Archiv für den Tag 22/01/2006

Die Sprache des Tees

Es war ein Zufall, dass Roger mich kennen lernte. Es war ein Zufall, dass ich auf seinem Blog gestossen bin. Es war ein Zufall, dass er mir anbot, einen Blog über Tee zu führen. Er war die Geburtshilfe dieses Teeblogs.

roger
Roger

Eigentlich kannte ich Blog gar nicht und hatte vorher nie gebloggt. Eigentlich bin ich weder ein Meister noch ein Fachmann des Tees. Ich bin einfach ein Übersetzer des Tees. Jeder Tee erzählt etwas von sich. Einen Übersetzer bräuchte man, wenn man die Kodes seiner Sprache noch nicht vertraut ist, z. B. was bedeutet die Farbe des Aufgusses und was bedeutet diese Duftnote etc. Das wichtigste von allem um seine Sprache zu verstehen ist Gespür und eine Art von kindlicher Unschuld, die Welt so zu entdecken und anzunehmen, wie sie ist.
Jede Sorte von Tee hat bestimmte Merkmale, die sich von Sorten zu Sorten unterscheiden und manchmal widersprüchlich sind. Z.B. ein grüner Tee sollte man möglichst frisch geniessen, während ein Pu Er seine Charakter erst durch die Lagerung gewinnt. Die Fermentation bei einem grünen Tee sollte gar nicht stattfinden, während sie bei einem Oolong notwendig ist. Die Grade der Fermentation verraten uns die Farbe der Blätter vor und nach dem Aufguss.
Jeder Tee hat eigene Duftmerkmale, die erfahren und entdeckt werden möchte. Durch die Zusatzaroma wird diese authentische Erfahrung leider ausgeschlossen. Die Duftnote hängt mit dem Fermentationsprozess und Röstung zusammen. Ein Lungjing duftet einfach anders als ein Bi Luochun. Ein Bi Luochun aus Taiwan duftet einfach anders als der aus Zhejian oder Yünan. Die Globalisierung kann die Authentizität des Herkunftsorts nicht täuschen, nur den Preisunterschied. Ein Oriental Beauty aus China kostet weniger als der aus Taiwan, kann allerdings die authentischen Düfte dieses Oolongs aus Taiwan nicht wiedergeben…

Der Tee spricht für sich und lügt niemals. Aber der Mensch, der diesen Tee anpreist, konstruiert eine eigene Wirklichkeit. In Taiwan würde man Tee nicht kaufen, bevor man ihn gekostet hat.
Ich möchte einfach nur versuchen, die Sprache des Tees in diesem Blog zu vermitteln. Ihn zu geniessen muss man selbst mit seinen Sinnen!