Archiv für den Tag 09/01/2008

He Cha 喝茶 Teetrinken I, ein Essay von Zhou Zuoren

Was bedeutet Chado? Einfach gesagt, Chado ist „Mitte in der Hektik ein Moment der Muße klauen, Mitte im Leiden etwas Freude zu erfinden. In der Unvollkommenheit unserer Welt ein bisschen Schönheit und Harmonie zu geniessen, im Hier und Jetzt die Ewigkeit zu erfahren.“ Chado ist in der japanischen Kultur eine präsentative Kunst. In Bezug auf diese Ebene hat Xu Zhimuo (ebenfalls ein sehr bekannter Schriftsteller Chinas im 20er Jahren) bereits in seinem Vortrag erörtert, so dass ich jetzt keine überflüssige Rede halten muss. Was ich jetzt schildern möchte, ist meine ganz banale individuelle Ansicht des Teetrinkens.

Der grüne Tee Genuss ist für mich der klassische Teegenuss. Schwarztee macht kein Spass (no fun). Ausserdem, dazu kommt noch mit Zucker und Milch? George Gissing berichtete in „Private Papers of Henry Ryecroft“ einen amüsanten Afternoon Tea. Das Afternoon Tea in der englischen Familie mit Schwarztee und Butterbrot sei das Hauptfreude des Tages. Obwohl man im Osten den Tee seit Tausendjahren trinken, könnte man diesen Genuss gar nicht richtig nachvollziehen. Ich zum Beispiel. Schwarztee mit Toast kann man schon essen, aber so etwas ist eigentlich ein Futter, um Hunger zu stillen. Das Teetrinken für mich ist der Teegenuss pur: den Duft, den Geschmack und die Farbe des Tees zu verifizieren und geniessen anstatt den Durst zu kompensieren. Hunger spielt so wie so dabei gar keine Rolle. In alten China wurde Sencha und Matcha getrunken, aber heute bereitet man den Tee ganz anders zu. Der Autor Kakuzo Okakura* im „Book of Tea“ (1919) bezeichnet diesen Genuss zutreffend als „Der Tee des Naturalismus“. Was uns bei Teetrinken unentbehrbar erscheint, ist diese Haltung, den magischen Geschmack der Natur zu entdecken.

Chinese gehen ins Teehaus, um eine Schale Tee nach einer anderen zu schlucken und den halben Tag zu verbringen, als ob sie gerade aus der Wüste zurückkehren würden. Das ist das, was ich als Teetrinken verstehen. (Ich habe gehört, dass man in Fujian und Guangdong Gongfu Cha trinkt, diese Menschen verstehen richtig was ich hier meine.) Das Problem dieser Art vom Teegenuss ist, dass sie sich verwestlicht. Sie verliert ihren ursprünglichen Sinn. Das Teetrinken ist nun wie in ein Lokal zu gehen. Nur auf dem Land könnte man noch die ursprüngliche Atmosphäre des Teetrinkens erleben. Die Teehäuser auf dem Land haben leider nur bescheidene Ambiente und Zubehör. Vielleicht könnte man es als Teetrinken bezeichnen, aber nicht unbedingt als Chado.

Was ist denn Teetrinken? Wenn wir Tee trinken, wäre es am besten unter dem einfachen Ziegeldach und vor dem Papierfenstern. Eine klare Quelle zum einem grünen Tee. Mit einfachen und schlichten Keramik oder Porzelan, zwei oder drei Teeliebhaber gemeinsam, sich einen halben Tag Muße zu gönnen, um 10 Jahre Samsara (die phänomenale Welt, ein ewiger Kreislauf zwischen Begehren und Vergänglichkeit) zu vergessen. Nach dem Tee könnte man weiter an seine eigene Karriere arbeiten – für den Ruhm oder für das Geld, das ist gleichgültig. Aber diese Muße im Hier und Jetzt, sei sie nur so kurz ist, ist unentbehrbar in unserem Leben.

TeekanneEin Foto in „Flowers of Shanghai“

….

Fortsetzung folgt. Er schrieb weiter über die Begleitung des Tees – Teesnack.

* Okakura war ein Pendler zwischen den Westen und den Osten, eine unglaublich ambivalente und spannende Persönlichkeit, die sich nicht einfach einordnen lässt. In Japan galt er als umstritten, im Westen ist er der Repräsentant des Osten. Sein Buch „Das Buch von Tee“ ist „mein“ Buch, das ich überall mitnehmen würde – in unzähligen Umzüge meines Lebens.