Archiv der Kategorie: Shui Tang

Im Einklang mit Tee und Musik

Unser Tee-Konzert ist im Einlang mit Tee und Musik beendet. Viele Teefreunde konnten nicht dabei sein, weil wir nur beschränkte Sitzplätze haben. Die Musik kann ich mit Euch leider nicht teilen, weil die Musiker Mühe mit der schlechten Aufnehme per Handy haben. Aber wir werden 2019 ein CD mit Teehaus-Musik veröffentlichen. Bitte um etwas Geduld.

Ich darf das Prolog veröffentlichen. Das Stück stammt aus dem vergangenen Tee-Konzert und war der Brücke zur vergangen Tee-Konzerte von Shui Tang.

Hier ist der Text vom Sonntag.

Eine Schale Tee erheitert und gilt als gesund. In der Tat ist der Tee ein Ergebnis der alten chinesischen Alchemie, die stets versucht, die Grenze zwischen Zeit und Raum aufzulösen.

Die Teehaus-Kultur ist auf die Tang-Dynastie zurückzuführen und nimmt ihren Anfang zwischen 713 – 741. Das öffentliche Teehaus war ein Ort der Ereignisse, ein Ort, wo die Aristokratie sich zur Erheiterung traf, wo das gemeine Volk Unterhaltung suchte, wo Menschen sich begegneten. Dort wurden Geschichten durch Gesang und Gesten erzählt und der Tee kulinarisch begleitet. Diese Tradition wird uns heute nicht nur durch den chinesischen Lebensstil vermittelt, sondern auch durch die Künste. Das Publikum am Teetisch ist ein Teil des Geschehens und wird selbst wieder zum Botschafter.

Heute begeben wir uns in einen musikalischen Zeittunnel des Schweizer Komponisten und Musikers Fabian Müller. Er ist bekannt durch einen intuitiven Zugang zu modernen wie auch traditionellen Lebensphänomenen, im Westen wie im Osten. Diesmal lässt er sich von der Stimme des Tees inspirieren. Aufgeführt wird die Musik von der renommierten Cellistin Pi-Chin Chien, die durch ihre farbenreiche Tongebung bekannt ist.

Als Gastgeber sind: Anja Burger, Nico Colic, Simon Trüb, Susanna Forster, Larissa Driller und Jaehong Hong.

Bai Mao Hou

Wie würde ich den Tee Bai Mao Hou beschreiben? Ich würde ihn als gutmütig bezeichnen.

Diese besondere Teebaum-Varietät wurde vom Oolong-Patriarchen Dr. Wu Zhenduo als der am besten geeigneten Baum für Oolong-Produktion beurteilt. Dr. Wu Zhengduo ist der Lehrer meines Lehrers. Ursprünglich stammt sie aus chinesischen Provinz Fujian. Chinesische Einwanderer brachten sie im Lauf des 19. Jahrhunderts nach Taiwan. Da die Varietät besondere weisse Härchen am Tipp hat, bekommt sie den Namen „Bai Mao Hou“ – weisser haariger Affe. Dieser Bai Mao Hou ist ein grüner Tee, obwohl er einen ähnlichen Geschmack wie ein weisser Tee schmeckt. Heute verschwindet diese Varietät im meisten Teegarten Taiwans, weil sein mildes Aroma in der kommerziellen Ästhetik auf den Markt keine Resonanz findet. Dieser Bai Mao Hou wird nur auf unseren speziellen Auftrag immer im Frühling produziert.

Der Tee zeigt eine sehr dezente und zurückhaltende florale Note in der Nase. Der Aufguss offenbart uns eine sonderbare Geschmeidigkeit und Intensität. Diesen schönen Tee kann man kaum falsch zubereiten. Er zeigt stets seine gütige Seite gegenüber Tee-Einsteigern oder Tee-Kennern. Stets schmeckt er fein und seidig, ohne eine Spur Bitterkeit und Herbe. Gütig und gut.

Musik

Die alte chinesische Kultur beschäftigt sich mit der Frage, wie wir als gewöhnliche Menschen die Grenze von Zeit und Raum überwinden können, um mit dem Universum eins zu werden.

Mit dem Universum eins zu werden ist der Weg zurück zur Quelle des Lebens und war ein mystisches Erlebnis, das bestimmten eingeweihten Menschen vorenthalten war. Später haben es verschiedene philosophische Schulen in China als Lebensweg bezeichnet, der den Menschen durch Herz Geist zur Vollendung führt. Dieser Lebensweg hat verschiedene Fahrzeuge. Für manche ist es der Gesang, für manche die Musik, und für manche der Tee.

