Archiv der Kategorie: Der Teeweg

Teegespräch über die Reise nach Tokoname und weitere Veranstaltungen von Shui Tang

Teegespräch mit Meng-Lin Chou: Japanische Keramik aus der Gegend von Nagoya. Meng-Lin reist nach Japan und besucht Gegenden, die für die japanische Teekeramik und -kultur von grosser Bedeutung sind.

Zudem plant Shui Tang eine im oktober 25 Ausstellung zu Tenmoku mit Lo Senhao, Juwelier Weinbeck (Schmuck) und Neil Webb (Fotografie). Zudem erscheint im magazin Spuren im April 2025 ein beitag mit Tenmoku-Poesie von Meng-Lin Chou und Fotografien von Neil Webb.
Weiteres im Teegespräch und auf der Website.
https://www.shuitang.ch/blogs/pu-er-und-gelagerter-tee

Foto von Neil Webb: Tenmoku Schale

Ein einziger Funke kann einen Präriebrand auslösen

Heute Morgen bekam ich ein Email das mich berührt. So spüre ich Kraft von Tee und Kunst. Sie bringen Menschen zu zusammen und die gute Energie könnte etwas bewegen!

In Taiwan beschrieben wir die Kraft von solchen Phänomenen als „Ein einziger Funke kann einen Präriebrand auslösen“. Wir könnten lernen als einziger kleiner Mensch unsere Kraft nicht zu unterschätzen!

Liebe Meng-Lin Chou

Regelmässig bekomme ich Ihren Newsletter und trinke Ihre wundervollen Tees. 
Nach jedem Newsletter sinne ich über Ihre Worte nach, da sie mich oft leise berühren. 

Heute morgen bekam ich Ihren Newsletter mit dem Titel „Ausflug“ und ich dachte daran, dass ich in der letzen Zeit viel weniger Tee getrunken habe. Das machte mich traurig und doch konnte ich mich nicht entschließen einen Tee zu machen. 
Dann fing ich an zu schreiben. Ich hoffe Sie verzeihen mir, dass ich die persönlichen Worte gerne mit Ihnen teilen möchte. 

Mit herzlichen Grüßen, S. H.

Der Tee zeigt mir auf wer ich bin. 
Er weist mich schelmisch darauf hin,- darauf es richtig machen zu wollen. 
Es nur zu machen, wenn es richtig ist und ansonsten still zu stehen. 
Nicht im meditativen Sinne still stehen, 
sondern die Luft anzuhalten, 
in einem vollen, leeren Raum. 
Zu warten. 
Zu warten, dass es richtig wird. 
Die richtige Schale, die ich natürlich als richtig erkennen werde.  
Die richtige Stimmung, 
körperlich sowie geistig. 
Diese eine Stimmung, die allerdings vergessen hat, was richtig bedeutet
oder es nie wußte.  
Dann der richtige Tee, aber nicht den wertvollen, 
auch nicht den grünen, denn es ist Winter. 
Er muss richtig schmecken, 
ich, muss ihn richtig schmecken. 
Nicht banal, denn banal enttäuscht.
Dann darf es auch nicht zuviel Umstände machen, 
nicht zu viel Geschirr verbrauchen, 
ach, und das gute Geschirr bitte sowieso nicht. 
Was passiert?
Den Tee werde ich wohl morgen trinken, 
heute ist es zu anstrengend richtig zu sein. 
Lieber morgen
oder übermorgen. 
Der Tee zeigt mir deutlich wer ich bin. 

Ausflug

Mit Vito, Sol und Simon fuhren wir ins blauen. Vito ist zwei Jahren alt und wusste sehr gut seinen Vater um den Finger zu wickeln. Er ging immer seinen eigenen Weg und interessierte sich nicht für den Zugplan oder weitere Abläufe der Reise. Er schaute die Wolken an, trank seinen Tee und dreht in die Richtung die ihm anzog.

Was für ein Glück hat ein Kind, unbeschwert in seine eigenen Welt bleiben kann, seine Ameisen auf der Strasse zu zählen, seinem Wolken in den Himmel zu lesen und seinen Hunger wahrzunehmen und zu schreiben. Ob es einen Sinn macht, ob er etwas dafür belohnt werden kann? Er kennt den Unterschied zwischen leeren Händen oder gefüllten Einhorn noch nicht. Er folgt nur seiner Idee, „ich gehe dorthin.“

Ich habe schon lange diese Leichtigkeit und Unschuld verloren. Ich unterdrücke meinen Hunger, wenn er gerade nicht passt. Ich wähle die Richtung, die angeblich mich weiterbringt. Ich zähle die Wolken nicht, sondern schimpfe über die Traumtänzer.

