Archiv der Kategorie: Der Teeweg

Xishi Hu im Jahr 2024

Yin Min, Teekannenmeisterin aus Yixing hat neue Kreation vorgestellt! Diesmal mit Tianqingni 天青泥. 180ml.

Xishi Hu von Yin Min Tianqing Ni
Diese Serie beinhaltet drei verschiedene Ton Arten: Duanni, Tianqing und Zhuni

Die Welt komplementär zu verstehen

Nach dem Teekonzert kamen interessierte Menschen zu mir, um meine Texte über Rilkes Musik zu fragen. Man wundert sich über die ehr als melancholische Texte von Rilke über Herbst und Einsamkeit interpretierten Texte, die von mir in einer anderen Öffnung gedeutet wurden. Vor allem die Kombination zwischen Gongfucha und Rilke wirkt frisch.

Teetisch von Benjamin
Teetisch von Anja

Bevor ich die Texte schrieb, hatte ich sehr Mühe die Komplementarität zu verstehen. Wie bedeutet es eigentlich? Erst als ich die Zeilen von Rilke lass, „wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange dauern.“ hatte ich das Gefühl ein wenig über den Tellerrand hinaus zu schauen. Wer kein Haus hat, baut keines mehr, weil die Zeit vorbei ist. Es ist die Zeit das innere Haus zu pflegen und auf das zu zählen, was vorhanden ist. Kein Bedauern von gestern und kein Rückschau auf das, was nicht erreicht ist. Sondern auf die Gemeinschaft zählen, was da ist.

Wer Streit und Uneinigkeit hatte, muss nicht zu lange beim Brüchen bleiben, sondern auf das, was zwischen uns verbunden bleibt. Auf das zu zählen.

Das bedeutet nicht, dass Streit, Uneinigkeit und Hauslosigkeit unwichtig wäre, sondern, zu wissen, dass man Dinge nicht aufeinander reduzieren kann. Sie bedienen sich gegenseitig. Alle notwendige Eigenschaften bilden das Ganzen – das Andere ist wichtig. Diktatur töten das andere. Das ist das Problem. Der Wahn von Gesundheit und Wahrheit kann reflektiert werden. Ich schätze die Formulierung von Schweizer Bezeichnung über alternative Medizin als Komplementäre Medizin sehr. Denn die Schulmedizin und alternative Medizin sind gleichwertig und ergänzen sich gegenseitig.

Darum ist Shui Tang wichtig für Tee. Und ein „typisches“ deutsches Teegeschäft das immer fruchtige Gerüche verstreut auch wichtig. Das andere ist wichtig für uns, für das Zusammenleben und für die eigene Entwicklung.

Rilkes Botschaft ist doppeldeutig. Haus zu bauen – das äussere und das innere – ist wichtig. Wer das innere Haus nicht gepflegt hat, unterstützen andere, die es tun und zählen auf sie, die unsere Sichtweise öffnen können. Wer das äussere Haus nicht gebaut hat, zählen auf die Gemeinschaft – beim Gongfucha ist die Gemeinschaft der Teetisch – die uns unterstützen und halten. Festhalten ohne anzuhalten.

Ich danke sehr, dass die harte Zeit, in der ich mich von meiner Arbeit in Shui Tang zurückgezogen habe, Früchte tragen. Rilke hat meine Sichtweise für Gongfucha erweitert und mein Leben von „engen Gassen“ befreit. Und mein liebes Team und meine Tee-Gemeinschaft haben mich getragen und gehalten. Die Texte werde ich auf der Webseite von Shui Tang unter Teekultur veröffentlichen und man kann dort runterladen oder lesen – es dauert noch ein bisschen…

Mutation im Gongfucha

Seit zwei Monaten arbeite ich an das Konzept von unserem Jubiläumskonzert „Mutation und Gongfucha“. 15 Jahre sind nicht sehr lang für das Berufslebens eines Menschen, aber wohl lang genug für den frischen Wind des Lebens. Ich war inspiriert von den mutierten Teepflanzen, die wir diesmal als Jubiläumstee wählten. Ohne zu ahnen dass Mutation oft negativ vor allem in der Medizin konnotiert wurde.

Oft verwenden wir in der Wissenschaft den Begriff Transformation um einen Entwicklungsprozess zu beschreiben. Poetisch wird der Begriff Wandel oder Verwandlung angewendet. Warum insistiere ich in meinem Text noch das Wort Mutation zu verwenden?