Der Gesang mit der Atmung, die Klänge des Cellos durch die Rhythmen, und der Tee durch die Bewegung verteilen die Energie, das Qi, im Raum wie der Fischschwanz im Wasser und geben den Anwesenden einen Anstoss. Der gemeinsame Rhythmus antwortet auf den kosmischen, wenn denn eine Resonanz entsteht. In diesem Moment ist die Einheit mit dem Universum für den Menschen erfahrbar.

Das heutige Tee-Konzert ist ein kleiner Versuch, die alte fernöstliche Haltung zum Leben zu veranschaulichen. Durch eine Schale Tee, mit den Klängen von Cello wird eine Teehausatmosphäre gestaltet – es ist wie eine Zeitreise. Ein Teehaus, ein Ort der Begegnung, ein Ort der kulturellen Vermittlung.

Pu Er Gushu Mao Er Duo

Eine Tasse Mao Er Duo ist wie Verweilen auf Blumenwiese im Bergtal! Ein schöner Pu Er-Tee, der auf die traditionelle Machart der Song-Dynastie zurückgeht. Was heisst das? Und Was ist ein Pu Er Tee? Ein Pu Er Tee ist eine Teesorte aus dem chinesischen Provinz Yunnan, wo viele alte Teebäumen im Wildnis wachsen. Die beste Produktion geschieht heute noch ohne Elektrizität und alles per Hand. Also die Pflücker wandern stundenlang im Wald, klettert auf den Baum und pflückt. Schonend werden sie im gusseisernen Wok erhitzt, per Hand gerollt und anschliessend unter der Sonne getrocknet. Zum Schluss per Stein gepresst.

Dieser Mao Er Duo sind aus wild gewachsenen Bäumen und stehen seit mehr als drei Jahrhunderten im Wald von Man Gong bei Yi Bang Berg. Die Blätter werden von Hand gepflückt, schonend im gusseisernen Wok erhitzt, sonnengetrocknet und steingepresst.

Dieser Pu Er des Produzenten Yu Chingsong wird im Einklang mit der Natur in limitierter Menge hergestellt. Es handelt sich um einen so genannten rohen Pu Er, der ohne künstliche Fermentation in seinem natürlichen Milieu trocken gelagert wird.

Dieser Tee trägt nach der besonderen Form des Blattes den speziellen Namen „Katzenohr”.

Der Pu Er “Katzenohr” (Mao Er Duo) zeigt in der Nase eine schöne florale Note und eine freundliche Süsse. Er erinnert uns an einen Schulausflug in die Berge. Unschuldig und unbesorgt sitzen Schulkinder auf einer Blumenwiese im einem geschützten Tal. Die Aromen des Aufgusses verbreiten sich im Gaumen: Neroli, Zitrusschale und Bienenwachs. Dieses unbeschwerte Glück schwingt in unseren Alltag. Der Geschmack bleibt und der Geist wird leichter.

Musik

Der Weg des chinesischen Tees wird heute als Gongfu Cha bezeichnet. Viele Menschen verstehen die Zubereitung des Tees als eine Zeremonie. Dieser rituelle Charakter zeichnet sich durch die bewusste Bewegung, die bewusste Atmung und die bewusste Langsamkeit aus. Die Bewegung der Hände gleicht der Bewegung des Fisches im Wasser, dem ältesten und kraftvollsten Symbol der Energie in alten China. Heute wird dieses Symbol, der Fisch, gerne in Parkteichs, in Wohnzimmeraquarien oder auf Keramik verwendet. Der Fisch verteilt die Energie mit seinem kraftvollen Schwanz im Raum, und der Teemensch versucht mit bewussten Bewegungen den Raum mit seinem Herzen zu beleben. In diesem Prozess des Bewusstwerdens wird der Teemensch nach innen zu sich selbst geführt, während er sich aussen mit dem Universum vereint. Das ist der Teeweg.

Buddhas Hand aus Alishan

Wie schmeckt eine Tasse Buddhas Hand? Ich würde sagten, Wie im goldenen Sonnenschein.

Buddhas Hand ist eine bekannte traditionelle Oolong-Varietät. Er ist bekannt durch zitrus-frische Noten und facettenreiche Aromen. Ursprünglich stammt diese Varietät aus Yong Chun in Fujian in China. Durch seine spezielle grosse Blattform sollte er schonend und länger fermentiert werden. Solche traditionellen Verfahren beherrschen heute nur wenige Teamaker und finden wenige Liebhaber bei den jungen Konsumenten, die sich an den Geschmack von grasigem grünem Tee orientieren. Heute gilt der grüne Tee als gesundheitsfördernd und verdrängt andere Geschmäcke auf den Markt. Die Dominanz des grünen Tees verarmen die Variationen der Teesorten. Teebauer haben es schwer gegen die Strömung der Zeit zu schwimmen und geben oft auf. Traditionelle Teesorten verschwinden mehr und mehr auf den Markt.