Seit paar Wochen beschäftige ich mich mit der Tenmuku Photographie. Die Bilder regen an Poesie zu schreiben. Inspiriert von diesem Ausflug, schrieb ich ein paar Zeile zu Hause. Und das Bild von Tenmuku Schale, vermittelt mir genau die Vorstellung des Orten des Windes. Vito lebt noch dort, er lässt sich jeden Tag dorthin tragen, wo Schnee zu Blumen wird. Ich wachte heute mit starker Müdigkeit auf, als der weisse Schnee die Dächer in Zürich bedeckte. Ich sah keinen Blumen, sondern meinen dicken Pullover.

Trotzdem weiss ich, wie ich den Wind rufen kann: in meiner Tenmuku Schale, in dem Duft meines Tees und hier, wo ich Dich begegne.

Vielleicht werde ich mit leeren Händen oder Enttäuschung konfrontiert, egal – wenn der Schnee zu Blumen wird – es wird auch Wunder erscheinen, überall.

Photography by Neil Webb

Begegnung

Dich zu begegnen habe ich all mein Glück im Leben eingesetzt. 

Eine Einbahnstraße ohne Rückflugticket 

Wie ein Vogel warte ich auf den Wind 

Der wird mich dorthin tragen, wo das Licht endlos weitet. 

Der Schnee wird zu Blumen, 

Der Holzweg ist ein Ausflug 

Im Dunkel ist alles der Gegenwart 

Ich sehne mich nach einer Schale Tee, 

Ein heisses Tropfen hängen noch an Deine Lippen

Im Licht weht der Wind

Regen wird zu Tau 

Wolken zum Traum

Dankend auf dem Abweg mit leeren Hände – mein Weg

Kato Touzaburou

Auf meiner Reise nach Mino 美濃 entdeckte ich die Ofukai 御深井 Keramik.
Dort konnte ich paar Keramik nicht loslassen. Eine Tasse von der Familie Touzaburou wirkt besonders entzückend.
Später lass ich dass die erste Generation dieser Handwerker Familie im 11. Jahrhundert mit Zen Mönch später Meister Dogen zusammen nach Song Dynastie fuhr und dort die Handwerk Kunst lernte! Er kehrte zurück nach Seto und gründete eine Töpferei!
Bis heute 31. Generationen! Und sie arbeitete nur für die Shongun Tokugawa Dynastie.
Die in Gofukai-Keramik verwendete Gofukai-Glasur ist eine Ascheglasur, die durch Mischen von Feldspat mit Asche hergestellt wird. Eisen der Glasur bewirkt, dass sie beim Brennen eine blassgrüne oder gelbgrüne Farbe annimmt.
Es hat ähnliche Eigenschaften wie Seladon und ist auch als „Mino-Seladon“ bekannt.
Das Glas ist sehr dick und die Glasur zeichnet sich durch eine tiefgrüne Farbe aus, die an Glasperlen und feine Haarrisse erinnert. Das sind Eigenschaften von Seto Keramik!
Als ich noch Chanoyu lernte, lernte ich immer das Standard Dialog: woher kommt die Teedose? Seto Gegend.
Mit grossem Respekt vor dem Meister 加藤唐三郎 Kato Touzaburou trinke ich heute einen Kaffee von Meister Lo Senhao. Er nahm 5 Tage Zeit und pflückte mit Schweiß und Anstrengung den von Vögeln weggelassenen Kaffeebohnen in Alishan. Sein selbst geröstete Kaffee schmeckt in dieser feinen grünen Tassen, süß, weich und langhaltig.

Und mit dem Lishan Dayuling 2009 Oolong besonders poetisch und schön als ob man im Nebel unter einem blühenden Pflaumen Baum in Renai Dorf sitzen würde…
Danke!

Wie hat Shongun Tokugawa sich gefühlt Tee oder Sake daraus zu trinken?

Was ist 白泥 Baini? Oder 白段泥Bai Duanni?

Taihu Shi Bai Duanni Kanne von Liu Rong

Baini 白泥 Zisha Kanne gibt es nur selten. Nur vor 150 Jahren war er beliebt als Material für begehrte Yi-Xing Kanne in Qing Dynastie. Warum? Weil das Material nicht besonders geeignet fürs Gestalten und scheitern häufig beim Brennen. Darum wird dieser Ton oft zum Römertopf etc gemacht. Außerdem gibt seine sandige körnige Oberfläche nicht einen eleganten Eindruck. Nach langem Gebrauch wirkt er oft schmuddelig.

