Archiv für den Monat Mai 2006

Exotik, Erotik und dann?

Monte Verita Teegarten

Der Teegarten in Monte Verita

Teegarten in Monte Verita, ein ambitioniertes schweizer Projekt im eigenen Boden Tee herstellen zu wollen? Ein kleiner Fläche, wo Teepflanzen aus Japan eingeführt wurden und hier ihre neue Heimat gefunden hat, kann als Mustergarten dienen, allerdings nur beschränkte Produktion liefern. Drogist Peter Oppliger führte uns durch sein großartiges Projekt.

Die Gäste sehen zuerst zwei japanische Laternen vor dem Garten. Die Kodes deuten auf das Betreten des anderen fremden Reichs. Ein Holztor, das asiatisch aussieht, ergänzt wunderbar zu den Laternen. Selbst wenn die Gäste die Teepflanzen noch nicht erkannt hätten, hätten sie verstanden, dass hier irgendetwas mit Asien zu tun hat. Durch die Treppen gehen wir hinauf. Pass gut auf, hier ist die berühmte Steinlandschaft aus der Zen-Tradition! Wer unaufmerksam ist und nicht bei sich bleibt – z. B. wie ich – trete gleich ins „Meer“ (Sand) der im Regen versunkenen Steinlandschaft. Neben der Steinlandschaft steht ein Holzpavillon, was als Warteraum der Gäste zum Tee fungieren sollte.

Anschliessend besichtigten wir das Teehaus, das noch auf die Fertigstellung wartet. Darum suchte ich vergeblich nach Tokonoma (das Ort, wo der Gastgeber selbst mittels eine Hängerolle oder Blumen zum Anlass zur Sprache kommt) – überhaupt der wichtigste Platz im Teeraum und Warteraum! Anscheinend wird es später nur 3 Tatami-Matten geben, wo die Gäste wohl auf der Bank sitzen und zuschauen. Das Konzept verläuft nach dem Vorbild des Schauspiels. Der Gastgeber, der die Tee-Zubereitung als Performanz vor den Gästen vorführt, ist nicht mehr der Gastgeber, sondern der Schauspieler. Diese Phänomene können wir überall in großen Städten beobachten, wo Teezeremonie vorgeführt wurde.

Anwesende Teegäste bewunderten die schöne Kimono, die zarte Bewegung und überhaupt die fremdartige anmutige japanische Schönheit. Szenerie von der Usucha Zeremonie (dünner Tee) wurden vorgeführt. Herr Oppliger erzählte uns, dass man während des Verlaufs schweigen muss. Das hilft wohl uns auf das Geschehen zu konzentrieren.

Meine Teelehrerin Nojiri Sensei verlangte uns immer wieder, dass wir während der Teezubereitung auf Gäste eingehen und gleichzeitig auf den Tee konzentrieren müssen. In einer Usucha Zeremonie, die dort Szeneweise aufgeführt wurde, herrschte eine heitere Stimmung. Gäste und Gastgeber unterhalten sich und lachen. Die Kunst besteht in dem offenen Geist des Teilnehmenden. Man unterhält sich und zugleich konzentriert. Gäste und Gastgeber vergessen nicht, was sie tun sollen und zugleich die Atmosphäre zu genießen. Teezeremonie ist jenseits von Ernt und strengen Regel, sondern mitten im Leben!

Mich beeindruckt von der europäischen Zuneigung zu Asien immer wieder. Chinoserie und Japonismus sind nach wie vor im Trend! Die postmoderne Entwicklung, in der man alle kulturellen Elemente zusammenmischt und die tatsächliche Hybridität als Legitimation des kulturellen Austauschs argumentiert, könnte man bei New Age Bewegung, kulinarische Kochbüchern und auch hier beobachten. Man kann nicht ohne eigene Brille die Welt betrachten. Der Orientalist, den Said in dem postkolonialen Diskurs verewigte, ist immer noch präsent. Der Orientalist sieht das Orient im Spiegelbild der Okzident… Die jungsten Bespiele sind der Film „Geischa“ und Mohamed Karrikatur (ich habe bereits darüber kommentiert).