Teepflanzen und Menschen werden auch älter und älter… Unser Buddhas Hand Alishan ist aus dem Jahr 2012. Der Bauer ist heute zu alt, während sein Sohn sich an den Markt orientieren wollen. Wir wissen nicht, ob wir jemals wieder eine frische neue Ernte aus Alishan bekommen können!

Dieser Buddhas Hand stammt aus dem Hochland Alishan, 1400 Meter über den Meeresspiegel. Anders als der klassiche Buddhas Hand aus Shiding bei Taipei wird dieser Buddhas Hand Alishan in den kühlen Bergen langsamer und schonender fermentiert und weniger stark geröstet. Deshalb bewahrt dieser Tee den frischen Charakter eines Hochland-Oolongs.
Buddhas Hand Alishan kann sogleich genossen oder weiter gelagert werden. Durch mehrjährige Lagerung erhält dieser Tee noch mehr Geschmacks-Facetten.

Dieser Tee hat schöne frische Zitrusnote in der Nase. Während der Tee sich abkühlt, verwandelt sich der Duft hin zu Blumen, Frucht und Honig. Er endet mit einem nachhaltig lieblichen Abgang im Gaumen. Der Aufguss leuchtet gelb wie goldener Sonnenschein. Ein wunderbarer Tee, der unsere Emotionen anspricht.

Musik

Pause

山泉煎茶有懷, 白居易 (772-846)

坐酌冷冷水,看煎瑟瑟塵。

無由持一碗,寄與愛茶人。

„Lass uns gemütlich hinsetzen. Mit dem klaren Quellwasser kochen wir eine Schale Tee. Neben dem wärmenden Feuer vergessen wir die Vergangenheit und die Zukunft. Ich möchte Dir eine Schale Tee offerieren ohne weltliches Kalkül. Denn Du bist auch ein Teeliebhaber.“

Tang-Dichter Bai Juyi verdeutlicht uns das Wesentliche, was Tee in der chinesischen Kultur ausmacht. Eine Schale Tee zuzubereiten, eine Schale Tee miteinander zu teilen ist ein Ausdruck der Absichtslosigkeit. Weil es absichtslos ist, weil kein Nutzen dabei sein muss, können Teeliebhaber die einfache Schönheit des Lebens zelebrieren und so an ihr teilhaben.

Der 4. Tee, den wir jetzt trinken ist ein schwarzer Tee. Der schwarze Tee wird im Chinesisch als ein roter Tee bezeichnet, also Hongcha. So heisst ein schwarzer Tee in der chinesischen Sprache ein roter Tee!

Der rote Tee im 4. Runde heisst Rougui Hongcha aus Taiwan!

Rougui Hongcha ist ein fliessender Tee – samtig und geschmeidig

Die Teesorte Rou Gui stammt ursprünglich aus Wuyishan, einem berühmten Oolong-Teeanbaugebiet im Provinz Fujian in China. Wuyishan gilt auch als genetische Schatzkammer von Oolong Baum-Varietäten. Der Berg Wuyishan ist eine von UNESCO geschützte Region, wo früher taoistische Einsiedler sich von der Welt zurückzogen und sich nur Meditation widmen. Der einzige Spass, was sie gerne unternahmen, war Teepflanzen im Wald zu suchen und zu züchten. Jährlich fand ein Wettbewerb unter ihnen statt, um den sogenannten besten Tee zu finden. So wurden viele spezielle berühmte Varietäten gefunden und gezüchtet. Rougui, ist eine der fünf besten Oolong Varietäten aus Wuyishan.

Mein Lehrer Meister Chen Huangtang brachte die Pflanze in den neunziger Jahren nach Taiwan und pflanzte sie in seinem eigenen Familiengarten. Er erzählte mir gerne wie er damals die Pflanzen geschmuggelt hat – er habe sie mit schmutzigen Unterwäschen eingewickelt, so dass der Hund am Zoll im Flughafen nicht bemerken konnte. So brachte er viele Schätze nach Taiwan.

Sein älterer Bruder pflegt den Garten mit Liebe und wie zu alten Zeiten ohne Pestizide. Der Teegarten in Mingjian im Mitte Taiwans ist bekannt für seine eisenhalte saure Boden. Im Frühling wird die Ernte zum wunderbaren Oolong Rou Gui verarbeitet. Wenn die Teepflanzen stark wachsen, werden sie im Sommer geschnitten und dann zu einem roten Tee produziert. Das heisst, es wird nur diesen Tee geben, wenn es den Teepflanzen zu gut geht und die Pflanzen beschnitten werden muss.

