Archiv für den Tag 14/01/2008

He Cha 喝茶 Teetrinken II – Tee-Essay von Zhou Zuoren

In China wird oft Melonensamen 瓜子 (ähnlich wie Kürbissamen) zum Tee geknabbert. Diese Gewöhnheit finde ich unpassend. Zum Tee passt eigentlich nur leichte Teespeise. In China ist diese Teespeise die Snack von chinesisierten Manchu-Snack. Dagegen finde ich die japanische Teespeise aus Reis oder Hüselfrüchte sehr stilvoll: elegante Form und Farbe, schlichte Ausstrahlung harmonisieren sich sehr mit dem Tee. Die Yokans (Asuki-Bohne-Paste, ein sehr edeles Dessert zum Koicha) sollte aus Dang-Dynastie stammen. Dieses Dessert hat charaktervolle Aromen.

In Süden von Yangzijiang (der Zangzi Fluss) bieten die Teehäuser eine besondere Teegerichte an: Gansi 甘丝, in Streifen geschnittene geräucherte Tofu, mit Ingwer streifen und Sojasoße gewürzt, in einer Kraftbrühe gekocht, zum Schluss einen Schuss richtig heisse Sesamöl darüber gegossen. Diese Gericht wird jedenfalls zum Tee serviert. Das Trinkgeld, das Teetrinker ausgeben, gehört zum Serviceteam.

(… er beschreibt hier verschiedene Restauranten mit den Tofu-Gerichten)

Tofu ist ein wunderbares Lebensmittel und könnte in reichliche Variationen zubereitet werden. Leider wird Tofu im Westen nicht richtig verstanden, ebenfalls wie der Tee.

In Japan ißt man den Reis im Tee. Dieser Tee-Reis wird begleitet von eingelegtem fermentierten Gemüse (Pickels). Dieses Gericht finde ich leicht, schlicht und aromatisch. In China ißt man den Reis auch im Tee, aber nur weil man sparen will oder wenig Mittel zur Verfügung steht. Selten ißt man freiwillig den blasen Reis im leichten Tee, um die wahren Geschmäcke zu finden. Es ist wirklich Schade.

Zhou Zuoren, 1924, Dezember