Das Vereinnahmen der fremden Kultur und das Fremde zum eigenen Zweck zu verwandeln sind im Kulturaustausch nicht neu. Die Frage ist, wohin die Teekultur in der Schweiz geht? Sich an einem unvollständigen japanischen Vorbild orientieren? Japanische „Folklore“ im schweizer Boden aufzubauen wäre ein Beitrag zur schweizer Teekultur?

Das Münchener japanische Teehaus Kan Sho An, der von Urasenke-Schule gestiftet wurde, könnte allen schweizer Teeliebhaber zum Nachdenken bringen!

Kan Sho An in München

Kan Sho An in München. Der Teeraum im Winter mit Ro.

Monte Verita, die Suche nach der Wahrheit

Das Wetter war wie Männer – wechselhaft. Zuerst schien die Sonne auf der Terrasse, dann weht der Wind und plötzlich kam der Regen. Im Kraftort Monte Verita besuchten wir einen Japan-Like Teegarten.
Lenin, Trotzki und Hesse waren schon da. Die Suche nach der Wahrheit im Berg der Wahrheit. Hier wurde Lebensform experimentiert, diskutiert und praktiziert. Nun werden nur Spuren hinterlassen, ausser einem Hotel, der Markierung des Kraftortes und dem exotisch angelegten Garten, nur Sagen und Erinnerungen. Unsere Gesellschaft und Erziehung wollen keine Sinnsuchende produzieren, sondern effiziente Arbeiter. Tee, Zen und Yoga gehören immer mehr zu Wellness-Welle. „Experte“, „Guru“ und „Meister“ reiten zusammen die Welle, damit alle sich „well“ fühlen und weiter arbeiten gehen. Unsere Welt ist somit in Ordnung.

Der Geist der Sinnsuchende und der Wahrheitsuchende wurden ersetzt mit Wellness und Exotik.
Buddha erzählte eine Geschichte von vier Blinden, die einen Elefant untersuchten. Jeder behauptet, dass er den Elefant „gesehen“ hat, indem er ein Teil dieses riesige Tier berührt hat. Ihre Wahrheit beruhte auf ihr beschränktes Erfahrungshorizont und konnte und insistierte auf diese Wahrheit.
Krieg, Gier und Missverständnisse sind wohl auf unsere beschränkte Sicht zur Wahrheit zurückzuführen.

Zen-Meister Michel Bovay aus Zürich erzählte mir einmal, dass er sich jedes Mal hinterfragt, ob er berechtigt sei, auf seinen Platz zu sitzen bevor er das Zazen (Zen-Meditation) leitet. Ein guter Meister sollte sich immer hinterfragen können – sagte er. Ich erinnere mich, was Teemeister Haas in Freiburg mir im März erzählte. Zu seiner Abschlusszeremonie der Ausbildung in Japan schenkte die Urasenke-Lehrerin jedem Teeschüler aus Europa auf der Heimreise einen Spruch „Vergesse nicht, dass Du eigentlich nichts kannst!“
Jedes Mal frage ich mich selbst, „ist es Dir klar, was Du hier niederschreibst?“


In Monte Verita

Der Wind weht und der Himmel tropft. Meine Haare kleben an mein Gesicht. Wehmutig stelle ich fest, dass die Wahrheit mich eigentlich nicht interessiert. Ich möchte nur die kosmische Ordnung verstehen, die hinter allen weltlichen Phänomenen verstecken. Diese Ordnung zu begreifen, die Menschen zusammenführt und trennt, die Zivilisation entstehen und zerstören lässt und uns zum Leben und Sterben bringt, und sich von „eigenen Vorstellung“ zu befreien ist wohl die eigentliche Erbe von Monte Verita?

Shin Cha – der neuste Tee aus Japan

IppodoIppodo

Heute erhalte ich Newsletter von dem renomierten Teeladen Ippodo in Kyoto, Japan. Shin Cha ist da! Frischer Sencha im Jahr 2006 ist auf dem Markt. Für den Teeanbaugebiet Uji ist die Ernte für Frühlingstee erst im Mai. Nun stehen überall Plakate von Shin Cha auf der kyotoer Strasse.