Dieser seltene roter Tee Rou Gui ist eine Rarität in der Welt des Tees. Er duftet nach der Flora des taiwanesischen Südens. Geschmacklich erleben wir ein wahres Paradies der exotischen Früchte. Die Textur dieses fliessenden Tees ist samtig und geschmeidig.

Musik

Langsam nähren wir uns am Ende der heutigen Teezusammenkunft.

Muzha Zhengcong Tie Guanyin ist der letzte Tee von heute. Er ist der Muss für Tee-Entdecker!

Auch wer den Namen Oolong nicht kennt, kennt trotzdem den Namen Tie Guanyin. Tie Guanyin, ein legendärer Wulongbaum, der von einem frommen Geist in einem Tempel entdeckt wurde, prägt den Geschmack aller chinesischen Teeliebhaber! Früher war der Tie Guanyin ein sorgfältig fermentierter und aufwändig gerösteter, dunkler Tee, der in der heutigen modernen chinesischen Machart immer grüner wird. Selten findet man heute noch den klassischen Typus, der nach dem traditionellen Vorbild hergestellt wurde. Da Tie Guanyin so berühmt ist und dieser Umstand verkaufsfördernd wirkt, gibt es aber leider zahlreiche Nachahmungen. Tie Guanyin ist deshalb heute auch eine Bezeichnung einer Wulong-Herstellung geworden. Unser Tie Guanyin, der vom originalen Wulongbaum Tie Guanyin stammt und im originalen Anbaugebiet Muzha erzeugt wird, ist ein Klassiker nach dem traditionellen Vorbild. So ein Tie Guanyin wird als Zhengcong Tie Guanyin – der „Originale“ bezeichnet.

Der originale Tie Guanyin, im Vergleich mit Fälschungen aus anderen Bäumen, beeindruckt uns mit unverwechselbarem floralem und süssem Parfüm und beim Abgang mit einem herrlichen balsamierenden Nachklang. Diesen Nachklang bezeichnen chinesische Teeliebhaber als Guanyin-Yun (Der Charme des Guanyin). Muzha Tie Guanyin vermittelt uns den alten Geschmack noch wie vor 40 Jahren, als mein Großvater auf seinem Schaukelstuhl sitzend, den Tee genoss. Typische fruchtige Aromen entstehen aus aufwendiger Röstung, welche tagelang abwechselnd mit Ruhen zur Vollendung führt. Das florale süße Gesicht dieses Tees versteckt sich im aufsteigenden warmen Duft und bereitet uns ein einmaliges Erlebnis! Der Aufguss ist intensiv, fruchtig und voll. Ideal zu geniessen nach einem deftigen Essen und reichhaltigen süßen Speisen. Dieser Tee eignet sich ideal zum Lagern.

Musik

Schlusswort:

一路經行處,莓苔見屐痕。

白雲依靜渚,芳草閉閒門。

遇雨看松色,隨山到水源。

溪花與禪意,相對亦忘言。

(唐‧劉長卿‧《尋南溪常道士》

Besuch bei einem taoistischen Einsiedler.

Entlang dem schmalen Pfad,

Wurde ein unscheinbares Fussdruck auf dem Moos besichtigt,

Weiße Wolken lehnt leicht an dem ruhigen See,

Das hochwachsenden Frühlingsgrass verstecken die leicht angelehnte Tür

Nach dem Regen intensiviert die grüne Farbe des Kiefers,

Der Bergpfad führt zu der Quelle

Im Einklang zwischen den Blumen und Universum,

Ich vergesse, was zu sagen.

Mit diesem Gedicht, was wir auf der Einladung der Einweihung von Eröffnung Shui Tangs schrieben, möchte ich das Konzert beenden. Vielleicht haben Sie das gefunden, was Sie erwarteten. Oder haben Sie eine Überraschung empfangen?

Im Einklang zwischen den Tee und Musik, ich vergesse, was zu sagen!

Die erste Teekanne im Leben

Die erste Teekanne, der Anfängergeist.

Für unser Teekonzert üben die Teefreunde ganz fleissig. Bei jedem Mitmachen lernt man immer ein Stück mehr über Tee, manchmal auch ein Retrospektive über den eigenen Teeweg.

Das schwierigste bei Teetisch Gestalten ist, was für Kanne und welche Teetassen! Wie passen die Sachen zusammen und wie bringe ich alles zu einer inspirierende Landschaft. Manchmal entdeckt man die Gewohnheit, die man selbst angehaucht hat und dachte, dass man es von Meng-Lin gelernt hätte. In solcher Auseinandersetzung und Übungen wird der Teegeist erfrischt.

