Tee spricht für sich, aber wie?

Liebe Menglin, Was Tee betrifft bin ich eben immer noch sehr leichtgläubig. Ich bin eine Person die gerne von anderen lernt, nicht weil ich es mir einfach machen will und nix selbst bewegen will, sondern weil lernen mit anderen meiner Meinung den eigenen Horizont immens erweitert. Leider stelle ich immer wieder/mehr fest, dass das Lernen in der Teewelt eher eine persönliche Sache ist. Deine „Lehre“ von „Tee lügt nicht- er spricht für sich selbst“ ist etwas, dass ich noch mehr verinnerlichen muss/will. Gerade weil es in der Teewelt über Geschmackserleben geht kann man nicht einfach seine Eindrücke mit anderen teilen und wenn dann nur über umständliche oder oft schwer zu vermittelnde Beschreibungen. Immer wieder verfalle ich aber dem Glauben ich könnte mich einfach einem Teekenner anschließen und seine Vorstellung und Meinung übernehmen. Vielleicht weil es doch der einfachere nicht so anstrengende Weg ist. So geschehen als ich den „Tee-Almanach“ von Ernst Janssen las. Der Mann ist ein TeaTaster,  Teeladenbesitzer und seit Jahren in dem Bereich Tee tätig. Welche Gewichtung hat also sein Wort? Oder andersrum welche Bedeutung kommt meiner Kritik an seinem Kapitel über Puerh zu. Erst schreibt er, dass Puerh zu den echten Tees gehört um diesen kurz darauf als eigene Sorte zu deklarieren. Dann sind bei ihm Puerhs grundsätzlich immer mit Bakterien (geheime Zutat) (egal ob raw oder ripe) versetzt und werden in „kühlen Erdhöhlen“ in Yunnan gelagert. Die Unterscheidung zwischen Shuo und Sheng liegt bei Janssen dann nur in einem gröberen Blattmaterial. Was davon soll ich nun glauben?

 

Ich habe ihn um eine Stellungnahme gebeten woher er denn seine „Quellen“ hat, aber er hat auf meine Nachricht nicht reagiert. Irgendwie ist aber leider mein Obrigkeitsdenken noch soweit vorhanden, dass ich mich von seinem Titel (Teataster) und seiner langjährigen Erfahrung einschüchtern lasse.  Wenn ich den Tee für sich sprechen lasse, dann sagt er mir was völlig anderes. Der Unterschied zwischen Shuo und Sheng im Blattgrad zu suchen? ABSURD! Lagerung in „kühlen“ Höhlen???? Wieso das? Die natürliche Fermentation gelingt doch gerade bei hoher Luftfeuchtigkeit und Wärme viel besser.

Die Frage die sich mir im nächsten Schritt stellt: Wieso seh ich kleiner Hansele mit meiner wenigen Erfahrung, dass es der Blattgrad allein nicht sein kann, der einen Raw von einem Ripe Puerh unterscheidet. Der eine ist doch noch ganz grün!!!!!! Der andere bereits völlig fermentiert!!!!!! Das sieht und schmeckt doch auch ein Anfänger warum dann nicht ein Mann seines Kalibers?  

Dennoch ertappe ich mich immer wieder dass ich in diese Leichtgläubigkeit verfalle auch wenn es nicht mehr ganz so schlimm ist und ich mir langsam ein eigenes Bild von der Teewelt mache.

Gruß

Jörg

Deshalb ist es gut das Du uns lehrst vom Tee zu lernen.

Yünan TanzenPu Er Tee hilft nicht nur dem Teebauer, sondern auch dem ganzen Tourismus-Branchen. Es wird Musical veranstaltet mit „Traum, Yünen!“ 《梦·云南》. Die Stadt Simao heisst jetzt Pu Er. Und in dieser Seite wird rund um den Pu Er und seine unglaubliche Raritäten geworben.

Die Erfahrungen Jörgs hat fast jeder Teeliebhaber, egal ob er in Asien oder in Europa lebt. Mein „Teeweg“ führt auch über viele Kurven und tapperte und tappere immer noch im Dunklen. Was ich hier erzähle, ist oft nur meine „Einbildung“ von Geschmäcke und Nuancen. Aber wir brauchen einen Austausch Hier und Jetzt.