Letztes Jahr war ich mit meiner Schwester, Teefreund Gerhard und seinem Sohn in Kyoto. Es war ein regnerischer Tee. Trotzdem genossen wir die aussergewöhnlichen Gastfreundlichkeit (manchmal eine zu geformte Gastfreundlichkeit), frischen feinen Tee und seine Süssigkeiten. Wir waren in Ippodo. Dort haben wir zuerst Matcha getrunken und Süssigkeit genommen. Gerhard führt ebenfalls einen renomierten Teeladen in der Schweizer Hauptstadt. Er bewunderten die Zeit, die man in einem asiatischen Geschäft für seine Gäste nimmt. Wir sollten einen sehr guten Gyokuro kaufen (ca. 8o€ /100g) und wollte vorher probieren. Die Verkäuferin bittete uns für einen kleinen Geduld. Sie zog eine „Duschhaube“ an und bereitete uns eine Tasse Gyokuro zu. In 5 Minuten bekam jeder von uns eine sensationelle Tasse von einem leuchtenden grünen Gyokuro! Der Laden hat viele Mitarbeiter, alle waren konzentriert auf ihre Arbeit, trotzdem freundlich und aufmerksam, wenn eine neue Kunde in den Laden eintratt! Ganz anders als hier in Deutschland oder in der Schweiz, dass man zuerst warten muss, bis man überhaupt begrüsst und registriert wird. Gerhard fragte mich, wie könnte der Laden sich leisten, so viele Personal zu bezahlen? Das ist wohl das Hauptproblem in Europa. „Menschen sind Kosten auf vier Beine! – Viel zu teuer!“

In früherer japanischen Zeit lagerte man den Tee, der im Mai geschnitten wurde, in Bergen. Im November wurde eine grosse Fest gefeiert, wenn der Tee „frisch“ geöffnet wurde! Tee wurde zuerst gelagert, so dass ihr Charakter stabiler und der Geschmack harmonisch werden könnten. Darum benutzen wir in der Teezeremonei für Usucha und Koicha mit leicht abgekühltem Wasser. Im Winter, wenn der Tee frisch ist (wird erst im Nov. geöffnet) könnte man mit kochendem Wasser aufgiessen. Im Sommer ist der Tee normalerweise alt, giesst man das mit kaltem Wasser gemische Wasser. 

Heute gibt es keine Sehnsucht mehr nach dem neuen Tee! Man könnte rund ums Jahr Long Jing, Gyokuro und Matcha kaufen. Moderne Kühltechnik hilft, das Gier, den Tee für jeder Zeit greifbar zu machen. Shincha ist ein neuer Produkt dieser Zeit. Weil man immer etwas neues braucht, um das reine Begehren zu stilen. Ist der frische Tee in der Gattung Sencha wirklich sensationell? Warum hat man früher den Tee absichtigt gelagert? Ich fragte einmal meine jap. Teelehrerin. Sie sagte mir, dass Sincha eigentlich in dieser Form nicht sein kann. Ganz frischer Tee schmeckt nicht harmonisch und sehr aufdringlich.

Aehnlich bei Tie Guanyin, Buddha Hand und Yan Cha. Diese Oolong Tee muss auch gelagert werden, damit sich ihre Aroma und Geschmack entfalten können.

Viele gute Dinge brauchen Zeit. Nicht alles Neues und Schnelles sind gut. Aber „Zeit ist das geknappste Gut, das wir haben.“ (Ernest Hemingway)

Shin Cha Shin Cha von Ippodo

Ist der Tee das, was der Händler angibt?

Goldene Maus

Preisverleihung von „Goldene Maus“ 

 

Gestern habe ich geschrieben, dass jeder Tee seinen typischen Geschmack und Duftnoten hat. Diese Information vom typischen Teegeschmack hilft uns im Labyrinth der Angebote zu Recht zu finden. Heute möchte ich auf das Thema ansprechen, wie können wir die Angabe des Händlers beurteilen.
Die erste Information ist, dass der Händler uns sagen, in welchem Jahrgang und aus welchem Anbaugebiet, dieser Tee stammt. Nennen wir ein Beispiel von Da Yu Ling Hochlandsoolong: Da Yu Ling Oolong aus Lishan, Taiwan, ist der teuerste Hochlandoolong, der meistens nur in halb kugeliger Form produziert wird. Von der Form könnte man auch feststellen, von welchem Anbaugebiet aus Taiwan und von welchem Teebauer – die Form ist individuell geprägt und wie Handschrift. Da Yu Ling wird im Juni und November produziert. Wenn man den Tee im März kauft, ist er ein Tee aus vorherigem Jahrgang. In Taiwan gibt es manchmal Werbungen „1,8 Kg Lishan Hochland für 40 Sfr.!“ Da der Tee am teuersten ist, weiss man dieser Preis ein Betrug ist. Weil die Grundkosten, die den Teegarten (über 2200 M ü. M mit zwei openair Seilbahn angeschlossen) verwaltet und die Herstellungskosten mehr kostet als 40 Sfr. pro 600g! Aus 3 Kilos frischer Blätter könnte man erst 600g Tee herstellen! Man könnte das Schnäppchen jagen, aber bekommt wohl nicht das, was auf der Tüte steht.