Natürlich lässt nicht jeder von mir korrigieren, weil man den eigenen Kopf hat. Es ist nicht immer angenehm für mich, in solcher Situation ruhig zu bleiben, aber es ist eine gute Übung, zu lernen, Abstand zu nehmen. Jeder Teilnehmer nimmt ein Stück seine eigene Geschichte mit, die mit mir nichts zu tun hat. Und das sollte so blieben.

Oft unterhalten wir, wie gehen wir mit der Form der Kanne um, oder welche Form wäre besser für diese Landschaft, die man gerne präsentiert. Sehr oft merkt man, dass die erste Teekanne, die man kaufte, nicht immer die ideale Kanne ist, für den weiteren Teeweg oder für solche Anlässe. Bedeutet es, dass es falsch war? War es ein Fehltritt?

Simon schickte uns Fotos von seiner ersten Teekanne in Shui Tang und seiner ersten Kollektion von Holzofen Brand von Künstler Chen, Xuanheng. Ich sehe in seiner Kollektion ebenfalls meinen eigenen Teeweg und den Künstler Weg von Chen. Ich sehe, was für Kanne ich damals erwerben konnte und im Vergleich mit denen, was ich heute in Shui Tang anbot. Wie ursprünglich und mit welchem Anfängergeist, Chen seine Werke formte! Was für gute günstige Yixing Kanne noch auf den Markt zu erwerben gab und was für Fake man heute auf dem Markt überschwemmt. Zehn Jahre Shui Tang, Zehn Jahre Wohlstand chinesischer Gesellschaft. Die Veränderung ist stark.

In seiner Kanne ist ein Heuschreck abgebildet. Die Schrift kann ich leider nicht gut lesen. Heuschreck, Chan. Das wird häufig als Symbol von Zen (Chan) in der bildenden Kunst angewendet. Wusste Simon damals schon, dass er mit seinem Zenweg beschreiten wollte? War es ein Zeichen?

Teekanne erwerben ist oft wie ein Orakel….

Die erste Kanne ist ein Meilenstein und immer der Ruf unserem Anfängergeist. Wir haben oft von ganz unten angefangen. Ich habe mit Tetley Teebeutel meinen Teeweg begonnen. Muss ich mich schämen? Muss man schämen, wenn man eine ganz banale Kanne kaufte, als man noch gar keine Ahnung hat? Nein. Das ist ein Stück der schönen Erinnerung vom Anfänger!

Stein-Trommel 石鼓,Zisha Yixing Kanne

Von Künstlerin Xu, Meng

Zini Kanne innen, Zhuni als Glasur.

„Stein- Trommel“ heißt diese Yixing Kanne voller Modernität und Subjektivität!

Warum Stein- Trommel? Das erzähle ich in nächsten Tagen!

Ein Teekonzert am 16.09.2018

Eine Schale Tee erheitert und gilt als gesund. In der Tat ist der Tee ein Ergebnis der alten chinesischen Alchemie, die stets versucht, die Grenze zwischen Zeit und Raum aufzulösen.

Die Teehaus-Kultur der Tang-Dynastie nimmt ihren Anfang zwischen 713 – 741. Das öffentliche Teehaus war ein Ort der Ereignisse, ein Ort, wo die Aristokratie sich zur Erheiterung traf, wo das gemeine Volk Unterhaltung suchte, wo Menschen sich begegneten. Dort wurden Geschichten durch Gesang und Gesten erzählt und der Tee kulinarisch begleitet. Diese Tradition wird uns heute nicht nur durch den chinesischen Lebensstil vermittelt, sondern auch durch die alten Künste. Das Publikum am Teetisch ist ein Teil des Geschehens und wird selbst wieder zum Botschafter.

Am 16. September begeben wir uns in einen musikalischen Zeittunnel des Schweizer Komponisten und Musikers Fabian Müller. Er ist bekannt durch einen intuitiven Zugang zu modernen wie auch traditionellen Lebensphänomenen, im Westen wie im Osten. Diesmal lässt er sich von der Stimme des Tees inspirieren. Aufgeführt wird die Musik von der preisgekrönten Cellistin Pi-Chin Chien, die durch ihre farbenreiche Tongebung bekannt ist.

Die Gäste sitzen am Teetisch, wo ein Gastgeber die musikalisch farbenreich begleiteten Teesorten zubereitet. Insgesamt werden die Gäste von sieben Gastgebern empfangen, die fünf Teesorten im traditionellen Gong Fu Cha-Stil ausschenken werden. In dieser Symbiose von mit Düften, Aromen, Stimme und Musik begleiteten Teezusammenkunft geniessen wir das Gefühl des Innehaltens und der Harmonie.

