Archiv für den Tag 12/01/2008

Kulturbanausen, Teebanausen

Bei einer Tasse Tee traf ich dill’icious an der Limat beim Storchen. Ihn lernte ich kenne, als er die Idee hatte, ein Teehaus oder Lokal in Zürich zu eröffnen. Es sind nun Jahre vergangen, inzwischen ist er umgeschult, arbeitet im sozialen Bereich und gründet ein Verrein Kulturbanausen, das Menschen zueinander verbinden sollte.

Als ich im Tram sass, konzentrierte ich mich kurz auf ihn, ein blasses Bild von der Vergangenheit. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr recht an ihn erinnern. Was in meiner Erinnerung bleibt, waren zwei Dinge: das schöne Ofen in seinem geschmacksvollen Essenzimmer, geschmückt mit blauen holländischen Fliessen; die Person zu erinnern ist für mich durch ein Bild von einem rassiger Sencha zu assoziieren. Und das erzählte ich ihm bei unserem Wiedersehen. Erkannt an ihn habe ich tatsächlich diese rassige Sencha-Ausstrahlung: scharfe Augen, klar und konzentriert.

Rassiger Sencha, würzig, stark und scharfsinnig, begleitet mit ein bisschen Samurai-Qualität, die schwerer zu beschreiben ist. Blitzschnell, wehrmutig und zugleich unwiederkehrend. Er lachte über meine Beschreibung und sagte, dass eine Frau seine Wohnung als „weiblich“ kommentierte. Denn er viele kleine Details liebvoll pflegt, was ein Mann eigentlich nicht kann. Ich lachte und widerlegte, dass die Beziehung eines Samurais zu seinem Schwert wohl sehr weiblich ist, denn der Schwert und die Person vereinheitlich werden muss – eine mit Liebe gepflegte Beziehung. Jeder ist zu gänglich zu dieser Qualität und es hat mit dem Geschlecht wohl nichts zu tun. Vielleicht ist die Beziehung zwischen Teeliebhaber und Tee sehr weiblich.

Wir tauschten uns aus, über die Jahren, über das jetzige Leben und über die Vision. Er sagte mir, dass er nun mit 50 endlich das Gefühl bekommt, angekommen zu sein. Er muss nicht mehr etwas verändern, geniesst das Alleinsein richtig und glaubt, reife genug, um zu lieben. Ich sagte, dass ich ihn sehr beneide. Er würde gerne etwas tun für die coole Gesellschaft Zürichs, etwas gestalten, um etwas geschehen zu lassen, um Menschen zueinander zu führen. Aus diesem Wünsch ist das Verein Kulturbanausen entstanden.

Was ist Kulturbanausen? Er lachte. Wer würde sich als Kulturbanausen bezeichnen, ausser wenn man über sich selbst lachen kann. Menschen, die wissen, dass sie keine sind, könnten darüber lachen.

Kulturbanausen

Wir sprachen auch über das Teeblog und die vergangene Teediskussion. Er verstand nicht, weshalb man die harmonische Mischung eines aromatisierten Tees verteufeln muss. Ist es nicht sektierend, wenn man anfängt, einen Authetizitätsanspruch als Teetrinken zu erheben? Er sah rassig aus. Ich nickte meinen Kopf. Wir haben alle Recht, anderen Menschen zu unterstellen und gleichzeitig unterstellt zu werden. Wir wollen stets das Gefühl behalten, sich als etwas Besseres und als Sieger zu fühlen. Es ist beim Teetrinker nicht anders. Warum sollte es anders sein? Die Gesellschaft hat uns keine Alternative angeboten. Anders zu werden, kann man nur, wenn man merkt, dass man mit diesem Konzept nicht mehr weiter kommt und es zur Last wird.

Teebeutel ist in Ordnung, Aromatisierung ist kein Problem. Es gibt kein Problem in unserer Welt, denn jeder ist so wie er ist, in Ordnung. Es ist nur ein winziges Fragezeichen, was Tee wirklich schmeckt. Weiss Du wie ein Tee schmeckt, wenn er nicht mehr in einer organisierten, ausgewählten und abstimmten Mischung auftaucht? Warum müssen wir mit Willen / Konzept etwas dazu tun, wenn der Tee doch allein für sich spricht?

Wir sprachen weiter über die Idee, gute Teebeutel mit seinen Jünger zusammenzustellen. Wir sprachen über mein Chaos, das selbst im Blog sichtbar ist. Er riet mir, Wissen und Beträge besser zu kategorisieren, um den Einsteiger zu erleichtern. Ich nickte und mit leichter Verlegenheit, enthüllte meine Schwäche. Ich habe richtig Schwierigkeit, selbst einen Schere aufzuräumen, so dass ich sie beim nächsten Mal wieder finde. Wenn man nie gelernt hat, Dinge entsorgen und aufräumen zu müssen, ist diese Kleinigkeit eine grosse Sorge. Er lachte und versicherte mir, mich zu coachen.