Von Herkunftsangabe könnte man einschätzen, wie der Preis etwas liegt, wie der Tee und seine Form sein könnten. Ein billigerer Da Yu Ling kann gut schmecken, aber das heisst nicht, dass er auch ein Da Yu Ling ist. Wenn man genug Wissen und Information vom Anbaugebiet hat, weiss man, ob die Angabe des Händlers stimmt. Es geht nicht um den Geschmack des Tees, sondern um die Ehrlichkeit des Teehändlers. Europäische Teehändler könnten meistens nur an ihrem dortigen Händler verlassen und sind meistens schlecht informiert (oder selbst nicht beurteilen können). Es wäre nun die Zeit, dass Konsumenten ihren Teehändler auffordern, die genaue Angabe zu machen. So könnte man die ganze Sache in die Bewegung setzten, dass der Teehändler in China, Taiwan oder Japan die Notwendigkeit der genauen Angabe ernst nehmen und deklarieren. Das macht man schon lange im Weinhandel, aber im Teehandel….??
Liegt das Problem an dem desinteressierten Teetrinker? Weil wir uns nicht interessieren, von wo genau der Tee herkommt? Oder weil wir so wie so nichts damit anfangen können, was da auf der Tüte steht?

Ich hoffe, durch das Blog etwas in die Bewegung setzen könnte. Je mehr Wissen über den Tee verbreitet wird, desto schwieriger wird es beim Tee-Verkauf zu schummeln. Der Teeliebhaber profitiert am meisten davon.

Zum Schluss möchte ich das Blog

Bandsmagazine.ch

gratulieren, dass das Blog mit Goldene Maus ausgezeichnet wurde!

Was ist ein guter Tee?

Was ist ein guter Tee?
Ich stelle mir oft diese Frage, was ein guter Tee ist. Natürlich meine ich nicht einen teueren Tee. Die Vorstellung einen guten Tee, ist vom Geschmack zum Geschmack unterschiedlich. Über die individuelle Empfindung möchte ich nicht sprechen, sondern über die objektiven Bedingungen, die jeder Teeliebhaber selbst nachvollziehen könnte.
Zuerst fragt man sich, was für einen Tee er ist. Wenn man einen grünen Tee kauft, möchte man wohl nicht einen weißen Tee von einem Händler verwechselt werden, oder? Wenn man einen Oolong trinkt, möchte man einen typischen Oolong in seinem typischen Geschmack genießen, nicht gerade einen grasigen Sud wie einen Sencha. Tee in seinen eigenen Geschmack kennen zu lernen ist wohl der erste Schritt, den ein Teeliebhaber beschreitet.

Ein Parma Schinken ist ein Parma Schinken, obwohl Sierra Serano ebenfalls ein sehr feines Fleisch ist, ist es eben kein Parma Schicken. Grünkohl oder Federkohl ist ebenfalls anders als roter Kohl, obwohl sie alle Kohl heißen. Der Teebauer könnte zwar mit seinen vertrauten vielleicht eigenen „Geheimnissen“ dem Tee einen eigenen Geschmack prägen, ein Oolong ist trotzdem ein Oolong. Wenn man zu jungen zarten Blätter beim Oolong pflückt, um einen schönen Kugelform zu formen, verliert dieser Oolong seinen ursprünglichen Charakter. Es wäre in diesem Fall zu empfehlen, dass Teebauer lieber von Anfang an, Gunpowder (grüner Tee aus China, er hat kugelige Form) herzustellen, als ein Oolong, der nicht mehr Oolong ist.