Datum: Sonntag, 16. September 2018, 14-16 Uhr
Ort: Zunfthaus zur Waage.
Kosten:  30 CHF

Anmeldung erforderlich: 42 Sitzplätze

Konzert: Eine Schale Tee zu den Klängen der Cellos AUSGEBUCHT!

Geheimnisse von Bo He Tang Gushu Pu Er

Diese Karte zeigt die nummerieren Teebäumen von Bo He Tang.

Es sind ca 50 Bäume. Es gibt noch zahlreiche umnummerierten Bäumen- wie im Bild.

Der Unterschied zwischen den beiden Sorten spiegelt in dem Geschmack wider, nicht immer durch den Preis. Wer würde uns sagen dass der Tee von den umnummerierten Bäumen stammen?

Wie kann man es lernen? Eine vertrauensvolle Referenz zu kaufen und lernen!

Das Warten unter Teebäumen

Was ist das für eine Karte? zeigt den Wald von Bo He Tang.

Er erzählte uns im Seminar, dass er im Herbst die Einzahlung für die nächste Frühlingsernte machen muss, damit er diese Karte erhalten kann. Somit sichert er den Anruf von dem Inhaber. Er wird angerufen und bekam Hinweise, welche Bäume heute gepflückt werden. Yu geht dann mit seinem Koch, der das Pflückgut zur Produktionsstätte trägt und dann anschließend den Tee produziert.

Auch wenn er viel Geld dabei hat, bekommt er nicht unbedingt die Menge, die er braucht. Er erzählte uns auch, dass er zwei Pflücker nach Mansong mitnehmen musste. Nur bekannte und erfahrende Pflücker werden zugelassen. Es ist eigentlich ein sehr schönes Zeichen: die Wichtigkeit der Pflücker ist bewusst und seine Professionalität wird geschätzt. Ein erfahrener Pflücker garantiert das gute Pfklückgut und die Lebensdauer der Bäumen! Das ist ein anderer Kreislauf des Teehandeln und der Tee-Produktion! Ganz anders als in Darjeeling und in vielen anderen Orten, wo Pflücker das Opfer von dem Geist der Gier.

Er deutete uns auf das wachsende Bewusstsein von Teebauer über die Wichtigkeit ihrer Natur. Sie wollen die Bäumen schonen, die Pflücker werden immer teurer. Ohne Bar Geld kann man nicht in die Wälder von Mansong. Die Teuerung des Tees kommt den Bauern und Arbeitern zu gute. Das ist gut. Die Kehrseite ist, dass wir im Osten und im Westen keinen billigen guten Tee trinken können! Aber, es ist vielleicht gut so?

Ich habe keine Rosarote Brille. Wir tun immer noch zu wenig für die Tee-Wälder in Yunnan. Die meisten Teepflanzen werden drei Male im Jahr gepflückt. Das ist immer noch zu oft! Irgendwann merken wir vielleicht, dass wir durch unseren kurzsichtigen Handeln uns selbst schaden!

Während Yu 5 Tage in Mansong auf die Teeblätter warten, hat er einen neuen Wald entdeckt: Da Hei Shan! Wie schmeckt dieser Tee?

Ein nummerierter Teebaum in Bo He Tang.

Man Shan, Wasser schwemmt zum goldenen Berg

eb05cea3-c021-40fc-8d6f-4470b7181be8Wie jede Künstler-Kanne hat diese Kanne Man Shan auch eine Entstehungsgeschichte. Künstler Chen, Hao, gehört zur akademischen Schule vom Meister Zhang, Zhengzhong. Er war in einem Theaterstück „Bai She Zhuan“ – eine Liebesgeschichte zwischen einer zu Menschen verwandelten Schlange, die seit Tausendjahren ein spirituelles Praxis hatte und einem schönen jungen Konfuzianern. Die beiden verlieben sich, aber ihre Liebe ist von der Konvention nicht erlaubt – eine Liebe zwischen Menschen und Nicht-Menschen. Mönch Fa Hai sperrte, damit diese Liebe wegen der Trennung scheitern konnte. Die weisse Schlange Suzhen schwemmt das Wasser den goldenen Berg, um ihren Mann zu befreien und ihrer Liebe einer Chance zu geben. Ihr Mann wurde frei, sie wurde vom Mönch eingesperrt.