Das Glück, das ich hatte, meinen Lehrer in Taiwan zu begegnen, war mir stets bewußt. In unserer Kultur pflegen wir eine Art von Bewusstsein, Schlüsselfigur des Lebens zu erkennen. Menschen, die treten in unserem Leben wie gerufen, wenn wir sehnsüchtig nach einer Veränderung oder Weitergehen suchen. Dieser Figuren mit Dankbarkeit zu erwidern werden wir als Kind erzogen, und weiter entsprechend behilflich für anderen Menschen auf dem Weg zu begleiten. Die Energie weiter zu geben, anstatt bei sich anzuhäufen – ein Gegenprinzip gegen das kapitalistische. Dieser Lehrer lehrt mich vieles, aber das Einzige, was ich nie vergesse, ist, auf Tee zu hören. In dieser Haltung ist eine grosse Freiheit verborgen. Lehrer oder Gurus, die uns abhängig machen, die uns erziehen wollen, ihn als die einzige wahre Autorität anzuerkennen, sind überall zu sehen und intuitiv lehne ich es ab. Ich erkenne Autorität an, die überall existieren und gebraucht wird. Die Autorität ist das Problem, sondern die Art, wie wir damit umgehen. Ich höre gerne meinem Lehrern zu, die mir Fenster zum Kosmos eröffnen. Ich folge ihrem Regeln, aber ich darf mich selbst bleiben. Ich will nicht jemanden anders werden, als zu Ich selbst verwirklichen. Das ist der Sinn des Weges.

Ich kann auch nicht beurteilen, weshalb der Teataster Janssen nicht auf die Anfrage Jörgs eingehen. Was Pu Er betrifft, ist uns selber nicht ganz klar. Die Herstellungsmethode wurde revolutioniert und ist im Moment in einem industriellen Prozess, der alles noch unübersichtlich macht. Heute telefonierte ich mit einem guten Tee-Partner in der Innenschweiz, der mir von diesjährigen Probleme in Sache China Tees erzählte. Probleme, wie das Boom der privaten Wirtschaft, die Korruption am Zoll und das Problem mit der Vernachlässigkeit der Qualitätsansprüche. Alle sind hungerig nach Teeverkauf in China. Alle wollen selber Tee direkt aus China einkaufen. Aber wie viele Teehändler sind wirklich professionell? WIe viele Informationen sind zuverlässig? Ich will andere europäischen etablierten Autoriäten nicht angreifen. Neue Technik und neue Methode sollten die so genannten Shou-Cha (künstlich gereifter Tee) ermöglichen, wobei es meiner Meinung nach faule Ausrede ist. Manche preisen sogar mit Geheimrezepten. Es ist nicht meine Art, direkt etwas Negatives zu bestimmter Person zu äussern. Ich folge dem japanischen Spruch „faule Pflaumen fallen selbst vom Baum ab.“ Jeder kommt aufgrund des Karmischen Gesetzes (Ursache und Bedingung) zu seiner Wahrheit, die ihm befreit oder nicht.

Über die Lagerung Pu Ers höre ich unterschiedliche Meinungen. Manche Teehändler in Taiwan lagern ihre Pu Ers in klimatisierten Räumen, wie in einem Weinkeller. Manche gar nicht. Was mein Lehrer macht, ist seinen alten Oolong einfach im einen gut gelüftetem Raum zu lagern (er ist ein bekannter Pu Er Gegener). Der Teebauer Zhu in Manzhou lagert seinen Gankou Cha in Keramik-Gefäss, wo meine Grossmutter einst ihren Tofus fermentieren liess. In Europa ist es trocken und „kühl“. Wie wird ein Pu Er in Europa alt werden und wie sieht seine Veränderung HIER aus, ist eigentlich das, was mich noch mehr interessiert.

Und von diesem Standpunkt aus könnten wir noch mehr weitergehen, Informationen festzustellen, wie es sein könnten, wenn er in einem feuchten Klima gelagert war.

Wie findest Du es, Jörg?  

