Archiv für den Tag 09/05/2006

Die goldene Maus und das Tee Blog

Heute erhalte ich ein Email von Herrn Frei und das Blog Tee Erleben sei zu vier besten Kulturblogs in der Schweiz nominiert. Mein Mund war offen und wusste nicht, wie ich ihn schliessen sollte…

Mein Blog ist eins von den vier nominierten Kulturblogs in der Schweiz? Wie kommt es dazu, dass die schweizer Medien ein Blog von einem Ausländer auszeichnen? Passt diese Tatsache überhaupt noch zu dem Portotyp von der Schweiz? Wie könnte ein Schlitzauge ein gutes deutsches Kulturblog schreiben? Meine Sprache ist oft fehlerhaft und stilistisch problematisch. Haben die Jurys sich geirrt?

Die Schweiz pflegt gerne sein Imgae mit seiner Ethnizität: das Heidi Land, Jungfraujoch und Appenzeller Käse. Wenn man nur die Werbungen der schweizer Tourismusbüro betrachtet, würde man die Realität übersehen, dass mehr als 20% der schweizer Bevölkerung Ausländer sind. Die Schweiz, ein einstiges Bauerland, ein einstiger humanitärer Zufluchtsort für Asylsuchende und Flüchtlinge, ist heute eine pluralistische Gesellschaft geworden. Multikulturell redet man gerne, dominiert wird sie jedoch von den christlichen und europäischen aufklärischen Werten. Die schweizer Gesellschaft ist pluralistisch, weil man verschiedene Ethnizitäten und kulturelle Prägungen im Alltag beobachten kann. Dies drückt sich gerne durch das Kulinarische, Künstlerische und Modische aus. Exoterisch ist trend, ist in. Aber bedeutet das Äußerliche Pluralistische wirklich die innere Veränderung und Reflexion? Ich denke, das Phänomen des „Blochers“ und seiner Anhängerschaft zeigt die Ambivalenz dieser Gesellschaft, die mit zunehmmender Wechselbeziehung zwischen Fremdbild – wie sieht die Schweiz aus im Auge des Fremden und Selbstbild – wie sehen die Schweiz sich selbst – nachdenken muss.

Meine Schweizer Fremderfahrungen fingen vor 6 Jahren an, als ich meinen „Lebensabschnittsgefährte“ kennenlernte. Seitdem bin ich Pendler zwischen EU und der Schweiz, zwischen der deutschen und schweizerischen Kultur und zwischen den mitteleuropäischen und chinesischen-taiwanesischen Selbstverständnisse. Taiwan ist eine kleine Insel, die ursprünglich zu niemanden gehört. Später wurde sie von verschiedener Herrschaften als Territorium erklärt. Viele Menschen in dieser Insel sehnen sich nach der Selbstständigkeit, die ihnen ermöglicht, endlich sich selbst über ihr eigenes Schicksal entscheiden könnte. Die Schweiz als ein unabhängiges und freies Land, das einst unter verschiedenen Herrschaften lit und sich befreite, war ein Ideal für viele meiner Landleute. Es war ein Idealismus vieler gesellschaftlichen Bewegungen in meiner Studentenzeit, Taiwan zu einem asiatischen Schweiz aufzubauen. Diese Sehnsucht, eine Schweiz auf einer Pazifik-Insel aufzubauen, wird wohl den Schweizer unvorstellbar…

Ich möchte mich hier bedanken, dass dieses Tee Blog nominiert wurde. Daß eine kritische Fremdperspektive über die hiessige Gesellschaft von den schweizer Medien aufgenommen werden kann, zeigt die Offenheit und Toleranz der schweizer Gesellschaft. Ein Prozess des gegenseitigen Lernens. Ich freue mich sehr, dass wir alle daran beteiligt sind!