Der Schnabel erinnert uns an die Beweglichkeit eines Schlange und ebenfalls an das Erscheinungsbild. Die Kurve korreliert ebenfalls an die Welle des Wassers. Die Wellen in Kanne ist durch eine aufwendige Einlegearbeit – Intarsien durch Duanni von Yixing. Das Wasser schwemmt, die Welle brandet, während die Liebe zu einer heftigen Sehnsucht umschlägt. Die Sehnsucht ist eine hilflose Sucht. Suzhen, die leidende Frau konnte den Tempel nicht überschwemmen, auch wenn ihr Gefühl stark und ihre Liebe aufrichtig waren. Der Berg, der als Symbol der Dualität von Moral symbolisiert, ist nicht zu besiegen.

Wie ist die Geschichte zu Ende gegangen? Es wurde erzählt, dass die Suzhen Jahrzehnten unter der Sperrung von Goldenen Berg war – unter einem Pagode. Ihr Sohn kam nach einer erfolgreichen Beamtenprüfung beim Kaiserhof zurück, um seine Mutter zu retten. Er hielt eine Zeremonie vor der Pagode und die Mauer fiel. Die Familie ist wieder vereint. Auch das Wasser und der Berg. Auch die Liebe und Moral!

Spielen und Tee trinken – Yixing Kanne in NZZ

Spielen und Tee trinken

Guter Tee bedarf guter Behandlung. Aber was heisst das? Und was ist das eigentlich – eine Yixing-Teekanne?

Philipp Meier

Drei bedauernswerte Dinge gab es in der Welt von Chinas Ming-Zeit; drei nur, aber immerhin: das Verderben guter Jugend durch falsche Erziehung; die Entwürdigung guter Gemälde durch pöbelhaftes Begaffen und die Vergeudung guten Tees durch unsachgemässe Behandlung. So jedenfalls sah das der Dichter Li Chih Lai, wie es in Kakuzo Okakuras «Buch vom Tee» zu lesen steht.

Nun, übertragen auf die heutige Welt, unsere westliche Welt, versteht sich, müssten wir im ersten Punkt dem Dichter Li immer noch recht geben. Der Topos hält sich ja bekanntlich durch alle Jahrhunderte. Mit der Jugend ist es nämlich nicht anders als mit dem Tee: Sie ist gut, wird sie nur richtig behandelt. Auch der zweite Punkt ist wohl wahr, nur dass sich die Untugend «pöbelhaften Begaffens» von Kunst längst auch auf dieselbe ausgewirkt hat und diese zu grossen Teilen nun selber pöbelhaft geworden ist.

Den dritten Punkt müssen wir des besseren Verständnisses von Bedeutung und Wertschätzung des Tees in der chinesischen Welt auf den Wein übertragen. Guter Wein, nicht richtig kredenzt, ist reine Vergeudung. Wie wichtig dabei allein die Gläserwahl ist, ganz zu schweigen vom Dekantieren in eine passende Karaffe, weiss jeder Weinliebhaber.

Aber Tee? «Bist du krank?», kann da schon einmal die Frage mit leicht boshaft besorgtem Unterton insbesondere Weinliebhabern über die Lippen kommen. Unter Tee verstehen wir ja alles, was mit heissem Wasser aufgegossen wird: vom Schwarztee über den Kamillentee bis zum modischen Rooibostee, der angeblich besonders gesund sein soll. Dafür aber verwenden wir irgendwelche Behältnisse, Tassen mit lustigen Aufdrucken etwa, und Kannen aus billigem Chinaporzellan, die nicht mehr kosten als die Packung Beuteltee vom Supermarkt.

Was aber, wenn wir plötzlich auf den Tee kommen? Geschmack an diesem über jahrtausendealten Kulturgetränk findet man ja auch längst hierzulande. Und man weiss, was ein guter Grüntee ist, was ein Oolong oder ein weisser Tee ist. Weiss man aber auch, wie wichtig dafür eine gute Teekanne ist? «Yixing» müsste es sein. Und beim Klang dieses gleichsam magischen Worts, wenn es um chinesischen Tee geht, sollten einem sogleich zierliche kleine Teepots aus rötlichbraunem Ton vor den inneren Augen tanzen. Wer schon einmal China bereist hat, hat sie vielleicht gesehen in einem der Teegeschäfte, in denen sich solche Pots bis unter die Decke stapeln.

Kunst und Fälschung

Die Varietät der Formen ist ausufernd. Und es gibt rötliche, purpurne, auch gelbe, grüne und ins Gräuliche tendierende Tonfarben. Die Qual der Wahl ist riesig, vor allem auch, was das weite Preisspektrum betrifft. Man kann schnell einmal fünfzig Franken ausgeben für in winziges Kännchen – und erfährt dann vielleicht, dass man es hier immer noch mit seriell gefertigter Massenware zu tun hat. Überhaupt, man erfährt allerlei, wenn man sich nur etwas in die Materie vertieft. Dass es zum Beispiel schon lange keine echte Yixing-Tonerde aus den Minen des Huang Long Shan mehr gibt, weil dies seit 2005 geschlossen sind. Dass vieles von dem, was als Yixing-Keramik angeboten wird, aus minderwertigem Ton ist und zum Teil eingefärbt mit gesundheitsschädigenden Substanzen.