Hingegen schenkt ein ausgesuchter 白段泥 Bai Duanni Tonerde einen seidigen geschmeidigen Ausdruck der Kanne. Liu Rong 劉蓉 verwandelt das feine Material zu ein Kunst Objekt. Sie meidet Duanni mit körniger Prägung, bekommt allerdings dadurch große Schwierigkeit beim Gestalten und Brennen. Weil der körnige Tonanteil unterstützt und gibt einen guten Halt fürs Gestalten. Es verhindert auch zusammenfallen bei hohen Temperatur.

Bai Duanni gehört zu Duanni Kategorie von Zisha. Das Vorkommen von Duanni findet man zwischen Lü Ni 綠泥 und Zi Ni 紫泥 ( grüner und lila Ton). Es wird in hohen Temperatur gebrannt. Um diesen delikaten eleganten Farbe zu bekommen muss Liu Rong die Kannen drei Male brennen lassen anstatt nur zwei Male. Aufwändig und hoch technische Ansprüche.

Aber Liu Rong hat es geschafft.

Ich zeige hier noch einmal von Untersetzer des Meisters Wu Licheng. Er verwendet Bai Duanni mit körnigen Anteilen. Für seine Spielerei – weil es sich nicht um eine Kanne handelt sondern um Teatoy, dient diese Art von Duanni seinen Zweck. Der Untersetzer bekommt Charakter und wirkt drei -dimensional.

Untersetzer von Meister Wu Licheng
Teeschiff von Wu Licheng

Bai-Duan Ni 白段泥 Zisha „太湖石 Taihu Shi“ von Liu Rong 劉蓉- 1

Ein Experiment von Shui Tang in Zusammenarbeit mit Künstlerin Liu Rong

Jie erzählte mir von einem speziellen Ton Stück das er erworben hat. Wir baten Liu Rong für uns Teekanne aus diesem Duanni Ton herzustellen! Nach vielen gescheiterten Brand und Korrektur von dem richtigen Temperatur ist das neue Werk endlich entstanden!

Taihu Shi – Stein aus Taihu See ( Ich werde ein Blog schreiben – was ist Taihu Stein?)

Duanni Ton, von Liu Rong

Teegespräch in einer unsicheren Zeit

Vielen Leute sagen Weihnachten und Schenken sind Ausdruck von Konsum.

Konsum als Akt ist neutral. Wie man es tätigt ist das Thema das man sich stellen muss.

Ein unabhängiger Mensch ist das zu tun was für ihn innerlich wichtig ist, egal was die anderen etwas verteufeln oder gut finden. Jemanden etwas zu schenken um einen neuen Kreislauf der Energie zu geben, ist eine wunderbare Sache. Und als Kulturträger haben wir Möglichkeit damit eine Kultur zu fördern!

https://www.shuitang.ch/blogs/pu-er-und-gelagerter-tee/teegespraech-nr-41-bruecken-schlagen

Wozu Tianqing Ni 天青泥

Bea kam zu Besuch und brachte mir 5 kgs Ton aus dem Rhein. Ich werde mit dieser Erde nach Taiwan fliegen und Meister Lo Senhao zeigen. Er sagte, wenn wir Glück haben, könnte er mir bei meinem Rückkehr bereits fertige Werke mitgeben! Lo hat die Vision uns zu zeigen wie man mit Keramik arbeitet noch wie vor 1000 Jahren. Zuerst muss der Schweizer Ton getestet werden.

Für unser Gespräch habe ich mein neues Spielzeug von Yin Mins Tianqing Ni getestet. Jie, der Galerist erzählt mir, dass Tianqing Ni und Qinghui Ni oft verwechselt werden, weil sie sehr eng vorkommen.

Qinghui Ni war sehr populär Ende Ming Dynastie (17. Jh), ist rar heute. Dieser Ton bekommt der Name von Hai Fisch, weil dessen Oberfläche körnige Spuren hat. Ein sehr geschätzte Ton. Tianqing Ni war populär in Qing Dynastie (17-19. Jh), hat ebenfalls diesen körnigen Charakter auf der Oberfläche. Es klebt weniger gut, schwer zu gestalten. Kein einfaches Material für den Gestalter. Der Brenn- Temperatur ist höher als andere Tonarten. Die Kanne aus Tianqing Ni sollte wunderbar für duftenden Tee. Weil der Mineneinsturz 1953 geschah, kann die Ausgrabung nicht mehr weiter fortgesetzt werden. Deswegen Tianqing Ni ist fast nicht mehr auf dem Markt.