4 Gedanken zu „Tee spricht für sich, aber wie?

  1. Jörg

    Die Lagerung von Tees! Ein eigenes großes Kapitel für sich. Was sind wohl die Idealbedingungen? Wenn wir die Marktpreise von Puerhs betrachten so werden meist die in HongKong oder Guangzhou gelagerten Tees am teuersten gehandelt. Also ist die Antwort doch ganz einfach! Ein Klima mit realiv gleichmäßiger Temperaturkurve über 20°C und einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit. Das sind die optimalen Bedingungen die genau zwischen dem ungewollten Wet-Storage und dem Try-Storage liegen. Der natürliche Reifeprozess von PuErh darf nicht zu schnell aber auch nicht zu langsam ablaufen. Also haben wir hier in Europa ein für PuErh eher schlechtes Klima. Oder doch nicht? Spätenstens an diesem Punkt kommt wieder das große ABER. Das Aber kommt z.B. in Form der persönlichen Vorlieben. Bei mir ist es z.B. so, dass ich nicht so viel Wert auf die medizinische Wirkweise von gerade besonders alten, gelagerten PuErhs lege. Also in der Welt der Puerhs auch durchaus gerne einen „jungen“ Tee trinke. Damit stellt sich für mich nicht die Frage wie meine PuErhs möglichst schnell altern. Ich mag sie so wie sie sind. Also ist für mich der „Lagerplatz Mitteleuropa“ durchaus akzeptabel. Aber das wird für jeden wohl anders sein.

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  2. Jörg

    Die Lagerung von Tees! Ein eigenes großes Kapitel für sich. Was sind wohl die Idealbedingungen? Wenn wir die Marktpreise von Puerhs betrachten so werden meist die in HongKong oder Guangzhou gelagerten Tees am teuersten gehandelt. Also ist die Antwort doch ganz einfach! Ein Klima mit realiv gleichmäßiger Temperaturkurve über 20°C und einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit. Das sind die optimalen Bedingungen die genau zwischen dem ungewollten Wet-Storage und dem Try-Storage liegen. Der natürliche Reifeprozess von PuErh darf nicht zu schnell aber auch nicht zu langsam ablaufen. Also haben wir hier in Europa ein für PuErh eher schlechtes Klima. Oder doch nicht? Spätenstens an diesem Punkt kommt wieder das große ABER. Das Aber kommt z.B. in Form der persönlichen Vorlieben. Bei mir ist es z.B. so, dass ich nicht so viel Wert auf die medizinische Wirkweise von gerade besonders alten, gelagerten PuErhs lege. Also in der Welt der Puerhs auch durchaus gerne einen „jungen“ Tee trinke. Damit stellt sich für mich nicht die Frage wie meine PuErhs möglichst schnell altern. Ich mag sie so wie sie sind. Also ist für mich der „Lagerplatz Mitteleuropa“ durchaus akzeptabel. Aber das wird für jeden wohl anders sein.

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  3. Suzanne

    Hello!

    Mir ist dieser ganze Lager-Theorien-Kram leider viel zu kompliziert! Es gibt hier in Strasbourg z.B. einen französischen Blog über Pu Erh und seine Lagerung – ich musste aufhören, ihn zu lesen, da das meine intellektuellen Kapazitäten bei weitem überstieg 😦

    Trockene Lagerung und nasse kapiere ich noch, aber dann kommen die mit Pu-Erh-Fladennummern und wieviel Grad Celsius und Prozent Luftfeuchte die über wieviele Jahre jeweils hatten … usw. usw. und die einzelnen Lagerungslehren, die aber zu großem Teil geheim gehalten werden – oh weh, ich komm da nicht mit!

    Wahrscheinlich bin ich zu dumm … aber das kann ich leider gar nicht ändern! 😦 Und ich habe leider auch viel zu wenig Zeit, um mich da einzulesen – was ich oft bedaure.

    Meine eigene „Methode“: möglichst (Betonung liegt auf: „möglichst“) kleine Mengen Tee kaufen, und schnell trinken – und sie so gut wie möglich genießen!!!

    Heute zum Beispiel: einen Dong Ding … hm, der war gut!

    Viele liebe Grüße! Suzanne

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  4. Menglin

    Ich teile Deine Meinung. Liebe Suzanne! Ich bin auch kein Theoretiker, sondern ein fauler Teetrinker.
    Natürlich passe ich auf, dass meine Tees nicht schlechte gelagert wird. Aber ich bin nicht bereit auf diese Spielerie einzusteigen. Das Wichtige bei der ganzen Geschichte ist für mich, die Information des Tees durch die Lagerung, sei es trocken, sei es feucht, sei es nach fermentiert, sei es eine originale Methode, festzustellen.
    Wenn wir es nicht wissen, wie ein Tee sich unter verschiedenen Lagerbedingungen entwicklte, kann man nicht verstehen, was die Lagerung wirklich bedeutet.

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