Archiv für den Tag 04/01/2008

Tee spricht für sich, aber wie?

Liebe Menglin, Was Tee betrifft bin ich eben immer noch sehr leichtgläubig. Ich bin eine Person die gerne von anderen lernt, nicht weil ich es mir einfach machen will und nix selbst bewegen will, sondern weil lernen mit anderen meiner Meinung den eigenen Horizont immens erweitert. Leider stelle ich immer wieder/mehr fest, dass das Lernen in der Teewelt eher eine persönliche Sache ist. Deine „Lehre“ von „Tee lügt nicht- er spricht für sich selbst“ ist etwas, dass ich noch mehr verinnerlichen muss/will. Gerade weil es in der Teewelt über Geschmackserleben geht kann man nicht einfach seine Eindrücke mit anderen teilen und wenn dann nur über umständliche oder oft schwer zu vermittelnde Beschreibungen. Immer wieder verfalle ich aber dem Glauben ich könnte mich einfach einem Teekenner anschließen und seine Vorstellung und Meinung übernehmen. Vielleicht weil es doch der einfachere nicht so anstrengende Weg ist. So geschehen als ich den „Tee-Almanach“ von Ernst Janssen las. Der Mann ist ein TeaTaster,  Teeladenbesitzer und seit Jahren in dem Bereich Tee tätig. Welche Gewichtung hat also sein Wort? Oder andersrum welche Bedeutung kommt meiner Kritik an seinem Kapitel über Puerh zu. Erst schreibt er, dass Puerh zu den echten Tees gehört um diesen kurz darauf als eigene Sorte zu deklarieren. Dann sind bei ihm Puerhs grundsätzlich immer mit Bakterien (geheime Zutat) (egal ob raw oder ripe) versetzt und werden in „kühlen Erdhöhlen“ in Yunnan gelagert. Die Unterscheidung zwischen Shuo und Sheng liegt bei Janssen dann nur in einem gröberen Blattmaterial. Was davon soll ich nun glauben?

 

Ich habe ihn um eine Stellungnahme gebeten woher er denn seine „Quellen“ hat, aber er hat auf meine Nachricht nicht reagiert. Irgendwie ist aber leider mein Obrigkeitsdenken noch soweit vorhanden, dass ich mich von seinem Titel (Teataster) und seiner langjährigen Erfahrung einschüchtern lasse.  Wenn ich den Tee für sich sprechen lasse, dann sagt er mir was völlig anderes. Der Unterschied zwischen Shuo und Sheng im Blattgrad zu suchen? ABSURD! Lagerung in „kühlen“ Höhlen???? Wieso das? Die natürliche Fermentation gelingt doch gerade bei hoher Luftfeuchtigkeit und Wärme viel besser.

Die Frage die sich mir im nächsten Schritt stellt: Wieso seh ich kleiner Hansele mit meiner wenigen Erfahrung, dass es der Blattgrad allein nicht sein kann, der einen Raw von einem Ripe Puerh unterscheidet. Der eine ist doch noch ganz grün!!!!!! Der andere bereits völlig fermentiert!!!!!! Das sieht und schmeckt doch auch ein Anfänger warum dann nicht ein Mann seines Kalibers?  

Dennoch ertappe ich mich immer wieder dass ich in diese Leichtgläubigkeit verfalle auch wenn es nicht mehr ganz so schlimm ist und ich mir langsam ein eigenes Bild von der Teewelt mache.

Gruß

Jörg

Deshalb ist es gut das Du uns lehrst vom Tee zu lernen.

Yünan TanzenPu Er Tee hilft nicht nur dem Teebauer, sondern auch dem ganzen Tourismus-Branchen. Es wird Musical veranstaltet mit „Traum, Yünen!“ 《梦·云南》. Die Stadt Simao heisst jetzt Pu Er. Und in dieser Seite wird rund um den Pu Er und seine unglaubliche Raritäten geworben.

Die Erfahrungen Jörgs hat fast jeder Teeliebhaber, egal ob er in Asien oder in Europa lebt. Mein „Teeweg“ führt auch über viele Kurven und tapperte und tappere immer noch im Dunklen. Was ich hier erzähle, ist oft nur meine „Einbildung“ von Geschmäcke und Nuancen. Aber wir brauchen einen Austausch Hier und Jetzt.