Wenn man einen Tee kauft, wäre es ratsam, sich zuerst zu fragen, schmeckt dieser Tee auch so wie er schmecken soll? Ein chinesischer Grüntee schmeckt erfrischend und je nach Sorten und Machart oft blumig oder nüssig. Ein Sencha und Gyokuro ist bekannt für seinen grasigen Geschmack, der uns manchmal an Algen im prickelnden Meer erinnert. Sie sollen dunkelgrün leuchten, nicht gelb oder apfelgrün. Die Form ist in sehr feiner streifiger Form. Ein Matcha muss eine leuchtende grüne Farbe sein. Er schäumt gut und schmeckt zwar herb, hinterlässt beim Abgang einen lieblichen Geschmack.
Ein Oolong schmeckt blumig oder fruchtig, je nach Fermentationsgrad. Ein wirklicher Hochlandoolong zeigt dickere Blätter und eine spezielle frische Aroma. Ein leichter süßer Tabak oder Karamell Geschmack deuten auf die Röstung. Ein guter dunkler Tie Guanyin sollte trotz der Röstung dunkelgrüne Farbe im nassen Blatt aufweisen. Ansonsten bedeutet eine zu starke unerfahrene Röstung. Ein gelagerter Pu Er schmeckt zwar alt, aber sanft, uneindringlich und geschmeidig. Die Blätter sind zwar dunkel, aber öffnen sich leicht und elastisch. Ein gelagerter Oolong schmeckt nach Pflaumen, die Blätter sollten nicht grünlich sein, aber auch nicht unelastisch schwarz. Teetaster Chen sagte mir, die Kriterien ein alter Oolong zu beurteilen ist ähnlich wie bei einem alten Rotwein.

Maschinell geschnittener Tee ist manchmal vorteilhafter, weil sie meistens nur in den besten Stunde der Pflückzeit eingesetzt wird.

Ich bin auf dem Teeweg immer noch ein Anfänger, der stets sich hinterfragen muss und lernen muss. Einen guten Lehrer zu haben gleicht wie mit Aufzug zu fahren. Der andere Weg selbst zu studieren, ist verbunden viel mit Preisgeld zu bezahlen. Ich gebe zu, dass ich beim Teeeinkauf oft betrogen wurde. Jetzt auch immer wieder, aber immer weniger. Das ist auch der Grund, weshalb ich dieses Blog schreiben möchte. Die Fehler und die Preise, die ich gemacht und bezahlt habe, müssen andere Teeliebhaber nicht wieder bezahlen und machen. Der Teemarkt in Europa ist unübersichtlich. Für einen Konsument, sich zu orientieren, ist das Wissen über Tee – seinen typischen Geschmack und seinen Herstellungsprozess erforderlich!

Teegeist, Anfängergeist. Neugier und Sensibilität sind zwei Schlüssel für den Teeweg.

Tee und die Weiblichkeit 1

Seit Tee in die europäische Geschichte eingeführt wurde, wurde er über zwei Orten verbereitet: in der Öffentlichkeit – Teehaus oder Teegarten; in der privaten Sphäre – Zu Hause.

Zwischen 1660-1720 sind unzählige Kaffeehäuser entstanden, wo nicht nur Kaffee ausschankte, sondern auch Tee. Solche Kaffeehäuser waren Schauplätze von gesellschaftlichen Ereignisse und Treffpunkte der politischen und wirtschaftlichen Elite. Sie verloren immer mehr ihre Wichtigkeit im Lauf des 18. Jahrhunderts, während Tee immer mehr ihre Bedeutung gewann. Tee wurde zunehmend im öffentlichen Garten und Park ausgeschenkt, wo die ganze Familie ihre Freizeit verbracht. Vauxhall, Ranelagh, Marylebone, Cuper´s etc. waren beliebte Ausflugsziele der englischen bürgerlichen Familie. Sie konnten dort spazieren, wo die Natur, die von urbanen Bevölkerung nach der Industrie-Revolution zunehmend vermisst wurde, nachgebildet wurde und kulturelle Ereignisse stattfanden. Tee trinken mit der Familie und Freunde und die Umgebung „gelüscht“ zuschauen waren das „Wellness Programm“ der damaligen bürgerlichen Familie. Frauen waren willkommend, ebenfalls Kinder. Dieses Phönomen war neuartig, denn Frauen und Kinder nicht erlaubt waren im Kaffeehaus. Der Schauplatz der weiblichen Präsenz – Tee ermöglichte die geschlechtliche Komunikation in der Öffentlichkeit, was früher nicht stattfand. Das Beisammensein der Familie stellte sich der Öffentlichkeit zur Schau. Sehen und gesehen werden. Wer ist glücklicher, welche Familie haben best erzogene Kinder, waren die Beobachtung und Gsprächsthemen beim Teetasse.