Warum sprechen wir hier über eine Mutation anstatt über eine Transformation oder einen Wandel? In der fernöstlichen Kultur, vor allem im Zen-Buddhismus, versucht man das plötzliche Begreifen einer übergreifenden Sichtweise zu beschreiben. Der „magische“ Moment, in dem ein Mensch – zutiefst berührt – auf einmal eine nicht vorhergesehene neue Erkenntnis erlangt, wird als „Erleuchtung/Wu“ bezeichnet. Doch das ist nicht ein singulärer Moment, sondern er ist hervorgegangen aus einem langen Prozess des Wandels. Im Vergleich dazu veranschaulichen der Begriff Transformation oder der poetische Begriff Wandlung zwar die Entwicklung einer Öffnung zu etwas Anderem, aber das Geschehen des Unerwarteten bringen sie nicht zutreffend zum Ausdruck. Zwar könnte die Bezeichnung Mutation negativ konnotiert werden, sie drückt aber eben gleichzeitig den Prozess der Veränderung und das Eintreten des Unvorhersehbaren aus.

Seit gestern ist die so genannte Winterzeit wieder eingestellt. Der Tag kürzer und die Nacht länger. Ein neues Zyklus beginnt. Mir gefällt wie Duben die Herkunft des Wortes „Wandern“ erklärt: wiederholt wenden, dann: hin und her gehen. Der Anfang ist das Ende, das gleichzeitig wieder der Anfang ankündigt. Ähnlich wie auf den Teetisch. Jeder Aufguss ist jeder neue Anfang. Wiederholt. Aufguss für Aufguss bis der Prozess zu Ende läuft. Jeder Abschied ist zugleich der Anfang der nächsten Zusammenkunft. Auf Wiedersehen.

Notizen zu 15. Jubiläumstee von Shui Tang

Fallen. Und du wirst vom Universum festgehalten!

Als die neuen Puer Lieferung eintraf, steht die Jahreszeit gerade im Wandel: noch paar schöne warme Tage, und dann bringen Regen und Wind auf einen Schlag alles zu Fall. Der schöne Tee aus Yibang und Yiwu überraschen mich mit dieser ausgezeichneten Ernte. Intensiver und aromatischer. Es liegt vielleicht an den Fortschritten des Produzenten und auch amWetter, auch wenn viele andere Gebiete unter Regenmangel litten. 

Der Herbst ist oft ein Synonym von Wandel. Tatsächlich spürte ich einen Wandel in mir als das 15. Jubiläum bewusstwurde. Wohin und wie weiter? Was für Spuren sind bereits hinterlassen? Woher bekomme ich die schöpferische Kraft für den weiteren Weg in den gebundenen Alltag? Gleichzeitig geschehen und geschahen unglaubliche Kriege und leidvolle Entwicklungen in der Aussenwelt. Fallen. Alles fällt.

Das Leben ist ein Mysterium. Ein Mysterium, weil oft die Widersprüche und Gegensätze zwischen Ego und dem Selbst; zwischen aussen und ihnen sich versöhnen oder Auswegegefunden werden müssen. Schöpferisch mit all den Fragen umzugehen ist der Pfad. Aber woher kommt die schöpferische Kraft? Wie kann man das Fallen und das Reifen als eins sehen? Wo ist der Ort, wenn Licht und die Dunkelheit sich treffen? Besteht es nicht eine alte Feindschaft zwischen dem Leben und der grossen Arbeit? (Rilke Requiem 1908) 

Der Dichter Rilke hat uns viele Vorschläge gemacht. In zwei Gedichten «Herbst» hat er uns von der wandelnden Welt erzählt, uns gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die Natur und das Universum das einzig Beständige bleiben. Die Beständigkeit ist das Unbeständige im Leben. Das zu erkennen verbindet uns wieder mit dem Unendlichen und wir werden wieder eins mit Allem. 

In einem anderen Gedicht «Lied» schrieb Rilke, «Auch, in den Armen hab ich sie alle verloren, du nur, du wirst immer wieder geboren: weil ich niemals dich anhielt, halte ich dich fest.» (aus den «Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge».) 
Liebe verbindet uns mit uns selbst, mit anderen Menschen und mit der Welt. Ohne festzuhalten, weil wir die Verbindung unendlich leben, und uns über das selbstbestimmte Leben des Geliebten freuen. Wenn die Liebe gleichzeitig süss schmeckt und Trennung herb adstringiert, dann schmeckt das Leben tatsächlich wie der Tee: süss, herb und facettenreich. Je tiefer wir unsere innere Verbindung zur Welt erforschen und uns auf die Liebe einlassen, desto vielschichtiger wird der innere Diamant geschliffen und scheinen. Bevor der Diamant fertig geschliffen ist, und bevor die Quelle von schöpferischer Kraft integriert wird, brauchen wir alle Unterstützung, wenn der Tag dunkler wird. Die Hilfe kann der Tee, kann die Poesie und die Musik sein. Das Süsse des Tees ist wie die feste Umarmung von Rilkes Sprache: ich halte Dich ganz fest, ohne Dich auf Deinen Weg anzuhalten! 