Das Glück, das ich hatte, meinen Lehrer in Taiwan zu begegnen, war mir stets bewußt. In unserer Kultur pflegen wir eine Art von Bewusstsein, Schlüsselfigur des Lebens zu erkennen. Menschen, die treten in unserem Leben wie gerufen, wenn wir sehnsüchtig nach einer Veränderung oder Weitergehen suchen. Dieser Figuren mit Dankbarkeit zu erwidern werden wir als Kind erzogen, und weiter entsprechend behilflich für anderen Menschen auf dem Weg zu begleiten. Die Energie weiter zu geben, anstatt bei sich anzuhäufen – ein Gegenprinzip gegen das kapitalistische. Dieser Lehrer lehrt mich vieles, aber das Einzige, was ich nie vergesse, ist, auf Tee zu hören. In dieser Haltung ist eine grosse Freiheit verborgen. Lehrer oder Gurus, die uns abhängig machen, die uns erziehen wollen, ihn als die einzige wahre Autorität anzuerkennen, sind überall zu sehen und intuitiv lehne ich es ab. Ich erkenne Autorität an, die überall existieren und gebraucht wird. Die Autorität ist das Problem, sondern die Art, wie wir damit umgehen. Ich höre gerne meinem Lehrern zu, die mir Fenster zum Kosmos eröffnen. Ich folge ihrem Regeln, aber ich darf mich selbst bleiben. Ich will nicht jemanden anders werden, als zu Ich selbst verwirklichen. Das ist der Sinn des Weges.

Ich kann auch nicht beurteilen, weshalb der Teataster Janssen nicht auf die Anfrage Jörgs eingehen. Was Pu Er betrifft, ist uns selber nicht ganz klar. Die Herstellungsmethode wurde revolutioniert und ist im Moment in einem industriellen Prozess, der alles noch unübersichtlich macht. Heute telefonierte ich mit einem guten Tee-Partner in der Innenschweiz, der mir von diesjährigen Probleme in Sache China Tees erzählte. Probleme, wie das Boom der privaten Wirtschaft, die Korruption am Zoll und das Problem mit der Vernachlässigkeit der Qualitätsansprüche. Alle sind hungerig nach Teeverkauf in China. Alle wollen selber Tee direkt aus China einkaufen. Aber wie viele Teehändler sind wirklich professionell? WIe viele Informationen sind zuverlässig? Ich will andere europäischen etablierten Autoriäten nicht angreifen. Neue Technik und neue Methode sollten die so genannten Shou-Cha (künstlich gereifter Tee) ermöglichen, wobei es meiner Meinung nach faule Ausrede ist. Manche preisen sogar mit Geheimrezepten. Es ist nicht meine Art, direkt etwas Negatives zu bestimmter Person zu äussern. Ich folge dem japanischen Spruch „faule Pflaumen fallen selbst vom Baum ab.“ Jeder kommt aufgrund des Karmischen Gesetzes (Ursache und Bedingung) zu seiner Wahrheit, die ihm befreit oder nicht.

Über die Lagerung Pu Ers höre ich unterschiedliche Meinungen. Manche Teehändler in Taiwan lagern ihre Pu Ers in klimatisierten Räumen, wie in einem Weinkeller. Manche gar nicht. Was mein Lehrer macht, ist seinen alten Oolong einfach im einen gut gelüftetem Raum zu lagern (er ist ein bekannter Pu Er Gegener). Der Teebauer Zhu in Manzhou lagert seinen Gankou Cha in Keramik-Gefäss, wo meine Grossmutter einst ihren Tofus fermentieren liess. In Europa ist es trocken und „kühl“. Wie wird ein Pu Er in Europa alt werden und wie sieht seine Veränderung HIER aus, ist eigentlich das, was mich noch mehr interessiert.

Und von diesem Standpunkt aus könnten wir noch mehr weitergehen, Informationen festzustellen, wie es sein könnten, wenn er in einem feuchten Klima gelagert war.

Wie findest Du es, Jörg?  

Der Teeladen ist da! Teagschwendner in Zürich

Seit 5 Uhr bin ich wach, da Anna ihr EasyjetFlug nach Berlin hatte. Ziemlich bald darauf rief Schwesterchen an: „Du, faule Schwester, bist du noch nicht wach? Hast Du schon Dein Flug im Januar? Wir brauchen Dich dringend!“ Ja, ja, sie brauchen meine Stimme für die kommende Wahl, hat gestern mein Teelehrer mir schon gesagt. Nein, das Fliegen ist Januar ist untersagt. Aber der Flug in März muss sofort besorgt werden. Im Internet ist bereits alles ausgebucht, laut meinem Reisebüro gibt es nur noch C-Class möglich. Ich eilte in die Stadt.

Ich verstehe diese Welt wirklich nicht. Bin ich zu komisch oder die anderen? Für meine Reise im November sollte ich bereits jetzt ein Flug buchen. Für meine Reise im März, bekomme ich nichts mehr. Das Muss früher zu buchen bindet Kunden, die sich wiederum binden müssen, wohin und wann sie reisen. Wir werden immer unflexibeler, immer mehr unter den Zwängen und immer mehr unter den Klemmer. Andererseits verlangt unsere Wirtschaft, dass wir immer sportlicher, flexibler und beweglicher werden müssen, um den Arbeitsplatz zu sichern. Wir werden immer mehr wie Maschine, die nur funktionieren und laufen nach dem Gesetz, was uns vorgeschrieben ist. Ich verweigere dieses Spiel mitzumachen und lehne diesen Mechanismus ab. Wie kann ich jetzt wissen, wann ich im Nov. auf die Reise gehe? Soll ich besser pendeln können oder eine Versicherung kaufen? Ja, ja, ich sehe das Lächeln eines Versicherungskaufmanns. Sein Villa an der Goldküste haben wir eigentlich finanziert.