Die Kombination von Tee und Garten war nicht kulturell vorbehalten. Tee spägte nicht nur die japanische Gartenarchitektur, sondern auch die europäische. Kew Garten ist ein bekanntes Beispiel von Chinoserie!

1717 erkannte Thomas Twinning die Macht der Weiblichkeit. Er verwandelte sein Kaffeehaus zu einem Teehaus „The Golden Lyon“. Sein Teehaus wurde Treffpunkt von Damen, die sich an dem öffentlichen Leben beteiligen wollten und bewußt, sich zur Schau zu stellen. Elegante behagliche feine Atmosphäre, in der Damen sich austauschen, klatschen (Klatsch hat einen moralischen Aspekt) und entspannen konnten. Wenn die ganze Familie unterwegs waren, wäre das Teehaus der Ort gewesen, wo alle zugänglich waren. Ein männlicher Kaffeehaus oder Pubs waren keine Konkurrenz gegen Tee in einer Gesellschaft, in der das familiäre Leben (bürgerliche Werte) noch im Vordergrund stand.

Bevor der Tee in Europa ankam, war die Auswahl an Getränke für eine Gastgeberin beschränkt. Alkoholische Getränke boten die einzigen Möglichkeiten an. Man könnte sich vorstellen, wie so eine Party nach vielen Alkoholkonsum aussah… Katharina Bragnanza erkannte die neue Möglichkeit, eine kultivierte, stilvolle und geschmacksvolle Atmosphöre für alle zu schaffen – mit Tee. Herzogin Anna (1788-1861) entwickelte leidenschaftliche Tee-Rituale, um ihre Gäste in eine sorgfreie Welt voller Eleganz, Schönheit und Stil einzuführen. Es war Frauen, die Akzente des gesellschaftlichen Lebens gaben, die ihre Macht von der privaten Sphäre in die Öffentlichkeit eingedrungen haben. Die weibliche Raffinesse definierte, was kultiviert sein könnte, was abartig aussehen sollte. Sie organisierten Teepartys, in den sich beiden Geschlechter traffen und amüsierten. Gleichzeitig war es eine bewußte Demostration von Macht und Reichtum.  Eine Finger zu viel an dem Henkel der Teetasse verriet schon den Herkunft des Teetrinkers. Die Frage und Antwort auf die Gastgeberin sagten bereits das Habitus eines Gastes. 

Die weibliche Hand, die eine Teekanne innehat, gleicht eine Waffe in der Hand zu besitzen. Eine Aussage eines englischen männlichen Anthropologe Alan Macfarlane.

Päonie Fest im Zürcher Berg 牡丹花宴- 文人雅兴在异乡

Päonie

Päonie in Purpur.

Wer hätte gedacht so viele unterschiedliche prächtige Päonie-Blüten in der Mitte der Schweiz, im Zürichberg, bewundern zu können?
Der Garten von Hannes ist das irdische Paradies. Heute Morgen begrüßte mich „Solomons Siegel“ am Gartentor. Herrliche lila und weiße Flieder tanzen in dem Wind, die Pfingtrosen warten auf ihre Auftrittszeit, die duftenden Maiglockchen genießen die Sonne und sie spielen zusammen eine Garten Symphonie. Aber die wirkliche Primadonna ist die Päonie. Sie gruppieren sich im Garten und platzieren sich bewusst vertraut in den 2000 Quadratmeter großen Garten, damit jede Gattung, jede Farbtone und jede Blüte zur Geltung kommt.
Diese großen Blüten, manchmal in schüchterner halbgeschlossener zarter Rosa, manchmal in extravaganter aufblühender Purpur oder in unschuldig wirkender anmutiger Weiß oder in geheimnisvoller Lila, blühen nur zwei Wochen in den 15 jährigen verholzten Busch. In diesem von Päonie beschmuckten Garten möchte Hannes der Gastgeber sein. Er möchte seine Freunde einladen, zusammen diesen sonderbaren außergewöhnlichen Moment genießen. Welcher Garten könnte so viele Päonie in dieser Vielfalt und lebensfreudigen Zustand zeigen? Ich sollte Tee degustieren, wünscht er sich. Tees, die diese aus China eingewanderten Blumen würdigen, den einmaligen Moment des Zusammenseins und uns in einen frühsommerlichen Abend beflügeln.

