Archiv für den Tag 17/05/2006

Was ist ein guter Tee?

Was ist ein guter Tee?
Ich stelle mir oft diese Frage, was ein guter Tee ist. Natürlich meine ich nicht einen teueren Tee. Die Vorstellung einen guten Tee, ist vom Geschmack zum Geschmack unterschiedlich. Über die individuelle Empfindung möchte ich nicht sprechen, sondern über die objektiven Bedingungen, die jeder Teeliebhaber selbst nachvollziehen könnte.
Zuerst fragt man sich, was für einen Tee er ist. Wenn man einen grünen Tee kauft, möchte man wohl nicht einen weißen Tee von einem Händler verwechselt werden, oder? Wenn man einen Oolong trinkt, möchte man einen typischen Oolong in seinem typischen Geschmack genießen, nicht gerade einen grasigen Sud wie einen Sencha. Tee in seinen eigenen Geschmack kennen zu lernen ist wohl der erste Schritt, den ein Teeliebhaber beschreitet.

Ein Parma Schinken ist ein Parma Schinken, obwohl Sierra Serano ebenfalls ein sehr feines Fleisch ist, ist es eben kein Parma Schicken. Grünkohl oder Federkohl ist ebenfalls anders als roter Kohl, obwohl sie alle Kohl heißen. Der Teebauer könnte zwar mit seinen vertrauten vielleicht eigenen „Geheimnissen“ dem Tee einen eigenen Geschmack prägen, ein Oolong ist trotzdem ein Oolong. Wenn man zu jungen zarten Blätter beim Oolong pflückt, um einen schönen Kugelform zu formen, verliert dieser Oolong seinen ursprünglichen Charakter. Es wäre in diesem Fall zu empfehlen, dass Teebauer lieber von Anfang an, Gunpowder (grüner Tee aus China, er hat kugelige Form) herzustellen, als ein Oolong, der nicht mehr Oolong ist.

Wenn man einen Tee kauft, wäre es ratsam, sich zuerst zu fragen, schmeckt dieser Tee auch so wie er schmecken soll? Ein chinesischer Grüntee schmeckt erfrischend und je nach Sorten und Machart oft blumig oder nüssig. Ein Sencha und Gyokuro ist bekannt für seinen grasigen Geschmack, der uns manchmal an Algen im prickelnden Meer erinnert. Sie sollen dunkelgrün leuchten, nicht gelb oder apfelgrün. Die Form ist in sehr feiner streifiger Form. Ein Matcha muss eine leuchtende grüne Farbe sein. Er schäumt gut und schmeckt zwar herb, hinterlässt beim Abgang einen lieblichen Geschmack.
Ein Oolong schmeckt blumig oder fruchtig, je nach Fermentationsgrad. Ein wirklicher Hochlandoolong zeigt dickere Blätter und eine spezielle frische Aroma. Ein leichter süßer Tabak oder Karamell Geschmack deuten auf die Röstung. Ein guter dunkler Tie Guanyin sollte trotz der Röstung dunkelgrüne Farbe im nassen Blatt aufweisen. Ansonsten bedeutet eine zu starke unerfahrene Röstung. Ein gelagerter Pu Er schmeckt zwar alt, aber sanft, uneindringlich und geschmeidig. Die Blätter sind zwar dunkel, aber öffnen sich leicht und elastisch. Ein gelagerter Oolong schmeckt nach Pflaumen, die Blätter sollten nicht grünlich sein, aber auch nicht unelastisch schwarz. Teetaster Chen sagte mir, die Kriterien ein alter Oolong zu beurteilen ist ähnlich wie bei einem alten Rotwein.

Maschinell geschnittener Tee ist manchmal vorteilhafter, weil sie meistens nur in den besten Stunde der Pflückzeit eingesetzt wird.

Ich bin auf dem Teeweg immer noch ein Anfänger, der stets sich hinterfragen muss und lernen muss. Einen guten Lehrer zu haben gleicht wie mit Aufzug zu fahren. Der andere Weg selbst zu studieren, ist verbunden viel mit Preisgeld zu bezahlen. Ich gebe zu, dass ich beim Teeeinkauf oft betrogen wurde. Jetzt auch immer wieder, aber immer weniger. Das ist auch der Grund, weshalb ich dieses Blog schreiben möchte. Die Fehler und die Preise, die ich gemacht und bezahlt habe, müssen andere Teeliebhaber nicht wieder bezahlen und machen. Der Teemarkt in Europa ist unübersichtlich. Für einen Konsument, sich zu orientieren, ist das Wissen über Tee – seinen typischen Geschmack und seinen Herstellungsprozess erforderlich!

Teegeist, Anfängergeist. Neugier und Sensibilität sind zwei Schlüssel für den Teeweg.