In der Stadt…

Trotz dem Jahreswechsel sahen Menschen hier nicht besonders glücklich aus. Alle schauten aneinander vorbei. Der Blickkontakte wurden extrem vermieden. Das ist ein Machtspiel zwischen den Menschen in dem urbanen Millieu, in dem man vergißt, einen normalen Kontakt zu erhalten. Man trägt das schöne Kleid und macht sich attaktiv, damit man Aufmerksamkeit erregt, aber den anderen Gegenüber ein Blick zu schenken, macht man es nicht. Man erwartet menschliche Kontakte und Wärme, aber als Erste tut man es nicht. Ich machte mit den Zürchern ein Spiel, das ich gerne in einer fremden Stadt mache. Lächelnd schaue ich den Menschen an und warte ab, was passiert. Keine Wirkung. Zürcher wollen meine Blume nicht. Sie möchten ihr Programm durchgeben, das aufgeblasene ICH auszuleben, bloss nicht einen Zufall einem Raum zu geben. Ein Lächeln ist für mich eine gute Tat, die anderen Menschen winzige schön Momente schenkt. In Berlin erhielt ich viele schöne „Blumen“ zurück, auf der Strasse und von Fremden. Einmal in Spanien wurde ich sogar von einem Polizist mit Rosen beglückt. Somit zeigt mir jede Stadt ihr Gesicht und ihre Würde.

Es ist schwer auf diesem Niveau zu bleiben und ich ging zum Lindenhof, wo ich sehr gerne verweile. Schnell frische Luft ein und ausatmen. Von dieser Höhe sieht man das Niederdorf in einem anderen verhältnis an, vertraut und nah; und auch das kleine Limmat, das dieser Stadt Anmut verleiht wirkt wie ein gewöhnlicher netter Fluss. Ohne diesen Ort wäre schwierig hier auszuhalten. Nach dem Reisebüro ging ich auf der Suche nach dem TEELADEN, den Dill’icious mir bereits verpetzte.

An der Pelikanstrasse wurde im November ein Teeladen von Teagschwender geöffnet. Der Laden liegt sehr zentral und ist deutlich zu sehen. Ein eindeutlicher Teeladen-Geruch grüßte mich herzlich. Personale sind sehr freundlich. Der Regal in klarer Linien. Der Tee ordentlich abgepackt und verspricht immer die gleiche exklusive Qualität! Was für ein Luxus in unserer Zeit, in der alles unsicher wird. Das Konzept und die Linie dieses Ladens antwortet auf die Erwartung von Gleichheit, Gleichmässigkeit und Kontinuität. Egal wo wir den Teagschwendner begegnen, könnten wir die gleichen Qualität, fast identische Sortiment und das gleiche Aussehen erwarten, wie das Macdonauld. Menschen erwaten das Gleiche, um die Energie für die Entscheidung zu ersparen, um die Unabhängigkeit zu sichern von der Schwankung der Natur. Man will alles unter den Kontrolle haben. Man will nichts anders haben, als das Gewöhnte, das Vertraute und das Organisierte. Andererseits vermisst man, das Aussergewöhnliche, das Zufällige und das Fremde. Das Exotische umzufunktionieren liefert die perfekte Therapie für die trostlosen urbanen Bevölkerung. Durch den Konsum vom Exotische bekommt man den Schein an Etwas teilnehmen zu dürfen, was man schon längst versperrt wurde – das Fremde und das Abenteur.

Mir gefielt der kleine aber klare Laden, dessen Teeraum im Februar eröffnet wird. Zur Degustation gab es Sencha Organic, Rooibush Vanille und noch einen Kräutertee. Ich trank den Sencha Organic, der nach Termosflasche schmeckt und leicht grün gefärbt war. Eine schöne blonde Zürcherin im Peltzmantel erzählte am Ladentisch, wie sehr sie das Vanille Geschmack am Tee schätzte, denn der Duft sich stets an ihr letzte Indienreise mit ihrem Ehegatte erinnert. War es Vanille oder Vanillin? Ein alter Herr mit französischem Akzent kam hinein. Er wollte unbedingt zum Teeraum, der erst im Feb. zu besichtigen wäre. Er insistierte und wurde laut. Die Verkäuferin bemüht sich noch freundlich zu bleiben. Der Herr liess sich nicht von der netten Freundlichkeit ablenken, er wollte in den Teeraum, der nur noch Mobiliar hat. Das brachte mich zum lachen. Denn solche Gestalt machen das Leben in dieser Stadt wieder erträglich und lebendig anstatt wie das Leben im sauberen Schaufenster. Die Passanten sahen mein Lachen und blickten gleich in die andere Seite der Strasse.