Ehe man es sich versieht, findet man sich mittendrin im Kult um die chinesische Yixing-Teekanne. Von dieser gibt es antike Exemplare, die auf dem Kunstmarkt enorme Summen wert sein können. Und es soll auch schon «splendide» Sammlungen gegeben haben, die sich beim Verkauf als reine Ansammlung von Fälschungen entpuppt haben.

Man blättert in Auktionskatalogen, in welchen rare Stücke mit erlesenen Provenienzen von Teemeistern angeboten werden. Und man realisiert allmählich, dass man es hier mit eigentlichen Kunstwerken zu tun hat, von Meisterhand als Unikate geschaffen, zur Verwendung für Meister der Teezubereitung.

China ist gross und rätselhaft, und seine Welt des Tees ist es ebenso. Die Nebel um das Rätsel insbesondere namens Yixing lichteten sich aber unlängst ein wenig beim Tee mit einem Händler von Teekeramik aus Taiwan. Wir begegneten Shen Sheng Chieh im Zürcher Geschäft mit dem klingenden Namen Shui Tang (schönes Wasser) für erlesene chinesische Tees. Und mit der Übersetzungshilfe der Inhaberin Meng Lin Chou wurde alles plötzlich einfach. Guter Tee bedarf einer guten Kanne, so lautete die schlichte Gleichung. Und eine solche ist aus Keramik, die aus qualitativ hochstehendem Ton gefertigt wurde. Das ist in China allein Yixing-Keramik.

Künstler und Galerist

In den Hochschulen und Kunstakademien der chinesischen Industriestadt Yixing, gelegen in der Provinz Jiangsu im Mündungsdelta des Jangtse-Flusses, bilden sich Künstler und Künstlerinnen dazu aus, solche Keramiken zu fertigen, und verfeinern ihren individuellen Stil in einer Meisterklasse. Sie lernen das Aufbereiten des Tons ebenso wie das Herstellen und Brennen von Teekannen, die in diesem speziellen Fall nicht gedreht, sondern in Einzelteilen in die rechte Form geklopft und dann zusammengesetzt werden.

Eine solche Ausbildung dauert lange und wird finanziert von Keramikhändlern wie Herrn Shen, den wir kennenlernten als einen passionierten Galeristen, der seine Künstler nicht viel anders betreut als ein westlicher Kunstgalerist. Shen stellt auch den Ton zur Verfügung, den er über Jahrzehnte angekauft hat und vor Ort in Yixing in seinem Lager aufbewahrt. Herrn Shens Lager soll noch für gut zwei Generationen ausreichen, wie er uns gesagt hat.

Bereits sein Vater war Keramik-Händler, spezialisiert auf klassische Meister, die Picassos und Modiglianis dieses Genres sozusagen. Herr Shen arbeitet mit jungen Künstlern und Künstlerinnen zusammen. Und diese bringen zeitgenössische Kreationen hervor, die den traditionellen Kanon in die Zukunft führen. Die Preise lassen sich mit jenen für Gegenwartskunst vergleichen. Anfangs sind es ein paar tausend Franken. Steigt der Bekanntheitsgrad des Künstlers oder der Künstlerin, steigt auch der Wert entsprechend.

Der einzige Unterschied zu einem Kunstwerk in Gestalt eines Bildes oder einer Plastik besteht darin, dass eine Kanne auch ein Gebrauchsgegenstand ist, also eine praktische Funktion aufweist. Die westliche Unterscheidung zwischen Kunst und Kunsthandwerk ist in China erst seit der Moderne bekannt. Ein Unterschied zu Kunst wird bei Meister-Teekannen aus Yixing nicht gemacht.

Für einen Teemenschen, wie Leute in China und Taiwan, die sich auf Tee verstehen, genannt werden, sind solche Kannen lebenslange Begleiter. Meng-Lin Chou spricht von Tee-Spielzeug, an welchem man sich beim täglichen Umgang erfreut. Der Rest ist wie bei so vielem einfach nur Kult.

Zürich, Shui Tang, Spiegelgasse 26.

Der einzige Unterschied zu einem Kunstwerk in Gestalt eines Bildes oder einer Plastik besteht darin, dass eine Kanne auch ein Gebrauchs­gegenstand ist.

https://www.nzz.ch/feuilleton/kopie-von-spielen-und-tee-trinken-ld.1398898
Neue Zürcher Zeitung