Die Flut – Besuch bei Meister Hsu Chaozong

Er stammt aus einem kleinen Fischerdorf und studierte Landwirtschaft. Da er als ein junger Mann keine Zukunft hat am Meer, ging er in die Grosstadt Taipei, wie viele junge Menschen in seiner Zeit! In einer junge Lehrerin verliebte er sich und entschied sich fuer diese Liebe – es war eine andere Zeit, man heiratet nur einmal und entscheidet sich fuer die Ewigkeit… Er folgte seine Liebe und zog in die kleine Stadt Yingge, damals war Yingge vielleicht ein Dorf. Ein Dorf wie Yingge ist bekannt fuer Porzellan und Keramik. Also er wechselte seinen Beruf und lernte als Toepfer Geld zu verdienen, um bei dieser Frau zu sein, sie und die Familie zu ernaehren. Alles fuer die Liebe.

Er ist ein Toepfer geblieben und ist ein Toepfermeister geworden. Viele Auftraege bekam er vor allem von National Palast Museum. Sicher arbeitet er hart, vor allem liebt er experimentieren. Viele viele Preise hat er gewonnen. Geld, Ruhm und Erfolge fehlen nicht in senem Leben.

Meister Hsu empfing uns in seiner Atelier. Gewoehnlich angezogen, Haare gar nicht gekaemmt, erzaehlte er uns einfach und bescheiden vor seinen Werke (zwei ganzen Stockwerke) ueber seine Beziehung zu seinen Werke, wie er diese Werke machte. Ein Kunstwerk nach dem anderen. Ein Meilenstein nach einem anderen. Man hatte das Gefuehl, das Leben wuerde nicht aufhoeren. Es hoert nicht auf, weil der Geist immer als Anfaenger bleibt…

Seine einfache Rede gewann Sympathie. Ploetzlich stand er vor einer Vase und sagte nur, dass dieses Werk in Japan einen ersten Preis gewann, aber in Taiwan keine Ressonanz fand. Das Werk heisst „Flut“. Er zeigte die Muster, die Welle am Meer signalisierte und schilderte, dass er an der Kueste sass und inspiriert wurde… Gewoehnlich und unauffaellig. Ich verstand nicht, warum das Werk eine Bedeutung haben sollte. Dann sagte CN (ein guter Freund von mir und ueber ihn lernte ich den Meister Hsu kennen), der nicht mehr nur mit zuhoerte. Er sagte, „unser Meister wollte Euch nicht mit seiner Sentimentalitaet beeindruekcen. Darum muss ich Euch von dieser wirklichen Hintergrund erzaehlen!“

Damals war seine Mutter schwer krank. Hsu besuchte seine Mutter mindest einmal in der Woche. Damals war der Weg immer ueber die Bergen ueber Pinglin, wenn er heim fuhr. Wenn er wieder Richtung Taipei fuhr, fuhr er immer ueber die Kueste. Seine Mutter tadelte ihn immer, wenn sie ihn sah. Sie verstand nicht, weshalb er sich so selten zeigte, denn sie war nicht mehr oft bei sich. Als ein Sohn, der nicht wirklich bei der kranken Mutter bleiben konnte, war der Weg wieder zu den Fremden fast wie ein verrat. Oft hielt er sich am Meer auf und schaute nur die Welle an.

Die Vase ‚Flut“ hat eine Muendung wie ein Fischmund. Ein Fisch, der nicht sprechen konnte! Ein Fisch, der nur im Ozean des Lebens mitschwimmen kann! Ein Fisch, der weder weinen noch schreien kann… Der grosser Bauch der Vase ist voller Wellen, Wellen im Herzen. Weller der Sentimentalitaet!

Ich konnte nicht aufhoeren zu weinen, als ich es uebersetzen musste.

„Menglin,“ Meister seufzte, „Du bist zu sentimental!“

Ich verstehe, was Meister Hsu am Meer dachte. Ich bin auch allein in einem fremden Land und meine Eltern sind immer hinfaelliger… Auch wenn die Gruppe ueber mich lachen wuerde, haette ich nicht aufhoeren koennen zu weinen.

Manchmal fuehle ich mich auch wie ein Fisch. Ich habe einen Mund, aber kann meine Gefuehle nicht aussprechen. Viele Missverstaendnisse koennen nicht geklaert werden, viele Dinge koennen nicht ausgesprochen werden.

Aber es gehoert wohl zum Leben.

„Ich wollte meine Sentimentalitaet nicht vor Euch ausleben.“ sagte er, warum er diese Geschichte nicht erzaehlte. „Meine persoenliche Sache geht eigentlich niemanden etwas an…“

„Doch,“ Heidi sagte, „uns geht es etwas an.“

„Hast Du das Gefuehl, dass Du schon alles kennst?“

„Nein, ich bin wirklich ein Anfaenger. Ich experimentiere immer noch!“

Joerg fragte ihn, ob es ein Acha-Erlebnis war, dass er ein kuenstler wurde?

„Nein, ich wollte einfach Geld verdienen. Was kann denn sonst in Yingge machen als Toepfer?“ antwortete der Meister. Seine Stimme war nicht unzufrieden, seine Stimme war nicht mehr als normal.

Juerg fragte Meister Hsu, warum ist er so geblieben wie er? Nur um Geld zu verdienen haette er auch zur Fabrik gehen koennen! Er habe bestimmt Ambition fuer die Kunst!

Meister Hsu sagte nur, „Weiss Du, ich bin halt nicht gierig.“

„Warum hast Du denn keine Katalog oder irgendetwas um Dein Werk zu dokumentieren?“ fragte die Doris, weil sie an gefeahrliche Erdbeben dachte.

„Fuer einen Kuenstler hoert die Experimenten nie auf. Wozu Katalog?“ fragte er zurueck.

Es war eigentlich nur eine Stunde geplannt, bei ihm zu sein. Es wurde zwei Stunde. Alle Anwesende waren zutiefst beruehrt von seiner Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Bescheidenheit.

Was heatte uns noch mehr ueberzeugen koennen als ein einfacher Mensch, der vor seinem Werk steht und nur so einfach da ist, ohne etwas sein zu wollen? Und die Kunst, die fuer sich spricht, ohne etwas anders sein zu muessen!

Ich glaube, etwas von Kunst verstanden zu haben.

Ps. Da ich nur geschwaetzt habe… konnte ich keine Bilder machen. Wenn Ihr Bilder anschauen wolltet, bitte bei den anderen zwei Reisebericht-Blogs anzuschauen! Die Jungs haben sehr fleissig Fotos geschossen…

Jetzt trinken sie wohl noch Bier bei 101…

2 Gedanken zu „Die Flut – Besuch bei Meister Hsu Chaozong

  1. Johan Markwall

    Dear sir,

    Very interesting read about your visit to master Hsu. Do you have any idea where I can buy a teapot from him………

    Regards,

    Johan Markwall
    Stockholm

    Liken

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s