Päonie rosa

Päonie in Lila

Päonie Fest mit Tee, wie poetisch. Ich komme aus einer subtropischen Insel, wo Päonie sich nicht aufhalten kann. Die Hitze verträgt sie nicht. Nur in Bücher habe ich gelesen, wie Kaiserin Wu Zetian diese Blumen liebte und sie im schneeweißen Winter mit beheizten Räumen hütete. In der Literatur und Malerei fungiert Päonie stets als Motive der literarischen Tradition für Anmut, Wohlstand und Schönheit. Sie wird bewundert, gepriesen und geliebt. Viele Eltern nennen ihre Töchter nach dem Name von Päonie – Mudan. Viele Mudan kannte ich in meiner Kindheit. Ein schöner Name für junges Mädchen, dessen Schicksal oft anders verlief als des von Päonie. Die Waschfrau meiner Familie hieß auch Mudan. Jeden Morgen ging sie zu uns und waschte unsere Wäsche. Meine Oma saß vor dem Waschbecken, plauderte mit ihr und kontrollierte wohl zugleich, wie sie arbeitete. Sie wurde von ihrer Stiefmutter an einem Alkoholiker verheiratet, der sein Leben mit Prügelei und Alkohol verbrachte. Sie ertrug ihr Schicksal und versuchte trotz einer erniedrigen Haltung ihre Verpflichtung als Ehefrau und Mutter zu erfüllen. „Mudan, Mudan!“ meine Oma rief sie oft laut und sie lächelte zurück. Nachdem meine Mutter eine Waschmaschine kaufte, habe ich Mudan nie mehr gesehen und seitdem verbrachte meine Oma den Morgen vor einsamen Fernseher.
Auch ein berühmten weißen Tee heißt Bai Mudan – weißer Päonie. Bai Mudan stammt aus Fujian. Er bekam diesen Name, weil man das Gefühl hatte, die weiß behaarten Teeblätter den schönen weißen Päonie ähnelten. Natürlich wurden Legende erzählt, dass dieser Teebaum aus Päonie verwandelt wurde.
In Zhejian Xianxia Berg gibt es ebenfalls einen wunderschönen grünen Tee – Lü Mudan (grüne Päonie). Warum dieser Name? Die Natürlichkeit und silbrigen Tipps dieses Tees erinnert man an Päonie. Die knackige grüne Farbe und schöne streifige Blätter sollte die Blüte von Päonie ähneln. Ich denke, um die Vorstellung des Namegebers zu nachvollziehen, braucht man wirklich Phantasie. Ich würde sagen, dass Chinesen schönen Tee gerne mit schönen Blumen nennen und assoziieren.
Päonie Fest mit Tee im Zürcher Berg. In einer anderen Kulissen mit anderen Menschen (lange Nase statt Schlitzauge). Aber die Zuneigung zur Schönheit, die Liebe zur Natur und der Genuss des Zusammenseins werden wohl kulturelle und zeitliche Grenze überschreiten. Gleiche Blumen begleiten Menschen in die andere Welt und in die andere Zeit. Blumen bleiben immer noch dieselben Blumen und blühen zu ähnlicher Zeit. Die Menschen werden wohl nicht die gleichen sein.

Jedes Jahr blühen ähnliche Blumen zu ähnlicher Zeit und am ähnlichen Ort,
年年岁岁花相似
während sich die Gesichter der Menschen jedes Jahr zu ähnlicher Zeit am ähnlichen Ort wechseln.
岁岁年年人不同

Päonie rosa

Päonie in Rosa