ich Poesie in der Luft, ahne das Flattern der Schmetterlinge und höre die Schritte aus der Zukunft.
Ich hoffe, Du kannst die Poesie mitnehmen.
Fortsetzung zu vorherigen Beiträgen über den chinesischen Orchideen-Kult.
Dieser Orchidee gewinnt in diesem Jahr den besten Preis in Japan in seiner Gattung. Als ich dieses Bild bekam, dachte ich nur an das Gedicht von Hu, Lancheng: “ Suiyue Jing Hao, Xianshi Anwen.“ Nicht von den Wellen mitgerissen werden, nur mit Dir die Zeit in Ruhe und Gelassenheit zu erleben und zu erfahren. Als er die Schriftstellerin Zhang, Airin heiratete, versprach er ihr mit diesen Sätzen. Es war eine unsichere und prikäre Zeit, als Japan China in 30er Jahren angreifte. Möge die Zeit in Ruhe und Gelassenheit mit Dir zu verbringen- es war das grösste Liebesversprechen eines Dichters.
Die Ausstrahlung dieses Orchidee ist wie der Wunsch nach einem gelassenen zufriedenen Raum, die Zeit mit eigenem Rhythmus zu erfahren und die Welt aus eigenem Perspektive gestalten zu wollen. Nicht um Zentrum des Geschehens, sondern in der Peripherie des Wirbelsturms.
Das ist auch die Botschaft von Orchideen-Kult.

Im Oolongseminar am 3.3. fragte mich jemand, warum man in der chinesischen Kultur nicht von Kirschblüten spricht. Es gibt einige Gründe und sie hängen mit der Ping-Dan -Ästhetik zusammen.

Schauen wir die Pfirsichblüten an:
Die Blüten wachsen an Zweigen und blühen differenziert. NICHT in Gruppen. Sie blühen eine nach der anderen. Klar und differenziert.

Sehr ähnliche wie bei Pflaumenblüten!
Pflaumenblüte blühen auch nicht in Gruppen. Meistens eher schwach und leise. Sie fallen nicht so leicht, wenn es windet.

Hingegen blühen Kirschblüten stark und in Gruppen und fallen recht rasch ab, wenn es windet.
Aprikose-Blüten blühen ähnlich wie Kirschblüten – in Gruppe, stark und fallen recht schnell ab. Die fallenden Blüten mögen die Sentimentalität hervorrufen und und erzeugen viele Emotionen und Dichtungen. Genau aus diesem Grund bewegen sie auf der Ebene der zyklischen Zeit, wo unser Gemüt von Trauer und Glück hin und her verschoben werden kann. Hingegen bewegt sich die Ping-Dan-Ästhetik auf der Ebene von Wu-Xin (Mushin – Ohne Anhaftung, ohne Illusion) – die Zeit der Ewigkeit: wir pflegen unser Herz wie das klare stille Wasser, egal wie es da draußen windet und regnet. Eine Haltung, die an sich zu arbeiten versucht. Es ist ein Link zu dem Gedicht von Hu, Lancheng: Sueyue Jinghao – die Zeit in Ruhe und Gelassenheit zu erleben.
Außerdem schätzten die alten chinesischen Intellektuellen die Haltung von Nicht-Gefallen-Wollen. Die Blumen, die allein für sich selbst blühen, zu der Menschen sich annähern müssen, werden hoch geehrt. Die hängenden Blüten, die zu einem fallen, wurden weniger gepriesen. Sicher sind solche Beschreibungen eine Projektion der alten Chinesen. Sie widerspiegeln jedoch einem Habitus, wie man sich in dieser Welt bewegen und auftreten sollte! Seine Eigenschaften fasse ich hier kurz zusammen: klare und differenzierte Sprache; am besten unabhängig und suche nicht absichtlich nach der Anerkennung und das ruhige gelassene Leben neben dem Zentrum von den gesellschaftlichen Ereignissen zu führen.
Am Dritten Dritten ist ein Fest mit Pfirsichblüten 上巳節 (桃花節).
Dieses Fest feiert man bereits seit 2000 Jahren (Zhou Dynastie) in China. Am diesen frühlingshaften Tag geht man an den Fluss, wo eine spezielle Priesterin dort Zeremonie für Reinigung und Seelen-Rufen abhielt. An diesen Tag, wenn Pfirsichblüte in vollen Pracht sind, schwingen eine frische fröhliche Energie. Junge unverheiratete Männer und Frauen spazierten dem Fluss entlang und knüpften miteinander einen zarten Band. Das ist eigentlich ein Tag der Liebe. Ein Tag der Pfirsichblüten.
Nach dem Oolongseminar blieben noch Teefreunde in Shui Tang. Wir tranken zusammen noch ein Glas Sake mit Pfirsichblüten. Das Getränk sollte Menschen gesundes und zufriedenes Leben schenken.
Die rosaroten Blüten duften fein und diskret. Im Mund schmeckten sie wie Bittermandel. In einer glücklichen Stimme verabredeten wir uns zu dem richtigen dritten dritten im Mondkalender zu einem Reinigungsritual am Fluss Zürichs zu treffen.