Und die alte Feindschaft zwischen den zu organisierenden Alltag und dem Werk des Lebens ist die treibende Kraft zur Bewusstseinsmutation!

Meng-Lin Chou, Herbst 2024

Herbsttage, Rilke und Hong Erduo

Gestern trafen wir uns wieder zum üben. Üben für die Teekonzerte am 03.11.2024! Wir sind motiviert und geniessen und gleichzeitig lassen uns von der schöpferischen Prozess quälen. Herbst macht den Menschen nicht einfach. Und das WM von Rennfahrern macht Zürich Geschäften auch nicht einfach. Ärger, Schlappheit und nicht zu Ende neigende Packungen, die mit Tee gefüllt werden müssen machen einen richtig zu schaffen.

Wie könnte ich meine innere Quelle wiederfinden, wenn ich mich selbst zwischen dem Treiben der fallenden Herbstblätter quälen?

Gongfucha hilft. Es hilft, weil es eine Rahmen schafft, Dunkelheit und Licht gleichzeitig wahrzunehmen und die Gegensätze stehen zu lassen. Einen Teetisch zu gestalten ist eins. Tiefe hinein, in den Körper, in den Geist und in den Raum zu gehen und wirken braucht ein Gefäss – ein Raum und Zeit für die Reflektion und Spiegel. Es braucht die Einsamkeit für selbst.

Wir tranken einen mutierten Tee – Hong Erduo. Unser Jubiläumstee 2024! Erstaunlich süss, breit und tief. So treu in seiner wohlwollenden Sanftmut – er verwöhnt uns mit dickflüssigem Tropfen voller Substanz und Eleganz. Ich schmecke Kräuter, Pflaumen, Quitten und Pfirsich. Ich möchte mich mutieren zu einer Bienen in dem Tee versinken, oder zu einem Schmetterlinge werden, zwischen den Blumen tanzen.

Hongerduo – mutierter Teebaum

Könnte ich noch? Bin ich nicht schon im Herbst des Lebens? Doch, wenn der Herr noch zwei südlichere Tage schenken, dann werde ich reifer werden. Mit meiner schöpferischen Kraft fliege ich aus, noch viele Teemenschen begeistern, gemeinsam auf den Teetisch zu sitzen, gemeinsam zu „mutieren„.

Ich schätze die Einsamkeit mit oder ohne Charen (Teemenschen). Weinen, schweigen oder sein. Einsamkeit ist ein Garten, ein Teetisch, ein Gefäss, wo ich meine leise schüchterne Stimme wahrnehmen kann, dass ich mein Ändern lebe. Wenn die Stimme wahrgenommen wird, die Ambivalenz zwischen Leben und Arbeit versöhnt wird, kann eine Heilung geschehen. Dann gehe ich wieder aus meiner Einsamkeit hinaus in die Welt, dessen Blätter zerbrechlich herum liegen und von Winde heimatlos jagen. Meine schöpferische Kraft könnte aus diesen Blätter helfen sich zu einer Tianmu Schale verwandeln! (gestern sammelte ich paar Lindenblätter für Lo Senhao, er sagte mir, nur die Blätter nehmen, die mit deinen Händen gehen wollen)

Der Sommer war sehr gross! Der Hong Erduo ist gross und kann reifen zu einem „schweren“ Tee!

„Herr, es ist die Zeit. Der Sommer war sehr gross.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,

und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiel den letzten Früchten, voll zu sein;

Gibt ihnen noch zwei südlichere Tage,

dränge sie zur Vollendung hin und jage

die letzte Süsse in den Schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.

Wer jetzt allein ist, wird es lange blieben,

wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben

und wird in den Alleen hin und her

unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.“ ( Rilke, Herbsttag 1902)

Butterfly

Hong Erduo Yibang Gushu

Als ich hörte dass dieser Jubiläumstee im Zoll verschwand, war ich geschockt. Das ist ein sehr wichtiger Tee für Shui Tang 2024!

Ich freue mich sehr, als Yu mir heute sagte dass der Tee im Zoll gewunden wurde und nun unterwegs zu mir kommt! Ich zünde heute morgen ein Räucherwerk und wünsche die Reise des Tees ohne Probleme!

Hong Erduo Gushu ist eine Mutation von Yibang Tee. Die Blätter sind zart Purpur farbig in den ersten Wachstumsstadion. Ausgesucht, per Hand gepflügt und schonend produziert!

