Archiv für den Tag 01/05/2006

Hochland Oolong Alishan 阿里山 und das Volk Zou 鄒族

Jedes Kind in Taiwan kennt die Geschichte der Kopfjäger „Zou“鄒族 und dem Held „Wu Feng吳鳳“. Das Volk Zou lebte ursprünglich in der Ebene Südtaiwan bevor die Portugiesen die „Bella Formosa“ entdeckten. Als immer mehr Han Chinesen 漢人nach Taiwan einwanderten, als das Volk Zou immer mehr Kämpfe um den Lebensraum auf der Ebene verlor, zogen sie sich zurück in die Bergen, wo heute Alishan genannt wird. Das Volk Zou, das einst das Gebiet dominierte, zählt heute knappt 6000 „Überlebende“ in Alishan, während die früheren Feind Han Chinese knappt 10000 sind.
Sie waren angeblich Kopfjäger und waren barbarisch, ungehorsam und unzivilisiert. Sie waren zu befurchten. Es wurde erzählt, dass ein Han Chinese Wu Feng, die Vertrauensperson zwischen den beiden verfeindeten Völkern war, versuchte, die Kopfjäger zu zivilisierten Menschen zu erziehen. Er wollte die Zous die barbarische Tat aufgeben. Eines Tages verkleidet er sich in einem roten Mantel und ritt langsam auf einem Pferde auf den Weg des Kopfjägers. Er wurde als Beutel gejagt und starb vor Augen seiner Zou Freunden. In unserer Schule wurden wir erzählt, dass das Volk entsetzt war und um seinen Tod weinte. Seitdem gaben sie die Kopfjäger-Sitten auf und wurde zivilisiert. Das war der Mythos der chinesischen Obrigkeit. Das Volk Zou hat nie ein Wort dagegen gesprochen…
Heute ist Alishan nicht mehr berühmt wegen seinen barbarischen Kopfjäger, sondern berühmt durch seine traumhafte Natur und Hochlandoolong! Dieser Oolong hat den gesuchten Hochland Qi und zeigt uns eine unverwechselbare Lebendigkeit in Aroma und im Geschmack. Ich habe ihn lieber als der von Lishan. Weil er seinen Ruhm geniesst, nicht wegen seiner Hohe über den Meersspiegel, sondern seinem Wesen!
Touristen, Teehändler und Teegeschäft prägen den wirtschaftliche Alltag im Dorf und bringen Geld ins Alishan, was leider an dem Zou Volk vorbei läuft. Das Zou in unseren Augen der Han Chinesen ist faul, unberechenbar und blöd! Sie machen ihren Laden auf, wenn sie gut drauf sind. Sie denken unwirtschaftlich und gehen gerne in die Kirche. Wenn sie fremde Besucher haben, geben sie alles, egal wie es morgen geht! Die interkulturelle Wahrnehmung ist so verschieden und so verzerrt, dass man nicht weiss, spricht man über den Anderen oder verrät über sich selbst. Im Grund genommen geht es darum, wer darf über wen sprechen und definieren.
Das Volk Zou ist ein mit sich zufriedenes Volk. Sie sind nicht strebsam, nicht kompliziert und lebten in einer Welt ohne Geld und Zahlen. Seit sie mit Holländer und Chinesen fremde Erfahrungen sammelten, wussten sie, dass ihre Welt für immer verändert wurde. Sie wanderten weiter in die tieferen Berge, um die verlorene Welt wieder zu finden. Aber die Jesuiten und Christen kamen und später gefolgt von Chinesen und Japanern. Sie wechselten ihre Religion zu Christentum, um gegen andere Fremde – die buddhistische oder taoistische Chinesen strategisch Widerstand zu leisten. Nun stehen überall die Kirchen auf den besten Dorfplatz, während ihr Nachkommen städtische Nomaden zwischen Baustelle und Bordell wurden. Ihr Land wurde nun Teegärten für Formosa Oolong.
Kopfjäger

Für mich ist Alishan für immer mit dem Kopfjäger assoziiert. Das Kopfjäger Volk, das eigentlich keins war, schwieg heute weiter. Aber über sein Lebensfreude und Optimismus erzählt ihr Hochlandoolong uns immer wieder!
In die Schule