Mich interessiert solche Daten eigentlich nicht so sehr. Mich interessiert, ob der Tee gut in dieser Kanne schmeckt. Ich bereitete den Hong Erduo Gushu Puer 2024, der mich in diesen sehr beschäftigenden Periode unterstützt. Bea fragte mich, „wow, der Tee – so süss! Bei mir kam er nicht so raus! Ich habe es zum ersten Mal so deutlich gemerkt.“ Ich auch! Diese Kanne von Tianqingni öffnet mir ein neues Fenster zum Tee!

Wie wichtig ist ein Teatoy?

Ich trank den Hong Erduo. Er war klar und fröhlich. Seine Struktur war so schön deutlich auf meine Zunge und der Geschmack so freundlich süss und voller Klang! Ich habe nie erlebt. Ist es Tianqing Ni? Ist es das, was ich schon immer wartete?

Xishi Hu von Yin Min

Tianqing Ni 天青泥,nie gehört. Es bringt mich immer durcheinander, wenn ich von 青灰 Qinghui, Qinghui Duanni青灰段, oder Qing Duan 青段 höre. Neulich habe ich eine Kanne von 孫超 Sun Chao erhalten. Diese Kanne sollte Zini sein, aber Reduktionsbrand. Die Kanne von Sun Chao sieht fast genau so aus wie Qinghui Duan. Es ist kein Wunder, dass der Kauf einer Yixing Kanne eine Vertrauenssache ist.

Teekanne von Sun Chao

Yin Min kenne ich seit sechs Jahren. Wir schrieben ab und zu. Für mich ist sie eine feine intellektuelle Dame, mit einem Charakter wie ein Mann – sie legt keinen Wert auf Streit über Banalität. Die Kleinigkeit der Kanne interessiert sie wenig. Ihre Kanne zeigt stets klare Linie und eine Grosszügigkeit. Anders als Liu Rong, die die Details mit grosser Sorgfalt bearbeitet.

Diesmal verwendet sie Tianqing Ni (eine Art von Zini), Duanni und Zhuni, um 西施壺 Xishi Hu zu interpretieren.

Xishi, eine Kanneform, absolut feminin. Keine Ecken, keine Kante und keine herausragende Details. Harmonisch, rund und zurückhaltend – das ideale Bild der Weiblichkeit der Teekultur. Stabile Haltung und würdige Henkel – kraftvoll und zugleich introvertiert. Die feine Aufguss Mündung und der Knopf verleihen die Lebendigkeit des Xishis, als ob eine Schönheit gerade mit uns sprechen würde.

Sie trinkt gerne Tee und versteht, wie wichtig eine Teekanne für einen guten Tee bedeutet. Weil sie den Teeweg praktiziert, weiss sie, wie wichtig die Form die Bewegung und die Ausstrahlung des Teemenschen unterstreichen kann.

Ich beobachte ihre Entwicklung und fühle mich reichlich beschenkt von dem Universum, dass wir eine tolle Teekanne erhalten dürfen! Die Tradition neu lebendig zu machen!

Zhuni glänzt wie die Lippen einer gesunden Frau ohne Lippenstift. Frisch und anmutig. Zhuni bringt eine Lebensbejahung in die Kanne. Tianqing Ni hat eher dunkle graue Farbe, die vermittelt die Widerstandsfähigkeit einer aufrichtigen Schönheit. Und Duanni, elegant und rein – es unterstreicht die Qualität des Weiblichen.

Yin Min

Duanni Chahai von Sun Chao

Sun Chao, Yixing Kannenmeister hat meine Bestellung vergessen. Um Wiedergutmachung zu zeigen, machte er mir zwei Chahai.

Duanni Chahai von Sun Chao

Das Chahai liegt wunderbar in der Hand und der Tee fließt elegant und schön in die Tasse!

Aber ist es ein Muss, ein Chahai aus Yi-Xing Ton zu haben? Ich war sehr skeptisch. Zu experimentieren habe ich heißes Wasser in diesem Chahai und in Porzellan Chahai gegossen. Die Arbeit in Shui Tang ließ mich das Experiment vergessen. Kurz vor Laden Schluss probierte ich das inzwischen kühl gewordene Wasser – wow! Ich fühle mich aufgeklärt: was heißt dick flüssig? Was heißt Textur? Wow!

Mein Mund war voller Wasser von klaren samtigen Textur. Zum ersten Mal meines Lebens glaubte ich ein bisschen von Duanni verstanden zu haben!