Archiv für den Tag 23/04/2009

Ewigkeit

Wie lange stehen schon die Baeumen hier?

Dokumentiert wurden diese Baeumen, die vor mir stehen, 1900 Jahre alt.

Wie lange wuerden sie denn noch leben?

Ewigkeit. Denn ich werde es nie erfahren, wie lange. Mein hinfaelliger Koerper wuerde den Abschied viel frueher nehmen…

Alishan ist nicht nur beruehmt fuer den Hochlandstee, eigentlich ist Alishan beruehmt fuer seine Kopfjaegger und seine starke alte Baeumen. Die Kopfjaegger sind inzwischen zivilisiert und baut sogar Tee an. Die alte starke Baeumen stehen meistens in Japan in ihren Tempel. Heute stehen noch manche, die von fremden Touristen bewundert werden. Sie stehen noch dort, wo sie sind, weil sie damals unzugaenglich waren.

Alishan ist nicht nur ein bekannter Ferienort fuer Japaner, sondern auch fuer die neu reichen Chinese in China. Alishan ist nicht nur ein begehrter Ort fuer schaulustige Touristen, sondern auch fuer Teeliebhaber aus Europa…

Nach einer muehsamen Fahrt, kamen wir endlich in Alishan an. Eigentlich wollten wir in einem unscheinbaren einfachen Restaurant essen. Da der Praesident von Provinz Chiayi und Parlamentiriarin auch dort assen, wie wir, hatten wir keinen Platz. Die Europaer Teeliebhaber erregte Aufsehen in diesem kleinen Teedorf Shizhuo!

Kamera und Jounalisten richteten ploetzlich an mich wollten unsere Gruppe interviewen. Mein Lehrer versuchte es zu vermeiden. Unvermeidbar wurde ich gefragt, warum ich diesen Auslaender nach Alishan mitbringe? Ich antwortete, “ ich wollte nicht diese Leute hier her bringen. Ich wurde aufgefordert, es zu tun!“ „Warum?“ „Denn Formosa Hochlandsoolong Alishan einmalig ist!“

Formosa Oolong ist einmalig. Diese Gruppe ist einmalig. Die Baeume, die vor uns stehen sind einmalig… ewig.

De Nebel kam. Die Landschaft schien mir wie Feenlandschaft. Ich dachte an Avalon. Ich dachte an Merlin. Ich dachte an meine unbedeutende Existenz vor diesen reisen starken Baeumen! 1900 Jahre alt. Meine kurzfristige Existenz schein dagegen wie ein Eintagflieger sein.

Auch ein Eintagsflieger hat seine Existenz-Berechtigung – das Leben zu geniessen! Ich lebe, ich liebe und ich weine.

Die Baeume waren hoch, gerade. Die Pflanzen subtropisch und satt gruen. Feucht, warm und frisch. Voegle zwitschten. Wer sind noch da? Bin ich noch irdisch?

Gerade erfuhr ich von dem Tod meines Zenlehrer Michels. Ich freue mich fuer ihn. Er hat seine Ruhe fuer die Ewigkeit gefunden und die Welt verlassen. Er liebt Bergen und unterrichtete uns immer, dass wir im Zazen wie ein grosser Baum mit starken Wurzel in die Erde einschlagen sollen. So stark wie ein Baum, so weich wie Seide. In unserer begrenzten Dasein bleibt seine Lehre fuer die Ewigkeit.

Was ist denn schon Ewigkeit und Hinfaelligkeit? Die Baeumen erzaehlen uns nichts, nichts von den Menschen, die vor ihm stehen. Ich kann Michel auch nicht mehr erzaehlen, wie sehr ich ihm dankbar bin, dass ich ihn begegne. Vor diesen Baeumen schein alles unbedeutend zu sein. Die Baeumen schweigen und ich gehe weiter.

Irdisch bin ich wieder. Morgen geht die Reise nach Dongding Berg und Yuchi.