Meine Grossmutter hiess Qing-Pang – Klarer Duft. Wenn ich auf der Strasse in Songshan lief, wusste jeder, dass ich Enkelin von Qing-Pang war. Nicht auf der Strasse essen, stets höflich und mit gradem Rücken, und immer vor den Älteren beugen – war ihr Habitus und war das, was sie von uns verlangte. Jeden Morgen und mittags kochte sie 10 Liefer Baozhong. Diesen Tee brachte mein Vater runter vor der Tür und stellte ihn an der Strasse um den durstigen Passanten zu offerieren.
Sie pflegte und liebte auch Orchideen. Ich sah sie jeden Tag zwischen den Orchideen. Nicht nur sie, auch mein Großvater. Sie liebten Orchideen. Mein Großvater bezahlte Leute, die für ihn in die Bergen gehen, um wilde Orchideen zu suchen. Er selbst ging auch, wenn es ihm gut ging. Wenn er zurückkam, brachte er nicht immer Orchideen zurück, weil man ihn nicht immer finden konnte, aber Kräuter! Ich wusste dann, dass ich eine Woche lange feinen Kräutertee zu trinken hatte! Meine Großmutter süßte ihn mit Kandis-Zucker, weil es so schöne Stimme macht. Schöne Stimme war wichtig für sie. Sie sagte oft zu uns, Menschen mit feiner Stimmen haben Glück.
Meine Mutter verstand all dieses Habitus nicht. Nach dem Tod der Großmutter starben nach und nach die meisten Orchideen. Orchideen haben auch eine Seele? Erkennen sie auch Liebe?
Jahrelang verstand ich nicht, was für eine Kluft zwischen meiner Mutter und meiner Großmutter gab. Ich verstand auch nicht wozu Orchideen. Mit dem Erwachsen werden begreife ich langsam, dass viele Dinge dieser Welt nicht mit Mühe gelernt werden können – denn sie gehören zu einem Habitus, was verinnerlicht werden muss. Meine Mutter hat eine sehr hohe Bildung, aber verstand nicht den Kult. Sie kann es durch Bücher lesen, aber nicht fühlen. Das zu fühlen, was Orchideen einem Menschen ausmacht – eine Seelenverwandtschaft.
Vielleicht hat der Orchidee den Geschmack des Erwachsen-werdens?


S. brachte mir einen Orchidee, der im Vietnam-Krieg als ausgerottet galt und plötzlich im 80er Jahren auftauchte. Dieser Orchidee war und in Taiwan immer noch sehr kostbar, heute bekommt man in Zürich für 20 Sfr. Er lachte, weil die Schweizer ihn nicht kennen, meinte er. „Man verkauft Orchideen in der Schweiz nach der Größe der Töpfen anstatt nach der Seltenheit.“ Aber vielleicht ist die Seltenheit hier anders verstanden! Er nickte seinen Kopf. Er fragte, mich, wie ich diesen Orchidee als schön finde?
Ich finde ihn schön, weil er nicht stark wirkt – nicht hübsch oder fröhlich; weil ich Anmut in ihm erkenne – obwohl er nicht hübsch oder fröhlich wirkt; weil er eine Seele zeigt oder einen Ausdruck macht – er wolle etwas sagen. Ein Pflanzen, das für sich selbst spricht. Nicht so schön wie die Rose. Nicht so fröhlich wie Kirschblüte. Nicht so prächtig wie die Päonie. Wie ein elegantes schwingendes Blatt im Winde, das nicht fällt und nicht flattert. Was für ein Habitus?
Orchideen wirken nicht stark. Sie sind aber sehr stark. Sie sterben sehr langsam. Und wenn sie sterben, zeigen sie es Dir nicht.
Orchideen wachsen sehr langsam. So langsam wie das Wachstum unserer inneren Kraft, die unsere Vision realisieren kann! Sie wachsen nach ihren Rhythmus. Der Mensch, der Orchideen pflegt, lernt Geduld und Vision von Zukunft im Leben zu pflegen. In der alten chinesischen Tradition gehören Orchideen-Kult die Erziehung eines wahrhaftigen „Mannes“. Geduld und Vision gehören zu einer Einheit. Wenn die Vision des Lebens langsam klarer wird, übt man geduldig, um die Chance reifen zu lassen und Momente zu ergreifen. Man hat nicht immer Pech. Man hat ebenfalls nicht immer Glück. Pech oder Glück sind oft Prüfungen, die uns verlangen, nicht aufzugeben.
Orchideen geben selten auf. S. sagte mir, Orchideen geben seinen Leute oft Chance. Ich seufzte, „Oh, wenn man sie erkennen würde!“ „Weiss Du, dass solche Orchideen oft unter einander abmachen, dass nur ein Orchidee an einem bestimmten Platz überleben sollte.“ „Machen sie Suizide? Wie machen sie denn das ab?“ Er schüttelt seinen Kopf, keiner weiß es. Aber es ist so.
Diese Sorten von Orchideen tauchen immer nur einzel auf. Obwohl 10000 fache Samen verstreut werden! Nur ein einziger Orchidee sollte vor unseren Augen erscheinen! Sie wollen nicht mit anderen Orchideen zusammen mischen. Sie wollen ihren eigenen Standort selbst wahren. Was für eine Vision? Was für eine Wille? Was für eine Einstellung – nur für die einzige Schönheit, die eigene Lebenschance aufzugeben? Die Stärke der Seelen-Kraft – wenn ein Orchidee es überhaupt hat, berührt mich. Ich fühle mich verstanden. Ist das, warum sich Teemenschen (Charen) in der alten China von diesen Pflanzen so angezogen fühlten? Oder gar verstanden fühlten?
„Shui Tang ist ein idealer Ort, den Orchidee zu zeigen.“ sagte er. „Vielleicht fühlen die Menschen sich auch angezogen, nicht mehr nach der Größe und Stärke eines Pflanzen (oder Menschen?) als schön oder nicht schön zu beurteilen?“ Sondern nach dem Habitus (das gesamte Erscheinungsbild) und manchmal genau wegen den hässlichen Blüten.