Exotik, Erotik und dann?

Monte Verita Teegarten

Der Teegarten in Monte Verita

Teegarten in Monte Verita, ein ambitioniertes schweizer Projekt im eigenen Boden Tee herstellen zu wollen? Ein kleiner Fläche, wo Teepflanzen aus Japan eingeführt wurden und hier ihre neue Heimat gefunden hat, kann als Mustergarten dienen, allerdings nur beschränkte Produktion liefern. Drogist Peter Oppliger führte uns durch sein großartiges Projekt.

Die Gäste sehen zuerst zwei japanische Laternen vor dem Garten. Die Kodes deuten auf das Betreten des anderen fremden Reichs. Ein Holztor, das asiatisch aussieht, ergänzt wunderbar zu den Laternen. Selbst wenn die Gäste die Teepflanzen noch nicht erkannt hätten, hätten sie verstanden, dass hier irgendetwas mit Asien zu tun hat. Durch die Treppen gehen wir hinauf. Pass gut auf, hier ist die berühmte Steinlandschaft aus der Zen-Tradition! Wer unaufmerksam ist und nicht bei sich bleibt – z. B. wie ich – trete gleich ins „Meer“ (Sand) der im Regen versunkenen Steinlandschaft. Neben der Steinlandschaft steht ein Holzpavillon, was als Warteraum der Gäste zum Tee fungieren sollte.

Anschliessend besichtigten wir das Teehaus, das noch auf die Fertigstellung wartet. Darum suchte ich vergeblich nach Tokonoma (das Ort, wo der Gastgeber selbst mittels eine Hängerolle oder Blumen zum Anlass zur Sprache kommt) – überhaupt der wichtigste Platz im Teeraum und Warteraum! Anscheinend wird es später nur 3 Tatami-Matten geben, wo die Gäste wohl auf der Bank sitzen und zuschauen. Das Konzept verläuft nach dem Vorbild des Schauspiels. Der Gastgeber, der die Tee-Zubereitung als Performanz vor den Gästen vorführt, ist nicht mehr der Gastgeber, sondern der Schauspieler. Diese Phänomene können wir überall in großen Städten beobachten, wo Teezeremonie vorgeführt wurde.

Anwesende Teegäste bewunderten die schöne Kimono, die zarte Bewegung und überhaupt die fremdartige anmutige japanische Schönheit. Szenerie von der Usucha Zeremonie (dünner Tee) wurden vorgeführt. Herr Oppliger erzählte uns, dass man während des Verlaufs schweigen muss. Das hilft wohl uns auf das Geschehen zu konzentrieren.

Meine Teelehrerin Nojiri Sensei verlangte uns immer wieder, dass wir während der Teezubereitung auf Gäste eingehen und gleichzeitig auf den Tee konzentrieren müssen. In einer Usucha Zeremonie, die dort Szeneweise aufgeführt wurde, herrschte eine heitere Stimmung. Gäste und Gastgeber unterhalten sich und lachen. Die Kunst besteht in dem offenen Geist des Teilnehmenden. Man unterhält sich und zugleich konzentriert. Gäste und Gastgeber vergessen nicht, was sie tun sollen und zugleich die Atmosphäre zu genießen. Teezeremonie ist jenseits von Ernt und strengen Regel, sondern mitten im Leben!

Mich beeindruckt von der europäischen Zuneigung zu Asien immer wieder. Chinoserie und Japonismus sind nach wie vor im Trend! Die postmoderne Entwicklung, in der man alle kulturellen Elemente zusammenmischt und die tatsächliche Hybridität als Legitimation des kulturellen Austauschs argumentiert, könnte man bei New Age Bewegung, kulinarische Kochbüchern und auch hier beobachten. Man kann nicht ohne eigene Brille die Welt betrachten. Der Orientalist, den Said in dem postkolonialen Diskurs verewigte, ist immer noch präsent. Der Orientalist sieht das Orient im Spiegelbild der Okzident… Die jungsten Bespiele sind der Film „Geischa“ und Mohamed Karrikatur (ich habe bereits darüber kommentiert).

Das Vereinnahmen der fremden Kultur und das Fremde zum eigenen Zweck zu verwandeln sind im Kulturaustausch nicht neu. Die Frage ist, wohin die Teekultur in der Schweiz geht? Sich an einem unvollständigen japanischen Vorbild orientieren? Japanische „Folklore“ im schweizer Boden aufzubauen wäre ein Beitrag zur schweizer Teekultur?

Das Münchener japanische Teehaus Kan Sho An, der von Urasenke-Schule gestiftet wurde, könnte allen schweizer Teeliebhaber zum Nachdenken bringen!

Kan Sho An in München

Kan Sho An in München. Der Teeraum im Winter mit Ro.

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