15 Jahre Shui Tang – es gibt zu feiern und zu reflektieren. Wie bekommt der Ort Shui Tang und wie erhalte ich neuen Impuls um sich zu erneuern um weiter zu gehen? Vielleicht liegt die Antwort im Tee, dessen Blätter so schön tanzt im Winde wie ein Butterfly der sich nach dem Rhythmus der Natue folgt und immer bereit ist, mit der Energie zu gehen, Neuerung zu wagen. Ins Cocoon zu legen, auszubrechen und das Leben zu bejahen.

Hong Erduo Longzhu 5 g

Ahornblatt im Wind

Tianmu Schale von Lo Senhao

Am einen sommerlichen Abend, als das Licht zwischen Ahorn Blätter vor meinem Fenster durchleuchtet, entstand das Bild.

Das äußere Ahornblatt flatterte im Wind und tanzte im Licht. Der Fotograf fang das Licht auf und gab der Schale sein Licht seiner Augen.

Das kristallisierte Ahornblatt schien gut erholt von Winterschlaf. Es flatterte leicht im Winde aus dem Universum und suchte die Lichtwelle und bereitete sich auf der nächsten Reise?!

Ich sehe die Rillen durch Drehscheiben in dieser Schale, als ob es die ständigen Kreislaufen des Lebens wäre. Das Blatt will frei sein. Die Rillen können seine Lebendigkeit nicht hindern aufzubrechen.

Wohin? Dorthin wo der Wind weht.

Sanpianfang und Zhuni Kanne

Sanpianfang hat seit jenem Nachmittags eine Bedeutung für mich. Der Tee hat eine prickelnde Zauberkraft, die einen ermutigt an selbst zu glauben. Dieser Effekt erlebte ich zum ersten Mal bei einer Zhuni Kanne von Zhang Guliang. Bei zweitem Mal trank ich den Tee mit einer Sun Chao Zini Kanne. Auf einmal ist der Tee ein Muye Tianmu Schale von Lo Senhao. Das Blatt liegt sanftmütig entspannt in einem Universum. Wohin, woher und wie – unbedeutend.

Das Prickelnde versteckte sich hinter dem balsamierenden Aufguss. Die Kraft, die einen bewegt, einen schubst, einen hinterfragt- warum, wurde zu einem Raum oder ein Gefäss – sowohl als auch- kommst Du? Kommst Du nicht – Deine Freiheit.

Ich schätze die Möglichkeit Tee zu spielen. Jedesmal wenn ich den Gongfucha Tisch neu gestalten möchte, versuche ich ein Flow in mir zu spüren. Jedesmal neu. Jedesmal eine neues Mood, eine neue Perspektive zu „spüren“. Was ich letztes Jahr machen würde, ist jetzt vorbei. Das Flow ist anders geworden. Manchmal bei Gongfucha Kurs Übung versucht man den Teetisch zu fotographieren, damit man bei nächstem Mal wieder von Dort anfangen kann. Das ist keine schlechte Idee. Jedoch nicht mein Zugang. Weil es ein „Geschmack“ gibt beim einen Teetisch, den man erzählen möchte. Mein momentanes Flow wird mir helfen diesen Geschmack neu zu interpretieren. Somit kann jede Übung einen neuen Schritt bedeuten. Darum ist es viel wichtiger den „Geschmack“ (oder narrative) zu verstehen, zu behalten und reflektieren, dann durch Selbstbeobachtung das eigene Flow (oder eigenes Rythmus) zu begreifen. Beides zusammen gibt es eine immer selbsterneuernde Kraft in einem Tee. Und vielleicht kann man dann diese Kraft in seinem Alltag umsetzen. Das kann eine Bewusstseinsmutation bedeuten!

Diesen sanften Geschmack des Sanpianfang aus einer Zini Kanne bereicherte meine Erfahrung von diesem tollen Tee. Yu sagte, der Tee sei nicht bekannt. Viel zu günstig für diese Qualität. Das stimmt wirklich. Ich habe gleich eine kleine Nachschub bestellt, denn ich weiss, dass dieser Tee 2025 noch teuerer wird. Der 2025 Sanpianfang wird vielleicht anders sein. Aber ich bin überzeugt, dass die prickelnde Seite dieses Tee macht ihm unverwechselbar.

Luode, rot bezeichnet in dieser Landkarte, ist anders als ein Han-Chinesisches Dorf, das früher von einem feudalistischen System des Einheimischen regiert wurde. Der Teegraten grenzte von Mangong /Yibang und Mannai/Yiwu. Während Yibang wegen ethnischen Konflikten und Kriegen seinen Teegarten nicht bewahren kann, bleibt der Teegarten in Luode recht gut erhalten.